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Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
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am 26. März 2012
Ob Jan Brandt tatsächlich 10 Jahre lang an diesem Roman geschrieben hat, wie man des Öfteren lesen /hören konnte, sei dahingestellt - denkbar ist es durchaus, bedenkt man die Komplexität dieses Romans. Er bordet über vor Erzählfreude und Beschreibungsreichtum. Hin und wieder wünscht man sich jedoch, er hätte sich ein wenig zurückgenommen bei den vielen Einfällen, die er hier, narrativ wie grafisch, umgesetzt hat. Meisterhaft und ein geradezu genialer Einfall ist die Teilung der Seiten in zwei Erzählstränge.
Ein Extrastern geht an den Verlag, der den Mut bewies, das Buch 1.) in seiner gesamten Länge (über 900 Seiten) zu veröffentlichen und außerdem alle gestalterischen Einfälle mitzumachen - bis hin zu denen, deren Funktion sich auch im Gesamtzusammenhang nicht unmittelbar erschließen (z. B. die leeren Seiten zu Beginn und am Ende).
Das ist aber auch der einzige Wehmutstropfen: Hier und da wäre vielleicht weniger mehr gewesen. Gerade die grafischen Spielereien hätte sich Brandt z. T. für seine nächsten zwei, drei Romane aufheben können. Doch man muss diese Einfälle erstmal haben. Und da verzichte ich gerne auf eine genauer ausbuchstabierte Darstellung des Seelenlebens - ich kann hier genugt zwischen den Zeilen lesen.
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Die Verlage sollten aufhören, Autorenfotos auf den Klapper zu drucken. Denn beinahe hätte ich nach Anblick des grünschnäbligen Jan Brandt das Buch wieder zurückgelegt. Von jemandem, der einen über 900 Seiten Lesemarathon abverlangt, erwartet man etwas mehr Ausdrucksstärke im Blick, ein paar sympathische Grübchen oder zumindest ein gewinnendes Lächeln. Erst recht, wenn man als Debütant ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist. Aber diesen Gefallen tut uns Jan Brandt nicht. Und im Nachhinein kann ich sagen, er hat es auch nicht nötig.

Denn das, was er da als Erstlingswerk abgeliefert hat, ist wirklich mehr als erstaunlich und verdient höchsten Respekt. Dabei kann ich gar nicht genau sagen, was er da abgeliefert hat. Einen Entwicklungsroman? Eine Familiensaga? Ein mit ein wenig Science-Fiction aufgepepptes Epos über die jüngste deutsche Vergangenheit? Ich würde sagen, von allem etwas und dabei auch noch sehr unterhaltsam. Es erinnert mich ein wenig an Murakami. Klare einfache Sätze, lange Beschreibungen, einsame Helden und zum Auflockern ein wenig Surreales. Klar hätte man das Buch auch halb so dick machen können. Bei einigen Personen im Roman fragt man sich, warum Brandt sie uns überhaupt vorgestellt hat. So zum Beispiel Stefan, Onno und Rainer oder der Lokomotivführer. Die sind meiner Meinung nach komplett überflüssig. Werden aufwändig in die Handlung eingeführt und dann scheinbar vom Autor wieder vergessen.

Überflüssig fand ich auch diese Sequenz von knapp 100 Seiten mit zwei Erzählsträngen oben und unten auf der Seite. Auch die anonymen Briefe mit den handschriftlichen Korrekturen und das Ausbleichen der Schrift bei einigen Absätzen haben mich eigentlich nur genervt. Aber das sind die Spielereien, die scheinbar erforderlich sind, um auf die Short-List für den deutschen Buchpreis zu kommen. Für den Preis darf ein Buch niemals komplett leicht verständlich sein. Es muss sich künstlerisch vor der breiten Masse verschließen. Denn nur schwere literarische Kost wird prämiert.

Dass Brandts Roman nicht mit dem Buchpreis ausgezeichnet wurde, ist ein Beweis für Lesbarkeit und Unterhaltungswert. Und als ich nach den 900 Seiten Lesemarathon noch mal auf das Foto im Klapper schaute, kam mir der Autor gar nicht mehr so ausdruckslos und grünschnäblig vor, sondern einfach nur schlecht fotografiert.
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am 21. August 2015
Auf Brandts Erstling wurde ich erst nach dem Erscheinen seines zweiten Romans aufmerksam und wunderte mich, wie mir das, glaubt man der Literaturkritik, sensationelle Werk zuvor entgehen konnte. Ich beeilte mich, das Versäumte nachzuholen, aber: sehr viel hatte ich nicht versäumt.
Eine bundesrepublikanische Kindheit und Jugend, angereichert mit obskuren Science-Fiktion-Elementen, Verschwörungs- und Weltuntergangsphantasien, vorgebracht allerdings in einem recht bekömmlichen Stil. Anders wären die 900 Seiten auch kaum zu ertragen. Denn spätestens nach der Hälfte fragt sich auch der geneigte Leser: so what? Was sollen die detailversessenen, seitenlangen Schilderungen irgendwelcher banaler Dialoge, die aber im Schein des versierten Stils beliebig mit Bedeutung aufgeladen werden können - oder eben auch nicht. Ganz nach Belieben des Lesers oder Kritikers. Denn Brandts Roman hat die bemerkenswerte Eigenschaft, dass der Kritiker, wenn er will oder seine Klugheit herausstellen möchte, ganz viel Bedeutungsschwangeres hineinlesen kann. Der Text macht das ohne Weiteres mit, so gesehen ist er eine geniale Projektionsfläche.
Am meisten stören mich die Hauptcharaktere: Dieser Daniel Kuper und seine Dorffreunde sind in meinen Augen nicht nur ziemlich abstoßend, sie sind vor allem eins: banal. Nun ist dieser Daniel eine typische Außenseiterfigur, aber eine von der eher unsympathischen Sorte, seine Rebellion (wenn es denn eine ist) eher verbissene Rechthaberei, seine Freunde großmäulige Brutalos, die einen Jungen in den Selbstmord treiben. Dass am Ende ausgerechnet er (Daniel) im spießigen Jericho zu einer Art Sündenbock-Figur wird, kam mir sehr unrealistisch vor.
Eine Antwort auf die Frage, die ich mir 900 Seiten lang gestellt habe, erhielt ich dann in dem merkwürdigen Abspann, in dem sich ein Erzähler-Ich offenbart, wobei natürlich offen bleibt, ob dieses Ich wirklich der Autor ist (was eigentlich auch nicht wichtig ist). Nein, verraten wird hier nichts, dennoch darf gesagt werden, dass die Geschichte dadurch in ein anderes Licht gerückt wird. Wird sie so stimmiger? Wird das Banale, Alltägliche dadurch aussagekräftiger? Ich zweifle daran. Ein bisschen kommt mir dieser Abspann wie ein Taschenspielertrick vor, und sympathischer wird die Hauptfigur Daniel Kuper dadurch für mich nicht. Eher im Gegenteil.
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am 5. Juni 2014
Nach der mehr als überschwänglichen Begeisterung für das Buch in den Medien und der Werbung war ich dann doch einigermaßen überrascht als ich das Ergebnis in den Händen hiel.
Darf man so ein von Experten hochgelobtes Buch überhaupt schlecht finden?
Ich denke - ja, eindeutig.
Die langatmige Darstellung einer vermurksten Kindheit, gepaart mit ein paar minderinteressanten Vorkommnissen, ergeben für mich kein fesselndes Buch. Ganz im Gegenteil. Auch die krampfhaften Versuche mit Faksimile-Abdrucken oder ausgeblasster Schrift etwas aus der Norm der Bücher auszubrechen bringt hier keine echte Dimension hinein.
Es muss nicht immer der Reisser sein, es gibt sehr viele schöne und lesenswerte "stille" Bücher.
Aber: Ein Buch muss aus meiner Sicht etwas geben, und das tut es nicht.
Das Einzige, was man aus dem Buch mitnehmen könnte, ist das "gute Gefühl" nicht als Loser einer Loserfamilie in einem ranzigen Loserdorf zu leben.
Dafür gibt's den einen Stern.
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am 29. Juni 2014
Zum Inhalt haben andere genug geschrieben - ein besonderer Zug des Buchs ist, dass man sich tatsächlich zwischendurch mal fragt, ob die "typisch Spinner"-Briefe, die in den Text eingeflochten sind, nicht DOCH wahr sein könnten. Ich hatte keine Mühe, die 900+ Seiten zu bewältigen, die Geschichte liest sich flott. Es ist allerdings auch kein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, so sehr fesseln die Protagonisten und die Handlung (soweit überhaupt vorhanden) nicht.
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am 11. November 2011
Rezension:

Als ich Jan Brandts 'Gegen die Welt' das erste Mal aufschlug, befürchtete ich, angesichts der rund 930 Seiten auf relativ dünnem Papier, an diesem Buch wohl ewig zu lesen ' was aber dann aufgrund des flüssigen Schreibstils doch nicht so war. Der Autor erzählt über ein Dorf in Ostfriesland, wobei Daniel Kuper die Hauptrolle spielt. Die Geschichte startet in seiner frühen Kindheit, Mitte der 70er Jahre und zieht sich bis ins neue Jahrtausend hinein.

Eine klare Handlung ist nicht zu erkennen und am Ende fragte ich mich sogar nach dem Sinn oder der Botschaft des Buches, das mitten im Satz endet. Dafür ist aber die Aufmachung des Werkes sehr interessant. Wenn man den Schutzumschlag abnimmt, findet man die braunen Buchdeckel mit fortlaufend weißen Stichworten versehen, die alle irgendwo im Roman auftauchen und erst einen Sinn ergeben, wenn man das Buch gelesen hat.

Die Geschichte an sich ist in drei grobe Abschnitte aufgeteilt und darin wiederum in Kapitel. Ungewöhnlich ist ein Abschnitt im Buch, bei dem jeweils in der Mitte der Seite eine horizontale Trennlinie verläuft und bei dem oberhalb der Linie von Daniel und seinen Freunden erzählt wird und unterhalb von einem Lokführer. Am Ende diesen Abschnitts haben die beiden verschiedenen Handlungsstränge aber dann doch miteinander zu tun ' sie laufen zu einem Thema zusammen. Diese Aufteilung ist allerdings sehr anstrengend zu lesen.

Es geht aber nicht nur um Daniel, von dem immer in der 3. Person erzählt wird. Zweimal gibt es Passagen, die in der Ich-Perspektive von anderen Personen handeln und man erfährt auch ganz genau was mit Daniels Freunden im Lauf der Jahre passiert.

Gelesen werden kann 'Gegen die Welt' eigentlich von jedem, der sich gerne berieseln lässt und verschiedene Themen wie erwachsen werden, Politik und Freundschaft in einem Buch vereint haben möchte.

Fazit:

Zwar ohne eindeutige Handlung aber dafür sehr gut geschrieben und interessant aufgemacht.
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am 7. Dezember 2011
Ich habe gestern die letzte Seite dieses wahrhaft außergewöhnlichen Buches gelesen und seitdem frage ich mich, ob es mir gefallen hat oder nicht.
Letztendlich komme ich zu dem Ergebnis: Ja, auf jeden Fall und aber auch wieder nein, nicht alles war nach meinem Geschmack.

Ja, weil,
- die Sprache und Erzählweise des Buches meisterhaft, verzaubernd und als durchweg gekonnt zu bezeichnen ist
- Jan Brandt es einem ermöglicht wirklich Einsicht in eine Dorfgemeinschaft, deren Entwicklung und Konflikte zu erhalten und dabei wirklich das Gefühl zu haben die Straßen, Läden, Menschen selbst schon gesehen zu haben. Vielleicht liegt das an seiner Detailversessenheit und absolutem Realismus, vielleicht aber auch daran, dass ein bißchen Jericho wohl in jedem deutschen Ort steckt. Der Autor verdeutlicht die Zeit, in der die jeweilige Szenen spielen anschaulich durch die Angabe von Automarken, Musik, Drogerieartikeln etc. Ich weiß, dass dies von anderen Lesern bereits als störend empfunden wurde, ich empfand das Gegenteil
- ich die Gestaltung des Buches, auffälligen Formatierungen (heller gedruckte Schrift, 150 Seiten geteilt nach zwei Geschichten, grafische Gestaltung mit Plakaten aus dem Dorf, etc.) als erfrischend, neuartig und innovativ fand
- der Autor sehr gekonnt viele Perspektiven und Zeitsprünge miteinander verbunden hat und der Leser dem Ganzen trotz allem noch folgen kann
- es sich hier um ein skurriles, einfallsreiches, in sich stimmiges Buch handelt, das einen nicht wieder los lässt und ich derartiges noch nie gelesen habe

Nein, weil,
- ich trotz aller Detailversessenheit nicht mit den Protagonisten mitfühlen konnte und finde, dass die Emotionen zu kurz kommen. Daniels Seelenleben hätte mich dann schon interessiert, aber das bleibt - ob beabsichtigt oder nicht - relativ im Dunkeln. Auch die anderen Protagonisten bleiben mir (bis auf Hard und auch Volker zum Ende hin) zu farblos
- ein mehr oder weniger offenes Ende nicht nach meinem Geschmack ist - das Buch mit einem offenen Satz zu beenden, war mir dann "künstlerisch" doch etwas zu viel
- manche Aufzählung und Erläuterung (z.B. bei Stefan und dessen - ich nenne es mal so - Paranoia) mich gelangweilt hat und sich meiner Ansicht nach über zu viele Seiten hin gezogen hat. Wenn dann bei der Beschreibung von Festen, Demonstrationen und dergleichen alle Namen der Anwesenden aufgezählt werden, so ist das für mich Papier- und Lesezeitverschwendung

Ich gebe trotz meiner Contra-Punkte 4 Sterne, allein schon weil ich den Hut ziehe vor Jan Brandt, ein derartiges voluminöses, sprachlich hochwertiges Meisterwerk als Debut abzuliefern! Respekt!
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VINE-PRODUKTTESTERam 3. November 2012
Alles, was Daniel Kuper auch in seinem Leben tut, ist "gegen die Welt". Ob er angeblich von Außerirdischen entführt und wieder im Kornfeld freigelassen wird, ob er angeblich Hakenkreuze an die Wände seines westdeutschen Heimatdorfes Jericho pinselt, ob er angeblich verantwortlich ist für den Freitod auf den Schienen eines Klassenkameraden.

So jedenfalls sehen es seine werten Dorfmitbewohner. Und selbst seine Eltern glauben ihm nicht, dass er immer wieder in Situationen gerät, an denen er weder Schuld ist, noch das getan hat, was ihm unterstellt wird. Und dies nur, weil er irgendwie dazu gehören will.

Eigentlich ist das Buch ein Sammelsurium skurriler Geschichten. Hard - Daniels Vater - zum Beispiel, liebt seine Frau, hat aber einige Affairen gleichzeitig und wie er diese händelt, ist allemal ein Schmunzeln wert. Oder Daniels Freund Onno, der Musikenthusiast, der sich ausgerechnet die Bühne wählt für seinen spektakulären Abtritt. Oder Stefan, der sich verfolgt fühlt von Außerirdischen, die seiner Ansicht nach die Welt erobern, indem sie sich den Menschen als Wirt bemächtigen.

Im Laufe des Romans fragt man sich als Leser, wohin uns die Geschichte führen will, was ist die Essenz. Aber sie lebt wie jeder großer Roman von der Schilderung alltäglicher Ereignisse, die ein Porträt einer Zeit sind. In diesem Fall die Zeit kurz vor und nach der Wiedervereinigung. Welche Auswirkungen die Einheit für die westdeutschen Provinzler hat, wie sie zu den zugezogenen Ostdeutschen im kurzerhand umgetauften "Kumponistenviertel" stehen. Wie schwer der Kampf der kleinen Läden gegen die sich geschwürartig ausbreitenden Filialisten wurde. Wie sich die Wahl der Schulform auf das gesellschaftliche Umfeld der Jugendlichen auswirkt.

Am Ende bleibt es dem Leser überlassen, ob er an eine Verkettung vieler seltsamer Umstände glaubt oder an den Einfluss der Außerirdischen an den gesammelten Absurditäten von Jericho (welch bezeichnender Name!). Ich selbst war geneigt, dem letzten Glauben zu schenken. Mich amüsiert dieser Gedanke.

Brandt bedient sich außerdem mit gewisser Freude drucktechnischer Stilmittel, die dem Buch einen gewissen Kick geben. So wird beispielsweise für ca. 150 Seiten das Buch zweigeteilt und zwei Erzählperspektiven parallel geführt. Solche Spielereien gibt es noch weitere: Briefe haben eine Schreibmaschinenschrift mit handschriflichen Einschüben. Die Vernebelung des Geistes aufgrund von Alkohol oder Ohnmacht verblasst auch im Schriftbild.

"Gegen die Welt" ist ein wirklich lesenswerter Roman. Zur absoluten Begeisterung fehlte mir noch die große Klammer, die alles (wirklich schlüssig) zusammenhält. Dennoch war der Roman in meinen Augen zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2011. Eine Empfehlung!
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am 4. Oktober 2011
Ich bin selbst in einem kleinem Dorf in Ostfriesland im Landkreis Leer aufgewachsen. Die Beschreibung des Dorfes Jericho kommt einer Beschreibung meines Dorfes beängstigend nahe. Schon nach den ersten 50 Seiten erlebt man als einheimischer Ostfriese einen absoluten Flaschback. Dieses Buch beschreibt haargenau meine Kindheit und womit sich junge Menschen in Ostfriesland auseinanderzusetzen haben. Vielen Dank Jan Brandt!

Anmerkung: Viele werden sagen:"Jericho: ein Bezug zur Bibel!" Man kann es aber auch so sehen: "Jericho: Eine Mischung aus Jheringsfehn und Rorichum"

Es grüßt

ein Oldersumer
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am 12. März 2012
Selten - ja, nie - habe ich von einem deutschen Autor ein derart ergreifendes und bewegendes, süchtig machendes Buch gelesen, von einem deutschen Debüt ganz zu schweigen. Völlig zu recht befand sich dieser Titel auf der Shortlist des Deutschen Bücherpreises 2011. Schade, das ein solches Werk ihn nicht auch erhält.
Über den Inhalt und die Art der kreativen Aufarbeitung innerhalb des Romans ist an anderer Stelle schon viel geschrieben worden (unter anderem über eine vollkommen berechtigte, spannende, 150seitige Fußnote).
Jan Brandts große Stärke ist natürlich seine Erzählsprache, in der sich seine feine Beobachtungsgabe entfaltet. Es ist nicht übertrieben, das Buch mit den besten Werken eines Jonathan Franzen zu vergleichen, erscheinen doch viele Parallelen vor allem in der Art des Erzählens. Brandts Sprache ist unaufdringlich, manchmal simpel, manchmal verspielt, immer im Dienste der Geschichte. Der Effekt: Es gibt in Deutschland niemanden - NIEMANDEN! - der derart glaubhafte Charaktere zu schaffen versteht, ohne den soziologischen Blick auf die Gesellschaft zu vernachlässigen, das alles ohne Pathos, ohne pseudoliterarischen, erhobenen Zeigefinger. Man darf nur hoffen, dass Brandt mit diesem Roman sein Feuer nicht gänzlich verschossen hat. Ein bewegender Roman, stilistisch hervorragend, ganz groß. Das beste Buch seit langem!
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