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Alan Bennett ist ein Meister des Kurzromans, und von den auf deutsch erschienenen Texten ist "Handauflegen" der ausgereifteste, weil pointierteste und bissigste. Hier schafft Bennett, was sonst kaum gelingt: den sprichwörtlichen britischen Humor in geschriebene Worte zu gießen, die nicht zu Platitüden und Kalauern verkommen. Denn was als Sketch, etwa bei Monty Python, gelingt, wirkt zwischen zwei Buchdeckeln auch bei britischen Autoren oft genug bemüht lustig-pupustig und beweist: geschriebener Humor ist hohe Kunst. Und die bietet "Handauflegen" auf kurzweiligen 92 Seiten, obwohl Bennett nicht davor zurückschreckt, eine völlig überdrehte Geschichte zu präsentieren: Clive Dunlop ist tot, und der Roman beschreibt im Wesentlichen einen Gedenkgottesdienst, der ihm zu Ehren abgehalten wird und der die Schönen und Reichen, die Granden aus Politik und Entertainment versammelt. Dunlop verstarb jung, mit 34 Jahren - woran, darüber spekuliert die High Society. War es AIDS? Die Frage ist für alle Anwesenden deshalb von speziellem Interesse, weil Dunlop, wie der Titel verrät, bei allen Hand angelegt hat: ein Masseur vor dem Herrn, der den Damen und Herren jedoch nicht nur die verspannten Rückenmuskeln durchknetete. Und so ist die Betroffenheit weniger eine Betroffenheit über den Tod des einen, sondern die Angst über das, was man sich selbst da eingefangen haben könnte. Als schließlich die Wahrheit ans Licht kommt, endet die Feier in einer ausgelassenen Orgie.
Mit bitterbösem Humor seziert Bennett die Befindlichkeiten der Upper Class. Doch eigentlich steht die ganze oberflächliche und verlogene Bagage für eine ganze Gesellschaft, nicht nur in Great Britain. Und das macht große Literatur aus: dass sie das Universelle im Speziellen sucht und herausstellt. Dieses süffisante Sittengemälde zeigt, dass alle, einschließlich des Pfarrers, im Glashaus sitzen und gut daran tun, das Werfen mit Steinen tunlichst zu vermeiden. Das ist über die Maßen komisch und trotzdem tiefsinnig, und es ist ein Verdienst des Autors, dass er nicht in Versuchung gerät, den Text ins Obszöne abgleiten zu lassen. "Handauflegen" ist eine messerscharfe Gesellschaftssatire, und man könnte sagen, hier legt einer nicht nur den Finger auf eine Wunde, nein, er legt eine ganze Hand darauf und wühlt mit sadistischem Genuss im rohen Fleisch. Eine Sternstunde der komischen Literatur.
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am 18. Juli 2006
Wer war Clive Dunlop wirklich?

Pater Joliffe, zugänglich, gesellig und rundlich und ein unorthodoxer Anglikaner, genießt bei seiner Gemeinde und der Diözese einen guten Ruf. Ja man spricht in der vorgesetzten Stelle schon unter der Hand von ihm als dem kommenden Mann." Diesen Ruf verdankt er seiner Fähigkeit, mitreißend zu predigen und bei Lied und Liturgie einen eher konservativen Stil zu vertreten. Doch bei Erzdiözesan Treacher ist er weniger gut angesehen. Und ausgerechnet dieser besucht im Auftrag der Diözese einen Gottesdienst Joliffes, um über dessen Beförderung zu befinden.

Treacher versteckt sich in einer der hintersten Bänke, nur um kein Aufsehen zu erregen. Doch gleich dies scheint ihm zu misslingen. Ständig verrenken sich, meist weibliche Kirchgänger, ihren Hals, um einen Blick auf ihn zu erhaschen. Doch das wahre Objekt der unkeuschen Begierde sitzt eine Reihe hinter dem Erzdiözesan; und wenn dieser ein bisschen an weltlichen Dingen interessiert wäre, hätte er unzweifelhaft den Star einer Soap-Opera wiedererkannt.

Ein Festival des ironischen Seitenhiebs und englischen Humors ist Alan Bennetts Roman Handauflegen", welches von Uwe Friedrichsen für Wagenbach besprochen wurde. Dankenswerterweise begeht er nicht den naheliegenden Fehler, auf den zahlreichen Pointen herumzureiten oder diese durch pseudo-kunstvolle Pausen besonders hervorzuheben. Gerade durch seinen beobachtenden und gelassen-fragenden Tonfall tritt das Subversive in Bennetts Roman wesentlich besser zu Tage als es durch schnöde Clownerien möglich wäre.

Wer hat hier alles seine Hände im Spiel?

Neben Pater Joliffe und Erzdiözesan Treacher spielt eine dritte Person eine, wenn nicht sogar die zentrale Rolle, obwohl diese durch Abwesenheit glänzt: Der jung und während einer Südamerika-Reise unter mysteriösen Umständen plötzlich verstorbene Clive Dunlop, dem der Gedenkgottesdienst geweiht ist. Jeder der mehr oder weniger prominenten Anwesenden glaubt diesen zu kennen; jeder beansprucht für sich auf unfehlbare Weise, der Einzige zu sein, der Clive wirklich kannte. Bennetts Kunstgriff, hier mit minimalen Mitteln dem Hörer vor Augen zu führen, wie viele goldene Kälber, welche Leichen jeder im Keller hat, ist ein Beispiel von vielen für die literarische Brillanz, die diesem kurzen Text innewohnt. Jedes noch so unbedeutende Detail bekommt im Verlauf der Geschichte eine oder mehrere weitere Bedeutungen. So allein das namensgebende Handauflegen". Die Handlung spielt in einer Kirche und so ist es naheliegenden, hier einen religiösen Hintergrund anzunehmen; beispielsweise das Handauflegen Jesu, mit dem er Kranke heilte; oder eines Priesters bei der Segnung seiner Gemeinde oder eines Neugeborenen. Später erfahren wir, dass der Tote Masseur war und bei allen Anwesenden Hand anlegte - allerdings nicht nur zu Massagen im streng medizinischen Sinne. Bis schließlich Pater Joliffe bewusst einen jungen Burschen mit der Hand berührt, um diesen zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen. Eine Geste, deren Konsequenzen wiederum erst mit den letzten Sätzen des Hörbuches klar werden.

Britischer als die Briten

Der Hörer hat es hier bedeutend leichter, diese Doppelbödigkeit, den Wortwitz und die Ironie des Textes zu verstehen als der Leser. Denn Uwe Friedrichsen liest nicht, er kommentiert. Unweigerlich baut sich vor dem inneren Auge des Hörers das Bild eines großen, elegant gekleideten Mannes auf, der auf der Orgelempore steht. Von hier oben hat er den absoluten Überblick über alle Geschehnisse. Er beobachtet, er analysiert, er prüft und verwirft Möglichkeiten bis er dann das Gesehene in Worte fasst und dem Hörer sein Ergebnis zu Ohren kommen lässt. Dies alles mit einem leicht spöttischen Zug um die Mundwinkel und erstaunt hochgezogenen Augenbrauen. Unwillkürlich fallen einem bei Uwe Friedrichsens abgeklärt-witzigem Vortrag Parallelen zu John Cleese' Darbietungen bei den Monty Pythons" oder dem Film Ein Fisch namens Wanda" auf; und dies, obwohl die Bilder nur im Kopf entstehen und der Text auf deutsch gelesen wird - Uwe Friedrichsen ist halt britischer als die Briten.
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am 28. Mai 2009
Wenn man "anglophil" sein muss um diese Art von Humor zu mögen, dann bin ich's gern. Wie Bennett den Leser in diesen Abgrund bürgerlicher Ängste ( und Freuden) hineingleiten lässt, ist meisterlich. Die Visitation - in diesem Fall eines Geistlichen - birgt durch den Blick ins Innere der betroffenen Personen schon für den Situationskenner köstliche Nuancen. Was aber dann im weiteren Verlauf der hier geschilderten Gedächtnisfeier geschieht - und vor allem die Gemütslage der Beteiligten gehörig durcheinander würfelt - , lässt den Leser immer wieder losprusten. Deshalb die Warnung: Dieses Buch nicht im Wartezimmer oder im Zugabteil (Mr Bean!) lesen!
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Was geschieht, wenn ein Pfarrer gerne an der Kirchenpforte die einzelnen Hände der Besucher schüttelt, zumal an einer Beerdigung, Entschuldigung, kirchlichen Gedenkfeier? Wie kann das Geschehen aus dem Ruder laufen? Etwa weil er jeden sprechen läßt?
Und wie benehmen sich und fühlen sich die Mitfeiernden, Mitgedenkenden dieser Feier, wobei es um Clive geht, der von dieser Erde ging?
Ja, Clive ging von uns und wir alle waren dabei, psst, werden dabeisein natürlich. Und wie!
Du und ich und er und sie und Du und Sie auch und dort vorne er, der Kahlgeschorene mit der Brille auf dem glatten Kopf als Kopfschmuck unter Seinesgleichen, auch der wird mit hineigezogen.
Und manche der Verheirateten, die bei dieser Gedenkfeier anwesend sind, haben Gewissensbisse und dann ganz zum Schluß atmen sie freilich eiwenig auf und fassen Nebenmann, Ehemann und dergleichen fest an den Arm, manche nach langer Zeit wieder. Und manchen wundern sich darob und manche nicht. Und manche wiederum bleiben einfach stumm.
Wer da von uns ging und wer da betrauert wurde und warum, und warum zum Schluß wiederum ganz gerne eine Zigarette geraucht werden wird und manche garnichts, aber auch wirklich garnichts aus allem lernen wollen, das wird nicht verraten.
Ein köstlicher neuer Schwank, ein Kurzroman, englischer Humor von Anfang bis Ende, aber mit einem Hang zum Aufklärerischen wird hier von Alan Bennett geboten.
Und unsere Regebogengesellschaft, unsere Reichen und Schönen werden herz-zerreißend aufstöhnen und eventuell fromm werden. Vielleicht wie der Pfarrer hier in dieser köstlichen Geschichte.
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am 7. August 2012
Selten amüsiert ein Buch so, wie das bei Alan Bennetts "Handauflegen" der Fall ist. Das ist feinster britischer Humor und klasse Literatur! Eigentlich müsste das Werk "Handanlegen" heißen, denn Clive Dunlop (34), attraktiver Masseur der britischen Prominenz, hatte zu Lebzeiten bei fast jedem Besucher des Gedenkgottesdienstes seine Hände und einiges mehr angelegt. So verbindet Mann und Frau in der Kirche die Furcht vor Aids. Jeder glaubt freilich, in Clives Augen etwas Besonderes, etwas Einzigartiges gewesen zu sein. Einzig Pater Jolliffe weiß seine Erlebnisse mit Clive richtig einzuordnen. Den so ganz und gar ungewöhnlichen Gottesdienst hat er dafür nicht unter Kontrolle. Ein humorvolles, entlarvendes, gewiss auch gewagtes Buch, das allerdings alles Ordinäre ausklammert.
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am 13. Dezember 2014
Reich, berühmt und schön – diese Attribute treffen auf die meisten Besucher eines Gedenkgottesdienstes in London zu. Es ist alles vertreten, was Rang und Namen hat: Minister, Fernsehmoderatoren, Schauspieler, Popsänger, Stararchitekten und Bestsellerautoren. Dazu gesellen sich noch Sicherheitsbeauftragte und die dem Großaufkommen von Berühmtheiten entsprechenden Journalisten. Der rote Teppich ist eigentlich alles, was fehlt…

Der Tote (Clive), zu dessen Ehren sie sich alle versammelt haben, war zwar nicht prominent, wohl aber scheinbar sehr gutaussehend. Ferner war er Masseur, der seinen Kundinnen und Kunden mit seinen heilenden Händen bei Verspannungen aller Art zur Seite stand. Und bei den meisten ging die Massage dann noch einen ganzen Schritt weiter… Bei nicht wenigen der Trauernden zeigt sich nun Verwirrung ob der großen Anzahl der Menschen, die offenbar aus dem gleichen Grund der Feierlichkeit beiwohnen. Schließlich hatte man angenommen, die eigene Beziehung zu Clive wäre etwas Besonderes gewesen. Zudem treibt noch eine weitere Sorge die Trauergemeinde um: Niemand weiß so genau, woran Clive eigentlich gestorben ist. Was kann also die Ursache für den Tod des 34jährigen gewesen sein und was mag diese Ursache für einen selbst bedeuten?

Ängstlich sind die Gottesdienstbesucher bemüht, sich diese Sorge nicht anmerken zu lassen. Und erst recht nicht, dass man überhaupt Grund zu dieser Sorge hat. Schließlich ist man um sein Ansehen bemüht und tritt entsprechend auf: Kusshändchen hier, Bussi da. Dazu kommt noch die Unsicherheit, wie man sich an einem solch ungewohnten Ort – nämlich einer Kirche – zu verhalten hat. („Sie können ruhig rauchen. Ich bin mir ganz sicher, dass am Eingang ein Aschenbecher stand. – Das war Weihwasser.“) Vor diesem „Publikum“ versucht der Pfarrer, eine angemessene Trauerfeier abzuhalten. Wobei er auch nicht emotional unbeteiligt ist, denn auch er kannte Clive…

Die Art, wie Alan Bennett hier das Schaulaufen und die Doppelmoral der Beteiligten darstellt, fand ich insgesamt sehr amüsant. Trotzdem haben sich einige Stellen für mich beim Lesen etwas gezogen. Und das bei einer Seitenzahl von gerade mal 91 Seiten. Daher gibt es von mir hier nur 3 Punkte.
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am 30. Juli 2013
Man darf, zumindestens beim Lesen diesen kleinen Büchleins. Der begnadete Masseur der High Society ist gestorben. vor einem halben Jahr schon. In Peru, keiner weiß warum. Nun findet ein Gedenkgottesdienst statt und alle sind sie gekommen, die von den gefühlvollen Händen und den weiteren, gut bezahlten Leistungen in die vollkommene Entspannung gebracht wurden. Da sitzen sie alle, denen das Wort Gottesdienst nichts mehr sagt und hören einem Priester zu, der selbst seine Erfahrungen mit dem Verstorbenen hatte und alle haben sie eines gemeinsam- Angst das es da für sie alle ein Erbe gibt, dass sie nun wirklich nicht haben wollen. So beginnt ein Gottesdienst, der irgendwann dem Pfarrer aus dem Ruder läuft, aber wie das passiert und von Alan Bennett geschildert wird, das ist ein wahres Vergnügen, ein Feuerwerk britischen Humors. EinKurzroman, der kurzweilig ist und unbedingt empfehlenswert.
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am 18. November 2013
Ich habe das Buch an einem Abend gelesen. Herrliche Unterhaltung! Ein nicht ganz zölibatär lebender Pater hält vor versammelter High Society den Gedenkgottesdienst auf seinen verstorbenen Freund und „Masseur“ Clive Dunlop. Das Problem: Nahezu alle Anwesenden – den Pater eingeschlossen – hatten ein sexuelles Verhältnis mit dem Verstorbenen. Ein urkomischer Gottesdienst nimmt Fahrt auf, ein Tumult entsteht, jeder will Recht haben und seine Erinnerung an Clive gegenüber anderen behaupten. Als schließlich die mögliche Todesursache ins Spiel gebracht wird, eskaliert die Situation, bevor die Handlung schließlich ein gewitztes und pointiertes Ende nimmt.
„Handauflegen“ war das erste Buch von Alan Bennett, das ich gelesen habe. Und es hat mir bis jetzt am besten gefallen. Leider geht es im Werk des brillanten britischen Komikers etwas unter. Zu Unrecht!
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Das ist die Geschichte eines Trauergottesdienstes. Clive Dunlop, ein junger Mann im Alter von 34 Jahren, ist während einer Südamerika-Reise unter geheimnisvollen Umständen gestorben. Die ganze Schickeria sitzt in der Kirche und Pater Joliffe hält während des Gedenkgottesdienstes eine sehr betretene Trauerrede, weil auch er mit dem Verstorbenen einmal etwas „Intimes“ gehabt hat. Jeder der Anwesenden glaubt den Verstorbenen bestens zu kennen und bei dem einen oder anderen liegt rückblickend die eine oder andere „Leiche“ im Keller, denn der Tote war Masseur und hat bei allen Anwesenden Hand angelegt und das nicht immer nur zu medizinischen Massagen. So hat er mit dem einen oder anderen mehr oder weniger etwas Intimes gehabt, was immer man darunter auch verstehen mag. Nun sitzt die Trauergemeinde in der Kirche, jeder denkt, mit vierunddreißig ist Clive verstorben, was mag da bloß die Todesursache gewesen sein? Vielleicht erfahren wir heute mehr? Das Wort Aids schwebt über allem. Jedes Detail bekommt eine mehr oder weniger zweideutige Bedeutung. Jemand erklärt schließlich die Todesursache. Mit Erleichterung erfahren alle Anwesenden, es war nicht Aids. Und so gehen alle vergnügt nach Hause wo das Sexualleben kann nun wieder ohne Risiko betrieben werden kann.

Nicht nur die literarische Brillanz, die diesem kurzen Text auszeichnet, macht die Geschichte so reizvoll. Den Wortwitz, die ständige Doppelbödigkeit und die dem Text immer wieder beigemischte Ironie sind die Markenzeichen dieser CD und waren sicherlich nur möglich weil der Autor Alan Bennett einen guten Draht zum schwarzen englischen Humor hat.

Und Uwe Friedrichsen ist ein Kommentator, der dem Hörer den Text, in einem witzigen Vortrag, ständig mit einem Schmunzeln um die Mundwinkel, analysierend vorträgt.
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TOP 1000 REZENSENTam 11. September 2010
Als ein beliebter Masseur der Reichen und Berühmten plötzlich mit 34 Jahren stirbt, ist zu seiner Trauerfeier alles da, was Rang und Namen hat. Leute, die seit Jahren keine Kirche mehr von innen gesehen haben, nutzen die Gelegenheit, um sich mal wieder zu zeigen. Der Pfarrer steht vor der großen Aufgabe, eine schmackhafte Trauerfeier zu veranstalten. Im Stillen beobachtet wird dieser Versuch von seinem Vorgesetzten, der sich nichts sehnlicher wünscht, als dass der Versuch scheitert. Er war von Anfang an gegen den Pfarrer. Aber darf er sich wirklich wünschen, dass der Versuch scheitert? Ist nicht eigentlich schon der Wunsch Gotteslästerung? So schwebt der Vorgesetzte zwischen Schockierung über das, was an Unterhaltungselementen in die Trauerfeier eingeflochten ist, und Befriedigung über das Scheitern seines Untergebenen. Der hat während der Trauerfeier eigentlich mit sich selbst zu tun. Denn er kannte den Verstorbenen auf intime Weise und reflektiert und reflektiert darüber. Denn wie sich herausstellt, scheint auch jeder andere Trauerfeiergast, ob Mann oder Frau, den Verstorbenen auf intime Weise gekannt zu haben. Man wagt daher gar nicht, über die Todesursache zu spekulieren. Als ein Gast es offen ausspricht: AIDS, ist der Schock groß. Hat man sich vielleicht angesteckt?
Herrlich entlarvend ist diese Geschichte geschrieben. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, wo es doch eigentlich um den Verstorbenen gehen sollte. Nicht mal der Klerus kann sich davon freimachen. Alan Bennett ist ein böser Kurzroman gelungen, der bis zuletzt gut unterhält. Einziges Manko: Die letzten paar Seiten schwächeln.
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