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am 23. Februar 2006
Mit Max Valiers Studie „Der Vorstoss in den Weltenraum“ betritt der Kleinverlag Dieter-von- Reeken literarisches Neuland. Nach der Studie des Franzosen Flammarion über unser Sonnensystem auf einer realen und geistigen Ebene aus dem neunzehnten Jahrhundert und dem Aufsatz „Bewohnte Welten“ des deutschen Meyer - schon vor dem ersten Weltkrieg erschienen, publiziert Dieter von Reeken jetzt nicht nur den inzwischen kaum noch erhältlichen Begleitband zu einem umfangreicheren Werk eines anderen Autoren – Max Valier bezieht sich auf Hermann Oberths Epos „Die Rakete zu den Planetenräumen“ des Jahres 1923 – sondern macht mit seinen Veröffentlichungen einen Zeitsprung zwischen die Weltkriege.
Valier bezieht sich in seinen nachfolgenden Thesen nicht nur auf die Studien Oberths, sondern auch den amerikanischen Professor Goddard. Das er sich nicht nur mit der Theorie, sondern auch der Fiktion gut auskennt, zeigt das Auftaktkapitel „Im Bannkreis der Schwere“. Lächelnd schreibt er kurz und knapp über die Leichtigkeit der utopischen Literatur, einfach Wunderstoffe zu erfinden, mit denen die Menschheit schwerelos in die Gefilde jenseits der Atmosphäre schweben könnte. Als einzigen Schriftsteller nimmt Valier Jules Verne ernst, dessen Reise zum Mond nicht durch einen Wunderstoff, sondern durch die ballistischen Berechnungen des Kanonierclubs ermöglicht worden ist. Den Auftakt dieses Kapitels bilden seine mathematischen Berechnungen. Für Laien nicht immer verständlich, bemüht der Autor sich, seinen Thesen durch Bilder und fassbare Beispiele Nachdruck zu verleihen. Das zeigt sich auch in dem materialisch überschriebenen zweiten Abschnitt „Unsere Kampfmittel“, in denen er auf einer theoretisch mathematischen Grundlage Wurfmaschinen, Geschütze und schließlich eben auch Raketen untersucht. Dieser Bogen ermöglicht es in erster Linie Laien, wie in den Text zurückzukommen und nach der Zahlenwucht des Beginns einfach durchzuatmen und Valiers euphorisch vorgetragenem Weg ins All zu folgen. Die Schwäche des oberth´schen Text bemüht sich der Autor durch eine kurze, knappe, sehr präzise Ausdrucksweise immer wieder beispielhaft unterlegt auszugleichen. Schon zu Beginn lässt sich sehr gut erkennen, dass Valier im Grunde ein Praktiker ist. Er hat ein Ziel und dieses Ziel – den Flug ins All – möchte er unter allen Umständen erreichen. Oberth scheint es bei seinen Berechnungen mehr um die theoretische Möglichkeit eines Weltraumfluges gegangen sein, aus Valiers Text geht deutlich hervor, dass er gerne einer der ersten Menschen gewesen wäre, der diese Barriere durchbrechen könnte.
Die letzten beiden Kapitel des Buches – „Der Vorstoß in den Himmelsraum“ und „Die Eroberung der Sternenwelten“ – werden die literarisch interessierten Leser am ehesten ansprechen. Von der Einsamkeit im Weltall über die Problematik effektiver Materialausnutzung, die entsprechende Landung und als nächsten Schritt die Schaffung von Siedlungen und Basispunkten im All – hier erwähnt Valier einen künstlichen Mond – werden hier die wichtigsten Themen realistisch und fundiert abgehandelt. Wenn der Autor noch einmal Jules Vernes Robinsonaden kritisiert, so wirkt diese Episode im Gesamtkontext eher belustigend. Philosophisch denkt Valier aber über den Mond hinaus, doch gleichzeitig behält er die Astronomen im Blick. So sollen die Raumschiffe selbsttätig funktionierende Blinklichter verfügen, mit denen sie genau beobachtet werden. Im letzten Abschnitt folgen nach der Venus und dem Mars – leicht anzufliegende Ziele – die äußeren Planeten und irgendwann der Sprung hinaus in die Weite. Hier extrapoliert Valier den bisherigen Fortschritt der Menschen bis zu ihrem ersten Kumulationspunkt – der Landung auf dem Mond – in eine friedliche, vom Forschergeist geprägte Zukunft.
Das größte Lesevergnügen erhält der Leser bei der Kombination des vorliegenden, über weite Strecken sehr theoretischen Textes mit einer der im Vorwort erwähnten Biographien über Max Valier . Sehr schnell erkennt ein aufmerksamer Betrachter den kindlichen, aber nicht kindischen Forscher hinter dem Hobbymathematiker und - astronomen, der kein Risiko und kein Experiment scheute, um schließlich die Sterne zu erreichen. Das sich Max Valier nicht nur in den Naturwissenschaften sehr gut ausgekannt ist, wird bei der Lektüre einiger Passagen deutlich. Das Ziel, eine wissenschaftliche allgemeinverständliche Ergänzung zu Oberths Text zu schreiben, ist ihm gelungen. Was dem dünnen Bändchen fehlt und was wahrscheinlich auch nicht das Ziel dieser Studie sein sollte, ist ein bisschen mehr Begeisterung, Pathos für das große Ziel zu erwecken. Hier haben Autoren wie Kurd Lasswitz – wird ebenfalls von Valier in seinen Text eingebunden – oder Hans Dominik mehr Pionierarbeit geleistet. Dieter von Recken hat mit dem Raketenpionier Max Valier einen Praktiker und zumindest für einige Zeit einen Wegbestreiter Oberths in sein Programm aufgenommen. Das – wie gewohnt – sehr schöne Druckbild, die fehlerfreie Reproduktion des inzwischen fast nicht mehr erhältlichen Originaltextes und das informative Vorwort machen „Der Vorstoss in den Weltenraum“ zu einer gewöhnungsbedürftigen – das liegt an den vielen mathematischen Formeln, die uns den Spiegel vors Gesicht halten und unterstreichen, wie viel wir inzwischen vom Studium oder der Schule vergessen haben – Lesevergnügen. Leser und Text müssen sich aneinander gewöhnen und gegen Ende – nach vielen Theorien und Formeln – findet sich die Vision eines Weltraumbesessenen. Diese schlägt einen interessanten Bogen zwischen der utopischen Literatur und den trockenen sekundärliterarischen Texten. Trotzdem wird der Band wahrscheinlich in einer deutlich kleineren Auflage als die frühen literarischen Texte des Verlages Dieter-von-Reecken verkauft werden. Eine Wiederentdeckung durch eine breitere Leserschaft wäre er auf jeden Fall wert.
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