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am 2. März 2007
Der Roman ist in der arabischen Welt der mit Abstand meistverkaufte der vergangenen Jahre. Es wird die wechselvolle Geschichte des titelgebenden, zehstöckigen Gebäudes und seiner Bewohner erzählt. Arm und Reich wohnen nebeneinander. Das vielköpfige Personal des Romans ergibt ein Panoptikum, das die ägyptische Gesellschaft abbildet. Die von Aswani beschriebende Gesellschaft ist bis zum Zerreissen gespannt. Überall herrscht Korruption. Aswani greift mitten hinein in einen Pfuhl der Sünde, der Verzweiflung, der Berechnung und vergisst dabei nicht den Blick auf die Möglichkeiten. Ob arm, ob reich, ob rechtschaffen oder verlogen: alle Charaktere folgen ihren Überzeugungen und sind wahre Kämpfernaturen. Der Jakubijân-Bau stellt die Realität Ägyptens so nackt dar, wie sie ist. Sie wird nicht hinter Klischees und Moralvorstellungen versteckt und presst kein Charakter in ein Schema von Gut und Böse. Aswani besticht mit einer detailgetreuen Beobachtungsgabe und hat einen ausgeprägten Sinn für komische Situationen. Er versteht es, die Mechanismen der ägyptischen Gesellschaft verständlich und treffend darzustellen. Somit schlägt das Buch eine Brücke zwischen Orient und Okzident. Wenn man sich für Ägypten interessiert, sollte man den "Jakubijân-Bau" wirklich gelesen haben. Und wenn nicht, nun, dann sollte man es gerade deshalb ebenso lesen.
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am 7. Juni 2007
Aus einem kritischen Blickwinkel betrachtet, hat der "Jakubijan-Bau" Züge einer Seifenoper, wendet sich der Roman doch in hohem Maße Themen zu, die man unter der Überschrift "sex and crime" zusammenfassen könnte. Und doch ist er mehr als eine Seifenoper, denn hinter dem äußeren Geschehen verbirgt sich ein Gesellschaftsporträt, das in der Nachfolge von Nagib Machfus` Kairo-Trilogie oder der "Midaq-Gasse" steht. Mit schonungsloser Direktheit deckt Alaa Al-Aswani gesellschaftliche Mechanismen und Strukturen im heutigen Ägypten auf, verabreicht dem Leser ein Hochkonzentrat aus Begierden, Abhängigkeiten, Bestechungsmanövern, unsauberen Geschäften, religiöser Radikalisierung, Folter und mehr. Kristallisationspunkt sind der mehrstöckige Jakubijan-Bau und seine Bewohner. Deren einzelne Schicksale, die in wechselnden Abschnitten temporeich, aber nicht gehetzt erzählt werden, bleiben teils nebeneinander stehen, teils verweben sie sich miteinander.

Dem im Nachwort zitierten Urteil des Nahostwissenschaftlers Gilles Kepel kann ich mich nur anschließen: "Es ist [...] ein Buch, das man lesen sollte, um zu verstehen, was sich in den Tiefen mittelöstlicher Gesellschaften in Zeiten von al-Kaida abspielt."
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am 7. Februar 2007
Die Armen wohnen oben, auf dem Dach, in kleinen Kabüffchen, die ursprünglich als Abstellkammern konzipiert waren. Es herrscht eine Art Dorfleben. Kleine Händler, Arbeiter oder Angestellte hausen dort mit ihren Familien, froh, ein bescheidenes Dach über dem Kopf zu haben. In den Stockwerken darunter geht es weniger knapp zu. Dort hat ein durch die Revolution von 1952 teilenteigneter Grundbesitzer sein Büro mitsamt Liebesnest, ein Chefredakteur seine Wohnung, ein Neureicher das Domizil für seine Zweitfrau, und viele Ungenannte ihr ganz normales Zuhause. Auf vielfältige Weise verweben sich die Leben der Bewohner. Das Haus wird zum Mikrokosmos für Ägypten.

Das Buch hat für Aufregung gesorgt. Es ist in Ägypten zum Bestseller und zum Gesprächsgegenstand geworden, besonders nach seiner Verfilmung mit Spitzendarstellern, wodurch es auch »unters Volk« kam. Ein Film, der sogar an den Filmfestspielen in Berlin, Cannes und New York gezeigt wurde. Im ägyptischen Parlament gab es Proteste wegen Verunglimpfung der ägyptischen Gesellschaft, und natürlich waren oder sind noch gewisse religiöse Kreise aufgebracht. Und manche Vertreter kunstbeflissener Kreise tun es als »journalistisches Machwerk« ab.

Alaa al-Aswanis Roman stellt vieles dar, was es in Ägypten gibt, worüber aber nicht häufig und eigentlich nie in dieser Direktheit gesprochen wird. Da kommt der junge Mann nicht an die Polizeischule, weil sein Vater nur Türhüter ist. Da hält sich der wohlhabende Journalist einen armen Oberägypter als Bettgenossen. Da predigt der eine Geistliche für die Regierungspolitik, der andere für den Terror. Da bereichern sich manche schamlos mit den zweifelhaftesten Geschäften. Da wird das junge Mädchen, die für ihre Familie sorgen muss, von allen Arbeitgebern systematisch belästigt. Da träumt der ehemalige Aristokrat von vorrevolutionären, besseren Zeiten. Da wird im Bereich der Politik geschmiert, geschnüffelt und gefoltert. Da wird eben das tägliche Leben Ägyptens gezeigt.

Der "Jakubijân-Bau" hat alles, was ein gutes Buch haben muss!
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am 2. November 2009
Ein Spiegel-Interview mit Alaa al Aswani machte mich auf seinen Bestseller aufmerksam. Der ägyptische Zahnarzt richtet nicht über die handelnden Personen, die er in dem allmählich an Glanz verlierenden Jakubijan-Gebäude angesiedelt hat und die alle für eine Denk- und Lebensweise im heutigen Ägypten stehen. Belustigt und leicht ironisch blickt er durch seine Personen in die wenig homogene Entwicklung der heutigen ägyptischen Gesellschaft. Seine Ausdrucksweise verbirgt sich nicht hinter orientalischen Verschnörkelungen, sie verdunkelt nichts und nennt auch die in moslemischen Ländern bigott unterdrückten sexuellen Verstrickungen beim Namen. Hier zeigt sich der Mediziner, der in westlichen Ländern studiert hat, ohne aber einseitig deren Parteigänger zu werden. Aber auch der kongeniale Schweizer Übersetzer Hartmut Fähndrich hat Anteil daran, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen will, wenn man es einmal begonnen hat. Aus der leichten Verstimmung heraus, dass al-Aswani gegenüber einigen Figuren mit einem zwischen den Zeilen durchschimmernden Wohlwollen begegnet und die für die abschließende Wertung durch den Leser vorteilhafte Neutralität aufgibt, habe ich dem Buch nicht die volle Zahl der Bewertungssterne gegeben. Trotzdem ist der Jakubijan-Bau jedem zu empfehlen, der das heutige Ägypten verstehen will, und nicht belehrt, sondern dabei auf beste Weise unterhalten werden möchte.
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am 7. September 2007
Mitten im Zentrum von Kairo, in Wust al-Balad, steht der berühmte Jakubijân-Bau. Er ist ein Werk europäischer Architekten aus der Zeit vor der Revolution. Damals sprach die Elite noch Französisch, Kirchen, Moscheen und Bars lebten in friedlicher Koexistenz. Im Jakubijân-Bau hat der mit der Revolution von 1952 teilenteignete Grundbesitzer Saki Bey sein Büro mitsamt Liebesnest, ein schwuler Chefredakteur seine Wohnung, ein Neureicher das Domizil für seine Zweitfrau, und viele Ungenannte ihr ganz normales Zuhause. Zuoberst in den so genannten Eisenkammern leben die Armen, die Leute ohne Schuhe und ohne Chancen.

Zu den letzteren gehört Taha, der Sohn des Hausportiers. Er schliesst seine Schule mit Bestnoten ab und bewirbt sich an der Polizeischule. Bei der Aufnahmeprüfung weiss er auf alle Fragen die richtige Antwort, doch die letzte Frage nach dem Beruf seines Vaters entscheidet: Söhne von Türstehern und Bewohner der Eisenkammern haben unbesehen ihrer Fähigkeiten kein Anrecht auf eine gute Stelle oder auf die Frau ihres Herzens. In Tahas Fall Buthaina, seine Nachbarin, die er auf der Dachterrasse trifft. Als mittellose junge Frau muss sie an ihrer Arbeitsstelle den männlichen Vorgesetzten zu Diensten sein und danach die Flecken auf ihrem Kleid entfernen, um den Schein zu wahren. Sie wird berechnender, glaubt nicht mehr an die grosse Liebe. Bis sie sich ausgerechnet in Saki Bey verliebt, den ältesten Bewohner der Strasse mit feinen französischen Umgangsformen und einem grossen Bedürfnis nach Frauen, für die er aufgrund seines Alters normalerweise für ihre Dienste bezahlt.

Wenn wir die Schicksale der Bewohnerinnen und Bewohner des Jakubijân-Baus mitverfolgen, ergibt sich daraus ein Bild von einem Ägypten, das härter geworden ist. Das offene ägyptische Verständnis des Islam wird vom saudi-arabischen der zurückgekehrten Wanderarbeiter zurückgedrängt. Nicht Fähigkeiten, sondern Beziehungen spielen eine Rolle, der wohlhabende Journalist hält sich einen armen Oberägypter als Bettgenossen, der eine Geistliche predigt für die Regierungspolitik, der andere für den Terror. Frauen werden belästigt und ausgebeutet. Es wird gezockt, geschmiert, geschnüffelt und gefoltert, und die Alten wie Saki Bey träumen von früheren besseren Zeiten.

Taha wird zum fundamentalistischen Terroristen, als er nach einer friedlichen Demonstration gegen den Golfkrieg grausam gefoltert wird und nach Rache sucht. Ausgerechnet im Lager der Fundamentalisten findet er die Liebe und heiratet. Doch es bleibt ein kurzes Glück: Er stirbt bei seinem ersten Einsatz, weil er vor seinem Opfer zu lange stehen bleibt, "um es verenden zu sehen".

In einem Interview mit dem Landboten sagt Al-Aswani: 'Ich möchte zudem festhalten, und das ist sehr wichtig, dass der Fundamentalismus das Resultat von Diktaturen ist. Als Arzt habe ich gelernt, zwischen Krankheit und Symptomen zu unterscheiden. Die eigentliche Krankheit der arabischen Welt ist die Diktatur. Fanatismus, Korruption, Armut und Unrecht sind Folgen dieser Krankheit.
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am 22. August 2010
Da ich eine enge Beziehung zu Ägypten und den dort lebenden Menschen habe, habe ich dieses Buch natürlich lesen 'müssen', v.a. auch, weil es in Ägypten selber zu teilweise heftigen Diskussion führte. Ich bin dankbar, dass Alaa al-Aswani das Leben und die Leute so beschreibt, wie die Realität heute aussieht. Klar, dass all diese Menschen gerade im selben Haus leben ist eher unwahrscheinlich, aber er verknüft die Schicksale der Akteure sehr gut und sämtliche Schicksale werden jeden Tag in Kairo oder auch anderswo in Ägypten erlebt. Al-Aswani spricht Themen an, die leider in der Gesellschaft immer noch tabuisiert werden. Es freut mich, dass ein ägyptischer Schriftsteller den Mut fand, über solche Themen zu schreiben. Das Buch wurde verfilmt und gewann auch Auszeichnungen. Ich wünsche mir, dass Al-Aswani noch viele weitere spannende Bücher zum heutigen Leben oder der Gesellschaft schreiben wird.
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am 8. April 2010
Beeindruckender Roman über die Menschen und Gesellschaft des heutigen Ägyptens. Am Beispiel von Lebensgeschichten der höchst unterschiedlichen Bewohner dieses Hauses werden auch verschiedene Tabuthemen wie Homosexualität, Terrorismus, Religion, Bestechung, Frauenrechte etc. dargestellt. Sehr lehrreich, dabei sehr spannend zu lesen.

Interessant auch der Hintergrund zu diesem Roman, der im Nachwort des Herausgebers und Übersetzers Hartmut Fähndrich erklärt wird (Auszüge):
'Der Roman machte seit seines Erscheinens in Ägypten 2002 viel von sich reden und über sich zetern und führte in 2002 und 2003 mit großem Abstand Bestsellerlisten an. Er wurde gepriesen als offen, ehrlich, mutig, als gelungener Wurf über die zeitgenössische ägyptische Gesellschaft. Er wurde beschimpft und verurteilt als bösartige Verunglimpfung Ägyptens, ja als ehrverletzend für die ägyptische Gesellschaft und die islamische Religion.
Seine Kindheit und Jugend erlebte der Autor in einem Ägypten, das geprägt war von dem sich immer rascher abzeichnenden Scheitern des säkularen, 'sozialistischen' Projekts Nasserscher Prägung. Nach 1973 habe sich das bisher offene und tolerante Ägypten stark verändert, so der Autor in einem Interview. Ignorante, ägyptische Analphabeten seien auf der Suche nach Arbeit ins petrodollargetränkte Saudi-Arabien gegangen und von dort mit Geld und reaktionären, intoleranten religiösen Vorstellungen zurückgekommen. Mit der Verhärtung innerhalb der Gesellschaft ging eine allmähliche Verknöcherung und Vergreisung der Staatsführung einher, wie sie nicht nur Ägypten, sondern auch viele andere arabische Staaten erlebt haben bzw. erleben.
Dies alles ist in diesem Roman deutlich zu spüren, jener Geschichte eines realexistierenden riesigen Wohnhauses in der Kairoer Innenstadt. Es ist das Haus, in dem Alaa Al-Aswanis Vater sein Büro und er selbst seine erste Zahnarztpraxis hatte. Ein Haus, das von einer vielfältigen Mischung von Menschen bewohnt wird ' armen und reichen, alten und jungen, sanften und aggressiven, ehrgeizigen und gleichgültigen, herrschenden und beherrschten, progressiven und konservativen.
Der Jakubijan-Bau ist also ein Haus, das zum Spiegel nicht nur der heutigen ägyptischen Gesellschaft, sondern auch zu einer Art Geschichtsbuch Ägyptens in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wird.'

Ich teile die Meinung des Nahostwissenschaftlers Gilles Kepel: 'Der Jakubijan-Bau ist ein Meisterwerk des zeitgenössischen arabischen Romans. Es ist auch ein Buch, das man lesen sollte, um zu verstehen, was sich in den Tiefen mittelöstlicher Gesellschaften in Zeiten von al-Kaida abspielt.' (Le Monde, 28.04.2006)
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am 22. Oktober 2010
Wie kann man sich einem fremden unbekannten Land nähern? Indem man es bereist, indem man Sachbücher liest, oder einen sehr ehrlichen ungeschönten Roman, wie ihn Alaa al-Aswani geschrieben hat.

Mithilfe eines Hauses (welches wohl tatsächlich exisitiert) wird der Alltag im zeitgenössischen Kairo beschrieben. Geschickt werden unterschiedliche Ebenen, die Armen die in Blechhütten auf dem Dach des Hauses leben, und die Reichen in den Etagen darunter, miteinander verwoben.
Es ist kein schönes Ägypten welches dem Leser hier präsentiert wird, geht es doch um das tägliche Überleben, um Gier, Korruption, Macht, Sexualität, Homosexualität und Terrorismus.
Dennoch ist der Roman in all seiner Härte nicht abstoßend, sondern interessant, beklemmend, aber auch unterhaltend, geschrieben. Einige Figuren sind mir sogar regelrecht ans Herz gewachsen, zumal einige der Handlungen auch hier im Westen keine Unbekannten sind, wenn auch hoffentlich nicht so dominant wie im vorliegenden Roman, aber wer weiß das schon genau.
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"Der JakubijanŽ- Bau" ist ein Gebäude in Kairo das man dort heute noch sehen kann, wenn man durch dieses ex-europäische Viertel fährt. Ein Luxusbau aus dem letztem Jahrhundert, der für die Reichsten gedacht war. Mittlerweile, nach zahlreichen Umbauten, wohnen dort Arm und Reich nebeneinander. Dieser Bau, der auch in der Revolution eine Geschichte hatte, repräsentiert sozial gesehen einen Querschnitt von der Bourgeoisie, über die Beamten hinunter bis zu den unteren Schichten.

Diese literarische Vorlage, dass der Autor ein Haus nimmt, um zu erzählen, ist natürlich eine dankbare Vorlage. Es gibt dem Autor die Möglichkeit allerlei Figuren einzuführen und von denen zu erzählen, weil die in dem Haus irgendwann tatsächlich einmal untergekommen sind. Das ist auch der Grund warum er am Anfang die wichtigsten Personen in einer Art Visitenkarte vorstellt. Alle Figuren laufen mit einem Etikett auf der Brust herum, der Gute, der Böse, der Schwule, der Reiche, der Arme, der Geldeintreiber usw. Der Autor macht eigentlich keine Typen, schon eher Stereotypen.

All diese Figuren haben ihre persönlichen Schicksale, ihre privaten Probleme, und dennoch liegen alle auf dem Hintergrund nur einer Sozietät, nämlich die der heutigen ägyptischen Gesellschaft. Und so spielt alles mit hinein, die Korruption unter den kleinen Leute und die Korruption in der Regierung, die christliche Korruption, die muslimische Korruption und auch die armenische. Weitere Themen sind die Sexualität, die Homosexualität und die Drogenszene, alles Themen die normalerweise in einem ägyptischen Roman überhaupt nicht vorkommen weil sie tabu sind.

Wer lebt nun in diesem Haus?

Da ist ein Beauvivant, da ist ein schwuler Chefredakteur, da sind Frauen die irgendwie Karriere machen möchten, da ist ein korrupter Strippenzieher aus dem politischen Netzwerk Ägyptens, der seine Begabung in den Dienst der jeweiligen Regierung stellt. Eine der interessantesten Figuren ist Tahal, dieser junge Mann, der Polizeioffizier werden möchte, es aber nicht werden kann, weil sein Vater nur ein Türsteher ist, Und wir erleben, wie er langsam in den Terrorismus hineingleitet. Er gerät schließlich an einen Scheich, der mit seiner Indoktrination dazu beiträgt, dass dieser Tahal an die Fundamentalisten gerät. Er wird gefoltert und der Hass gegen dieses Regime wächst in ihmweiter. Nicht so dramatisch wie diese Gefängnisszenen sind die zahlreichen Frauenschicksale. Frauen die dort arbeiten wollen sind automatisch Objekt sexueller Begier der Arbeitgeber und wenn sie der nicht in irgendeiner Form entsprechen, dann sitzen sie wieder auf der Straße. Und nicht nur die Frauen werden verhurt, sondern auch die Männer.

Der Autor muss sich als Schauplatz nicht nur auf dieses Haus beschränken, sondern es gibt in dieser Gegend auch ein gutes Restaurant, es gibt die Polizeistation, wo gefoltert wird und es gibt die Universität. Es werden schon alle diese Orte mit einbezogen, aber die ergeben sich alle aus der Geschichte der einzelnen Figuren.

Ich habe jetzt ein paar Figuren herausgegriffen die alle in diesem Geschehen drin sind.

Einerseits sind die Schicksale der Figuren spannend, wobei dieses Nebeneinader sehr raffiniert konstruiert ist. Es gleicht einem Filmschnitt, wenn da ein interessanter Satz ist,geht er zum nächsten. All diese Szenen sind von unvorstellbarerer Grausamkeit. Der Autor schildert das einfach, ist nicht empört, niemand wird von ihm verurteilt, er erzählt es einfach und darum ist das so unsagbar stark.

Ich fand es sehr interessant, welche Rückschlüsse man so zu sagen auf den eigenen Blick und auf die Politik, die wir hier in unserem Lande betreiben, werfen kann. Sicher bekämpfen wir den Fundamentalismus, aber wir bekämpfen in keiner Weise die "Nichtdemokratie", wir wie sie hier in diesem Roman in Ägypten vor Augen geführt bekommen. Sie ist vielleicht genau so Schuld daran, dass es so viele Terroristen und Selbstmordattentäter gibt.

Ein großartiger Roman, der eine Brücke schlägt zwischen Orient und Okzident und sicher deshalb in der arabischen Welt zu den meistverkauften Romanen der letzten Jahre zählt, weil man jetzt davon spricht, wovon alle sprechen, aber nicht sprechen dürfen oder nicht sprechen können .Und das ist natürlich etwas, was dem Buch seine Qualität gibt. Der Autor, von Beruf Zahnarzt, ist also quasi "Hobby Schriftsteller", wir müssen hier also keine hohe Literatur erwarten und es ist bar jeder "Psychologie", aber in dem Erzählen und Beschreiben der Figuren ist eine literarische Qualität unbestreitbar.

Es lohnt sich diesen spannenden Roman zu lesen, einfach schon deshalb, um neben den Museen, Hotelressorts und ägyptischen Kultstätten einen tiefen Einblick in die Mechanismen der ägyptischen Sozietät zu erhalten.
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am 11. März 2009
Ich bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen und war zu Beginn etwas skeptisch, ob es mir gefallen würde. Doch ich würde eines Besseren belehrt.
Alaa Al Aswani versteht es uns diese fremde Kultur nahezubringen. Er hat mich neugierig auf arabische Literatur gemacht. Das Buch zeigt uns, dass die Probleme der Menschen in dem Jakubijân- Bau ähnlich den unseren sind. Doch es ist nicht nur ein Roman, der Geschichten erzählt, sondern auch ein politisches und geschichtliches Buch, das uns ein Ägypten zeigt, welches sich durch Korruption, sozialer Ungerechtigkeit und Dikdatur verändert hat. Es zeigt z.B. wie ein junger Mensch aus Ungerechtigkeit heraus zu einem "Gotteskrieger" wird.
Alaa Al Aswani berichtet, ohne zu werten. Er zeigt somit ein realistisches, unverschrobenes Bild Ägyptens. Es wundert daher nicht, dass dieses Buch in Ägypten für soviel Furore gesorgt hat.
Obwohl das Buch bereits in 15 Sprachen übersetzt ist, war es unmöglich es in einem Bücherladen zu finden. Das muss sich ändern.
Ich kann Jedem nur empfehlen dieses Buch zu lesen.
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