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am 25. November 2013
Zunächst das Positive: Mich als Argento-Fan freut es sehr, daß mittlerweile auch eine seriöse deutsche Publikation zum italienischen Thriller/Horror-Maestro Dario Argento vorliegt. Zahlreiche seiner Werke gehören zu meinen absoluten Favoriten, insbesondere Suspiria und Inferno sind aus meiner Sicht fast perfekte Meisterwerke. Bislang konnte man nur auf englischsprachige Werke, wie z. B. von Maitland McDonagh oder Alan Jones, die beide im Buch erwähnt werden, zurückgreifen. Etwaige Bücher in anderen Sprachen kommen für mich leider aus mangelnden Sprachkenntnissen nicht in Frage.
Die beiden anderen Rezensenten haben das Buch mit den darin enthaltenen Beiträgen bereits ausführlich beschrieben, so daß ich das hier nicht noch einmal wiederholen muß. Erwähnen möchte ich nur, daß ich insbesondere den Beitrag über das Verbindende bzw. Trennende zwischen Argento und Mario Bava hochinteressant finde, bin ich doch auch ein Fan Mario Bavas und hatte ich doch andererseits bereits gelesen, daß Argento die zahlreichen Vergleiche mit Bava bzw. die Bezeichnung "Bavas Schüler", vorsichtig ausgedrückt, nervig findet.

Somit komme ich jetzt gleich zu dem Aspekt (neben einigen letzendlich unbedeutenden Einwänden bzgl. einiger Behauptungen in dem Buch, die ich habe), der meiner Meinung nach den positiven Gesamteindruck des Buches zumindest teilweise beeinträchtigt.
Insbesondere in den Beiträgen Ivo Ritzers wird der Sachverhalt in einer Art und Weise beschrieben, die, vorsichtig ausgedrückt, schwer verständlich ist. Ich könnte es auch anders ausdrücken: Nach der Lektüre einiger Zeilen verstehe ich nur noch Bahnhof. Sie glauben, ich übertreibe? Hier eine kleine Kostprobe. Lesen wir, was Ivo Ritzer im Beitrag zu Suspiria (ausgerechnet) in drei ausgewählten Sätzen zu sagen hat: "Suspiria funktioniert mehr als Phantasmagorie denn als Drama. Die Albtraum-Attraktionen bleiben ästhetischer Surplus, unproduktive, irrationale Energie; die Erfahrung geht nicht auf im Dekodieren der Zeichen. Ein präreflexiver Mehrwert jenseits von Motivation und Zeichencharakter dominiert, der auf Performanzen des Unbewussten abzielt, noch bevor Verstand und Kognition zu arbeiten beginnen."

Alles klar? Für mich leider nicht. OK, das ist jetzt aus dem Zusammenhang gerissen, aber glauben Sie mir, der Kontext sieht ganz ähnlich aus.
Vielleicht ist dem Autor nicht bewußt, daß nicht unbedingt jeder Leser eines solchen Buches eine umfangreiche akademische Ausbildung genossen hat. Möglicherweise können die beiden anderen Rezensenten, die an dem Buch offenbar überhaupt nichts auszusetzen haben, mit diesen Sätzen etwas anfangen. Ich kann es leider nicht, und ich wage zu behaupten, daß das auch noch für andere gilt.
Warum muß deutsche Literatur zum Film offenbar in solchen Fällen, wenn es eben z. B. um Genre-Regisseure geht, in zwei so auffallend unterschiedliche Lager fallen? Hier das naive, sprachlich auf unterstem Niveau agierende Fanbuch, da die verkopfte, sprachlich aufgeblasene Ausdrucksweise. Warum kann ein solcher Autor nicht wenigstens den Versuch unternehmen, seine möglicherweise ja geradezu brillanten Gedanken auf eine auch für den Normalbürger einigermaßen verständliche Weise zu formulieren. Ich kenne Bücher aus gänzlich anderen Bereichen, wo dies den Autoren, denen man mangelnde Bildung sicherlich auch nicht unterstellen kann, gelingt.

Trotzdem möchte ich wegen der anderen gelungenen Beiträge für dieses Buch eine Kaufempfehlung abgeben. Wer sich wirklich für Argento bzw. dessen Filme interessiert, kann dieses Buch trotzdem getrost erwerben.

Eins noch zum Schluß. Vielleicht ist diese Rezension nicht der richtige Ort dafür. Ich weiß auch nicht, ob vielleicht an anderen Orten im Internet darüber diskutiert wird. Ein Gedanke kam mir immer wieder bei der Lektüre dieses Buches, zumindest bei den entsprechenden Stellen. Das gilt vor allem für den Beitrag über die Suspiria-Drehorte.
Ist eigentlich schon einmal einem der Autoren der Gedanke gekommen, daß Argento ursprünglich keine "Drei-Mütter-Trilogie" geplant hatte und daß somit Suspiria erst im Nachhinein zum ersten Teil einer solchen Trilogie erklärt wurde? Keiner der Autoren geht darauf ein bzw. kommt vielleicht gar nicht auf den Gedanken, daß es so sein könnte. Der Grund für meine Hypothese ist letztlich ganz einfach: Ich habe Suspiria bislang wahrscheinlich mindestens 15 mal gesehen. Allerdings nur in der englischen Synchronfassung. Ich kann micht nicht daran erinnern, daß in einer einzigen Stelle des Films die Bezeichnung "drei Mütter" fällt, oder daß die Direktorin der Tanzakademie als "Mater Suspiriorum" bezeichnet wird. In Suspiria geht es um Hexen und im Wikipedia-Beitrag zu Thomas de Quinceys "Suspiria de Profundis" wird darauf verwiesen, daß es sich bei den "drei Müttern" um vom Autor imaginierte Gefährtinnen der römischen Göttin Levana handelt. Von Hexen ist da nicht die Rede.
Aber das nur am Rande. Ich erwähne es nur, weil mir der Gedanke nicht aus dem Kopf geht.
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TOP 500 REZENSENTam 2. September 2013
Es war ein lange vorbereitetes und geplantes Projekt von Marcus Stiglegger. Zwei Jahrzehnte ging er mit dem Vorhaben schwanger um es dann mit vielen arrivierten Mitstreitern zu vollenden. Heraus gekommen ist ein rund 300-seitiges Kompendium, welches Filmfreunde und Film- und Medienwissenschaftler gleichermaßen zufriedenstellen sollte. Stiglegger fungiert hier als Herausgeber und liefert auch mit dem Text "Der Meister des performativen Terrors" gleich zu Auftakt eine sehr gute Metaanalyse diverser Aspekte des Schaffens Argentos und bringt seine Sichtweise als "performatives Kino der Sensation" auf einen gelungenen Punkt. In seinen Worten werden sinngemäß die Sinne des Publikums durch Bild und Ton ohne narrative Umwege und Logik angesprochen um einen durchgreifenden Einfluss auf diese zu garantieren.

Zu Dario Argento selbst muss man wohl an dieser Stelle nichts weiteres sagen. Kaum ein anderer Filmschaffender hat seit Jahrzehnten den Genre Film, vor allem im Bereich (Giallo-)Thriller und Horror so nachdrücklich beeinflusst. Und kaum ein anderer wurde auch von der deutschsprachigen Film- und Medienwissenschaft so hartnäckig ignoriert und bestenfalls marginalisiert, wie Stiglegger selbst im Vorwort zu Recht bemängelt. Bislang musste man sich mit einem Bilderbuch des bekannt-berüchtigten MPW Verlages von Autor Detlef Klewer begnügen, welches außer den gelungenen großformatigen Filmbildern nicht viel zu bieten hatte. Es war sicherlich auch nicht seine Mission hier kulturwissenschaftliches Format zu erreichen, allerdings sind die Texte weitestgehend auf Untertertia Niveau. Es ist ein Filmbuch von Fans für Fans und damit auch letztlich in Ordnung und es befindet sich zudem auf dem Stand von 1999.

Die rund 260 Textseiten ohne Anhang von DARIO ARGENTO: ANATOMIE DER ANGST sind reichlich schwarz-weiß bebildert und fast auf jeder Doppelseite findet man Fotos, die ich für ein Buch über einen Filmregisseur für unverzichtbar halte. Das Inhaltsverzeichnis ist sehr umfangreich und lässt sich auch nicht gekürzt hier ausreichend wiedergeben. Neben einer Danksagung Stigleggers und einem Vorwort gibt es ein Dutzend Texte mit Analysen zu begleitenden Motiven, Stilismen und medien- und kunsttheoretischen sowie weitläufigen ästhetischen Betrachtungen des Œuvre Dario Argentos. Hier erfahren wir unter anderem Interessantes über die Bedeutung von Kunst in Form von Bildern und Skulpturen in den Filmen von Argento und Wissenswertes über die von ihm mit der Kamera in seinen Filmen geschaffenen Räume.

In dem Aufsatz "Kool Killers" analysiert Ivo Ritzer Gender, sexuelle Symbolik und (Non-) Fetischismus im Werk Argentos und kommt auch zum noch nicht oft geäußerten Schluss, dass Argento in seinen Filmen homophobe Tendenzen zeigte und "männliche Homosexualität ...bei Argento bisweilen als perverses Verhalten stigmatisiert..." ist. Analysen zur Musik in den Filmen des Meisters dürfen danach ebenso nicht fehlen, wie Texte über Verbindendes und Trennendes von Argento und Mario Bava und Brian de Palma. Nebst einer Spurensuche in Argentos Westerndrehbüchern wird leider auch die mit Argento in Deutschland fest verdrahtete Zensurgeschichte seiner Filme in "Argento und die Justiz" von Michael Flintrop gewürdigt.

Danach reihen sich etwa 5-seitige Analysen einzelner Autoren seiner Hauptwerke von "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" von 1970 bis "Dracula 3D" von 2012 an. Eine mehrseitiges Review gerade des letzten Films von Beatrice Behn bekommt meine größte Hochachtung. Denn wer diese Melange aus Über- und Untertreibung sowie Selbstreferenzen kennt, wird sich freuen dürfen, was man aus diesem doch recht ironischen Werk im "zwischenweltlichen 3D" noch herauslesen kann. Dies wird ergänzt durch eine ausführliche und gut strukturierte Filmografie. Dieser folgt eine Bibliografie und ein Kurzportrait der über 30 Autoren. Sehr nützlich für eigenes noch tieferes Abtauchen in das Argento Universum sind auch die weiterführenden Anmerkungen mit internationaler Primär- und Sekundärliteratur am Ende jedes Textes.

Der verehrte Jörg Buttgereit steuerte auch ein kurzes Vorwort bei. Dort gibt er allerdings nur Anekdoten zum Besten die man schon kennt, wie seine erste Begegnung mit Dario Argento 1993 und das persönliche Wiedersehen auf dem 2011er "Weekend of Horrors" Festival in Bottrop, auf dem ich auch beide getroffen habe. Herausgeber Marcus Stiglegger ist bekannt für seine guten Texte und Bücher im Bereich Kultur, Filmtheorie, -praxis und -ästhetik als auch für seine stets gute Mischung aus Kompetenz und spürbare Begeisterung für das jeweilige Sujet. Mit seinem neuen Buch DARIO ARGENTO: ANATOMIE DER ANGST erhält man nicht nur die aktuellste Zusammenfassung über Theorie und filmisches Schaffen des Regisseurs, sondern auch die umfassendste die es bislang im Deutschen Sprachraum gibt und auch sicherlich auf absehbare Zeit geben wird.

5/5 Sternen
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am 13. September 2013
Ganz still und heimlich ist in deutschen Landen etwas passiert, was niemand mehr für möglich gehalten hätte: nein, nicht die Abschaffung der staatlichen Zensur in Deutschland... Erstmals ist im deutschsprachigen Raum ein Buch von über 30 hervorragenden Filmwissenschaftlern und -kennern erschienen, das sich mit dem Werk von Dario Argento befasst, einem der einflussreichsten und ungewöhnlichsten Filmemacher Europas. Warum das so außergewöhnlich ist? Dr. Marcus Stiglegger bringt es auf den Punkt: Es sind die Vertreter der deutschsprachigen Filmwissenschaft, „die anders als im englischsprachigen Raum die Bedeutung von Genrevisionären wie Argento erfolgreich im wissenschaftlichen Diskurs marginalisieren... immer dieselben Beispiele als ,Klassiker‘ glorifizieren...und (somit) für die relative Resonanzlosigkeit der deutschsprachigen Filmforschung international“ verantwortlich sind. Aber es ist nicht nur die konservative deutsche Filmwissenschaft allein, sondern die unheilige Allianz dieser mit dem perfiden staatlichen Zensursystem, das es außergewöhnlichen Filmemachern, besonders aus dem Bereich des Horrorfilms, in Deutschland so schwer macht. Umso mehr muss man den Herausgebern Michael Flintrop und Marcus Stiglegger für dieses Buch danken, das ihnen schon seit Jahren am Herzen lag.

Marcus Stiglegger gibt in seinem einführenden Aufsatz eine kenntnisreiche Einführung in das Gesamtwerk Dario Argentos. Er präsentiert einen Überblick über die unterschiedlichen Schaffensphasen des italienischen Regisseurs, dessen Kino er als „performatives Kino der Sensation“ definiert. „Sensation, da es mit Bild und Ton direkt an die Sinne des Publikums appelliert, und performativ, da es sich über narrative Logik hinwegsetzt und Bild und Klang sich verselbstständigen lässt, um diesen Angriff auf die Sinne zu garantieren.“ Besser kann man das Wesen der meisten Filme von Argento nicht beschreiben. Stiglegger fasst in seinem Beitrag weiter die für Argento typischen Stilmittel (entfesselte Kamera, suggestive Montage, irritierende Klangwelt etc.) und Motive (unschuldig involvierter Protagonist, traumatisierte Täter, Tiere, Okkultismen etc.) zusammen. Was Stiglegger zum Teil nur andeutet und beschreibt, wird in vielen der folgenden thematischen Aufsätze weiter vertieft. Allein zwei Beiträge (Dominik Graf, Marc Fehse) beschäftigen sich ausführlich mit der Musik in den Filmen Argentos. Andere Autoren untersuchen den für viele Filmarbeiten Argentos obsessiven Einsatz von Gemälden und anderen Kunstobjekten (Joanna Barck) oder analysieren die Bedeutung des (unheimlichen) Raumes in Filmen wie „Suspiria“, „Profondo Rosso“, „Tenebre“ etc. (Johannes Binotto). Jörg von Brincken betrachtet „Dario Argentos Filme im Spiegel des Grand Guignol“ und stellt besonders die innige Verbindung zwischen dem Grand-Guignol-Theater und den Filmen Argentos bzw. dem Gore-Genre als Ganzes heraus. Heiko Nemitz fragt sich in seinem Beitrag, was Dario Argento und Brian de Palma verbindet und trennt. Einen ähnlichen Ansatz hat Ingo Knott, der Dario Argento und Mario Bava vergleicht. Dabei interessiert ihn besonders, ob Argento wirklich eine Art „Bava-Jünger“ ist. Eine Aussage, mit der Dario Argento immer wieder konfrontiert wird, die er aber ebenso häufig von sich weist. Etwas mehr als die Halfte des Buches besteht aus solchen und ähnlichen Themenaufsätzen. Hervorzuheben ist hier noch, besonders für die Münchner Fans des Films „Suspiria“, der Beitrag von Sebastian Selig: „Zur Escherstraße. Eine Reise zu den Drehorten von Suspiria (1977).“ Dieser Beitrag ist auch in der Ausgabe 95 der Zeitschrift „Splatting Image“ abgedruckt. Der zweite, etwas weniger umfangreiche Teil des Buches besteht aus in der Regel vierseitigen Filmbesprechungen. 23 Werke Argentos werden aus unterschiedlichen Blickwinkeln von verschiedenen Autoren besprochen. Das Buch „Dario Argento. Anatomie der Angst“ gibt einen Überblick über Filme und Facetten des italienischen Regisseurs von „Giallo“-Thrillern und Horrorfilmen und ist von enzyklopädischem Wert. Es wurde, um mit den Worten von Marcus Stiglegger zu schließen, „reich und liebevoll gestaltet, als wäre es das letzte seiner Art“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
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am 7. Juni 2015
Auch hier liefert Marcus Stiglegger wieder einen hervorragenden Band über einen von der kanonisierenden Filmwissenschaft sträflich unterschlagenen und von den zensierenden deutschen Sittenwächtern ewig indizierten, beschnittenen und beschlagnahmten Filmemacher.

Das Buch liefert einerseits wirklich tiefgründige, fundierte und interessante Analysen zu ausgewählten Themen in Argentos Werk (seine Thematisierung von Kunst, das Verhältnis zum Theater, zu Mario Bava, Brian DePalma, die großartige Musik etc.) und andererseits knapp gehaltene Texte zu allen Filmen.
Im Großen und Ganzen liest sich das Buch wirklich sehr gut und macht neugierig, sich noch weiter mit Argento zu beschäftigen, seine Filme nochmal zu schauen und dann einzelne Texte noch einmal zu lesen. Wer also gerade mit Argento startet oder wer sich schon länger mit ihm beschäftigt, dürfte hier seine helle Freude haben.

Einziger Kritikpunkt (darum ein Stern weniger, sonst wären es fünf gewesen) ist - wie ja auch schon von mindestens einem anderen Rezensenten erwähnt - der unerträglich elitäre und überkomplizierte Schreibstil von Ivo Ritzer, der auch wieder zwei Texte beigetragen hat. Wie dieser Mann es immer wieder schafft, eigentlich äußerst simple Gedanken in unmögliche Satzkonstruktionen zu verpacken, ist eigentlich erstaunlich (das hat mich beim Film-Konzepte-Band über Takashi Miike auch schon extrem gestört). Ich komme mit den Werken Lacans, Derridas und auch Hegels klar, aber die haben wenigstens was Kompliziertes zu sagen, dass dann eben auch kompliziert ausgedrückt werden muss. Bei Herrn Ritzer scheint es da andere Probleme zu geben... was leider arg auf die Lesbarkeit des Ganzen zurück schlägt.

Aber an seinen Texten kann man ja einfach vorbei blättern: insofern natürlich trotzdem eine große Empfehlung!
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VINE-PRODUKTTESTERam 7. Januar 2015
Genau wie alle anderen bisherigen Rezensenten meine ich: Das Buch ist hervorragend und war überfällig. Dem großen Meister des italienischen Giallo, jenes (bei Dario Argento manchmal mit Horror-Elementen durchsetzten) brutalen, stilisierten und nicht immer logischen Krimis ist ein Buch gewidmet, das er mehr als verdient hat. Enthusiastisch wie anspruchsvoll widmet sich ihm eine Reihe von Autoren rund um die Herausgeber Marcus Stiglegger und Michael Flintrop; eine Begegnung mit dem Meister auf dem Dresdner Cinestrange-Festival (2012) lässt zudem eine persönliche Note einfließen. Das Buch ist immer gleichzeitig Liebeserklärung und Analyse, zum doppelten Vorteil gewandelt: Die Liebe macht nicht blind und die Analyse wird nicht kalt.

Das Buch gliedert sich in einen längeren Teil mit thematischen Essays und einen kürzeren mit Analysen der Filme über jeweils ca. vier Seiten, die gleichwohl prall gefüllt sind. Das Verlagslayout ermöglicht eine Kombination von viel (gleichwohl nicht zu klein gedrucktem) Text mit wie immer bei Bertz & Fischer nicht wahllos, sondern gezielt textbezüglich eingesetzten Fotos. Lediglich schade ist, dass diese mit Ausnahme der Bilder auf dem Cover sämtlich in schwarzweiß gehalten sind, gerade bei den delirierenden Farben in vielen Filmen Argentos. Aber gemach: Das wird eine verständliche Kostenentscheidung gewesen sein, und es ist aufs Höchste zu loben, dass der Verlag überhaupt so ein Projekt ermöglicht hat, in dem sich Autoren auf oft wissenschaftliche Weise einem Regisseur widmen, den manche nur als Brutalo-Trash-Lieferanten verstehen. Ob die Gemeinde von Fans, Filmschaffenden, Filmstudenten und interessierten Laien tatsächlich so groß ist, dass das kein Verlustgeschäft wird? Wir rätseln und freuen uns, dass es das Buch überhaupt gibt.

Und was gibt es zu lesen? In Argentos von 1970 bis zuletzt 2012 reichenden Regiearbeiten lassen sich Bezüge herstellen zu: Filmgeschichte (z.B. Lang, Antonioni, Hitchcock), Kunstgeschichte (z.B. Breughel, Caravaggio, natürlich Escher), Architektur, Mythologie, Psychoanalyse (neben Freud vor allem der recht anspruchsvolle Lacan, der eine Verbindung zwischen Psychologie und Sprache geschaffen hat), Gendertheorien und -transgressionen. Hinzu kommt immer wieder das selbstreflexive Element, das "Kino über das Sehen", das Nicht-Wegsehen-Können der Angstlust (Titelbild des Buches, aus "Opera"!)(1) oder das Sehen und doch nicht Erkennen-Können des Sichtbaren, welches manche Detektion in Argento-Plots erst im letzten Moment ermöglicht. "Ich seh' etwas, das Du nicht siehst", oder "das Du zwar sehen könntest, aber nicht erkennst. Argento hinterfragt unsere Sehgewohnheiten, und dem Buch ist hoch anzurechnen, dies alles "sichtbar" zu machen, ohne uns die sinnliche Freude an den Filmen zu nehmen.

Einiges ist freilich arg voraussetzungsvoll geschrieben, vor allem der sehr fremdwortlastige Ivo Ritzer sticht insoweit als m.E. zu abgehoben hervor, doch auch seinem Beitrag über "Gender"-Aspekte in Argentos Filmen lässt sich noch manch interessante Erkenntnis abgewinnen. Und wenn er "Suspiria" als großes "Kunstwerk" – nicht Film-Kunstwerk! – bezeichnet, weil der Film so schön autark antinarrativ ist, so ist dies bestechend (wenngleich dies genau der Aspekt ist, dessentwegen mir "Suspiria" bei aller formalen Brillanz etwas auf die Nerven geht). Im Übrigen auszugsweise zu den Essays: Besonders gelungen fand ich Johannes Binottos Darstellung der filmischen Räume bei Argento, in der er einen Bezug zur Körperlichkeit herstellt, neue Sichtweisen auf die Filme ermöglicht und überzeugend darlegt, dass Argentos Kino genauso die Grenze zwischen dem Innen und dem Außen (zwischen dem Film und dem Zuschauer) überschreitet, wie seine Mordopfer permanent durch Glas gestoßen werden, das das Innen vom Außen trennt. Das Durchstoßen der Körperhülle hat damit natürlich auch etwas zu tun... Dominik Graf schreibt leidenschaftlich-kenntnisreich wie immer über die Musik in Argento-Filmen, Sebastian Selig geht auf augenzwinkernde Reise zu den deutschen Drehorten von "Suspiria", Heiko Nemitz vergleicht vielschichtig die Arbeiten Argentos und Brian de Palmas(2), und die Bezüge zu Fritz Lang schafft er auch noch quasi im Vorbeigehen. Extrem bereichernd ist auch Michael Flintrops Kapitel über Argento und die Zensur. Der Mann hat sich tief ins Juristische eingearbeitet, schreibt aber verständlich und vor allem ausgewogen, anstatt auf die allzu einfache Masche zu verfallen, sich durch plumpes censorship bashing dem Leser anzubiedern.

Zu den Filmen: Es schreiben immer Autoren, die das jeweilige Werk mögen, was aber fast immer in interessante, bereichernde Analyse statt in plumpe Apologetik mündet. Nur das Kapitel über "Dracula 3D" (Beatrice Behn) erscheint allzu durchsichtig. Der Film ist plump? Dann muss es wohl Ironie sein, der Regisseur wollte es halt so – ein fragwürdiges Totschlagargument, mit dem man letztlich alles rechtfertigen kann. Positivbeispiele: Die Autoren räumen m.E. zu Recht mit dem Vorurteil auf, dass Argento seit den 1990er Jahren nichts mehr geglückt sei. Beispielsweise mag ich "Sleepless" sehr, der wie ein Weg zurück zu den Wurzeln scheint, doch Christian Stumberg geht noch weiter: Der Film sei nicht nur ein gelungenes Wiederaufgreifen altbekannter Stilmittel und Motive, sondern habe zudem eine psychologisch stimmige und anspruchsvolle Geschichte zu bieten, bei der die Ursachen des Mordtriebes in familiärer Gewalt liege, die keinesfalls nur in der offensichtlichen Form zutage trete. Dies ist überzeugend, weil immer am konkreten Beispiel der Filmszenen und mit Rekurs auf Lacan so dargelegt, dass man es auch verstehen kann (was bei Ritzer nicht immer der Fall ist). Gerade das "Sleepless"-Kapitel zeigt eine Tugend, die für die meisten Beiträge gilt. Man kennt den Film, schätzt ihn, kann ihm aber jetzt noch viel mehr abgewinnen und möchte ihn am liebsten gleich noch einmal sehen.

Oder man möchte Filme erstmals sehen, wobei ich mir bei "Pelts" nicht so sicher bin, der extrem widerwärtig zu sein scheint. Ob die diversen (wörtlich zu nehmenden) Häutungen nötig sind, um zu zeigen, wie sich das Medium Film häutet und wiederum die Leinwand- (bzw. hier Bildschirm-)grenze überschreitet? Es lohnt zumindest, über den in etwa so lautenden Ansatz von Marcus S. Kleiner nachzudenken. Wie überhaupt fast jeder Beitrag zu ganz neuen Gedanken anregt.

Fazit: Wunderbares Filmbuch mit Leidenschaft und Niveau, teils sehr akademisch. Argentos Filme zerlegen bestimmte Erwartungen, gerade indem sie sie gleichzeitig feiern. Das Buch analysiert Argento, indem es ihn gleichzeitig feiert. Damit dem Meister im höchsten Maße angemessen. Besser kann man es kaum machen. Ein ausführliches Register rundet den guten Eindruck ab.

(1) Verwundert hatte mich etwas, dass niemand die auffällige Parallele zu Stanley Kubricks "Uhrwerk Orange" erwähnt hat. Auch dort wird jemand mit seiner eigenen Angstlust unausweichlich konfrontiert, indem er Gewalt ansehen muss und keine Möglichkeit hat, die Augen zu schließen. Interessanterweise wurde diese bei Kubrick "Ludovico-Therapie" genannte Methode später in "Day of the Dead" erwähnt – einem der Zombie-Filme George A. Romeros, mit dem Argento mehrfach zusammengearbeitet hat und befreundet ist.

(2) Besonders erhellend für mich, da ich zu Argento wesentlich später als zu De Palma fand und mir daher z.B. nie aufgefallen war, dass ein De-Palma-Effekt aus Argentos "Tenebre" stammt: Eine Person taucht unvermittelt hinter einer anderen Person auf. Aber vielleicht hat Argento das ja seinerseits aus der Klamotte "Zwei außer Rand und Band" geklaut. Bud Spencer (der in einer Regie- und zwei Drehbucharbeiten Argentos mitspielt) tritt einer Truppe Schläger allein auf einem Footballfeld gegenüber, überrascht die Angreifer aber damit, dass sich Terence Hill noch hinter ihm verschanzt hat…
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TOP 500 REZENSENTam 12. Dezember 2015
Es mag etwas übertrieben sein, wenn im Klappentext zu diesem Buch behauptet wird, dass die Filme von Dario Argento ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", "Tenebre") hierzulande in erster Linie “eine tragische Zensurgeschichte“ sind. Da der italienische Horror-Regisseur auch weiterhin mit Filmen wie "Giallo" oder "Dracula 3D" aktiv ist, haben sich in den letzten Jahren immer mehr Filmfreunde mit dessen zum Glück nicht mehr ganz so schwer zu beschaffenden und sehr viel interessanteren Frühwerken beschäftigt.

Auch daher ist es erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis endlich ein deutschsprachiges Buch über Dario Argento erscheint. Dieses überzeugt schon durch seine Vielfältigkeit und die umfangreiche Filmographie. Wie in der Reihe “Deep Focus“ von Bertz + Fischer üblich, beschäftigen sich auch hier wieder zahlreiche Autoren mit den einzelnen Filmen und den besonderen Aspekten im Werk von Argento.

Am leidenschaftlichsten ausgefallen ist dabei das Essay “Der wildeste Rausch von allen“ des Filmemachers Dominik Graf (“Die Katze“, “Im Angesicht des Verbrechens“), der sich sehr wortgewaltig mit der “Musik der frühen Filme von Dario Argento“ beschäftigt. Eine gute Ergänzung hierzu ist das Interview mit Claudio Simonetti, der einst mit der Gruppe “Goblin“ die Argento-Filme (aber auch die von Argento betreute Euro-Version von George A. Romeros “Zombie“) mit unvergesslichen wilden Klängen versorgte und auch heute noch mit dem Regisseur zusammenarbeitet.

Argento-Novizen sei neben dem mittlerweile ungekürzt ab 16 Jahre freigegebene “Opera“ der ebenso opulent in Szene gesetzte Film “Suspira“ von 1977 ganz besonders ans Herz gelegt. Die Schauplätze dieses angeblich in “Freiburgo“ spielenden aber großteils in München gedrehten Films hat Sebastian Selig aufgesucht und dies zu einem sehr amüsanten Bildbericht verarbeitet. Die zahlreichen Abbildungen in diesem Buch sind zwar nur in schwarzweiß, doch die Texte liefern die Farben nach und laden zum Erstkontakt oder zur Wiederbegegnung mit Argentos Filmen ein.
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am 14. April 2015
- sebastian selig s zur escherstrasse :
dieser artikel ist völlig überflüssig , hat mit argento nix zu tun , würstchen und bmw-gebäude , dazu vergangenheitsbewältigung auf fünftklässler-niveau . brav erwähnt er natürlich wie unglaublich schändlich es sei , dass maler , welche bereits vor 45 arbeiteten , in der brd kein berufsverbot erhielten . und brav erwähnt er , dass münchen sowiso quell des bösen ist .
ich deute suspiria etwas anders als die heere kulturmarxistischer propagandisten das tuen . so ist der blinde(der moderne mensch der +70er) auf dem königsplatz völlig ausgeliefert wärend er von seinem blindenhund aufgefressen wird , der einst sichere platz bester deutscher tugenden bietet ihm keinen schutz mehr , er ist leergeräumt , hier gibt es keine gemeinschaft mehr , denn der moderne deutsche hat sich entschieden sich selbst auszurotten , blind und alleine , als individuum , nur den feind an seiner seite , seinem natürlichem richtungsorgan beraubt , tippelt er mit seiner humanistisch/christlich gekennzeichneten rotkreuz-sehhilfe in seinen (demographischen) tod , es bellt "deutschland verrecke".
die geschichte spielt in deutschland , die mutter der seufzer ist aber keine deutsche , sondern fremd , aus rumänien , und mit sicherheit zigäunerin , ziehgaunerte , wie wir wissen , bereits durch ganz europa , die mutter der seufzer , ist die jammernde , bettelnde , die rumänische vampirhexe . und das gebäude des bösen ist nicht das braune haus , sondern rot , ein jugendstil-gebäude , ein jüdischer stil , typische jugendstil schlinggewächse machen die architektur , es scheint kein deutsches haus zu sein , eher schlingpflanze mit blüten der kunst lockend , das haus ist tatsächlich eine fleischfressende pflanze , listig , lauernd , fleischfressend wie der blindenhund und hebräisch wie auch latainisch sind die schriftzüge welche an seine wurzel führen , in den keller , von wo das böse agiert .
es seufzt , jammert und frisst uns auf .
selbst die maden symbolisieren assfresser , ja , der graue nachkriegs-leichnam deutschland ist endlich bunt , grün-leuchtend ist jetzt der kadaver , gelb-liberaler eiter wuchert und quillt zusammen mit dem roten sozialistensaft durch den nekrotischen rest des absterbenden restgewebes , bläulich-lila-schimmlig . und lebendig und vielfältig , ja , an fliegen , maden und würmern , ratten und sonstigem assfresser-getier .
nichts , aber auch gar nichts im film deutet auf irgend etwas nationalsozialistisches hin , die klassizistischen gebäude münchens hat leopold bauen lassen , nicht hitler , und es gehört schon viel phantasie , oder besser , verblendung dazu den film in irgendeine nazi-bewältigung umzudeuten . die symbolik des filmes ist klar , scharf und versteckt wie auch dario argentos klingen , und liebe deutschenhasser , wer weiss , vielleicht höhren wir von dario argento auch bald töne wie von david lynch und lars von trier , im klange von "heiliges deutschland" .
vielleicht will er euch die augen öffnen , mit nadeln , euch den roten saft ablassen .

äusserungen zu den anderen aufsätzen folgen .
...dachte ich , doch leider scheint es hier zensur zu geben .
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