Fashion Sale Hier klicken Strandspielzeug b2s Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More sommer2016 HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16


Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 13. Februar 2010
Die Ergebnisse der modernen Hirnforschung, die mit Hilfe moderner technischer Hilfsmittel ein immer differenzierteres Bild der Funktionsweise des wichtigsten menschlichen Organs vermitteln, haben in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer intensiven Debatte zwischen Naturwissenschaftlern und Philosophen geführt. Zahlreiche Hirnforscher bzw. Neurobiologen werten die Ergebnisse ihrer Forschungen dahingehend aus, dass das traditionelle Selbstverständnis des Menschen grundlegend revidiert werden müsse. Zur Erklärung des menschlichen Bewusstseins dürfe nicht länger auf eine empirisch nicht nachweisbare, immaterielle Instanz wie z.B. Seele oder Geist zurückgegriffen werden. Vielmehr könne man alle individuellen Entscheidungen, einschließlich unserer moralischen Überlegungen, auf neuronale Prozesse zurückführen. Einige Protagonisten dieser gegenwärtig stark expandierenden Wissenschaftsrichtung gehen dabei so weit, den Menschen einen freien Willen abzusprechen und fordern daher u.a. eine weitgehende Revision unseres Rechtssystems.

Die meisten Philosophen dagegen verteidigen weiterhin das traditionelle Menschenbild. Sie verweisen auf die spezifische Würde des Menschen und seine besonderen Fähigkeiten und gehen von einer prinzipiellen Grenze naturalistischer Erklärungen aus. Zudem befürchten sie, dass die Ergebnisse der Neurowissenschaften zu einer Auflösung der Differenz zwischen Mensch und Tier und damit schließlich zu einer Degradierung des Menschen führen.

Zu der hier angesprochenen Fragestellung enthält die erste Ausgabe der sechsbändigen Reihe ZEIT WISSEN Edition" wichtige Beiträge von führenden Fachwissenschaftlern und des Magazins ZEIT WISSEN. Eröffnet werden die Einzelbeiträge durch einen Grundlagentext von der englischen Professorin für Pharmakologie, Susan Greenfield, zum Aufbau unseres Gehirns. Das Gehirn, das in seinem maßgefertigten Gehäuse aus Schädelknochen über dem Rumpf thront, hat eine Konsistenz, die an ein weich gekochtes Ei erinnert, und verfügt über keinerlei bewegliche Innenteile." (S. 1) Ausführlich beschreibt Greenfield die Geschichte der Gehirnforschung sowie Funktionen und Funktionsstörungen des Gehirns. Die vor allem in der Neurowissenschaft angewandten bildgebenden Verfahren sind für sie das Fenster zur Beobachtung der Gehirnaktivitäten.

In seinem Beitrag Das Rätsel des Bewusstseins" berichtet der Biologe Christof Koch von seinem Bestreben, die neurobiologischen Grundlagen des Bewusstseins aufzudecken. Aufgrund der wissenschaftlichen Fortschritte seien die Wissenschaftler heute besser denn je zuvor gerüstet, die physische Basis des Problems zu erforschen. Er sieht subjektives Erleben als Tatsache an und geht davon aus, dass Hirnaktivität sowohl notwendig als auch hinreichend ist, damit biologische Wesen etwas empfinden. Ich suche die physikalische Grundlage von phänomenalen Zuständen in Gehirnzellen, ihrer Anordnung und Aktivität." (S. 54).

Auch der amerikanische Philosoph Paul M. Churchland greift in seinem Artikel Durchbruch zum Bewusstsein" vor allem auf die Ergebnisse der modernen Hirnforschung zurück und weniger auf die philosophische Tradition zu diesem Thema. Er stellt bereits einleitend fest, dass es zwar die - vor allem von Philosophen vertretene - Auffassung gebe, dass der prinzipielle subjektive Charakter des Bewusstseins niemals zu erklären sei, er stellt hierzu aber fest, dass er eher der gegenteiligen Auffassung zuneige. Churchland entwickelt in seinem Beitrag ein logisch mögliches neuroinformatisches Modell für Bewusstseinsphänomene", welches verdeutlichen soll, wie man beobachtete Phänomene des Bewusstseins systematisch rekonstruieren könnte. ...die Frage, ob es wahr ist, ist dann eigentlich zweitrangig. Aber das Modell könnte richtig sein, und ob es bestätigt oder verworfen wird, wird davon abhängen, wie sich die empirische Forschung weiterentwickelt." (S. 260).

Da hier nicht auf alle Einzelbeiträge eingegangen werden kann, soll nachfolgend nur noch auf drei weitere Beiträge kurz hingewiesen werden. Der bekannte Mediziner und Philosoph Manfred Spitzer setzt sich mit der nicht nur für Lehrerinnen und Lehrer wichtigen Frage auseinander, wie wir lernen. Er weist auf die - auch für Erwachsene - wichtige Bedeutung von Beispielen hin, um z.B. mathematische Regeln zu lernen. Die australische Psychologin Cordelia Fine stellt aus ihrer Sicht dar, wie wenig Kontrolle der Mensch über sein Gehirn hat. Und der Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt a.M., Wolf Singer, geht in seinem Nachwort davon aus, dass es im menschlichen Gehirn weder einen singulären Ort gibt, zu dem alle sensorischen Systeme ihre Ergebnisse senden könnten, noch gebe es eine zentrale Lenkungs- und Entscheidungsinstanz. Offensichtlich habe die Evolution das Gehirn mit Mechanismen ausgestattet, die in der Lage sind, auch ohne eine zentrale koordinierende Instanz globale Ordnungszustände herzustellen. Für Singer legen die Ergebnisse der Neurobiologie eindeutig dar, dass alle Verhaltensleistungen, also auch die höchsten kognitiven Funktionen, auf neuronalen Prozessen im Gehirn beruhen müssen." (S. 283).

Die durchgängig anschaulich und gut verständlichen Beiträge können aus der Sicht des Rezensenten zum Selbststudium empfohlen werden. Die Einzelbeiträge werden jeweils durch Zusatzinformationen, zumeist in der Randspalte platziert, ergänzt, wie z.B. Kurzporträts wichtiger Forscher, Erläuterungen ausgewählter Fachbegriffe sowie Fotos, Grafiken und Tabellen. Zusätzlich werden Literaturhinweise und Internet-Links angeboten.

Einschränkend muss allerdings darauf verwiesen werden, dass die breite aktuelle Debatte um das menschliche Bewusstsein und die damit eng verknüpfte Frage nach der Freiheit und Verantwortung menschlichen Verhaltens in dem hier vorgestellten Band fast ausschließlich aus der Sicht der Neurowissenschaft und der Biologie dargestellt wird. Für das Studium der traditionellen philosophischen Einschätzungen zu diesem Themenkomplex müssen andere Publikationen herangezogen werden.

Dr. Ludwig Heuwinkel, Bielefeld
0Kommentar| 11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Die Herausgeber von "Zeit Wissen" haben in diesem Sammelband Beiträge wichtiger Autoren unterschiedlicher Wissenschaftsrichtungen aufgenommen. Was sie verbindet, ist ihre Passion, Geheimnisse und Funktionsweisen des menschlichen Gehirns zu entdecken. Die Bandbreite ihrer Berichterstattung ist so groß, dass wohl für jeden interessierten Leser etwas dabei ist. Auch für die treue Lesergemeinde der Zeitschrift "Zeit Wissen". Grafisch sehr schön aufbereitet, mit kommentierenden Texten zum Einstieg, sprachlich geglättet und mit anschaulichen Bildern oder Illustrationen. Und das Ganze noch zu einem vertretbaren Preis.

Obwohl nicht alle Beiträge neusten Datum sind, empfehle ich diesen Band gerne weiter. Denn die Neurowissenschaften sind in den letzten Jahren in eine Phase eingetreten, in der es weniger um Grundsätzliches, sondern eher um Details geht. Diese Forschungsarbeiten sind für Laien von geringerer Bedeutung, müssen sie doch weder neue Psychopharmaka oder künstliche Intelligenz entwickeln, noch hirngeschädigte Patienten operieren. Was die Herausgeber leisten, ist auch deshalb wichtig, weil die Popularisierung des Themas viele dumme Mythen in die Welt setzt oder verstärkt. Besonders deutlich wird dies, wenn um die neurologischen Unterschiede von Frau und Mann geht.

Mein Fazit: Ein leicht lesbarer, schöner und erhellender Sammelband zu einem Thema, das man nicht einfach schreibenden Lebensratgebern, Seminarleitern und Hobbypsychologen überlassen darf. Den Herausgebern ist es mit ihrer Auswahl der Beiträge gelungen, den interessierten Laien den Stand der gegenwärtigen Forschung aufzuzeigen. Zumindest wenn es um grundsätzliche Erkenntnisse der Neurowissenschaften geht.
0Kommentar| 20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. März 2008
Die Beiträge der Wissenschaftler sind keinen Büchern entnommen, die sich an ein Fachpublikum richten. Ganz im Gegenteil sind alle Auszüge aus Büchern, die das Aufregende ihres Faches einem breiten Publikum zugänglich machen wollen. So ist sichergestellt, dass alle Beiträge in diesem Band für den interessierten Laien interessant und vor allem nachvollziehbar sind.

Mit dem Band Eins der ZEIT WISSEN Edition, dem Rätsel Ich" ist ein ebenso informatives wie unterhaltsames Buch gelungen. Jeder, der die Faszination um das menschliche Gehirn verstehen kann und gleichsam an der Lösung um das Rätsel interessiert ist, wird hier auf didaktisch hervorragende Weise eingeführt. Es stellt umfassend und aktuell den Stand der Neurowissenschaften dar, verliert sich nicht in unnötigen Details und macht Zusammenhänge sichtbar. Der interessierte Laie findet hier auf ihn zugeschnittene Informationen. Für Studierende der Neurowissenschaften bietet das Buch eine gelungene (wenn auch keine unitaugliche, so doch eine motivierende) Einführung.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Mai 2009
In "Rätsel Ich" befassen sich verschiedene Autoren mit Aspekten eines der z.Zt. heißesten Forschungsthemen: Gehirn und Bewusstsein. Dabei wechseln sich anspruchsvolle und leicht verdauliche Artikel ab. Erstere entstammen Büchern bekannter Neurowissenschaftler. Letztere der Zeitschrift "Zeit / Wissen". Obwohl aus anderen Zeitschriften oder Büchern entnommen, lässt sich jeder Artikel mit Gewinn lesen. Die längeren Artikel wurden dank vieler Abbildungen sowie zusätzlicher Erklärungen und Biographien am Rand anschaulich gestaltet. Die Themen reichen von Bewusstseinsheorien über Gedächtnisforschung bis hin zu den Unterschieden der Geschlechter.
Alle Artikel sind gut lesbar, wenn auch auf unterschiedlichem Anspruchsniveau geschrieben. Durch die kürzeren Artikel aus "Zeit / Wissen" werden die längeren, schwereren Beiträge besser verdaulich. Wer sich bereits mit den Themen "Bewusstsein" und "Gehirnforschung" beschäftigt hat, wird zwar mit vielen bereits bekannten Inhalten konfrontiert, doch bei diesem komplexen Thema schadet Wiederholung sicher nicht. Wer sich mit dieser Materie noch nie befasst hat, sollte sich zuerst mit leichteren Büchern versuchen. Das heißt aber nicht, dass das Buch nur für Fachleute geschrieben ist. Gerade für Laien ist es interessant, bewiesene Erkenntnisse und Mythen auf dem Gebiet der Hirnforschung auseinanderzuhalten.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. August 2008
"Rätsel Ich" ist der erste Band einer auf insgesamt sechs Bände angelegten Reihe, in der die Redaktion von ZEIT Wissen mit Artikeln aus ihrer eigenen Redaktion und durch speziell für diese Bücher geschriebene Gastartikel bekannter Autoren und Wissenschaftler eine motivierte Lesergemeinde von naturwissenschaftlich interessierten Zeitgenossen einführen will in den Forschungs- und Wissensstand der gegenwärtigen Wissenschaft.

Der vorliegende erste Band befasst sich mit den fast revolutionär zu nennenden Erkenntnissen der Neurowissenschaften. Über kein anderes menschliches Organ ist in den letzten Jahren mehr herausgefunden worden, als über das menschliche Gehirn und seine Funktionen. Die versammelten Forscher, darunter der durch seine Medienkritik bekannt geworden Manfred Spitzer haben sehr Aufregendes zu erzählen. Und sie tun es in einer verständlichen Sprache, die die Herausgeber des Buches durch Tabellen, Infokästen und anschauliche Zeichnungen gut lesbar gemacht haben.

"Das Ich, darin sind sich viele Forscher einig, ist die Geschichte, die wir uns immer wieder über uns selbst erzählen. Diese Geschichte verändert sich ständig. Und dabei kommen nicht nur neue Kapitel hinzu. Jeder hinzugefügte Absatz kann im ganzen Text zu Umbauten, zu Korrekturen führen, weil wir im Spiegel des soeben Erlebten unsere ganze Geschichte neu bewerten."

"Dieses Buch ist Wissenschaft in Hochform: selbstbewusst und provozierend, spannend und verständlich. Damit Sie mitreden können, wenn es um ihren freien Willen geht", schreiben die beiden Herausgeber in ihrem Vorwort.

Das Buch ist keine ganz leichte Kost, aber es braucht ja auch nicht in einem Rutsch gelesen zu werden. Die Artikel sind so verfasst, dass auch ihre einzelne Lektüre Sinn macht und Gewinn bringt.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden