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am 4. Mai 2014
Der halbe Erdball, die ganze englischsprachige Welt liest Stevenson im Original, wie er es vor über 130 Jahren zu Papier gebracht hat - wir Deutschen aber brauchen für jedes Jahrzehnt eine neue Übersetzung und noch eine und noch eine... Was war an den alten Übertragungen so falsch, daß sie ausgedient haben sollen, wozu soll das Buch "im 21.Jahrhundert ankommen"? Immerhin läßt sich die Geschichte auf Englisch so frisch und mitreißend lesen, als wär sie gestern geschrieben worden! Im Deutschen gibt es unter den zahlreichen Übersetzungen mindestens eine exzellente - von Karl Lerbs, der nicht pedantisch Wort für Wort übertrug, sondern elegante, der Stimmung, dem Tempo und Rhythmus des Originals entsprechende Wendungen fand.

Neue Versuche führen nur zu Einbuße an Kraft, an Tempo, an Sauberkeit - aber die Verlage scheinen zu glauben, daß man das Rad immer wieder neu erfinden kann. Für eine gelungene Übertragung braucht es eine gehörige Prise Sprachgefühl - und handfestes historisches und fachliches Wissen.

An beidem scheint es Andreas Nohl zu fehlen. Unsäglich schon, daß er die Figuren einander siezen läßt - formal möglich, jedoch fürs 18.Jahrhundert und eine Seeräubergeschichte denkbar unpassend; damit geht bereits ein gut Teil der Stimmung über Stag.
Selbst Synchronisationen drittklassiger Piratenfilme beweisen mehr Sinn fürs Flair und verwenden die Honorativa "Ihr" und "Euch"!

Alsdann gerät die kraftvolle und wunderbar reiche Seemannsprache unter die Räder oder vielmehr unter den Kiel, "da die Seefahrersprache nur Eingeweihten verständlich ist" - merkwürdig, daß die bisher so unverständliche Erzählung je zu einem Bestseller werden konnte... Es gibt kein Dollbord mehr, nur einen schnöden Bootsrand, keine dralle Jolle, nur ein höchst ungenau bezeichnetes Beiboot, der Fockmast wird zum Vormast - da wird doch der flotteste Schoner zum lahmen Prahm! Mit anderen Worten: man traut dem Leser kein Sprachverständnis zu. "Die Schatzinsel" für tumbe Simpel!
Als ich das Buch drei Käse hoch nicht unter der Bettdecke, wohl aber unterm Bett liegend verschlang, waren es neben Stevensons packender Schreibweise gerade diese wundersamen Wörter, die mir die Welt der knarrenden Planken und knatternden Segel eröffneten! - Man möcht nicht wissen, was in Nohls Händen aus dem "Seewolf" geworden wär, in dem es von weitaus mehr nautischen Begriffen wimmelt, oder aus Captain Marryats formidablen Seefahrerbüchern...

Peinlich wird's gar, wenn Nohl schlaumeierisch versucht, Stevenson zu verbessern - Captain Flints gellendes Papageiengekreisch "Pieces of eight! Pieces of eight!" wird nicht zum richtigen und obendrein lautmalerisch passenden ""Piaster! Piaster!" (ein gebräuchlicher Name für die spanischen Pesos de ocho oder 8-Realen-Stücke), sondern zu "Dukaten", weil, so bemerkt es Nohl überschlau, ein Papagei ohne Lippen keine Lippenlaute formen könne. Demnach wäre Stevensons Original ebenso falsch wie die alte Übersetzung ... als könnten Papageien keine Lippenlaute imitieren! Sie erzeugen auch gutturale Töne ohne Kehlkopf und Stimmlaute ohne Stimmlippen - das Argument ist also ganz verquer und entlarvt den Täter als Wichtigtuer, der sich kundiger gerieren will als der Autor von Weltruf!
Davon abgesehen kann ein Übersetzer nicht selbstherrlich den Text ändern (im Nachwort wird aber "größtmögliche Nähe zum Original" versprochen, der Klappentext gar rühmt dreist die "größte Werktreue"!)

Überdies wird durch diese durch nichts motivierte Verschlimmbesserung aus der riesigen in Lateinamerika seinerzeit in Massen geprägten und in aller Welt verbreiteten Silbermünze ein viel selteneres deutsches oder venezianisches Goldstück - ausgerechnet auf der spanischen Silberflotte niemals 350 000mal auf einen Schlag anzutreffen! - diesen faustdicken Humbug aber nimmt der scheinbar so auf Korrektheit pochende Übersetzer großzügig in Kauf. Schon ein Wunder, daß Nohl die "Plate ships", von Amerika nach Spanien abgehende Silberschiffe, nicht mit "Tellerschiffen" übersetzt hat, sondern mit "Goldschiffen". Über ein Quentchen Spanisch sollte verfügen, wer sich mit Piraten der Karibik beschäftigt; plata bedeutet Silber.

Auch an anderer Stelle leistet sich Herr Nohl derbe Schnitzer aus Unkenntnis der englischen Sprache.
So heißt es über Billy Bones im ersten Kapitel: "one of the cocks of his hat having fallen down, he let it hang from that day forth, though it was a great annoyance when it blew". Daraus wird bei Nohl "Nachdem eine seiner Hutfedern abgeknickt war, ließ er sie einfach herunterhängen, obwohl sie sehr lästig sein konnte, wenn der Wind blies."
Nun ist ein "cocked hat" kein Federhut, wie der Hahn im Namen nahelegen könnte, sondern ein Dreispitz oder, seemännisch gesprochen, Dreimaster; auch wenn nicht von "brim" die Rede ist, handelt es sich also um die Hutkrempe - schließlich trug kein Seemann einen straußenfederngeschmückten Kavaliershut à la française! Zudem wird hier aus dem flüssigen Englisch ein umständliches Deutsch mit vier Teilsätzen. Karl Lerbs übersetzte elegant mit "Als seine Hutkrempe sich auf einer Seite gelöst hatte, ließ er sie hinfort einfach baumeln, obwohl ihm das bei Windwetter lästig war." So einfach geht das.
Einen weiteren Fauxami findet man ein paar Kapitel später: "and John would touch his forelock" bedeutet natürlich nicht, Silver habe an seine Stirnlocke getippt - das seemännische Salutieren ist auch einem Kahlkopf noch möglich. Wer die Verfilmung von "Master and Commander" gesehen hat, wird den saloppen Gruß vor Augen haben. Offensichtlich gehören weder Herr Nohl noch sein Expertenstab zu den intimen Kennern der britischen Seefahrt! Dennoch hat Herr Nohl die Stirn, Stevenson der seemännischen Unkenntnis zu zeihen!

Der halbwüchsige Jim wird von Ben Gunn mit "Maat" angeredet, obwohl er dem Alter nicht mal Leichtmatrose sein könnte: "mate" hat eben ein paar mehr Bedeutungen, als Herrn Nohls Schulweisheit sich träumen läßt, unter anderem "Kumpel, Kamerad". Laut Glossar, das von der betreffenden Seite auf eine andere verweist, avanciert Jim dadurch sogar zum Steuermann - das ist schlichtweg grober Unfug.

Der verstörte Dick, dem nach seemännischem Aberglauben Unheil prophezeit wird, weil er eine Bibel geschändet hat, hofft, daß er es durch einen Kuß auf das Buch abwenden kann ("it'll do to kiss the book on still, won't it?"), doch "Das Buch ist aber noch gut genug, um darauf zu küssen, oder?" ergibt gar keinen Sinn. Auch ist eine Bibel, die bei einem Schwur nicht mehr bindet ("it don't bind more than a ballad-book"), im Fall eines Falles, nämlich bei einem Meineid, eben doch kostbarer als sei sie "genau so wenig wert wie 'n Liederbuch".

Ein einziges Mal hab ich eine Stelle entdeckt, die von Lerbs mißverstanden wurde und von Nohl richtig erkannt - wenngleich nun der absonderlich geheimnisvoller Ausdruck "Flints Faust" zum prosaischeren "Flints Gekrakel" wurde. Tatsächlich aber ist mit "fist" eine Handschrift gemeint: die Karte also.

Apropos Karte: nicht einmal die bleibt von Fehlern verschont! Daß das akribisch gezeichnete Original durch großschriftig darübergesetzte deutsche Namen vermehrt wird, mag noch als Schönheitsfehler durchgehen. Daß der größte Hügel, das "spyeglass", aber identisch ist mit dem "main mast", wird durch Silver beim ersten Anblick der Schatzinsel erklärt - auf der neuen Karte jedoch erhält ein bislang unbenamstes Hügelchen nahe der Nordbucht und nördlich des "Ausgucks" den Namen "Großmastberg" (was ähnlich tapsig klingt wie Zugspitzenberg oder Matterhornberg) - für die Eleganz und Kraft der Sprache fehlt dem Übersetzer anscheinend jeder Sinn.

Auch für Stevensons Sprachrhythmus hat Nohl kein Ohr.
Man lese, wie gleich zu Beginn der alte Käptn beschrieben wird - gleichsam mit Jim Hawkins' Augen über die pittoreske Gestalt wandernd: "I remember him as if it were yesterday, as he came plodding to the inn door, his sea-chest following behind him in a hand-barrow; a tall, strong, heavy, nutbrown man; his tarry pigtail falling over the shoulders of his soiled blue coat; his hands ragged and scarred, with black, broken nails; and the sabre-cut across one cheek, a dirty, livid white." Nohl zerhackt diesen nicht grundlos so langen, doch immer noch gut lesbaren Satz in drei und steht nicht an, den letzten wie nach einem Stocken mit "und" beginnen zu lassen: "...die Fingernägel schwarz gerändert und abgebrochen. Und der Säbelschmiß auf seiner Wange...". Das holpert und stolpert nun wie ein Schulaufsatz - nicht nur an dieser Stelle, denn für Satzanfänge mit "und", die seit Fritzing Reuter verpönt sind, hat der Übersetzer eine Vorliebe - sie tauchen sogar im Doppelpack auf.
Geradezu gestelzt klingen Ausdrücke, die umgangssprachlich salopp klingen sollen: "mir hat der Job kein Zehntel so gut gefallen, bevor ich das Gespräch mit dir hatte" sagt kein Mensch

Mitunter liest sich Nohls Deutsch geradezu, als hätte er Tucholskys Anleitung für einen schlechten Redner zugrunde gelegt. Doppelte Genitive geben sich ein fröhliches Stelldichein, kraftvolle Verben verkümmern zu bürokratischen -ung-Wörtern usw. usf. Schon die Überschriften tschilpen es vom Dache: "Die Seemannskiste" (statt "Die Seekiste"), "Fortsetzung der Erzählung durch den Doktor: Die letzte Fahrt mit dem Beiboot" (statt "Der Doktor setzt den Bericht fort: "Die letzte Fahrt der Jolle") und dergleichen mehr.

Besonders greulich finde ich aber solche gequälten Modernismen wie "hau mich der Lukas!" - aus dem Munde von Long John Silver unsäglich! Das ist nicht seemännisch gesprochen, ja, nicht mal umgangssprachlich, sondern arg gekünstelt und klingt für meine Ohren schlichtweg falsch.

Nein, dieser unsterbliche Klassiker hat einen solch garstigen Kastratenschnitt nicht verdient. Über die Planke damit!
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am 14. Februar 2014
So gerne ich Harry Rowohlt höre: für die Lesung ist er deutlich zu alt besetzt
. Betulichkeit ist nun gerade genau das Gegenteil von dem jugendlichen Entdeckergeist, den ich mir in der Stimme des Diseurs gewünscht hätte.
Die Neuübersetzung bringt leider keinen neuen oder anderen Zugang zum Text, im Gegenteil: sie verkleistert den Text, nimmt ihm seinen Charme und verlegt ihn sprachlich in ein scheinmodernes Nirgendwo. Leider eine Geburtstags Produktion = eine, die man sich hätte schenken können.
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am 7. Januar 2014
Ich besitze eine für die Jugend bearbeitete Ausgabe, 30 Jahre alt, 4,99 DM gekostet. Die Ausgabe ist kaum gekürzt, es fehlen nur ganz wenige Sätze.
Ich habe nun die Andreas Nohl Ausgabe und parallel dazu die Jugendausgabe einigen Familienmitgliedern vorgelesen. Das war kein Doppelblindversuch, weil zumindest mir bekannt war, woher der Text kommt. Aber immerhin.

Der Text der Jugendausgabe hat besser gefallen. Kleines Beispiel: Es klingt modern, aber für einen Roman, der im 18. Jahrundert spielt, ist die Übersetzung "Erfrischungsgetränke" für "cooling drinks" gewöhnungsbedürftig. Die meisten Übersetzungen schreiben "kühlende Getränke", und ich finde das auch passender, weil der Kapitän, der diese Getränke erhält, krank ist.

Über dieses Versuch werden Literaturwissenschaftler und Verlag nur müde lächeln. Aber er zeigt, dass nicht zwingend in jedem Fall ein teurer Neukauf notwendig ist. Vor dem Kauf sollte man vergleichen, was besser gefällt.
Man findet mühelos ein halbes Dutzend Übersetzungen, die alle wesentlich günstiger sind.

Noch ein Wort zum Hörbuch: Harry Rowohlt liest auf 6 CD das komplette Buch vor. Man hätte sich einen anderen Sprecher suchen sollen. Rowohlt kann das einfach nicht, demnächst bewerbe ich mich auch als Vorleser, schlechter wäre ich sicher nicht. Wenn es zum Beispiel spannend wird oder Silver droht, senkt Rowohlt auch noch die Stimme und nimmt jeglichen Druck heraus, als wollte er gleich einschlafen. Was soll das denn?
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am 10. Dezember 2013
Die neue Übersetzung gefällt mir, auch im unmittelbaren Vergleiche zu den mir vorliegenden älteren - und auch nicht zwingend schlechten - Versionen aus den 1950ern und 70ern, sehr gut. Ein "bearbeitet für die Jugend" sucht man zum Glück in Nohls Variante vergeblich, dies ist den meisten anderen Übersetzungen (auch weiterer Klassiker wie z.B. Cooper) leider denn doch sehr oft zur Last zu legen.
Das Buch selbst ist sehr wertig gebunden, die Umschlagsgestaltung gelungen.
Auch gut die Erklärungen zur Übersetzung, die zu den seemännischen Begriffen sowie die weiteren Anhänge.
Negativ bewerte ich lediglich die zu kleine Karte der Insel, da hätte man gerne eine vielleicht separat beiliegende, etwa 4 mal so große Karte gehabt, um besser im Text versinken zu können... Mal schauen wo sich sowas besorgen lässt.
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am 21. November 2013
ich lese gern alte bücher in alten übersetzungen, für mich ist es häufig stimmiger, auch das zeitgenössische deutsch mitzunehmen bei solcher lektüre. hier bei diesem buch bin ich von der neu-übersetzung sehr beeindruckt und in keinster weise enttäuscht. der übersetzer versucht nicht zwanghaft, neudeutsche sprache einzuführen in eine doch schon fast hundertfünfzig jahre alte geschichte, aber erstaunlicherweise ist sie trotzdem sehr gut lesbar und könnte also auch ein produkt der neuzeit sein. wunderbar, finde ich.

die geschichte ist ja hinlänglich bekannt, deshalb hier nichts weiter darüber. diese ausgabe hier bietet aber mehr, nämlich einige historische texte zum werk, verfaßt vom autor selbst, eine wunderbare geschichte darüber, wie das buch von der schatzinsel zu dem wurde, was es noch heute ist, ein bericht seiner frau über das selbe thema, ebenso von seinem stiefsohn, dessen gemalte schatzinsel stevenson zum anlaß nahm, ein buch darüber zu verfassen, eben diese historische seeräuberpistole, wo die bösen gegen die guten am ende verlieren, wie es ein kindliches gemüt nun mal ohne verflixte psychologische spielchen eigentlich auch nur wissen will. all das sehr humorvoll und herzerwärmend notiert.

das nachwort und die anmerkungen sind auch sehr lesenswert- alles in allem eine wunderbare neue wiederentdeckung eines alten jugendbuches, eine bibliophile ausgabe, die auch erwachsenen so richtig das leseherz aufgehen lassen sollte.
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am 14. Januar 2014
Mit einiger Belustigung verfolge ich seit einer Weile, was hier von Kundenrezensenten zur Neuübersetzung der Schatzinsel vorgetragen wird. Es gibt ja zwei Lager, das 5-Sterne-Lager und das 2-Sterne-Lager. Allerdings fällt auf, dass das 5-Sterne-Lager aus verifizierten Kunden besteht, während das 2-Sterne-Lager das Buch wohl nicht bei Amazon gekauft hat. Es handelt sich also bei letzteren möglicherweise nicht um Kunden-Rezensionen. Man muss sich in der Tat fragen, warum jemand, der ein Buch nicht bei Amazon kauft, sich ausgerechnet bei Amazon zu Wort meldet, um dieses Buch zu verreißen und stattdessen wahllos Billigprodukte für 4,50 anzupreisen. Das hat einen mächtigen Hautgout.
Nun zum Blindversuch: Ich selbst habe mehrere Blindversuche unternommen, allerdings nicht in einer in diesem Forum unüberprüfbaren Familienrunde, sondern bei den Literaturredaktionen der deutschsprachigen Zeitungen und Rundfunkanstalten. Landauf landab kommentieren so gut wie alle Zeitungen geradezu hymnisch die Neuübersetzung von Andreas Nohl. Alleine die Frankfurter Sonntagszeitung, die FAZ und vor wenigen Tagen die Frankfurter Rundschau sind sich im Lob über die Neuausgabe einig. Ebenso die ZEIT und die NZZ, der Deutschlandfunk (Denis Scheck) usw. In der FAZ wurde kurz vor Jahresende von den Literaturredakteuren die Neuübersetzung der Schatzinsel als eine der sieben „großen literarischen Leistungen der letzten zwölf Monate“ gewürdigt. Alles das kann man mühelos im Internet nachlesen (google-suche: schatzinsel neuübersetzung).
Meine eigene Wertung: Wer die Schatzinsel einmal in einer sehr textgetreuen und zugleich literarisch ernstzunehmenden Version lesen will, dem empfehle ich diese neue Ausgabe. Sie ist erstklassig ediert und ein wahres Fest für jeden, der des Lesens mächtig ist.
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am 8. April 2015
Die Schatzinsel in einer superben Neuübersetzung

Ich habe mir vor einer Weile die Schatzinsel in der Übersetzung von Andreas Nohl besorgt und stoße hier zufällig auf die Kommentare und Debatten der Kommentare. Erstmal muss ich sagen, dass mir die Lektüre des Buchs, das ich schon in meiner Jugend gelesen hatte, ausnehmend gut gefallen hat. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass eine Übersetzung es schafft, eine jugendliche Lektüre für mich als erwachsenen Leser derart fabelhaft zu erneuern und sogar noch zu steigern. Ein wirklich tolles Leseerlebnis!
Und dann lese ich hier die Stellungnahmen und bin doch einigermaßen befremdet. Vor allem, was 'Nachthund' da zum besten gibt, halte ich großenteils für an den Haaren herbeigezogenen Unfug und in seinem Ton für besserwisserisch. Die Qualität einer Übersetzung bemisst sich übrigens nicht an dem einen oder anderen Flüchtigkeitsfehler ' nobody is perfect ', sondern an der Gesamtleistung, an der Stimmigkeit des Konzepts, an der ästhetischen Wirkung. Und hier finde ich Nohls Übersetzung einfach grandios: sie liest sich eben nicht wie eine bloße Übersetzung, sondern wie herausragende deutsche Literatur.
Alles, was Nachthund ansonsten vorbringt, sind geschmäcklerische Einwände, die großenteils auf Dingen beruhen, auf die Herr Nohl in seinem Text 'Zur Übersetzung' im Buch selber hinweist. Ich kann, muss ich sagen, die Aufregung nicht nachvollziehen. Und warum ausgerechnet eine Jugendbuchübersetzung aus dem 3. Reich, auf die Herr Nohl übrigens auch zweimal hinweist, das Non plus Ultra sein soll, erschließt sich mir ebenfalls nicht.
Hier mal zu einzelnen Punkten, weil Nachthund sich ja als so fundiert und kenntnisreich ausgibt. Es wird beklagt, dass Bootsrand statt Dollbord geschrieben wird und Beiboot statt Jolle. Mir ist das, ehrlich gesagt, egal ' aber ich kann nachvollziehen, dass deutsche Leser nicht ohne weiteres verstehen, was ein Dollbord ist, und dass bei Jolle ein Boot mit einem Segel assoziiert wird, weswegen Beiboot der seemännisch treffendere Fachausdruck ist. Ansonsten ist das Buch so voll von Fachausdrücken aus der Seefahrt, dass die Kritik, das Seemännische würde zu kurz kommen, überhaupt nicht stimmt. Im Gegenteil werden zahllose Begriffe in den Anmerkungen erklärt, und auf dem hinteren Vorsatz ist ein Schoner abgebildet, wo die einzelnen Begriffe sehr anschaulich dargestellt sind ' habe ich so bei noch keiner Ausgabe der Schatzinsel gesehen. Der Danksagung ist zu entnehmen, dass sowohl ein veritabler Kapitän zur See als auch das Deutsche Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven bei dieser Übersetzung Pate gestanden haben. So what?
Dann die 'Honorativa'. Da wird beklagt, dass sich die Leute nicht Ihrzen, sondern Siezen. Schon bei Lessing und davor (also im 18. Jahrhundert, in dem die Schatzinsel spielt) reden sich die Leute aber mit Sie an, und üblicherweise war den niederen Angestellten die degradierende Ihr-Form vorbehalten (schon das 'Er' stellte eine Verbesserung dar). Außerdem, das wird in Nohls Nachwort deutlich, war Stevenson ein moderner Schriftsteller, der keinen 'historisierenden' Stil gepflegt hat.
Und so auch bei jedem anderen Punkt: es sind für mein Gefühl Geschmacksvorlieben eines rückwärts gewandten Lesers, der die Modernität des Romans nicht begriffen hat, die hier endlich mal in einer adäquaten Übersetzung vorgeführt wird. Auch die abfälligen Kommentare über professionelle Zeitungs- und Rundfunkrezensenten sind unangebracht. Die wissen schon, anhand welcher Kriterien man guter von schlechter Literatur und auch Übersetzungen unterscheiden kann. Und den extrem selbstgefälligen bis hasserfüllten Ton, mit dem die großenteils substanzlosen Vorwürfe vorgetragen werden, empfinde ich als abstoßend. Ich kann nur hoffen, dass sich Herr Nohl durch solche Pseudokritiken in seiner Arbeit nicht beirren lässt. Für mich war und ist dieses Buch eine echte Bereicherung. Und was Nachthund betrifft, frei nach Lichtenberg: Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen, und es klingt hohl, muss es dann immer das Buch sein?
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am 20. Februar 2014
Auf der Suche nach einer hochwertigen Ausgabe dieses Titels, bin ich auf dieses wundervolle Exemplar gestoßen und kann es wirklich nur weiter empfehlen! Die negativen Kritiken hier kann ich überhaupt nicht nachvollziehen - mir persönlich gefällt die Übersetzung von Andreas Nohl sehr. Danke an Hanser, für dieses schöne Buch!
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am 7. Dezember 2013
"Die Schatzinsel" ist ein großartiges und unsterbliches Buch, zigmal verfilmt und schon zigmal ins Deutsche übersetzt, zuletzt vor nicht einmal drei Jahren! Warum nun schon wieder eine Neuübersetzung erscheint, versteht man nicht, zumal sie nicht besser ist als die vorigen, der Preis dafür jedoch ungewöhnlich hoch. Ein verlegerisches Spekulationsobjekt also, das zur unsinnigen Bücherschwemme beiträgt. Für den Roman würde ich zwar glatt 10 Sterne vergeben, für die komplette Überflüssigkeit dieser Ausgabe aber keinen einzigen. Mit Ach und Krach also 2 Sterne. Es gibt preiswertere Ausgaben dieses Romans, teilweise sogar besser übersetzt.
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