Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos Learn More Sommerschlussverkauf Hier klicken Alles für die Schule Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16

Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
1
5,0 von 5 Sternen
5 Sterne
1
4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 19. Juni 2001
Gerüchte über historische Persönlichkeiten zu entlarven, zählt zu den spannendsten Aufgaben seriöser Wissenschaft: Das beste Beispiel für eine gelungene Rekonstruktion mittelalterlicher Realität gibt Rudolf Flotzingers Perotinus-Buch ab. Perotinus ist ein Komponist des französischen Mittelalters und namentlich wohl nicht nur den MusikologInnen, sondern auch jedem Liebhaber, jeder Liebhaberin mittelalterlicher Musik vertraut. Doch die konkreten biographischen Daten blieben bislang dunkel, öffneten Spekulationen Tür und Tor. Ja sogar das Schlimmste, was einer individualistischen Künstler-Persönlichkeit angetan werden kann, widerfuhr Perotinus, denn er wurde stets in einem Atemzug mit einem anderen Komponisten - mit Leonin - genannt. Ähnlich rätselhaft kam dessen Lebenslauf auf uns, und es bedurfte neuer Ansätze, Leonins Werdegang zu verifizieren. Die Existenz einer gesicherten Biographie von Leonin machte rasch deutlich, dass Perotinus mit Leonin weniger Verbindungen aufweist, als ursprünglich kolportiert. Nun hat Rudolf Flotzinger alle Hypothesen auf ihre Brauchbarkeit hin evaluiert und die Lebensläufe fraglicher Personen der Zeit analysiert. An dieser Methode ist entscheidend, nicht von vorgefassten Thesen auszugehen. Vielmehr zog der Autor jegliche Denkmöglichkeit in Erwägung, indem er - wie bei einem Planspiel - die Konsequenzen jeder einzelnen Hypothese minutiös kalkulierte. Diese Methode legt rasch offen, wo Gegensätze zu den wenigen belegbaren Fakten existierten und welche Konstrukte notwendig waren, ein homogenes Bild zu zeichnen. So mühsam die Vorgangsweise für den Autor gewesen sein mochte, so spannend stellt er sie den LeserInnen dar. Und als Perotinus endlich identifiziert war, manifestierte sich umgehend, dass sein Schaffen neu bewertet werden muss. Also unternahm Rudolf Flotzinger als nächsten Schritt eine umfassende Analyse von Perotins - gesichertem - Schaffen, um auch hier kompositorische Entwicklungen dingfest zu machen, die den Individualismus im musikalischen Denken des mittelalterlichen Komponisten beweisen. Ohne auf die Fachterminologie der Epoche zu verzichten oder die musikalischen Sachverhalte zu entstellen, bedient sich der Autor einer klaren, modernen Sprache. Zahlreiche Notenbeispiele in üblicher Notenschrift geben den LeserInnen die Möglichkeit, seine Gedankengänge nach zu vollziehen. Als objektives Ordnungsprinzip dienen die einzelnen Gattungen und innerhalb der Gattungen die Stimmenanzahl. Damit kompositorische Entwicklungen aber trotzdem nachvollziehbar werden, geben im Anschluss an Einzelanalysen übersichtliche Darstellungen Aufschluss über den Personalstil. Nicht zuletzt zeigen Überlegungen zur Aufführungspraxis die klangliche Dimension der neuen Erkenntnisse. Auch hier zielt der Autor auf größtmögliche Verständlichkeit ab und erschließt den LeserInnen die geheimnisvolle Welt mittelalterlicher Terminologie mit Hilfe eines Glossars und eines Registers. Insgesamt handelt es sich bei diesem Buch über "Perotinus musicus" um Standard-Literatur zu einem wesentlichen Bereich des Mittelalters, geeignet für MusikologInnen, InterpretInnen ebenso wie für alle bildungswilligen Liebhaber und Liebhaberinnen der mystischen Welt einer entfernten Vergangenheit.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden