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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
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Die Romanhandlung umfaßt den Zeitraum Januar bis Anfang Mai 1945 und endet mit der Abfahrt des letzten Flüchtlingsschiffes aus Ostpreußen.

Kempowski gelingt es in seiner unvergleichlichen Art, diesen Zeitraum zu beschreiben ohne Larmoyanz, ohne Anklage – im Gegenteil, es gelingt ihm durch ungeheuren Detailreichtum alle Seiten abzubilden.

Dieser Roman ist sicher kein Buch für Funktionäre von Vertriebenenverbänden, eher ein Buch für Nachgeborene, die sich nicht staubtrocken informieren, sondern Informationen gut verpackt dargeboten bekommen wollen.

Der bereits angesprochene Detailreichtum wundert angesichts Kempowskis Arbeit an dem Echolot-Projekt nicht, aber wie er sie verpackt die Details ist in der deutschen Literaturlandschaft sicher einmalig.

Was soll man sagen: Gut dem Dinge!
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am 3. Februar 2017
Die ostpreussischen Landadeligen von Globig bewohnen Gut Georgenhof. Auch im letzten Kriegswinter 1944/45 geht das Leben zunächst seinen gewohnten Lauf, vom Krieg und von Entbehrungen ist zunächst noch wenig zu spüren. Doch allmählich rückt die Front näher und das Leben der von Globigs gerät aus den Fugen. Letztlich entscheidet man sich zur Flucht aus der Heimat.

Kempowski baut langsam Spannung auf und entwickelt die Charaktere, um die Handlung letztlich mitten in der Tragödie der Flucht Abertausender Deutscher aus Ostpreussen kulminieren zu lassen. Die Vertreibung eines ganzen Volkes wird anhand den Erlebnissen der Familie von Globig greifbar und gelingt es Kempowski meisterhaft, anhand seiner Hauptprotagonisten darzustellen, wie sich verschiedene Charaktere in Ausnahmesituationen verhalten. Virtuos setzt Kempowski in diesem Zusammenhang das Stilmittel der erlebten Rede ein und erreicht so eine hohe Identifikation des Lesers mit seinen Protagonisten.

Wenngleich Kempowskis Roman problembehaftete Themen wie Krieg, Nazigreuel, Vertreibung und Revanchegelüste nicht ausspart, kommt sein Roman ohne erhobenem Zeigefinger aus: Verurteilende Anklagen oder Rechtfertigungen bleiben aus, die Wertung bleibt dem Leser überlassen. Der Autor bestätigt somit in seinem letzten Roman seinen Ruf als Chronist der deutschen Zeitgeschichte und schildert trotz drastischer Bilder in unaufgeregter Sprache den Ablauf der Ereignisse, ohne selbst Werturteile vorzunehmen.
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am 2. März 2008
Winter 1944/45 in Ostpreußen. Als Leser weiß man, falscher Ort zur falschen Zeit, die Protagonisten wissen es anfangs noch nicht, trügerische Idylle, der Russe wird schon nicht durchkommen. Typisch Kempowski, schildert er Alltag und Personen völlig ohne Emotionen, die sind wieder dem Leser überlassen, er skizziert die Personen klar, nüchtern, eben wie nur Kempowski es kann und gerade das liest sich dann sehr emotional. Die ostpreußische Idylle bröckelt so langsam, die ersten Flüchtlingstrecks werden gesichtet und als die Hausherrin aus einer Laune der Abenteuerlust heraus für eine Nacht einen Juden versteckt, da bröckeln endgültig alle Fassaden. Hektisch wird geflohen, verhaftet, gediebstahlt, eine Reise beginnt, die nur einer überlebt. Alles gut? Oder doch alles umsonst?
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bzw.: Leider wirklich (fast) alles umsonst.

Pflichtbewusst spätbildungsbürgerlich ("Auch einmal Kempowski") las ich über hundert Seiten sowie noch das Schlusskapitel. Über ein Drittel der broschierten Weltbild-Ausgabe war dies also. Dann musste ich mir doch eingestehen, dass "Alles umsonst" wirklich nichts für mich ist. Kempowski wird als Autor sicher wohl noch einmal eine andere Chance bekommen, dieses Buch hingegen wohl kaum. Tatsächlich "alles umsonst".

Warum? Beschrieben wird in "Alles umsonst" das depressiv-dekadente, wegsehende Leben der von Globigs in Weltkrieg-II-Ostpreußen in einer arg simplen wie übermäßig fragezeichenstrotzenden Prosa.

Naiv sind sie also, ausgenutzt und sooo sanft zu den Fremdarbeitern. Es ist kurz vor Kriegsende. Der Russe steht hundert Kilometer entfernt, der Vater bereichert sich und das Reich derweil fernab in Italien, aber er braucht ja den hohen Sold für den Lebensstil der ostadligen äußerst arbeitsfernen Familie. Der sooo blonde Peter ist noch jung und sooo unschuldig.
Und - Vorsicht: etwas zur späteren Handlung - natürlich überlebt dieser Peter mutmaßlich als einziger; natürlich erschießt sich der Vater "genau in diesem Moment, als ...".

"[...] von Goethe und Lessing konnte keine Rede sein bei ihrer Lektüre" (S. 21) - leider, finde ich, auch gar nicht bei diesem Buche.
Zwei bis drei Sterne.
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VINE-PRODUKTTESTERam 17. Januar 2009
Am Anfang bin ich immer wieder über die vielen Fragezeichen "gestolpert", noch nie habe ich einen Roman gelesen, wo so viele Fragezeichen vorkommen. Doch da steckt wohl Absicht dahinter. Die Unsicherheit dieser Kriegsendphase, des Dritten Reichs - die ganze Armut dieses Regimes und des Krieges wird deutlich. Unsicherheit gegenüber allen Personen, allem Gewesenen, allen Werten - Feind und Freund, alles verschiebt sich, ändert sich, wem ist zu trauen? Was wird nicht geraubt und geplündert? Wer wird einen in Notsituationen unterstützen, hält die eigenen Familie zusammen? Halten die einzelnen die Belastung aus oder bleibt ihnen nur noch Selbstmord? Wird ein Kind zum Mörder mit der Waffe oder zum gefühllosen Monster im Anblick all der Grausamkeiten?
Der Geruch der Leichen am Wegesrand ist fast spürbar durch die Beschreibung. Der Albtraum Krieg und Flucht exzellent geschildert. Am Anfang wurde ich fast wütend auf die Unentschlossenheit der Familie, endlich zu fliehen - doch dann dachte ich: wie hätte ich denn reagiert? Wäre ich bereit gewesen alles zu verlassen und einfach weg zu ziehen?
Kempowski schreibt nüchtern, einfache, kurze, prägnante Sätze - teils total hart in ihrer Einfachheit und Schlichtheit, brutal in ihrer kindlichen Sichtweise und berührend in ihrer Schnörkellosigkeit. Spannend bis zuletzt, ein Gemälde der Grausamkeiten, des Umbruchs, des Untergangs.Ich bin froh, nie selbst eine Flucht erlebt zu haben. Und ich bin ebenso froh, das Buch gelesen zu haben, um Nachzuempfinden, was diese Zeit außerdem bedeutet hat, was oft ausgespart wird - der persönliche Kriegszustand des Individuums der Unsicherheit und Einsamkeit.
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am 9. August 2008
Walter Kempowski bringt die Tragödie des Frühjahrs 1945 in Ostpreußen auf die Ebene zurück, wo sie auch geschah, zu den einzelnen Menschen mit deren höchst persönlichen Schicksalen. Diese Menschen wirken echt und plastisch, oft drängt sich einem das Gefühl auf, so einen kenne ich doch und das obwohl der Kontext der damaligen Zeit ein völlig anderer ist. Die handelnden Personen sind unsicher und tun sich schwer das Geschehen einzuordnen. Während sie immer noch zaudern, den Gutshof zu verlassen, will man ihnen zurufen: Jetzt haut doch endlich ab!". Hier wird die diffuse Wissenslage, ein Gemisch aus jahrelanger Nazi - Propaganda, Gerüchten, Lügen und Dingen die man eigentlich wusste aber nicht wahrhaben wollte, besonders schön herausgearbeitet. Die Charaktere sind angenehm ausgewogen, sie zeigen sich fast immer von zwei Seiten, so kann sogar aus einem unappetitlichen Nazi wie Drygalski, am Ende noch ein Held werden. Der Autor verzichtet auf den erhobenen Zeigfinger und die Moralkeule, zu Recht wie ich meine, denn wer seine Bücher gelesen hat, kann ohnehin die - richtigen - Schlüsse ziehen.
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TOP 500 REZENSENTam 31. Juli 2008
Walter Kempowski, der so lange unterschätzte große Chronist der deutschen Nachkriegsgeschichte hat sich unmittelbar vor seinem Tod an eines der schwierigsten Kapitel der jüngeren Vergangenheit herangewagt: an die Geschichte der Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen. Wie kontrovers dieses Thema noch immer behandelt wird, zeigen die Konflikte um das "Zentrum gegen Vertreibung", in dem zahlreiche Stimmen auch in Deutschland ein Instrument des Revisionismus sehen.
Der vorliegende Roman lässt sich auf diese Frontstellungen überhaupt nicht ein, er bietet kein Gesamtpanorama, keine Gesamtbewertung sondern stellvertretend für alle anderen verlorenen Gebiete das mit Liebe und Melancholie gezeichnete Bild der letzten Tage Deutschlands in Ostpreußen.
Die Handlung des Romans setzt ein mit der Jahreswende 1944/5, die Russen stehen bereits an der Grenze, doch die Front erstarrt in trügerischer Ruhe. Auf Gut Georgenhof in der Nähe der Ortschaft Mitkam wird noch einmal Weihnachten gefeiert, als wären die Zeiten noch normal. Die Herrin des Hauses, die schöne, weltabgewandte Katharina von Globig, die Verwalterin des Gutes, das "Tantchen" und der 12jaehrige Peter als Sohn des Hauses beten, essen und musizieren und denken an Vater Globig, der als Wehrmachtsoffizier in Italien weilt. Wie ein Miniaturisierung der alten deutschen Suprematie in Osteuropa wirkt die Zusammenstellung des restlichen Hauspersonals: der treue Pole Wladimir versieht die Stall- und Hausmeisterdienste, und zwei ewig zänkische Mädchen aus der Ukraine versorgen die Küche.
Zuerst will die Handlung nicht recht in Schwung kommen, dann aber merkt man, dass sie einer Schlinge gleicht, die sich immer enger um die kleine Gemeinschaft von Mitkau zusammenzieht. Zuerst erscheinen nur vereinzelte, versprengte Wanderer aus dem Osten, die noch freundlich aufgenommen und beköstigt werden, dann setzt Anfang Januar 1945 das Donnergrollen der wieder erwachten Front ein, und der Flüchtlingsstrom schwillt an. Ein ganzer Querschnitt der Ostgesellschaft wird nun auf Hof Georgenhof einquartiert, ein unverschämter baltischer Baron aus Riga, dann einfache Baltendeutsche, schließlich eine immer weiter anschwellende Armada von Flüchtlingstrecks, die kommen, schlafen und weiterziehen. Kontrolliert und geplant wird die schrittweise Evakuierung vom Naziwart Drzygalski, der jede Spur von Defaitismus verfolgt und mit seinen Evakuierungsbescheiden höchst sparsam umgeht ( Am Ende wird er abhauen und seine kranke Frau einfach zurücklassen ). Inmitten dieser zunehmenden Fluchtbewegungen verharren die Verhältnisse auf Gut Georgenhof in scheinbarer Beständigkeit. Der kleine Peter lauft mit seinem Mikroskop durch die Gegend und beäugt merkwürdig unbeteiligt die Dinge aus allen nur möglichen Distanzen, das "Tantchen" versucht das Ausmaß der Diebstähle in Grenzen zu halten, nur die Gutsherrin Katharina last sich in einem sentimentalen Moment vom Dorfpfarrer dazu überreden, einen flüchtigen Juden für eine Nacht zu beherbergen.
Erst als die russische Front näherrückt und die Beherbergungsaktion Katharina von Globigs auffliegt, geraten die Dinge in Bewegung. Die Mutter wird verhaftet, "Tantchen", Peter, der Pole Wladimir und eine der beiden Ukrainerinnen packen ihre Sachen und schließen sich den Flüchtlingstrekks an. Nacheinander kommen dabei alle um, überrollt, von Bomben getroffen, erschossen wie die Mutter Katharina, aufgehängt wie der Pole Wladimir, kaum eine Todesart bleibt ausgespart auf dem Treck der Millionen, der doch nur in die Irre führt, weil im Westen die Russen bei Allenstein bereits den Weg ins Reich versperren. Am Ende schafft es nur Peter bis ans Meer, er erhält sogar einen Platz auf einer Barkasse für ein Flüchtlingsschiff, wobei aber unklar bleibt, ob er die Fahrt über die Ostsee überleben oder Opfer eines russischen Torpedoangriffes werden wird.
Damit endet das Buch und lässt den Leser ein wenig ratlos zurück. Wer Spektakuläres über Nazigräuel und die Exzesse der Roten Armee erwartet hat, wird enttäuscht, beides bildet nur das Bühnenbild für den Abschied eines ganzen Volkes aus seiner Heimat. Die Vielfalt dieses Volkes wird in Form zahlreicher psychologisch sparsam aber effektvoll in Szene gesetzter Figuren charakterisiert. Werturteile, Gejammer oder Anklagen wird man in dem Roman vergeblich suchen. Dafür ist es voller schmerzhaft einprägsamer Bilder, die man nicht so schnell vergessen wird - etwa die Evakuierung der Alten und Gebrechlichen mit ihren Schläuchen und Kathedern auf baufälligen Karren oder der endlose Bandwurmzug der Flüchtlinge - vom Hügel eines stolzen Dichterhauses aus gesehen, dessen Besitzer schon längst das Weite gesucht hatte. So endet nicht nur die deutsche Geschichte in Ostpreußen, mit diesen Bildern und Sentenzen endet auch dieser Roman Leben des großen Autors Walter Kempowski, und beider in Trauer und Respekt zu gedenken, muss erlaubt sein.
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am 7. Dezember 2007
In seinem neuesten Roman schreibt Kempowski über den 12jährigen Peter und seine Familie, die bis knapp vor Kriegsende diesen auf dem Georgenhof relativ unbeschadet überstanden haben. Im letzten Kriegswinter bzw. im Frühjahr 1945 muss die adelige Familie jedoch doch noch von ihrem Gut in Ostpreußen fliehen und der (eigentlich) zweite Teil des Werkes beginnt.
Das Buch ist mit zahlreichen informationen vollgepackt, die verschiedenen Charaktere sind überaus anschaulich dargestellt. Jedes einzelne Familienmitglied wird einem einfühlsam vorgestellt und nahegebracht, sodass die verschiedenen Schicksale einen deshalb umso härter treffen.
Kempowski schildert sehr realistisch und teilweise auch mit harten Worten, manchmal sogar etwas emotionslos die Ereignisse, was für mich das Werk aber nur noch anziehender gemacht hat; - eben weil es einmal kein typisches Buch "über eine Kindheit in der NS-Zeit" ist. Denn dazu ist es einfach viel zu realistisch und auch zu "naiv" (aber im besten Sinn des Wortes gemeint) geschrieben.
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VINE-PRODUKTTESTERam 11. September 2006
Alles fängt recht harmlos an: Der Gutshof Georgenhof der Familie von Globig in Ostpreussen wird beschrieben, seine Bewohner und Besucher einzeln vorgestellt, die weltfremde schöne Gutsbesitzersgattin Katharina, das schrullige, aber resolute Tantchen, der 12-jährige Sohn Peter, um den sich eigentlich keiner so recht kümmert. Ausser der täglich zu Besuch eilende Studienrat Wagner, ein alter Herr, dem das Deutsche sehr wichtig ist.

Es ist der letzte Kriegswinter, 1945, Kälte, Eis und Schnee herrschen in Mitkau und Umgebung. Die Gutshof-Bewohner und deren Freunde leiden jedoch keine Not. Der Vater, Eberhard, ist zwar in Italien, kriegsbedingt, aber bisher ist niemandem etwas Schlimmes passiert.

Bis plötzlich in der Ferne Geschützdonner zu hören ist, "der Russe kommt" und der unendlich lange Treck der Flüchtenden am Georgenhof vorbeizieht. Zunächst findet man es ganz interessant, bekommt dann auch Einquartierung. Bis plötzlich, durch eine abenteuerliche, unüberlegte Handlung Katharinas, alles auseinanderbricht. Hinzu kommt nun auch noch die Flucht der Familie von Globig, von jetzt auf nachher beschlossen, ohne auf die Mutter zu warten.

Und ab da geschehen Ungeheuerlichkeiten, die sich dem Leser um so gnadenloser einprägen, als sich die Form des Erzählens in keiner Weise ändert, wohl aber der Inhalt!!

Walter Kempowski schreibt Sätze hin, dass man Gänsehaut bekommt, aber in einer ebensolchen Sachlichkeit, fast Indolenz, wie er sein Tagebuch "Im Block" geschrieben hatte.

Er versteht es meisterhaft, in einem Satz, bestenfalls mit noch einem Nebensatz, einen Menschen zu charakterisieren, dass man ihn förmlich vor sich sieht. Ja, sogar mit den Satzzeichen arbeitet er, mal ein Fragezeichen hinter einem Satz, wo eigentlich keines hingehört, mal Ausrufungszeichen gezielt eingesetzt.

Für mich ist er der größte zeitgenössische Erzähler überhaupt, er schafft es auf seine Weise, dass nichts in Vergessenheit gerät von der deutschen Geschichte.
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am 22. Oktober 2009
Wie eine langsam anschwellende Flut, gleitet die Erzählung, von einer noch im Januar 1945 beinahe heilen Welt auf einem ostpreußischen Gutshof, hin zu einer menschlichen Tragödie geradezu unfassbaren Ausmaßes, die alle gesellschaftlichen Strukturen der Region mit sich reißt und am Ende geradezu sinnbildlich in die Ostsee mündet . Walter Kempowskis Erzählweise bleibt trotz der Eskalation der Ereignisse gleichbleibend ungerührt. Gerade durch diesen Kontrast zwischen der Zuspitzung der Ereignisse und dem Plauderton des Erzählers/Autors bekommt die Geschichte eine gespenstische Unausweichlichkeit. Am Ende fragt man sich unweigerlich, wie schnell unsere eigene heile Welt davon geschwemmt würde, wenn eine ähnliche oder anders geartete Flutkatastrophe" über uns hereinbräche.
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