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Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen
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4,5 von 5 Sternen
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Auch in diesem zweiten Band erleben wir Thomas Cromwell hautnah. (Es empfiehlt sich übrigens das erste Buch, „Wölfe“, gelesen zu haben, damit man die Vielschichtigkeit dieses Charakters richtig einschätzen kann).
Am Fall Anne Boleyns, an dem Cromwell nicht unmaßgeblich beteiligt ist, zeigt sich das intrigante Talent dieses Machtmenschen. Trotzdem ertappte ich mich beim Lesen immer wieder dabei, dass Cromwell mir irgendwie sympathisch war, trotz seiner skrupellosen Winkelzüge. Denn im ersten Band erfährt man viel über seine Kindheit, seine Sozialisation und seine Motive.
Wie schon im ersten Band begleiten wir Thomas Cromwell in seinem Alltag; dieser Roman bietet daher auch ein hervorragend recherchiertes Sitten- und Gesellschaftsgemälde der damaligen Zeit.
Verglichen mit dem ersten Band hatte dieses Buch zwar einige Längen, trotzdem hat sich die Lektüre erneut gelohnt. Denn auch dieser Band ist wieder glänzend geschrieben und anspruchsvoll, was ihn von anderen historischen Romanen wohltuend abhebt.
Obwohl ich ja weiß, wie die Geschichte ausgeht, bin ich gespannt auf das Ende der Trilogie.
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TOP 1000 REZENSENTam 23. März 2014
"Divorced, beheaded, died, divorced, beheaded, survived." - "Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt“. Mit diesem Abzählreim merkt man sich in England das Schicksal der sechs Frauen König Heinrichs VIII. Man könnte meinen, dass längst alles erzählt sei über diese Zeit, den König, seine Frauen und die Loslösung von der Kirche.

Doch die 1952 in Glossop in Derbyshire geborene Schriftstellerin Hilary Mantel rollt die historischen Ereignisse neu und vollkommen anders auf: Sie präsentiert mit „Wölfe“ und "Falken" zwei beeindruckende Bände einer als Trilogie angelegten Reihe um Aufstieg und Fall des Thomas Cromwell am Hofe des Tudor-Königs Heinrich VIII. Beide Werke wurden mit dem renommierten Man Booker Prize ausgezeichnet, und sie sind großartig!

Die Konzentration liegt auf den drei ersten Frauen Heinrichs VIII.: Katharina von Aragón, Anne Boleyn und Jane Seymour.

Im Mittelpunkt dieses gewaltigen historischen Abenteuers steht jedoch mit Thomas Cromwell (ca. 1485-1540) ein Mann aus einfachsten Verhältnissen, dem es gelingt, neben dem König zum mächtigsten Mann Englands zu werden. Dabei erweist sich die Biographie, die sich vor dem Hintergrund des historischen Stoffes auffächert, als überraschend zeitlos.

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„Falken“
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Im Herbst 1535, als „Falken“ beginnt, ist Cromwell bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt: Zusammen mit dem Monarchen Henry VIII. begibt er sich mit den Falken auf die Jagd. Die Vögel tragen die Namen seiner toten Töchter, die - ebenso wie seine Frau - in den Jahren 1527/28 verstorben sind:

„Seine Kinder fallen vom Himmel. Er sieht sie vom Pferd aus, hinter ihm dehnen sich die Weiten Englands.“ - Man hört die Stimme Frank Stöckles und ist mittendrin im Geschehen…

Als auch aus der Ehe mit Anne Boleyn statt des ersehnten Sohnes „nur“ eine Tochter, die spätere Königin Elizabeth I., hervorgeht, der männliche Thronfolger, der für das Fortbestehen der Tudors sorgen soll, dem König aber weiterhin verwehrt bleibt, muss auch sie weichen. Der Niedergang Anne Boleyns vollzieht sich mit der gleichen Geschwindigkeit wie ihr plötzlicher Aufstieg: Wegen angeblichen Ehebruchs und Hochverrats wird sie 1536 enthauptet. Ein Schicksal, das nur vier Jahre später ihre Cousine Catherine Howard, Heinrichs fünfte Ehefrau, teilen wird…

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Sprachgewalt
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Sprachmächtig, anschaulich und frei von jedwedem Kitsch lässt die Autorin den machtbewussten Aufsteiger Cromwell die Geschicke des Landes mit seiner meisterhaften Rhetorik lenken. Dabei verwendet sie als Erzählzeit das Präsens, nutzt Gedankenfetzen oder lässt Sätze abreißen, was dem Geschehen eine überraschende Aktualität und Direktheit verleiht. Man fühlt sich beim Lesen in der Tat wie in den Alltag der Tudor-Zeit hineinversetzt.

Was erfreulicherweise fehlt, sind endlose schwülstige Beschreibungen von Menschen, Palästen oder Kleidung. Das historische Setting dient bei Mantel - anders als bei anderen Autoren dieses Genres - nicht nur als bloße Staffage; es wird lebendig. Sowohl „Wölfe“ als auch „Falken“ zeichnen ein glaubwürdiges Portrait der Epoche.

Das mag ein Stück weit die Faszination erklären, die von dem diesem dialogstarken Werk ausgeht. Einen allwissenden Erzähler, der über den Dingen schwebt, gibt es hier ebenfalls nicht. Vielmehr erlebt man alles aus dem Blickwinkel Cromwells mit.

Hilary Mantel versteht es, für die Schicksale dieser historischen Persönlichkeiten einzunehmen. Obwohl die Geschehnisse bekannt sind - man weiß um die Ereignisse der Tudor-Zeit oder kann sie nachschlagen - machen die Bücher atemlos.

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Ein unvergleichliches Hörvergnügen
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Frank Stöckles Lesung macht dieses Buch und den vorhergehenden Band "Wölfe" zum Hörgenuss: Man lauscht von Anbeginn an gebannt, gefesselt und versunken in dieser ausdrucksvollen, facettenreichen Stimme, die sich Zeit nimmt für kleine Pausen und wirkungsvolle Betonungen und so sehr eins wird mit dem Text als sei Frank Stöckle direkt in die Personen und ihre Zeit hineingeschlüpft.

Gerade Thomas Cromwell wirkt stark und vielschichtig dank dieser stimmlichen Interpretation. Das, was ich selten erlebe, passierte hier: Frank Stöckles Stimme überlagerte meine eigne, die ich dem Buch in meinem Kopf verliehen hatte. Wann immer ich mich nun in den Text vertiefe, um erneuet die eine oder andere Passage zu lesen, höre ich Frank Stöckle vor meinem inneren Ohr.

Er füllt alle auftretenden Charaktere mit Leben und interpretiert die auftretenden Figuren durch seine nuancierte, sorgfältige Betonung. Den König spricht er prätentiös und arrogant mit etwas erhobener, gepresst klingender Stimme; Jane Seymour sanft und zurückhaltend.

Dem nicht gerade kleinen Figurenaufgebot zum Trotz behält man dank der versierten Lesung stets den Überblick. Ein mehrseitiges Booklet informiert über die auftretenden Personen und beinhaltet auch einen Stammbaum der Tudors.

Beide Hörbücher, "Wölfe" und "Falken" habe ich mehrfach von vorn bis hinten gehört. Ja, sie sind so gut. Beim Hören taucht man ein in ein Stück englische Geschichte und die wunderschöne Sprache Hilary Mantels. Es sind jedoch keine Hörbücher, die man nebenbei laufen lassen sollte. Das sind Bücher zum bewussten Hinhören.

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Präsentation
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Es handelt sich um eine behutsam gekürzte Lesung. Auf sechs CDs erwarten 454 Minuten Hörvergnügen. Die Silberlinge befinden sich in einer Multibox, die in einem bedruckten Pappschuber steckt. Das Booklet informiert über die auftretenden Figuren und rundet das Gesamtpaket ab.

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Fazit
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Hilary Mantels Bücher sind für mich literarische Ereignisse. Wer sich auf dieses Hörbuch einlässt, erlebt eine perfekte Synthese aus Geschichte und wundervoll interpretierter Literatur: einnehmend, geistreich und mitreißend. Mit Frank Stöckle wurde ein wirklich perfekter Sprecher gefunden!
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TOP 500 REZENSENTam 31. August 2014
Im Mittelpunkt des vorliegenden Romans ( der Fortsetzung von "Wölfe") geht es um den englischen Staatsmann Thomas Cromwell, den ersten Minister Heinrichs VIII und großen Verwandler Umwandler Englands in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Während Cromwell in der Geschichtsschreibung (und auch in der Fernsehserie "Die Tudors“) als Bluthund daherkommt, erscheint er bei Hilary Mantel als umsichtiger und zielstrebiger Staatsmann, der sich um die Entwicklung Englands verdient macht. Die atmosphärische Dichte, sprachliche Meisterschaft, die formale Komposition und die geschickte Komposition des Spannungsbogens zeigen Hilary Mantel auf der Höhe ihres Könnens.

Der Roman beginnt im Herbst 1535 unmittelbar nach dem Tod von Thomas More und endet Ende 1536 mit der Hinrichtung Anna Boylens nach einem fingierten Ehebruchs- und Hochverratsprozess. Erzählt wird die Geschichte wie auch schon in "Wölfe" aus der Innenperspektive von Thomas Cromwell, mitunter auch aus der "er" Perspektive, deren durchgängig richtiges Verständnis - das muss gesagt werden - genaues Lesen erfordert. Doch ganz gleich aus welcher Perspektive erzählt wird, die Erzählung selbst ist ein sprachlicher Genuss. Dafür nur einige Beispiele: "Augen, die ihn einst aufgespießt haben, werben heute mit gespielter Achtung. Hände, die ihm den Hut vom Kopf schlagen möchten, strecken sich ihm entgegen. Er hat seine Feinde in seine Richtung gedreht, damit sie ihn ansehen, sich ihm anschließen, wie in einem Tanz: Er hat vor, sie wieder wegzudrehen, damit sie sie lange, kalte Schneise ihrer Jahre hinunterblicken, damit sie den Wind spüren, den Wind ungeschützter Orte, der einem bis auf die Knochen schneidet, damit sie sich in Ruinen betten und frierend erwachen.“ (S.407/8). Als echter Machiavellist vermeidet Cromwell bei der hochnotpeinlichen Untersuchung unnötige Grausamkeiten (so rettet er den Dichter Thomas Wyatt vor dem Schafott), schreckt vor ihnen aber auch nicht zurück, wenn es die Umstände erfordern. "Wenn es mit Verhandlungen und Kompromissen nicht mehr geht, wenn die Vernichtung des Feindes einmal beschlossen ist, muss die Vernichtung schnell und vollkommen erfolgen. Noch bevor du den Blick in seine Richtung wirfst, sollte sein Name auf einem Haftbefehl stehen, sollten die Häfen geschlossen sein, seine Frau und seine Freunde gekauft, sollte sein Erbe unter deinem Schutz stehen, sein Geld in deiner Schatulle lagern und sein Hund auf dein Pfeilen hören. Noch bevor er am nächsten Morgen erwacht, solltest du die Axt in der Hand halten.“ Seine Antagonisten sind die testosterongesteuerten Adligen des Hofes, lauter "türkische Kanonen“ ("Die Explosion ist furchterregend, nur braucht es drei Stunden zum Abkühlen.“S. 78), die als Exponenten uralter Familien Cromwell als Emporkömmling verachten und blind in ihr Verderben taumeln. "Du greifst nach der Klinge, aber das Blut ist bereits vergossen“, denkt Cromwell, als er die verdächtigen Adeligen verhört. „Die Lämmer haben sich selbst geschlachtet und gefressen- sie haben Messer mit zu Tisch gebracht, haben sich selbst zerlegt und die eigenen Knochen abgenagt.“(S.396) Derart eindringlich wird die Perspektive Thomas Cromwells entfaltet, dass der Leser nach den Verhören, die Cromwell mit den vermeintlichen Ehebrechern durchführt, fast selbst daran glaubt, die Königin wäre eine Ehebrecherin ( was sie natürlich nicht war). Man muss von Hilary Mantel schlicht den Hut ziehen, denn noch bevor dem Leser am Ende auffällt, dass er der Autorin auf den Leim gegangen ist, ergeht sich ihr Protagonist Cromwell scheinbar beiläufig über den Zusammenhang von Kunst und Täuschung, Wahrheit und Nutzen.

Mir der Hinrichtung Anna Boylens endet der Roman. Thomas Cromwell befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Macht, hat aber, wieder Kundige weiß, nur noch vier Jahre zu eben. Stoff genug für einen drittes Meisterwerk, der Cromwells Sturtz und Tod beschreiben müsste, und an dem die Autorin, wie man hört, auch schon arbeitet
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Dies ist der zweite Teil aus Hilary Mantels Reihe über das Leben am Hofe bei Henry VIII., erzählt aus der Sicht von Thomas Cromwell.
Mit “Wölfe” startete ihre Reihe wird nun mit “Falken” fortgesetzt.
Am 25.Februar 2013 erschien dieser im DuMont-Verlag und umfasst 479 Seiten, welches in der Zeit von Herbst 1535 bis Sommer 1536 spielt.
Ich danke dem Verlag und vor allem dem “Buch-Magazin” für dieses Rezensionsexemplar und eine Reise in die Tudorzeit!

Drei Jahre ist Henry VIII. mittlerweile mit Anne Boleyn verheiratet, allerdings hat sich bisher kein Thronfolger angekündigt. Nur Elisabeth I. ist geboren worden und das Volk sowie der König dürstet nach einer Sicherheit in Form eines männlichen Erben. Thomas Cromwell sieht, wie sich der König immer mehr einer anderen Leidenschaft – Jane Seymore – zuwendet. Er selbst ist mittlerweile zum höchsten Berater aufgestiegen, was ihn bei einem Fehltritt schnell dem Tod nahebringen könnte. Es werden schwere Zeiten, vor allem für die Königin Anne Boleyn …

Ich liebe es, alles über die “Tudorzeit” lesen zu dürfen, und so habe ich mich sehr gefreut, gerade in die Zeit zwischen 1535 und '36 eintauchen zu dürfen. Eine aufreibende Zeit, denn alles war da im Umbruch. Henry VIII. brach mit der katholischen Kirche in Rom und setzte sich somit an die oberste Spitze.
Dadurch konnte der evangelische Glaube von Europa nach England schwappen, dieser wurde von Martin Luther bereits überall kundgegeben. Noch während der Ehe mit Katharina wurden alle, die diesem Evangelium glauben schenkten, als „Ketzer“ verbrannt – nun aber ändert Henry VIII. seine Ansichten zur katholischen Kirche.
Auch der Platz neben Henry VIII. wurde neu besetzt, nachdem er sich seiner ersten Frau, Königin Katharina von Aragón, entledigt hatte. Als Grund nannte er zum einen, dass sie bereits mit seinem Bruder verbunden war, wobei sie an ihrer Meinung nie abrückte, nie das Bett mit diesem geteilt zu haben, und zum anderen ist es die körperliche Leidenschaft zu Anne Boleyn, die keine „Bettgeschichte“ für Henry VIII. sein wollte. Nun sitzt eben jene Anne Boleyn, welche im Volke nur “die große Hure” betitelt wird, neben Henry VIII. auf dem Thron. Dennoch hat dieser Frauenwechsel Henry VIII. bis dahin nichts gebracht – nur ein weiteres Mädchen.

In Hilary Mantels Buch “Falken” erzählt Thomas Cromwell seine Sicht aller Dinge, denn er stand zu jener Zeit sehr nah am König – als seinen Berater. Er beobachtet das Handeln Henrys VIII. in der Nähe von Jane Seymoure, die er immer mehr und mehr umgarnte. Da die Königin weiß, wie leicht sich Henry VIII. einer Ehefrau entledigen kann, muss sie einen Thronfolger gebären, sonst könnte sie schnell eingetauscht werden.

Die Autorin führt den Leser so schnell in ihre Handlung hinein, dass ich mich erst mal orientieren musste. Da ich den ersten Teil leider nicht kenne und bis zum Beginn des Lesens mir auch nicht klar war, dass dieser der zweite Teil war, halfen mir die Jahreszahlen am Anfang der Kapitel sehr gut als gedankliche Stütze. Ihr Schreibstil und die Dialoge bauen kleine Stolperfallen, aber als ich erst mal mitten im Geschehen steckte, bemerkte ich, dass ihr Thomas Cromwell ein Freund schneller Themenwechsel ist. Er springt in seinen Gedanken und Dialogen so schnell von einem Thema zum nächsten, dass man geradezu angehalten wird, die zuletzt gelesenen Sätze noch mal zu verinnerlichen. Auch Gesprächspartner findet er zuhauf, und auch hier fährt er im gleichen System vor und man muss erst überlegen, zu welcher Figur nun das Gesagte nahegebracht wurde.

Dennoch ist “Falken” eine tolle Reise in die turbulente Zeit von Anne Boleyns Regentschaft und lädt zum Lesen über eine geschichtsträchtige Zeit ein.
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am 17. Mai 2013
Ein wunderbares Buch und würdiger Nachfolger von Wolf Hall. Wie bei Wolf Hall fesselt sowohl die Handlung (obwohl man das Ende ja kennt, bzw. auf Wikipedia nachlesen kann) und es fesseln die Beschreibungen des Lebens im 16. Jhdt. Nur weil mir manche Überlegungen Cromwells etwas anachronistisch und zu modern erscheinen, würde ich die beiden Bücher hinter dem Namen der Rose einordnen. Letzterer ist für mich noch immer das Nonplusultra des historischen Romans. Trotzdem lege ich mich einmal fest: Wolf Hall und Bring up the bodies sind Weltliteratur und werden die Zeit überdauern.

p.s. ein Manko des ersten Buches war die Konfusion durch die durchgehende Nennung Cromwells in der dritten Person singular. Das hat sie hier versucht deutlicher zu machen, indem sie an unklaren Stellen den Namen einbindet, also "he, Thomas Cromwell, said ...". Schön sieht das nicht aus, aber es erleichtert doch die Verständlichkeit.
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am 8. November 2013
Thomas Cromwell ist zurück und mit ihm auch Henry VIII. und Anne Boleyn. Mit „Falken“ veröffentlicht Hilary Mantel den zweiten Band über das Leben des ausschweifenden englischen Königs und seinen Vertrauten Cromwell, der dem ersten in nichts nachsteht. Anne konnte dem König immer noch keinen Sohn schenken und sinkt in seinem Ansehen immer weiter, Intrigen werden gegen sie gesponnen und sie wird immer verzweifelter. Gleichzeitig taucht scheinbar ihr komplettes Gegenstück in Henrys Leben auf. Jane Semyour ist zurückhaltend, schüchtern und keusch, sie scheint ein Engel zu sein, auf den sich die volle Aufmerksamkeit des Königs richtet. Cromwell bekommt die Aufgabe, einen Weg aus für Henry aus der Ehe mit Anne Boleyn zu finden, um erneut heiraten zu können und endlich einen Sohn zu bekommen.
„Falken“ ist ebenso großartig recherchiert und brillant geschrieben wie der Vorgänger „Wölfe“. Hilary Mantel steckt viel Zeit in die Entwicklung der Charaktere, ihre Eigenheiten, Verbindungen bei Hofe, Wünsche und Ziele, die sie in ihrem Handeln antreiben und motivieren. Die Veränderung von Anne macht dies besonders deutlich. Sie wird immer ruhiger und verunsicherter, je mehr sich der König von ihr abwendet. War sie am Anfang noch die laut auftretende, selbstbewusste Königin, scheint sie am Ende nur ein Schatten zu sein, der sich an eine sinnlose Hoffnung auf Gnade klammert. Cromwells Charakter wird in diesem Band ebenfalls von einer anderen Seite gezeigt. Seine Rolle ist es nicht mehr nur, den König zu unterstützen. Seine eigenen Interessen und Ziele rücken in den Vordergrund. Mehr als einmal wird klar, dass er auch Unschuldige verurteilen lässt, wenn dies zu seinem Vorteil oder zum Vorteil des Königs ist. Er scheint keine Skrupel mehr zu kennen und tut alles, um in der Gesellschaft voranzukommen und seine politischen Ziele zu verwirklichen. Die Momente, in denen er zur Ruhe kommt und um seine Familie trauert, sind selten geworden, er scheint ganz und gar der politische Cromwell zu sein.
Wer einen historischen Roman sucht, der völlig ohne oberflächliche Klischeecharaktere auskommt und vielmehr die wahren Menschen zu zeigen scheint, der sollte unbedingt zu den Werken von Hilary Mantel greifen. Sie sind an Präzision, Spannung und Ehrlichkeit kaum zu überbieten.
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TOP 500 REZENSENTam 26. Februar 2013
Zugegeben, ich lese keine historischen Romane, in gewissem Sinne, dürfte dies mein Debut darstellen. Hilary Mantel entführt hier den Leser, in eine Welt des Vergangenen um 1536 nach England, wo wir in den Genuss von Macht, Einflussnahmen, Intrigen, und Machenschaften gelangen. Ein Buch ohne wirklichen Spannungsbogen, ohne grosse Lese-Inspiration, mit unheimlich vielen Personen und Nebendarstellern, so dass man selbst mit angehängtem Personenregister, verzweifelt eine Orientierung sucht...Obwohl ich diese Lektüre verhältnismässig leicht zu lesen empfand, konnte ich eine langanhaltende zähe Lesequalität, während des Lesens nicht ganz loswerden..

Eine Lektüre, die extrem viel vom Leser abverlangt, doch ob der Leser auch belohnt wird? Ich kann mich der Begeisterung, der hier genannten 5*Rezensionen nicht anschliessen. Natürlich wird man auf eine Autorin aufmerksam, die es doch schaffte, den Booker-Prize gleich zweimal hintereinander einzuheimsen, doch ob der Erfolg sich auch bei den Lesern zeigen wird, wird sich wohl erst durch die Verkaufszahlen zeigen. Über weite Strecken, dümpelt dieser Roman, gleichmässig für sich so dahin, vieles ist auch verwirrend und schwierig in der Zuordnung, dass man sich richtig gehend motivieren muss, überhaupt noch dran zu bleiben, bevor man vielleicht die Flinte ins Korn wirft...Falken ist dann doch ein Buch, für das Sie einen langen Atem brauchen...

Wer im Internet recherchiert, wird feststellen, wie Hilary Mantel sich unglaublich nahe an den Fakten dieses Buches hält. Die geschilderten Personen, im Mittelpunkt hier Kanzler, Sekretär, Stellvertreter und Oberhaupt der Kirche ist Thomas Cromwell. (Dessen Vorgeschichte natürlich im Vorgänger Wölfe schon eingehend beschrieben, und ich aufgrund der vielen Verweise eingestehen muss, dass es wohl besser gewesen wäre, diesen Band zuerst zu lesen) Wir können hier wirklich miterleben, wie diese Person damals gewirkt hat, unter Heinrich dem VIII. und seinen drei Ehefrauen. (Katharine, die unter Hausarest steht, Anne Boleyn, ihr Austieg und Niedergang und schliesslich Jane Seymour) Wobei Anne Boleyns Schicksal in diesem Buch von allen drei Frauen, am Stärksten gewichtet ist.

Wir tauchen in eine Welt ein, die um religiöse Themen handelt, um politische Einflussnahmen, und die ständige Auseinandersetzung, wer denn nun mit wem liiert ist, wessen Ehe rechtmässig ist und wessen nicht. Frauen mussten ihre Jungfräulichkeit bezeugen, beschwören, was für viele Männer die wichtigste Voraussetzung für die Partnerwahl darstellte. Frauen mutieren hier zur Handelsware, zur Gebähr- und Stammhalter-Rolle, überhaupt mochte ich dieses ganze Klima nicht, das von Manipulation, Suggestion, Falschheit, Hinterrum-Gemache und Gerede nur so strotzt, Gerüchte bestimmten die damalige Zeit, eine Zeit die angereichert ist von mystischem und zugleich abergläubischem Gedankengut..aber vielleicht macht ja genau dieses Klima, dieser damaligen Zeit in England eben aus, nur ob das für den Leser auch eine Leserfreude generieren vermag? Die suggestiven Vorgehensweisen etwa bei einem Mark Smeaton (S316ff) sind schon eindringlich, wenn es darum ging, Anne Boleyn den Ehebruch zu beweisen, um ihn (Mark Smeaton) dann letztendlich zum Toderurteil und damit zum Henker zu führen...

Wer also keinen allzu grossen Spannungsbogen erwartet und einen HISTORISCHEN Roman lesen möchte, der sich an wirklichen Fakten in der damaligen Zeit, mit all ihren Gerüchten und Hinrichtungen, auch ihrer hinterlistigen Brutalität, der Dominanz der Männer gegenüber Frauen interessiert, der ist hier sicherlich richtig. Hier weht ein Dauerton von Manipulation und Beeinflussung jeglicher Art, wo man sich fragen muss, inwiefern, die Menschan damals ihr Leben selbst bestimmen konnten, oder eben aufgrund subjektiver Meinungen einflussreicher Menschen ungerecht behandelt oder getötet wurden. (Oder wie nah Hilary Mantel dem damaligen Klima wirklich kommt..) Ansonsten sollte man sich keine falsche Vorstellungen machen, hier wird viel abverlangt und gefordert vom Leser, vor allem ein langer Atem. (Auch die Einschätzung der hier hingerichteten Menschen, inwiefern dies richtig und gerecht war oder eben nicht, wird hier dem Leser zugemutet. Eine bedrückende Dramatik, der man sich im Grunde nicht entziehen kann.)

Weder Schreibstil noch die detailgetreue Geschichtsverarbeitung haben mich nicht von der anstrengenden und diffusen Lektüre wirklich abgelenkt und beflügelt. Nicht nur das ist ernüchternd, sondern auch wie wenig sich diese Welt in 500 Jahren verändert hat...Damals hatten wir Intrigen, heute reden wir von Mobbing...oder auch die Unbeständigkeit in geschlossenen Ehen hat eine gewisse Parallelität zur heutigen Zeit...Menschen, Frauen, Männer die ein Dorn im Auge waren, wurden entweder weggesperrt, verbannt oder hingerichtet...selbst bei heutigen Ehedramen, sind Menschen bereit ihre ehemaligen Partner zu töten, und auch ein König Henry der VIII., lässt seine Frau töten...wegen angeblichen Ehebruchs...Dass dies nun schon der Zweitling innert einer Trilogie um jenen einstigen Sohn eines Schmieds sein soll (Cromwell), fordert zumindest meine Lesekapazität und Durchhaltevermögen, und lässt sich wohl ohne Anstrengung kaum absolvieren. Bemerkenswert bleibt jedoch, gegen Ende dieses 2.Teils dieser Trilogie, wie unglaublich nah wir diesem Menschen Cromwell kommen. Wölfe, also der Vorgänger, werde ich zu gegebenem Zeitpunkt noch lesen...denn zumindest bei dieser Trilogie musste ich mir eingestehen, wäre es sinnvoll gewesen, den 1.Band als Vorbedingung zu lesen...

Zitat Hilary Mantel:
"In diesem Buch geht es natürlich nicht um Anne Boleyn oder Henry VIII., sondern um die Laufbahn Thomas Cromwells, über den es immer noch keine umfassende, verlässliche Biografie gibt. Bis dahin bleibt der Master Sekretär geschmeidig, wohlgerundet und kaum zugänglich, wie eine erlesene Pflaume in einem Christmas Pie - aber ich hoffe, mit meinen Bemühungen fortfahren und ihn ans Licht holen zu können."

Hinweis: Lesen Sie zuerst den Vorgänger Wölfe, bevor Sie mit diesem Buch beginnen.
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am 4. Mai 2014
Ein wunderbarer Nachfolger von "Wölfe"!
Sprachlich ebenso wie mit leisem Humor in einigen Sequenzen.
Es stellt Thomas Cromwell, wie auch im ersten Teil "Wölfe", in einem ganz anderen Licht dar, wie man ihn sonst kennt.
Bei Frau Mantel ist er ein "Mensch" und sie zeigt seine eben "menschliche" Seite - ich finde das einfach wunderbar.
Dieses Buch ist ebenso wenig eine leichte Lektüre wie der Vorgänger "Wölfe", man muß schon ein wenig mitdenken - aber es lohnt sich - nein, es lohnt nicht nur, es bereichert in vielerlei Hinsicht.
Ich möchte dieses Buch, wie auch den Vorgänger, allen geschichtlich Interessierten ganz nah ans Herz legen. Es eröffnet sich ein Einblick in die Ära von Henry VIII., wie er sonst kaum näher sein kann.
Ich persönlich lese Bücher (fast) nie zweimal - diese beiden werden eine Ausnahme machen.
Und sobald der dritte Teil erscheint, werde ich eine der Ersten sein, die es lesen.

Frau Mantel hat den Booker Prize mehr als verdient!
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Mit "Falken" hat Hilary Mantel den zweiten Teil ihrer Trilogie rund um Thomas Cromwell am Hofe Heinrich VIII. hervorgebracht. Ebenso wie bereits der erste Teil "Wölfe" hat Mantel auch für diesen zweiten Teil den englischen Booker-Preis gewonnen. In ihrem Roman beschreibt sie die Ereignisse zwischen 1535 und 1536, den tiefen Fall Anne Boleyns, die von Jane Seymour abgelöst wird, wie sie bereits in vielen anderen Büchern aufgearbeitet wurde.

Was also ist an diesem Buch so besonders, dass die Autorin als eine von dreien auf der Welt gleich zwei mal den renommierten Booker-Preis dafür bekommen hat? Schwierige Frage. Ich möchte behaupten, man versteht es, wenn man dieses Buch gelesen hat, denn es ist mehr als lediglich ein historischer Roman mit vielen Auflistungen von Fakten. Dieser Roman geht vielmehr an die Substanz, er ist emotional. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Fakten in diesem Buch nicht stimmen, denn wenn man genauer nachrecherchiert, dann wird man feststellen, dass alles stimmt. Wie die Autorin selbst über ihre Bücher sagte, ist die Wahrheit an der sie sich bedient umsonst und so wird nur wenig hinzu gedichtet.

Auch "Falken" wird aus der Sicht von Thomas Cromwell erzählt, der sich mittlerweile bis an die Seite des Königs ganz nach oben vorgearbeitet hat. Cromwell wird die meiste Zeit als netter und väterlicher Typ beschrieben, der sich allerdings voll und ganz seinem König verschrieben hat und für diesen auch skrupellos wird und weiterhin über Leichen geht.
Hilary Mantel versteht es perfekt hier eine wirklich durchdringende Geschichte aus neuer Perspektive zu erzählen. Trotzdem handelt es sich bei diesem Buch um keine leichte Kost, das Buch fordert den Leser und seine Konzentration schon, aber auch wenn es lange dauert, so lohnt sich wirklich jede Stunde die man mit dem Lesen dieses Romans verbringt.
Teilweise verliert sich die Autorin hin und wieder in allzu vielen Dialogen und Monologen, was ein wenig anstrengend zu lesen ist, hier wäre ich um ein paar minimale Kürzungen schon glücklich gewesen, aber insgesamt ist dieses Buch eine wirklich meisterhafte Gesamtleistung mit hoher erzählerischer Dichte.

Wer sich nicht scheut einen wirklich tollen historischen Roman zu lesen, der gut recherchiert ist und dennoch viele Emotionen zu transportieren vermag, und den es nicht stört ein wenig länger bei einem Buch zu verweilen, der ist mit Falken sicherlich gut bedient. Für alle, die mit den historischen Fakten nicht so sehr vertraut sind, für den lohnt sich ein Blick ans Ende des Buches, denn dort warten ein Personenverzeichnis und auch ein Stammbaum.

Insgesamt vergebe ich hier vier Sterne, weil ich das Buch zwar wirklich großartig fand, aber auch ein wenig anstrengend. Dennoch eine klare Leseempfehlung für jeden, der interessiert ist.
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TOP 1000 REZENSENTam 25. Februar 2013
"Falken" ist nach "Wölfe" der zweite Teil der geplanten Trilogie um Aufstieg und Fall des Thomas Cromwell am Hofe Heinrich VIII. - und für beide Romane wurde Hilary Mantel verdientermaßen mit den renommierten englischen Man Booker Prize ausgezeichnet ("Wolf Hall" 2009, "Bring up the bodies" 2012).

Noch ein weiterer Roman um Heinrich VIII. und seine sechs Frauen? Dieses Thema wurde ja bereits in zahlreichen historischen Romanen unterschiedlichster Qualität hinreichend behandelt und dürfte mittlerweile auch durch diverse Verfilmungen des Stoffes hinreichend bekannt sein.

Aber bei Hilary Mantel stehen weder der Regent noch seine Frauen im Mittelpunkt - die Hauptfigur ist Thomas Cromwell, der ungebildete Sohn eines Schmieds aus Putney, der sich aus einfachen Verhältnissen zur rechten Hand des Königs hocharbeitet. Und Mantel hat keinen historischen Roman geschrieben, sondern eine erschreckend aktuelle Studie über Ehrgeiz, Macht, politische Einflussnahme und Verantwortungsgefühl gegenüber König und Vaterland.

Der große Rivale Thomas More ist exekutiert, die erste Frau des Königs verbannt und der Boden bereitet für dessen neue Gemahlin Anne Boleyn. Aber deren Faszination ist rasch verflogen und die Abkehr von Rom und die Gründung der neuen Kirche hat England isoliert. Bald ist auch Anne nur noch Mittel zum Zweck, aber auch sie ist nicht in der Lage, das Fortbestehen der Tudor-Dynastie durch die Geburt eines männlichen Thronfolgers zu sichern. Hier ist das besondere Talent Thomas Cromwells gefragt, der den Spagat zwischen den Wünschen des Königs, dem Wohle Englands und seinen eigenen Ambitionen schaffen muss. Anne Boleyns Tage sind gezählt, und so rasant ihr Aufstieg war, so tief wird auch ihr Fall sein, der sie, wie wir ja alle wissen, den Kopf kosten wird. Aber auch die Überlebenden kommen nicht ohne Blessuren davon.

Die Autorin lässt ihren Master Cromwell, diesen Meister der Rhetorik und des Marketing, im Präsens erzählen und kreiert so eine ganz eigentümliche Atmosphäre, in der ihre Leser durch dessen Augen auf die Ereignisse am Tudor-Hofe und in England blicken. Dies nimmt die Distanz und schafft eine große Nähe zu den Personen, deren Handlungen dadurch verständlicher und nachvollziehbarer werden.

Eine aktuelle Studie über Macht und Einfluss, ein außergewöhnliches Leseerlebnis, beeindruckend und faszinierend- mit einem Wort: Großartig!
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