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Kundenrezensionen

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am 26. Februar 2010
Der erste Gedanke ist ja nun : weshalb verlässt ein Reiseschriftsteller sein angestammtes Ressort und widmet sich einem scheinbar völlig anderen Thema ?
Doch bei genauerer Betrachtung wird schnell klar, es handelt sich, genau genommen, doch wieder um eine Reise. Eine Reise zu sich selbst, ins Innerste. Und das ist sicher die beschwerlichste Reise, die man antreten kann.
Andreas Altmann schildert seine persönlichen Erfahrungen unbeschönigt und gnadenlos ehrlich : Glücksmomente, verstörendes Hirnkino, die Härten eines 10-Tages-Retreats und wie schwer es ist, durchzuhalten.
Wieder als Meister der deutschen Sprache. Nicht umsonst hat er all die Preise erhalten und lässt nicht nach, ihnen gerecht zu werden.
Was er nicht will, ist Leser zum Buddhismus bekehren, nicht einmal sich selbst. Immer schaut er genau hin, ist niemals bereit einfach nur zu glauben. Und genau das wird vom Buddhismus auch gefordert : genau zu prüfen, selbst auszuprobieren. Manches ist für ihn eben nicht wahr, aber er versucht es stehen zu lassen (manchmal, nicht immer).
Nicht 1000 Bücher über Meditation helfen auch nur ein Schrittchen weiter, niemandem.
Und hier ist eines, das wahrheitsgemäß, ohne heiliges Gesabbel, den harten aber auch beglückenden Weg beschreibt und das animiert, es selbst zu tun. Derer gibt es nicht viele.
Reisen bildet ja bekanntlich, und mehr (Herzens)Bildung werden andere Reisen wahrscheinlich nicht bieten können.
Zu befürchten ist nur, dass der, meiner Meinung nach, provokativ gewählte Titel ( auch wenn es tatsächlich eine Aussage des Buddhismus ist ) den Einen oder Anderen von der Lektüre abschrecken könnte. Möge dies keinesfalls passieren, das Buch auf den Bestsellerlisten landen und so möglichst viele erreichen und anschubsen genauer hinzuschauen, bei sich, auf die Welt.
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am 17. Juni 2010
so, fertig. Selten hat mich ein Buch so hin- und hergerissen. Anfangs eher hin, zum Ende zu immer stärker her.

So schön die Reiseerzählung war, der Weg zur Meditation, die Sprache, mich widerten diese ständigen Herabsetzung anderer an: Dumme, Schwachköpfe, zerebral Minderbemittelte....Mir machte das Buch stellenweise das Herz richtig eng. Vieles im Buddhismus z.B. hat er unzulässig verkürzt, was nicht schlimm wäre, wenn nicht gleich wieder die Wertung schwachsinnig oder lächerlich käme. Ein persönlicher Rachefeldzug mit sehr guten Beobachtungen, Momente voller eigener Wärme, auch Aufarbeiten persönlicher Defizite, die mit einem gewissen Stolz zelebriert werden, das Ego als zentrales Thema und offenbar hat Andreas Altmann große Resonanzflächen dafür, die er auch ausgiebig kultiviert. Ich habe das Gefühl eines sehr sensiblen Menschen, der heftig austeilen kann, der alles will und vermutlich deswegen immer noch so auf der Suche ist. Mir hat sehr gut gefallen, wie der Menschen auf der Reise beschrieben hat, seine eigenen Unzulänglichkeiten manchmal, aber auch das Erlebnis der Meditation. Ich finde immer interessant, wie andere das zu erklären versuchen. Leider hab ich mich dennoch durch das Buch gequält, weil die für mich wirklich außergewöhnlichen Teile des Buches ständig unterbrochen wurden und ich mich immer darüber geärgert habe, schade.

Obwohl: sich ein Buch zu kaufen und sich beim Lesen zu ärgern, entbehrt aber auch nicht einer gewissen Komik. ;-)
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am 3. Juli 2010
Eigentlich interessiert mich der Buddhismus ungefähr so sehr wie ein Fußballspiel zwischen Rot-Weiß-Essen und Preußen Münster. Deshalb hatte ich dieses Buch auch nur als Geschenk gekauft. Habe dann kurz im Vorwort geblättert, konnte nicht mehr aufhören zu lesen - und nun steht das Teil bei mir im Regal.

Altmann beschreibt zunächst eine Reise durch Indien auf den Spuren Buddhas und schildert im Anschluss seine Erfahrungen in einem zehntägigen Meditationscamp, einem "Krafttraining" für den "Herzmuskel", wie er im Vorwort sagt. Was mich beeindruckt hat: Ganz egal, ob er den Menschen auf seiner Reise 'in echt' begegnet oder sie beim Meditieren nur 'in Gedanken' vor sich sieht - immer findet er punktgenau ihre Schwächen, Stärken oder schlicht skurillen Züge und Geschichten. An der Art, wie er diese dem Leser erzählt, wird klar, dass Altmann keine Grenzen anerkennt, nicht im Denken, nicht im Schreiben. Statt objektiv Bericht zu erstatten, reflektiert er immer auch, urteilt. Pöbelt über die Dummheit der einen, schwärmt von der Leichtigkeitwas der anderen, tiradiert über den religiösen Kinderglauben so vieler - seien sie nun Christen, Moslems, oder echte und damit zwangsweise keusche Buddhisten.

Zynismus und Herabsetzung, was andere dem Autor hier vorwerfen, kann ich darin nicht finden. Zumal Altmann sich selbst aus der Riege der Dummköpfe doch nie ausnimmt. Statt zu loben, wie er über dem Meditieren schlauer, gelassener und was sonst noch Tolles wird, legt er seine Schwächen offen. Etwa, dass es ihm aller Friedensucherei zum Trotz nicht gelingt, jedem Menschen wenigstens gleichgültig zu begegnen, niemanden zu hassen. Oder, amüsanter, dass er von Sex träumt, während ihn der (natürlich libido-unabhängige) Lehrmeister anspricht.

Was mir aber vor allem gefallen hat, ist Altmanns Sprache. Wer Sprache mag, wird viele Sätze finden, die man zweimal liest. Weil sie einfach schön klingen. Oder drastisch-ehrlich. Oder ungewohnt, mit treffend zusammengebastelten Wörtern, nicht man nicht kennt oder lange nicht mehr gelesen hat. Dazu kommt die angenehme Beschränkung in Sachen Detailbeschreibungen: Wie jeder Reiseautor sieht auch er Kleinigkeiten. Aber er notiert sie nur dann, wenn sie ihm Anlass geben für einen eigenen Gedanken oder mindestens für eine Assoziation. Rote und gelbe Kabel besingen, weil eben gerade rote und gelbe Kabel am Straßenrand liegen? Dafür verschwendet Altmann keine Zeile. Er macht es lieber so (mit einem Schuss Selbstironie, wie oft): "Vor Tagen in Neu Delhi erlebt, mitten in der Hauptstadt. Ich trug ein halbes Kilo Müll mit mir herum, Obstschalen, Papier, etc., und suchte einen Abfalleimer. Ich kann nicht sagen, wie viele Kilometer ich in diesem Land schon zurück gelegt habe, um als öko-vorbildlicher Reisender mein Scherflein gegen den Untergang der Welt beizutragen. Und irgendwann, ja irgendwann, fand ich einen Abfalleimer. Aber ohne Boden. Sinnige Metapher. Indien als Fass ohne Boden."

Als ich das Buch zugeschlagen habe, hat es mich gedrängt, fünf Minuten lang Meditieren im Selbstversuch zu proben. Dass das nicht funktioniert hat, war vorhersehbar. So vorhersehbar wie die Tatsache, dass ich das nächste Buch von Andreas Altmann sicher kaufen werde. Ganz egal, worüber er diesmal schreibt. Denn wer sich so ungewöhnlich tief um Geschichten und Sprache bemüht, könnte wohl selbst in einem Regionalliga-Spiel etwas Berichtenswertes finden - und es faszinierend erzählen.
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am 24. März 2013
Zu Anfang des Buches war ich angetan; von dem nicht ausdrücklichen Versprechen, dass wir Kitsch und Getue, Weltumarmungen und Esospinnereien überspringen und der Autor und ich (als imaginäre und NEUgierige Begleiterin seiner Reise) gleich mit fast brutaler Ehrlichkeit voll einsteigen.
Altmann beobachtet, sinniert, urteilt nicht innerhalb des westlichen Tellerrandes und seine Ausführungen wirken erfrischend, laut, ehrlich und impulsiv.

Und dann geht seine Vipassa-Reise-ins-Ich los und erst unmerklich und dann immer massiver muss ich fremdeln und zögerlicher seinen Gedankengängen folgen und spätestens ab dem Teil, in dem er beschreibt, wie ein ehemaliger Freund von ihm am Leben strauchelt und zum finanziell ruinierten Alkoholiker wird, möchte ich Altmann schütteln ob seiner Selbstgerechtigkeit.
Es wird klar, dass der Autor immer und immer alles abgewertet, was mit seinem Lebenswandel und eigenen Einstellungen nicht deckungsgleich ist. Jeder, der nicht genauso wild und impulsiv wie er durchs Leben geht, ist ein armes Würstchen. Alle mit Bürojob sind bemitleidenswert und im Grunde lebendig tot. Jeder, der nicht täglich mindestens ausgiebig über Sex nachdenkt oder ihn einfach hat, steht auf der Schwelle zur Geisteskrankheit.
Altmann reflektiert zwar zwischendurch immer wieder - auch sich selbst -, und als offensichtlicher Meister der Sprache verwendet er diese perfekt, um seine Gedanken greifbar zu machen.
Aber seine angebliche Bescheidenheit wirkt wie ein Stilmittel der Selbstbeweihräucherung, seine angebliche Zuneigung zu Mitmenschen endet immer ganz brachial da, wo diese nicht seine Weltanschauung teilen. Er zieht Bilanz über Abschnitte seines Lebens, sieht aber nie das Ganze, bemüht sich nicht, andere Charaktere zu tolerieren, sondern urteilt schonungslos und immer innerhalb seines selbstliebenden Kosmos.
Das alles stört extrem den eigentlichen Erfahrungsbericht seines Vipassanakurses.
Es bleibt zwar meist kurzweilig, weil seine Formulierungen immer knackig und intelligent sind.
Aber der Ärger überwiegt deutlich und nachhaltig, daher nur 2 Sterne.

Wenn jemand Sprache und Intelligenz so gut einsetzt, dass sie verschleiert, wiewiel Abwertung, Gönnerhaftigkeit und Respektlosigkeit- schlicht Intoleranz - dahintersteht und dies scheinbar so gut macht, dass es hier überwiegend sehr gute Bewertungen gibt, dann muss man allerdings schon den Hut ziehen.
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am 24. Februar 2010
Was macht ein umtriebiger, lebenshungriger und erfolgreicher Reiseschrifsteller, um zur Ruhe zu kommen? Er zieht sich auf sein Meditationskissen zurück und entdeckt, daß auf einem Meter die ganze Welt liegt. Kein esoterisches Geschwätz, sondern der Versuch, die unmittelbare Erfahrung in Worte zu fassen. Wer sich wie ich seit 22 Jahren den Hintern platt sitzt in einem zenbuddhistischen Tempel, kann nur sagen: Das ist einer ehrlich; Keine sofortige Erleuchtung, der Geist wird nicht auf Befehl ruhig, sondern macht Ausflüge in die Phantasie, in alte Wunden und Schmerzen, die Knie und der Rücken tun weh und trotzdem: Einfach weitersitzen, ohne etwas zu erwarten. Die kleinen Momente, die so wunderschön sind, daß wir nicht zurückkehren möchten, können nicht beschrieben, sondern nur erfahren werden.
Ein aufrichtiges Buch, dem ich viele Leser wünsche
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am 24. Oktober 2011
Was den Autoren auszeichnet, ist sein Bemühen um Ehrlichkeit, und dass er manche Dinge und Situationen sprachlich durchaus interessant gestaltet. Und das Thema Vipassana-Meditation ist wahrlich ein Buch wert. Altmann versteht es gut, zu vermitteln, was das Wesentliche an dieser "Lebensübung" ist und macht durchaus Lust darauf, sich weiter mit der Thematik zu beschäftigen. Was ich jedoch absolut unerträglich finde und was mir zutiefst unsympathisch ist, ist seine himmelschreiende Arroganz allen "Nicht-Denkenden" gegenüber: da wird ständig gegen hirnlose Religionsjünger gewettert, die natürlich samt und sonders am Meditieren genesen könnten. Leider ist die Welt- und Menschensicht von Herrn Altmann doch etwas sehr rustikal und eben auch sehr egozentrisch. Alle Religionen, jedes Suchen nach Transzendentem so in Bausch und Bogen zu verdammen und die eigene religionsfreie Lebenssicht derart zu idealisieren - da fehlt nicht nur Verständnis und Langmut, da wird auch das Phänomen Religion journalistisch-krass auf die negativen Auswüchse derselben reduziert und alles andere einfach weggelassen. Altmann ist schon ein arger Schwarz-Weiß-Zeichner - wer das mag oder seine Meinungen teilt, findet diese Tiraden sicherlich ergötzlich. Interessant, dass er Paulo Coelho so ablehnt. Altmann hat meines Erachtens durchaus recht, wenn er Coelho als eine Art spirituellen Schwätzer bezeichnet. Nur - das Geschwätzige haftet Altmann eben genauso an, darum nervt es ihn ja so an anderen. Und tatsächlich hätte sein Buch um vieles kürzer und dabei genauso aussagekräftig sein können. Und nochmals zu den ach so blöden (religiösen oder nichtreligiösen) und geistig unterentwickelten Menschen überall auf der Welt, die Herrn Altmann so aufregen, und die er so anhaltend und unerträglich selbstgerecht geißelt. Dass er als Kind schreckliche Erfahrungen mit Bigotterie gemacht hat, rechtfertigt noch lange nicht, hinter jedem religiösen Menschen Dummheit, Bosheit oder eben Bigotterie zu wittern und ihn wenn nicht zu verurteilen, so doch bitter anzuklagen oder lächerlich zu machen. Diese von Altmann offenbar wenig reflektierte intellektuelle Hybris wiederum mit den von ihm schön dargestellten Meditationsübungen ein wenig abzubauen täte sowohl Herrn Altmann als auch seinem bisweilen recht plakativen Stil wahrscheinlich sehr gut.
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am 3. Mai 2013
Ich habe Andreas Altmann oft Recht geben müssen in seinen Aussagen. aber merkt er eigentlich nicht, dass er genau so intolerant in seinen, zum Teil sehr krassen und gehässigen Aussagen ist, wie die von ihm verunglimpften Religionen? Wenn man schon die Intoleranz der Religionen anprangert (m.E. zu Recht) dann sollte man selber aber bitte schön tolerant sein und vor Allem immer nur von sich selbst reden. Die Worte "für mich" oder "meines Erachtens" hätten ihm gut zu Gesicht gestanden.
Und wenn er so vehement gegen die Reinkarnation ist, die keiner beweisen kann, dann soll er aber wenigstens einsehen, das seine Chaostheorie genau so wenig beweisbar ist. Wissen werden wir alle es erst nach unserem Tod. Er hätte allenfalls sagen können, dass er nicht daran glaubt, aber nicht die Menschen, die daran glauben, als dumm hinstellen.
Ich finde seine Schreibweise oft amüsant, aber genau so oft äußerst rechthaberisch und untolerant.
Übrigens gibt es etliche Meditationsmöglichkeiten, die ebenso hart wie die von ihm vorgestellte sind und ebenso nichts kosten. Deren Anwendung aber oft zu mehr Toleranz und Demut führen.
Für gewisse Stellen würde ich 5 Sterne geben, anderen Stellen aber 0 Sterne. Insgesamt aber, da ich mich häufig geärgert habe, gebe ich 1 Stern.
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am 26. Juli 2013
Das Buch war eins meiner Impulskäufe: Das Cover hatte was, der Titel zog und schob zugleich, ich las die ersten Zeilen und kaufte es.

Dies ist das erste Buch das ich von Andreas Altmann las, es wird aber garantiert nicht das letzte sein. Ich mag seinen Schreibstil. Seinen offenen, direkten Ausdruck durch Worte. Ein paar meiner Lieblingssätze:
"Wer das Land im selben Zustand verlässt, wie er es betreten hat, kam schon als Leiche."
"Auch ich will mein Herz waschen...Aber ich will dabei mein Hirn behalten."
"Ohne vom Orkanschrei eines Fernsehers gemeuchelt zu werden."
"Diese Gleichgültigkeit, diesen Waffenstillstand mit der Welt."
"Ich bleibe sitze und denke, dass es ein Segen für die Welt wäre, wenn es mehr Kaffeehäuser gäbe, die zur Inbetriebnahme des Hirns animierten, und weniger Gotteshäuser, wo das Hirn stillgelegt werden soll".....usw.

Ich blieb 4 Tage jede freie Minute bei diesem Buch hängen, bis ich es durch hatte. Zuerst wird wunderbar bunt und lebendig über die Eindrücke des Autors in Indien berichtet. Dann kommt er in dieses Meditationszentrum, wo er tagtäglich in der "Dhamma Hall" stundenlang meditieren wird. 10 Tage lang. Nichts tun, nur unterbrochen durch einen schweigenden Mittags-Spaziergang im Garten und etwas Essen, kleine Zelle zum Schlafen (oder meditieren), kaltes Wasser. 4 Uhr ist früh Weckzeit, Meditationen, deren Vorgabe es ist, den eigenen Atem und die (eigenen) Nasenlöcher dabei zu beobachten, bis 21:00 Uhr. Er hat sich Schreibzeug in seine Zelle geschmuggelt und schrieb seine Gedanken auf.
Wie gesagt, Danke für die unverblümte Schreibweise. Und für die Offenheit!

Es wäre vermutlich auch ein Segen für die Welt, wenn möglichst viele Menschen Vipassana machen würden, ja. "Die Vipassana Meditation ist kein Zaubermittel, aber ein Heilmittel gegen das Verwelken mitten im Leben." so die wunderbare Erklärung des Autors.
Doch, das ist eben auch an diesem Buch zu erkennen, diese berühmte Gelassenheit, diese innere Ruhe und den Frieden mit sich, oder eine wirkliche Art von Wandlung vom "mit-dem-Kopf-durch-die-Wand" in "alles-ist-gut" spüre ich nicht raus. (Aber aufs Spüren hält er ja eh nix und auf alles-ist-gut, auch nicht). Bis zur letzten Seite nicht. Was ja sein darf. Jeder ist, wie er ist. Dies ist auch nicht als Kritik gemeint, sonder als simple Feststellung.
Er will ein Meister der Gegenwart werden.
Alles was er will, ist alles. So schreibt er.
Und "die Aussicht auf pausenlose Seligkeit" bereitet ihm nicht weniger Angst (obwohl er "den flow" dann sehr wohl genießt), als "den Blick auf einen trägen Sack, der glücklos sein Leben verglotzt".

Doch der Autor bekritelt mir einmal zu viel "die anderen." Seien es die Buddhisten, die Esoteriker, oder seinen Autoren-Kollegen P.Coelho. Jeder darf sein wie er ist.
Dafür gibt's 2 Sterne Punkteabzug.
Da nützt die besten Nasenlochatmung nix.
Ahja, und mit dem Buchtitel ist nur gemeint, dass ein richtiger Meister nur eine "Hebamme" ist, die du verlassen musst, um deine eigenen Potentiale entfalten zu können. Quasi der Abschied von deinem Guru (Geburtshelfers) ist dein Neuanfang. Niemand stirbt, im Gegenteil.

Ich werde tief durchatmen und mir sicher einmal ein anderes Buch von ihm kaufen, denn genau diese perfekte Unperfektheit macht den Autor für mich menschlich und deshalb - plus seinem Schreibstil - will ich doch mehr von ihm lesen. Vipassana hin oder her.
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am 9. Februar 2016
Ich betreibe seit einiger Zeit Vipassana und war neugierig auf die Ansichten bzw. Einsichten von Herrn Altmann zu diesem Thema. Leider erfährt man in diesem Buch nicht viele über Vipassana sondern nur enorm viel über Herrn Altmann, über Indien und wieder über Herrn Altmann. Ich habe leider den Eindruck, das Vipassana hier nur das Vehikel ist um eine unsägliche Zahl an Gedanken und Geschichten zu verarbeiten. Das mag ja alles im Laufe der Meditation an die Oberfläche kommen aber in dieser Fülle war mir das einfach zu viel und zu aufdringlich. Man lernt nicht viel über Buddhismus oder Meditation. Dafür aber umso mehr über Herrn Altmanns Seelenleben und ganz ehrlich das meiste interessiert mich in diesem Kontext nicht . Mein Geschmack war das leider nicht.

Ein deutlich leichtere und ausführlichere Beschreibung findet sich bei Herrn Meudt.

Noch zwei Kleinigkeiten

Der Satz "Triffst Du Buddha töte ihn" kommt aus einem Zen Mondo und hat mit Vipassana nichts zu tun. Er wird auch nur kurz am Ende des Buches nochmal kurz erwähnt. Also warum dieser Titel - Effekthascherei ... ?

Außerdem möchte ich den gönnerhaften Satz "wie menschlich" von Herrn Altmann zum den letzen Worten von Shunryu Suzuki noch kommentieren. Der soll gesagt haben so Herr Altmann "ich will nicht sterben" als Beweis für was eigentlich ? Das er ein Mensch war. Ich denke das ist unumstritten.

... und ist leider auch noch aus dem Zusammenhang gerissen. Er hat es auch nicht seinem Schüler sondern seinem Kollegen Dainin Katagiri gesagt und am Stück heißt es:

Ich will nicht sterben,
sagte der große Meister und starb.

Worte, so wahr, so kristallklar
wie alles, was er je gesagt hatte,

und: messerscharf, wie die Angst,
die aus ihnen sprach und – schlicht,

so schlicht, wie, sagen wir,
ein Kubus im internationalen Stil:

Vorm Panoramafenster
die sonnendurchflutete Welt.

Zypressen im Morgendunst, Weinberge,
vom Himmel ein großes Stück

und – ja! – ein Riesenhaufen Glück –
auch so ein schlichtes Gefühl.

Quelle: Natalie Goldberg: Writing down the Bones.

Zen Meister und alle Menschen die den Weg des Buddhismus in welcher Form auch immer folgen, befinden sich auf einem Weg. Einger sind weiter als andere und solange das "Ich" noch vorhanden ist, hat es sicher auch Angst vor dem Tod und dem Abschied. Trotzdem lohnt sich die Beschäftigung mit z.B. Vipassana, Zen oder was immer auch das Richtige sein mag für den Suchenden ...

Ich habe mir jetzt soviel Zeug von Herrn Altmann anhören müssen. Das musste jetzt einfach sein ;), sorry.

Zwei Sterne weil sich ein bißchen Information doch in der Beschreibung findet.
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am 30. Dezember 2015
Altmann ist arrogant, von sich überzeugt, und beglückt die Welt mit seinen Ansichten.

Genau deshalb liebe ich seine Bücher. Er ist unbequem, spricht mir manchmal aus der Seele, und ruft bei mir manchmal Widerpsruch hervor, den ich ihm gerne ins Gesicht schreien würde. Deshalb gäbe ich auch den meisten seiner Bücher 5 Sterne. Diesem hier aber nicht.

Ich habe dieses Buch vor einem Jahr zum ersten Mal gelesen, weil ich aus verschiedenen Gründen neugierig auf Vipassana war. Mittlerweile habe ich selbst einen 10-Tages-Kurs hinter mir, und unmittelbar nach dem Kurs das Buch nochmal gelesen. Nun, es mag nach einer Kleinigkeit klingen, aber das Altmann nachts liest und schreibt, das nimmt ihm einen Großteil der Erfahrungen bei einem solchen Kurs. Tags zu meditieren, und dann nachts Gedichte zu lesen, das ist wie durch das pralle Leben Indiens zu reisen, den Weg zwischen den Orten aber im klimatisierten Touristenbus zurückzulegen und nachts in 5-Sterne-Hotels zu schlafen. Man bekommt sicherlich viele interessante Eindrücke (genau wie Altmann vom 10-Tages-Kurs), aber das Land lernt man so nicht kennen.

Ich bin kein Dogmatiker, und ich hatte (ohne dass ich mich in den Momenten an das Buch erinnern konnte) bei den Vorträgen Goenkas viele kritische Gedanken, die denen Altmanns ähnelten. Aber dennoch: Um den Vipassana-Kurs zu erleben muss man sich ganz darauf einlassen. Nur 10 Tage lang, und sicherlich nicht blind. Aber genau das tut Altmann nicht, wenn er sich nachts mit Lesen und Schreiben wieder auf andere Gedanken bringt.
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