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am 21. November 2012
Ich habe selten ein Buch so geliebt wie dieses: Nachdem ich anfangs mit dem Zeitenwechsel Probleme hatte (es wird von 3 Generationen einer Familie im Wechsel erzählt) hat mich das Buch in vielfacher Hinsicht fasziniert. Ich spare wieder eine Beschreibung der Inhalte, die gibt es bereits von anderen Rezensenten, ich konzentriere mich lieber auf die Besonderheiten dieses Buches. Der Erzählstil ist so dicht, die Sprache und die Ideen so umwerfend, dass ich oft pausieren musste, um manche Sätze auf mich wirken zu lassen. Hier sei auch ein Lob der Übersetzung gespendet, ich habe selten Bücher mit derart erstklassiger Sprache (und ohne Fehler) gelesen. Dazu kommt dass der "weiße" Richard Powers sich in die Empfindungen und Gedanken von Farbigen so intensiv hingearbeitet hat und deren Erleben derart nachvollziehbar ausgedrückt hat, dass ich als Leser mich in diese Welt mit ganzem Wesen einfühlen konnte. Welche Diskriminierungen und Härten die Existenz für die Farbigen in Amerika bedeut hat (und wohl noch immer bedeutet), darüber habe ich nie so intensiv nachgedacht und nachgefühlt. Dazu kommen seine Beschreibungen von Musik (da habe ich oft nur Prozente verstanden, welch eine unglaubliche Kenntnis der Musik aller Richtungen) und die Überlegungen zum Wesen der Zeit - ein derartiges Wissen so selbstverständlich verpackt, so etwas habe ich noch nirgends gelesen. Der Schreibstil ist jederzeit spannend und interessant, es gibt so gut wie keine Lücken, die nicht fesseln und beeindrucken. Die beschriebenen Personen sind absolut stimmig und in ihren Dialogen nachvollziehbar. Richard Powers weiß nicht nur viel, er hat auch viel zu sagen und ist ein absolut begnadeter Erzähler. Dieses Buch gehört für mich zum Besten, was ich in meinem ganzen Leben gelesen habe. Ich mag derzeit auch kein anderes Buch von ihm lesen, damit ich diesen Eindruck möglichst lange behalten kann.
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am 5. August 2004
Man muss sich Zeit nehmen, um das Buch "Der Klang der Zeit" zu lesen. Die Geschichte von einem weißen Mann, der Anfang der 40er Jahre eine schwarze Frau heiratet und mit ihr drei Kinder bekommt, entwickelt sich zwar stetig, aber langsam. Richard Powers' Schreibstil zwingt den Leser zum Kauen....Verschlingen kann man diese Geschichte auf über 750 Seiten definitiv nicht.
Ich habe das Lesen des Buches genossen, wenngleich mir gegen Ende ein wenig die Luft ausgegangen ist, weil ich letztlich doch ein anderes Tempo beim Lesen einer Geschichte habe als Powers beim Erzählen derselben. Dass ich die letzten hundert Seiten nicht mehr mit der anfänglichen Lust gelesen habe, lag auch daran, dass Powers den Rassismus in Amerika überwiegend intellektuell seziert und seine Figuren (die schwarzen sowie die weißen) deswegen ein bisschen "blutleer" daherkommen. Der Vater, Wissenschaftler, hat das Denken zu seinem Beruf gemacht, seine Söhne, Musiker, sind zwar hoch talentiert, aber emotional zurückgeblieben. Die Mutter, Delia, bleibt immer ein wenig hinter den Männern in dieser Geschichte verborgen; ihre Tochter hingegen scheint aus nichts anderem als Gefühlen, vorzugsweise Wut, zu bestehen. Aus meiner Sicht blieb die Geschichte solange interessant, wie alle fünf zusammen waren und versuchen mussten, mit dem Farbkontrast in der Familie sowie dem sie umgebenden Rassismus klar zu kommen. Bereits mit dem Tod von Delia bricht ein Großteil der Geschichte weg.
Mehr als die musikalischen Ausführungen, die mich am Ende dann doch ein wenig nervten, weil ich den Eindruck hatte, dass Powers nur zu gern zeigen möchte, dass er überdurchschnittlich viel Ahnung hat, haben mich die Ausführungen über Raum und Zeit und die Krümmung des Menschen dazwischen begeistert. Über manche Sätze von ihm kann man schon mal gediegen eine Woche philosophieren. Noch einmal mit der Sicht des Autoren ausgestattet über die Atombombe nachzudenken, war überaus spannend. Auf diesem Terrain scheint mir Powers sicherer zu sein als im Bereich Musik oder bei der Entwicklung einer Familiensaga à la Kunta Kinte.
Insgesamt finde ich es ein gutes und wichtiges Buch. Ich werde sicher noch mehr von Powers lesen, insbesondere wenn ich "geistige Nahrung" brauche.
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am 22. April 2011
Viel ist in den Rezensionen über dieses Buch gesagt worden. Es braucht nicht alles wiederholt zu werden.
Wer Freude an tiefgehender Literatur hat, komplexen Plots, differenzierten Charakteren und eingehenden Beschreibungen wird hier voll auf seine/ihre Kosten kommen. Glaubwürdig, vielschichtig, enorm tragisch und bewegend. Wem Musik und die Geschichte der USA im 20. Jahrhundert nicht so interessieren, sollte die Finger davon lassen.
Das größte Kompliment, was ich diesem Werk machen kann ist, dass es mir enormen Appetit machte, all die Musiken aus meiner Sammlung hervorzukramen und (wieder) anzuhören, die im Laufe des Romans behandelt werden.
Dies ist im besten Sinne ein "historischer Roman": Er entfaltet eine fiktive Geschichte von glaubwürdigen Charakteren vor dem Hintergrund einer anderen Zeit und gelangt so zu einem außergwöhnlich differenzierten Bild einer Epoche.
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am 24. August 2012
Eines der schönsten Bücher völlig verstümmelt!

Ein Buch, das einer Omage an die Musik und an die Liebe zwischen unterschiedlichster Kulturen gleicht. Eine Lebensgeschichte eingewebt in die ploitische politischen Großereignisse der Welt.
Das Buch schafft es Interesse an ansonsten häufig verschlossenen Themen zu geben.

Leider bringt das Hörbuch dies nicht zur Geltung. Durch wirre Kürzungen wird ein neues Buch geschaffen. Leider!
Der Stoff birgt so viel Potential - doch leider wird hier mit einer Gabel Wasser geschöpft.
Im Hörbuch bleibt viel zu wenig von der inspirierenden Kraft Richard Powers hängen.

Fazit:
Das Buch unbedingt lesen, aber
Hände weg vom Hörbuch!
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am 12. Juli 2005
Die Brüder Jonah und Joseph sind im Alter nur anderthalb Jahre auseinander und wie ihre kleine Schwester Ruth und die ganze Familie der Mutter mit überwältigendem musikalischem Talent gesegnet. Jonah ist ein begnadeter Sänger, Joey ein hervorragender Pianist.
Doch das allein ist noch kein Garant für eine glanzvolle Zukunft. Die beiden wachsen nämlich in den 50er und 60er Jahren als Mischlingskinder in den USA auf, zu einer Zeit der Rassenunruhen und Diskriminierungen. Der Vater ist ein jüdischer Physiker, der aus Deutschland geflohen ist, die Mutter eine schwarze amerikanische Arzttochter, die sich kurz nach ihrer Hochzeit von ihrer Familie entfremdet hat.
Trotzdem gehen die drei Geschwister ihren Weg - allerdings häufig unter großen Schwierigkeiten.
Das klingt jetzt nach Herzschmerz-Familiensaga, ist aber viel, viel mehr als das, ein unglaublich komplexes Bild einer Epoche der USA- bzw. Weltgeschichte voller bedeutender Umbrüche, über Rassenunterschiede und daraus resultierende Konflikte, aber auch ein Buch über die seltsamen Kapriolen der Zeit und nicht zuletzt über die Musik.
Fazit: schön, sehr umfangreich, teilweise ziemlich düster, aber auf alle Fälle lesenswert.
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am 26. Juni 2013
Das ist hohe zeitgenössische Literatur! Ein Kunstwerk, das einem sicher einen langen Atem und genaues Hinsehen abverlangt. Man wird belohnt mit dem, was man von einem Roman erster Güte erwartet: Ausgesprochen weit- und tiefgehende Kenntnisse über politische, gesellschaftliche, menschliche Verhältnisse, über Musik und alles, was angesprochen wird. Dazu ein Thema, das den Leser im eigentlichen Sinne bildet: in was für einer Welt leben wir, wo wir doch meinten, jetzt sei alles in Ordnung? Woher kommen wir in unserer gegenwärtigen, anscheinend gut funktionieren Gesellschaft? Die Geschichte spielt hauptsächlich in den USA. Man sieht hinter die Kulissen einer Familie mit besten Ambitionen, in einer Gesellschaft, die sie nicht will. Dazu pflegt der Autor eine Sprache, die wohltuend ihrer selbst bewusst ist, gefeiert wird, ohne zu mächtig in den Vordergrund zu geraten. Beeindruckend und hochinteressant!
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am 21. Dezember 2006
Richard Powers Der Klang der Zeit"

Die schwarze Sängerin Delia und der jüdische Physiker David heiraten entgegen aller gesellschaftlicher Konventionen.
Aus dieser Ehe gehen drei Kinder hervor, die von den Eltern jenseits aller Vorurteile erzogen werden sollen. Macht eure eigene Rasse auf", lautet einer der zentralen Leitsätze des Buches.

Der Versuch, die Kinder jenseits aller Rassenideologie zu erziehen, scheitert. Während die Musik anfangs noch die gemeinsame Basis der Familie schafft, kann auch diese später keinen Rückhalt mehr geben.
Jonah, der älteste Sohn, startet eine Karriere als Musiker. All sein Denken liegt in der Zukunft. Er ignoriert die Rassefragen, wirkt realitätsfern.
Joseph, der immer im Schatten des Bruders steht, für ihn lebt, schafft es nie, sich ein eigenes Leben aufzubauen, treibt orientierungslos in der Welt umher.
Und schließlich Ruth, die Kleinste, die als erstes mit ihrer Familie bricht und sich den Black Panthers anschließt.

Vorteilhaft ist es sicherlich, wenn man sich ein wenig für Musik oder Physik interessiert. Weite Strecken des Buches sind eng mit diesen Themen verwoben und wer damit gar nichts anfangen kann wird sicherlich an der einen oder anderen Stelle seufzen.
Auch mir wurde das manchmal zu viel - einige Passagen könnten meiner Meinung nach stark gekürzt oder ersatzlos gestrichen werden.

Hilfreich fand ich persönlich die Zeittafel am Ende des Buches. Ich empfehle, dass man sich diese Zeittafel gleich zu Beginn ansieht. Wer sich mit der amerikanischen Geschichte der Neuzeit nicht so gut auskennt, wird daraus auf jeden Fall einen Gewinn ziehen.
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am 1. September 2010
Das Buch war ein Geschenk, und bis dahin hatte ich noch nichts über Richard Powers gehört. Den us-amerikanischen Autoren war ich immer ein bisschen skeptisch gegenüber, aber einige haben mich schon überzeugt (Austers, Irving).
Das Buch ist sicher KEINE LEICHTE URLAUBSLEKTÜRE, vor allem ist eine Offenheit zu physikalischem Denken hilfreich, aber erstaunt war ich über die literarische Qualität. Er kann mit seinem Stil eine Figur so nahe bringen, dass man meint, sie gut zu kennen. Die persönlichen Geschichten und historische Geschichte werden so eng verwoben, dass ich oft meinte mitten dabei zu sein.
Mir ist einfach kein Autor bekannt, der literarischen Stil, inhaltliche Tiefe, menschliche Nähe in seinen Werken so gut hervorgebracht hat. Enttäuschen muss man aber diejenigen, die eine schnelle und leichte Unterhaltung möchten, das Buch gibt das nur her, wenn man sich richtig darauf einlassen kann, aber dann meine ich, ist es ein Genuß.
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VINE-PRODUKTTESTERam 27. Dezember 2005
Der Fisch und der Vogel können sich verlieben - doch wo bauen sie ihr Nest.?
Das Buch erzählt eine Familiengeschichte in Amerika von den 30er bis hinein in die 90er Jahre. Sie steht unter dem Zeichen der Musik, die durch das ganze Buch klingt. Und unter dem Zeichen der Zeit. Und nicht zu vergessen - unter dem Zeichen des Rassismus.
William und Nettie Ellen Delay haben unter anderem eine Tocher Delia. Delia heiratet den deutschen Juden, Physiker David. Aus dieser schwarz-weißen Ehe, die im Amerika der damaligen Zeit unter einem schlechten Stern steht, ihrer Zeit voraus ist und gegen viele Anfeindungen zu bestehen hat, gehen die hellhäutigen Mischlings-Kinder Jonah, Joey und Ruth hervor. Die Eltern versuchen die Kinder losgelöst von ihrer Rasse zu erziehen und ihnen andere Werte zu vermitteln, die nichts mit der Hautfarbe zu tun haben. Die ganze Familie ist höchst musikalisch. Jonah macht Karriere als Sänger und wird größtenteils von seinem Bruder Joey am Klavier begleitet, bis Jonah nach Europa geht. Joey ist immer das Anhängsel von Jonah, bis der weg geht. Dann sucht sich Joey selbst und findet sich nicht. Landet wieder bei Jonah, diesmal in Europa und arbeitet später, wieder in Amerika, eng mit Ruth zusammen.Ruth, die im Alter von 10 Jahren, die Mutter bei einem Hausbrand verliert, entdeckt das Kämpferische in sich und schliesst sich später den Black Panthers an, heiratet, bekommt Kinder, findet als Erste wieder zu den Großeltern zurück. Die Geschwister leben sich auseinander, finden sich wieder, am Ende schliesst sich der Kreis. Die Gedanken und Überlegungen des Vaters David zum Thema Zeit werden wundersam in die Entwicklungen miteingebunden.
Wer über ein höheres Mass an musikalischen und physikalische Kenntnissen verfügt, als ich es habe, wird einen weitaus höheren Genuss an diesem Buch finden. Es ist nicht immer leicht zu lesen, gerade auch aufgrund der vorgenannten fehlenden Basis, aber wirklich lesenswert und sehr zu empfehlen. Als sehr hilfreich habe ich die Zeittafel am Ende des Buches empfunden. Eingebettet in die historischen Daten der jüngsten Zeit, fand ich mich zurecht und konnte die Entwicklungen der Familiengeschichte mit der Zeittafel einordnen. Die Daten der amerikanischen Ereignisse, sind mir leider nicht immer so präsent, wie man sich das wünschen würde. Dass der Fall Rodney King in Amerika in 1992 stattfand, gerade mal vor 13 Jahren, wurde mir beim Lesen wieder deutlich gemacht. Der Rassismus ist noch gegenwärtig. Die Zukunft, von der Delia und David für ihre Kinder immer geträumt haben, ist noch nicht erreicht.
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am 27. Mai 2004
Richard Powers hat mit "Der Klang der Zeit" einen Roman geschrieben, von dessen Qualität ein Jahrzehnt nur wenige hervorbringt. Das ist keine unvorsichtige These. Powers' neues, 765-seitiges Opus Magnum ist ein bravourös konzipierter, satter Dreiklang aus den Themen Musik, Physik und Rasse. Ein Dreiklang, der trotz enormer Komplexität, vollends harmonisiert und nicht überfordert.

David und Delia, Angehörige unterdrückter Minderheiten, treffen beide aus einem Fluchtreflex aufeinander. David, jüdischer Physiker aus Deutschland, flieht vor den Nazis. Delia, dunkelhäutig, entflieht ihrem vom Rassismus geprägten amerikanischen Alltag. An diesem Tag (Ostersonntag 1939) flüchten sich beide nach Washington, zum legendären Freiluftkonzert am Lincoln-Denkmal der schwarzen Altistin Marian Anderson, der aufgrund ihrer Hautfarbe ein Auftritt in der Constitution Hall verwehrt blieb. Als David nach einem Wiedersehen mit Delia fragt und sie wieder und wieder mit "unmöglich" antwortet, wäre das beinahe schon das Ende vor dem Anfang gewesen. Aber beide halten irgendeinen Schlüssel für die Zukunft in ihren Händen, der beide schließlich doch noch das tollkühne Wagnis einer schwarz-weißen Zweisamkeit eingehen lässt. David gibt ihrer gemeinsamen Zukunft, trotz der von der Zeit diktierten Rassenproblematik, mit einem jüdischen Sprichwort Zuversicht, das zum Leitmotiv des gesamten Romans wird: "Der Fisch und der Vogel können sich verlieben."

David kann die Fratze des Rassismus nicht erschrecken. Er, Inhaber des Lehrstuhls für theoretische Physik an der renomierten Columbia University, versucht Einsteins großes Erbe, die Relativitätstheorie, voranzubringen. Für David ist nicht nur die Zeit relativ. Auch Rasse stellt für ihn keine feststehende Größe dar. Also antwortet er auf die drängenden Fragen seiner drei Kinder, zu welcher Rasse sie eigentlichen gehören: "Ihr macht eure eigene Rasse auf."

Natürlich muss dieser Versuch der Kinder, jenseits aller Rassenideologie irgendwo zwischen schwarz und weiß sich selbst zu erfinden, jäh scheitern. Zwar kann die Familie von Fisch und Vogel anfangs allen Repressionen entfliehen in ein Refugium aus Musik. Doch als die Kinder so langsam das Nest verlassen, schafft es keiner der drei, "eine eigene Rasse aufzumachen". Obwohl die Kinder vom Vater David immer wieder sein Konzept von Zeit erklärt bekommen, nämlich, dass die Zeit nicht vergeht, sondern einfach "ist", dass das "Jetzt" nichts als eine "raffinierte Lüge" ist - sind alle drei zu sehr in ihrer eigenen Zeit verhaftet. Der erstgeborene Jonah, der als Tenor eine erfolgreiche Karriere einschlägt, lebt in der Zukunft. Er ignoriert schlicht und einfach die Frage nach schwarz oder weiß und wirkt realitätsfern. Die Jüngste, Ruth, verlässt als Erste den gemeinsamen Zufluchtsort Musik, bricht mit ihrem weißen Vater und schließt sich den tendenziell radikalen Black Panthers an. Sie orientiert sich zu sehr an der Vergangenheit, scheint borniert, vielleicht etwas reaktionär. Joseph schließlich, über weite Strecken der Ich-Erzähler des Romans, hat sich in der Gegenwart verfangen. Seine Bestimmung ist das Begleiten. Zuerst als Pianist an der Seite seines Bruders, dann als Lehrer an der Grundschule, die Ruth aufbaut. Joseph gelingt es nicht, etwas Eigenes aufzubauen (Jonah nennt ihn "Mule", in der Etymologie des Namens ist der zeugungsunfähige Maulesel enthalten), sein Leben ist eine Collage aus Schondagewesenem.

"Der Fisch und der Vogel können sich verlieben." War das am Ende ein Experiment, das von Anfang an utopisch sein musste? Nein, denn David und Delia teilten bei dem Konzert, als zwischen ihnen alles begann, einen Moment, in dem die Musik von Marian Anderson die Zeit zum Stillstehen brachte. In diesem Moment war alles vereint: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Über diesen Moment der eingefrorenen Zeit hinaus, teilten sie jedoch noch etwas, das beide für alles, was da kommen mag, versöhnlich stimmte. Etwas wie Schönheit. Oder Freude.
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