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am 9. Januar 2014
Selten habe ich mir mit der Einschätzung eines Romans so schwer getan, wie diesem. Mit großem Respekt bin ich an die Lektüre gegangen. Mit 88 Jahren noch mal so ein Buch zu schreiben, das beeindruckt und fordert Hochachtung. Doch als Leser so voreingenommen zu sein, verklärt sicher den Blick. Deshalb habe ich eine gute Woche Abstand genommen, bevor ich noch mal über „Alles, was ist“ resümierte.

Es findet sich ein Absatz nach gut dreiviertel des Romans, in dem James Salter die herausragenden Lebensereignisse – mit Ausnahme der jugendlichen Kriegserfahrung – seiner Zentralfigur Philip Bowmann zusammenfasst: „Er war sich nicht sicher, was sie und ihn betraf. Er war zu alt, um zu heiraten. Er wollte keinen späten, sentimentalen Kompromiss. Dafür hatte er zu viel erlebt. Er hatte einmal geheiratet, mit ganzem Herzen, und sich geirrt. Er hatte sich unfassbar in eine Frau in London verliebt, und es war irgendwie verblasst. Wie vom Schicksal getroffen hatte er eines Abends in der romantischsten Begegnung seines Lebens eine Frau kennengelernt und war hintergangen worden. Er glaubte an die Liebe – er hatte das immer getan –, aber jetzt war es wohl zu spät. Vielleicht konnten sie für immer so weitermachen, wie ein Leben in der Kunst. Anna, so nannte er sie, Anna, bitte komm. Setz dich neben mich.“

Wenn das alles ist, was ein langes Leben an Höhepunkten zu bieten hatte, wäre es wohl des Erzählens nicht wert. Oder doch? Irritierend ist, dass die Folgen von Ereignissen, die in anderen Romanen einen zentralen Wendepunkt markieren, bei James Salter nicht der Rede wert sind. Bestes Beispiel ist das erschütternde Schicksal eines Kollegen und Freundes, das in einer Nebenepisode zwar detailliert beschrieben wird, jedoch im Nachhinein keine Relevanz im Leben des Freundes erlangt: der Tod dessen Frau und 10jährigen Sohnes bei einem Zugunglück.

Eigentlich ist nichts Bedeutendes der Rede im Roman wert – weder gesellschaftliche Ereignisse noch Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen. Einzige Ausnahme bilden die oben zitierten Frauen im Leben Bowmanns. Doch auch hier bleiben deren Charaktere interpretationsbedürftig. Hingegen werden die sexuellen Erfahrungen sehr plastisch und dezidiert erinnert. Die erotischen Momentaufnahmen und die Eindrücke des Krieges sind offenbar in Bowmanns Leben die prägenden gewesen. Ist das alles, was ist?

Letztlich versöhnte mich eine Analogie mit meiner mir bislang nicht zu erklärenden Faszination des Buches: es ist weit mehr ein Sittengemälde als eine Erzählung. Der Roman wirkt letztlich auf mich wie einige Bilder von Edward Hopper. Dessen Motive sind vordergründig ja schlicht, eindeutig und für viele sehr dekorativ. Doch versetzt man sich in die Szenen, so ist es ernüchternd, teils bitter zu erkennen, was am Ende – eines Tages, einer Begegnung, einer Beziehung oder eines Lebens – übrig bleibt: jeder Mensch kehrt letztlich in sich zurück und zieht einsam Bilanz. Was unterm Strich dabei für ihn rauskommt, kann nur er individuell Wert schätzen. Ebenso das Fazit nach der Lektüre des Romans.
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am 1. Oktober 2017
in seinem alterswerk reiht Salter episodisch 31 kapitel aneinander - stationen eines lebens, das vom weltkriegsschauplatz im pazifik bis zum "ende ohne ende" in die gegenwart reicht. für den zusammenhalt sorgt Philip Bowman, erst leutnant zur see, dann journalist und lektor in New York. existentiell zentral wie in jedem leben stehen Bowmans erotische Begegnungen, die der greise autor detailliert, doch sachlich kühl zu schildern weiß. passagen lakonischen humors wechseln mit poetischen (wenn auch nicht durchweg überzeugenden metaphern "...er kam wie ein trinkendes pferd"). locker eingestreut reichlich akteure und eine fülle von namen und zitaten aus der welt der literatur. das alles plätschert aber doch ein wenig beiläufig dahin, ist letztlich weniger roman als eine auswahl (fiktiver?) tagebuchnotizen, die Salter allerdings gekonnt und schnörkellos zur chronik eines weitgehend unspektakulär verlaufenen lebens verarbeitet hat.
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am 19. Juni 2014
Vielleicht wird irgendwann der Tag kommen, an dem so etwas auch von einem Europäer oder gar einem Deutschen geschrieben wird. Bis es so weit ist, muss man attestieren, dass die US-Amerikaner die Herausragendsten unter den Prosa-Tüftlern sind – und James Salter glänzt noch einmal mehr als seine ohnehin schon funkelnden Kollegen wie Roth und Ford, die seit Jahrzehnten den Nobelpreis verdient hätten.

Die Geschichte des Weltkriegsveteranen Philip Bowman, der im New York der 1950er Karriere als Verlagslektor macht, sich verliebt und wieder entliebt, ist wie ein nie vergehender Zauber. Eine Sammlung scheinbar harmloser Augenblicke und Erinnerungen. Eine Beschreibung von allem, was ist. Verfasst in einer Sprache, die zunächst ganz harmlos zu sein scheint, aber sich unbarmherzig in jede Gehirnwindung fräst.
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am 13. Dezember 2013
Ich glaube, es gibt kein schlechtes Buch von Salter! Wenn man einmal vom Salterfieber gepackt wurde, ist man sowieso verloren. Der Roman hier ist etwas unaufgeregter und ruhiger, als frühere Bücher von ihm. Aber immer noch kann Salter mit seinen einfachen und kristallklaren Sätzen einfangen und tief bewegen. Einem Salter-Anfänger würde ich allerdings ein anderes Buch in die Hand drücken!
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am 21. Februar 2017
James Salter wechselt mühelos zwischen Miniatur, einem Blick gewaltig von oben, Kalligrafie und Aquarelle. Wie kein anderer,
den ich kenne. Dass er nicht unter den ersten Fünf der amerikanischen Literatur gezählt wird, ist eine Ungerechtigkeit.
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am 25. Juni 2014
Die Geschichte zieht sich wie Kaugummi, vielleicht muss man Amerikaner sein um die Lebensumstände zu verstehen und zu "lieben". Ich konnte damit wenig anfangen.
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am 26. November 2015
Die anderen Bücher von Salter haben mir besser gefallen. Hier geht es wohl um Frauen und Sex. Was bliebt ? Unterschiedlicher Sex ?
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am 17. Juli 2015
Die Lebensgeschichte eines Lektors. Leider drängt sich beim Lesen allmählich der Eindruck auf, hier fixiert ein alter Autor seine Sexphantasien (fast immer jugendfrei) und seine frustrierte Sicht auf ein Leben zu zweit. Zwar schön geschrieben, aber auf Dauer doch recht eintönig.
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am 24. Oktober 2013
Großartig geschrieben, bewegend, inspirierend, anrührend, aufbauend, heiter, tiefsinnig. Einer der wenigen Bücher, wo man schon während des Lesens traurig wird, dass diese Lektüre ein Ende hat.
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VINE-PRODUKTTESTERam 19. April 2015
Auf dem Schutzumschlag werden Lobeshymnen über das Buch wiedergegeben, die eine abweichende Meinung geradezu als Frevel erscheinen lassen. "Wir dürfen staunen, lesen, danken", wird etwa aus der "Welt" zitiert. Ich darf mich vorsichtig, aber entschieden von der Schar der Bewunderer absetzen, mir ist nach der Lektüre ganz anders zumute.

Zum Lob Salters ist zu sagen: Er schreibt konkret-sinnlich und sparsam-diszipliniert. Manchmal kann er so gekonnt Abgründe andeuten und Spannungen erzeugen, ohne sie weiter zu beschreiben. Etwa wenn er Bowmans Liebesblindheit seiner ersten Frau, Vivian, gegenüber kommentarlos neben Gedanken seiner Mutter stehen lässt, sie habe "keine Seele" (64). Vivians Verabschiedung von Bowman kommt nicht unerwartet, aber sehr plötzlich, und die Trennung wird unkommentiert mit Zitaten aus ihren frühen Liebesbriefen kontrastiert.

Wir erleben indessen Bowman ungebrochen weiter im Verfolg seiner Karriere und zufrieden mit seinem interessanten, abwechslungsreichen Leben als Lektor in New York. Er lernt weitere tolle Frauen kennen, eine elegante und blonde Engländerin, und als diese Beziehung sich in Nichts auflöst, eine attraktive Christine, mit der er einige Jahre in völliger Harmonie in New York zu leben scheint. Bis sie plötzlich einen sehr maskulinen anderen Mann kennen lernt und Bowman zu dessen völliger Überraschung gerichtlich verklagt und ihr hauptsächlich von ihm finanziertes Haus alleine für sich beansprucht. Auch das kann ihn nicht auf Dauer irritieren, besonders weil er später eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Rache bekommt: Er kann Christines mittlerweile 20jährige Tochter auf einen Urlaub nach Paris mitnehmen und dort ausgiebig Sex mit ihr haben. Unangekündigt lässt er das Mädchen alleine in Paris sitzen - die Mama darf sich dann weiter um sie kümmern. Das Ganze endet damit, dass er sich als schon älterer Mann mit einer deutlich jüngeren, verständnisvollen Frau liiert, man unternimmt gemeinsam etwas, hat gemeinsame Interessen, ein Urlaub in Venedig ist geplant...

In Abwandlung des Titels sei die Frage erlaubt: Ist das alles? In gediegener, disziplinierter Prosa werden Banalitäten dargeboten. Das Leben Bowmans besteht aus einer Folge von Bekanntschaften, angenehmen Unternehmungen, erfreulichen Urlauben. So, als ob es in einer Lebensbilanz darauf ankommt, eine möglichst große Anzahl positiver Fakten aufzuzählen. Wenn Bowmans Sexpraktiken regelmäßig und genüsslich beschrieben werden, hat man den Eindruck, dass der Erzähler/Autor sich seiner Männlichkeit vergewissern muss. Manchmal meint man, in einem Hochglanz-Herrenmagazin zu lesen, z.B. auch, wenn die Urlaube in Spanien oder Paris so prall und connaisseurhaft geschildert werden wie in einem Reiseführer - aber leider auch so schablonenhaft. Bowman lässt sich von seinen Frauen jeweils in erster Linie erotisch-sexuell anmuten und stellt sie in dieser Hinsicht dar, eine tiefere Beziehung findet nicht statt. Als er z.B. Christines Klageschrift erhält, fühlt er sich "auf ein Nichts reduziert" und kann nicht verstehen, "dass etwas nichts mehr bedeutete." (279). Man darf vermuten, dass eben nicht sehr viel mehr dagewesen ist.

Was sollen einem die vielen chronikartig entfalteten Fakten über Bowmans Leben, Familien-, Verwandtschafts- und Berufsverhältnisse, Bekanntschaften und Freundschaften? Sie sind so zahlreich und werden - wie gesagt - so knapp erzählt, dass man sich schon konzentrieren muss, um bei den vielen Namen nur den Überblick zu behalten, geschweige denn, dass man sich mit irgendjemand näher identifizieren kann. Wozu diese Menge von Lebenssplittern? Sie geben den Eindruck von einem durchschnittlichen, behaglichen Leben und einem ziemlich selbstzufriedenen Menschen. Wir dürfen staunen, lesen - gähnen - um das "Welt"-Zitat von oben etwas abzuwandeln.
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