Shop now Shop now Shop now Shop now Shop now Hier klicken Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos Learn More Mehr dazu Hier klicken HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Jetzt bestellen AmazonMusicUnlimited Fußball longss17

Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
42
4,2 von 5 Sternen
Eine große Zeit: Roman
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:22,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 4. Oktober 2014
Dieser Roman hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Nach "Ruhelos" war ich auf eine packendere Geschichte eingestellt. Diese läßt einen jedoch ziemlich unbeteiligt; es kommt keine wirkliche Spannung auf. Auch die Auflösung des Plotts wirkt etwas platt und, was die Mutter des Protagonisten betrifft, nicht glaubwürdig.
Das Buch ist deshalb nicht unlesbar, der Sprachstil angenehm und leicht.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 11. April 2012
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Die Hauptfigur des neuesten Romans von William Boyd ist der junge englische Schauspieler Lysander Rief, der ein sexuelles Problem hat und sich Abhilfe durch den Psychoanalytiker Dr. Bensimon verspricht. Zu diesem Zweck reist er nach Wien, wo er im Wartezimmer des besagten Doktors die geheimnisvolle Hettie Bull kennenlernt und der Künstlerin mit Haut und Haaren verfällt. Daraus ergeben sich die verschiedensten Verwicklungen, zumal beide schon anderweitig gebunden sind. Im Zuge dessen kommen Mitarbeiter der englischen Botschaft, der Geheimdienst, mehrere attraktive Damen und hohe Militärs ins Spiel und auch Lysanders Mutter steht immer wieder im Vordergrund. Den historischen Rahmen liefert der beginnende Erste Weltkrieg, in dem Lysander ebenfalls eine kleine Rolle zugewiesen wird. Im Namen der Regierung hat er den Auftrag, einen Landesverräter zu enttarnen. Auf seinen zweckgebundenen Reisen lernt er anständige und weniger anständige Menschen kennen und stolpert von einem persönlichen Brennpunkt zum nächsten...

Es gibt Bücher, bei denen ich am liebsten nie ans Ende käme, so gut gefallen sie mir. Bei dem neuen Roman von William Boyd war das leider nicht der Fall. Dabei klang der Klappentext so vielschichtig wie tiefgründig. Entpuppt hat sich die Geschichte dann aber schnell als eine merkwürdige Ansammlung von Themen, die nicht recht zusammenpassen wollten. Jedenfalls nicht auf die Art und Weise, in der William Boyd sie miteinander zu verknüpfen versucht. Mal geht es auf einer Handvoll Seiten um den Parallelismus in der Psychoanalyse, dann liegt Lysander ebenso kurzzeitig im Schützengraben herum, um im nächsten Moment mit seiner Mutter einen gemütlichen Plausch in ihrem Garten zu halten. In regelmäßigen Abständen werden auch seine sexuellen Bedürfnisse und Ängste erneut aufgegriffen. So flapsig, wie ich es geschrieben habe, stellte sich mir persönlich die Handlung auch wirklich dar. Alles sehr oberflächlich und stark vereinfachend präsentiert. In letzter Zeit fallen mir immer öfter Romane in die Hände, die nicht sonderlich viel Umfang haben, aber umso mehr verschiedene "weltbewegende" Themen darin unterbringen wollen. Wo ist die packende Intensität so manch früherer Werke geblieben, wie z.B. bei Boyds "Eines Menschen Herz"? Keine positive Entwicklung!

Zwischendurch wechselt der Autor des Öfteren zwischen der Perspektive des Ich-Erzählers und der dritten Person. Erstere Passagen sind mit "Autobiographische Untersuchungen" überschrieben und sollen Lysander durch ihre Tagebuchform dabei helfen, sein Seelenleben leichter zu erforschen. Der tiefere Sinn dahinter erschloss sich mir jedoch nicht, da die betreffenden Textstellen für mich im Grunde nur eine geringfügig abgeänderte Wiederholung bereits geschilderter Ereignisse darstellten. Den Anfang und das Ende erzählt ein Unbekannter, dessen Identität im Dunkeln bleibt. Neben mehreren eingestreuten sinnfreien Gedichten von Lysander wirkten diese Besonderheiten im Erzählstil auf mich übertrieben künstlich und auf eine beinahe karikierende Art intellektuell. Ich fühlte mich von William Boyd etwas auf den Arm genommen und an sein Buch "Nat Tate" erinnert.

Zwei Dinge muss ich dem Autor jedoch lassen. Erstens hat er sehr gute Recherchearbeit geleistet, was die historischen Details in Bezug auf Mode, Essen und Getränke, Kunstströmungen und ähnliches anbelangt, zum Zweiten verfügt er über ein enorm ausgeprägtes, ästhetisch orientiertes Sprachgefühl und das Erzählte liest sich sehr angenehm. Eventuell hat er sich zu sehr auf seine Rahmenhandlung konzentriert, denn die Figuren des Romans bleiben allesamt blass und farblos. Leere Hüllen, die eine langweilige und arg konstruierte Handlung transportieren. Lysander habe ich seine etwas härteren Seiten nicht abgekauft, sowenig ließen sie sich für mich mit seinem ansonsten extrem weichen, manchmal weinerlichen Wesen vereinbaren. Auch hier hätte der Autor bessere Arbeit leisten können. Was Boyd seiner Leserschaft mit "Eine große Zeit" sagen will, ist mir schleierhaft. Das Buch hat mich leider emotional nicht im Geringsten angesprochen und ich gebe ihm nur aufgrund der zu Beginn des Absatzes angesprochenen positiven Aspekte gutgemeinte 3 Sterne.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 17. März 2012
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Ich oute mich hier als jemand, dem der Roman nicht gefallen hat. Warum ist das so?
Ganz einfach deshalb, weil ich die Story sehr an den Haaren herbei gezogen finde u. darüber hinaus hat sie viel zu viele Längen, was ich absolut nicht mag.
Kennen Sie das auch? Geschichten, bei denen zu ausschweifend beschrieben wird? Bei denen man darauf wartet, daß die Handlung endlich weitergeht? Erzählstränge bei denen viel gesagt u. doch nichts Wissenswertes erzählt wird? Genauso ein Roman ist das hier meiner Meinung nach.
Andere mögen das anders sehen, die Geschmäcker sind nun mal verschieden.
Allein der Plot arbeitsloser Schauspieler reist nach Wien um sich dort vor über 100 Jahren wegen Orgasmusproblemen behandeln zu lassen, das ist doch schon dermaßen konstruiert (Sex sells), daß ich einen Lachanfall kriegen könnte, wen bitteschön interessieren denn schon die Orgasmusprobleme von irgendeinem hergelaufenen Schauspieler, geht's noch? Uninteressanter geht es wirklich nimmer, u. dann die "Heilung" ist ebenfalls klischeeartig, u. das von William Boyd, ich bitte Sie!
Als ob dies alles noch nicht reichte, mußten auch noch Agenten auf den Plan treten u. den armen Schauspieler zwischen Spionagemächten aufreiben. Nein, das ist mir dann doch zuviel des "Guten" gewesen, ich mußte passen.
Darum kann ich das Buch auch überhaupt nicht empfehlen, außer um einen wackeligen Tisch abzustützen vielleicht, aber sonst? Wirklich nicht.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 8. März 2012
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Inhalt:
Wien im Jahre 1913: Der Schauspieler Lysander Rief ist nach Wien gereist, damit er mit der verhältnismäßig neuen Methode der Psychoanalyse von einem Problem befreit wird, das ihn plagt. In der Praxis von Dr. Bensimon trifft er auf die charismatische Künstlerin Hettie, die er am selben Tag unverhofft in einem Geschäft für Künstlerbedarf wieder trifft, die ihn umgarnt und schließlich dafür sorgt, dass er Wien eilig wieder verlassen muss.
In der Zwischenzeit bricht der erste Weltkrieg aus, Lysander erlebt den Krieg hautnah und wird schließlich in eine Spionagegeschichte verwickelt.

Mein Eindruck:
Auch in William Boyds neuem Roman gelingt es dem Autor, eine glaubwürdige Geschichte mit lebensnahen Protagonisten und in anspruchsvoller Sprache zu erzählen. An 'Eine große Zeit' hat mir besonders die Beschreibung der Stimmung in verschiedenen europäischen Städten kurz vor und während des ersten Weltkrieges gefallen. Vor allem die Atmosphäre im Wien hat William Boyd meiner Meinung nach sehr gut eingefangen.
Im Vergleich zu früheren Romanen wie 'Ruhelos' und 'Einfache Gewitter' empfand ich 'Eine große Zeit' jedoch als weniger fesselnd, etwas langatmiger und weitschweifiger. Meines Erachtens hat sich weder die Geschichte um Lysanders Problem und seine Zeit in Wien noch die Beschreibung der Kriegswirren und die Spionagegeschichte wirklich entfalten können.

Mein Resümee:
Ein guter, aber meiner Meinung nach nicht der beste Roman William Boyds.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. November 2013
Im Sommer 1913 reist Lysander Rief, ein junger britischer Schauspieler, in die Hauptstadt Österreich-Ungarns. Leidlich erfolgreich, attraktiv und mit einer adretten Aktrice verlobt, scheint Rief keine weltbewegenden Probleme zu kennen bis auf eines: In Wien soll ihm ein renommierter Seelenarzt helfen, eine delikate Erkrankung, vermutlich mit psychischen Ursachen, zu kurieren. Noch in seinen ersten Tagen in der Donaumetropole begegnet Rief in der Praxis des Arztes neben einem britischen Offizier der quirligen, lebenslustigen und hochspontanen Hettie Bull. Was sich anfangs als persönliche, dramatische Geschichte von Vernarrtheit und Ehebruch entwickelt, bekommt in den Tagen des herannahenden Weltkrieges eine politische Dimension, und der Leser kann Lysander Riefs Spur durch England, Frankreich und die Schweiz verfolgen. Der Show-down dieser Geschichte von Verrat und Täuschung soll jedoch Jahre später in London stattfinden.

Zuerst: „Eine große Zeit“ ist ganz ohne Zweifel ein cleveres, fesselndes Buch - und es liest sich wie geschnitten Brot.

Allem voran begeistern interessante Figuren, eine dichte, mit viel Mühe beschriebene Atmosphäre und ein Handlungsfaden, der es beinah unmöglich macht, das Buch wieder hinzulegen. Boyd verwendet viel Zeit auf die detailgetreue Schilderung des Gesamtbildes. Kleidung, Architektur, Landschaft, nichts wirkt schablonenhaft, sondern alles trägt zu der Lebendigkeit der Geschichte bei („Sie trug ein magentarotes Stadtkostüm mit taillenkurzer Jacke und Humpelrock. Im Ausschnitt ihrer Seidenbluse steckte ein Nickituch, ein violettrotes Samtbarett, dunkler als ihr Kostüm, saß schräg auf ihrem Kopf.“, S. 385). Coole Gestalten wie Lysanders Onkel Hamo - Offizier, Kriegsheld, Forscher, Schriftsteller, leicht introvertiert und in wilder Ehe mit seinem westafrikanischen Assistenten Femi lebend – sind wirklich ein Gewinn und machen es außerordentlich einfach, in Lysander Riefs Europa anno 1913 einzutauchen.

Freunde einer realitätsnahen Geschichte werden trotzdem etwas zu kritisieren finden. Manche Wendung in der Handlung geschieht zu abrupt und öfter als einmal frug ich mich, wie Rief (der Schauspieler!) zu den Dingen in der Lage ist, die er im Dienste ihrer Majestät plötzlich tut. Irgendwo im Klappentext heißt es, es gehe um einen Spionageroman und um die „Erkundung der Tiefen menschlicher Psyche“. Damit tut man Boyd Unrecht, wie ich finde. Atmosphäre, lebendige Figuren, Spannung, komplette, sehr authentische Biographien aus dem Nichts erzeugen, das kann er großartig. Ernsthafte Innenschau und tiefe Erkenntnis sind eher nicht sein Metier. Und so darf Boyd Sätze schreiben, die auch ein bisschen trivial sind, im Kontext aber nicht so wirken (S. 429):

„Sind wir nicht alle Schauspieler? Zumindest in unseren wachen Stunden. [..] Niemand kann sagen, was echt ist. Darüber gibt es keine Gewissheit.“
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 12. März 2012
Woran spürt man eigentlich, dass ein süffig geschriebener Roman mit Spionagenote, wirklich gut ist? Man könnte sagen, dass bei Boyd der Hauptprotagonist eine Person ist, mit der man sich gerne identifiziert, weil sie einen mitnimmt in eine Welt, die man mit ihm zusammen abenteuerlich erlebt. Man merkt es aber auch an der Nachwirkung, an dem wie der Roman noch ein einem weiter wirkt, schwingt und lebt. Boyd schafft es unübertrefflich, raffiniert zu komponieren, verschiedene Ebenen aufzublättern, wo am Ende wieder alles zusammen kommt, sprachlich gut geschrieben, mit einem subtilen Sog an Spannung, die sich mit fortschreitender Seitenzahl immer mehr zu steigern schafft. Boyd gehört für mich schon längst zu jenem Genre, wo man sich auf den Autor verlassen kann, weiss dass der Autor sein Handwerkszeug beherrscht und gut geschriebene Unterhaltung, einer Prise Psychologie, und klasse gemachtem Plot eigentlich alles liefert, was einen Roman lesenswert macht.

Boyd erzählt aus zwei verschiedenen Erzählebenen. Zum einen der des Erzählers, zum Anderen aus der Ich-Perspektive, die wie ein Tagebuchstil anmutet, jeweils mit der Überschrift "Autobiographische Untersuchungen" einleitend. Wir sind in Wien im Jahre 1913, der junge englische Schauspieler Lysander Rief, nimmt sich eine Auszeit, reist von London nach Wien, begibt sich dort in psychoanalytische Behandlung bei Dr. Bensimon, der bei Freud seine Ausbildung genoss. Lysander hat Stress mit seiner Se*ualität und seiner Verlobten Blanche. Als er in der dortigen Praxis die attraktive Hettie kennen lernt, zu der er sich hingezogen fühlt, gerät Lysander in einen Strudel von Problemen, die sich zwischen Anschuldigung, Flucht, dem Versuch eine Beziehung aufzubauen, und der politischen Situation angesichts des nahenden 1. Weltkriegs ihn letztendlich immer tiefer in die Rolle eines Agenten drängt, obwohl seine berufliche Absicht eigentlich der Schauspielerei gilt. Lysander kämpft um sein Leben, erweist sich als vortrefflicher Agent, will die Mitte in sich selbst finden, und dann sind da noch verschiedene Frauen, zu denen er eine er*tische Anziehung verspürt...

Fazit: Ähnlich wie Einfache Gewitter, begeistert dieser Roman, durch einen sympathischen Protagonisten, mit dem man sich gerne identifiziert, und als Leser wie gemeinsam mit ihm zusammen die bestehenden Abenteuer und Prüfungen zu bestehen hat. Ein Roman der ein Licht auf die Zeit von 100 Jahren wirft und dies eindrücklich, anhand der beschriebenen Atmosphären schafft. Eine einfühlsame wie raffinierte Psychologie mit subtiler thrillerhafter Spannung verschafft diesem Roman einen Lesesog, den ich nicht oft bei Romanen finde, Boyd schafft das allemal. "Eine grosse Zeit", ist ein gut geschriebener Roman, der mit so mancher unvorhersehbaren Überraschung aufwartet und verblüfft. Eine Story, wo man bis zur letzten Seite mit Lysander bangt, hofft und nicht weiss, wie es letztendlich ausgehen wird. Man fiebert mit und wird regelrecht davon nicht mehr losgelassen. Boyd ist ein souveräner Autor, der sein Handwerk ganz einfach versteht und anständige Unterhaltung, in gut geschriebener Sprache liefert, Nachwirkung inklusive. Volle Punktzahl für eine klasse gemachte Story, die in einem noch weitergeht, obwohl man längst das Buch zugeschlagen hat..

Empfehlung.
11 Kommentar| 9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. März 2012
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Nachdem mich schon der Roman 'Einfache Gewitter' von William Boyd schwer begeistert hat, habe ich mich mit großer Vorfreude auf seinen neuen Roman gestürzt. 'Eine große Zeit' (im Original: 'Waiting for sunrise') ist zur Zeit des 1. Weltkriegs angesiedelt, wobei sich der Leser auf eine Reise durch Europa - von Wien (1913) über London (1914) bis nach Genf (1915) - begibt.

Story:
Wien, August 1913: Der Londoner Lysander Ulrich Rief (seine Mutter ist Österreicherin) hat ein pikantes Problem, wofür er einen Spezialisten sucht. Diesen findet er in Dr. Bensinom, der seinen Sitz in Wien hat. Rief wirft seine Zukunftspläne über den Haufen, kratzt seine Ersparnisse zusammen und reist von London nach Wien. Sein Leben nimmt eine bedeutende Wendung, als er im Wartezimmer auf die Künstlerin Hetti Bull trifft, von der er den Blick nicht mehr lassen kann ('Die Augen eines Löwen [...]. Im Namen trug sie aber den Bullen.', S. 22). Ziemlich schnell ergibt sich daraus eine Affäre. Sein Leben nimmt plötzlich eine schicksalhafte Wendung, als er der Vergewaltigung von Hetti bezichtigt und verhaftet wird. Mit Hilfe der britischen Botschaft gelingt Rief die Flucht zurück nach London. Von hier an nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Rief, nach seiner Flucht nicht nur hoch verschuldet, steht tief in der Schuld der britischen Regierung. Um seine Schuld zu tilgen, nimmt er einen 'Spezialauftrag' an, der ihn in das beschauliche Genf führt. Dabei deckt er nach und nach ein Netzwerk aus Abhängigkeiten und Lügen auf. Wem kann er noch trauen?

Kritik:
Boyds Roman ist wortgewaltig von der ersten Seite an. Seine Beschreibungen sind intensiv und detailreich, jedoch so authentisch und bildhaft (z. B. 'zitronengelbes Sonnenlicht', 'ochsenblutrote Schuhe'), dass man das Gefühl hat, man würde sich direkt vor Ort befinden: 'Auf der Bank im Hofgarten [...| auf der er [...] gesessen und in einem Anfall rasender Unentschlossenheit ein Blumenbeet angestarrt hatte.' (S. 13). Der Roman wartet zudem mit vielen unerwarteten Wendungen auf und stellt die sympathische und vielschichtige Figur des Lysander Rief vor eine Vielzahl von Herausforderungen, die er meistern muss. Besonders sind auch die kleine Details, die gekonnt in die Handlung einfließen, z. B. die 'zufällige' Begegnung Riefs mit Sigmund Freud in einem Café-Haus. Im Vergleich zu 'Einfache Gewitter' ist der Roman jedoch an einigen Stellen etwas ausschweifend und daher nicht immer ganz so fesselnd.
Daher: 4 von 5 Sternen.

Fazit:
'Eine große Zeit' ist eine gelungene Mischung aus Psychoanalyse und Spionageroman inszeniert vor der Kulisse des 1. Weltkrieges. Einzigartig und absolut lesenswert.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 9. April 2012
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Ohne Zweifel kann William Boyd schreiben. Sehr schnell befindet man sich innerhalb seiner Geschichte und die Zeit des ersten Weltkrieges, die er sich als Rahmen erwählt hat, bietet reichlich Stoff für Spannung und Lokalkolorit. Und dennoch fehlt mir etwas. Zum einen werde ich nicht wirklich schlau aus dem Hauptcharakter Lysander Rief. Ist dieser nun Opfer oder Täter, Schauspieler oder Spion, Liebender oder Einzelgänger???
Zu Beginn der Geschichte leidet er an sexuellen Problemen und reist nach Wien, um diese im Dunstkreis der Psychotherapie von Sigmund Freud, dem er im Roman sogar leibhaftig begegnet, zu heilen. Dabei lernt er eine junge Frau kennen, mit der das sexuelle Problem nicht mehr auftaucht. Hier verschenkt der Autor eine große Gelegenheit, denn auch hier reist er nur Dinge an, führt diese aber nicht aus. Nicht hü noch hott. Die Geschichte nimmt immer wieder kaum nachvollziehbare Wendungen, die nur durch den Charakter von Lysander Rief zusammengehalten werden. Letztlich weiß ich nicht genau, was uns der Autor eigentlich mitteilen will, noch wo die Geschichte hinführen soll. Da sie aber durchaus spannende Momente hat und ein gewisses Lesevergnügen bietet, gibt es von mir gerade noch so 3 Punkte.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
HALL OF FAME VINE-PRODUKTTESTERam 9. April 2012
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Viele Leser kennen den in Ghana geborenen kongenialen Erzähler William Boyd von seinen Kurzgeschichten oder den Romanen "Ruhelos", "Einfache Gewitter" und "Nat Tate". Jetzt ist sein neuester Roman "Eine große Zeit", in einer fabelhaften Übersetzung aus dem Englischen von Patricia Klobusiczky, erschienen.
Der Protagonist Lysander Rief ist ein in London lebender junger Schauspieler. Nachdem er sich mit seiner Schauspieler Kollegin Blanche verlobt hat muss er zu seinem großen Entsetzen feststellen, dass er unter einer Anorgasmie leidet. Seine Versuche mit jungen Dirnen bringen keine Besserung.
Er verlässt London, reist nach Wien in die Stadt Sigmund Freud, um dort voller Defätismus bei Dr. Bensimon eine Therapie zu beginnen. Hätte vielleicht auch eine Pilgerfahrt nach Lourdes geholfen? Der Psychiater empfiehlt ihm eine Chronik der Träume anzulegen, und zusätzlich alle Eindrücke und Beobachtungen so zeitnah wie möglich schriftlich festzuhalten. Mit Hilfe dieser autobiografischen Untersuchungen und der Parallelismus - Theorie sollte der Strom der Lust erzeugt werden können.
Im Wartezimmer von Dr. Bensimon begegnet Rief eines Tages der extravaganten Künstlerin Hettie Bull, die ihn nicht nur in die Welt der Wiener Künstlerszene entführt, sondern ihn in ihrem Atelier in Ottakring nach einer männlichen Genitalstudie plötzlich von seinem Leiden befreit. Sie hatte so Riefs psychosomatisches Problem endgültig gelöst. Doch Betörung und Unaufrichtigkeit durch die labile Hettie sowie ein von ihr entworfenes haltloses Lügengespinst bringen Rief in eine verzweifelte Lage und treiben ihn schließlich in die Arme von zwei britischen Agenten, die dem inzwischen rechtskräftig Verurteilten bei der Flucht aus dem Gefängnis in Wien helfen. Über Triest gelingt ihm die Einreise in England, wo er wieder Kontakt zu Theater und Familie aufnimmt.

Zwischenzeitlich ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen und Rief wird von seiner Wiener Vergangenheit eingeholt. Nach einem vorgetäuschten Kampsfeinsatz soll er in der Identität eines Schweizer Eisenbahningenieurs in der Genf nach dem Maulwurf im Führungsstab suchen, der aus den Reihen der englischen Verschickungsabteilung, mit Hilfe eines raffinierten aus kryptischen Akronyme - Codes, den Feind über geplante Angriffe informiert.

Welches Spiel die britischen Agenten Munro, Fyfe Miller und deren Vorgesetzter Massinger betreiben, was der Auftrag der geheimnisvollen Madame Duchesne auf sich hat, was Zirkusdirektor und Freudenfeuer miteinander verbindet, was Rief in Genf erwartet, welche Tantalusqualen er erleidet und wer schließlich die gesuchte Andromeda ist, das alles erfährt der Leser in gekonnten Versatzstücken.

Rief ist schließlich auch sogar bereit sich für seine Mutter zu opfern, die das jedoch durch eine ganz rationale Vorgehensweise verhindert. Onkel Hamo, der Major, der 1900 im Zweiten Burenkrieg das Viktoriakreuz verliehen bekam, rettet Rief das Leben. Am Schluss dieses spannenden Romans ist er ein Mann, der sich im Schutz der Dunkelheit wohlfühlt, nachdem er die ersehnte Geborgenheit im Schatten eines opaken Nachthimmels gefunden hat.

William Boyd hat mit "Eine grosse Zeit" einen bravourösen Spionageroman geschrieben, der nicht nur die Kriegswirren des Ersten Weltkriegs fokussiert, sondern gleichzeitig die Abgründe menschlicher Psyche spiegelt, ein Roman der fieberhafte Unruhe und Unrast im Würgegriff des Ersten Weltkriegs meisterhaft beleuchtet. Ein Lesemagnet das zunehmend Fahrt aufnimmt und dann ein nicht nachlassendes Tempo bis zur letzten Zeile beibehält. Es fällt dem Leser mit Sicherheit schwer dieses Buch aus der Hand zu legen. Ein echter Page - Turner, mit seiner fesselnden, verwirrenden, tiefgründigen Handlung, nervenaufreibend bis zur letzten Seite. Packende Szenarien und interessante Artikelüberschriften. Meine emphatische Leseempfehlung.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 22. Juni 2012
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Ein gutes Buch ist was Wunderbares. Eine spannende, logisch strukturierte, toll erzählte Geschichte mit sympathischen Charakteren, für die man genau die richtigen Gefühle empfindet, lassen schnödes Papier zwischen zwei Buchdeckeln zum Leben erwecken. Unter dem Berg an jährlichen Neuerscheinungen befindet sich natürlich viel qualitativer Mist. Es ist schön, wenn manche Schriftsteller eine sichere Bank bieten und man sich beim Kauf des neuen Werkes sicher sein kann, dass einem ein Leseerlebnis der besonderen Art erwartet. Ein solches bietet "Eine große Zeit" von William Boyd.

Nach seinen letzten wahrlich großartigen Romanen "Einfache Gewitter", "Ruhelos" und dem brillanten "Eines Menschen Herz" entführt uns der Fabuliermeister ins Wien der 1910er Jahre und lässt uns am Leben seines Protagonisten Lysander Rief teilhaben. Besagter Schauspieler ist aus London in die österreichische Hauptstadt gereist, da er ein pikantes Problem hat und dies vor seiner Hochzeit gerne geklärt wissen möchte. Als er im Wartezimmer des Psychiaters Dr. Bensimon auf Hettie trifft, verändert sich sein Leben schlagartig...

Boyds Schreibstil ist nach wie vor herausragend. Die Kunst mit Sätzen zu jonglieren, in ihnen mehr als nur den vermeintlich eindeutigen Inhalt zu verbergen und nebenbei einen vielschichtigen Charakter mit all seinen Schwächen und Stärken vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen, beherrscht er gekonnt. Kurz: Das Lesen macht Spaß. Die Seiten fliegen einem durch die Finger. Sie werden wissen wollen, wie die Geschichte ihr Ende finden wird. Boyd lässt seinen Protagonisten eine Art Gedankentagebuch (die "Autobiographischen Untersuchungen") schreiben, in dem er notieren soll, was ihn bewegt, was er denkt und fühlt. Durch diesen Clou ist der Leser noch dichter am eigentlich Geschehen und blickt ganz tief in eine (kaputte) Seele. Auch die Beschreibung von Wien mit seinen Bewohnern ist atmosphärisch so dicht, dass Sie stellenweise den Eindruck haben werden, dass William Boyd eine Zeitmaschine entwickelt und Sie mit nach Wien der 1910er Jahre genommen hat.

"Eine große Zeit" entwickelt sich nach und nach zu einem Agenten-/Spionageroman, in dem Lysander einige Abenteuer zu bestehen hat. Diese Komponente ist ein stilistischer Bruch in der Geschichte, der sich zweifelsohne spannend liest. Leider hält sich meine Begeisterung für dieses Subgenre des Thrillers arg in Grenzen, wodurch meine vorherige überbordende Begeisterung etwas gedämpft wurde. Verstehen Sie mich nicht falsch, auch in der zweiten Hälfte des Romans ist er ausgesprochen lesenswert, verliert für mich aber ein wenig im Vergleich zum tollen Anfang.

William Boyd ist mit "Eine große Zeit" ein interessanter, literarisch niveauvoller Pyscho-/Spionageroman gelungen, der stes unterhält, wahnsinnig gut geschrieben und fesselnd ist. Er kann schreiben, der Mr. Boyd. Der Beweis: "Eine große Zeit".
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

Ruhelos
9,99 €

Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken