Am höchsten bewertete kritische Rezension
3,0 von 5 SternenNicht alles was glänzt ist Gold…..dieses Buch zum Beispiel
Rezension aus Deutschland vom 21. Februar 2021
Auch im zweiten Teil hatte sich Jacob nur mit einem neuen Deal aus einer lebensgefährlichen Situation retten können und dieser „Geschäftspartner“ fordert nun in „Das goldene Garn“ seinen Preis. Mr. Earlking mit der magischen Visitenkarte ist nämlich nichts anderes als ein in die Menschenwelt verbannter Erlelf. Genauer gesagt, einer von vielen und das schon seit über 800 Jahren. Um wieder in die Welt hinter dem Spiegel zu gelangen, muss der Feenfluch, mit denen sie belegt wurden, gebrochen werden. Dabei rekrutiert er allerdings nicht nur Jacob, sondern auch dessen Bruder Will. Während sich also Will mit der Armbrust aus Teil zwei aufmacht die dunkle Fee zu suchen und zu töten, um seine Freundin Clara vom dieses mal nicht so einfach zu brechenden Dornröschenschlaf zu befreien, muss Jacob seine Beziehung zu Fuchs auf Eis legen. Denn der Deal mit dem Erlelf ist kein anderer, als der, den einst eine Bauerstochter mit Rumpelstilzchen gemacht hat. Jede Menge Liebeskummer auf Jacob‘s Seite also, aber der gerät erst einmal zur Nebensache, als er von der Mission seines Bruders erfährt, den er daraufhin natürlich so schnell wie möglich finden will. Die ständig drängelnde Visitenkarte im Gepäck und Erlelfs Spiegelgeschöpfe stets im Nacken, macht sich die illustre Truppe rund um Jacob, Fuchs, Chanute und dem neu hinzugekommenen Sylvain auf den Weg nach Russland, wo es gilt ein magisches Artefakt zu finden, dass die Suche nach Will erleichtern soll. Derweil versucht die dunkle Fee sich des titelgebenden goldenen Garns zu entledigen, welches sie an die Liebe zu Kami‘em bindet.
Also ganz ehrlich, ich bin enttäuscht. Das goldene Garn von dem im Titel die Rede ist, kommt nur sporadisch vor, obwohl man schon sagen muss, dass die Liebe dieses mal eine große Rolle spielt. Zu viele verschiedene Handlungsstränge und zu viele Personen, bei denen ich manchmal auch nicht verstanden habe, warum sie eingeführt werden mussten, denn ich hätte auf sie sehr gut verzichten können. Man kommt total schwer in die Geschichte rein, weil sich ständig die Erzählperspektive ändert. Jacob, Fuchs, Will, Brunel, Earlking, Kami‘en, die dunkle Fee….das war mir einfach zu viel. Besonders die ganze Geschichte rund um den Erlelf habe ich nur langsam verstanden, weil gerade diese Passagen kompliziert zu lesen waren. Ich fand ihn als Gegner auch nicht unbedingt interessant mit seinen nummerierten Spiegelgeschöpfen, es hat mich einfach nicht gepackt. Sowieso war die ganze Märchenwelt dieses mal nicht meins. Russland mag tolle Märchen haben, aber bis auf die Baba Jaga konnten auch die nicht mein Interesse wecken. Es war einfach nicht dasselbe und an vielen Stellen wurde es mir auch zu modern.
Mit unseren Protagonisten habe ich mich in diesem Teil auch schwer getan. Die Neulinge Sylvain und Orlando fand ich super nervig und überflüssig. Jacob geht einen irgendwann auch nur noch auf den Senkel mit seinem ewigen Liebeskummer und bei Fuchs habe ich mich gefragt, wo denn plötzlich diese bedingungslose Liebe und Zuneigung zu Jacob hin ist. Wäre es eine andere Geschichte, hätte ich ihr Verhalten nachvollziehen können, aber hier war immer von so großen Gefühlen die Rede, dass ich nicht verstehen konnte, wie man sich da gleich jemand anderen an den Hals werfen kann. Das hat diese schmerzlich schöne Beziehung für mich irgendwie kaputt gemacht und ihr den Zauber genommen, auch wenn es hier natürlich eine Art Happy End gibt. Sowieso verstehe ich nicht, warum der Rumpelstilzchen Deal zum Thema gemacht werden musste, weil ich mir weder Jacob, noch Fuchs als Elternteil vorstellen kann und will. Die beiden sind so freie und unabhängige Charaktere, die für das Abenteuer und die Schatzjagd leben. Als Familienmenschen sehe ich die überhaupt nicht. Dann wäre da ja noch Will, der sich für seine große Liebe Clara auf eine gefährliche Reise begibt, aber am Ende scheinbar nur noch Augen für eine andere hat. Die dunkle Fee und Kami‘en sind nur noch Randfiguren und gerade das Schicksal der Fee hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt, geht aber total unter.
Ich hatte mit diesem Roman dasselbe Problem, was schon einige andere angesprochen haben. Zu viele Handlungsstränge, die zum Teil ins Leere verlaufen. Die Geschichte plätschert vor sich hin und es passiert tatsächlich nicht viel. Ein Lückenfüller Band mit einem doch sehr offenen Ende. Ich bedauere sehr die Leser, die vor sechs Jahren hofften, der nächste Band möge nicht wieder zwei Jahre auf sich warten. Haha, fünf Jahre Wartezeit sind es am Ende geworden und ich bin froh, dass ich die Reckless Reihe einige Zeit aus den Augen verloren hatte, sodass ich jetzt direkt mit Band vier weitermachen kann. Und ich hoffe sehr, dass es „Auf der silbernen Fährte“ wieder bergauf geht. Für diesen Teil kann ich leider nur 3 Sterne vergeben.