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Gunter Dueck ist Mathematik-Professor und IBM-Manager. In diesem Buch beschreibt er seine Ideen, wie eine technologische Modernisierung Deutschlands hin zu einer, wie er es nennt, "quartiären Wissensgesellschaft" aussehen könnte. Die früheren Stufen sollen Agrar, Industrie und Dienstleistung gewesen sein.

Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren macht sich der Autor Gedanken über einen langfristigen Wandel der Gesellschaft. Aus der zunehmenden Bedeutung von Internet und Knowhow folgert er, dass mehr Bildung für alle und ein schneller Ausbau von Internetverbindungen nötig sind. Von 1950 bis heute sei der Anteil der in der Landwirtschaft Tätigen von rund 50% auf 2% gesunken (S. 16). So ändern sich die Verhältnisse, doch unser politisches System passt sich nur mit Verzögerung an.

Der Trend der letzten Jahre zur Rationalisierung von Arbeitsplätzen und der Bildung führt zu einer Verschlechterung der Qualität, argumentiert Dueck einleuchtend. Das 12-Jahre-Abitur ist kein besseres Abitur, und nötig wäre stattdessen ein Abitur für alle. Für manche mag das utopisch klingen, aber nach der Lektüre dürfte klar sein, dass gerade dieser Ausbau des Bildungssystems der einzige Weg ist, der Zukunft gerecht zu werden. Knowhow-Träger sind selten arbeitslos.

Hinweis zum Begriff "Luxemburger Deutsch" auf S. 119: In Luxemburg wird sowohl Deutsch als auch Luxemburgisch gesprochen.

Gunter Dueck weist darauf hin, dass Faktoren wie Highspeed-Internet über den Erfolg in den nächsten Jahrzehnten entscheiden. Autobahnen und Elektrifizierung reichen in Deutschland nicht mehr aus:
- Warum müssen etwa Millionen von Fluggästen ihre Zeit am Flughafen mit Warten vertrödeln, was sich durch bessere Organisation vermeiden ließe?
- Wie kann es sein, dass viele Schüler in der Oberstufe so unter Druck gesetzt werden, dass sie keinen Spaß und kein eigenständiges Interesse mehr am Lernen entwickeln? Gleichzeitig ist Bildung die entscheidende Kompetenz in der Zukunft.
- Technologien wie Umwelttechnik und Informationstechnik werden erheblich an Bedeutung gewinnen, daran gibt es kaum einen Zweifel. Doch in Deutschland werden diesen Entwicklungen eher Steine in den Weg gelegt, etwa bei Internetsperren oder dem Verbot freier WLANs.

Das Buch ist voll mit Jargon-Begriffen wie Effizienz, Ressourcen, Multi-Kompetenz, Innovation, Partizipation usw.. Einen Haken hat Dueck selbst erkannt und als "Fat Smoker Syndrome" charakterisiert: Der dicke Raucher weiß, dass er ungesund lebt, aber lebt trotzdem unverändert weiter. Ähnlich zeigt Dueck Schwächen der aktuellen Politik und Gesellschaft auf, ohne dass dies Wirkung haben muss.

Die Erkenntnisse aus dem Buch müssen also noch politisch durchgesetzt werden.
77 Kommentare| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. April 2010
Man muss sich schon ins Zeug legen, um Gunter Dueck nur zwei lumpige Sterne zu geben, denn er ist ein kluger Kopf und Vordenken. Was er sagt, ist wohlüberlegt und basiert auf einem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Seine Theorien greifen Bewiesenes aus den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen auf und vereinen sich zu einer umfassenden und anschaulichen Zukunftsvision, für die ihm die fünf Sterne-Bewertungen nur so zufliegen. Auch ich bin ein großer Fan seiner Bücher - bisher. Leider hat seine Theorie mit-der-Exzellenzgesellschaft-schließen-wir-die-Einkommensschere einen Haken: Sie funktioniert nicht und lässt sich mit Zahlen widerlegen.

In Deutschland werde zu wenig für die Bildung getan. Frage: Hat schon mal irgendwer in Deutschland dafür plädiert, dass bei der Bildung gespart werden muss? Im Gegenteil überbieten sich die Parteien mit Bekenntnissen zur Bildungsförderung. Faktisch werden jedoch seit Jahren die Anzahl der Schulen und die Lehrstühle, die Anzahl der Schul- und Studienjahre gekürzt sowie Studiengebühren und Büchergelder eingeführt. Außer dem Minister, der dies leidenschaftlich im Namen der Qualitätssteigerung verkaufen muss, sind sich alle betroffenen Eltern, Schüler, Studenten und Fachleute in erstaunlicher Übereinstimmung einig, dass das Gegenteil der Fall ist und die Qualität sinkt. Also was wird sich ändern, wenn auch noch Gunter Dueck in dieses Horn stößt und die innovativen Forderungen "Abitur für alle" und "jeder muss studieren" verbreitet? Die Frage, die man stellen muss, lautet vielmehr: Welcher Zwang treibt unser Führungspersonal in der Bildungspolitik zu solch unpopulären Entscheidungen? Der Nachhilfesektor boomt, weil es den Eltern jeden Preis wert ist, ihre Kinder zu fördern. Die Hauptschule stirbt aus. In manchen Landkreisen beträgt die Abiturquote bereits über 90%, Tendenz steigend. Deutschland ist konkurrenzfähig wie kaum ein anderes Land. Allen Pisa-Offenbarungseiden zum Trotz ist einer der wichtigsten Standortvorteile Deutschlands das hohe Niveau seiner Fachkräfte, die spielend mit allen Technologiewechseln mithalten. Fakt ist, dass wir schon lange auf dem Weg in eine Art Exzellenzgesellschaft sind.

Aber wirkt diese Entwicklungstendenz der von Gunter Dueck beschriebenen Aufspaltung der Gesellschaft tatsächlich entgegen? Die Absolventenzahlen in den MINT-Fächern sind seit Jahren rückläufig. Erwartet die verbliebenen erfolgreichen Absolventen nach dem Studium eine Horde verzweifelter Human Ressource Recruiting Manager, die ihnen die hoch und höher dotierten Jobangebote nur so um die Ohren haut? Nein, die Absolventen müssen sich mit Praktikanten- und Zeitverträgen abspeisen lassen, da die Human Ressources es sich leisten können, ihr Geld mit dem Drücken der Einstellungsgehälter und dem Erhöhen der Arbeitszeit der Stammbelegschaft zu verdienen. Trotz sinkender MINT-Zahlen sind aktuell in den Medien keine Rufe nach Computer-Indern hörbar. Dies ist weniger dem Erfolg kluger Rüttgers Wahlkampfslogans als vielmehr der Tatsache geschuldet, dass der Exportmotor Deutschlands derart brummt, dass den anderen Euro-Europäern Hören und Sehen vergeht, weil sie ihre Konkurrenzfähigkeit verlieren. Nicht Absolventen-Mangel füllt die Schlagzeilen, sondern Klagen der Europäer über eine zu schlechte Bezahlung der deutschen MINT-Belegschaften. Zu schlechte Bezahlung in Zeiten des Mangels hochqualifizierter Arbeitskräfte??? Und wenn jetzt alle studieren und die Absolventenzahlen steigen, dann steigen auch die Löhne? Das einzige, was steigen wird, sind die Schulden der Staaten, die immer mehr Güter aus dem immer effizienter produzierenden Deutschland importieren, wie Griechenland, Portugal, Irland oder Spanien.

Oder das Pferd mal anders aufgezäumt: Die Arbeitslosigkeit der unter 25 jährigen liegt in Deutschland bei sehr konkurrenzfähigen 10%. Im Dueck-gelobten Land Schweden sind es satte 26% und selbst Pisa-Dauersieger Finnland leistet sich 23% Jugendarbeitslosigkeit. Stellt sich die Frage, ob der Zusammenhang zwischen Bildung und Beschäftigung wirklich so linear ist, wie Gunter Dueck argumentiert. Warum kommen die durch Exzellenz geschöpften Werte nicht bei Ihren geistigen Schöpfern an, wie das in einer Marktwirtschaft zu erwarten wäre? Gunter Duecks scheinbar plausible Theorien funktionieren schon heute nicht! Auch ein mehr davon wird keine Wende bewirken. Aber warum?

In Deutschland sind der Staat, die Unternehmen und die privaten Haushalte verschuldet. Der Staat und die Unternehmen zahlen ihre Zinsen nicht selbst, sondern legen sie über Steuern bzw. die Preise auf die privaten Haushalte um. Man könnte spaßeshalber mal berechnen, wie viele versteckte weil umgelegte Zinsen in den Verbraucherpreisen stecken. Helmut Creutz hat das getan und kommt je nach Berechnungsmethode zu einer Zahl von bis zu satten 46% (vgl. Helmut Creutz: "Die 29 Irrtümer rund ums Geld"). Das muss man sich mal wirklich ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Neben dem renditegeilen Manager und dem geizgeilen Kunden steht die Verschuldung als große Schwester, die alle Marktteilnehmer zum Sparen und zur Effizienzsteigerung zwingt, denn die Zinsen für die Kredite müssen letztendlich aus den geschöpften Werten bezahlt werden. Angesichts dieses prächtigen Stückes, das fast die Hälfte vom Kuchen ausmacht, fühlt man sich als verschämter Aldi Kunde schon gar nicht mehr so schlecht, oder? Gunter Duecks Verbraucher- und X-Menschen- Schelte relativiert sich zur Nebensächlichkeit, denn es sind wesentlich die Zinszahlungen, die Managern und Politikern das Sparen aufzwingen und ihnen ihre Entscheidungsspielräume nehmen. In Zahlen ausgedrückt: 1965 wurden über 20% der Steuereinnahmen in Deutschland investiert, heute sind es gerade mal etwas mehr als 5%. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Schuldzinsen der öffentlichen Haushalte von unter 5% auf fast 20%. Ja, unsere Volksvertreter machen Fehler und fördern das Falsche oder tätigen Fehlinvestitionen, das kann man kritisieren. Aber in erster Linie drehen ihnen die Zinsen den Kapitalhahn zu.

Jetzt muss natürlich geklärt werden, wer die ganzen Zinsen bekommt. Die gute Nachricht: Wir alle! Die Schlechte: Die Verteilung ist leider nicht sehr demokratisch. Berechnet man die Differenz zwischen den Zinsen, die die Haushalte als Sparer bekommen und denjenigen, die die Haushalte (direkt oder auf Preise umgelegt) zahlen, ergibt sich ein aussagekräftiges Bild: 80% der Haushalte sind Nettozahler, bei 10% halten sich Zinsausgaben und -einnahmen in etwa die Waage und 10% sind Nettoempfänger. Um diese Schere zu schließen, muss man die Nettozahler zumindest auf das Niveau der Zinsneutralen heben. Und hier liegt das Problem: Um zu den zinsneutralen Haushalten zu gehören, muss ein Haushalt mindestens zu den Top 20% der Einkommensbezieher gehören. Blöderweise liegt diese Schwelle irgendwo im Bereich dessen, was zwischen dem unteren und dem mittleren Management verdient wird. Die Exzellenzgesellschaft müsste also die Einkommen auf breiter Ebene auf das Niveau von Führungskräften heben. Und hier liegt der Haken von Duecks Theorie. Der Achsenpunkt der sich öffnenden Schere liegt nicht zwischen Gymnasium und Hauptschule, sondern im oberen Fünftel der Gesellschaft. Diese lange Schneide der Schere wird die Exzellenzgesellschaft niemals zurück in die Ausgangsstellung bewegen können (1950 betrug die Zinsquote ca. 6%).

Gunter Dueck untermauert seine Prophezeiung einer positiven Zukunft mit der Kondratjew-Theorie. Soeben sei der Anfangs-Innovations-Hype im Crash zusammengebrochen und jetzt stehe die lang andauernde Wachstumsphase des Internet-Kondratjew unmittelbar bevor. Leider wird es dieser im "Abschied vom Homo-Oeconomicus" eingeführten These ebenso ergehen, wie dem ebenfalls dort gesungenen hohen Lied auf Toyotas Vorsprung durch Kaizen. Schon in ein paar Jahren wird sich niemand mehr an die Melodie erinnern. Die Banken-Hypothekenkrise war nicht DIE Krise, sie war lediglich die bisher umfassendste. Ob Japan-Krise, Tequilakrise, Krise der Tigerstaaten, oder Platzen der Dotcom-Blase, mit schöner Regelmäßigkeit platzt etwa alle fünf Jahre irgendwo auf der Welt eine Spekulationsblase. Die Tendenz der Amplitude ist dabei steigend. Gegenhypothese: Die Kondratjew-Zyklen sind Geschichte, die Weltwirtschaft ist heute in erster Näherung ein schwach gedämpftes schwingungsfähiges System. Die Anregung der Schwingung kommt aus dem weltweit zu den Topeinkommensbeziehern umverteilten Geld, den dieses wird nicht konsumiert sondern "investiert" sprich überwiegend zu Spekulationszwecken verwendet. Die nächste Blase platzt spätestens 2015, wetten dass?!. (Das ist übrigens keine Verschwörungstheorie eines missgünstigen Rezensenten, vgl. hierzu Stefan Kühl "Exit: Wie Risikokapital die Regeln der Wirtschaft verändert")

Ja Dueck, hätte im Prinzip Recht! Bildung muss gefördert werden auf Teufel komm raus! Wir müssen mit dem Bedenkentragen aufhören und in Zukunftstechnologien investieren was das Zeug hält! Aber retten wird das unsere Gesellschaft nicht. Wir haben kein Bildungsproblem, wir haben bestenfalls eine Bildungs-Befindlichkeitsstörung. Was wir haben, ist ein Beteiligungsproblem. Die Deutschen sind so gebildet und leistungsbereit wie niemals zuvor, allen Pisa- und sozialen-Hängematten-Diskussionen zum Trotz. Die breite Masse (und nicht nur die Unterschicht) wird nicht nur immer weniger an den geschöpften Werten sondern vor allem immer weniger an den politischen Entscheidungen beteiligt. In den Unternehmen wird Deutschlands Know-How Elite in Machtstrukturen geführt, die die katholische Kirche vor Neid erblassen lassen. Das alles fällt bei Gunter Dueck unter den Tisch. Er denkt sich ein paar scheinbar plausible Theorien aus und versäumt es, diese mit harten Zahlen und Fakten abzugleichen, die frei verfügbar sind und die tatsächliche Entwicklung belegen. Aus dieser Perspektive tut seine immer wieder durchscheinende Demokratieschelte richtig weh. Zwei Sterne sind dafür schon fast zu viel.
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am 17. Juni 2015
Wären mehr Sterne zu vergeben, hätte ich es getan. In diesem Buch werden neue Wege und Möglichkeiten aufgezeigt, sich einer äußerst schnell wandelnden globalen Welt zu stellen, die durchaus umgesetzt werden können, wenn sowohl der Einzelne als auch die Gesellschaft dazu bereit sind. Und wenn ein Klima der Zuversicht und des Vertrauens im Miteinander besteht. Das Leben ist niemals starr, es ist immer im Wandel. Kreativität, Einsatz und wache Intelligenz können eine Gesellschaft verändern – aufbrechen. Weg von Starrheit hin zu einer lebendigen Gesellschaft voll Respekt und Toleranz, die Herausforderungen wahrnimmt und sich ihnen stellt, Verantwortung übernimmt.
Dass der Weg dahin mit jedem Jahr der Versäumnisse immer beschwerlicher wird, sollte uns nicht davon abhalten, die Ziele anzustreben. Es wird sich lohnen. Das Buch ist unbedingt empfehlenswert, es fordert die Auseinandersetzung und natürlich auch Konsequenzen daraus.
Jeder einzelne kann für sich damit beginnen, also „aufbrechen“.
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am 17. März 2013
"Aufbrechen" ist ein leidenschaftlicher Aufruf zu mehr Zukunft. Trotz aller möglicher Kritik, die ein dermaßen großes Thema immer bereithält, ist es ein Werk, das endlich mal positiv in die Zukunft blickt und Lösungen aufzeichnet, anstatt sich in Klagerei zu winden.
"Aufbrechen" ist eher ein Aufruf zur Tat anstatt eine Einladung zu neuerlichen fruchtlosen Diskussionen über die Fehler eines zusammenbrechenden Kapitalismus. Meine Meinung wäre: der Mann muss Kanzler werden, weil das Land Zukunft braucht.

Meine Einschätzung ist jedoch: Kanzler wird jemand anderes werden, weshalb wir als Gesellschaft wohl eher Slum als Zukunft bekommen werden.
Auf jeden Fall vielen Dank an den Autor, der zeigt, das wir immer noch das Land der Dichter und Denker sein können - auch wenn diese sich politisch nicht durchsetzen werden. Schon allein für diese Erlebnis gibt es fünf Punkte von mir - und nochmal fünf Punkte, wenn daraus eine Partei wird.
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am 5. Februar 2010
wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie alle "Jammerliteratur" wie Die Abwracker: Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen, das Schwarzbuch Deutsche Bahn,Der Crash kommt und alle diese unzählichen Titel zur Seite legen und sich sagen: Hier hat mal jemand verstanden, welche Prozesse derzeit verursacht von Globalisierung, Internet und Computerisierung wirklich ablaufen. Mit Lean Brain Management: Erfolg und Effizienzsteigerung durch Null-Hirn hatte Gunter Dueck schon eine schöne Grundlage gelegt. Jetzt baut er viele Puzzlesteine aus früheren Büchern konsequent zusammen. Der Mathematiker sagt den Nur-BWLern mal wieder, was wirklich passiert.

Die Story in Kürze: Nach der Industrialisierung hat man geglaubt, die Dienstleistungsgesellschaft sei ein Ausweg, um Jobs zu schaffen. Leider ein Fehlschluss, weil wir erleben, wie die einfachen Dienstleistungen schneller automatisiert und wegrationalisiert werden, als die Konversion von statten geht. Wer schon mal was von "Aldisierung" und dem Aussterben der Mitte etc. gehört hat, bei dem werden alle Glocken läuten. Wenn man dann nicht am untersten Ende der Fresskette landen möchte, hilft nur, so viel Bildung zu haben, dass man die Dienstleistungen erbringen kann, die noch nicht automatisierbar sind (und auch so schnell nicht sein werden). Daraus leitet Dueck ab, dass einem rohstoffarmen Land wie Deutschland nur eines bleiben wird: Bildung, Bildung, Bildung! Und macht auch konkrete Vorschläge für Inhalte, Selbstverantwortung, Bürgerbeteiligung. Dueck macht auch schön klar, dass die organisierte Bildungsbulimie von industrialisierten Bachelor und Master-Studiengängen nicht die Lösung sein kann (die Studenten merken es ja auch gerade). Wer also bisher nur ein dumpfes Gefühl hatte, dass es das nicht sein kann, findet hier u.a. auf ein paar Seiten die logisch exakte Argumentation warum es zu nichts führt.

Endlich mal ein Buch, dass es nicht nur bei der Aufzählung von negativen Phänomenen belässt, sondern auch analysiert, warum diese Phänomene auftreten und Wege aufzeigt, wie wir aus der sich abzeichnenden Abwärtsspirale rauskommen. Jammern stoppen - eigener Unternehmer werden - Bildung inhalieren - die Verantwortung kann einem niemand abnehmen.

Dann hoffen wir mal, dass auch möglichst viele Politiker das Buch lesen - dass sich möglichst viele Mitbürger weiterbilden - dass wir nicht in dem kollektiven "Fat Smoker Syndrom" verharren, das der Autor im Schlussteil beschreibt, sondern uns vom Sofa erheben und AUFBRECHEN. Super Buch!!!
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am 14. September 2010
Soviel steht fest: Die Dienstleistungsberufe werden in den nächsten Jahren gnadenlos optimiert und automatisiert. Die Hälfte aller Deutschen muss sich einen neuen Job suchen oder in einen neuen hineinwachsen.
Gunter Dueck legt mal wieder den Finger in die Wunde und beschreibt in gewohnt pointierter und - wie er selber sagt - meanderförmigen Art, dass wir aufbrechen müssen. Aufbrechen zu einer Exzellenzgesellschaft mit Hochbildung für alle, einer Wissens- und Breitenbildungskultur und einer strukturkultivierenden Marktwirtschaft mit integeren, selbstverantwortlichen Menschen, die einen starken Sinn für die Gemeinschaft und für Ethik allgemein mitbringen.
Das Buch rüttelt auf und regt intensiv zum Nachdenken an. Aber es gibt auch konkrete Einblicke in die Welt der Exzellenzgesellschaft, so wie der Autor sie sich vorstellt. Ein tolles Buch.
Viel Spaß beim Lesen!
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Kein Berufspolitiker, kein Bildungsforscher, kein Hochschulökonom: es ist ein gelernter Mathematiker/Informatiker bei IBM, der hier das Thema Bildung und gesellschaftliche Infrastruktur einmal richtig aufzäumt!

Gunter Dueck - ja: einer meiner Lieblingsautoren -, hat auch hiermit einen scharfsinnigen, hoch-intelligenten Band erstellt. Und es murmelt munter das Mantra mit: warum setzt man dies oder zumindest die Mehrheit nicht einfach 'mal um?

Zyniker könnten antworten: weil ein Volk auf Glotze-und-Bild-Niveau nun einmal leichter zu formen und wirtschaftlich auszubeuten sei. Doch beim letzten Punkt widerspräche Prof. Dueck wohl bereits deutlich.
In unserer Gesellschaft ist mittlerweile ein hohes breites Bildungsniveau, eine gute Vernetzungsform und eine hohe Innovationskraft unsere Chance - und die der Unternehmen wie der Steuerverwender. Mit Verdummung zögen wir uns den wirtschaftlichen Boden unter den Füßen weg. Winner-takes-all, so wurde das früher in einem "Blätter"-Artikel beschrieben.

Ähnlich wie früher bei der Elektrifizierung müsste umgekehrt in eine breite bessere Information und Infrastruktur investiert werden. Gut, da könnte Dueck als IBM-ler ein eigenes Interesse haben, doch so wirkt es nicht. Ich wiederhole mich, ja, aber was sagt es über die Akteure aus, wenn es ein Berater von außen ist, der dieses Offensichtliche ausformuliert und uns auf die Agenda setzen will?

Das Buch selbst geht in Richtung von Duecks Erfolgswirtschaftsbuch Abschied vom Homo Oeconomicus. Der Stil ist eher der eines intensiven Vortrags, was daran liegen mag, dass Gunter Dueck als Chef-Technologe IBMs verstärkt als Vortragender zu buchen ist. Es werden wohl eher Firmen sein, die ihn buchen werden - obwohl doch auch und gerade _politisch eingeschlagene Pflöcke unserer Gesellschaft sehr weiterhülfen.

Geblieben ist die stark intuitive, assoziierende Art des Schreibens. Mir persönlich fehlen dieses Mal die Dueckschen Kalauer früherer Bücher ein wenig. Was nichts an den fünf Sternen ändern will, für einen Aufbruch für unsere Gesellschaft einen Dank an den Vor-Denker und Vor-Trekker.
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am 5. Dezember 2013
Endlich bringt es mal jemand auf den Punkt, wie es wirklich aussieht UND wie es aussehen könnte! Let's do it!
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am 23. Mai 2011
"Etwa die Hälfte aller Deutschen wird sich in den nächsten 10 oder 20 Jahren einen neuen Job suchen müssen" (Gunter Dueck in "Aufbrechen" )

Eine solche Entwicklung ist nichts Neues, sagt Dueck. Das ging den Webern vor 200 Jahren so, den Bauern vor 50 Jahren und es wird morgen den Bankern und Versicherungsvertretern so gehen. Dienstleistungen werden automatisiert und dadurch höchstwahrscheinlich sogar besser.

Banken, Fluggesellschaften, Deutsche Bahn - die klassischen Dienstleistungsunternehmen sind seit Jahren dabei, den Kunden-Service zu reduzieren. Wir machen jetzt schon so ziemlich alles selbst. Anfangs ärgern wir uns noch und stellen uns in der Hoffnung auf persönliche Bedienung in die Warteschlange, die es nur noch mit einem Service-Aufschlag gibt, irgendwann probieren wir es doch am Automaten und sehen, es ist einfach und geht viel schneller. Merkwürdigerweise wird aber die Dienstleistung nur unwesentlich billiger dadurch. Bei der Bank bekommen wir nur noch Beratung, wenn wir ein "Premium-Kunde" sind, also mindestens 50.000 Euro auf dem Konto haben, dennoch zahlen fast alle Kunden weiter überhöhte Kontoführungsgebühren.

Einfache Dienstleistungen werden wir bald zuhause per Internet oder am Automaten vor Ort erledigen. Es werden nur noch wenige, dafür aber hochqualifizierte Angestellte gebraucht. Der Rest muss sich einen neuen Job suchen.

Das ist die Zukunft, da nützt kein Jammern und Klagen.

"An den Stammtischen tobt seit Langem die Diskussion, ob die Globalisierung uns nützt oder die anderen bevorteilt. Die Arbeitskräfte finden, es schade ihnen selbst. Die Unternehmer glauben, dass die neue Technologie per Saldo allen nützt. Die Wahrheit ist wohl ganz simpel die, dass eine wirklich breit zu nutzende neue Technologie erst überhaupt allen schadet, weil sie viel zu viel Altes abschafft und dadurch einen Wirtschaftsknick auslöst. Denn zunächst einmal kosten die Veränderung und der "Neubau" der Welt viel Geld und erfordern eine große Umstellung. Erst einige Jahre später nutzt die Technologie allen, die es sich in der neuen Welt gut einrichten konnten. Aber dieses "Sich einrichten" in der globalisierten Welt bleibt uns nicht erspart. (...)
Ich plädiere dafür, das Weinen zu lassen. Ich rate davon ab, das Sterben mit Subventionen länger als nötig zu verzögern." (Gunter Dueck)

Es reicht nicht die Richtung zu ändern, sagt Dueck, man muss den Weg auch gehen. Aber wie? Zuversichtlich, mutig und ohne Angst - und wer es genauer wissen will, sollte das Buch unbedingt lesen.

Mehr zum Buch auch in meinem Bücherblog umamibuecher.wordpress.com
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am 13. Februar 2010
.. bietet Gunter Duecks neuestes, hochintelligentes Wirtschaftsbuch, das jeder Politiker gelesen haben sollte. Dueck fordert darin letztlich ganz konkret, die Zukunftsfähigkeit in unser Grundgesetz aufzunehmen.

Zunächst wird aufgezeigt, was in unserem Land gerade wirtschaftlich und auch gesellschaftlich schief läuft und anschließend konkret erklärt wieso das so ist: Die Dienstleistungsgesellschaft hat allmählich ihre Blüte hinter sich und folglich auch unsere liebgewordene wirtschaftliche Weltsicht und gewachsene Arbeitsethik. Jobs im Dienstleistungssektor bringen kaum noch mehr Geld ein als Hartz IV. Ganze Branchen, die einst unser Stolz waren (Automobilindustrie) sind vom Sterben bedroht. Arbeitsplätze für Menschen mit niedriger und mittlerer beruflicher Qualifikation werden in andere Länder ausgelagert und gehen in Deutschland ganz verloren. Die Grundlage unseres Wohlstands gerät dadurch ernsthaft in Gefahr. Wenn wir nicht aufpassen, wird es in Deutschland bald eine breite Gesellschaftsschicht ohne Zukunftschancen geben und nur noch wenigen gut ausgebildeten Spitzenkräften und Superreichen steht die Welt offen.

Das alte System siecht dahin und wenn wir nicht unversehens ins wirtschaftliche Hintertreffen geraten wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als wieder zukunftsfähig zu werden. Hier bringt Gunter Dueck mit dem Bauernhof seines Vaters ein wunderbares Beispiel, dass so ein Wandel gestaltet werden kann. Anschaulich und nachvollziehbar hat Gunter Dueck seine Wirtschafts-Thesen dargestellt anhand eines simplen Einkaufs im Supermarkt oder eines Geschäftsvorganges bei der Sparkasse in Waldhilsbach. Eine besondere Stärke dieses Buches liegt in dieser Anschaulichkeit. Eine andere ist die genaue psychologische Analyse deutscher Befindlichkeit: Leider neigen wir nämlich dazu, uns auf den Lorbeeren des alten Wirtschaftssystems auszuruhen und unsere alternde Gesellschaft jammert herum, und hält zu lange am Althergebrachten fest. Echten wissenschaftlichen Neuerungen wird allgemein misstrauisch entgegengesehen, manches wird verboten und viel zuviel unterlassen. Man steckt lieber Subventionen in altbekannte, aber sterbende Branchen, wettert gegen die Globalisierung, spart an der Bildung (verkürzte Bologna-Studiengänge) und fördert die Wissenschaft konzeptionslos mit der Gießkanne. Hier werden Milliardenbeträge auf Nimmerwiedersehen versenkt. Doch stattdessen sollten wir das Neue und Ungewöhnliche gezielt und konkret fördern.

Hier setzt das Buch an und bietet viele Lösungsvorschläge. Zukunftsfähig sind laut Gunter Dueck vor allem die sogenannten MINT-Fächer. Nur mit kreativen und bestens ausgebildeten Spitzenkräften in Medizin, Ingenieurswesen, Naturwissenschaften und Technologie können wir in unserem Land auch weiterhin so viel Wohlstand generieren, dass es für alle auskömmlich reicht. Außerdem braucht das Land eine breite Schicht mit Abitur zur Unterstützung der Exzellenten. Es sollten sogar alle Abitur machen, fordert Dueck und nennt Schweden als Beispiel. Die Exzellenten können sich nämlich aussuchen, wo und wie sie leben möchten. Sie werden aber lieber in einem Land leben, in dem es allen recht gut geht, als in einem Land mit wenigen hochgesicherten Inseln des Reichtums und Slums und Elend drumherum. In seinem Buch zeigt der Autor Gestaltungsmöglichkeiten unserer Zukunft auf. Er sagt ganz klar und anschaulich, wie es gehen könnte. Manches davon liegt bereits sehr nahe, anderes ist eher im Werden und manches sehr visionär, aber alles ist von hoher Ethik geprägt. Diese Menschlichkeit macht Gunter Duecks Bücher so wertvoll. Wirtschaft und Gesellschaft sind bei ihm nicht nur mechanisch beschrieben sondern auf den Menschen zugeschnitten. Seine Forderung: Alle müssen mitmachen, aufbrechen und zukunftsfähig werden. Dann brauchen wir die Zukunft auch nicht mehr zu fürchten, sondern können uns darauf freuen.

"Aufbrechen!" ist ein ungewöhnliches, quer gedachtes und politisches Buch. Ein Buch voller aufregender und Mut machender Zukunftsvisionen. Ein Lesevergnügen für alle, die sich für Wissenschaft, Wirtschaft und Technik interessieren. Für Freunde der Philosophie, für Eltern, für Manager, für Alt und Jung und ganz besonders für Politiker.

Schenken Sie das Buch einem lieben Menschen, leihen Sie es Freunden und Kollegen, verbreiten Sie es, damit ganz viele Menschen es lesen und Deutschland wieder eine Zukunft bekommt!
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