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Wie die Berliner High Society wirklich funktioniert, das erfährt man am besten durch einen schnellen Blick auf Seite 94. Da sieht man Wolfgang Joop, immerhin durchaus bekannter Modeschöpfer, und Franziska Knuppe, immerhin bekanntes Modell, so schrecklich angezogen, dass es wohl in jeder Metropole dieser Welt und in jeder anderen, deutschen Großstadt Probleme mit dem Einlass in einen Nachtclub geben würde. Einfach richtig hässlich. Aber in Berlin, dieser wunderbaren Stadt, da geht selbst das.

Ignorieren wir bei diesem Buch einfach mal, dass es Werbung für ein Unternehmen macht, was in Berlin alles andere als unüblich ist. Schließlich hat die Veranstaltungsbranche in Berlin durchaus viele, herausragende Eventveranstalter zu bieten. Die Stadt lebt nämlich nicht zuletzt genau von solchen Veranstaltungen wie sie "die Gastgeberin" bietet. Und mit "davon leben" meine ich jetzt ganz schnöde das Geld, den Umsatz, den man durch solche Veranstaltungen verdient. Ignorieren wir auch, dass das Unternehmen Hardenberg Concept zu den teuersten, aber nicht immer zu den besten dieser Veranstalter gehört. Ignorieren wir auch, dass die wirkliche Arbeit auf den Veranstaltungen eher von den engagierten Berliner Gastronomen gemacht wird, während die im Buch so oft gelobte Isa Gräfin von Hardenberg eher dafür steht, dass sie eine wohl einmalige Liste von Adressen von potentiellen Gästen ihr eigen nennt. Und ignorieren wir einfach mal schwächsten Text des Buches, in dem die Hardenberg auf vier Seiten Tipps für die Veranstaltung eigener Partys gibt (ab Seite 145).

Dann haben wir ein Buch vor uns, was mit vielen Photos die Entwicklung der Berliner Gesellschaft seit 1989 durchaus gut beschreibt und auch noch durch viele Photos gut illustriert. Noch 1990 war das typische Mitglied der Berliner High Society der bildungsferne Baulöwe, der zwar zu Karajan ging, dort aber froh war, wenn er in der Pause nicht über Musik sprechen musste. Dazu kam dann nach der Wende ein ostdeutsches Bildungsbürgertum, was engagierter und klüger war, als die Westberliner Elite, aber dafür sich durch einen bemerkungswerten Mangel an persönlichem Stil, Englischkenntnissen und Selbstbewusstsein auszeichnete. Zusammenfinden konnte das erst durch zwei Entwicklungen. Erstens wurde Berlin plötzlich für den Rest der Welt interessant, und so erweiterte sich die Berliner Gesellschaft um alles, was sich in ganz Deutschland als Elite oder High Society verstand. Der Prominente von außen half bei der Integration der zwei Berliner Kulturen. Und zweitens wurde Berlin zur Stadt der modernen Kunst. Und selbst Baulöwen und Provinzpolitiker beginnen Bücher zu lesen, sobald sie mehrere Zehntausend oder Hunderttausend Euro in ein Bild investieren.

Es ist die Geschichte einer Normalisierung, die dieses Buch erzählt. Und so muss man auch sagen, dass Berlin nach zwei Jahrzehnten Nachwendezeit normaler geworden ist und sich den anderen Städten in Deutschland angenähert hat. Deshalb liefern die stärksten Texte in diesem Buch eigentlich auch immer einen Rückblick auf die wilden 90er Jahre und keinen Ausblick in die Zukunft. Die kommende Generation der High Society, die derzeit zweisprachig (Deutsch und Russisch) in der Stadt aufwächst, ist im Buch merkwürdig unterrepräsentiert. Aber schließlich soll dieses Buch ja auch eigentlich keine Sozialstudie sein. Es geht darum, Werbung für die Stadt Berlin zu machen. Und das macht dieses Buch vor allem, in dem es die Leserschaft mit den gewohnten Bildern und Anekdoten aus Zeitschriften wie Bunte und Gala bedient. Bilder von Prominenten ohne Ende, Namedropping ohne Ende, Partyberichte ohne Ende. Dazwischen aber auch ein paar Texte über Partycrashing, den Beruf der Hostess und das Funktionieren von privaten Berliner Freundeskreisen. In der Summe ist das alles durchaus unterhaltsam, wobei einige Autoren mehr zu sagen haben als andere.

Als Berliner ist es übrigens witzig, wie viele der hier abgebildeten man hier doch kennt. Ein Verwandter findet sich gleich dreimal abgebildet. Eine der Prominenten kannte man noch durch eine Freundin, als sie noch Sozialhilfe bezog. Mit einer weiteren hatte man mal in einer Bar einen Flirt. So glamourös einem Berlin in diesem Buch erscheint, so sehr erscheint die Stadt einem als Dorf, wenn man hier aufgewachsen ist. Aber vielleicht ist gerade das die große Stärke dieser Stadt, die hier auch in einigen Texten erwähnt wird: Berlin ist eine offene Gesellschaft. Man kennt sich auch jenseits der vermeintlichen, sozialen Schranken. Und so sehr der Titel und die Gestaltung dieses Buches den Gedanken einer geschlossenen Gesellschaft (selbst die Hostessen müssen aus gutem Hause sein) pflegen, so sehr ist die Wirklichkeit in der Stadt doch eine andere. Meistens sitzt der Prommi eben doch am Cafetisch nebenan - und ist ansprechbar. Noch ist eben Charme die wichtigste Währung dieser Stadt. Viele der Autoren in diesem Buch haben genau das verstanden.
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am 5. November 2009
Für mich ist es echt ein cooles Buch. Auch als Nicht-Berliner, hat es mich richtig begeistert. Die Entwicklung von Berlin: von der Outsider-Stadt hin zu einer (fast) glamourösen Metropole ist es locker geschrieben und hat jede Menge toller Fotos von Promis. Als Blick hinter die Kulissen der Berliner Gesellschaft ist es spannend zu lesen. Besonders, weil die Texte eher knapp gehalten sind und es nicht so ein langweiliger "Anekdoten-Schinken" ist. Hätte ich so von einer Gräfin gar nicht erwartet...
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