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am 7. Januar 2013
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Fans von John Coltrane eine ähnliche Anekdote erzählen können wie Karl Lippegaus im "Der Schrei" betitelten Intro zu seiner Biografie. Lippegaus erzählt, er habe "Live at the Village Vanguard Again!" aufgelegt, und als Pharoah Sanders sein Solo begann, habe ein Hahn zu schreien begonnen. Dann – und um diesen Teil der Anekdote geht es mir – habe er Besuch erhalten, und sein Gast habe die Musik wortlos abgedreht.
Der Autostopper, den wir in unserem klapprigen VW-Bus auf dem Weg zum Jazzfestival Saalfelden mitgenommen hatten, hätte wohl auch gerne die Musik ausgeschaltet. John Coltrane's "Concert in Japan", das in voller Lautstärke aus dem Boxen dröhnte, bereitete dem armen Mann sichtlich Unbehagen, und man konnte ihm die Erleichterung ansehen, als wir sein Ziel erreicht hatten und er endlich den Wagen mit der ihm peinsamen Beschallung verlassen durfte.
Wie an anekdotenhafte Coltrane-Hörerlebnisse glaube ich auch daran, dass man mindestens fünfzehn bis zwanzig Coltrane-Einspielungen im Plattenschrank oder CD-Regal (oder in beidem) hat, um sich ernsthaft für eine (weitere) Coltrane-Biografie zu interessieren. Nur wer den gesamten Coltrane intus hat, wird neugierig genug sein, mehr über Coltranes Leben in Erfahrung zu bringen, als man aus den Liner-Notes seiner Schallplatten oder anderen Biografien erfahren kann. Mehr über Coltranes Musik, die Stadien seiner Entwicklung, seine Wirkung zu lernen, als man aus seinen Einspielungen und den Aufnahmen der von ihm beeinflussten Musiker hören kann. Möglicherweise geht es auch darum, sich in der Wertschätzung von Coltranes Musik bestätigt, einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten angehörig, John Coltrane noch näher zu fühlen.
Karl Lippegaus' Buch übt sich in der symbiotischen Einlösung dieser Ansprüche an eine Biografie und versucht, ihnen in ihrer Ganzheit gerecht zu werden. In 44 Kapiteln (deren Überschriften zum großen Teil Coltrane-Kompositionen oder -Alben bzw. Stücken und Platten, an denen Coltrane mitgewirkt hat, entlehnt sind) fasst Karl Lippegaus die wichtigsten Stationen von John Coltranes Leben zusammen. Er stützt sich dabei im Wesentlichen auf (fast) alle Standardwerke der John-Coltrane-Forschung und reichert das sowohl mit zahlreichen Zitaten von und über John Coltrane als auch mit Kurz-Einschüben zum politischen, sozialen und kulturellen Kontext an. Dicht verwoben mit dem biografischen Abriss ist die Beschreibung der musikalischen Entwicklung John Coltranes. Einzelne Einspielungen werden dabei, wiederum gestützt auf einschlägige Quellen, einer akribischen Analyse unterzogen.
So zeichnet "John Coltrane. Biografie" das Bild eines von seiner Musik Besessenen, der unermüdlich an sich arbeitete, um die hohen Ansprüche an Technik und Ausdruck, die er an sich stellte, zu erfüllen; und der ständig nach neuen Formen in Komposition, Spielweise und Gruppenklang suchte. Das sehr empathisch geschriebene Buch liest sich als Hymne auf einen singulären Musiker, die durchaus Parallelen zur musikalischen Entwicklung Coltranes aufweist: So wie Coltrane in seinen Improvisationen immer freier agierte, die Zertrümmerung der Tonalität aber seinem Saxophon-Partner der Jahre 1965 bis 1967, Pharoah Sanders, überließ, so schwingt sich Karl Lippegaus mit fortschreitender Chronologie zu immer ausufernden Elogen auf John Coltrane auf, bis es ihm beim Versuch, den interpretatorischen Beitrag von Pharoah Sanders zur Musik Coltranes zu würdigen zwangsläufig die (Fach-)Sprache verschlägt.
Nur: "John Coltrane" ist ein Buch, keine Komposition oder Einspielung eines Jazz-Stücks, und Karl Lippegaus ist nicht John Coltrane, sondern "nur" ein versierter Jazz-Autor. Daher kann die Lektüre dieser Coltrane-Eloge zuweilen ermüden, und ich habe mich mehrmals dabei ertappt, wie ich mich aus diesen inbrünstigen Wortkaskaden zu befreien suchte, indem ich ganze Absätze nur mehr überflog und mich ins nächste Kapitel rettete. Um dann pflichtbewusst wieder zum "Ausstiegspunkt" zurückzukehren und Sätze wie "Jetzt atmet und betet er durch sein Saxophon: wie jemand, der fest entschlossen ist, sein Schicksal in die Hände Gottes zu legen, zum Werkzeug des Allmächtigen zu werden, der durch ihn und mit ihm spricht." (Seite 236) zu lesen. Amen!
"Wenn uns die Wissbegier dazu führen sollte, das Leben [in diesem Falle: John Coltranes] näher zu studieren, so bliebe am Ende doch der Kern des Unerklärbaren, das Geheimnis. Kluge Interpretationen können es verstehbar machen, aber nicht aufheben." (Ulrich Greiner, Die Zeit Nr. 1/2013). "John Coltrane. Biografie" kommt recht nahe an dieses Ideal biografie-basierter Interpretation heran, wirklich klug aber wäre es gewesen, das Buch vor Drucklegung einem aufmerksamen Lektorat zu unterziehen, das mit der gebotenen kritischen Distanz nicht nur manchen Überschwang in der sprachlichen Gestaltung infrage gestellt, sondern auch unnötige Wiederholungen, Ungenauigkeiten und widersprüchliche Aussagen verhindert hätte.
Dass Lippegaus auf ein Register und – sehr ungewöhnlich für eine Musiker-Biografie – auf eine Diskografie verzichtet, wird sehr bald verständlich: "John Coltrane" ist kein Nachschlagewerk, kein Leitfaden für den Plattensammler, sondern eine vom Geist des Porträtierten durchdrungene, inbrünstige Würdigung eines außergewöhnlichen Jazzmusikers. Nicht alleine Material- und Detailreichtum zeichnen Lippegaus' Biografie aus, sondern vor allem deren Anordnung und Gestaltung.
"Seit 1962 oder 1963 kenne ich kein Foto von John Coltrane, auf dem er lächelt." (Joachim-Ernst Berendt). Auf den wenigen, exzellent ausgewählten Fotos der vorliegenden Biografie lächelt John Coltrane auch nie. Nach mehr als gründlicher Lektüre des Buches vermute ich, dass auch Karl Lippegaus selten lächelt.
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am 15. April 2012
Wer glaubt alles über John Coltrane und seine Musik zu wissen, wird hier eines Besseren belehrt. Durch viele Details, auch aus dem privaten Bereich, wird das Lebenswerk des großen Saxophonisten chronologisch anhand verschiedener Schaffensphasen sehr lebendig dargestellt. Es fehlt auch nicht an Querverweisen auf das musikalische Umfeld und besonders bei den fundierten und treffenden Beschreibungen von einzelnen Musikstücken möchte man diese sofort aus dem LP/CD Regal nehmen und hören. Eine absolute Empfehlung!!
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am 15. April 2015
Ich habe die Radiosendungen von Lippegaus in den 80er Jahren immer mit großem Interesse verfolgt und als Bereicherung empfunden.
Er hatte immer ein Händchen für außerordentliche musikal. Außenseiter. Zu den Außenseitern gehört Coltrane sicher nicht-aber er reiht sich
ein in die Reihe stilbildender, emotionsstarker Musiker,für die Karl Lippegaus stets eine Lanze bricht. Nicht zuletzt geht es um
die stete Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten und nach Sinngebung, die Coltrane in einer tief empfundenen u. gelebten Spiritualität
fand. Das ausgezeihnete Werk von Karl Lippegaus lässt hoffen, dass er irgendwann auch über unsere gemeinsame Lieblingssängerin Billie
Holiday schreibt. Ich freu mich drauf.Gruß nach Kölle
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