flip flip flip Hier klicken Jetzt informieren Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos Learn More Hier klicken HI_PROJECT Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicAlexa AmazonMusicUnlimited BundesligaLive

Kundenrezensionen

3,0 von 5 Sternen
3
100 Prophezeiungen vom Orakel in Delphi
Preis:10,12 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 22. Oktober 2014
Die bisher einzige andere Rezension sagt ja fast schon alles. Es ist tatsächlich ein großes Verdienst von Stagman, dass er einige krasse Vorurteile über Delphi ausräumt. Allerdings gibt es auch ein paar kleine Mängel: Den Gebrauch von nicht griechischen, geläufigen Eigennamen, sondern den lateinischen und zum Teil sogar englischen Umschriften (ein rein kosmetischer Fehler des Übersetzers), die nicht ganz klare Trennung zwischen Dazugedichtetem und Überliefertem (damit die Geschichten in sein Frage-Antwort-Schema passen), und das Vermischen von seriösen Quellen mit vermutlich rein erfundenen Geschichten der damaligen Komödien- und Tragödiendichter, damit eben die "100" voll wird.

Für den sehr günstigen Preis kann man aber nicht mehr erwarten, und es ist trotzdem ein hervorragender Einstieg in die Thematik. Und schließlich gibt es am Ende eine ausführliche Bibliographie, die auf wirklich interessante Bücher hinweist. Ich kann nur wärmstens empfehlen, auch die antiken Bücher wie Herodot zu lesen, die viel spannender, tiefgründiger und offener sind als man denkt. Sie sind eine der wenigen Möglichkeiten, mit den denen man über den beschränkten Horizont der modernen Welt hinausblicken kann.
|0Kommentar|Missbrauch melden
am 6. August 2017
Ich habe zuletzt Herodot s Historien gelesen. Er nimmt immer wieder Bezug auf das Orakel von Delphi. So war mein Interesse geweckt, wohl wissend, dass das Orakel damals von den gebildeten Griechen mehr als Politik denn als Religion oder Mysterienkult verstanden wurde. Der Ratsuchende wollte flankierend zur Meinung die er sich schon gebildet hatte, auch wissen, wie die Götter zu seinem Anliegend standen.

Dieses Buch liest sich, als ob es als Zusammmenfassung für 14 jährige Gymnasiasten geschrieben wurde. So, dass der Lehrer für den Test sich daraus bequem fünf Fragen zurecht legen kann. Die Sprachqualität wie wir sie aus den Übersetzungen antiker Klassiker wie Thukydides oder eben Herodot kennen, ist dabei völlig abhanden gekommen. Sprachlich völlig verarmt, kein Lesegenuss. Minimale Information zum Hintergrund der Orakelanfrage. Einfach nur erbärmlich!
|0Kommentar|Missbrauch melden
am 21. April 2009
Der Autor ist ein ernster Mensch und das erkennt man schon wenn man die ersten Seiten überfliegt.
Rezension des Buches von Dr. Myron Stagman "100 Prophezeiungen vom Orakel in Delphi: Prophetischer Rat vom Gott Apollon", City-Press State, Frankfurt a.M. 2000.

Dr. Myron Stagman (Literaturwissenschaftler) ist ein "Forscher und Kenner" der griechischen Klassik und hat ein sehr gutes Buch geschrieben, das hundert Weissagungen des delphischen Orakels enthält, die wunderbar zu lesen sind. In seiner Einleitung "Der Ruhm" schildert er prägnant die Geschichte des Orakels und beschreibt seine Weissagungen als "normalerweise nicht vieldeutig" (S. 15). Pythia, so der Autor, saß auf einem Dreifuß und verkündete von Aspollon inspirierte Ereignisse "und gab außergewöhnlich gute, klare und spezifische Ratschläge". Er verweist daraufhin, dass viele der Weissagungen legendär sind. Diese sind aber trotzdem von Bedeutung, weil sie einen Einblick in die hellenische Weltanschauung und Pietät gewähren. Der Ruhm des Orakel sei auf seine "gute Ratgebung" zurückzuführen, nicht auf seinen Reichtum oder auf "großartiger Propaganda".

Danach geht Stagman dazu über, den Mythos um Delphi niederzuschreiben, damit der Leser im Bilde ist und einige Sätze zur Geschichte des Orakel-Heiligtums zu schreiben. Er schreibt auch, welche Rituale die Pilger ausführen mussten, um zum Orakel durchgelassen zu werden. Stagman erklärt, dass die Pythia die "Antwort direkt an die anfragenden Pilger" durchgab.

Was ich sehr wichtig und interessant am Buch und an der Einleitung fand, war das Aufräumen mit Unwahrheiten, die seit lange als "Allgemeinbildung" die Runde machten. Pythia weissagte nicht im "Wahnsinnszustand" und sie sprach auch nicht unverständlich, so "dass ein Priester ihr wildes Stammeln zu erklären hätte" (S. 19). Unwahr ist auch die Theorie, nach der Dämpfe aus "der Erde emporstiegen" und das Orakel in Trance versetzten. Diese Informationen sind deshalb wichtig, weil sie sich dazu eignen, die eingeborene hellenische Religion und Tradition zu rehabilitieren.

Zum eigentlichen Text:
Es gibt im Buch 100 Weissagungen. Zu jeder einzelnen Weissagung gibt es am Ende des Buches ein Quellennachweis. Insgesamt gibt es also 100 antike Nachweise, die die Weissagungen belegen. Diese sind immer 1-2 Seiten lang. Übrigens, wenn ich Weissagungen meine, meine ich nicht nur die Antwort des Orakels auf eine Frage, sondern es wird eine ganze Geschichte erzählt.

1. Es wird mitgeteilt, wenn die Quellen das hergeben, wer der Ratsuchende war, sein Background wird durchleuchtet und erklärt, weshalb er diese oder jene Frage stellte.
2. Der Autor gibt an, wann die jeweilige Weissagung verkündet wurde. Wie der Ratsuchende hieß, welche Frage er stellte und wie der "Rat Gottes" lautete.
3. Dann schließt der Autor mit ein paar Worten zum weiteren Lebensverlauf des Fragenden, wie die Weissagung in Erfüllung ging und welche politische und kulturelle Folgen sie hatte.

Ein Beispiel:
Weissagung Nr. 1 mit dem Titel "Erkenne dich selbst" handelt von Chilon von Sparta, der 590 v.u.Z. das Orakel aufsuchte und es befragte, "was das beste für den Menschen" sei. Das Orakel antwortete "Erkenne dich selbst". (Dieser Spruch wurde oft falsch gedeutet. Hier geht es zwar um Selbsterkenntnis, aber in der Form, dass der Mensch seine Sterblichkeit sich vor Augen führt und keine Eigenschaften für sich reklamiert, die allein den Göttern zustanden. Es dreht sich also um die hellenische Pietät und darum, das Hybris vermieden werden muss.)
Chilon kehrte nach Sparta zurück und wurde zum leidenschaftlichen Förderer der spartanischen Kultur. Als Quelle für diese Geschichte wird Plutarchs "Moralia", 116c angegeben. Diese Weissagung ist etwas unspektakulär, es gibt aber andere, die sehr interessant sind und zur Gründung von Kolonien wurden, die, wie weissgesagt, zu Zentren der Medizin oder der Wissenschaft allgemein wurden.

Ich fand das Buch sehr interessant. Es ist gut und flüssig geschrieben, ist nicht kompliziert und geht nicht allzu tief in die Materie rein, verschafft aber einen guten Überblick über die Vorgänge in Delphi und die weitreichenden zivilisatorischen Folgen der Weissagungen.
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
|0Kommentar|Missbrauch melden


Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken