20% Rabatt Hier klicken studentsignup Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More White Steens: Bis 10% Extra-Rabatt auf ausgewählte Möbel Hier klicken Learn More Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip GC HW16

Kundenrezensionen

4,7 von 5 Sternen
3
4,7 von 5 Sternen
5 Sterne
2
4 Sterne
1
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:49,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 5. April 2014
Man kann Simone Neteler nicht genug danken, daß sie sich um dieses Neben-Projekt, das Walter Kempowski über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg akribisch verfolgt hat, verdient macht und uns das Ergebnis nun in einer so ansprechenden Form vorlegt.

Aufgemacht in der Art der "Echolot"-Bände und mit Fotos ausgestattet (es hätten ruhig noch mehr sein dürfen), ließe sich das Werk als eine Sammlung von Eindrücken und Erinnerungsfetzen beschreiben. Es liefert uns, mal längere, mal kürzere verbale Reaktionen des "Normalbürgers" auf vorgegebene Stichworte wie "Zweiter Weltkrieg", "Toter", "Prominenz" oder auch einfach nur "Zaun", "Geruch" und "Möbel". Das Ergebnis fällt teils banal, teils verblüffend aus und ist in seiner Gesamtheit als wichtiges Zeitzeugnis anzusehen. Ob es sich dabei nun um "große Literatur" handelt oder nicht, wie es die Medienlandschaft diskutiert, erscheint mir von eher sekundärem Interesse.
Immer wieder begegnen uns Antworten, die beim Leser ganz ähnliches auslösen, wie schon frühere Werke des Meisters aus Nartum: ein wahres Feuerwerk an eigenen Assoziationen, Bildern und Erinnerungen. An Eindrücklichkeit und in der Weise wie es uns immer wieder persönlich anspricht, berührt, erheitert und erschüttert, kann es dieses Buch mit Werken der "großen Literatur" ohne weiteres aufnehmen.

4 willkürliche Beispiele:

"Arzt, *1922: "Essen ... Meine Eltern konnten wochenlang kein Fleisch mehr essen, weil 1945 ganz Dresden nach gebratenem Menschenfleisch gerochen hat."

"Hausfrau, *1922: "Ehe. Mein Mann ging nie mit mir weg, und wenn ich nach Hause kam, sagte er: 'Erzähl mal ...' Dann sagte ich: 'Es lohnt sich nicht'. Und wenn ich dann doch was erzählte, sagte er: 'Es lohnt sich nicht ..."

"Soziologe *1956: Prominenz. Uwe Seeler hab' ich mal gesehen, das war richtig bewegend. 'Sie sind mein Idol!' hab' ich ihm zugerufen. - 'Aber ich bin ein ganz normaler Mensch!' hat er geantwortet."

"Journalist, *ca. 1970: Sprache. Blumen. Vergißmeinnicht! Ich habe mich gewundert, warum eine Blume so einen traurigen Namen hat."

Das Ganze wurde nach dem Zufallsprinzip arrangiert, wirkt daher wie beiläufig aufgeschnappt, wie einer Unterhaltung am Nebentisch oder in der Straßenbahn abgelauscht.
11 Kommentar| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Juni 2014
Ein umfassendes sehr lesenswertes Sammelwerk, welches Einen teilweise in seine Jugendzeit zurück versetzt. Fünf Sterne ohne Einschränkungen abgesehen von der fehlenden Untertitelung der Bilder.
Besonderer Dank an Frau Neteler.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. März 2014
Es ist verständlich, dass sich die Rezeption und Diskussion zum „Echolot“ hauptsächlich um den Inhalt drehte, also darum, was Menschen während des Zweiten Weltkriegs erlebt und erlitten haben. Darüber kann man nur schwer eine Würdigung im Sinne kritischer Literaturanalyse schreiben. Kritische Äußerungen zur Form würden, zwar zu Unrecht, aber dennoch so ausgelegt, als kritisiere man die Erlebnisse der Menschen in der Nazizeit. Geht also gar nicht.

Beim „Plankton“ verhält sich das anders. Hier nützt es gar nichts, wenn man einzelne Zitate brächte, um dieses oder jenes zu belegen oder zu widerlegen. Denn die Einlassungen all der Menschen unterschiedlichsten Alters, unterschiedlichster Herkunft, mit all den daraus sich ergebenden Implikationen, in einzelnen Zitaten zu verdeutlichen, wird dem Ganzen nicht gerecht. Auch wenn man die extremsten Äußerungen auf die Fragen Kempowskis auflistete, man hätte immer noch nicht das, was dieses Buch ausmacht. Nämlich gerade die Vielfalt und die scheinbare Beliebigkeit.

Es fängt an mit: „Studentin, * 1970 – Prominenz I Costa Cordalis habe ich gesehen. Da war ich aber noch jünger, sieben oder acht. Das war entsetzlich.“ Und endet so: „Student, * 1981 – Schlager I >> Aicha, Aicha, écoute-moi …<< Dann geht’s arabisch weiter.“ Nach dem Geburtsdatum findet man das jeweilige Stichwort zur Frage.

Und damit muss man über die Konzeption dieses Projekts sprechen. Kempowski hat verschiedenen Menschen verschiedene Fragen gestellt und die Antworten werden auf über 800 Seiten aufgelistet. Damit sind wir auch bei der Frage der Autoren- also Urheberschaft. Und bei einem Kunstkonzept eines Warhol, jeder ein Star für fünf Minuten, oder Beuys, jeder ist ein Künstler. Und damit sind wir bei der Kernfrage von Kunst und Künstler. Literatur und Literat. Wo hört Fremdes auf und wo fängt Eigenes an? Einen verschlüsselten Hinweis geben womöglich die Fotos. Zumeist ältere Aufnahmen von Gruppenansammlungen vor baulicher Kulisse. Der Kopf einer Person ist eingekreist und als Vergrößerung noch einmal eingeblendet. In der Masse wirkt das Gesicht einigermaßen scharf, in der Vergrößerung wird es undeutlich. Kempowski selbst ordnet seine drei zusammenhängenden Werke so ein: „Plankton = Schneekristalle – Echolot = verschneite Landschaft – Chronik = Schneemänner.“

Ich will die Frage „ist das Literatur?“ nicht beantworten. Sie ist ohnehin müßig. Aber das Buch ist eine sehr gute Gelegenheit, sich dieser Frage zu stellen. Lohnt sich die Lektüre? Ich denke schon. Es ist eine andere Art Zapping (als „Bloomsday 97“), über einen sehr langen Zeitraum und gelenkt durch die Fragen und die ordnende Hand eines Autors. Und da die Zeit außerhalb des Buches nicht stillsteht, wird das „Plankton“ zu einem Dokument sich ständig wandelnder Bedeutung. Konsequent nur, dass die Möglichkeit besteht, eigenes Plankton online dazu zufügen und sich so eine individuelle Print-on-Demand Version ausdrucken zu können.

Kempowski: „Es ist so, als ob mit <Echolot>/ und schließlich mit die Literatur an eine Grenze gerät, von der aus oder an der sie umkehrt, zurückkehrt zum Geraune der Menschen am Feuer.“ Menschliche Gespräche vor allem in Gruppen entwickeln sich häufig assoziativ, so dass man sich hinterher fragt, wie sind wir eigentlich von dem Thema auf dieses gekommen und von jenem ausgerechnet darauf? Diesen assoziativen Faden im Plankton zu finden, ist die Herausforderung an jeden Leser.
22 Kommentare| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden