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In seinem neuen Sachbuch "Epigenetik - Wie Erfahrungen vererbt werden" fasst Bernhard Kegel zusammen, welche Erkenntnisse rund um den Globus auf dem Feld des oft als "Lamarckismus" bezeichneten Theoriegebäudes erarbeitet werden. Er legt ausführlich dar, inwieweit Erfahrungen, die eine Pflanze, ein Tier oder der Mensch während seines Lebens oder in einer bestimmten sensiblen Phase macht, in seinen Genen, seinem Genom oder einer anderen biochemischen Struktur festgeschrieben und vererbt werden.
Kegel beginnt mit dem weltweit Aufsehen erregenden Fall der Forschungsergebnisse, die man aus Datenmaterial von Menschen aus Överkalix gewonnen hat. Diese schwedischen Bauern hatten vor einem Jahrhundert ein sehr hartes, entbehrungsreiches Leben. Da sämtliche Sterberegister und weitere Statistiken über die landwirtschaftlichen Erträge über viele Jahrzehnte festgehalten wurden, konnten die Forscher herausfinden, dass eine Hungersnot im Leben der männlichen Bewohnern von Överkalix zu einer höheren Lebenserwartung ihrer Enkeln führte, während eine vergleichsweise gute Ernährungslage die Enkel wiederum früher sterben ließ.
Eine Erfahrung beeinflusste also über die männliche Vererbungslinie die Lebenserwartung der Enkel. Ein unter Anhängern der geltenden Theorien zu Evolution und Genetik undenkbarer Vorgang.
Weiterhin führt Bernhard Kegel aus, welche Moleküle, welche Strukturen für diese Bewahrung von Erfahrungen verantwortlich sein könnten. Es sind seiner Meinung nach - und er fasst hier weltweite Studien der letzten Jahre zusammen - einmal die unterschiedliche Methylierung der DNA, des Weiteren die Positionierung der Nukleosomen, weiterhin die Modifikation von Histonschwänzen und nicht zuletzt der Einbau von Histonvarianten und darüber hinaus die diversen RNAs, die ebenfalls epigenetisch, also unabhängig von der Basensequenz der DNA, nach ihrer Exprimierung verändert werden.

Dieses Buch ist vor allem eins, es ist mühsam zu lesen. Das ist notwendigerweise so, denn Bernhard Kegel versucht nichts weniger, als eine gigantische Umwälzung in tausenden Forschungslabors und zehntausenden Wissenschaftlern, die an diesen Entdeckungen mitarbeiten, festzumachen. Er versucht zu verdeutlichen, dass diese Forscher gegen den extremen Widerstand der etablierten Wissenschaftler ankämpfen müssen und wie dünn das Eis ist, auf dem sich die neuen Thesen und Theorien bewegen. Immer besteht die Gefahr, übers Ziel hinauszuschießen und Dinge zu behaupten, die man hinter dem gewaltigen weltweit zusammengetragenen Datenmaterial allenfalls erahnen kann. Das Risiko zum Gespött zu werden, ist groß, wenn sich vieles nach einer anderen Studie als nichtig und unsinnig und widerlegt herausstellt.

Zwar gelingt es Kegel immer wieder mit lockeren Sprüchen, netten Randbemerkungen und lässigen Zwischenbemerkungen, das Lesen aufzulockern und dieses Buch zu einem guten Sachbuch werden zu lassen, doch er führt zu viele Details auf, setzt viel zu viel Vor- und Fachwissen voraus, um dem Leser den enormen Spaß an dieser Sache vermitteln zu können, der den Autor selbst beherrscht. Man spürt es in jeder Zeile, er will vermitteln, erklären, darlegen. Doch dieser Versuch misslingt immer wieder, artet zu einer solchen Wissenshuberei aus, dass selbst dem Biologen und Schulgenetiker schwindelig wird. Um dieses Buch wirklich zu verstehen, muss man sehr viel von Genetik verstehen und gleichzeitig so offen sein, eigene Theorien über Bord werfen zu können.

Und dennoch, wer etwas über Epigenetik lernen will, muss diesen Kegel lesen, keine Frage, und kann dann in den nächsten Jahrzehnten verstehen, was diese Forscher antreibt und welche bahnbrechenden Erkenntnisse sich in unserer Zeit anzubahnen scheinen. Es ist fast so, als wäre man bei der Veröffentlichung des Buches "On the Origin of Species" von Charles Darwin dabei gewesen und würde die wütenden Proteste der Fachwelt hautnah miterleben. Und die extremen Widerstände, die damals so wirksam waren wie heute, am eigenen Leib erfahren. Das sollte man nicht verpassen, auch wenn dieser Genuss mühsam ist und man ein gerüttelt Maß an genetischem Fachwissen dafür braucht.
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am 28. November 2009
Vorneweg: Das Buch unterscheidet sich durch eine fast durchweg durchgehaltene Sachlichkeit sehr angenehm von anderen sich derzeit auf dem Markt befindlichen Büchern zum Thema. Der Autor nimmt sich viel Zeit, die molekularen Grundlagen sowohl ausführlich als auch verständlich zu erklären (zugegeben: etwas zellbiologische Vorbildung ist notwendig), und stellt erst dann die Befunde vor, die dazu geführt haben, daß das Thema "Epigenetik" in zunehmendem Maße auch die an Wissenschaft interessierte Öffentlichkeit beschäftigt. Eine wesentliche Faszination des Themas liegt sicherlich in der - wissenschaftlich gesicherten - Erkenntnis, daß Umwelteinflüsse über epigenetische Mechanismen Genaktivitäten, und damit Wohlbefinden, Gesundheit etc., beeinflussen können. Kennen wir die zu Grunde liegenden Mechanismen, dann ist es uns vielleicht ja auch möglich, diese zu unseren Gunsten zu nutzen (z. B. für die Diagnose und Therapie mancher Krebsformen). Beispiele und experimentelle Belege zu epigenetisch vermittelten Umwelteinflüssen machen daher einen wesentlichen Teil des Buches aus.

Sein gefühlsmäßiger Schwerpunkt liegt jedoch - wie auch der Titel schon sagt - auf einem ganz anderen Thema: der Behandlung eines - weniger gesicherten - Einflusses epigenetischer Genomveränderungen auf nachfolgende Generationen (Stichwort: Vererbung erworbener Eigenschaften). Der Autor versucht hier - nicht immer erfolgreich - die häufig ideologisch unterlegten Frontlinien in dieser Debatte dadurch zu umgehen, daß er Befunde, die eine solche Vererbung stützen, ausführlich vorstellt, dabei allerdings immer auch auf ihre Grenzen verweist. So ist beispielsweise völlig ungeklärt, wie epigenetische Veränderungen, deren Weitergabe sich zwar unter bestimmten, meist experimentell hergestellten Bedingungen über mehrere Generationen hinweg nachweisen läßt, letztendlich "genetisch fixiert", d. h. stabil vererbt werden könnten (ohne hier gleich wieder eine begleitend auftretende Mutation anzunehmen) - eine unabdingbare Voraussetzung jedoch, wenn diese im Evolutionsprozess eine Rolle spielen sollen. Denn ohne diese "genetische Fixierung" können sie - das ist nunmal ihr Wesen - jederzeit auch wieder rückgängig gemacht werden (z. B. wenn sich die Umwelt wieder verändert). Artbildung ist auf dieser Basis nur schwer vorstellbar.

Ich habe daher meine Zweifel, ob uns hier - wie vom Autor in seinen letzten Kapiteln dann doch suggeriert - tatsächlich ein "Paradigmenwechsel" in der Evolutionsbiologie bevorsteht. Wahrscheinlicher scheint mir, daß durch die Befunde der Epigenetik der derzeitigen Evolutionstheorie möglicherweise ein Schuss "Lamarck" beigefügt wird, womit sie jedoch ganz gut leben kann, da es an der entscheidenden Bedeutung von Mutation und Selektion für den in der Regel mehrere Hunderte oder Tausende von Generationen erfordernden Artbildungsprozess nichts ändert. Wie auch immer diese Diskussion jedoch ausgehen mag, Kegels Buch bietet eine gute Grundlage, sie zu verstehen.
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am 23. Dezember 2010
Die Bauern aus dem abgelegenen Överkalix (Nordschweden) hatten vor einem Jahrhundert ein extrem hartes, entbehrungsreiches Leben. Dafuer gibt es sehr gut dokumentiertes Material: Sämtliche Sterberegister und die Statistiken über die landwirtschaftlichen Erträge und Lebensmittelpreise wurden bis 1890 zurueckreichend über Jahrzehnte schriftlich festgehalten. Das ist Gold wert!
Erstaunliches fanden nun aus diesen Daten englische und schwedische Forscher 2005 heraus: eine Hungersnot im Leben der männlichen Bewohnern von Överkalix führte zu einer höheren Lebenserwartung ihrer Enkel!
Eine gute Ernährungslage liess dagegen die Enkel früher sterben. Die Enkel von Männern, deren Kindheit in eine Zeit des Überflusses fiel, entwickelten mit größerer Wahrscheinlichkeit Diabetes - verbunden mit dem höheren Risiko eines frühen Todes. Das galt jedoch nur für die männliche Linie, die Enkeltöchter blieben verschont. Sie wiederum waren betroffen, wenn sich ihre Großmuetter väterlicherseits überreich ernährt hatten. In diesem Fall kamen die Enkelsöhne gesund davon.
Eine Erfahrung von Hunger oder guter Ernaehrung beeinflusste also über die Vererbungslinie die Lebenserwartung der Enkel! Unglaublich?
Ein zweiter Fall: Randy Jirtle und Robert Waterland von der Duke University im amerikanischen Durham setzten eine Diät angereichert mit Vitamin B12, Folsäure und Cholin dicken, gelben Mäusen vor, die in der Wissenschaft unter dem Namen 'Agouti-Mäuse' bekannt sind. Das Agouti-Gen in ihrem Erbgut ist es, das den Tieren ein gelbes Fell verleiht, sie gefräßig macht. Die Weibchen bekamen das Futter zwei Wochen vor der Paarung und während der Schwangerschaft. Wenn Agouti-Mäuse Nachwuchs bekommen, wird dieser normalerweise ebenso gelb, ebenso fett und ebenso krankheitsanfällig, wie es die Eltern sind.
Die Mehrzahl der Nagerkinder in Jirtles Experiment schlug jedoch aus der Art: Sie waren überwiegend schlank und braun. Außerdem fehlte den Sprösslingen die Veranlagung für Krebs und Diabetes. Durch einen subtilen Prozess war das Agouti-Gen abgeschaltet worden. Und das, ohne einen einzigen "Buchstaben" im Erbgut der Nager umzuschreiben
Wie passt das zu unseren modernen Theorien zu Evolution und Genetik? Ich war zuerst sehr skeptisch.
Ich erinnere mich noch an einen wissenschaftlichen Scharlatan namens Trofim Denissowitsch Lyssenko, der in der eine 'Sowjet-Biologie' schuf. Selbst mein hochverehrter Bert Brecht sass dem Schwindler auf und schrieb ein peinliches Gedicht 'Die Erziehung der Hirse', 1950, mitten im Stalinismus. Lyssenko behauptete, man könne Sommergetreide durch Kaelte so 'erziehen', dass es winterfest wird, und damit die Erträge steigern. Das Experiment ging schief, die Folge waren fürchterliche Hungersnöte.

Hatte Lyssenko doch Recht?
Das neue Denken heisst 'Epigenetik'. Sie befasst sich mit sichtbaren Zelleigenschaften (Phänotyp), die auf Tochterzellen vererbt werden und nicht in der DNA-Sequenz (dem Genotyp) festgelegt sind.
Die griechische Vorsilbe epi in Epigenetik hat mehrere Bedeutungen, wie 'nach', 'hinterher', 'um ' herum' oder 'zusätzlich'. Epigenetisch sind danach alle Prozesse in einer Zelle, die als 'zusätzlich' zu den Inhalten und Vorgängen der Genetik gelten.
Hierbei erfolgen Veränderungen an den Chromosomen, wodurch Abschnitte oder ganze Chromosomen in ihrer Aktivität beeinflusst werden. Die DNA-Sequenz wird dabei jedoch nicht verändert.
Epigenetische Marker stecken nun nicht in den 'Buchstaben' (A,T,C,G) der DNA selbst, sondern 'auf ihr sitzend': Es sind chemische Anhängsel, die entlang des Doppel-Helix-Strangs oder auf dem "Verpackungsmaterial" der DNA in den Chromosomen (Eiweissen, genannt Histone) verteilt sind. Sie wirken als Schalter, die Gene an- und ausknipsen.
Neben der im Genom entschluesselbaren Abfolge der Basen AGTCCGTGCCAT usw.gibt es offenbar eine zweite, vielleicht sogar eine dritte oder vierte Ebene der Information.
Einer der Regelvorgänge setzt am "Verpackungsmaterial" der DNA an. Denn der Erbfaden liegt nicht lose im Zellkern, sondern ist auf zylindrische Proteine - "Histone" - gewickelt, und zwar derart, dass eine Kette mit Perlen wie bei einem Rosenkranz entsteht. Damit Enzyme die Informationen des Erbcodes lesen und abschreiben können, muss die betreffende Region der DNS für sie zugänglich sein. Zugang finden sie nur, wenn die Erbsubstanz in lockerer Form vorliegt. Um dies zu ermöglichen, müssen die Histonproteine bestimmte Anhängsel tragen. Das sind Methylgruppen (CH3). Sind diese dagegen nicht vorhanden, ist die Erbsubstanz dicht gepackt, und das Gen bleibt inaktiv.

Solche Veränderungen führen dazu, dass bestimmte Bereiche des Erbgutes 'ruhig gestellt', andere dafür leichter abgelesen werden können.
Dabei wird immer klarer, dass das Epigenom für die Entwicklung eines gesunden Organismus ebenso wichtig ist wie die DNA selbst. Deutlich wurde bei den Forschungen auch, dass das Epigenom durch äußere Einflüsse weit leichter als die

Der Berliner Autor, Biologe und Jazz-Musiker Bernhard Kegel beschreibt Wissenschaft als einen "Krimi, der für die, die ihn lesen können, nie endet und der immer wieder mit überraschenden Wendungen aufwartet." Er verbindet mit seinem Buch die "Hoffnung, dass sich nach der Lektüre dieses Buches mehr Menschen als zuvor in der Lage sehen, der spannenden Handlung des speziellen Forschungsthemas namens 'Epigenetik' zu folgen, aufmerksam, neugierig und kritisch.'

Wie dünn ist das Eis ist, auf dem sich die neuen Thesen und Theorien bewegen?

Immer in der Wissenschaft besteht die Gefahr, übers Ziel hinauszuschießen und Dinge zu behaupten, die man hinter dem gewaltigen weltweit zusammengetragenen Datenmaterial allenfalls erahnen kann. Das Risiko zum Gespött der Kollegen zu werden, ist groß...

Bernhard Kegels Buch ist jedenfalls das Beste, was man gegenwaertig auf Deutsch lesen kann. Ich habe es verschlungen'
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TOP 500 REZENSENTam 27. Dezember 2015
Lange Zeit schien die Frage, warum man das ist, was man ist, dahingehend entschieden zu sein, dass alles nur von den geerbten Genen abhängen, während die Umwelteinflüsse keine Rolle spielen sollten. Mit dem relativ neuen Forschungsgebiet der Epigenetik wird dies nun allerdings wieder in Frage gestellt.

Bei diesem Buch handelt es sich um ein sogenanntes populärwissenschaftliche Literatur, d.h. sie zielt nicht auf Wissenschaftler, sondern auf den interessierten Laien ab. Aus meiner Sicht ist dies nur teilweise gelungen, bei einigen Ausführungen hatte ich persönlich den Eindruck, dass ein Abitur mit Leistungskurs Biologie vorausgesetzt wird. Dies lag aber ggf. auch daran, dass einige Dinge lediglich in Worte schwer zu erklären sind, die eine oder andere Grafik bzw. Abbildung hätte zum Verständnis sicherlich beigetragen. Hinzu kommt, dass aus meiner Sicht die einzelnen Ausführungen bzw. Kapitel in keinem wirklichen Zusammenhang stehen.

Im Ergebnis wechseln verständliche und interessante Ausführungen mit sehr trockenen und schwer nachzuvollziehenden ab.

Rein inhaltlich hat mir in diesem Buch nicht so gut gefallen, dass auf die Unterschiede zwischen Würmen oder Pflanzen und den Säugetieren (Menschen') zu wenig eingegangen wird. Da Würmen oder Pflanzen keine strikte Trennung zwischen Körperzellen und Keimzellen kennen, lässt eine epigenetischer Vererbung bei diesen aus meiner Sicht noch lange nicht den Schluss zu, dass dies beim Menschen genauso möglich ist.

Mein Hauptkritikpunkt ist jedoch, dass es sich bei der neuen Auflage offensichtlich um den unaktualisierten Nachdruck aus 2009 handelt. Dabei schreibt der Autor selbst am Ende des Buches, dass bei einer solch hochdynamischen Wissenschaft nur wenige Wochen nach Drucklegung wichtige Aspekte bereits schon wieder überholt sein können.

Fazit:
Obwohl es aus meiner Sicht ein sehr spannendes Thema ist, kann ich das Buch leider nur eingeschränkt weiterempfehlen.
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am 15. Februar 2016
Vorab: Ich bin Kollege von Bernhard Kegel, dessen Bücher ich sehr schätze. Sein Buch "Epigenetik" erschien als Hardcover kurz nach der Erstausgabe meines Buchs "Der zweite Code". Über beide schrieb damals die FAZ in einer Rezension:
"Der Anteil jedenfalls, den die beiden Epigenetik-Autoren an der Popularisierung dieser wichtigen Debatte und der für Laien sicher nicht ganz leicht verständlichen Entwicklung haben, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden."
Zu meinem Kommentar lasse ich mich jetzt hinreißen, weil ich mich doch sehr über das Buchmarketing auf dieser Seite wundere (für das Bernhard Kegel sicher nichts kann!), denn hier wurde das Originalzitat wie folgt verkürzt:
"Der Anteil, den [Kegel] an der Popularisierung dieser wichtigen Debatte und der für Laien sicher nicht ganz leicht verständlichen Entwicklung [hat], kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden." F.A.Z."
Ist das noch redlich?
Hier, der Fairness halber, der Auszug aus der Rezension, den ich für meine Website gewählt habe ([...]): “Und so darf man die beiden mit vielen neuen Forschungsergebnissen angereicherten Bücher von Spork und Kegel auch nicht wie die Protokolle einer neuen Biorevolution lesen. Wie die Ankündigungen einer solchen allerdings schon. Bei Kegel sicher etwas emphatischer und detailverliebter als in dem pragmatischeren, für viele Laien sicher leichter zugänglichen Buch von Spork. (…) Der Anteil jedenfalls, den die beiden Epigenetik-Autoren an der Popularisierung dieser wichtigen Debatte und der für Laien sicher nicht ganz leicht verständlichen Entwicklung haben, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.” Joachim Müller Jung, FAZ"
Die vollständige Rezension kann man übrigens bei Bernhard Kegel nachlesen, oder hier: [...]
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am 29. Juni 2015
Der Wissenschaftspublizist Bernhard Kegel schreibt in "Epigenetik: Wie Erfahrungen vererbt werden" in einer fachlich dichten und dennoch gut lesbaren Sprache über den neuen Hype der Biologie- die Epigenetik. Auf über 300 Seiten führt er aus, weswegen die Genetik maßlos überschätzt wurde und heute keine allzu große Beachtung mehr erfährt, wenn es um das Schicksal des Menschen geht. 98% unserer Gene gleichen denen anderer Tiere (bis hin zum Fadenwurm. Mäuse haben sogar mehr Genmaterial als wir – interessant. Vom gesamten Genom, also allen relevanten Zellinfos, machen die Gene gerade mal 1,06% aus. Das war mir bisher nicht bewusst.

Dies führte zum Beispiel dazu, dass das erste professionelle Haustierklonunternehmen pleite ging, weil die geklonten Katzen sich im Aussehen völlig unterschieden. Eine gruselige Vorstellung, dass meine Klone später mal anders aussehen werden als ich. Da stellt sich ja quasi die Frage nach dem Sinn neu…

Das, was in den letzten Jahrzehnten hingegen oft als „Garbage“ (Müll) abqualifiziert wurde, also der größte Teil des Genoms (Chromatinproteine u.a.), ist enorm wichtig. Genetik und Epigenetik bilden eine Einheit. Während die Gene „nur“ die Computer-Hardware darstellen, erforscht die Epigenetik das Betriebssystem und die Software. Das ist also das wahre Entscheidergremium, wenn es darum geht, ob, wann und wie ein Gen aktiv wird. Aus ein und derselben RNA können mehrere verschiedene Proteinmoleküle entstehen. Aus einem Gen können so beispielsweise 576 Proteinvarianten hervorgehen. Selbst in der Zwillingsforschung erklären sich so teilweise eklatante Unterschiede trotz identischer Gene und sehr ähnlicher Umwelteinflüsse. Viele kleinste Faktoren von Ernährung, Umwelt (inkl. Gifte und Stoffe), psychosoziale Faktoren und natürlich Bewegung, wirken sich nachhaltig auf die epigenetische Expression aus.

Äußerst spannend fand ich die transgenerationalen Forschungen, die zwar noch in den Kinderschuhen stecken, jedoch in einigen Fällen bei Mäusen und Menschen darlegen, dass Erlebnisse auch über mehrere Generationen hinweg vererbt werden. So wurde beispielsweise in Schweden ein signifikanter Zusammenhang entdeckt zwischen Hungerphasen eines abgeschiedenen Dorfes und der Lebenszeit der Enkelkinder. Spannend: Dieser Zusammenhang trat nur zwischen den Großvätern väterlicherseits und deren Enkelsöhne auf sowie zwischen Oma und Enkelin. Und es war nur die Stagnations-Phase vor der Pubertät entscheidend (9-12 Jahre). Diejenigen, die in dieser Phase stark hungern mussten, deren Enkel lebten im Schnitt 30 Jahre (!) länger. Auch das Gegenextrem war signifikant, diejenigen, denen es nahrungstechnisch äußerst gut ging, deren männliche Enkel starben deutlich früher und litten häufiger an Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Nur das Mittelmaß hatte keine auffällige Bedeutung.

Wenn man sich die heute aktuelle Situation mit 50% übergewichtigen Kids anschaut und überlegt, dass die Nahrungsmittelkonzerne zugleich auch die Pharmariesen sind oder zumindest eng mit diesen verbandelt sind, dann ergibt das alles Sinn. Nicht für uns und unsere Gesellschaft, aber zumindest für die Wirtschaft. Wenn Zucker und Völlerei nicht nur die aktuellen, sondern zugleich die übernächsten Generationen mit hoher Wahrscheinlichkeit krank machen, ist gut vorgesorgt. Diese Forschungs-Ergebnisse sind übrigens keineswegs streng geheim oder völlig neu. Seltsam, dass ich darüber bisher so wenig gehört oder gelesen habe. Da bleibt mit Sorge abzuwarten, wie es sich auf die Enkel der Kinder auswirkt, die in dieser relevanten Phase Ritalin, Antidepressiva und andere harte Drogen futtern, als wären es Smarties. Es ist makaber, vielleicht aber auch nicht völlig an den Haaren herbei gezogen, in diesem Kontext an Contergan zu denken. Bleibt zu hoffen, dass die Natur da mit einem epigenetischen Vermehrungsblocker vorsorgt.

Kegel geht auf die Auswirkungen von (früh-)kindlichem Stress und Traumata auf die epigentische Variation ein und gibt leise Hoffnung, dass vielleicht bald bestimmte Marker aufzeigen können, wie hoch die Gefahr einer Krebserkrankung ist und wie die Prognosen zum Verlauf sind. Zugleich warnt der Autor davor, in eine ähnliche Hysterie zu verfallen, wie damals bei der Genetik. Alles Denkbare wurde auf die Gene zurückgeführt und fast alles davon – erwies sich als falsch oder zu kurz gedacht.

Abschließend möchte ich noch etwas für mich sehr Verwirrendes mitteilen. Bisher stand für mich fest, dass menschliche Weibchen zwei X-Chromosomen haben und Männlein eine XY-Version. Das stimmt gar nicht immer. Es ist nicht das Y-Chromosom, das darüber entscheidet, was ein Bub wird, sondern das SRY-Gen (sex region Y). Es gibt – wenn auch nicht sehr häufig – Männer mit zweimal X und Frauen mit XY. Ich muss also schließen mit wenig zufriedenstellenden Worten: Alles ist offen, es bleibt spannend…
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am 3. Mai 2015
Beschreibung des Buches:
Das Buch „Epigenetik“ ist im DUMONT-Verlag als Taschenbuch erschienen. Es hat eine schlichte Aufmachung, ein schwarz/weiß Foto ziert die Titelseite, eine ältere Frau und ein kleines Mädchen machen Seifenblasen. Das Titelbild passt gut zum Inhalt des Buches.

Der Autor, Bernhard Kegel, studierte Biologie und Chemie, später war er in der Forschung tätig. Als Autor hat er schon mehrere Bücher, Romane als auch Sachbücher, geschrieben. Unter anderem ist er auch Lehrbeauftragter und Gutachter.

Das Buch umfasst 366 Seiten.

Kurze Zusammenfassung:
Das Buch ist aufgeteilt in 16 Kapitel, es schließen sich Anmerkungen, Literaturhinweise, Glossar und Register an.
In den 16 Kapiteln werden anhand von vorgestellten Forschungsprojekten um Mensch, Tier und Pflanze bezüglich der Epigenetik (wie Erfahrungen vererbt werden) verschiedenen Themen intensiv veranschaulicht. Dabei werden viele biochemische Fachbegriffe verwendet, Anmerkungen am Ende des Buches unterstützen beim Verständnis der Texte.

Mein Leseeindruck:
Schon während der Schulzeit habe ich mich im Biologieunterricht am meisten für die Vererbungslehre interessiert, deshalb hat mich der Titel animiert dieses Buch zu lesen.

Ich muss gestehen, dass mich die ersten Seiten doch sehr überfordert haben, die vielen Fachbegriffe haben mir das Lesen zunächst erschwert, so dass ich das Buch zuerst wieder weggelegt habe. Dann habe ich beschlossen über diese Begriffe hinwegzulesen, da sie mich als Laie nicht ganz so interessierten. Langsam fand ich in die Materie hinein.

Die Forschungsarbeiten die zu den einzelnen Themen vorgestellt werden, lesen sich wie Krimis. Man erwartet beim Lesen mit Spannung, was für Ergebnisse und Schlüsse sich aus den wissenschaftlichen Arbeiten ziehen lassen. Die Themenauswahl ist breit gefächert und anhand der Überschriften ist es nicht gleich ersichtlich, um was es im neuen Abschnitt geht.

Besonders gefallen hat mir die Thematik um die Vererbung des Hausschafes. Hier habe ich dann doch auch schmunzeln müssen, geht es doch um die Zucht eines besonders schönen Hinterteiles, die sich dann doch nicht so einfach darstellte.

Fazit:
Dieses Buch hat mich fasziniert, zunächst, weil ich so gar nicht hineinfand, dann, weil mich einzelnen Themen dann doch gefesselt haben wie ein Krimi. Wenn man als Laie dieses Buch liest, empfiehlt es sich, sich einzelne Kapitel herauszupicken und über Fachbegriffe hinwegzulesen.

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen will, kann die Anmerkungen intensiv studieren und sich anhand der zitierten Literatur weitere Informationen anlesen.
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.. sind die Menschen, die denken, mit der vollständigen Entschlüsselung der Basenfolge, die unsere DNA ausmacht, sei ein großer Schritt gemacht.
Welch grandioser Irrtum! Soziologen waren es, die die Geburtsstunde der Epigenetik eingeläutet haben, anhand der Kirchenbücher der schwedischen Gemeinde Overkalix, die über lange Zeit eine lückenlose Aufzeichnung von Geburts-und Sterbedaten sowie Daten über Ernährungsbedingungen anhand der Aufzeichnungen über Ernten lieferten.
Die Lebenserwartung eines Enkels war höher wenn ein Großvater im Alter von 12 Jahren einem Jahr mit schlechter Ernte ausgesetzt war. Natürlich waren die Erkenntnisse aus der begrenzten Zahl der Menschen dieser isolierten Region noch nicht signifikant, konnten aber später gesichert werden.
Berhard Kegel beschreibt sehr anschaulich, dass das Erbgut mehr ist als eine Abfolge von A,C,G und T, sondern dass äußere Einflüsse einen großen Einfluss darauf haben, wie Genabschnitte aktiviert, desaktiviert werden, was der Methylierungsgrad ausmacht u.v.a.m.

Das Buch, das ich schon vor Jahren gebunden erworben habe, als ich den Begriff Epigenetik noch nie gehört hatte, sollte auch Laien, die sich für Genetik interessieren, ansprechen, da es den Blick auf das, was sich in unserem Zellkern abspielt, enorm erweitert, ich wage zu behaupten, dass die Basenabfolge unserer DNA das Gerüst ist, die Epigenetik erforscht und erklärt das, was auf Grundlage dieses Gerüstes alles möglich ist, als Humanmediziner mit Approbation 1980 habe ich es verschlungen wie einen guten Krimi.
Ich finde, das Buch ist auch für in Biologie einigermaßen vorgebildete Laien verständlich, Fremdwörter halten sich in Grenzen oder werden erläutert, zusätzlich sind zahlreiche Abbildungen von den Vorgängen in und um unsere DNA seht anschaulich und verständlich.
Ich kann jedem Mediziner, aber auch am Thema Vererbung interessierten Laien mit Kenntnissen in Biologie der Zelle dieses Buch über eine revolutionierende Entdeckung nur wärmstens empfehlen.

Doc Halliday
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am 13. November 2015
In diesem Buch wird sehr wissenschaftlich mit der Erkenntnis umgegangen, dass wir durchaus Lasten zu tragen haben, die wir meinten nicht verantworten zu müssen. Wie dies zusammenhängt und ob sich daraus für unseren Umgang mit der Vergangenheit, mit Erfahrungen der vorangegangenen Generationen und mit biochemischen Prozessen etwas ändert, das wird erst die Zukunft zeigen.
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am 10. Januar 2016
Der Autor gibt einen Überblick über den derzeitigen Stand der Genomforschung und eröffnet dabei Einblicke in Bereiche der Vererbung, die in der Öffentlichkeit überwiegend nicht zur Kenntnis genommen werden.
Faszinierend sind die Erkenntnis, dass eben nicht nur die reine "Hardware" vererbt wird und der Einblick in die ungeheure Komplexität der Vorgänge, die sich innerhalb des Zellkerns jeder Zelle abspielen.
Das Buch hat einen sehr hohen Informationsgehalt, ist dafür aber trotzdem flüssig und verständlich geschrieben.
Aktive biologische Grundkenntnisse und ein generelles Interesse für diese Fragen sind für das Lesen des Werkes aber doch hilfreich.
Das Buch ist absolut lesenswert.
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