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am 11. April 2014
Irgendwie war ich mir schon nach der Leseprobe der Besonderheit und schlichten Magie dieses Buches bewusst!

Inhalt:
Byron ist 11 Jahre alt, als zwei Sekunden zur Zeit hinzugefügt werden sollen; eine Vorstellung, die ihm Angst macht! Denn wie kann etwas existieren, das eigentlich gar nicht da sein sollte?
Und während Byron die Zeiger seiner Uhr rückwärts laufen sieht, passiert der Unfall, der alles verändern wird.
Auf dem Weg zur Schule, Byron sitzt mit seiner Mutter und seiner Schwester im Auto, sieht dieser plötzlich das kleine Mädchen mit dem roten Fahrrad, das seine Mutter anfährt.
Ein Ereignis, das weite Kreise zieht und die Leben aller Beteiligten grundlegend verändert...

Cover:
"Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" Ein Titel, der Eindruck macht, aus der Masse hervor sticht und es gar unmöglich macht, das Buch nicht zu lesen.
Im Einklang mit dem Titel steht das Cover, das zwar schlicht ist, aber dennoch meine Aufmerksamkeit erregte. Auch hier zeigt sich wieder, dass ein einfaches, passendes Cover viel schöner ist, als ein sehr buntes, das überladen ist.
Insgesamt ein sehr berührendes Cover!

Meine Meinung:
Der Anfang ist anders, herausstechend und hat mich sofort dazu veranlasst, weiterzulesen, in freudiger Erwartung, was aus daraus gemacht wird und voller Neugier!
Es ist nicht leicht, Worte für das zu finden, was das Buch transportiert, was es ausmacht.
Es erzählt so viel mehr, als auf den 430 Seiten steht, es ist ein Buch zum zwischen den Zeilen lesen...
Und ich sitze hier, überlege, wie ich deutlich machen soll, dass man das Buch eigentlich nicht zuschlagen konnte, weil man den Figuren nicht ihr Leben nehmen wollte, dass das Buch ehrlich und echt mit verschiedensten Themen umgeht, dass es mich beschäftigt hat, in meinem gesamten Körper schien alles darauf zu reagieren.
Ich gebe mein bestes und doch kann ich den gesamten Umfang nicht deutlich machen; ich versuche es in einzelnen Schritten.
Die Idee: Super! Zeit scheint für uns so selbstverständlich, aber woher wollen wir wissen, ob sie das ist? Dieser Gedanke ist philosophisch und in gewisser Weise auch wichtig für das Leben des Einzelnen.
Die Umsetzung: Einfühlsam und bezaubernd auf seine eigene Art und Weise, auf die Frage wird eine Antwort gefunden, die sich jeder individuell zurechtlegen kann. Der Schreibstil war passend und auffällig, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.
Die Charaktere: Sie konnten einfach nicht einer Feder entsprungen sein, sie waren echt, und damit meine ich nicht perfekt und logisch strukturiert aufgebaut, damit meine ich: Ich musste mich zusammenreisen, um nicht nachzuschauen, ob sie meine Nachbarn sind, ob sie hier irgendwo wohnen...
Die verschiedenen Charaktere, die aus verschiedenen Lebensphasen und in verschiedener Weise erzählen, geben allem eine gewisse Spannung, auf eine andere Art als in einem Krimi allerdings. Es war eher eine Erwartung darauf, wie die Charaktere zusammengehören, keine unerträglich stille Spannung.
Das Ende hat die gesamte Geschichte zusammengeführt und bei mir ein unbeschreibliches Gefühl ausgelöst, unbeschreiblich und so echt. Es war fast unheimlich.

Fazit:
Was machen wir, wenn grundlegende Dinge auf einmal durcheinander geworfen werden? Wie stabil sind die Pfeiler unseres Lebens und was sind die Auswirkungen einer Veränderung?
Das Buch stellt auf seine eigene Art Dinge infrage, die wir für selbstverständlich erachten und berührt uns mit seinem einzigartigen Beispiel.
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am 17. Januar 2016
Rachel Joyce erzählt uns in ihrem Buch „Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“, einen Roman in zwei Erzählsträngen, die sich kapitelweise abwechseln. Ein Handlungsstrang spielt in England 1972 und erzählt die Geschichte des wohlbehüteten 11-jährigen Byron und seiner gutsituierten Mutter Diana. Die zweite Geschichte spielt 40 Jahre später, in der Gegenwart und schildert das Leben des 50-jährigen Jim, der wegen neuropsychiatrischer Erkrankungen in einer Nervenheilanstalt untergebracht ist. Erst am Ende des Romans wird die Verbindung von Byron und Jim aufgeklärt und so sind nicht nur die einzelnen Handlungen spannend mitzuverfolgen, sondern auch das Rätsel um den Zusammenhang der beiden Geschichten, muss am Ende gelüftet werden.

England 1972. Der 11 jährige Byron kann nicht glauben, was ihm sein Freund James erzählt: Zwei Sekunden sollen in diesem Jahr der Zeit hinzugefügt werden, um die Erdrotation und Zeitrechnung wieder in Einklang zu bringen und gerade in diesem verhängnisvollen Augenblick, als Byron im Auto seiner Mutter sitzt und die Zeiger seiner Uhr beobachtet, geschieht ein Unfall, der das Leben aller Beteiligten verändert.

Auf dem Weg zur Schule, fährt Byrons Mutter Diana in dichtem Nebel, ein kleines Mädchen an aber merkt es nicht. Byron kann es nicht fassen! Niemand außer ihm scheint das Mädchen auf dem roten Fahrrad gesehen zu haben, aber der Junge beschließt zunächst keinen von dem Unfall zu erzählen. Erst als ihn das Geheimnis immer mehr belastet und er seine Schuldgefühle und Gewissensbisse nicht mehr ertragen kann, bricht er sein wochenlanges Schweigen und spricht seine Mutter auf den Unfall an. Auch seinem Freund James, erzählt der Junge von dem Ereignis und zusammen schmieden die beiden Freunde Pläne, um das unbekannte Kind ausfindig zu machen.

Hinter dem Rücken ihres antiquierten Ehemannes, nimmt die hübsche Diana schließlich Kontakt zur Familie des Mädchens auf und sie gerät immer mehr in den manipulativen Strudel der berechnenden Mutter Beverly. Byron und Diana werden schnell zum Spielball der Ereignisse. Nach und nach schleicht sich Beverly in das vornehme und elitäre Leben von Diana ein, denn sie selbst stammt aus ärmlichen Verhältnissen und Diana sieht sich schließlich den weiteren Geschehnissen hilflos ausgeliefert. Byron bittet James um Unterstützung und beide erstellen den Plan „Operation Perfekt“ um Diana zu helfen, doch es kommt alles anders als erwartet und sie können die weiteren Ereignisse nicht mehr aufhalten.

Etwa 40 Jahre später, rückt ein gewisser Jim in den Fokus der Geschichte. Der 50-jährige Mann ist ein stiller Zwangsneurotiker ohne Familie und scheinbar ohne Vergangenheit. Mit seinem Dasein überfordert, hat Jim sein halbes Leben in der Psychiatrie verbracht und seit er zwangsweise ins Leben entlassen wurde, jobbt er in einem kleinen Supermarkt-Café. Trotz seiner vielen Zwänge und Rituale, lernt er im Laufe der Geschichte Eileen kennen und nach und nach erfahren wir mehr aus Jims Leben und seiner Vergangenheit.

Ich konnte leider die gegenwärtige Geschichte sehr schnell mit den Ereignissen des Sommers 1972 zusammenbringen. Dennoch war ich vor allem von Byrons Weg, seinem kindlichen Charakter und seiner Gedankenwelt absolut gefesselt. Sehr berührend fand ich die Tatsache, dass der 11-jährige Junge alles tut, um seine fragile und unglückliche Mutter vor Unheil zu bewahren und sich dabei mit kindlicher Naivität in verschiedene Ängste verläuft. Es ist sehr beeindruckend, wie lebensnah sich die Autorin in Byron hineinversetzen konnte aber noch interessanter, fand ich Dianas Persönlichkeit, die unglaublich authentisch beschrieben wurde. Äußerlich perfekt, merkt der Leser schnell, dass hinter der schönen Fassade, eine leidende Seele schlummert. Diana täuscht die perfekte Idylle vor obwohl sie scheinbar sehr einsam ist.

Der Autorin ist es gelungen, eine melancholische und unheilvolle Stimmung entstehen zu lassen und genau diese bedrückende Atmosphäre war für mich sehr spannend und mitreißend. Lange Zeit habe ich mich gefragt, ob sich der liebenswerte Junge den Unfall bloß eingebildet hat und war gespannt, wie Diana mit der Situation umgehen wird.

Enttäuscht und gelangweilt war ich hingegen von Jims Geschichte. Eher gleichgültig, habe ich seinen Lebensweg verfolgt und konnte keine Sympathie zu ihm aufbauen; lediglich ein wenig Mitleid. Da sich für mich die Zusammenhänge der beiden Geschichten zu schnell erahnen ließen und Jims Lebenswegs sehr langweilig beschrieben wurde, konnte mich das Buch leider nicht vollkommen überzeugen aber ist mit seiner dunklen Atmosphäre dennoch ein lesenswerter Roman, vor allem für kalte Herbst- und Wintertage.
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am 16. Januar 2015
England, 1972. Die zehnjährigen Schüler Byron und James sind beste Freunde. Als der wissensdurstige James erzählt, das in diesem Jahr die Zeit um 2 Sekunden zurückgestellt werden soll, um die Diskrepanz zwischen Zeitmessung und Erdrotation auszugleichen, ist Byron entsetzt über die Willkür, mit der hier auf die Zeit Einfluss genommen wird.
Und das daraus folgende Unglück lässt nicht lange auf sich warten: Seine Mutter fährt mit ihrem teuren Jaguar ein kleines Mädchen auf einem roten Fahrrad an. Eigentlich sollte sie, als Mitglied der gehobenen Mittelschicht sich gar nicht in dieser heruntergekommenen Sozialsiedlung aufhalten, aber sie nimmt trotzdem hinter dem Rücken des gestrengen Ehemanns Kontakt zu der Mutter des Kindes auf. Und wird natürlich von dieser nach Strich und Faden ausgenommen.
Byron und James entwickeln den Plan "Perfekt", um das drohende Unheil abzuwenden.
Etwa 40 Jahre später versucht der Jim, ein vom Schicksal schwer gebeutelter Mann, seine Psychosen in den Griff zu kriegen. Und findet plötzlich neue und alte Freunde.

Rachel Joyce schrieb mit ihrem Roman Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry einen Welterfolg, der in über 30 Sprachen übersetzt worden ist. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren 4 Kindern in Gloucestershire und wird hoffentlich noch viele, viele Bücher schreiben. Denn zusammen mit Joanne K. Rowling und Sarah Butler gehört sie für mich in die Riege der begabtesten, britischen Erzählerinnen.

Meine Meinung:

Wer sich als Erwachsener so in einen sensiblen, kleinen Jungen hineinversetzen kann, ist entweder ein bisschen Kind geblieben oder/und hat viel mit Kindern zu tun. Dabei fühlt sich die Autorin 52 Büchernicht nur in die innere Welt des viel zu ernsten Byron ein, sie schafft es auch aus einer gewissen Kinder-Erwachsenendistanz, die Gefühlslage der Mutter zu skizzieren - eine Person, von der man eigentlich gerne ein bisschen mehr erfahren möchte.
Was mir natürlich gut gefällt, ist ihr kritischer Umgang mit dem elitären Gehabe der Besserverdienenden in Großbritannien und wie armseelig und hilflos sich die kleinen und großen Menschen in dieser lieblosen Umgebung zwangsläufig entwickeln.
Dieses Missverhältnis zwischen Haben und Sein findet sich aber nicht nur bei den Briten.

Übrigens wird immer wieder mal sogenannte Schaltsekunden eingeführt, wie 1972 oder demnächst am 30. Juni 2015.
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am 9. April 2015
In zwei Sekunden kann viel geschehen. Byron weiß das nur zu gut, denn er ist sich sicher, wenn diese zwei Sekunden nicht gewesen wären, hätte seine Mutter sicher niemals das kleine Mädchen auf dem roten Fahrrad angefahren. Warum mussten sie auch unbedingt jetzt diese zwei Sekunden hinzufügen? Byron ist elf Jahre alt, genau wie sein Freund James. Gemeinsam versuchen sie, herauszubekommen, was genau passiert ist. Byron's Vater hat seiner Frau erst vor kurzem dieses Auto geschenkt. Er darf von diesem Unfall nie erfahren. Aber was ist mit seiner Mutter los? Scheinbar hat sie von diesem Unfall überhaupt nichts bemerkt. Doch als Byron sie davon überzeugen kann, dass es tatsächlich geschehen ist, verändert sie sich langsam, aber sicher.

Meine Meinung
Es braucht weniger als eine Sekunde, wenn ein Unglück passiert. Und hier sind es eben zwei Sekunden, die ausgerechnet in dem Moment dazugefügt wurden, um die Zeit korrekt laufen lassen zu können.
Es ist mein erstes Buch von Rachel Joyce und ihr Stil ansich gefällt mir ganz gut. Es ist eine interessante Idee, die sie hier auf Papier bringt. Und auch die Protagonisten sind gut dargestellt. Aber all das nutzt nichts, wenn die Geschichte zu lang wird. Im Grunde genommen sind es zwei Geschichten, die abwechselnd erzählt werden. Die eine handelt im Jahr 1972, als der Unfall geschah. Byron und James sind noch Kinder und ihre Welt gerät vollkommen durcheinander.
Die andere Hälfte des Buches besteht aus der gegenwärtigen Zeit, mindestens vierzig Jahre nach dem Unfall und handelt von Jim.
Im Laufe der Erzählung erfährt man von ihm, dass er seit seiner Jugend immer wieder in psychiatrischen Einrichtungen behandelt wurde und auch heute noch bestimmten Zwangshandlungen unterliegt.
Es hat ein wenig gedauert, bis ich dahinter kam, was es mit diesem Jim auf sich hat. Leider zieht sich das Ganze dabei zu sehr in die Länge, bis die Autorin endlich auf den Punkt kommt. Wo anfänglich noch Neugier herrscht, hofft man irgendwann nur noch auf das Ende. Trotzdem wollte ich es auch nicht vorzeitig beiseite legen, denn es ist sehr vielfältig. Hier treffen psychische Probleme und Wahrheiten aufeinander, hier verknüpfen sich Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Alltägliche Gegebenheiten lösen massive Konflikte aus und bringen so scheinbar perfekte Idylle förmlich zum Einstürzen.

Meine Meinung
Alles in allem schon berührend, aber durch die Längen hat es mich nicht wirklich mitgerissen. Dabei ist es kein schlechtes Buch.
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am 19. Februar 2014
1972 wurden der Zeit zwei Sekunden hinzugefügt. Diese zwei Sekunden werden Byron zum Verhängnis. In diesem schicksalhaften Augenblick entscheidet sich sein ganzes Leben, als seine Mutter ein kleines Mädchen überfährt, was aber nur Byron bemerkt.

Die Geschichte ist in zwei Erzählstränge unterteilt. Auf der einen Seite erfährt man die Begebenheiten Anfang der 70er-Jahre. Der Leser begleitet den 11jährigen Byron und sieht, wie sich die Ereignisse gemächlich zuspitzen.
Auf der anderen Seite befindet man sich in der Gegenwart und kämpft sich mit dem neurotischen und psychisch labilen 50jährigen Jim durch den Alltag.

Trotz des hervorragenden Schreibstils der Autorin und die ausgefeilten Charaktere hat mich diese - wenn auch sehr rührende Geschichte - doch gelangweilt. Ungefähr ab der Mitte des Romans hätte ich mir etwas mehr Schwung gewünscht. Insgesamt hat mich die Geschichte zwar stellenweise berührt, allerdings konnte mich die durchgehend depressive Stimmung im Buch einfach nicht überzeugen.

(c) NiWa
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TOP 500 REZENSENTam 22. November 2013
Nach ihrem überwältigenden Harold Fry-Bestseller hatte die Autorin für ihren neuen Roman die Wahl, entweder etwas Ähnliches, vielleicht sogar eine Art Fortsetzung zu schreiben, oder etwas ganz Anderes, Neues. Die Autorin hat sich für das zweite entschieden und damit eine gute Wahl getroffen - für sich und für ihre Leser. Warum ich hiervon überzeugt bin, möchte ich im Folgenden zeigen und dabei auf verschiedene Aspekte ihres Romans eingehen.

DER BUCHTITEL
Eigentlich fast das Einzige, was mir an dieser deutschen Ausgabe nicht so gefallen hat. Ich weiß nicht, woher die "Unsitte" kommt, einem Roman, dem die Autorin ganz bewusst einen bestimmten Titel gegeben hat, bei der Veröffentlichung in einem anderen Land, in einer anderen Sprache einen völlig anderen Titel zu geben. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" klingt so technisch, als ginge es darum, ein mathematisches oder astronomisches Problem zu lösen. Im englischen Original heißt der Roman ja einfach nur "Perfect" Wahrscheinlich meinte der Fischer- Verlag, dass das für deutsche Ohren zu banal, zu kitschig klingen könnte. "Perfekt" wäre jedenfalls nach meiner Meinung der viel bessere Titel auch für die deutsche Ausgabe gewesen, weil er den Inhalt des Romans viel besser widerspiegelt. Denn es geht im Buch ja darum, dass die Dinge des Lebens eben nicht immer perfekt sind, und man dies akzeptieren muss, statt sich um eine Perfektion zu bemühen, die alles eher noch komplizierter macht.

DIE STORY
Hier will ich mich kurz fassen, weil die Handlung ja schon in der oben stehenden Buchbeschreibung angedeutet ist, und sicher auch von vielen meiner Mitrezensenten ausführlich beschrieben wird. Es geht also darum, dass im Jahr 1972 zwei Sekunden dazu addiert werden, und bei dieser minimalen Zeitumstellung ein Unfall passiert, der das Leben aller Beteiligten verändert. Obwohl es diese Schaltsekunden damals wirklich gab, sind sie im Buch auch eine Art "Aufhänger" für das, um was es der Autorin in ihrem Roman geht: zu zeigen, wie vergänglich alles ist, wie schnell sich im Leben alles ändern kann - manchmal eben innerhalb von Sekunden.

DER AUFBAU DES ROMANS
Es gibt zwei Erzählstränge, die sich kapitelweise abwechseln und scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der erste Erzählstrang spielt im Jahr 1972 und beschreibt den erwähnten Unfall und seine Nachwirkungen. Der zweite Erzählstrang spielt in der Gegenwart und beschreibt das Leben eines einsamen, durch Krankheiten gebeutelten, aber nicht unsympathischen 50-jährigen, der immer noch irgendwie seinen Platz im Leben sucht. Die Verknüpfung von zwei scheinbar nicht im Zusammenhang stehenden Geschichten innerhalb eines Romans ist immer eine schriftstellerische Herausforderung, ein riskantes Unternehmen, das auch scheitern kann. Hier ist es aber nach meiner Meinung eindeutig gelungen, denn die Autorin schafft es, den ganzen Roman über die Neugier darüber aufrecht zu erhalten, was denn beide Geschichten, die ja zeitlich Jahrzehnte auseinander liegen, miteinander zu tun haben könnten und löst das Geheimnis erst endgültig auf den letzten Seiten auf - und zwar in überzeugender Weise.

WARUM MICH DAS BUCH ZUM NACHDENKEN ANREGTE
Die Geschichte von Rachel Joyce hat einem so viel zu sagen, wenn man sich auf sie einlässt. Ich möchte als Beispiel nur die Figur des 11-jährigen Byron herausnehmen, der den oben erwähnten Unfall verursachte, bei dem seine Mutter ein Mädchen angefahren hat, ohne dies überhaupt zu merken - nur Byron selbst bemerkte es. Er fühlt sich schuldig und will es unbedingt wieder gutmachen. Dabei gerät er in Situationen die ihn überfordern, missdeutet Gespräche, die er als 11-jähriger noch nicht verstehen kann, gerät an Dinge des Lebens, die seinen geistigen Horizont übersteigen. Und obwohl das alles aus der Perspektive eines Kindes geschildert wird, ist aus meiner Sicht die unausgesprochene Botschaft der Autorin an den Leser: Wir alle kennen vom Leben viel weniger, als wir glauben. Die Möglichkeiten, es zu beeinflussen, oder auch nur zu verstehen sind viel kleiner als wir es wahrhaben wollen - und das sollten wir auch akzeptieren, statt nach Perfektion zu streben. Demut ist das, was man aus dem Buch mitnimmt.

FAZIT
Wie schon oben erwähnt, ist dieser Roman komplett anders als sein Vorgänger. Den Harold Fry konnte man praktisch jedem risikolos als Geschenk in die Hand drücken und sich schon im Voraus über dessen anerkennenden Dank nach der Lektüre freuen. Denn wer liest nicht schon gern so eine herzerwärmende Geschichte die so voller Lebensmut steckt. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist anders: ernster, nachdenklicher, ja auch dunkler - aber deswegen keinesfalls weniger wertvoll. Mit Büchern ist es vielleicht wie mit Menschen: man braucht die Optimisten, die für gute Stimmung sorgen. Man braucht aber auch die Nachdenklichen, die die Dinge des Lebens ergründen wollen. Und zu dieser zweiten Kategorie gehört Joyces aktueller Roman. Vielleicht ist es nicht unbedingt das ideale (Weihnachts)Geschenkbuch. (zumindest nicht für jeden) Dafür aber ein Buch, was man sich selber schenkt, wenn man erspüren möchte, was das Leben ausmacht.
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am 31. März 2015
Entweder, ich war beim Lesen nicht konzentriert genug, oder ich bin schlicht zu doof. Ich sag mal so, um nicht zu viel zu verraten: WIE die beiden Handlungsstränge zusammengehören, hat sich mir leider erst kurz vor Schluss erschlossen! Das hat das Lesevergnügen im Nachhinein sehr geschmälert. Sicher: es ist angenehm geschrieben, sehr einfühlsam an manchen Stellen; ich habe einige sehr tiefsinnig-philosophische Aussagen gefunden, die ich mir merken wollte (was in der Regel ja nicht klappt, außer man schreibt es auf). Jedenfalls habe ich nach diesem Buch große Lust auf leichtere Kost.
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am 20. November 2013
James und Byron wachsen in den frühen 70ern als Kinder der Wohlbgüterten auf. Sie wohnen in der selben Nachbarschaft, gehen gemeinsam zur Eliteschule und sind beide SEHR phantasiebegabt. Byrons Mutter Diana wird von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt - und von einem wenig liebevollen Ehemann. Ihr Leben ist eine Fassade, und es gelingt ihr, sie aufrechtzuerhalten - bis zu dem Tag im Jahre 1972, an dem es zwei extra-Sekunden gibt. Byron hat sie gesehen, diese Zusatzsekunden - und das, was in diesen zwei verhängnisvollen Sekunden passiert.
Immer mehr gerät Dianas gutgeschmierte Lebens-Maschine aus dem Takt, und sie gerät mehr und mehr unter den Einfluss der manipulativen Beverly.

An und bei 40 Jahre später: Jim arbeitet in einem kleinen Supermarktcafé und kämpft mit einer immensen Menge an Zwängen. Er hat es offenbar nicht leicht gehabt im Leben: Aufenthalte in der örtlichen Nervenheilanstalt - bis diese endgültig schloss und Jim zwangsweise ins echte Leben entlassen wurde.
Doch es gibt auch einen Silberstreif am Horizont: der naht in Gestalt der bald-schon-wieder-Ex-Kollegin Eileen, die selbst die eine oder ander Macke hat.

Dieser Plot hätte ein richtig schönes Feel-Good-Buch werden können - aber leider hat die Autorin keine Charaktere, sondern nur Abziehbilder davon geschaffen. Und irgendwie sind alle ein bisschen zu viel: Diana ist zu hilflos, Beverly zu berechnend, Seymour zu schattenhaft, James zu zwanghaft. Und die Nachbarsgattinnen sind eh alles Drachen.
Einzig Byron wirkt einigermaßen "echt", ist aber letztendlich nur ein Spielball der Ereignisse.
Insgesammt ist die Grundstimmung dieses Buches sehr depressiv - vielleicht sollte man sich das Buch für die helleren Spätherbsttage aufheben.

Ehrlich gesagt, hatte ich keine allzugroßen Erwartungen an dieses Buch. Mir hatte der Vorgänger sehr gut gefallen, das war meine Hauptmotivation, diesem Buch eine Chance zu geben. So gesehen bin ich auch nicht allzu enttäuscht darüber.

Aber natürlich hätte ich mich über eine Überraschung an dieser Stelle gefreut...
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TOP 500 REZENSENTam 21. November 2013
Während der Erstling von Rachel Joyce ein Roman war, der Mut machte, Lesefreude erzeugte, ja einen regelrechten Sog auf den Leser zu übertragen vermochte, kommt dieses Buch ein einem völlig anderen Gewand daher, auch mit weniger Esprit und weniger begeisternder Lesewirkung. Wir erinnern uns: Jener 65-jährige Harold Fry, pensioniert, macht sich zu Fuss zu seiner an Krebs erkrankten Freundin auf, seine Hymne: Ich werde laufen und sie muss weiterleben. Ein Roman über Vergangenheitsbewältigung, über Beziehungsaufarbeitung und Selbstfindung. Eine Geschichte, die darüber erzählte, wie Glauben Berge versetzen konnte, ich war damals begeistert (2012). Fry war ein Romanheld, der gestärkt aus einer Krisenverarbeitung hervorging.

Ganz anders im neuen Buch von Rachel Joyce: Erzählt wird die Geschichte einer Kindheit und Jugend. Byron steht im Mittelpunkt dieses Romans, der in England spielt, Anfang der siebziger Jahre, er lebt dort mit seiner Mutter Diana und seiner Schwester Lucy. Joyce entfächert hier einen Roman der zwischen einer Kind- und Jugendbiographie wandert, mit vielen poetischen Textstellen versehen ist, und gleichzeitig von einer anhaltenden Schwere und Melancholie durchzogen ist, die immer stärker den ganzen Roman durchzieht. Eine Schwere die nicht zu greifen ist, nicht wirklich zu erklären ist, und doch: Nimmt sie immer mehr Raum ein. Aus meinem Empfinden hätte die Autorin gut daran getan, die Schwere etwas zu reduzieren und der Poesie mehr Raum zu geben. Denn aus meiner Sicht wird dieser Roman von einem melancholischen Gewicht dominiert, sodass die schöne poetische Seite bei Rachel Joyce, zumindest nach meinem Empfinden das Nachsehen hat, was ich persönlich bei dieser jungen talentierten Autorin aus England sehr schade finde. Im Verhältnis zum Erstling konnte ich nicht annähernd eine ähnliche Begeisterung entwickeln, auch wenn dieser Roman gut geschrieben ist. Nachdem man das Buch schliesst, bleibt leider eine gewisse Schwere vorhanden...

Joyce entwickelt einen Plot, der auf zwei Zeitebenen spielt. Das ist zum Einen ist da jene Familie, in der Byron aufwächst, wir sind in den siebziger Jahren. (1. Erzählebene) Gleichzeit beschreibt die Autorin das Leben eines Jim (2.Erzählebene), der etwas sonderbar daher kommt, er redet mit Gegenständen in seinem Wohnmobil: Er sagt: "Hallo Seife, hallo Steckdose. Hallo Teebeutel." Er ist davon überzeugt, nur mit Ritualen durchs Leben zu kommen. Wir sind in einem Ort namens Cranham Village, er macht einen zerbrechlichen und auch irgendwie komischen Eindruck auf einen, denn Joyce deutet hier in Bezug auf einen Charakter nur an, ohne den Leser dabei eine Sicherheit in die Hand zu geben. Jim einzuordnen wird zum Eierlauf, doch deutet alles irgendwie darauf hin, dass er psychische Probleme hat und einem Ort namens Besley Hill lebte, wo Menschen psychiatrisch versorgt werden. Als er eines Tages von Eileen angefahren wird, wird sein Leben ganz schön durcheinander geschüttelt. Doch diese Plotebene scheint vierzig Jahre versetzt, zu der Familie von Byron, und über eine weite Strecke weiss man einfach nicht, was denn nun beide Erzählebenen miteinander zu tun haben sollen.

Als Byron mit seiner Mutter im Auto unterwegs ist, sieht er, wie seine Mutter ein kleines Mädchen auf einem Fahrrad anfährt, ohne dass Diana, seine Mutter davon Kenntnis nimmt. Zudem kommt noch eine mysteriöse Zeitverschiebung ins Spiel, die genau zu diesem Zeitpunkt, als der Unfall passiert, geschieht. Es geht um zwei Sekunden, die die Uhr zurück machte, als der Unfall geschah. Über gut zwei drittel des Buches kreist der Plot nur um diese ominöse Unfallsituation, die z.T. über weite Strecken wie ein fader Familienroman daherkommt, ohne dass wirklich etwas passieren würde. Man weiss nicht um es geht und auch nicht, auf was Joyce hinaus will. Byron ist immer ganz nah an seiner Mutter dran, erlebt und bespricht vieles mit ihr. Der Unfall lässt ihn nicht mehr los, er drängt seiner Mutter dazu, den Unfallort noch mal zu besuchen, und ausfindig zu machen, welches Mädchen verletzt wurde. Letztendlich sind es seine Schuldgefühle, die ihn verfolgen und ein Recherchieren ermöglichen. Er hat einen richtig guten Freund an seiner Seite, James. Gemeinsam erleben und reflektieren sie viel. Eine befruchtende Jungenfreundschaft. Diana lebt jedoch mit ihrer Tochter Lucy und Byron alleine. Ihr Mann lebt und arbeitet in London, und kommt nur am Wochenende zu Besuch. Als er Diana einen Jaguar schenkt, wird schnell deutlich, dass es zwar nicht an Geld mangelt, jedoch an emotionaler Liebe und Geborgenheit. Und obwohl Diana ihre Freundinnen zum Kaffee einlädt, macht sie einen sehr einsamen, fragilen Eindruck. Ähnlich wie Jim, scheint sie psychisch nicht wirklich glücklich zu sein, wenn auch hier vieles viel subtiler als bei Jim geschildert wird. Beide Persönlichkeiten, wenn auch 40 Jahre versetzt, haben irgendwie einen psychischen Mangel, einen Verlust, oder vielleicht Schaden zu verkraften. Und das ist auch das, was dem Buch die erwähnte Schwere verleiht. Denn im Grunde lüftet Joyce erst gegen Ende, die näheren Gründe, führt beide Erzählebenen durch einen kleinen Trick zusammen, den man natürlich hier nicht erzählen sollte. Nur gilt es das auch bei diesem Roman auszuhalten, der bei weitem nicht an die Klasse seines Erstlings heranreicht.

Eine Geschichte, über die Zerbrechlichkeit des Lebens, über Einsamkeit, über die Freundschaft in der Kindheit, über Schuld, über Einbildung, über psychische Einbussen, über das Auseinanderleben und dem Suchen nach Freundschaft, über Verlust, wie Verlust Menschen vielleicht schädigen kann, ein Roman der mit leidenschaftlicher Poesie geschrieben wurde, darüber wie Menschen durch die Tragik im Leben selbst zerbrechlich werden und auch die Fragilität eines Umfeldes wie eine Familie vielleicht weiter gereicht werden kann. Joyce beschreibt ein Leben, bei dem sich trotz aller eingerichteter Perfektion menschliche Abgründe auftun, denen nicht zu entrinnen ist. Ein Roman der mit einer grossen Naturverbundenheit geschrieben wurde, mit wunderbar poetischen Formulierungen, der über lange Strecken nichts verrät und bei dem man eine gewisse Schwere zu ertragen hat, die sicher Geschmacksache ist, für meinen Begriff zu dick aufgetragen wurde. Mit Harold Fry lässt sich dieses Buch nun wirklich nicht vergleichen. Das hier beschriebene Schwere muss auch noch ausgehalten und verdaut werden.

Zitat:
"Hinter der Siedlung liegt die Heide, dunkel und massiv, uralte Schichten aus Erde und Gras, zu Stein gepresst. Ein alter Mond scheint über das Land, und Milliarden Sterne schicken Lichtpunkte durch die Jahre. Wenn das Land sich jetzt zu dehnen begänne, wenn es aufreissen würde und die Häuser, die Strassen, die Strommasten, die Lampen verschlänge, bliebe nichts mehr übrig, was an die Menschen erinnerte. Es gäbe nur die dunklen, schlafenden Hügel und den uralten Himmel." 125

Diese Rezension wurde am 8.12.2013 erstellt und nicht am 21.11.13 wie es hier missverständlich unter amazon gelistet ist.
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TOP 500 REZENSENTam 25. Januar 2014
Der 9-jährige Byron wird von seiner Mutter zur Schule gefahren. Unterwegs verschuldet die Mutter einen Unfall mit einem kleinen Mädchen auf einem Fahrrad. Dieses Ereignis ist der Ausgangspunkt für die Geschichte.

Kann es sein, dass diese zwei Sekunden in denen der Unfall passierte, ein ganzes Leben verändern und das Schicksal mehrerer Menschen beeinflussen? Wie wäre das Leben der Personen im Buch wohl verlaufen, wenn die zwei Sekunden ganz anders passiert wären? Diese Frage stellt man sich nach der Lektüre des Buches.
Es ist kein Buch, das man liest und zur Seite legt. Es hält einen nicht nur während des Lesens gefangen, sondern wirkt noch eine Weile nach.

Rachel Joyce ist eine großartige Erzählerin. Von Beginn an fühlt man mit dem kleinen Byron, durchlebt mit ihm seine Gewissensbisse, seine kindliche Naivität, den Kampf mit seinem Gewissen und seinen verzweifelten Versuch, alles dem Guten zuzuwenden. Dabei schmerzt einen beim Lesen insbesondere die Begrenzung seines Einflusses auf die Geschehnisse.

Die Autorin hat ein Werk geschaffen, in dem es um Schuld geht, um den Einfluss äußerer Umstände auf die Entwicklung einer psychischen Störung durch Ereignisse in der Kindheit, die ein Kind leider nicht in der Lage ist, zu beeinflussen, sosehr es sich auch bemüht.
Das Buch lebt von einer großen Nähe des Lesers zum kleinen Byron, von wunderbaren und stimmungsvollen Bildern und einer schönen Sprache.

MEIN FAZIT:
Ein Buch, das man gelesen haben sollte!
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