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TOP 500 REZENSENTam 18. November 2009
Paris im März 1919. In einem kleinen, abseitig gelegenen Hotel haben sich an aufeinander folgenden Freitagen 3 Männer zu etwa gleicher Stunde erhängt. Der Medizinstudent Richard Bracquemont liest von diesen Geschehnissen und beschließt dem Geheimnis dieser Selbstmorde auf den Grund zu gehen. Er erhält die Genehmigung des ermittelnden Polizeibeamten, dieses Zimmer zu beziehen unter der Bedingung Tagebuch über seinen Aufenthalt zu führen, und die Polizei über den Stand der Ermittlungen zu informieren. Die ersten beiden Wochen geht auch alles gut, er schließt sogar Freundschaft mit einer wunderschönen Unbekannten, die er im Fenster der gegenüberliegenden Wohnung beobachtet. Wie Kinder spielen sie über ihre Fenster hinweg miteinander und Richard verliebt sich in die wunderschöne Unbekannte. Doch schon bald beginnt sich die Lage zuzuspitzen und Richard wird in einen Strudel des Wahns gerissen.

Hanns Heinz Ewers (1871-1943), sah sich selbst als Nachfolger von Edgar Allan Poe oder Oscar Wilde. Dies war nicht etwa Hybris, sondern ist durchaus zutreffend. Er war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein gefeierter Bestsellerautor aber auch stark kritisiert wegen seiner als unmoralisch und teils als pornografisch verschriener Themenwahl. Er war scharfzüngig und war einer der ersten Filmpioniere in die Geschichte. Die Nazis erteilten ihm letztendlich Schreibverbot.
Leider ist dieser wunderbare Autor heutzutage vollkommen in Vergessenheit geraten und auch ich hatte vor diesem Hörspiel noch nie von ihm gehört. Aber zum Glück gibt es eine Hanns-Heinz-Ewers-Gesellschaft, die sich der Erinnerung dieses Schriftstellers verschrieben hat, der zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Vielleicht ist auch dieses Hörspiel ein erster Schritt, diesen wunderbaren Erzähler wieder ins Bewusstsein der Leser zu bringen.
Die Kurzgeschichte "Die Spinne" erschien 1929 im Sieben Stäbe Verlag, Berlin und ist nur vordergründig eine Gruselgeschichte. Tatsächlich ist diese Geschichte jedoch mehr, sie erzählt zum einen von einer reinen kindlichen Liebe, wie Richard mit seiner Clarimonde von Fenster zu Fenster spielt, sie erzählt von der Besessenheit Richards von Clarimonde und wie er sie immer beobachten muss (man könnte ihn fast als Spanner bezeichnen), und sie erzählt von seiner auch sexuellen Hörigkeit dieser schönen Unbekannten gegenüber, die ihn in den Wahnsinn und in den Tod treibt.

Diese teils erotische teils masochistische Erzählung wird nahezu vollständig in einem Tagebuchmonolog erzählt. Dabei leiht Simon Jäger mit seiner erotischen Stimme Richard seine Stimme und lässt einen beim Zuhören dahinschmelzen.
Die Musik ist wunderbar auf die Geschichte abgestimmt und unterstreicht den unschuldigen und auch kindlichen Anteil der Beziehung von Richard und Clarimonde, die so bald in Besessenheit, Abhängigkeit und Wahn kippt.

Ein wirklich außergewöhnlicher Teil des Gruselkabinetts, dessen Schauer nicht über den Grusel der Schauerliteratur des Neunzehnten Jahrhunderts herrührt sondern diesmal leiser, hintergründiger kommt.

Definitiv kein Hörspiel für Kinder oder Jugendliche, sondern etwas für reife Erwachsene, die diese Art von Geschichte zu würdigen wissen.
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am 2. November 2015
hier stimmt einfach alles. Ich kann diese Folge wirklich nur empfehlen, auch wenn sie vielleicht auf den ersten Blick etwas langatmig erscheinen mag, da in der ersten Hälfte nicht viel passiert. Genau das macht es aber auch so spannend, weil man die ganze Zeit über unbedingt wissen will, wie es weitergeht, was noch passiert und warum sich die Menschen in dem Zimmer nach und nach selber umbringen. Ich finde die Folge klasse, die Musikuntermalung ist einfach gut gelungen, die Sprecher muss man gar nicht mehr erwähnen, die machen wie immer einen guten Job.

Dieses Hörspiel kommt etwas ruhiger daher und wirkt vor allem im Nachgang! Weiß man erst einmal um des Rätsels Lösung, lässt einen diese einfach nicht mehr los und offenbart seinen tiefgründigen Horror unheimlich intensiv. Denn die Lösung ist der blanke Horror, unbegreiflich wenn man sich vor Augen führt, was dort tatsächlich geschehen ist....

und genau das mag ich an Gruselgeschichten, wenn sie denn gut gemacht sind. Subtiler Horror, der sich in seinen fürchterlichen Ausmaßen erst dann richtig erschließt und nachwirkt, wenn man ihn erst einmal richtig begriffen und verarbeitet hat.

Das Ende ist meiner Meinung nach perfekt, genau so wie es ist, denn nur so ist es wirklich Grusel, die eigene Phantasie baut den Horror noch weiter aus, als es die Geschichte selber könnte. Das wäre bei einem anderen Ende jedoch nur schwer möglich.
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am 23. Mai 2015
"Die Spinne" wusste schon Zeitgenossen zu polarisieren. Lovecraft bewunderte Ewers' Gespür fürs Psychologisieren, intertextuelle Bezüge wurden heftig diskutiert. Zwischen Libido und Qual entspinnt eine mysteriöse Femme fatale ihr bestrickendes Garn um arglose Hotelgäste, wickelt sie ein, treibt sie schließlich in den Suizid. Als ein junger Student der Medizin sich anschickt, den sonderbaren Selbstmorden nachzuspüren, und sich im Hotel des Geschehens in eben jenes unheilvolle Zimmer einquartiert, gerät auch er in ein Netz fatalen Verlangens. Die Horrorgeschichte gehört zum Besten, was das Gruselkabinett zu bieten hat. Kaum kommt ein anderes Album jener verdichteten, hochpsychologischen Atmosphäre nahe. Wirklich beklemmend umfängt gerade der innere Monolog des zerrissenen Protagonisten den Hörer, ohne zu langweilen oder gar zu nerven. Dezent etabliert sich eine Stimmung des Unentrinnbaren, die mit Komischem und Pariser Leichtigkeit aufs Vortrefflichste kontrastiert. Keine leichte Kost, aber wirklich gelungen.
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TOP 1000 REZENSENTam 24. Juli 2015
Harte Worte vorweg : Ich kann jeden verstehen, der dieses Hörspiel (besser : die zugrunde liegende Geschichte) mit nur ein bis zwei Bewertungssternen abstraft. Gleichzeitig kann ich es nachempfinden, wenn jemand vor lauter Begeisterung die Höchstzahl vergibt oder es gar als Highlight unter den Highlights (!) dieser Serie betrachtet. "Ohne Wertung", ja, das wäre vielleicht die nächste Alternative, aber dies würde dem Hörspiel nun ganz sicher nicht gerecht werden, denn es verdient tatsächlich jede Menge Aufmerksamkeit !

Von allen ca. 10 Gruselkabinett- Hörspielen, die ich bisher kenne, erhält "Die Spinne" mit (nur) drei Sternen die geringste Punktzahl von mir -- und ist gleichzeitig doch das von mir MEISTGEHÖRTE !

WIE das ?

Und das ist der springende Punkt : Es geht um das WIE bzw. das WARUM !

Denn das WAS, der Inhalt, ist bekannt und wird gleich zu Beginn im ersten Track vorweggenommen : Wir befinden uns in Paris im Jahre 1910. Drei Selbstmorde hatte es gegeben, jeweils durch die selbe Art (durch Erhängen an einem Fensterkreuz), immer an einem Freitag Nachmittag, skurrilerweise zur selben Uhrzeit (zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags), im selben kleinen Hotel, sogar im selben Zimmer Nummer 7 .........

Das klingt natürlich wahnsinnig interessant und fesselnd ! Zumal es sich bei allen drei Selbstmördern um gestandene Persönlichkeiten gehandelt haben soll, um einen Schweizer Geschäftsmann, um einen deutschen Artisten und um einen französischen Polizisten. Letzterer hatte das besagte Zimmer eine Woche lang aus Aufklärungsgründen zu untersuchen. Doch alle Personen finden denselben Tod, stets freiwillig gewählt, ohne jegliche Fremdeinwirkung.

Nun kommt eine vierte Person ins Spiel, die Hauptperson : Es ist der Medizinstudent Richard Braquemont, der es schafft, die Polizei zu überreden, sich in dieses Zimmer einmieten zu dürfen, um dem tödlichen Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Wird ausgerechnet ER es schaffen ?

Vielleicht !

Wobei auch hierzu gleich im ersten Track gar unverhofft verraten oder zumindest angedeutet wird, dass auch er auf die selbe Art ums Leben kommen sollte .......... (!)

Hm ! Der Unterschied ist aber der, dass er der Polizei im Vorfeld zugesichert hatte, über seinen gesamten Aufenthalt im Zimmer, über alle noch so kleinen, scheinbar unwichtigen Ereignisse akribisch Tagebuch zu führen. Der Komissar findet die sehr ausführlich gepflegten Aufzeichnungen. Mit ihm werden wir, die Hörer, fortan Zeuge von allem, wirklich allem, was sich seit dem Einzug des Studenten in dem Zimmer zugetragen hatte. Wir sind also live dabei !

Die Spannung steigt ! Ab wann werden wir erahnen, wie hier die Fäden zusammenkommen ?

Ein ganz besonders großes Lob ergeht dazu an den Sprecher des Studenten. Es ist Simon Jäger, geb. 1972, der u.a. den Jonathan Harker in dem Dracula- Vierteiler (Folgen 16- 19) verkörpert hatte und auch ansonsten laut Internet- Spuren ein sehr gefragter Hörspiel-, Synchronsprecher und auch Dialogautor ist. Über sehr weite Strecken des 76 Minuten langen Höspiels bietet er eine One Man- Show und erweckt die Tagebuchaufzeichnungen mitsamt unterschiedlichsten Stimmungen des Studenten zu neuem Leben. Seine authentisch wirkende Interpretation der analytisch geführten Beobachtungen und Bewertungen, die in der Ich- Form gehalten sind, nimmt uns gefangen, lässt uns teilhaben an einer sich unaufhörlich zuspitzenden Dramatik bis zum bitteren Ende.

Selbiges Lob gilt der Musik. Zunächst lässt sie städtebeschreibend an den traditionellen, beschwingten Pariser Flair erinnern. Doch dann steigern sich die Partituren in ihrer bedrohlichen Wirkung. Teilweise ertönen die Passagen tierbeschreibend "spinnenmäßig". Damit nicht genug : Wenn der Student zu Beginn seiner Tagebucheinträge gelangweilt anmerkt : "Ansonsten gibt es NICHTS zu berichten", erklingt im Anschluss eine -- dazu gegensätzlich -- bedrohlich mahnende Schauermusik. Der Hörer beginnt zu spüren, dass irgendetwas DOCH im Argen liegen wird.

Aber WAS ???

Dem Hörer wird rein gar nichts vorenthalten, wir werden -- wie im Anfang schon vorausgeschickt -- Zeuge selbst der letzten äußerst unbehaglichen Sekunden im Leben des Studenten.

Doch wissen wir wirklich mehr ? Ich muss sagen, das Hörspiel lässt mich ratlos zurück !

Ich akzeptiere ja durchaus ein sogenanntes "Offenes Ende", wenn in diesem Rahmen, das, was alles nicht verraten wird, zumindest als selbst Erdachtes vorstellbar erscheint. Hier jedoch erlebe ich das Ende mit -- und bin noch immer nicht viel schlauer.

Meine Enttäuschung sitzt umso tiefer, da die ganze Umsetzung der Geschichte wirklich meisterlich gelungen ist ! Okay, Fans des FANTASTISCHEN werden voll auf ihre Kosten kommen. Fantastisch eben nicht im Sinne von "wunderbar" und "toll", sondern -- als Gegensatz zum logisch Begreifbaren -- als "unfassbar", "unbegreiflich", "unheimlich", "gespenstisch", ..... "WIRKLICHKEITSFREMD" !

Doch zurück zu mir. Ich wurde nun mal auf die Fährte gelockt und habe Blut geleckt. Mit dieser für mich vorherrschenden Unvollkommenheit gebe ich mich nicht zufrieden. Das ganze Drumherum ist dafür viel zu gut. Und außerdem : Es gibt ja offensichtlich eine sehr geheimnisvolle Frau im Umkreis dieses Zimmers. Und -- nicht zu vergessen -- jawohl, DIE SPINNE !!!

So -- als "Warnung" : Ich rolle den Inhalt nochmals auf, versuche den unlösbaren Fall zu lösen und begebe mich direkt ins Netz der Spinne ! Für alle, die das Hörspiel noch nicht kennen, sollte meine Rezension an dieser Stelle (vorerst) enden. Alle anderen, denen es erging wie mir, mögen gerne, wenn Zeit und Muße es tatsächlich noch erlauben, weiterspinnen ...........

...............................................

Bereit ? ..... Danke ! ..... Es sind folgende Fragen, die offen geblieben sind :

Warum hat sich der Schweitzer Geschäftsmann als erster in diesem Zimmer erhängt ?
Nun, Selbstmord ist leider eine sehr häufige Todesursache, dafür mag es also die verschiedensten Gründe geben.

Warum aber haben im Folgenden drei weitere, offensichtlich psychisch gesunde Personen denselben Schicksalsweg gewählt ?
Es könnte der reine Nachahmungstrieb gewesen sein ! Dies überzeugt mich allerdings nicht ganz, vor allem, weil gleich drei weitere Personen betroffen sind, die mehr oder weniger in den Wahn oder in die Wirklichkeitsverfremdung verfallen sind; noch dazu, wie gesagt, zum selben Zeitpunkt und zur selben Uhrzeit. Reine Gedankenspiele, einen Selbstmord zu begehen, mögen ja noch vorstellbar sein, aber dann doch nicht zusätzlich bei allen Dreien der wirklich letzte, hier noch besonders kräfteverschleißende Schritt des mühevollen Erdrosselns. Und mit der exakten Nachahmung (Art und Zeit des Freitods) hätte man es ja nicht soooo diszipliniert genau nehmen müssen. Warum hat sich der Student am Ende, wenn er sich schon töten will, beispielsweise nicht mit der ihm überlassenen Polizeiwaffe erschossen ?

Es mögen also andere Gründe eine Rolle spielen. Lasset uns hören : Was gibt denn das so sorgsam gepflegte Tagebuch her, was verrät uns Simon Jäger alias Richard Braquemont ? Gehen wir analytisch vor :

Ab Track 6 bezieht der Student sein Zimmer. Er hat viel Zeit. Zuviel Zeit ? Ab Track 7 schaut er zumindest schon mal länger auf die Gardinenschnur.

Track 8 : Erstmals kommt "Clarimonde" ins Spiel. Ab hier ändern sich auch die Musikpassagen, sie bekommen etwas betörend "Spinnenhaftes". Clarimonde, die Frau von gegenüber, wird beschrieben als Wesen mit Fingern wie Insektenbeine, sie scheint Handschuhe zu tragen, hat angeblich scharfe Zähne, doch das Auffälligste sind neben einem Lila- Farbtouch ihre großen Augen........ (!)

Track 9 : Richard Braquemont beginnt, das Zeitgefühl zu verlieren. Die Kontrollanrufe des Polizei- Kommissars nerven ihn, so "als ob er nicht mal fünf Minuten lang seine Ruhe haben könne." Desweiteren denkt er fast nur noch an Clarimonde, er hört unheimliche (spinnenhafte) Stimmen, die den Namen Clarimonde rufen. Und : Vor einem kleinen Hoffenster bemerkt er größere Spinnweben.

Track 10 : Eine größere weibliche Spinne hat ein kleineres Männchen gefressen ! Ein spektakuläres Ereignis im ansonsten öden Zimmerumkreis des Studenten. Er resümiert : "Ich bin froh, dass ich kein Spinnenjüngling bin !" Nur noch am Fenster verbringt er seine Zeit. Nach 17 Uhr sieht er Clarimonde übrigens nicht mehr, da es draußen dunkel wird (es ist Frühjahr) und wohl auch deshalb, weil er in dem gegenüberliegenden Fenster niemals Licht sieht.

Track 11 : Er fürchtet sich vor Clarimonde ! Er träumt von ihr : Sie wirft ein Netz nach ihm !
Zugleich glaubt er, ohne Clarimonde nicht mehr leben zu können : "Was scheren mich solche Nebensächlichkeiten wie essen und trinken. Ich will nur noch am Fenster sitzen und mit ihr spielen." Gleichzeitig hat er Angst um sein eigenes Leben, glaubt sogar, die Stimmen der drei anderen Erhängten zu hören.

Track 12 : Der Kommissar macht einen Vorschlag ! Der Student verlässt das Zimmer, zumindest um in Gesellschaft auszugehen. Nach seiner Rückkkehr will er einen "vorwurfsvollen Blick" von Clarimonde bemerken. Er begreift, dass ER derjenige ist, der in seinen nachahmenden Bewegungen gesteuert und geführt wird (und nicht umgekehrt). Der Student stellt fest : "Ich bin ihr hörig !"

Kurze Zeit später zerschneidet er den Telefondraht, seine Verbindung in die Außenwelt, und ergibt sich seinem "Zwange" .........

Wie können wir das deuten : Selbstmord aus Langeweile (!) und aus Einsamkeit (!), da ja nichts anderes geschieht ? Damit wäre aber noch immer nicht geklärt, warum gleich vier Personen in diese Opferrolle verfallen mussten. Und welche Rolle, zum Teufel, spielt DIE SPINNE !!!

..............................................

Lasst uns nicht aufgeben. Vielleicht gehen wir doch noch dieser Spinne ins Netz und nehmen dazu einen letzten großen Anlauf :

Clarimonde als Frau hat es meiner Meinung nach nicht gegeben, zumal ja auch, wie der Kommissar feststellen wird, das gegenüberliegende Gebäude seit Monaten als baufällige Substanz unbewohnt gewesen ist. Aber in Blickrichtung auf dieses Fenster befinden sich die Spinnennetze. Eine Spinne, DIE SPINNE, trägt einen Lila- Flecken, der so ungewöhnlich für ein Tier ist, dass man dies, wie auch die stets emsigen Bewegungen, auf einen Menschen übertragen kann. Vor allem dann, wenn man plötzlich sehr, sehr viel Zeit hat.

Okay, dies wäre noch immer Spekulation. Aber es gibt auch ein paar Fakten. Neben bereits eigenem vorhandenem Wissen über jene Zeit, in der die Geschichte spielt, habe ich brauchbare Auszüge in folgenden Werken finden können :

*** Seminararbeit von Simone Scholz : "Erotische Faszination und Bedrohung -- Weiblicher Vampirismus in Hanns Heinz Ewers `Die Spinne`" (2003, 18 Seiten, Bewertungs- Note 1,5; herzlichen Glückwunsch !)

*** Wilfried Kugel : "Der Unverantwortliche -- Das Leben des Hanns Heinz Ewers" (1992)

Ich erlaube mir, mit eigenen Worten (grob) zusammenzufassen :

Damals, im Jahre 1910, erlebte das Wesen der sogenannten FEMME FATALE einen ersten gewaltigen Boom und wurde Tagesgespräch. Im Zuge vieler sozialer Veränderungen galt die Frau plötzlich als emanzipiert. In vielen Auszügen und Niederschriften wurden emanzipierten Frauen (allerdings wohl auch bewusst sarkastisch oder auch ironisch) Verbindungen zum Teufel nachgesagt ! Man hatte Angst oder es wurde behauptet, die Frau in ihrer neuen Rolle werde fortan männermordend. Und, zum Thema : Die SPINNE wurde zum beängstigenden, frauenfeindlichen Traumsymbol des Mannes. Mit ihr, der SPINNE, verband man etwas ungemein Hypnotisches, sogar eine vampiristische Sexualität. Die SPINNE wie die Frau als FEMME FATALE galten als verführerische Dämonin.

In diesem Kontext erlebte auch das Wesen ARACHNE aus der griechischen Mythologie, eine Frau in spinnenhafter Gestalt, neuen Bekanntheitsgrad und Auftrieb. Sie, die Frau oder die Spinne, galt als fleißig und begabt (wie Clarimonde) und außerdem als hochmütige wie gefährliche Person (offensichtlich ebenso wie Clarimonde, sei sie in dieser Geschichte auch nur eingebildet und fiktiv). Und sie, ARACHNE, hatte sich ERHÄNGEN wollen, wurde aber von der Göttin Athene befreit, um auf übernatürliche Weise in alle Ewigkeit an Spinnenfäden hängend, WEITERZUWIRKEN ...... (!)

Unter diesem -- damals sehr bekannten -- Hintergrund, ja aktuellen Bezug hatte Hanns Heinz Ewers (1871- 1943) seinen Kurzroman "DIE SPINNE" verfasst. Die Geschichte erschien erstmals 1908 (andere Quellen behaupten : 1907) in einer großen Beilage des Berliner Abendblattes.

Und noch etwas : Emile Durkheim (1858- 1917) war der erste Soziologe, der eine größere wissenschaftliche Studie zum Thema Selbstmord verfasste und zwar "Selbstmord aus Unüberschaubarkeit" und "Selbstmord aus Orientierungslosigkeit". Emile Durkheim war sehr bekannt und einflußreich gewesen und er lebte ..... richtig geraten, in Paris, also genau da, wo diese Geschichte spielt.

Was ich damit sagen will :

Jemand bezieht im Jahre 1910 ein kleines Zimmer in Paris. Er verlässt das Zimmer nicht (oder zumindest kaum). Er hat Zeit ! --- Sehr viel Zeit !! --- Zu viel Zeit !!! In seinem Blick auf ein gegenüberliegendes Haus bemerkt er Spinnennetze. An sich ist das nicht wichtig. Eine der Spinnen jedoch ist anders. Sie hat (u. a.) einen Lila- Touch. So etwas ist neu und ungewöhnlich. Die Farbe Lila verbindet man nicht mit einem Tier (aber so ein seltenes Exemplar könnte es gegeben haben). Vor lauter Langeweile sieht er auf die Spinne (ohne ihr Netz zu zerstören) und ahmt ihre Bewegungen nach. Das Bild der FEMME FATALE und auch von ARACHNE ist vom neuen Zeitgeist her in seinem Kopf präsent. Ebenso die Ausführungen des Soziologen Durkheims zum Thema SELBSTMORD, die damals tatsächlich ein Tabu brachen und gehörig aufschreckten. Die Langeweile im engen Zimmer nimmt nun unaufhörlich zu, die unnützen Gedanken ebenso, der Radius des Denkens wird schmäler und im Fokus verbleibt ..... die SPINNE und die männermordende Bedeutung, die ihr damals öffentlich zukam !

Puh -- fast fertig !

Natürlich verbleibt die Geschichte damit noch immer im Bereich des "Fantastischen", wird aber damit vielleicht ein wenig vorstellbarer und verbleibt nicht mehr "zu sehr fantastisch". Zumindest für mich kommt es damit zu einem einigermaßen versöhnlichen Abschluss.

Ja, es war ein sehr, sehr, sehr, sehr langer Faden, der mich schließlich doch noch irgendwie einholen konnte.

Stopp -- Stopp -- Stopp :
Es ist noch immer nicht Schluss ! Zu guter Letzt der Hinweis : Es gibt auch einen Film über dieses Thema : Titel "Clarimonde", eine 54 minütige, 2011 erstellte und 2014 als "Mitternachtskrimi" gesendete TV- Produktion von Uwe Scharek mit dem Hauptdarsteller Markus Meyer. .... Viel Spaß !
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am 22. November 2009
Sonntag 8:30 Bin noch total geflescht von gestern nacht. Gestern 23:30 Hab seit langen meinen alten CD-Player aus der alten Kiste geholt, da ich mir ein neues Hörspiel "Die Spinne" besorgt hatte. 23:59 Hab mich hingelegt, die CD eingelegt und das Licht ausgemacht. Story klingt vielversprechend. 3 Männer erhängt in Zimmer Nr. 7 und ein junger Mann der dort die Ursache rausfinden will. Mag den Sprecher sehr, erinnert mich an den Joker(Heath Ledger). Etwas später Bin der Story total verfallen. Fange an mich zu gruseln, da die Stille Unheil mit sich bringt. Noch etwas später Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt und... was für ein Ende. Sonntag 1:15 Schalte meinen CD-Player aus und leg mich schlafen. Die Stille kommt nun auch zu mir, doch heute ist sie anders!
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am 17. April 2016
Ein spannendes Hörbuch mit einem nicht ganz unerwartetem Ende.
Simon Jägers Stimme passt mal wieder, wie schon in anderen Hörbücher, genau in das Geschehen.
Er fesselt jeden Hörer, speziell mich, da ich ein großer Fan von ihm bin, mit den verschiedenen
Stimm-Nuancen zu den Darstellern des Hörbuches. Man kann genau unterscheiden, wer gerade hier
gemeint ist. Aber ein klein wenig "unterfordert" scheint er mir hier doch zu sein (siehe "Lady Midnight,
hier spricht er mindestens 5 verschiedene Charaktäre!).
Aber eigentlich eine gute Gruselgeschichte für lange Winterabende!!
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am 27. März 2015
In einem Hotel in Paris begehen 3 Gäste im Zimmer 7 an drei aufeinanderfolgenden Freitagen Selbstmord.
Ein junger Student möchte das Geheimnis aufklären und überredet den zuständigen Kommissar um dieses Zimmer zu beziehen.
Er bekommt die Chance und damit fängt alles an...

Die Sprecher waren alle Klasse, aus allen hat man tolle Leistungen aufgenommen.
Besonders Simon Jäger liefert eine großartige Leistung. Denn er bewältigt den Großteil alleine und das meistert er einfach genial ;)

Skript & Dialoge waren gut aufgebaut und gut geschrieben.
Es fängt spannend an, verläuft auch spannend und entwickelt sich zu einem Psycho-Grusel :)

Sounddesign & Effekte waren absolut in Ordnung.
Die Inszenierungen sind sehr stimmungsvoll und atmosphärisch gelungen.
Die Geräuschkulisse kommt dezent rüber, aber das stört hier überhaupt nicht.

Die Musikstücke haben mir gefallen und sie wurden auch passend platziert.

Eine tolle Folge und ich kann diese Reihe sehr empfehlen :)
Es ist genau für Leute, die gerne ruhige, aber dennoch atmosphärische Hörspiele hören wollen ;)
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... wenn die Grundidee der Geschichte durchaus clever erdacht wurde. Doch irgendwie nimmt die Faszination der Handlung dann doch im Verlauf des Hörspiel zusehends ab, was vor allem an der Erzähllastigkeit des Hauptprotagonisten liegt, der seine eigenen Beobachtungen, Empfindungen und Eindrücke in seinem Hotelzimmer schildert. Auf Dauer kann dieses Konzept nicht überzeugen und der Hörer ist durchaus nicht böse, wenn das Hörstück dann nach rund 76 Minuten ein Ende findet. Hätte man das Hörspiel 20 Minuten kürzer gehalten, wäre es dem Spannungs- und Unterhaltungsfaktor sicherlich nicht abträglich gewesen.
Fazit: Hörbares Stück, aber bei Weitem nicht das beste Hörspiel aus der Reihe "Gruselkabinett".
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am 20. Oktober 2014
aber für mich nicht gruselig genug. Die agierenden Künstler/Sprecher sind durchweg lobenswert. Vielleicht könnte man auch in einem MP3 Download die mitwirkenden Künstler in einem kurzen Vor-oder Nachspann namentlich erwähnen?Verdient hätten sie es !
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Erster Eindruck: Spinnende Femme Fatale

In dem kleinen Hotel von Madame Dubonnet haben sich drei Menschen erhängt - an drei aufeinanderfolgenden Freitagen jeweils zur selben Stunde. Gelangweilt vom Leben und interessiert an dem merkwürdigen Fall mietet sich der Student Richard Bracquemont in das Zimmer ein. Zunächst entdeckt er nichts ungewöhnliches, ist aber schnell von der geheimnisvollen Frau fasziniert, die im gegenüberliegenden Haus wohnt...

"Die Spinne" von Hanns Heinz Ewers gehört zu den Geschichten des Gruselkabinetts, die vorher wahrscheinlich nur wenige Hörer gekannt haben. Dass ihre Aufnahme in die Reihe trotzdem berechtigt ist, wird durch die grandiose Umsetzung bewiesen. Die Geschichte dreht sich vordergründig um die drei Selbstmorde und deren Aufklärung, bei der in den Anfangsszenen die Charaktere kurz vorgestellt werden. Hauptperson ist Richard Bracquemont, der während seiner Zeit im Hotel ein Tagebuch geführt hat, welches die Grundlage für die Erzählung ist. Zunächst scheint er nichts merkwürdiges zu entdecken, doch in der geheimnisvollen Clarimonde - wie er sie selbst getauft hat - findet er eine faszinierende Femme Fatale vor, der er immer mehr verfällt und sich von Tag zu Tag mehr nach ihr sehnt. Diese Besessenheit ist der Kernpunkt der Geschichte und enthält in ihrer unendlichen Steigerung auch die Gruselkomponente der Folge. Der Vergleich mit einer Spinne wird immer wieder gezogen und findet in der Beobachtung Richards zweier Spinnen ihren eindeutigen Bezug. Auch wenn große Teile in Monologform vorgetragen werden, wirkt dies durch die intensive Vortragsweise niemals langgezogen, vielmehr wird der Hörer immer weiter in die Begierde von Ricard hereingezogen. Die angedeuteten Sado-Masochistischen Elemente verdeutlichen dies noch einmal auf reizvolle Weise. Das unvermeidliche Ende ist zwar nicht überraschend, überzeugt aber mit einem kleinen Winkelzug und schließt die Geschichte sinnvoll ab. Hier steht nicht der grausame Horror im Vordergrund, sondern eher hintergründiger Schrecken mit einer faszinierenden Idee, was "Die Spinne" zu einer außergewöhnlichen, aber umso interessanteren und unterhaltsameren Folge macht.

Den mit Abstand größten Anteil am Gelingen des Hörspiels hat Simon Jäger als Richard, der weite Teile der Handlung alleine trägt. Die sich steigernde Faszination, das Abgrenzen von allem außer Clarimonde und gegen Ende der grausame Schrecken, als er die Wahrheit erkennt: All dies stellt er feinfühlig und äußerst intensiv dar. Eine hervorragende Leistung! Madame Dubonnet wird von Marianne Lutz gesprochen, die die Warmherzigkeit und Liebe ihrer Figur ebenso gekonnt in Szene setzt. Bodo Wolf ist als Kommisar zu hören, der sowohl dienstlichen Eifer als auch menschliche Gefühle transportiert. Weitere Sprecher sind Tommy Morgenstern, Engelbert von Nordhausen und Cathlen Gawlich.

Wieder können Marc Gruppe und Stephan Bosenius ihre große Stärke ausspielen: Eine dichte und geschlossene Atmosphäre. Schnell kann sich der Hörer in den eingesetzten Musikstücken verlieren, die vollkommen auf die Geschichte abgestimmt sind une ein die Sprecher in ihrem Wirken unterstützen. Die Stimmung ist dabei natürlich düster und unheimlich, was sich immer weiter zu steigern weiß.

Zu der außergewöhnlichen Geschichte hat Firuz Askin ein ebenso außergewöhnliches Cover gezeichnet, das in den beiden Farben von Clarimondes Kleid gehalten ist: Schwarz und Violett. In einem menschlichen Auge spiegelt sich die faszinierende Frau und hinterlässt beim Betrachter einen edlen und hochmütigen Eindruck. Ein sehr gelungenes Cover!

Fazit: Eine eher stille Gruselkabinett-Folge, die ihren Schrecken aus der unheimlichen Figur der Clarimonde zieht. Außergewöhnlich und gerade deshalb so gut
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