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am 1. Juni 2014
Die israelische Autorin Zeruya Shalev hat mit ihrem 371-seitigen Roman "Liebesleben" ein sprachlich geniales Meisterwerk geschaffen.
Hauptperson ist die junge Frau Ja`ara, die einem Jugenfreund ihres Vaters begegnet und von diesem Mann nicht mehr loskommt. Dieser Mann namens Arie wird zum fordernden Liebhaber und Ja`ara folgt ihm auf einem Weg der verbotenen Spiele und Obsessionen. Hörigkeit und Abhängigkeit wird ausdrucksstark und sehr direkt thematisiert und in Szene gesetzt. Doch Ja`ara ist keinesfalls nur Opfer sexueller Begierden, sie findet schließlich mehr zu sich selbst...

Der außergewöhnliche Erzählstil der Autorin hat mich sehr angesprochen. Lediglich die etwas "langen Selbstgespräche" der Protagonistin bremsten das Lesevergnügen einwenig.

Auf jeden Fall ist "Liebesleben" eine sehr zu empfehlende Lektüre.
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am 7. März 2017
Liebesleben ist ein sehr intensives Buch über Liebe und daraus entstehende Abhängigkeiten. Man möchte die Hauptfigur aufrütteln, sie wieder in die "Spur des Lebens" bringen.
Es ist ehrlich, fesselnd, traurig und stimmt nachdenklich.
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am 8. August 2017
total genial - wer ein Gespür für tiefgehende Literatur hat, wird dieses Buch verschlingen - wie alle Bücher von ihr. Eine Offenbarung, was Literatur der Moderne sein kann.
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am 6. Mai 2017
"Liebesleben" ist nach "Schmerz" das zweite Buch der zeitgenössischen israelischen Autorin Zeruya Shalev, das ich gelesen habe. Das reizt zu einem Vergleich.

Der Stil ist ähnlich, lange Sätze, trotzdem einfach, wie ein Gedankenstrom jeweils der Hauptdarstellerin, in "Liebesleben" noch unmittelbarer, da in Ich-Form, als später in "Schmerz", das in der dritten Person geschrieben ist. Der Roman "Liebesleben" weist dabei eher schon einmal Längen auf als "Schmerz". Dafür gibt es in ersterem wiederum eher mal Szenen, die an einen Pornofilm erinnern, als in letzterem.

Wenig überraschend, dass die Hauptprotagonistin Ja'ara in "Liebesleben" jünger ist als Iris in "Schmerz", die eine ist 30, die andere 45, was ungefähr auch das Alter der Autorin gewesen sein dürfte, als sie das jeweilige Buch geschrieben hat. "Schmerz" (auf hebräisch 2015 erschienen) ist eindeutig das reifere, meiner Ansicht nach auch das bessere Buch von den beiden, was nicht heißen soll, dass "Liebesleben" (auf hebräisch 1997 erschienen) schlecht ist.

In beiden Büchern geht es um die Liebe, aber unterschiedlich. Ähnlich ist, dass die zerstörerische Seite der Liebe eine große Rolle spielt, in "Liebesleben" mehr noch als in "Schmerz". Es ist schwer zu verstehen, was Ja'ara eigentlich so stark zu dem älteren Mann Arie hinzieht, der ihr Vater sein könnte. "Alle seine Fehler, seine dünnen Haare, seine tiefen Falten, seine gelben Zähne, sein nahendes Alter, sein kürzer werdendes Leben, und dahinter seine schwankende Persönlichkeit, seine Aggressivität" (Pos. 4237) werden von Ja'ara von Anfang an gesehen, und trotzdem opfert sie dafür ihre Ehe mit Joni, der oft noch sehr kindlich wirkt, aber sie wirklich liebt.

Iris in "Schmerz" ist im Vergleich zu Ja'ara in "Liebesleben" eine emanzipierte Frau. Ja'ara ist unterwürfig und abhängig, aber als sie erkennt, dass Arie abhängig ist von ihrer Abhängigkeit, bricht sie auch aus der Beziehung zu ihm aus. Eine Perspektive am Ende des Buches wird nicht gewiesen. Kennt man den Roman "Schmerz" und den Entwicklungsweg von Iris, wirkt das Ende von "Liebesleben" weniger deprimierend, denn Ja'ara kann sich noch entwickeln.

Ein gemeinsames Motiv in beiden Romanen besteht darin, dass unbewältige Konflikte der Vergangenheit seelische Wunden hinterlassen haben, die die aktuellen Beziehungen gefährden. In "Liebesleben" stellt sich heraus, dass sich Ja'ara zu demselben Mann hingezogen fühlt wie ihre Mutter vor ihrer Geburt. Ihre Mutter hat ihn nur deshalb nicht geheiratet, weil er wegen einer Kriegsverletzung unfruchtbar geworden ist. Ja'ara begreift, dass sie deswegen sowohl von ihrer Mutter als auch von ihm nicht richtig geliebt wird.

"Schmerz" ist vielschichtiger, denn hier spielt auch politische Realität in Israel hinein, was in "Liebesleben" kein Thema ist.

"Liebesleben" bewerte ich mit 4 Sternen, weil dieser Roman noch nicht ganz so ausgereift ist wie "Schmerz", den ich mit 5 Sternen bewertet habe.
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am 9. Juli 2017
Ich musste das Buch leider in der Mitte zur Seite legen, weil es mich gelangweilt hat. Wo genau war die Spannung, die versprochene Erotik? Schreibstil ist ganz gut, aber die Charaktere fand ich auch total unsympathisch..
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am 31. August 2002
Sprachgewalt, Ausdrucksstärke, Derbheit und Einfühlungsvermögen. Alles das beherrscht Shalev bis ins kleinste Detail.
Ihr Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig: Keine Anführungszeichen bei Gesprächen. Der Ausspruch "Ohne Punkt und Komma" erlangt bei ihr eine ganz andere Bedeutung: denn Shalev verzichtet auf so ziemlich alle Satzzeichen mit Ausnahme des Kommas. Hört sich banal an, ist es aber nicht. Denn Gewöhnlich fügt man nach einem "Punkt" eine kurze Pause ein, senkt die Stimme. Ende eben. Satzende. Nicht so in diesem Buch. Shalev verwehrt uns dies und treibt die Handlung in dreizehn Kapiteln ohne Punkte voran, so dass eine künstliche Spannung entsteht: nicht durch geraffte Erzählweise (das ist ihr fremd) sondern durch das Weglassen von Pausen.
Rein inhaltlich muss gesagt werden: Man kann dieses Buch lieben oder hassen, ein Mittelding ist kaum möglich. Die kurzen, sporadischen Sexszenen schocken; die langen, langen Selbstgespräche der Protagonistin sorgen dafür, dass sie dem Leser fremd wird: denn Ja'ara, Antiheldin der Geschichte, macht so ziemlich jeden Fehler, den man begehen kann, zu Zeiten, wo man normalerweise keinen Fehler machen kann. Sie ist eine widersprüchliche Figur, auf der Suche nach sich selbst. Und am Ende steht der Leser da, als hätte er sich das Buch nur erträumt...
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am 22. Januar 2003
Vordergründig beschreibt Zeruya Shalev aus der Innenperspektive ihrer (Anti-)Heldin Ja'ara, wie diese einem alten Ekel namens Arie verfällt, sich von diesem hart rannehmen und schlecht behandeln lässt, für ihn Mann, Karriere, Würde und Obdach opfert, um ihn am Ende nicht mehr zu ertragen und zu sich selbst (oder der Bibel?) zu finden.
Allerdings wird in der Geschichte selbst die vordergründige Interpretation von Geschichten hinterfragt. Ja'ara eröffnet ihrem Dekan, für eine jüdische Erzählung die wahre Bedeutung hinter der scheinbar offensichtlichen gefunden zu haben. Das Buch schliesst mit dem Auffinden einer weiteren Erzählung mit solch einem bislang übersehenen Hintersinn.
Natürlich hätte ein echter Dekan darauf verweisen müssen, dass zu jeder Erzählung stets viele Interpretationen möglich sind und keine einen alleinigen Wahrheitsanspruch erheben kann. Doch wenn ich meine Interpretation zu "Liebesleben" anbieten darf, so lautet diese:
In "Wirklichkeit" liebt Ja'ara Arie gar nicht, sie lässt sich einfach nur gehen, von ihren Augenblicksgefühlen treiben (wozu auch die unruhige Sprache und die vielen Abschweifungen passen) und sucht eine Realität außerhalb ihrer selbst (dabei hat sie nur sich selbst im Kopf und schadet ausnahmslos jeder Person, mit der sie in Berührung kommt). Sie glaubt, in Arie und auch dem physischen Sex der Realität zu begegnen. Sie verlässt ihn dann schließlich, nicht weil er sie zu schlecht behandelt, sondern weil sie merkt, dass seine Souveränität nur gespielt ist, er sie in Wirklichkeit mehr braucht als sie ihn. Also geht die Realitätssuche weiter und endet an der Uni bzw. dem Aufspühren des wahren Sinns von Geschichten.
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am 19. Februar 2002
Nur vordergründig scheint es in diesem Buch um das sexuelle Verlangen einer Frau nach einem alternden, erfahrenen, selbstsicheren und dadurch überlegenen Mann, dem Jäger, zu gehen, dessen Beute sie in willenloser, unerklärbarer Liebe sein möchte. Vielmehr geht es um diese Liebe selbst, um den universellen Hunger nach einem Menschen, mit dem wir - obwohl wir nichts von ihm wissen - bedingungslos zusammen sein möchten, was sich nur mangels anderer Ausdrucksmöglichkeiten schliesslich vor allem in sexuellen Machtspielchen entlädt bzw. erschöpft, und dennoch oder gerade deswegen die Protagonistin sexuell auch meist nicht befriedigen kann. Worüber wir übrigens mehr erfahren, als über die sexuellen Handlungen selbst. Diese werden, weil sie "nur" als Katalysator dienen sollen, meines Erachtens auch - beabsichtigt - nicht sonderlich erotisch dargestellt. Dieser Liebeshunger, der sicherlich auch für die Sehnsucht nach einem anderen Leben hinhalten muss, wird paradoxerweise dadurch noch geschürt, dass der Mann ihn nicht wird stillen können, es auch nicht will.
Selbst in jeder Hinsicht satt, gelangweilt und deshalb so souverän wird "der Löwe" zur Obsession im Leben einer Frau, die sich auf dem unerträglich absehbaren Weg zu Karriere, Kind und Ehealltag befindet. Sie will ihn, seine Liebe, will in seinen Gedanken leben. Und sie will ihn dazu bringen, sie zu wollen. Sie kämpft um eine Liebe, für die es sich nicht zu kämpfen lohnt. Aber das macht sie wohl, weil ihre Alternative ein Leben ist, das sich nicht zu leben lohnt. Ein lauwarmes Leben. Erklärungen für ihr Verhalten werden sich viele finden lassen, wenn man genau "hinhört". Schlussendlich ist aber auch die banale (dadurch erschreckende) und dennoch korrekte Schlussfolgerung erlaubt, dass sich die Anziehungskraft eines Menschen auf einen anderen jedwelcher, insbesondere logischen, Erklärung entzieht.
Ist dieses Buch lesenswert? Ja. Deshalb, weil man darin ein sehr präzises, durch die langen Sätze atemloses Sprachkönnen findet, fast immer von selbstverständlicher poetischer Brillianz und angefüllt mit Begebenheiten, Gefühlen, Gedanken, die zu durchleben, fühlen, denken wir uns selbst verbieten mögen, die nichtsdestotrotz vielen von uns nicht fremd sein dürften, die in uns lauern in einer dunklen, wilden Ecke, wo wir sie zugunsten unseres sicheren Lebens meist auch lassen werden.
Das Buch ist nicht makellos. So ist die erste sinnliche/sexuelle Begegnung (welche mit dem Anziehen der Hosen des Mannes ihren Anfang nimmt), die sich dann später in diesem immer umfassender werdenden Hunger nach Liebe (nicht nur Sex) manifestiert, zu unmotiviert (sprich, es werden keine erhellenden oder nachvollziehbaren Gedankengänge geliefert) und vor allem auch zu unvermittelt, um glaubwürdig zu sein. Dieses Unvermittelte beraubt die schicksalshafte Begegnung leider teilweise ihrer Wichtig- und Wuchtigkeit. Auch gibt es ein paar wenige Stellen im Buch, wo man als Leser plötzlich liest, ohne zu wissen, in welchem Zusammenhang das Gelesene mit der Geschichte steht. Etwas, was mir persönlich missfällt. Zudem fällt das Ende gegenüber der vorausgehenden Geschichte ab.
Dennoch, das Buch weiss zu überzeugen, regt zum Nachdenken, Nachfühlen, wenn auch nicht unbedingt Mitfühlen an (denn dafür ist die Protagonistin - so sehr sie unter ihren eigenen Gefühlen leidet - nicht sympathisch genug) und ist von einer offenbarenden Ehrlichkeit, von der man als Leser profitieren kann.
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am 11. Oktober 2006
Das Leben der Ich-Erzählerin Ja'ara scheint in wohlgeordneten Bahnen zu verlaufen: Sie ist einigermaßen glücklich mit dem Computerfachmann Joni verheiratet; nicht die große Liebe, aber ein nettes Arrangement. Ihre Dozentenstelle an der Uni ist zwar befristet, aber es besteht Aussicht auf Vertragsverlängerung; das Verhältnis zu ihrer Freundin Schira ist zwar nicht so ungetrübt wie es den Anschein hat, aber das verdrängt sie recht erfolgreich. Ähnliches gilt für ihre Familie: Da gibt es Ungeklärtes, aber man spricht nicht darüber. Man arrangiert sich eben.
In diese Ordnung platzt nun Arie hinein, ein alter Freund von Ja'aras Vater. Ja'ara ist ihm auf der Stelle verfallen, sie weiß nicht warum, ist sich auch im klaren darüber, dass Arie ihre Liebe nicht erwidert. Die nun sich einstellende "Liebesbeziehung" kommt über Ja'ara wie eine Naturgewalt, wie ein Malström -- obsessiv, unausweichlich. Egal wie abstoßend Arie auf sie wirkt, egal wie sehr er sie demütigt: Sie kommt nicht von ihm los, will das auch gar nicht. Ja'ara verzichtet auf ihr bisheriges Leben, die Sicherheiten, die relativ sichere Zukunft. Am Ende verzichtet sie auch auf Arie, aber in ihr "altes" Leben wird sie -- vermutlich -- nicht zurückkehren.

Aha. Eine obsessive, demütigende Beziehung einer jungen Frau zu einem älteren Mann, der sie abstößt und anwidert, aber gleichzeitig auch fasziniert -- ein Schelm, der da nicht sofort an den "Letzten Tango in Paris" dächte.
Doch abgesehen von der Grundkonstellation weist "Liebesleben" nicht allzu viel Ähnlichkeit mit diesem Film auf, in dem die "amour fou" für die Frau letztlich eine Episode darstellt und ihr lediglich eine Art Erkenntnisgewinn beschert. Aufgrund dieser vergleichbaren Grundkonstellation könnte "Liebesleben" eine scharfsinnige, weibliche Gegenposition zum "Letzten Tango" bieten -- eine originelle Idee also; aber auch ein origineller Roman?
Originell k ö n n t e er nämlich sein, dieser Roman. Ist er aber nur in Ansätzen.
Die Ich-Erzählerin Ja'ara erzählt ihre Geschichte gewissermaßen ohne Punkt und Komma, atemlos eben und verwirrt. Allerdings: Dass die Protagonistin des Romans, Ja'ara, nicht weiß, warum sie Arie immer mehr hörig wird, ist das eine. Aber auch die Autorin, Zeruya Shalev, scheint das nicht recht zu wissen, und dementsprechend verwirrend gestaltet sich die Lektüre.
Ausgerechnet der Dreh- und Angelpunkt des Romans ist und bleibt auch dem Leser ein Rätsel. Sicher, der Stil fasziniert anfangs, also ist man erst einmal gebannt. Irgendwann aber reichen Ja'aras innere Monologe nicht mehr aus, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Man denkt nun, gut, geben wir ihr noch ein Kapitel, vielleicht tut sich ja was. Es tut sich aber nichts. Nicht im nächsten Kapitel, nicht im übernächsten, auch nicht im über-übernächsten. Die Handlung wird immer absehbarer, und daran ändern auch die erotischen Szenen nichts -- wenn man sie denn "erotisch" nennen will. Mir fiele eine weniger schmeichelhafte Benennung ein.
Was bleibt, wenn man es irgendwie doch bis Seite 368 geschafft hat? Nicht viel. Man hat ein Buch gelesen, das einen gleichzeitig abstößt und fasziniert, in dem die anfängliche Spannung immer mehr der Langeweile weicht. Wahrscheinlich merkt man sich den Namen der Autorin, denn dass sie nicht schreiben könnte, kann man ihr nicht vorwerfen. Aber ihre Figuren erinnern an Marionetten -- das wäre in Ordnung, wenn die Handlung entsprechend aufgebaut wäre, etwa in der Art einer zeitlosen Parabel. Daber dafür ist die Story nicht stringent genug.

Es bleibt die Erkenntnis: Dann doch lieber den "Letzten Tango in Paris" mit Marlon Brando und Maria Schneider...
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am 10. März 2003
Was geht das mich an, frage ich mich nach Seite 368 und klappe das Buch zu, habe ich nicht schon genug, dass ich mich auch noch um Ja'ara kümmern muss, die Mittedreißigjährige, die ihre Abhängigkeit zu einem Mann, der von ihrer Abhängigkeit abhängig ist, nicht in den Griff zu bekommen scheint, will ich doch von all dem gar nichts wissen und bin dennoch mit Spannung an den Seiten kleben geblieben, habe sie alle in mich aufgesogen, was in mir nun die Frage aufwirft, ob es mich nicht doch etwas angeht, ob diese Geschichte doch etwas mit mir selbst zu tun hat, und es mag zumindest für mich selbst, oder besser gesagt, nur für mich selbst, offensichtlich sein, dass ich diese willenlose Verfallenheit auch selbst verspüren kann, doch auch ich bin Mitte dreißig und habe meine Abhängigkeiten zumindest im Großen und Ganzen recht gut im Griff, und es langweilt mich, mich mit Ja'aras pubertärem Getue und der Bewältigung ihr Kindheit und deren traumatischen Folgen auseinander setzen zu müssen, bleibt die Frage, ob ich mich nicht insgeheim (völlig unbewusst und verdrängterweise), danach sehen, auszubrechen, mich im Strom meiner Gefühle treiben zu lassen, mich anziehen zu lassen, ohne die Folgen und Risiken abzuwägen, mein ganzes Leben oder zumindest das, was ich bisher dafür gehalten habe, auf das Spiel zu setzen, um wie Ja'ara jenen Höhepunkt zu erleben, der einen danach doch leer und unbefriedigt zurücklässt, vielleicht aber immerhin zur Ich-Findung und einem Neubeginn führt - „vielleicht" deswegen, weil das Buch aufhört, ohne sich festzulegen - und ich kann mit Überzeugung antworten, wissend, dass ich mir dabei nichts vormache: Nichts - dieses Buch geht mich wirklich nichts an.
Es bleibt die Erinnerung an ein Buch, das abstoßend ist und zugleich faszinierend, das spannend ist und zugleich langweilig - eine Erinnerung, die bald schon keine mehr sein wird, den spätestens nach den nächsten zwei, drei Büchern wird nichts mehr davon übergeblieben sein.
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