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Kundenrezensionen

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am 16. Januar 2015
England, 1972. Die zehnjährigen Schüler Byron und James sind beste Freunde. Als der wissensdurstige James erzählt, das in diesem Jahr die Zeit um 2 Sekunden zurückgestellt werden soll, um die Diskrepanz zwischen Zeitmessung und Erdrotation auszugleichen, ist Byron entsetzt über die Willkür, mit der hier auf die Zeit Einfluss genommen wird.
Und das daraus folgende Unglück lässt nicht lange auf sich warten: Seine Mutter fährt mit ihrem teuren Jaguar ein kleines Mädchen auf einem roten Fahrrad an. Eigentlich sollte sie, als Mitglied der gehobenen Mittelschicht sich gar nicht in dieser heruntergekommenen Sozialsiedlung aufhalten, aber sie nimmt trotzdem hinter dem Rücken des gestrengen Ehemanns Kontakt zu der Mutter des Kindes auf. Und wird natürlich von dieser nach Strich und Faden ausgenommen.
Byron und James entwickeln den Plan "Perfekt", um das drohende Unheil abzuwenden.
Etwa 40 Jahre später versucht der Jim, ein vom Schicksal schwer gebeutelter Mann, seine Psychosen in den Griff zu kriegen. Und findet plötzlich neue und alte Freunde.

Rachel Joyce schrieb mit ihrem Roman Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry einen Welterfolg, der in über 30 Sprachen übersetzt worden ist. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren 4 Kindern in Gloucestershire und wird hoffentlich noch viele, viele Bücher schreiben. Denn zusammen mit Joanne K. Rowling und Sarah Butler gehört sie für mich in die Riege der begabtesten, britischen Erzählerinnen.

Meine Meinung:

Wer sich als Erwachsener so in einen sensiblen, kleinen Jungen hineinversetzen kann, ist entweder ein bisschen Kind geblieben oder/und hat viel mit Kindern zu tun. Dabei fühlt sich die Autorin 52 Büchernicht nur in die innere Welt des viel zu ernsten Byron ein, sie schafft es auch aus einer gewissen Kinder-Erwachsenendistanz, die Gefühlslage der Mutter zu skizzieren - eine Person, von der man eigentlich gerne ein bisschen mehr erfahren möchte.
Was mir natürlich gut gefällt, ist ihr kritischer Umgang mit dem elitären Gehabe der Besserverdienenden in Großbritannien und wie armseelig und hilflos sich die kleinen und großen Menschen in dieser lieblosen Umgebung zwangsläufig entwickeln.
Dieses Missverhältnis zwischen Haben und Sein findet sich aber nicht nur bei den Briten.

Übrigens wird immer wieder mal sogenannte Schaltsekunden eingeführt, wie 1972 oder demnächst am 30. Juni 2015.
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am 23. September 2014
Nicht schlecht, aber auch nicht der große Brüller - so kann man das wohl zusammenfassen. Das Buch hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Es ist nicht in meinem Bücherregal gelandet, sondern hat in einem Auktionshaus einen anderen Leser gefunden.
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am 28. April 2015
Die Geschichte als solche und die Schicksale der Personen könnten durchaus glaubwürdig sein. Leider fehlen aber nachvollziehbare Erklärungen, z. B. für das Verhalten des Vaters, der als kluger Mann beschrieben wird, letztlich aber auch angesichts der offensichtlichen Probleme jegliche Initiative vermissen lässt. Die beiden Jungen tragen 40 Jahre lang Erinnerungsstücke an den jeweils anderen mit sich herum – die Idee, innerhalb dieser vier Jahrzehnte einmal Kontakt mit dem anderen zu suchen, ist ihnen aber nie gekommen. Auch die Suizide der Eltern von Byron hängen mit nur wenigen Anhaltspunkten in der Luft … Angesichts solcher Unstimmigkeiten bin ich nicht in einen Lesefluss gekommen und war immer wieder irritiert.

Für meinen Geschmack sind außerdem die Jim-Kapitel viel zu langatmig geraten, sie verlieren sich in irrelevanten Detail-Beschreibungen. So wird das Lesen mühsam. Vielleicht eher für Frauen als für Männer zu empfehlen.
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Es wurden tatsächlich 1972 erstmalig Schaltsekunden zur Anpassung an die Ungenauigkeiten der Erdrotation eingeführt, wie sie auch heute immer wieder und von den meisten Menschen unbemerkt eingeschoben werden. Für den elfjährigen Byron, dessen hochbegabter Freund ihm von der Maßnahme erzählt hat, werden diese beiden Sekunden ein lebenslanges gewaltiges Echo haben, obwohl sie keineswegs an dem Tag "generiert" wurden, an dem er sie zu erleben meint.
Und es geht sehr rasch nicht mehr nur um die Ängste eines Kindes, sondern um eine instabile Familie, mit einem tyrannischen, reichen Vater, einer von diesem eingeschüchterten, wirklichkeitsfremden Mutter und Kindern, die an diesen Verhältnissen zerbrechen; ebenso jedoch um die gesamte englische Mittelschicht jener Zeit, patriarchalisch, in einer scheinbar idyllischen Parallelwelt lebend, verlogen und oberflächlich, in die Byrons Familie aufgestiegen ist.
Jim, der Protagonist aus dem um vierzig Jahre verschobenen anderen Handlungsstrang, gehört zu jenen, die auf der Strecke geblieben sind, weil sie die ungeschriebenen Regeln dieser Schicht nicht befolgen konnten oder wollten.
Die Suche nach der Wahrheit, die so relativ ist wie Raum und Zeit, steht im Zentrum dieses in einer sehr poetischen Sprache verfassten Romans. Es gelingt der Autorin, einen heißen Sommer darzustellen und zugleich auf meisterliche Weise eine düstere, bedrückende Stimmung zu schaffen, die den Leser wie ein Sog erfasst und mit sich zieht in Richtung der sich zunehmend klar abzeichnenden Katastrophe. Dem gegenüber steht der zweite Handlungsstrang, in dem ein Gefühl tiefer Hoffnungslosigkeit zu dominiert, doch, gegenläufig zur Geschichte von 1972, ahnt der Leser einen Lichtschimmer am Horizont.
Zwar kommen einige Passagen etwas schleppend voran, und man könnte auch kritisieren, dass die Protagonisten überzeichnet wirken, vor allem Byrons sehr naive Mutter. Wer jedoch bereit ist, sich auf die surreale Stimmung des Romans einzulassen – und darauf zielt die Autorin ab -, wird die Figuren als perfekt auf ihre Welt abgestimmt empfinden, eine Welt, deren Absurdität und Falschheit sich mit Fortschreiten der Handlung zunehmend offenbart, bis die zentralen Charaktere an ihr scheitern. Und doch gibt es Freundschaft und Liebe, in dieser überspannten, bis zur Groteske selbstgerechten Mittelschichtwelt ebenso wie in Jims Umgebung, die für das hedonistisch-saturierte gehobene Bürgertum den Bodensatz der Gesellschaft darstellt. Rachel Joyce versteht es meisterlich, zwischenmenschliche Wärme und echte Gefühle, die manchmal überraschend aufflammen, falschen Freundschaften und einer Liebe, die auf Besitzdenken basiert, gegenüberzustellen.
Ein starker Roman, den zu lesen sich definitiv lohnt!
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am 11. April 2014
Irgendwie war ich mir schon nach der Leseprobe der Besonderheit und schlichten Magie dieses Buches bewusst!

Inhalt:
Byron ist 11 Jahre alt, als zwei Sekunden zur Zeit hinzugefügt werden sollen; eine Vorstellung, die ihm Angst macht! Denn wie kann etwas existieren, das eigentlich gar nicht da sein sollte?
Und während Byron die Zeiger seiner Uhr rückwärts laufen sieht, passiert der Unfall, der alles verändern wird.
Auf dem Weg zur Schule, Byron sitzt mit seiner Mutter und seiner Schwester im Auto, sieht dieser plötzlich das kleine Mädchen mit dem roten Fahrrad, das seine Mutter anfährt.
Ein Ereignis, das weite Kreise zieht und die Leben aller Beteiligten grundlegend verändert...

Cover:
"Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" Ein Titel, der Eindruck macht, aus der Masse hervor sticht und es gar unmöglich macht, das Buch nicht zu lesen.
Im Einklang mit dem Titel steht das Cover, das zwar schlicht ist, aber dennoch meine Aufmerksamkeit erregte. Auch hier zeigt sich wieder, dass ein einfaches, passendes Cover viel schöner ist, als ein sehr buntes, das überladen ist.
Insgesamt ein sehr berührendes Cover!

Meine Meinung:
Der Anfang ist anders, herausstechend und hat mich sofort dazu veranlasst, weiterzulesen, in freudiger Erwartung, was aus daraus gemacht wird und voller Neugier!
Es ist nicht leicht, Worte für das zu finden, was das Buch transportiert, was es ausmacht.
Es erzählt so viel mehr, als auf den 430 Seiten steht, es ist ein Buch zum zwischen den Zeilen lesen...
Und ich sitze hier, überlege, wie ich deutlich machen soll, dass man das Buch eigentlich nicht zuschlagen konnte, weil man den Figuren nicht ihr Leben nehmen wollte, dass das Buch ehrlich und echt mit verschiedensten Themen umgeht, dass es mich beschäftigt hat, in meinem gesamten Körper schien alles darauf zu reagieren.
Ich gebe mein bestes und doch kann ich den gesamten Umfang nicht deutlich machen; ich versuche es in einzelnen Schritten.
Die Idee: Super! Zeit scheint für uns so selbstverständlich, aber woher wollen wir wissen, ob sie das ist? Dieser Gedanke ist philosophisch und in gewisser Weise auch wichtig für das Leben des Einzelnen.
Die Umsetzung: Einfühlsam und bezaubernd auf seine eigene Art und Weise, auf die Frage wird eine Antwort gefunden, die sich jeder individuell zurechtlegen kann. Der Schreibstil war passend und auffällig, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.
Die Charaktere: Sie konnten einfach nicht einer Feder entsprungen sein, sie waren echt, und damit meine ich nicht perfekt und logisch strukturiert aufgebaut, damit meine ich: Ich musste mich zusammenreisen, um nicht nachzuschauen, ob sie meine Nachbarn sind, ob sie hier irgendwo wohnen...
Die verschiedenen Charaktere, die aus verschiedenen Lebensphasen und in verschiedener Weise erzählen, geben allem eine gewisse Spannung, auf eine andere Art als in einem Krimi allerdings. Es war eher eine Erwartung darauf, wie die Charaktere zusammengehören, keine unerträglich stille Spannung.
Das Ende hat die gesamte Geschichte zusammengeführt und bei mir ein unbeschreibliches Gefühl ausgelöst, unbeschreiblich und so echt. Es war fast unheimlich.

Fazit:
Was machen wir, wenn grundlegende Dinge auf einmal durcheinander geworfen werden? Wie stabil sind die Pfeiler unseres Lebens und was sind die Auswirkungen einer Veränderung?
Das Buch stellt auf seine eigene Art Dinge infrage, die wir für selbstverständlich erachten und berührt uns mit seinem einzigartigen Beispiel.
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am 30. Dezember 2013
Das, was Harold Fry ausgezeichnet hat, nämlich das intensive Miterleben der Lebensgeschichte von Harold bis hin zum Tod von Queenie, fehlt in diesem Roman völlig. Der Tod von Diana ist bei mir völlig gefühllos hingenommen worden (da zu gewollt dramatisch dargestellt), Seymour bleibt bis zu seinem Ende ein Platzhalter und die gute Beverley nervt einfach nur in ihrer Überzogenheit. Die Winston-House-Mütter könnten in ihrer stereotypen Darstellung auch bei den Simpsons mitspielen.

Das gesamte Buch liest sich ohne besondere Höhepunkte. Ich kann das Buch nicht weiterempfehlen. Weder ist die Geschichte mitreißend noch bleibt irgend etwas bei mir 'hängen'. Schade.
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am 3. Juli 2016
Dieser Roman wird getragen von einer großen Traurigkeit & Schwermut. Er ist von Anfang bis zum Ende Moll. Das sollte man vielleicht vorher wissen und sich darauf auch einlassen wollen.

Diesen Text selbst zu lesen und zu verarbeiten, so wie er mir jetzt im Hörbuch präsentiert wurde, vermag ich mir kaum vorzustellen. Ganz sicher bin ich mir, dass der Roman erst für mich zu dem werden konnte, was er wurde, durch die wunderbare Interpretation und Stimme des Schauspielers und Hörbuchsprechers Wanja Mues. Er machte diesen Roman von Rachel Joyce erhör- und fühlbar; den stotternden, von Zwangsstörungen gequälten Jim, die toughe und doch verwundbare Eileen, den junge Byron und seinen besten Freund James Lowe, die zarte, zerbrechliche Diana aus Cranham House, die schräge Beverley aus der Digby Road und den unnahbaren Seymour, ja sogar die verschiedenen Mütter – wie Andrea Lowe, Deirdre Watkins – alle mit nur einer Stimme! Ich kenne Wanja Mues bereits aus der Hörbuchproduktion „Weil ich Layken liebe“ von Colleen Hoover. Ein Buch, das mich zutiefst berühren konnte, zum Lachen und Weinen brachte, was nicht unerheblich dem Interpreten geschuldet ist. Dieser Mann kann allein durch die Klangfarben seiner Stimme jedem Charakter die Einzigartigkeit verleihen, die ihm gebührt.

Auch bei dem nun gehörten Roman hat es Wanja Mues geschafft, mich an das Hörbuch zu fesseln – eindeutiges Suchtpotential vorhanden! Ich wollte, musste erfahren, wie es weiter geht, wann immer es möglich war, ob beim Joggen, im Auto oder nebenbei im Büro.

Doch ich brauchte tatsächlich fast bis zum letzten Roman-Atemzug, um zu verstehen und zu erkennen, wer sich hinter dem Protagonisten Jim verbirgt, wie sich die beiden zeitlich versetzten, jedoch parallel beschriebenen, Handlungsstränge miteinander verweben.
Dass es einen Zusammenhang gibt, ja geben muss, ist von Beginn an offensichtlich und an keiner Stelle zweifelhaft, jedoch erschließt er sich aus meiner Sicht viel, viel, viel, viel zu spät – am Ende wirkt der Roman fast gehetzt. Gut, mit einer früheren „Aufklärung“ würde man der Story sicherlich die Spannung nehmen. Und diese Spannung ist von einer sehr bedrückenden Natur.

Wer schwere literarische Kost mag, wem es jetzt in der bevorstehenden dunkleren Jahreszeit lieb ist, dass ihm unheimlich detailgetreue Bilder vor seinem geistigen Auge mit Worten gemalt werden, wer starke Charaktere und Personen, relativ wenig Handlung, sehr wenige Schauplätze und nur die Perspektiven eines jungen und eines älteren Mannes schätzt, dem sei das Buch ans Herz gelegt. Ganz ehrlich. Es ist zurecht ein Bestseller, der lange in mir nachwirkt.
Hörbuchliebhaber kommen hier ganz sicher auf ihre Kosten. Liebhaber der etwas schwereren Prosa greifen zum geschriebenen Werk. Eine große Portion Geduld und Ausdauer müssen Leser & Hörer jedoch schon mitbringen.

4 von 5 Sternen für dieses Werk für seine zarte, bildhafte, melancholische Sprache und die Wahl des Sprechers. Einen Stern für die in meinen Augen etwas zu zähe Handlung.
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Rachel Joyce ist 2012 mit ihrem ersten Roman „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ ein Weltbestseller gelungen. Nur ein Jahr später legt die 1962 geborene britische Autorin den nächsten Schmöker vor: „Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“. Und auch dieses Buch hat das Zeug dazu, wieder mächtig für Furore zu sorgen.

Es geht um einen kleineren Verkehrsunfall im Nebel – jene titelgebenden zwei Sekunden Unaufmerksamkeit –, der das Leben einer ganzen Familie zerstört oder komplett verändert, obwohl gar nicht viel passiert. Diana, die selbst aus zweifelhaften Familienverhältnissen stammt, ist mit ihrer Rolle als Oberschichtenmutter – mit Luxushaus und Luxuswagen – komplett überfordert. Sie muss Antidepressiva nehmen, um den Anforderungen ihres Mannes und der anderen Mütter, mit denen sie zu tun hat, gerecht zu werden. Als sie in einer Unterschichten-Straße ein Mädchen anfährt, bricht ihre mühsam aufrechterhaltene Contenance wie ein Kartenhaus zusammen.

Rachel Joyce verwebt diese Ereignisse, die im Sommer 1972 spielen, geschickt mit dem Leben eines psychisch kranken Mannes in der Gegenwart. Früh ahnt man, dass es sich bei diesem Mann entweder um Dianas Sohn Byron oder dessen Schulfreund James handeln muss, die beide 40 Jahre zuvor nicht ganz unschuldig an dem Unfall waren. Einer von beiden ist mit dieser Schuld offenbar nicht fertig geworden – und erst gegen Ende des Romans wird aufgeklärt, wer von beiden das ist.

„Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“ hat vieles, was einen richtig guten Roman ausmacht und deswegen ohne Einschränkung empfehlenswert ist: Es ist vielschichtig, spannend, emotional berührend, geschickt aufgebaut und überrascht mit unerwarteten Wendungen.
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am 31. März 2015
Entweder, ich war beim Lesen nicht konzentriert genug, oder ich bin schlicht zu doof. Ich sag mal so, um nicht zu viel zu verraten: WIE die beiden Handlungsstränge zusammengehören, hat sich mir leider erst kurz vor Schluss erschlossen! Das hat das Lesevergnügen im Nachhinein sehr geschmälert. Sicher: es ist angenehm geschrieben, sehr einfühlsam an manchen Stellen; ich habe einige sehr tiefsinnig-philosophische Aussagen gefunden, die ich mir merken wollte (was in der Regel ja nicht klappt, außer man schreibt es auf). Jedenfalls habe ich nach diesem Buch große Lust auf leichtere Kost.
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am 10. Mai 2014
Rachel Joyce
Gebundene Ausgabe
432 Seiten
EUR 18,99

Nach ihrem wundervollen Debüt "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" legt die Britin Rachel Joyce nun mit "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" (was für ein seltsamer Titel übrigens, wenn man bedenkt, dass das Original schlicht "Perfect" heißt) nach. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin hat Joyce zahlreiche Hörspiele für die BBC geschrieben, als Autorin fürs Fernsehen und auch als Schauspielerin gearbeitet. Ihr Erstling war in über 30 Ländern auf den Bestsellerlisten und wird darüber hinaus verfilmt. Ob ihrem zweiten Roman Ähnliches beschieden sein wird, ist zumindest für mich fraglich, da ich mit Joyces Folgeroman leider ziemlich wenig anfangen konnte.

1972, England, Sommer: den beiden Freunden Byron und James steht ein sowohl heißer als auch schicksalhafter Sommer bevor. Der dickliche Byron lebt mit seiner kleinen Schwester Lucy und seiner Mutter Diana auf dem Land in einem schicken Haus, Vater Seymour beehrt seine Familie nur am Wochenende mit seinen Besuchen, unter der Woche beschränkt er sich auf Kontroll-Telefonate mit seiner Frau, die ihm unterwürfig von ihrem nichtssagenden Leben berichtet. Als der hochbegabte James Byron eines Tages erzählt, dem Jahr würden demnächst zwei Sekunden hinzugefügt werden, kann Byron diesen aufregenden Moment kaum abwarten. Doch als es endlich so weit ist, geschieht etwas Schreckliches. Seine Mutter verursacht einen Unfall, den sie selbst gar nicht bemerkt. Langsam und unmerklich beginnt Byrons Welt aus den Fugen zu geraten, da er glaubt, sein Geheimnis für sich behalten zu müssen, um seine fragile Mutter zu schützen. Doch der brütend heiße Sommer wird noch viel mehr Veränderungen mit sich bringen, als Byron sich überhaupt vorstellen kann. Am Ende dieses schwülen Sommers wird Byrons Welt nicht mehr dieselbe sein. Und auch James kann nicht verwinden, was geschehen ist. Nach mehr als 40 Jahren kommt es zu einer weiteren schicksalhaften Begegnung, die das Leben der beiden Freunde abermals verändern wird…

Was laut Inhaltsangabe zunächst recht spannend klingt, erweist sich im Verlauf der über 400 Seiten dann allerdings als furchtbar zähe, unspektakuläre Geschichte, die zwar punktuell mit einigen Schicksalsschlägen aufwartet, aber weder zu fesseln noch zu interessieren vermag. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, 1972 und dann 40 Jahre später, was über weite Strecken dazu führt, sich in die Erlebniswelt eines 11jährigen begeben zu müssen. Vieles, was sich einem 11jährigen nicht erschließt, wird auch für den Leser mühsam zu entziffern, auch wenn man sich dann irgendwann einen Reim auf gewisse Vorkommnisse und Denkweisen machen kann. Doch durch die kindliche Sicht bleibt man hier relativ distanziert und kann kaum eine Verbindung zu einem der Protagonisten aufbauen.

Darüber hinaus schwenkt Joyce regelmäßig 40 Jahre vor und zurück, wobei sich die in der Gegenwart spielenden Kapitel als noch langweiliger und unzugänglicher erweisen als der Sommer 1972, wo man zumindest noch auf das Ende des Sommers und die damit einhergehende Katastrophe hinlesen kann. Die Kapitel, die die Gegenwart betreffen, sind dafür in der Summe so zäh und unspektakulär, weil so gut wie nichts von Bedeutung passiert und auch kein wesentlicher Fortschritt im Leben des Protagonisten auszumachen ist. Es sind einfach sich ständig wiederholende Abläufe, die einem den Protagonisten weder näher bringen noch mit interessanten Wendungen aufwarten.

Doch auch der Sommer 1972, in dem zwei 11jährige Jungen krampfhaft versuchen, die Zeit im wahrsten Sinne wieder zurückzudrehen, bietet wenig Lesenswertes. Joyce ist es zwar recht gut gelungen, die Denkweise der damaligen Zeit einzufangen (latenter Rassismus, veraltetes Frauenbild), allerdings übertreibt sie es hier mit ausschweifenden und viel zu oft thematisierten Umgebungs- und Wetterbeschreibungen, auch wenn sie dafür blumige Worte findet. Solcherlei findet sich auch in ihrem Erstling, allerdings wirkte es da wesentlich passender und wurde vor allem nicht so übertrieben häufig thematisiert. So füllt sich denn Seite um Seite mit dem langweiligen Leben von Byron und Diana während eines ungewöhnlich heißen englischen Sommers, den kindlichen und verzweifelten Versuchen eines Jungen, seine Mutter zu beschützen und den Lebensbeschreibungen von einem der Protagonisten 40 Jahre später, die so traurig wie unsagbar langweilig sind.

Zumindest gelingt Joyce zum Ende hin noch eine kleine Überraschung, auch wenn man irgendwann unterschwellig zu ahnen beginnt, dass vielleicht nicht alles so ist, wie Joyce es den Leser glauben machen will. So ist man denn, wenn die Katze dann endlich aus dem Sack ist, zwar milde überrascht, aber dadurch, dass einem die Protagonisten leider so herzlich egal sind, kann dieser kleine schriftstellerische Schlenker auch nicht mehr wesentlich am negativen Gesamteindruck rütteln, der sich auf den vorherigen 400 verfestigt hat. Die Erleichterung, das Buch endlich zu Ende gelesen zu haben, überwiegt über den Eindruck, dass die Geschichte zumindest recht stimmig und versöhnlich zu Ende geführt wurde.

"Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" steht für mich in keinem Vergleich zum wirklich gelungenen, berührenden und vor allem interessanten Erstling der Autorin. Die Protagonisten bleiben einem fremd, ihr Schicksal ist einem überwiegend egal, auch wenn Joyce einige tragische und zu Herzen gehende Momente gelingen. Das Ganze wirkt furchtbar aufgebauscht und wird mit endlosen britischen Landschafts- und Wetterimpressionen künstlich gestreckt, wodurch noch offensichtlicher wird, wie wenig die Geschichte letztendlich hergibt. Lediglich der kleine Twist kurz vor Schluss und das insgesamt stimmige Ende lassen dieses ansonsten in meinen Augen überflüssige Werk nicht gänzlich scheitern. Dafür gerade mal noch zwei von fünf Sommern, die außer heißer Luft nicht viel produziert haben.
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