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Kundenrezensionen

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am 8. Januar 2017
Über "Anna Karenina" muss man wahrscheinlich nicht mehr viel sagen. Ich habe es mehrfach gelesen und bin immer wieder überrascht, welche Details das Buch bei der mehrfachen Lektüre noch offenbart. Welche Tiefe und Originalität Tolstoi in der Wahl seiner Topoi beweist.
Diese Ausgabe ist jedoch noch hervorzuheben, weil sie einerseits umfangreiche Anmerkungen besitzt und andererseits wirklich ausgezeichnet übersetzt ist. Eine klare Empfehlung!
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Das Leben wird vielleicht erst glücklich und schön durch die Leidenschaften. Leidenschaften können das eigene Leben und das anderer jedoch auch tief unglücklich machen oder gar zerstören. Tolstoi erzählt von der hellen und von der dunklen Seite menschlicher Emotionen. Weder die Liebe steht in unserer Macht, noch die Folgen, die diese für uns bringt. Und darin besteht das Leben: das Helle auskosten und das Dunkle erleiden.

Die verheiratete Anna Karenina verliebt sich in den Lebemann Wronski. Diese Liebe ist stärker als das Band der Ehe, stärker als gesellschaftliche Konventionen, ja sogar stärker als die Bindung an das eigene Kind. Tolstoi erzählt nicht nur die Geschichte eines Ehebruchs, nicht nur die Verlogenheit einer Gesellschaft, in der das Fremdgehen fast üblich scheint, sondern er erzählt vor allem vom Auf und Ab der Gefühle der Liebe, die Irrungen und Wirrungen zweier Liebender. Die Geschichte handelt auch vom Weg der Liebe von der heißen, flammenden anfänglichen Liebe bis zum Alltag, in dem die Liebe scheinbar erkaltet.

Lewin und Kitty sind die beiden Gegenstücke zu Anna Karenina und Wronski. Sie finden sich, heiraten und leben schließlich ein glückliches Leben. In die Person Lewin legt Tolstoi wohl viel von sich selbst hinein. Er ist die sympathischste Figur des Romans und sein Charakter ist der tiefgründigste des ganzen Romans. Er, der sich wenig aus äußeren Gütern und dem gesellschaftlichen Getue macht, ist es, der sich Gedanken macht über den Tod und den Sinn des Lebens. Als er mit den Bauern einmal aufs Feld geht, um Gras zu mähen, heißt es: „Arbeit wie durch Zauberei, ohne dass man an sie dachte, richtig ordentlich. Das waren die seligsten Augenblicke.“
„Gott hatte diesen Tag gegeben, Gott hatte ihnen Kraft gegeben. Der Tag und die Kraft waren der Arbeit geweiht, und der Lohn bestand in der Arbeit selbst. Für wen war diese Arbeit? Was für Früchte würde sie tragen? Das waren nebensächliche, bedeutungslose Fragen.“
Und, typisch Tolstoi, Lewin ist es, der am Ende für sich einen Sinn des Lebens findet.

Tolstois Erzählkunst, sein erzählerischer Charme ist auf höchstem Niveau. Er kann wunderbar, eindringlich und einfach nur schön ebenso von der Arbeit der Bauern auf dem Feld wie auch von der langsam wachsenden, scheuen Liebe zweier Menschen erzählen. In allem zeigt er sich als genauer Beobachter menschlicher Leidenschaften, Regungen und Gefühle. Gerade in den Kleinigkeiten wie dem Erröten eines Gesichtes, einem kurzen Innehalten einer Bewegung oder einem Seitenblick oder Augenzwinkern kommt für Tolstoi oft das Wichtigste zum Vorschein.
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Erster Eindruck: Liebesränke in adeliger Gesellschaft

Um die von einer Krise gerüttelten Ehe ihrer Schwägerin Dolly zu retten, reist die adelige Anna Karenina aus ihrer Heimat nach Moskau. Sie erteilt ihr nicht nur den Rat, nach dem Seitensprung ihres Gatten ihre Liebe noch eine zweite Chance zu geben, sondern begleitet auch ihre Schwester auf einen Ball. Dort begegnen sie Graf Wronskij, für den Kitty eine tiefe Liebe empfindet. Doch Anna und der Graf fühlen sich sofort zueinander hingezogen – und das, obwohl Anna ebenfalls verheiratet ist…

Mit Anna Karenina hat Lew Tolstoi einen der bekanntesten Romane geschrieben, hoch geschätzt von Lesern wie Kritikern. Der Audio Verlag hat nun eine komplette Lesung mit Ulrich Noethen produziert, die sage und schreibe etwa 37 Stunden dauert. Jede Menge Zeit also, aber diese sollte man sich auch nehmen. Den Tolstoi beschreibt mit so treffenden, einprägsamen Worten die verschiedenen Liebschaften, die Emotionen der Protagonisten, dass sich diese völlig auf den Hörer übertragen. Dabei schafft er es auch, hochkomplexe Beziehungsstrukturen zu vermitteln und begreifbar zu machen. Dazu muss er keine hochtrabenden Wörter oder Satzstrukturen nutzen, sondern schreibt schlicht und gut verständlich – eine so intensive Nutzung von Sprache erlebt man in kaum einem anderen Roman. Zentrales Thema ist dabei die Liebe, drei Ehepaare werden auf ihrem Weg begleitet, fügen sich gegenseitig nie wieder heilende Wunden zu und vergehen in ihrer selbstzerstörerischen Leidenschaft. Immer wieder spielt auch der Ehebruch eine wichtige Rolle, zieht sich als wichtiges Element duch die gesamte Handlung. Es wird gezeigt, wie verletzlich man in einer Beziehung ist, wie sehr sich die Liebe im Laufe der Zeit verändern kann, und all dies in einer so treffenden Weise, dass wohl jeder sich in die eine oder andere Person hineinversetzen kann. Das Wechseln zwischen den drei Paaren erlaubt dabei ganz unterschiedliche Betrachtungsweisen, die lange Zeit von mehreren Jahren einen wesentlich tieferen Blick in die Materie. Die Ansiedlung in adeligen Kreisen Russlands bringt noch andere, sehr interessante Komponenten mit ein. So muss sich Anna Karenina zwischen ihrem sicheren und angesehenen Leben und der leidenschaftlichen Liebe zu ihrem Verehrer entscheiden. Gerade ihr Schicksal ist es, das bewegt, ihr dramatisches Ende hinterlässt den Hörer gleichsam erschüttert wie wachgerüttelt. Ein Roman von unglaublicher Güte, sehr eindringlich, treffend und emotional beschrieben.

Für die Lesung wurde der hoch angesehene Schauspieler Ulrich Noethen ausgewählt. Etwas ungewöhnlich für den Roman, in dem die weiblichen Protagonisten immer etwas mehr im Vordergrund stehen, eine männliche Stimme auszuwählen, doch er kann dies ganz wunderbar meistern. Er spielt mit den Worten Tolstois, kostet sie aus und geht in dessen Formulierungen völlig auf. Mit klarer, fester Stimme schildert er die Handlung, geht genau auf die kleinsten Gefühlsregungen ein und kann dabei mit der intensiven Schilderung Tolstois mithalten.

Sehr edel und hochwertig ist die Gestaltung der Verpackung, die wirklich sehr durchdacht wirkt. Die stabile und hübsch gestaltete Pappbox enthält gleich vier mehrfach ausklappbare Digipacks, in denen die 29 CDs hinter Papplaschen Platz finden. Diese enthalten Zitate aus dem Werk, auch Fotos aus der bekannten Verfilmung sind hier zu finden. Als Bonus ist die komplette Lesung noch einmal als MP3-Version auf DVD beigefügt. Zudem liegt ein umfangreiches Booklet bei, das weitere Fotos sowie diverse Informationstexte rund um die Produktion enthält.

Fazit: Völlig zu Recht gilt Anna Karinina als einer der bedeutendsten Werke moderner Literatur. Die so eindringliche und erfassbare Schilderung komplexer Gefühle, wie unerschütterliche Liebe, kaum zu bremsender Leidenschaft, Scham, Lust oder auch aufkommendem Wahnsinn, ist wohl einzigartig und kann den Hörer mitreißen. In dieser hervorragenden Lesung eines der besten Hörbücher, das ich in letzter Zeit gehört habe.
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am 27. Juni 2012
Anna Karenina ist auf Anhieb nicht dazu angetan, den heutigen Leser zu verführen: 1200 Seiten Familiendrama im zaristischen Russland des 19. Jahrhunderts? Wirklich?

Unbedingt. Dieses Werk kann nicht enttäuschen, heute nicht und nicht in 500 Jahren, ob es in Oldenburg oder Abu Dhabi gelesen wird. Die adelige Gesellschaft im Russland einer vergangenen Epoche bildet den nur den Rahmen für eine einzigartige, präzise und zutiefst beeindruckende Studie der menschlichen Psyche. Hier geht es um uns, unsere Antriebe, Begierden, Widersprüche, Ängste, unser ganzes inneres Dasein. Dieses Buch geht alle an, zu jeder Zeit.

Schon auf den ersten Seiten entwickelt Tolstois Prosa ihren unwiderstehlichen Sog: Ein ertappter Ehebrecher - Oblonski - erwacht auf dem Sofa und erinnert sich, während er langsam zu sich kommt, mit zunehmendem Grausen an die zurückliegende Auseinandersetzung mit seiner betrogenen Frau - da liest man doch gerne erst einmal weiter! Sofort zeigt sich die große Kunst Tolstois, den Leser teilhaben zu lassen an der Gefühls- und Gedankenwelt seiner Figuren. Das vollzieht sich so selbstverständlich, so mühelos, dass man fast meint, selbst der zu sein, von dem da die Rede ist. Wenige Seiten später beschreibt Tolstoi die Begegnung Oblonskis mit seiner kleinen Tochter, die er scheinheilig fragt, ob die Mutter "vergnügt" sei: "Das kleine Mädchen wusste, dass es zwischen Vater und Mutter Streit gegeben hatte und dass die Mutter nicht vergnügt sein konnte, dass der Vater das wissen musste und dass er sich verstellte, wenn er so leichthin danach fragte. Und sie errötete für ihren Vater. Er verstand das sofort und wurde ebenfalls rot." Es ist atemberaubend, mit welch scheinbar nonchalanter Präzision Tolstoi komplexe psychologische Vorgänge beschreibt. "Anna Karenina" ist prall gefüllt mit solchen beglückenden, meisterhaften Darstellungen innerer Abläufe. Und weil der Autor, wie bei aller großen Literatur, nicht viele Worte benötigt für seine Schilderungen (trotz der 1200 Seiten!), liest sich das alles ganz leicht, in Echtzeit geradezu. Man könnte viele Szenen herausgreifen und darüber in Verzückung geraten: sei es die seitenlange Schilderung eines dramatisch missglückten Pferderennens Wronskijs, oder die Beschreibung, wie Lewin beim Grasmähen mit den Bauern in einen Glückszustand gerät, den man neuzeitlich als "Flow" bezeichnen würde, oder die Jagd-Szenen, in deren packender Schilderung sich die Faszination dieser Freizeitbeschäftigung auch dem Skeptiker erschließt (aber keine Sorge: Dass man nun selbst mit dem SUV in die Sümpfe fahren und ein paar Schnepfen vom Himmel ballern möchte, soweit reicht die Erzählkunst dann doch nicht). Und natürlich stellen auch die großen Randpunkte unserer Existenz den Meister vor keine Probleme: Tod und Geburt werden so eindringlich, unverfälscht und gekonnt beschrieben, dass man beschämt verstummen und nie mehr von derlei sprechen oder darüber lesen möchte - hat Tolstoi alles schon besser gesagt. Der dramatische Höhepunkt des Romans schließlich, Anna Kareninas langes, verzweifeltes Umherirren vor ihrem Selbstmord und der letzte Akt auf dem Bahnhof, bricht einem das Herz. Es ist schon fast unheimlich, wie uns Tolstoi zum Begleiter dieser schönen, traurigen Figur macht, wie nah wir ihr kommen, bis zur ihrer letzten Sekunde und ihrem letzten verzweifelten Gedanken.

Ein großes, großartiges Buch. Man sollte es lesen!
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TOP 500 REZENSENTam 8. November 2010
Anna Arkadjewna Karenina kommt von Petersburg nach Moskau, um im Ehestreit ihres Bruders Stepan Oblonski (Stiwa) zu vermitteln. Kitty, Stiwas Schwägerin, ist in den Grafen Wonski verliebt und hat in Erwartung seines Antrages den Heiratsantrag des Gutsbesitzers Konstantin Lewin abgelehnt. Auf einem Ball trifft Anna Wronski wieder, er hat nur noch Augen für die verheiratete Anna und die junge Kitty versinkt in ihrem Unglück. Anna, nur nach außen hin glücklich scheinend, mit dem hohen Staatsbeamten Alexej Karenin verheiratet, stürzt sich in eine Affäre mit dem jungen Offizier. Diese Liaison bleibt nicht ohne Folgen, Anna bringt ein Mädchen zur Welt. Mit ihrem Ehemann kann sie nicht weiter zusammenleben, sie verlässt ihn und den gemeinsamen Sohn, lässt alle Konventionen hinter sich und ist bereit den Preis zu zahlen. Für die Gesellschaft ist sie damit untragbar geworden. Gesellschaftlich fallen gelassen, moralisch verurteilt und isoliert lebend, den Sohn vermissend und die Tochter nicht liebend, wartet sie auf die Einwilligung des Ehemannes in die Scheidung. Doch er versagt ihr diese. Auch in der Beziehung zu Wronski ist große anfängliche Verliebtheit gewichen, Eifersucht, Unverständnis, Wut haben im Alltag Einzug gehalten. Man spürt ihre innere Zerrissenheit. Für Anna erscheint die Situation ausweglos.

Kitty hat nach einem längeren Kuraufenthalt in Deutschland erkannt, dass ihr Herz doch für Lewin schlägt. Beide heiraten und schon bald wird der Sohn geboren. Er ist zwar glücklich, die Frau, die er aufrichtig liebt, geheiratet zu haben, zufrieden ist aber auch er nicht. Er strebt nach Veränderungen im Landleben und arbeitet an einem Buch über seine sehr fortschrittlichen Visionen zur Modernisierung Landwirtschaft.

Stiwa und Dolly Oblonski stellen das Bindeglied zwischen diesen zwei Handlungssträngen dar. Beide haben sich arrangiert, der Ehebruch Stiwas, der zu Beginn des Romans die Ehe fast hat zerbrechen lassen, ist kein Thema mehr. Beide leben mehr oder weniger ihr eigenes Leben, geprägt durch ständige Geldprobleme, denn Stiwa ist noch immer der Lebemann, inzwischen nur diskreter.

"Anna Karenina" ist für mich ein Meisterwerk, das Buch der Bücher, schon x-mal gelesen ist mir dafür kein Superlativ zu platt. Tolstoi ist ein begnadeter Beobachter und meisterhafter Erzähler. Er schafft es Szenen so mit Worten zu illustrieren, dass sie einem wie ein Film vor Augen ablaufen, genannt seien dafür stellvertretend das Pferderennen, Lewins Jagd im Schnepfensumpf und Dollys Besuch bei Anna. Seine Protagonisten sind alle lebensechte Menschen, sie haben Stärken und Schwächen. Kein einziger ist nur gut oder nur schlecht. Dabei beschreibt er die Charaktere ausgefeilt, facettenreich und psychologisch fundiert, so dass der Leser bei ihnen mühelos eine Entwicklung verfolgen kann. Lew Tolstoi breitet in diesem Mammutwerk verschiedene Lebensphilosophen und Lebensstile aus. Setzt sich mit der Familie und dem Sinn des Lebens an sich auseinander und baut darum die Geschichte um die drei adligen Familien auf.

Der Roman hat mehrere Handlungsstränge, zwischen denen wechselt Tolstoi immer wieder in seiner Erzählung, so dass das Schicksal seiner Hauptpersonen auch aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Aber er arbeitet auch deutlich das Verbindende und Trennende zwischen den einzelnen Familien heraus, so dass wirklich der Eindruck entsteht, man kenne alle Protagonisten schon seit Jahr und Tag. Die Beschreibungen von Personen und Szenarien sind meist sehr umfangreich, bildhaft und detailliert. Aber beim Lesen der fast 1.300 Seiten kam nie Langeweile oder Ermüdung auf. Ich habe immer den Drang verspürt, mehr zu erfahren und weiter am Leben der Familien teilzunehmen. So wird dann letzten Endes deutlich, dass die glücklichen Familien einfach nur glücklich sind, sich die unglücklichen Familien jedoch in ihrem Unglück von einander unterscheiden.

Immer wieder werden "Effi Briest", "Madame Bovary" und "Anna Karenina", die großen Ehebrecherinnen in der Literatur, miteinander verglichen. Für mich ist Tolstois Werk auf Grund seiner Erzählkunst und seines Einfühlungsvermögens in die Charaktere der herausragende Roman. Etwas besseres und ausgereifteres habe ich in der Literatur noch nicht gefunden.
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am 16. Dezember 2016
 „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“

Dieser berühmte erste Satz sowie die gesamte Geschichte von Anna Karenina sind weltbekannt.

Über den Inhalt des Romans wurde schon viel geschrieben. Und zu Recht ist er meiner Meinung ein –ja fast schon- Jahrtausendwerk. In Leo Tolstois Erzählung aus dem 19. Jahrhundert geht es um mehrere glückliche und unglückliche Liebesgeschichten, welche auf 1127 alle Seiten miteinander verwoben sind.
Die durch eine Affäre bedrohte Ehe von Annas Bruder Stepan und dessen Frau Dolly. Die glückliche Eheschließung von Dollys Schwester Kitty und Lewin. Und die Haupterzählung von Anna Karenina, die aus ihrer unglücklichen und lieblosen Ehe zu Alexej Karenin, in die Arme von Graf Wronski flieht.

Hin und her gerissen aus Liebe zu ihrem Sohn mit Karenin und der großen leidenschaftlichen Liebe zu Wronski zerbricht Anna innerhalb weniger Jahre an ihrem selbst auferlegtem Schuldgefühl. Aus der russischen oberen Gesellschaft ausgestoßen, zieht sich Wronski mit der Liebe seines Lebens aufs Land zurück. Das Liebespaar bekommt eine Tochter zusammen, welche jedoch nach Recht die Tochter von Karenin ist, da er sich nicht scheiden lassen will. Getrieben von blinder Eifersucht und Zerrissenheit beendet Anna ihr Leben tragisch dort, wo die Liebe zu Wronski einst begann. Trotz aller Verfehlungen die Anna begeht, schreibt Tolstoi bis zum Schluss voller Zuneigung über sie. Ist es doch ein psychologisches Werk und kein moralisches.

Lieblingssätze:

Wronski: „Wissen Sie denn nicht, dass Sie für mich das ganze Leben sind; doch Ruhe kenne ich nicht und kann ich Ihnen nicht geben. Mich ganz und gar, Liebe – ja. ... Sie und ich sind für mich eins.“

Anna: „Und wo die Liebe endet, da beginnt der Hass.“

Dolly: „Wenn man verzeiht, dann ganz.“

Zitat: „Sie löschte vorsätzlich das Licht in den Augen, doch es leuchtete gegen ihren Willen im kaum merklichen Lächeln.“

Fazit: Leo Tolstois Anna Karenina – egal ob per Film, Hörbuch oder Buch ist für mich persönlich fest mit der Winterzeit verankert. Für mich gehört dieser Roman zur kalten Jahreszeit dazu, genauso wie eine Tasse Tee, Kerzen und warme Decke. Die Übersetzung von Rosemarie Tietze ist ein wunderbares Werk und ich liebe es durch die über eintausend qualitativ hochwertigen Seiten zu blättern und darin meine Lieblingsstellen immer wieder zu lesen.

Dostojewski sagte über dieses Buch: „Kein Roman hat die Frage nach dem richtigen Leben eindringlicher gestellt als dieses unvergessliche Werk.“

Ich kenne keinen Zweiten! Absolute Empfehlung. Auch als Geschenkidee für Bibliophile zu Weihnachten.
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am 21. November 2014
Die Handlung dieses 1227 Seiten umfassenden Wälzers findet in Russland des 19. Jahrhunderts
statt. Gesellschaftliches Ansehen, Konventionen, Liebe, Betrug, Familie, Ehe und der Sinn des
Lebens sind die Hauptthemen, die dieser Roman behandelt.

Genauer geht es, wie der Titel schon sagt, unter anderem auch um Anna Karenina. Eine
faszinierende Frau mit Ausstrahlung, die bewundert und geachtet wird, eine Dame von Welt.
Ihr Ansehen muss sie aber schon sehr bald einbüßen, denn als verheiratete Frau verliebt sie sich
in den Grafen Alexej Wronski, und das wird von der Gesellschaft natürlich nicht gebilligt. Nun
hat Anna Karenina ein erschwertes Leben, geplagt wird sie von Sorgen, Ängsten und ihrer
teilweise unbegründeten Eifersucht.

Für mich als Leserin war es erfreulicherweise total spannend Anna Kareninas Entwicklung
mitzuverfolgen, die sowohl von Hochs, glücklichen Momenten, aber von ebenso vielen Tiefs
geprägt war. Hochinteressant fand ich auch Vergleiche von damals und heute, das
gesellschaftliche und persönliche Denken betreffend, zu ziehen. Denn die Unterschiede waren
größtenteils gar nicht so klein, wie gedacht.

Neben Anna Karenina gab es klarerweise noch ein paar andere Charaktere, die ich liebgewonnen
habe, und die diesen Roman ebenfalls zu einem Genuss gemacht haben. Ganz besonders
erwähnen möchte ich hier Lewin und Kitty, ein wirklich herzerwärmendes Paar, von dem ich so
gerne gelesen habe.

Nicht ganz so gut gefallen haben mir ein paar wenige Kapitel, in denen viel über Politik, Wahlen,
Gesellschaft und Landwirtschaft die Rede war. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich
Langeweile empfunden habe und phasenweise auch abgeschweift bin.

Ansonsten bin ich restlos begeistert von diesem großen Stück Weltliteratur. Für mich hat es sich
gelohnt. Das Buch war gute Unterhaltung, aber auch lehrreich, deswegen möchte ich es hiermit
uneingeschränkt weiterempfehlen.
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am 17. September 2014
Anna Karenina, die eine Ehe mit einem gut gestellten älteren Beamten führt, trifft auf einen jungen Offizier, Wronski, der ihr ein Leben zu eröffnen imstande ist, was sie unbewusst lange bei ihrem Ehemann vermisst hat. Aus dieser Konstellation heraus beleuchtet Tolstoi die damalige Gesellschaft, ihre Intoleranz, ihr enges Etikettenkorsett und die Ungleichbehandlung, denn der junge Offizier hat all diese Probleme nicht. Aber anders als die unverständige Verfilmung neueren Datum bleibt Tolstoi hier nicht stehen.

Dem Modell Anna Karenina - Wronski stellt Tolstoi sein Modell gegenüber, dass Modell Lewin - Kitty. Beide Konstellationen werden beleuchtet, miteinander konfrontiert und ihrem Finale zugeführt, wobei der jeweilige Ausgang des Modells auch eine tiefgehende Aussage Tolstois über seine Vorstellung der Ordnung und der Freiheit in einer Beziehung enthält. Dieser Abgleich der Beziehungen und seiner Komponenten zeigt auch auf, welche Freiheit und welche innere Stärke Tolstoi für die wahre hält.

Damit ist Anna nicht nur ein Symbol für selbst genommene Freiheit und Rebellion gegen gesellschaftliche Ungleichgewichte und gesellschaftlich auferlege Verzichte, sondern der Betrachtungs- und Untersuchungsgegenstand in Tolstois Sittengemälde des damaligen Russlands. Aber es liest sich selbstverständlich nicht als Analyse, sondern als spannender Roman. Den die Spannung der Konstellationen wächst und belastet die Protagonisten immer mehr. Sprünge werden sichtbar, und nicht jeder Kampf führt zum Sieg.

Dieses Werk hat etwas unbeschreibliches, etwas fesselndes. Tolstoi lässt die Figuren dramatisch, aber sehr realistisch, in existenzielle Situationen treten, miteinander oder gegeneinander, wobei die Gesamtdynamik des Werkes nie absinkt, das Sichzuspitzen der gespannten Situation nimmt ungebremst seinen Lauf. Der Sprung in der Vase, den der Ehebruch verursacht hat, zieht sich über den Roman und verändert permanent das Bild, gibt auch in starker Dynamik Richtung und Spannungsgeflecht vor. Unbeschreiblich, was Tolstoi zu Papier gebracht hat.
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am 13. September 2014
Ohne Zweifel ist «Anna Karenina» von Leo Tolstoi auch ein Eheroman, oft verglichen mit Fontanes «Effi Briest» oder Flauberts «Madame Bovary», primär aber ist er, was man ziemlich unbesorgt den größten Gesellschaftsroman der Weltliteratur nennen mag. Der 1878 erschienene, grandiose Roman bedeutet außerdem eine entscheidende Wegmarke hin zu dem radikalen Moralismus dieses russischen Schriftstellers, der sich dann bekanntlich, in seiner geradezu peinlichen Spätphase, ins völlig Absurde hineingesteigert hat. Hier aber, in diesem voluminösen Epos über die adelige russische Gesellschaft des 19ten Jahrhunderts, fungiert noch eine Art Räsoneur als Statthalter des Autors, ein Sinnsucher und – wie man heute sagen würde – unermüdlicher Querdenker, das Alter Ego von Tolstoi also mit nahezu kongruenter biografischer Konstellation, nur das Künstlertum fehlt seinem Helden Lewin. Genau diese unvergleichliche Begabung aber hat der literarische Olympier zunehmend negiert, hat von «all dem künstlerischen Geschwätz» gesprochen, mit dem sein Werk gefüllt sei und dem dessen Leser «eine unverdiente Bedeutung beimäßen».

Anna also ist nicht die Hauptfigur des Romans, auch wenn sie titelgebend ist und ihr unübersehbar die ganze Sympathie des Autors gilt. «Alles ging drunter und drüber im Hause der Oblonskijs» heißt es im - ursprünglich - ersten Satz, Annas Eingreifen verhindert jedoch das Auseinanderbrechen der Ehe ihres untreuen Bruders und führt zu einem verlogenen Modus Vivendi mit seiner Frau. Deren Schwester gibt Lewin einen Korb, der von ihr als sicher angesehene Heiratsantrag des strahlenden Helden Wronskij aber bleibt aus. Er hat sich nämlich in die mit einem ungeliebten Mann verheiratete Anna Karenia verliebt, ihr leidenschaftliches Verhältnis endet jedoch tragisch. Lewin endlich bekommt beim zweiten Versuch keinen Korb mehr und findet zu seinem späten Eheglück. In mehreren parallelen Handlungssträngen des achtteiligen Romans präsentiert Tolstoi die gescheiterte Ehe- und Liebesgeschichte von Anna Karenina, das heuchlerische Ehe-Arrangement ihrer Schwägerin und die geradezu idealtypisch erscheinende, glückliche Ehe von Lewin.

All das ist eingebettet in ein großartiges Panorama der Adelsgesellschaft Russlands, die in allen ihren Facetten dargestellt ist, mit unzähligen, wunderbar stimmig beschriebenen Figuren, deren mitreißende Dialoge uns Einblick in ihr innerstes Wesen geben. In diesem üppigen personalen Ensemble findet man sich als Leser aber jederzeit zurecht, so markant sind Tolstois literarische Geschöpfe skizziert. Von denen nun der Gutsbesitzer Lewin mir regelrecht ans Herz gewachsen ist, verkörpert er doch, obwohl selbst adelig, den ländlichen Gegenpol zum Luxusleben des Champagner trinkenden städtischen Adels. Sein Wissensdrang, seine Gedankenwelt, seine zahlreichen Dispute, seine Geradlinigkeit und gutmütige Offenheit sind geradezu herzerfrischend, die vielen ihm gewidmeten Kapitel sind außerdem sehr amüsant zu lesen. Man lernt ihn letztendlich so gut kennen, dass man seine Reaktionen, seine Gedanken nicht nur nachvollziehen, sondern oft auch voraussehen kann. Und so findet er als Sinnsucher schließlich durch die Worte eines einfachen Bauern zu der Erkenntnis, dass wir nicht leben, «um unseren Wanst zu füllen», sondern dass man «für das Gute» lebt, ein außerhalb der Vernunft liegender Gedanke, für den der wissenschaftliche Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht gilt. Ein Wunder also, das sich dem Verstande schlichtweg entzieht und doch von jedem begriffen wird.

Dieser Roman selbst aber ist auch ein Wunder, er ist literarische Zauberei, die alle Maßstäbe der Bewertung sprengt. Ich habe noch nie etwas Besseres gelesen!
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am 19. Juni 2010
Diese Rezension bezieht sich auf die Übersetzung von Rosemarie Tietze, erschienen im Hanser-Verlag.

Zum Umfang:

Ich kann mich der Begeisterung, die diesem Buch und dieser Übersetzung überall zugesprochen wird, nur anschließen. Trotz eines Umfangs von 1227 Seiten ist der Roman sehr gut zu erfassen, er liest sich sehr fließend - einmal mit dem Lesen angefangen, will man nicht mehr aufhören. Tolstois Sprache erzeugt gewissermaßen einen Sog. Der Roman besteht aus acht großen Teilen, die jeweils in kleine Unterkapitel unterteilt sind. Diese Unterteilungen machen es einfach, den Roman ohne große Anstrengungen zu erfassen.

Namen:

Wegen der vielen Namen muss man sich ebenfalls keine Sorgen machen: Die Namen werden stets mit einer charakteristischen Beschreibung der Person eingeführt, so dass sie sich einem während des Lesens ohne Anstrengung einprägen, außerdem ist eine kleine Liste mit den wichtigsten Personen der Hanser-Ausgabe beigelegt.

Psychologische Beschreibungen:

Tolstoi wird oft wegen seiner psychologischen Beschreibungen gelobt. Meiner Meinung nach, ist dieses Lob aber etwas missverständlich: Ich denke nicht, dass man zu tieferen psychologischen Einsichten durch Tolstoi gebracht. Die psychologischen Beschreibungen - oft in kleinen brillanten, pointierten Nebenbemerkungen formuliert - haben für mich als Leser den positiven Effekt, dass ich mich in die Charaktere wunderbar hinein fühlen kann bzw. mich mit manchen identifizieren kann. Außerdem ist man jedes Mal entzückt, wie pointiert Tolstoi bestimmte Gefühle und seelische Regungen formuliert. Es macht einfach Spaß, in diesen Roman einzutauchen und diese Welt und Menschen kennenzulernen.

Humor:

Gelegentlich höre ich, dass Tolstois Werke mangelnden Humor hätten. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Es gibt sehr viele ironische und witzige Stellen. Es ist ein sehr feiner Humor, der sich oft in Form von Ironie an den Stellen zeigt, an denen sich die Personen mit ihren Ansichten zu wichtig nehmen.

Zeitgeschichtliches:

Ein wenig Bedenken hatte ich vor dem Lesen, ob ein Roman, der in den Jahren 1873-1878 in Russland spielt, noch in Beziehung zu unserer Zeit gesetzt werden kann. Dazu Zweierlei: Was die zwischenmenschlichen Probleme - die Liebe ! - anbelangt, wird der Roman wohl bis in alle Zeiten wichtig bleiben. Und was die konkreten Zeitumstände betrifft, so ist es sehr interessant, etwas über diese Welt zu erfahren (dabei helfen auch die sehr guten Anmerkungen in der Hanser-Ausgabe): Und auch hier werden viele Themen angesprochen, die bis heute die Debatten prägen.

Zur Hanser-Ausgabe:

Die Hanser-Ausgabe ist zwar gut gebunden, allerdings sind die Seiten - wie schon an anderer Stelle bemängelt - wirklich sehr, sehr dünn, so dass man dieses Buch etwas sorgfältig behandeln muss. Bei knapp 1300 Seiten Gesamtumfang ist das noch vertretbar, zumal das Buch dann nicht allzu dick ist. Ich befürchte allerdings, dass die 2500seitige "Krieg und Frieden"-Ausgabe, die im September erscheinen wird, ebensolche dünnen Seiten haben wird.
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