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am 5. Mai 2008
John Burnside Die Spur des Teufels Knaus
ISBN 3813502961

In dem kleinen Küstenstädtchen Goldhaven siedeln nur wenige Menschen. Michael Gardiner ist mit seinen Eltern zugezogen. Sie ahnten nicht, wie argwöhnisch hier Außenseiter betrachtet werden und welche Schikanen man für sie parat hält. Der Vater, eine bekannter Naturfotograf, die Mutter und der Sohn werden zeitlebens Außenseiter bleiben.
Kann man sich vorstellen, wie es in der Seele eines Jungen aussieht, der sich einsam und ausgegrenzt fühlt? Da wird das Leben selbst zur Bedrohung und Angst, und jede Hilfe wird dankbar angenommen.
Ein Netz von Einzelschicksalen führt zu einer Geschichte, in der Schikane, Geheimnis und merkwürdige Begebenheiten das Leben schwer erträglich machen.
Versteckter und offener Argwohn unter den Einwohnern einer Kleinstadt; Liebe, Ehe und die Sprachlosigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen bilden das zentrale Thema des atmosphärisch tief in die menschliche Psyche hineinleuchtenden Romans.
Michael Gardiner ist der Held: als Schüler ist er verpönt und wird drangsaliert von Malcolm Kennedy, der keine Gelegenheit auslässt, um ihn zu drangsalieren und zu schikanieren.
Die alte Blumenliebhaberin Mrs. Collings wird zu einer wirklichen Freundin, bei der Michael Schutz findet, und von der er sich angenommen und verstanden fühlt. Sie gibt Anleitungen zum Leben, die er dankbar annimmt, die allerdings auch schrecklichen Folgen haben.
Eltern und Sohn bleiben sich fremd, da niemand die Schranke des Schweigens durchbricht, mit der sie sich dem Gespinst der unversöhnlichen Einwohnerschaft und deren Verfolgungen ausgesetzt sehen.
Die Anmerkungen zu Gardiners missglückter Ehe zielen in die gleiche Richtung von Sprachlosigkeit und Unverständnis.

Dass Michael sich zuletzt in eine Idee verrennt, in der er sich als Vater einer Tochter wähnt und zugleich eine Beziehung zu ihr aufbaut, die an die Geschichte von Lolita denken lässt, ist fast ein wenig zu viel des Abartigen. Die Handlung pendelt zwischen Krimi, realem Handeln und praktizierter Eigenbrötelei.
Burnside entwickelt aus einem Netz von Gerede, mythischen Geschichten und Kleinstadttratsch ein Zeitgemälde, das dem Leben entsprungen scheint. Die Kleinstadtbewohner lassen sich aus der Enge ihres Denkens zu Handlungen hinreißen, die an Hass, Argwohn und Heimtücke nicht zu überbieten sind.
In dieser Gesellschaft wird Angst, Missverstehen und die pure Verfolgung durch eine Gemeinschaft gezeigt, die von kleinlichem Geist, beschränkter Wahrnehmung und dem Gedanken an die Ausgrenzung Andersdenkender beherrscht wird. Poetische Passagen mit kargen und malerischen Naturbetrachtungen bilden einen ruhigen Kontrast und ergänzen doch die herbe Seite der Menschen. Die Romanversion ist eng an eine mögliche Realität angelehnt. Der Roman steigert sich zu einem beklemmenden und spannenden Thriller, der man mit angehaltenem Atem liest.
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am 20. Juni 2008
"In Coldhaven, einem kleinen Fischernest an der Ostküste Schottlands, wachten die Menschen vor langer Zeit an einem düsteren Morgen Mitte Dezember auf und sahen nicht nur, dass ihre Häuser tief und traumverloren unter einer so dicken Decke Schnee begraben lagen, wie sie nur ein- oder zweimal in jeder Generation ausgebreitet wird, sondern dass darüber hinaus, während sie geschlafen hatten, etwas seltsames geschehen war, etwas, was sie nur mit Geschichten und Gerüchten zu erklären wussten, die sie allerdings, da sie ein braves und gottesfürchtiges Volk waren, höchst ungern weitererzählten, Geschichten, in denen der Teufel vorkam (...). Jene, die am lang vergangenen Wintermorgen als Erste aus den Betten waren, (...) sollten die Ersten sein, die jenes Phänomen bemerkten, das die ganze Stadt später die <Spur des Teufels> nannte."

Temporeich, kunstvoll und vor allem recht unheimlich lässt der Schotte John Burnside seinen Roman "Die Spur des Teufels" beginnen. Doch wird es, anders als der Duktus der ersten Seiten vermuten ließe, keine Schauermär vor der rauen, schottischen Küste geben, keine Phantastik, die ein Stephen King in einem nicht minder verschlafenen Nest in Maine erzählt hätte und auch keinen mystischen Gesang aufs Meer, der doch so typisch ist für britische und irische Autoren, von einer Iris Murdoch bis hin zu John Banville.

Für das, was uns Burnside erzählen will, hätte es der Sage vom dem Meer entstiegenen Teufel nicht bedurft. Wollte man John Burnside böse, würde man ihm einen kleinen Trick unterstellen, denn die ersten Seiten eines Buches, sind schließlich die, auf die es durchaus ankommt, zumindest, wenn es um die vorrangige Weckung des Leseinteresses geht. Und dort punktet Burnside gewaltig, doch schon bald konzentriert sich das Handlungsgeschehen auf Michael Gardiners Leben; Burnsides Protagonisten, der uns in besagtem Coldhaven die Geschichte eines höchst verschrobenen, provinziellen Pöbels erzählt, der Michaels Eltern - die nicht nur das Stadtleben satt hatten, sondern auch an einer unheilvollen Vergangenheit zu leiden haben, um an der beschaulichen Küste ein Refugium und zugleich Inspiration zu finden (der Vater ist Photograph) - bei jeder sich bietenden Gelegenheit drangsaliert.

All diese Kindheits- bzw. Jugenderinnerungen an Coldhaven brechen hervor, als Michael - wohlhabend, müßiggängerisch, sich in seiner Ehe langweilend - eines morgens die Zeitung aufschlägt, und erfährt, dass Moira, seine Geliebte von anno dazumal, sich und ihre beiden Kinder umgebracht hat. Allein Hazel, ihre 14-jährige Tochter, ist dem grauenvollen Ereignis nicht zum Opfer gefallen. Michael erinnert sich zurück, an Tom Birnie, den grobschlächtigen Kerl, der Moira freite, und der Stachel des Zweifels bohrt sich in Michaels Brust: Vor 14 Jahren hatte er eine Affäre mit Moira, 14 Jahre alt ist Hazel - ist sie, die Hinterbliebene, womöglich seine leibliche Tochter? Manisch besessen von diesem Gedanken, einem Stalker gleich, verfolgt Michael Hazel auf Schritt und Tritt, bis die beiden schließlich eines Tages durchbrennen und eine scheinbar ziellose Reise antreten.

John Burnside versteht sich in seiner Sprache auf schöne, kraftvolle Bilder. Dass er auch Lyriker ist, liefert dem Roman an vielen Stellen einen sehr erfreulichen Benefit. Die Schatten der Vergangenheit nehmen einen großen Raum ein in der Farbsymbolik des Romans. Man denke hier an die kunstwissenschaftlichen Bemerkungen zu Lichtquellen in Bildern, ehe Michael kurze Zeit später eben jene eigene Schattenseite zeigen wird. Darüber hinaus gibt es viele weitere Textstellen, die stets Licht- und Schattenflächen genauestens charakterisieren. Zudem ist Michael selbst durchaus überzeugend gezeichnet, das Dahinsiechen seiner Ehe zu Amanda metaphernreich geschildert.

Und doch, bei aller Atmosphäre, Mystik, dem kunstvollen und zugleich unterhaltenden Erzählstil kommt man nicht umhin, Schwachstellen des Romans auszumachen. Dazu zählt vor allem jene Reise mit Hazel, in der Nabokovs "Lolita" als Intertext allzu bemüht beschworen wird. Hazel bleibt leider gänzlich rätselhaft, die psychologische Spannung zwischen den beiden hätte - wenn man schon so krampfhaft "Lolita" bemüht - überzeugender gestaltet sein dürfen.

Dennoch ist "Die Spur des Teufels" durchaus lesenswert. Die kleinen Abstriche tun dem insgesamt kunstvollen und zugleich kurzweiligen Erzählduktus keinen Abbruch: Der Sätze, die sich über eine ganze Seite bewegen, sind nicht wenige. Allenthalben streut Burnside Zitate aus Filmen und der Literatur ein. Und allenthalben überzeugen den Leser schöne Bilder und weitere Eindrücke, die das Gefühl erwecken, gerade selbst den salzigen Geschmack des schottischen Meeres auf der Zunge zu spüren, umweht von einer eiskalten Brise.
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am 3. März 2008
John Burnside, der bis jetzt noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, wird hier vom Knaus Verlag mit "Die Spur des Teufels" im deutschsprachigen Raum eingeführt. Die Hinweise jedoch, dieses Buch sei ein "Thriller", sind in Wahrheit Fehlinformationen, dieses Buch ist ein wirklich tolles literarisches Werk, mit dunklen "Seiten" und wird für Leser, die einen Thriller suchen, eine herbe Enttäuschung sein. John Burnsides "Held" ist ein ca. 40 jähriger Mann, der in einer scheinbar lieblosen Ehe passiv gefangen, den Verlust seiner Eltern aufarbeitet und sich in eine abenteuerliche Flucht mit seiner vermeintlichen Tochter begibt. Mehr möchte ich zur Story nicht verraten. John Burnside schafft ganz wunderbare Stimmungen und schreibt wunderschöne (z.T. auch sehr lange) Sätze (der erste Satz geht schon fast über 3/4 der Seite) und lässt oft repetitiv Gedanken kreisen.
Fazit: tolles Buch, hoffentlich lässt der Knaus Verlag uns Leser mit den weiteren angekündigten Büchern nicht lange warten.
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am 14. Oktober 2008
Der Klappentext von John Burnsides Roman "Die Spur des Teufels" will den Leser glauben machen, es handle sich um einen Thriller - das stimmt aber nicht. Ganz im Gegenteil ist es eine äußerst stille, nichtsdestotrotz aber spannende Geschichte, die unterschiedliche Themen und Handlungsstränge kunstvoll mischt. Der erste Teil, in dem Michael sich an seine Kindheit erinnern, an das Unglück seiner Eltern, das er als Kind nur vage wahrnahm, und den Mord/Unfall an dem verhassten Schulkameraden, wirkt wie eine Abrechnung und Rekapitulation längst vergangener Ereignisse.
Dann aber wandelt sich die Geschichte und wird zur Selbstfindungsreise, die stellenweise ein wenig an Nabokovs "Lolita" erinnert: Michael fühlt sich auf verstörende Art und Weise hingezogen zu der Vierzehnjährigen, von der er gleichzeitig glaubt, ihr Vater sein zu können. Die beiden begeben sich auf eine Art Road-Trip durch Schottland, an dessen Ende für Michael Gardiner, der in einer lieblosen Ehe von seiner eigenen Ziellosigkeit und Entscheidungsunfähigkeit gefangen ist, die Katharsis steht. Aber selbst diese kommt äußerst sanft daher, ohne Paukenschlag und reinigendes Gewitter, sondern quasi im Vorbeigehen.

Bemerkenswert ist die Ruhe, mit der die Geschichte erzählt wird. Nicht Michaels Jugendliebe, die sich und ihre Kinder im Auto verbrennt, steht im Mittelpunkt. Und auch der Tod des Jungen, der Michael schikaniert hat, wird zuerst nur sehr beiläufig erwähnt und ist im weiteren Verlauf kaum mit Schuldgefühlen oder anderen aufwühlenden Emotionen behaftet. Gerade dies zeigt eindrucksvoll, dass der Titel gebende Teufel letztendlich in vielen Menschen, die diesen Roman bevölkern, wohnt: in Michael Gardiner selbst, in den Bewohnern von Coldhaven, in Hazel und in ihrem Bruder - ja vielleicht sogar im Leser selbst.
John Burnside benutzt eine äußerst kraftvolle, bildreiche Sprache, die das Dorf Coldhaven mitsamt seinen Bewohnern vor dem inneren Auge des Lesers lebhaft auferstehen lässt und einem bisweilen einen Schauer über den Rücken laufen lässt, so unangenehm und klaustrophobisch ist die Atmosphäre.

"Die Spur des Teufels" ist ein sehr interessantes, tiefgründiges Buch, still und trotzdem fesselnd, wortgewaltig und fast poetisch. In Schottland zählt John Burnside zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart; dieser Roman ist der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde - das wurde wirklich Zeit, denn Burnside ist ohne Zweifel eine lohnenswerte Entdeckung.
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am 25. Juli 2016
Michael Gardiner lebt zurückgezogen abseits des schottischen Küstendorfes Coldhaven. Eines Morgens liest er in der Zeitung, dass sich eine Frau namens Moira Birnie umgebracht hat und dabei auch ihre beiden Söhne mit in den Tod gerissen wurden. Einzig die Tochter Hazel blieb am Leben. Erst nach einiger Zeit wird Michael klar, dass es sich bei Moira um die Frau handelt, mit der er eine kurze Affäre hatte. Plötzlich sind die Erinnerungen an seine Jugend wieder da: wie seine Eltern von den Dorfbewohnern tyrannisiert wurden und er selbst von Moiras Bruder gequält wurde. Und ebenso an Mrs. Collings, die ihm riet, sich nicht alles gefallen zu lassen. Seitdem trägt er ein düsteres Geheimnis mit sich.

Der Beginn des Romans Die Spur des Teufels von John Burnside hat bei mir die Erwartung an einen düsteren Thriller hervorgerufen, die sich beim Lesen allerdings nicht erfüllt hat. Der Beginn ist noch sehr mysteriös, so wird davon berichtet, dass der Teufel angeblich in Coldhaven an Land gekommen wäre und zudem erscheint der Zeitungsartikel, der von dem Suizid und dem Tod der Kinder berichtet. Was dann aber folgt, ist eher ein Monolog von Michael, der sich an seine schwere Kindheit erinnert. Das Verhältnis zu den Eltern macht keinen besonders guten Eindruck. Weder erzählt er ihnen davon, wie er gemobbt wird, noch berichten sie ihm, dass sie als Fremde in dem Dorf nicht willkommen sind. Zum Zeitpunkt des Erzählens ist Michael längst erwachsen, wohlhabend und, wie mir schien, auch etwas gelangweilt. Die fehlende Kommunikation, die bereits seine Beziehung zu den Eltern prägte, findet sich nun in seiner Ehe wieder, die nicht gerade als glücklich zu bezeichnen ist. Leider bin ich Michael während der Lektüre nie richtig nahe gekommen. Dadurch wurde die Handlung für mich öfter etwas zäh. Zu Beginn fand ich eigentlich nur die Abschnitte interessant, die sich mit Michaels Eltern, einem Künstlerehepaar, beschäftigten (leider wird hier ein Geheimnis zwischen den beiden angesprochen, aber nicht aufgeklärt).

Zum Glück hat sich dieser negative Anfangseindruck im weiteren Verlauf geändert. Der zweite Teil hat mich dafür mehr gefesselt. Nachdem Michael klar geworden ist, dass er mit Moira vor vierzehn Jahren eine Affäre hatte und die überlebende Tochter genauso alt ist, kommt eine neue Dynamik in die Erzählung. So wird Michael zu einer Art Stalker und die Geschichte wird schon fast zu einem Roadtrip, bei dem der intertextuelle Bezug zu Nabokovs Lolita so offensichtlich ist, dass Michael ihn selber anspricht.

Was mir, wie schon bei anderen Romanen Burnsides, außerordentlich gut gefallen hat, ist der Stil des Autors. Vor allem seine ruhigen, bildreichen Naturbeschreibungen erzeugen eine besondere Atmosphäre.

Manchmal kam ich im Sommer frühmorgens mit dem Rad her und betrachtete aus halb offener Tür den Sonnenaufgang. An diesem Feldrain ging die Sonne über Bäumen und nicht über dem Wasser auf, weshalb sie hier ganz anders aussah als auf der Landzunge oder der Strandpromenade. Manchmal schimmerte sie weißlich, beinahe gespenstisch, und man musste zwischen den all den Blättern schon fast danach suchen, dann wieder, vor allem zu Beginn des Frühlings, schien sie wie ein großer roter Ball am Horizont hochzuschnellen und die kahlen Bäume in glosendes, glutrotes Feuer zu tauchen.

Generell wirkt der Roman an manchen Stellen sprunghaft und scheint keiner klaren Chronologie oder klaren Struktur zu folgen. Die Übergänge entsprechen den Gedanken von Michael und so folgt der gesamte Roman seinen Assoziationen und Kommentaren zum Geschehen und Erinnern.

Die Spur des Teufels ist für mich bis jetzt der schwächste Roman von John Burnside. Gerade den ersten Teil der Handlung fand ich langweilig, was vor allem daran lag, dass ich keinen Bezug zu Michael herstellen konnte, der das Geschehen wie in einem Monolog darstellt. Und wenn der Stil von John Burnside nicht so gut wäre und ich nicht ein Fan von ihm wäre, hätte ich es vermutlich nicht zu Ende gelesen. Der weitere Teil der Handlung ist dann zum Glück spannender und konnte mich etwas für den Anfang entschädigen.
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am 21. Februar 2016
Burnsides Roman hat mir leider nicht besonders gefallen. Offenbar ist er gegenwärtig einer der besten britischen Autoren, und angeblich ist dieses Buch noch das zugänglichste seines Werks.
Er schreibt in einer schönen, meditativen Sprache, erzeugt farbige, bleibende Bilder, keine Frage. Der eingangs geschilderte Vorfall mit den Teufelsspuren ist hervorragend geschrieben – und hat nur einen minimalen Bezug zur eigentlichen Geschichte,die danach beginnt. Schon auf Seite 100 nervten mich diese ewigen geheimnisvollen Andeutungen, die wahrscheinlich Spannung erzeugen sollen, aber da wurden sie dann zu viel und wirkten nur noch wichtigtuerisch.
Es gibt auch wichtige Punkte, die im ganzen Buch nicht geklärt werden. Gut, so ist das Leben manchmal, aber was denn nun in der Vergangenheit der Eltern war, hätte ich schon gern gewusst, das dürfte doch ziemlich entscheidend gewesen für Michael sein. Mir wurde nicht plausibel deutlich, wie er dem Mädchen helfen will – anstatt sie bei sich in dem großen Haus unterzubringen, sodass sie weiter zur Schule gehen kann, fährt er tagelang wirr mit ihr durch die Gegend?!? Irgendwann habe ich begriffen, dass er in eine schwere Depression abgleitet; die Seiten über seine Wanderschaft habe ich nur noch überflogen, weil sie mich einfach nicht mehr interessierten.
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VINE-PRODUKTTESTERam 2. November 2015
Außerhalb von Coldhaven, einem wenig spektakulären Städtchen an der schottischen Küste, lebt Michael Gardiner mit seiner Frau Amanda ein wenig spektakuläres Leben. Tief unter der Oberfläche seiner beinahe beschaulich anmutenden Existenz liegt zwar ein dunkles Geheimnis. Aber das hat er beinahe selbst schon vergessen. Er hat sich dort am Rande der Welt eingerichtet, wo schon seine Eltern Zuflucht gesucht hatten vor der kaltherzig-bornierten Feindseligkeit der Leute von Coldhaven. Nicht nur unter dieser hatte auch er zu leiden gehabt. Doch das alles liegt für ihn weit zurück. Bis eines Morgens der Schleier des Vergessens, der sich milde über Gardiners Vergangenheit gelegt hat, durch eine Zeitungsmeldung jäh zerrissen wird: Moira Birnie, eine hitzige Affäre aus einer ihm sehr fernen Zeit, hat sich umgebracht und auch ihre beiden Söhne mit in den Tod genommen.
Mit einem Mal ist alles wieder da. Nicht nur die Erinnerung an Moira, auch das dunkle Geheimnis, das Gardiner tief in seinem Inneren vergraben hat, drängt mit Macht in sein Bewusstsein. Und dann ist da noch Moiras größere Tochter Hazel, von der er zu glauben beginnt, er sei ihr Vater. Mit ihr im Schlepptau macht er sich auf eine ziellose und beängstigend bizarre Reise, von der er im doppelten Sinne allein zurückkehrt. Zuerst verschwindet Hazel, und als er nach langer Wanderung wieder in sein Haus kommt, ist dieses leer -- seine Frau hat ihn verlassen… (Quelle Amazon)

Michael Gardiner zieht als Junge mit seinen Eltern auf die einsame Landzunge. Sein Vater, der sein Geld als Naturfotograf verdient, liebt diesen Ort. Ist den ganzen Tag unterwegs um Vögel zu beobachten. Michael findet keinen Anschluss. Hat keine Freunde und lebt in seiner eigenen kleinen Welt aus Büchern und Träumen. Und dann wird er auch noch schikaniert. Traut sich kaum noch aus dem Haus. Mag nicht mit seinen Eltern darüber reden, so wie auch seine Eltern ihm nie erzählen, wie sehr sie von den Bewohnern von Coldhaven gemobbt und schikaniert werden. Und das ist es, glaube ich, was mich am Meisten gestört hat. Diese Sprachlosigkeit der Charaktere. Genauso war es dann später zwischen Michael und seiner Frau Amanda. Sie sprachen nicht miteinander und eigentlich war das gar keine Ehe. Kein Wunder, dass irgendwann alles auseinander brach.

Ich muss zugeben, dass dieses Buch und ich keine richtigen Freunde wurde. Vielleicht war es einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Vielleicht komme ich auch nicht mit dem Schreibstil des Autors zurecht. Es war mein erstes Buch von John Burnside.

Die Sprache des Buches ist wirklich schön, aber die Charaktere blieben mir absolut fremd. ich konnte keine Beziehung zu ihnen aufbauen. Die Landschaftsbeschreibungen sind sehr schön, aber mit der Zeit fingen sie an mich zu langweilen. Die Geschichte ist eigentlich sehr interessant, aber mich konnte sie nicht packen. Ich kann einfach nicht festmachen an was es lag. Ich wollte schon wissen, wie die Geschichte endet, aber ich hatte kaum Lust, das Buch zur Hand zu nehmen. So etwas, ist mir noch nie passiert. Auch die Zeitsprünge fand ich eigentlich sehr gut.

Ich werde das Buch wohl noch einmal lesen, oder eine andere Geschichte des Autors. Im Moment kann ich leider nicht mehr als 3 von 5 Punkte vergeben. Ich glaube, für diese Geschichte muss man sich einfach Zeit lassen und die hatte und habe ich gerade nicht. Ich danke dem randomhouse Bloggerportal, dass sie mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben und ich den Autor kennenlernen durfte.

© Beate Senft
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„Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, so lehren uns die Bremer Stadtmusikanten, aber kaum ist die letzte Silbe des Märchens verklungen und Mutter hat den Buchdeckel geschlossen, da stehen wir schon von Zweifeln umringt: wann war das Leben das letzte Mal so einfach, wann auf einen so griffigen Nenner zu bringen; sind Märchen vielleicht „nur“ die kleinen Geschwister der Lyrik, die eigene Mittel hat, schwer Fassbares begreiflich zu machen, der Komplexität des Lebens gerechter zu werden, wenn auch um den Preis der Einfachheit?
Burnside ist Lyriker auch in seinen Romanen, seine Sprache immens ausdrucksstark und bildmächtig. Und wenn der Roman mit dem Märchen von der Spur des Teufels beginnt, so sind eben diese Fußabdrücke im Schnee am Ende doch auch die des Ich-Erzählers Michael Gardiner selbst, der in seines Lebens Mitte abgeirrt vom rechten Weg eine schottische Odyssee durchwandert. Märchenhaft ist seine Geschichte gewiss nicht und mit dem Schließen des Buches im Kopf des Lesers noch lange, lange nicht beendet.

Ein Zeitungsartikel ist es, der Michael Gardiners Leben aus der Bahn wirft. Moira Birnie, eine Jugendfreundin von ihm, hat sich mit ihren beiden Söhnen das Leben genommen, nur die 14-jährige Tochter Hazel wurde aus dem erweiterten Suizid ausgenommen. Michael, ein eremitischer Außenseiter im schottischen Fischerdorf Coldhaven, erinnert sich, ausgelöst durch das Geschehen, an seine Kindheit und daran, wie er den Tod von Moiras Bruder Malcolm Kennedy verschuldete. Wollte man den Grad der Schuld in strafrechtlicher Hinsicht bewerten, so wäre einiges in Betracht zu ziehen: die Tatsache, dass Malcolm Michael furchtbar drangsaliert hat (obschon Notwehr nicht greifen würde und ohnedies ein Notwehrexzess vorläge) spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Ermutigung einer alten Dorfbewohnerin, Michael müsse mit Malcolm die Rollen tauschen und kein Opfer mehr sein; keine regelrechte Anstiftung zum Mord sind ihre Ratschläge, aber in gewisser Weise könnte Michael es so verstanden haben. Schlussendlich wäre neben Fragen von Täterschaft und Teilnahme, Vorsatz und Fahrlässigkeit auch die Strafmündigkeit zu prüfen, aber genug von juristischen Betrachtungen, denn DIE SPUR DES TEUFELS ist ein existentialistischer Roman, der sich nicht in Wortklaubereien und Haarspaltereien verliert. Schuld und Sühne ziehen sich thematisch als ein roter Faden durch den Roman, in dem es zahlreiche Verbrechen gibt, doch ist der Horizont weit gespannt und stellt die griffige Idee einer angemessenen Strafe in Frage. Sühne findet hier statt durch die Einsamkeit des Lebens, das man führt, ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Manchmal scheint es fast auch darum zu gehen, ob es so etwas wie eine Erbsünde gibt, verstanden allerdings in dem Sinne, dass Kinder mit den Fehlern ihrer Eltern leben müssen. Klare Trennlinien und Definitionen werden einer komplexen Weltsicht oft nicht gerecht, und ob das Kind Michael Sadist oder Wissenschaftler ist, wenn es 50 Bienen in einem Glas fängt, ist nicht so eindeutig zu beantworten. Das Freilassen der Bienen jedoch kann lebensgefährlichen sein, so, wie Malcolm seine sadistischen Verhaltensweisen gegenüber Michael zum Verhängnis werden.
Auf die Hintergründe von Michaels gescheiterter Ehe mit Amanda und den Problemen, die seine Eltern als Zugezogene im Dorf hatten (und offenbar gibt es da ein dunkles Geheimnis, das nicht enthüllt wird), will ich nicht näher eingehen, obschon diese Themen die Grundstimmung im Roman definieren. Für die Romanhandlung hingegen ist es entscheidend, dass Michael sich die Frage stellt, ob Hazel seine Tochter sein könnte. „Alles beginnt, bevor wir den Beginn erkennen“, stellt er fest, und in einer Phase temporären Irrsinns kommt es zu einem gemeinsamen Roadtrip mit der 14-Jährigen, einem Ausbruch aus der Stasis der Depression, der zahlreiche Parallelen zu „Lolita“ aufweist (auch wenn Michael zunächst bezeichnender Weise an Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ denkt, ein Titel, der nichts Gutes verheißt) und der schließlich zum eigenwilligen Höhepunkt des Romans führt, wenn Michael wie eine beckettsche Figur sich die Landstraße entlang schleppt, ganz ohne die „mentale Tapete eines entschieden beigefarbenen Geistes“.

Beziehungen sind in diesem Roman das, was nie gelingt, was allen Romanfiguren das Glück erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Dieser nicht sehr erheiternden Aussicht steht die Natur gegenüber, eine verlässliche Größe, von der keine Bösartigkeiten zu gewärtigen sind und die dem distanzierten Michael wie schon zuvor seinem Vater zur Zuflucht wird. Ohne Frage, wir haben es in DIE SPUR DES TEUFELS mit waschechten Außenseitern zu tun, neurotisch und beziehungsunfähig. Und doch ist es gerade dieses Personal, dass uns einen Blick in menschliche Abgründe erlaubt und darauf, was das Menschsein im existentialistischen Sinne überhaupt ausmacht.

Formell fällt zunächst eine Sprunghaftigkeit im Erzählen auf, der Verzicht auf chronologische oder logische Strukturierung. Doch bald wird beim Lesen deutlich, dass die Übergänge assoziativ sind und den Gedankengängen von Michael entsprechen. So entstehen indirekte Kommentare, die das schwer Fassliche in Form einer poetischen Wahrheit greifbar machen, bis schließlich etwas so Abstraktes wie „das Leben“ ansatzweise sichtbar wird, verborgen hinter Schweigen, Missverständnissen, Irrtümern und Böswilligkeiten. Dabei bewegen sich in Burnsides Sätzen die Menschen gelegentlich wie Fremdkörper, kurze syntaktische Störungen der Natur. Schon ein Mensch ist hier mehr als genug und fraglich ist es, ob überhaupt andere Menschen jenseits des eigenen Ichs existieren.
„Dies ist die Geschichte, die es trotz aller übrigen Geschichten gibt, in ihrem eigenen Raum, in dieser privaten innersten Kammer, in der man nur den Wind als Nachbarn kennt.“
In einigen der schönsten Passagen nähert sich der so sprachmächtige Burnside dann fast einem Zustand des Schweigens an, einer Poetik der Stille, die den Melancholiker ziert.
Wofür nun steht die SPUR DES TEUFELS? Es ist die Abkehr von der Norm(alität), ein Moment des Außenseitertums, das wenn auch nur kurz Einzug ins Alltägliche hält und einen anderen Blick auf die Welt zuläßt:
„Es ist nicht Sinn und Zweck eines Spiels, eine festgefügte Realität durch eine andere zu ersetzen, vielmehr geht es darum, eine Variante anzudenken, eine Möglichkeit.“

In Zeiten der Massenmedien und der Social Networks mutet DIE SPUR DES TEUFELS wie ein Roman aus dem vorletzten Jahrhundert an, der die eine und einzige Todsünde anprangert, nämlich die, nicht man selbst zu sein. Und doch ist die SPUR zeitlos, denn, Michael Gardiner betont es mehrfach: Es gibt nur das Jetzt!
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am 12. März 2014
John Burnside gilt als einer der besten schottischen Autoren, völlig zurecht. Auch in diesem Buch zeigt er einmal mehr seine Stärken: Eine wunderbar dichte Sprache, ungewöhnliche Bilder, zudem schafft er es auch in diesem Roman wieder die beklemmende Atmosphäre einer Kleinstadt zu zeichnen.

In diesem Setting werden allerlei kleine Geschichten erzähllt und Geheimnisse enthüllt. Es ist jedoch kein Thriller im klassischen Sinn, etwa die Suche nach einem Mörder. Es ist mehr ein Sittengemälde und eine Rückschau auf eine verlorene Jugend und ein dunkles, lange verschwiegenes Kapitel. Und genau das zeichnet dieses Buch auch aus. Es ist spannend, aber ungewöhnlich, bis hin zur leicht an "Lolita" erinnernden Flucht durch das Land im zweiten Teil.

Beim Lesen selbst hat mir irgendetwas gefehlt, vielleicht der rote Faden, vielleicht etwas mehr Verbundenheit mit der Hauptfigur, ich weiß es nicht. Deshalb bekommt es nur gute vier Sterne. Eine schöne Leseerfahrung ist der Roman jedoch allemal.
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am 5. April 2009
Die Spur des Teufels

An den Anfang des Buches ist die Sage gestellt, nach der die Menschen vor langer Zeit im Dezember morgens erwachten, und alles zugeschneit war. Während sie geschlafen hatten, war was Seltsames, Merkwürdiges passiert. Es hatte nicht nur geschneit, es war auch "Die Spur des Teufels" zu sehen! Ein spalthufiges Wesen hatte Spuren hinterlassen im Schnee. Die Spur führte nicht nur die Straßen entlang, sondern sie führte auch an Mauern hoch, über Dächer. Später stellten sie fest, dass die Spur an der Küste begann, über den Friedhof lief und irgendwo in den Feldern außerhalb des Ortes endete. So als wäre dieses Geschöpf dem Meer entstiegen, über den Strand in die Straßen und Gassen des Ortes, über die Dächer, die Kirche und Gassen und Häuser gehüpft. - Die Leute nannten diese Sache "Die Spur des Teufels". Die genaue Herkunft dieser Spuren wurde nie geklärt, als der Schnee weg war, war die Spur verschwunden, und die Leute begnügten sich damit, dass es der Teufel gewesen war.

Auszug: "Sie hatten geglaubt, es lebe nur da draußen, dort, wo der alte Geist beerdigt worden war. Jetzt aber sahen sie, dass es zwar begraben, aber nicht tot gewesen war, dass s gar nicht tot sein konnte, sondern sich nur verbergen ließ. Mit äußerster Anstrengung und willentlicher Blindheit gegenüber jedem, was sich durch die Nacht bewegte, im Gras, im eigenen Fleisch, konnte es nahezu endlich verheimlich werden - zumindest hatten sie das gehofft. Doch es ließ sich nicht auf immer verheimlichen, und bald begann es, sich durch allerhand Zeichen, Gestern und vielsagende flüchtige Hinweise auf schreckliche Schönheit und erschreckende Wildheit zu offenbaren. Der Teufel, den sie kannten, und der Teufel, den sie nicht kannten. - - - - "

Der Protagonist, Michael Gardiner, Ich-Erzähler, wohnt in einem verlassenen Ort in Schottland, in Coldhaven. Ein Ort, wo die Einheimischen keine Fremden in ihre Gemeinschaft aufnehmen, ja sie sogar ausgrenzen und deutlich ablehnen. Die Geschichte beginnt damit, dass er in der Zeitung liest, dass eine alte Freundin von ihm (Moira) ihre beiden kleineren Kinder und sich selbst umgebracht hat. Ihre älteste Tochter (Hazel) hat sie vorher aus dem Auto geschickt und sie mitten in der Landschaft ausgesetzt; Hazel hat somit überlebt. Da fällt Michael ein, dass dieses Mädchen auch seine Tochter sein könnte. Er hatte nämlich damals, zu der Zeit als das Mädchen gezeugt wurde, ein Techtelmechtel mit Moira.

Die Geschichte wechselt jetzt häufig in der Chronologie. Erinnert er sich zunächst an seine Eltern, die irgendwann mal sich diesen einsamen Ort ausgesucht hatten. Beide waren Künstler, der Vater Fotograf, er hatte als Fotojournalist gearbeitet, aber auf dieser Insel widmete er sich nur noch den Beobachtung von Vögeln und der Fotografie von Natur.

Michael war das einzige Kind. Und erst viel später hatte er erfahren, dass seine Eltern, als sie damals in diesen Ort, zunächst in eine Straße mehr im Ort gewohnt hatten, regelrecht von der Bevölkerung gemoppt wurden; z.B. wurden in ihrem Briefkasten tote Ratten oder ähnliches eingeworfen, die Mutter Tag und Tag am Telefon beschimpft usw. - Als Kind hatte das Michael nicht so mitbekommen, sie wollten ihn schonen. Michael selbst aber wurde ebenso gemoppt, was er wiederum seinen Eltern aus dem gleichen Grund nicht erzählte, er wollte sie schonen. In diesem Ort werden nicht nur die Fremden gehasst, sondern auch die Leute selbst hassen sich gegenseitig. - Einer misstraut dem anderen, nur gegenüber Fremden sind sie einer Meinung: gemeinsamer Hass. Sonst verbindet sie nichts.

Ein etwas älterer Junge hat Michael besonders im Auge. Er passt ihn regelmäßig ab, verprügelt ihn, egal welchen Weg er nimmt, Michael macht allerlei Umwege, aber sein Quäler findet ihn überall. ..... soweit mal zum Inhalt.

Eine Fülle von Schikanen, Quälereien, Mobbing, merkwürdige Vorfälle prägen die Geschichte des Protagonisten und seiner ganzen Familie.

In den zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es nur wenige Dialoge, die Leute vom Ort sind äußerst fremdenfeindlich, grundsätzlich argwöhnisch und verfolgen sie mit ihrem Hass.
Alles erscheint tiefenpsychologisch erklärbar, der Autor hat das in einer sehr außergewöhnlichen Sprache versucht darzulegen.

Nur ist er meiner Meinung nach im letzten Teil damit etwas zu weit gegangen. Wirr und ziellos lässt er den Protagonisten durch die Gegend ziehen, Schlussfolgerungen, Gedanken, Heimkehr, alles bleibt im Nebel. Einiges wird hingeworfen, der Leser bekommt sehr viel Zeit selbst zu denken.

Leider war dieser letzte Teil des Buchs für mich negativ. Es war einfach mehr einer Psychiatrie zugehörig als einem Roman.

Und weil ich es dann doch fertig gelesen habe? Ich dachte immer, da kommt noch irgendeine Auflösung. Die kam aber nicht.

Der Protagonist lebt sein Leben anschließend einsam, nur den Vögeln zugewandt, nur nachdenkend - - - - Ob er eine Art Buße oder Wiedergutmachung damit bezweckt? Oder auch eine Entschuldigung für seine Lebensgeschichte? - Das bleibt offen.

Aber was mir einfiel bei dem Lesen, grade war der Amoklauf in Winnenden geschehen: auch so könnte/kann ein Hintergrund bei einem Jugendlichen abgelaufen sein, der alles in sich speichert, alle Erniedrigungen, Quälereien stumm erträgt, und es eben dann zu Mord/Morden - auch Amoklauf - kommen könnte.
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