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am 1. Juli 2007
"Saga", ein Gauklermädchen, kann, wenn sie es heraufbeschwört lügen, dass sich die Balken biegen. Na ja, nicht gerade die Balken, aber die Wahrheit, bis sie bricht. Denn ein bisschen Wahrheit liegt immer in ihren Lügen. Die Gauklerin ist eine Lügen-Stimmgabel, die den richtigen Ton, den sie "Lügengeist" nennt, bei ihren Zuhörern anstimmt. Was zuerst als Zerstreuung für ein Jahrmarktspublikum gut war, wird bald schon von "Gräfin Violante" als nutzbringendes Talent erkannt, das sie sie für ihre eigenen Pläne zu Nutze machen möchte. Sie lässt "Faun", Sagas Zwillingsbruder einsperren und erpresst das Mädchen anschliessend mit seinem Leben. Die muss sich nun "Magdalena" nennen und predigend mit der Gräfin nach Italien ziehen. Auf dem Weg dorthin lügt Saga auf den Dorfplätzen das Blaue vom Himmel, um die Mädchen zu bewegen, ihr nach Jerusalem zu folgen, das sie gemeinsam aus den Händen der "Ungläubigen" befreien sollen.
Eine schöne Lüge, denn in Wirklichkeit geht es um eine persönliche Angelegenheit, die "Gräfin Violante" nach Byzanz führt, denn dort hat sie noch etwas zu erledigen. Niemand ahnt, was das sein könnte, denn die Gräfin lügt besser als Saga (oder der Leser) sich das vorstellen kann. Und was könnte erschütternder sein, als die schlimmste Lüge? Vielleicht die Wahrheit?

Das wichtigste vorab: Das Hörbuch ist grosse Klasse und das hat mich überrascht, weil ich weder mit dem Romantitel noch mit der Beschreibung des Inhaltes etwas anfangen konnte. Da ich Kai Meyer jedoch als guten Autor kenne, wollte ich es mal mit einem seiner "historischen" Romane versuchen. Das "historische" muss man hier allerdings stellenweise einklammern, weil der Inhalt zeitlich nicht immer korrekt bzw. zutreffend ist. Das macht aber nichts, denn zum einen kommt es in dieser Erzählung nicht auf Realitätstreue an, da der Schwerpunkt auf den Inhalt der Geschichte liegt, zum anderen hat Kai Meyer in seinen Romanen oft Realität und Fantasie in einer exzellenten Mischung zusammengesetzt. Zudem merkt der Leser den Mix aus Fiktion und Geschichte nicht wirklich, und mal ehrlich: wen stört es, dass er z.B. gefederte Kutschen benutzt, die erst ca. 350 Jahre später erfunden wurden? Mich bestimmt nicht, zumal es die Geschichte geschafft hat, eine 11 stündige Autofahrt zu einem grossen Hörvergnügen zu machen.

Das Audiobuch hat sich die 5 Sterne redlich verdient, denn auch die Sprecherin, Katrin Fröhlich (Gwyneth Paltrow's Synchronstimme), hat ihre Sache supergut gemacht und war eine schöne Entdeckung für mich.
Die Geschichte, der Inhalt, Spannung (!!!), der Erzählstil, die Sprecherin, die unerwartete Tiefe und Komplexität der Handlungsstränge wie auch die vielen Überraschungsmomente (!!!), zeichnen das Hörbuch aus und machen es so empfehlenswert.
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am 13. Mai 2011
Frühjahr 1210: Das ganze Land ist schwer verwundet vom Bürgerkrieg, der Feldzug der Kreuzfahrer gegen Konstantinopel noch allem im Gedächtnis. Die Gauklerin Saga zieht mit ihrer Familie von Burg zu Burg und ist der Star der Truppe, denn sie hat ein besonderes Talent: Sie ist die beste Lügnerin der Welt, mithilfe des Lügengeistes kann sie jeden belügen, der belogen werden will. Diese Fähigkeit will sich Gräfin Violante von Lerch zunutze machen und setzt ihren Zwillingsbruder Faun gefangen. Wenn er nicht sterben soll, muss Saga Violante begleiten und als "Magdalena" zum Jungfrauen-Kreuzzug aufrufen. Während sie Richtung Süden mit einem gewaltigen Tross junger Kreuzfahrerinnen reisen, schafft Faun es zu entkommen und versucht nun seine Schwester einzuholen. Unterwegs trifft er Tiessa, fortan reisen sie gemeinsam. Er muss jedoch bald feststellen, dass die junge Frau so einiges verheimlicht. Die Geschwister ahnen nicht, dass sie einer gewaltigen Intrige auf die Spur gekommen sind, dessen Aufdeckung die ganze Christenheit erschüttern könnte ...

Die Erzählung begleitet neben Faun und Saga zeitweilig auch noch ein kleines tapfere Mädchen, welches den unheimlichen Bethanier ausgeliefert ist und Gruseliges durchstehen hat. Doch im Mittelpunkt befinden sich die Zwillinge. Faun merkt schnell, dass Tiessa verfolgt wird und so eilen sie nicht nur den Heerzug hinterher, sondern sind gleichzeitig auch noch auf der Flucht vor Tiessas Häschern. Währenddessen begegnet Saga unterwegs vielen Menschen, welche sie fortan auf ihrer Reise begleitet: Söldnerführer Zinder, welcher das Herz am rechten Fleck hat. Die unglücklich verheiratete Jorinde von Rialt. Karmesin, eine Römerin mit vielen Fähigkeiten und Geheimnissen. Sie alle und 5.000 Kreuzfahrerinnen nehmen die beschwerlichen Weg ins Heilige Land auf sich, auch wenn der Kreis um Violante über ihr wahres Ziel im Bilde ist: Violantes verschollener Mann Gahmuret. Doch was sie am Ende der Reise erwartet, hat keine vorhergesehen ...

Wer hier wegen den Namen Kai Meyer einen fantastischen Roman vermutet, liegt falsch: In dieser abenteuerlichen Geschichten gibt es nichts Übernatürliches - selbst der Lügengeist könnte eine psychologische Ursache haben. Das tut dem historischen Epos aber keinen Abbruch. Die Figuren sind sorgfältig gezeichnet und so verwischen die Grenzen zwischen Gut und Böse. Da ist Violante, die einen ganzen Kreuzzug anzettelt, nur um zu ihren Mann zu gelangen. Die mysteriöse Karmesin, dessen Existenz Legende ist und deren Motive lange im Dunklen bleiben. Tiessa, die schwer an der Bürde ihrer Geburt und den ihr anvertrauten Geheimnis trägt. Und natürlich Saga, deren Verhältnis zum Lügengeist äußerst zwiespältig ist. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Zum Handlungsverlauf: Der Beginn ist eher langsam und sehr ausführlich geschildert, insbesondere im Vergleich zum späteren Fortgang der Geschichte scheint der Autor geradezu zu schlendern, während später beinahe gerannt wird. Im Mittelteil spielt dann leider allzu oft der Zufall eine Rolle und verleiden einen durch allzu gewaltige Glücksfälle doch etwas die Lesefreude. Später kommen minutiös geschilderte Kampfszenen mit detaillierten Beschreibungen der Verletzungen und Tode, sie erfordern ein passendes Gemüt und sind definitiv nichts für Zartbesaitete. An dieser Stelle sei auch der Bethanier erwähnt, die Szenen mit ihm sind nicht harmlos und ziemlich schaurig. Nach der großen Schlacht war für mich allerdings doch ziemlich die Luft raus und ich wollte gern zum Finale kommen. Mich hat die "große" Überraschung am Schluss nicht wirklich erstaunt, aber ein paar andere Sachen hatte ich so nicht vorhergesehen. Das Ende ist aus meiner Sicht irgendwie unbefriedigend, insbesondere was Tiessas Entscheidung angeht. Insgesamt lebt dieses Buch gar nicht so sehr von der Handlung, sondern von der Charakterzeichnung, Landschaftsbeschreibungen und bildgewaltigen Kampfszenen.

Kathrin Fröhlich, die Schwester von Sprecher Andreas Fröhlich, hat gute Arbeit abgeliefert und überzeugte durch gekonnten und variantenreichen Stimmeinsatz, es war sehr angenehm ihr zuzuhören. Allerdings merkt man die Kürzung den Hörbuch an, da einige Handlungsfäden kaum oder nur kurz ausgeführt werden - beispielhaft sei das Medaillon genannt. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass einzelne Figuren wie Katervater im Buch wesentlich mehr Platz eingeräumt wird. Insgesamt ist das Hörbuch jedoch dennoch ein rundes Werk und durchaus als gelungen zu bezeichnen, die Lesung vergeht wie im Nu. Wer aber die Zeit mitbringt und richtig abtauchen will, ist wahrscheinlich mit der Buchfassung noch besser beraten.

Ein historischer Abenteuerroman, der vor allen mit seinen Charakteren überzeugt

4 Sterne
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am 31. Dezember 2006
Mit „Herrin der Lüge“ begibt sich Kai Meyer nach „Das Buch von Eden“ wieder auf das Terrain des historischen Romans mit einigen phantastischen Beigaben.

Erzählt wird die Geschichte von Saga und Faun, zwei Gauklerzwilligen, und dem „Kreuzzug der Jungfrauen“. Sagas Gabe, die beste Lügnerin der Welt zu sein, wird ihr zum Verhängnis: Sie wird gezwungen, einen Kreuzzug der Jungfrauen ins heilige Land zu führen. Als „Motivation“ wird ihr Bruder eingekerkert, so dass sich Saga in die Rolle fügt. Nachdem Faun sich befreien konnte, reist er Saga nach und trifft dabei die geheimnisvolle Tiessa.

Aus diesem, zugegeben gnadenlos verkürzten, Handlungsaufbau entstehen dann auch eine der größten Stärken und die gewichtigste Schwäche des Buchs. Der gesamte Hauptteil des Romans erzählt von den Reisen der unterschiedlichen Gruppen, vor allem von Saga und Faun und ihren Begleitern. Reiseerzählungen sind häufig unglaublich langatmig zu lesen und ein Roman, der darauf aufbaut ist mutig. Kai Meyer erweist sich jedoch als exzellenter Erzähler. Die Beobachtungen am Wegesrand sind spannend und handeln oftmals von den Menschen und den Anforderungen des Lebens. Es findet kein Abhaken von Stationen und zurückgelegter Strecke statt, stattdessen konzentriert sich die Erzählung auf die Abschnitte, an denen etwas geschieht. Mal in Form von temporeichen Abenteuern, mal in Form von Charakterbildung. Dabei gelingt es Meyer, eine Gefahr zu umgehen: Faun folgt Saga und gelangt daher häufig an die gleichen Orte wie zuvor seine Schwester. Dabei hat man jedoch nie das Gefühl, dass sich die Geschichte wiederholt. Klasse.

Und genau das führt zu einer Schwäche des Romans. Die Erlebnisse der Figuren sind so abwechlungsreich und spannend, dass über lange Abschnitte nur von einer Gruppe der Reisenden erzählt wird. Das geschieht zum Teil über so lange Passagen, dass sich im Hauptteil des Romans immer mal wieder das Gefühl einstellt, zwei von einander unabhängige Geschichten zu lesen. Zum Ende des Buches werden die verschiedenen Handlungsstränge dann aber recht kunstvoll zusammen geführt, so dass sich ein rundes Bild ergibt.

Besonders gelungen sind hingegen die meisten handelnden Figuren. Alle wichtigen Protagonisten sind sehr sorgfältig charakterisiert. Sie sind niemals nur gut oder nur böse, sondern immer ambivalent angelegt, oft hin und her gerissen zwischen widerstreitenden Gefühlen. Sie können oftmals nicht frei über ihre Handlungen entscheiden, sind zwischen Zwängen und Wünschen aufgerieben und müssen sich dennoch entscheiden. Das führt zum einen dazu, dass die meisten Handlungen der Figuren gut nachvollziehbar sind, zum anderen sorgt diese sorgfältige Figurenzeichnung dafür, dass der Leser das Gefühl hat, über „echte“ Menschen zu lesen, nicht über schablonenhafte Abziehbilder.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Zu Beginn des Buches werden das Mädchen Maria und der Bethanier sorgsam eingeführt, auf durchaus beeindruckende und vielversrechende Weise. Im weiteren Verlauf gelangt man als Leser zunehmend mehr zu dem Eindruck, dass die beiden für die Geschichte gar nicht mehr wichtig sind. Viele, viele Seiten lang, werden die beiden gar nicht mehr erwähnt. Nur um dann in kurzen Passagen als eher lästiges Beiwerk erwähnt zu werden – und am Ende auf unwürdige Weise aus dem Roman auszuscheiden. Da wäre es besser gewesen, auf die beiden Figuren ganz zu verzichten.

Als sehr gut muss auch die Konstruktion des Romans rund um den „Kreuzzug der Jungfrauen“ bezeichnet werden. Kai Meyer versteht es, diesen Kreuzzug sehr facettenreich zu gestalten. Jede der beteiligten Parteien hat sehr individuelle und oftmals sehr eigensinnige Gründe und Motivationen, sich an dem Unternehmen zu beteiligen. Diese werden dem Leser erst nach und nach offenbart und erst am Ende des Buches liegt das ganze Geflecht der Interessen offen. Sehr gut gelöst, denn erstens erscheint auf diese Weise auch ein fiktiver Kreuzzug wie der „Kreuzzug der Jungfrauen“ sehr wohl möglich, zum anderen erhöht dieses Vorgehen die Spannung beim Lesen.

Insgesamt kann man also sagen, dass „Herrin der Lüge“ ein rundum gutes Buch ist, wenn auch nicht das beste von Kai Meyer. Eine klare Empfehlung ist es dennoch wert!
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am 27. Oktober 2010
Ich habe den Roman gern gelesen, er ist sehr gut geschrieben und spannend. Vielleicht genügt das schon. Für die meisten Bücher. Von einem richtig guten Buch hätte ich aber etwas mehr erwartet. Leider ist m. E. die Hauptfigur Saga am unglaubwürdigsten. Sie lügt für meine Begriffe absolut schlecht. Jeder Wanderprediger an der Ecke hätte besser gepredigt. Die Erfindung des Lügengeistes finde ich abstrus. Zum guten Lügen genügen etwas schauspielerisches Talent und gute Menschenkenntnis. Dass sie also als beste Lügnerin auserwählt wurde und die fünftausend Jungfrauen überzeugen konnte, halte ich für Nonsens. Und dass der Lügengeist sie jedesmal so quält, für reine Fantasy. Außerdem hat die Figur für mich keine besondere Ausstrahlung und macht auch kaum eine Wandlung durch. Denn wenn ich brennende Leichenberge gesehen hätte von Frauen, die ich selbst durch meine Lügen verführt habe, dann könnte ich nie mehr im Leben froh werden. Ein Buch kann von mir aus brutal und grausam sein, so wie es ja wohl auch teilweise gewesen ist. Aber wenn dieser Grausamkeit nicht von einigen Figuren energisch entgegengetreten wird - und das hat mir gefehlt - dann werden die Taten unerträglich.
Ein Kreuzzug der Frauen könnte ich mir vorstellen, aber nicht aus dem Grund, den die Gräfin Violante hatte. Das ist total an den Haaren herbeigezogen. Sozusagen von hinten durch die Brust. Und dass Saga ihr bei diesem extrem verbrecherischen Vorhaben hilft, ist unglaubwürdig, da sie als positive Figur aufgebaut ist. Die Sorge um den Bruder wird hinfällig, weil sie bei der skrupellosen Gräfin überhaupt nicht davon ausgehen kann, dass er überhaupt noch lebt. Dass auf der strapaziösen Reise die fünftausend Jungfrauen mal eben zu Kriegerinnen ausgebildet werden konnten, will ich mal ins Reich der Märchen verbannen.
Auch die Karmesin ist letztlich positiv aufgebaut worden. Hier fehlt mir jegliche Auseinandersetzung mit den Motiven des Papstes Innozenz, der zu den Verschwörern, also zu den Verbrechern gehörte, und einfach davon kommt, ohne dass eine Figur aufgebaut wurde, die sich gegen ihn stellt. Dass Zinder diese durch und durch schlechte Violante liebt, nun ja, für den Leser ist das unverständlich. Ebenso, dass Saga bis zum Ende mit marschiert. Hier drängt sich die Vermutung auf, der Autor wusste nicht, wohin mit ihr, nachdem der Jungfrauenkreuzzug beendet war. Mit anderen Worten, die Motivation der Figuren ist häufig sehr fraglich und nicht nachzuvollziehen.
Das Buch fängt sehr gut und ideenreich an. Leider besteht es dann im folgenden nur noch aus Flucht und Kampfaction. Alles sehr schön beschrieben, aber eben ein Abenteuerroman. Und die Hauptfiguren kommen natürlich immer wieder fast ohne Kratzer davon, auch in den unwahrscheinlichsten Situationen.
Bei diesem Thema hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, mehr moralische Auseinandersetzungen als nur mit Schwertern. Die einzige Figur, die keine Schuld trägt, nämlich Tiessa, glaubt, Schuld auf sich zu laden, wenn sie den Kaiser nicht heiratet. Dabei haben doch die Parteien, die den Krieg wollen, die Schuld und nicht sie. Zumindest sollte dieser Aspekt erörtert werden.
Trotz aller Kritik spannend und gut zu lesen. Daher dennoch vier Sterne.
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am 2. Mai 2010
Ich kannte bisher noch kein Buch von Kai Meyer, wurde aber durch Sagas Geschichte sehr positiv überrascht.

Der Autor hat eine sehr angenehme und auch selten langweilige Art des Erzählens, bei der einem wirklich nichts anderes übrig bleibt als sich in die Rollen der Hauptcharaktere hineinzuversetzen.
Besonders anzumerken ist, dass das Buch unerwartet tiefgründig war. Zu Beginn des Buches erfährt man "kurz und knapp", was von der Protagonisten Saga erwartet wird und schon kurze Zeit später beginnt der Strudel eines dunklen Geheimnisses...

Wer etwas von epischen Kreuzfahrerschlachten sucht, wird in diesem Buch nicht fündig. Allerdings tut es beim Lesen keinen Abbruch, da die Geschichte ihre eigene Art hat, auf die sie faszinierend ist.
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am 7. Dezember 2006
Kai Meyers Romane lese und liebe ich seit Jahren, und diesmal ist ihm wieder eines besonders geglückt. In "Herrin der Lüge" begleiten wir Gauklerin Saga, die Herrin der Lüge, auf den "Kreuzzug der Jungfrauen" - und parallel dazu ihren Zwillingsbruder Faun auf die Suche nach ihr.

Kai Meyers "historische" Romane sind gewürzt mit (mal mehr, mal weniger) phantastischen oder mythischen Elementen. Diesmal ist es wieder weniger Übersinnliches, das Buch liest sich also tatsächlich wie ein historischer Roman. Die Reise beginnt eher leise; doch wie immer endet die Geschichte mit spektakulären Szenen, die dem Leser den Atem rauben. Dazwischen liegen etwa sechshundert Seiten.

Die eigentliche Spannung des Romans wird nicht allein dadurch erzeugt, dass die Ereignisse sich zuspitzen, sondern rührt auch daher (und das genieße ich besonders), dass die Motive einiger Reisender im Dunkeln liegen, was immer wieder zu wirklich überraschenden Wendungen führt. Authentisch fühlt sich die Geschichte auch deswegen an, weil Dinge, Ereignisse und Personen auftauchen, die am Ende dann noch keine Rolle bei der "Auflösung" aller Geheimnisse spielen. Dabei bleiben die Entscheidungen der Charaktere nachvollziehbar und wirken nicht zum Wohle der Geschichte an den Haaren herbeigezogen wie in vielen anderen Büchern, die in Richtung "Fantasy" gehen.

Wie immer nach dem Lesen eines Kai Meyer-Romans möchte ich am Liebsten glauben, dass sich alles genau so zugetragen hat. Und wie immer bin ich beeindruckt von dem imposanten Finale, ohne jeden Kitsch auskommt und das den Leser trotzdem zutiefst beeindruckt.

Etwas schade ist, dass das Nachwort des Autors mit gerade mal einer Seite so kurz geraten ist - dafür entschädigt Kai Meyer die Leser allerdings angemessen mit dem Blog auf seiner eigenen Website.

Herrin der Lüge ist absolut lesenswert. Wer Das Buch von Eden mochte, wird Herrin der Lüge lieben. Und wer Das Buch von Eden nicht so großartig fand, der erst Recht!
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am 25. März 2012
1210. Saga ist Spross einer Gauklerfamilie und besitzt eine besondere Fähigkeit, sie ist die beste Lügnerin der Welt. Um ihren Zwillingsbruder Faun vor einer Bestrafung zu bewahren, geht sie auf das Angebot einer Adeligen ein, sich als neue Heilige, als Magdalena, auszugeben, um junge Frauen aus allen Gesellschaftsschichten zu einem Kreuzzug der Jungfrauen zusammenzuziehen. Dass die Adelige Violante von Lerch letztlich aber ganz andere Pläne mit dem Kreuzzug der Jungfrauen verfolgt als sie vorgibt, bemerkt Saga erst, als es schon fast zu spät ist...

Zunächs hatte ich mich sehr gefreut, als ich dieses Buch geschenkt bekam. Es war rein äußerlich sehr vielversprechend: Ein wunderschön gestaltetes Cover mit mittelalterlichen Elementen, ein Lesezeichen, dass die wichtigsten Figuren des Buches erklärt, und zwischen den Kapiteln finden sich Bleistiftzeichnungen mit mittelalterlichen Motiven. Rein optisch ein Genuss.
Zudem fand ich toll, dass der Autor im hinteren Teil des Buches eine Erklärung hinzugefügt hat, in wie weit seine Erzählung der Realität entspricht. Hier geht er auf erzählerische Freiheit und historische Fakten ein. Ein Gewinn für dieses Buch!

Leider verpuffte die anfängliche Vorfreude völlig, als ich mit dem Lesen begann. Saga und Faun, die beiden Protagonisten, wollten mir nie so recht ans Herz wachsen. Was mit ihnen geschah oder welche Entscheidungen sie trafen war mir stellenweise einfach egal. Was anfänglich noch recht interessant beginnt und was mich noch ein wenig mitfiebern ließ, ob Saga ihrem Bruder im Kerker helfen kann oder nicht, verblasst mit dem Fortschreiten der Geschichte immer mehr. Immer verworrener Spinnt Meyer die Fäden um die Figuren und irgendwann hat mich die Geschichte schlicht einfach nicht mehr gefesselt.

Woran es lag, ist für mich gar nicht so einfach in Worte zu fassen. Sicher sind zum einen die Figuren schuld. Schon die beiden Protagonisten sind blass und ohne echte Teife. Dass Saga über die Fähigkeit des Lügens verfügt, den sogenannten Lügengeist, kam mir nie rigendwie besonders vor und auch ihr innerer Konflikt und ihre innere Motivation sind kraftlos und unglaubwürdig. Zudem flicht Meyer immerwieder vielversprechende Charaktere ein, die ein Gehemnis bergen, sich letztlich dann aber als heiße Luft entpuppen. Manche Figuren scheinen auch gezwungen schillernd zu sein, so zum Beispiel Karmesin, die Meisterhure der Päpste. Zunächst rätselhaft und vielschichtig angelegt, kann sie ihr Versprechen dem Leser gegenüber letzlich doch nicht halten.

Außerdem zieht sich die Reise der Zwillinge wie Kaugummi. Owohl sie sich örtlich immer weiterbewegen, scheinen sie doch über weite Passagen hinweg auf der Stelle zu treten. Die Geschichte will einfach nicht in Gang kommen und öfter fragt man sich, wo das eigentlich noch hinführen soll. Ein Zitat vom Ende des Buches finde ich hierzu sehr passend:
"Saga, ich weiß nicht, ob du gefunden hast, was du gesucht hast. Hast du überhaupt etwas gesucht? Nicht einmal dessen bin ich sicher."
Genau das habe ich nämlich am Ende des Buches auch gedacht.
Die Beweggründe der Figuren und auch ihre Geheimnisse bleiben irgendwie seltsam blass und erscheinen fast belanglos. Die meisten Passagen ließen mich schulterzuckend zurück und ohne den Drang weiterzulesen. Ebenso war es mit dem Kreuzzug selbst, dieser scheint nur Kulisse der Geschichte zu sein, nicht aber ihr eigentlicher Inhalt. Und das schlussendlich allem zugrundeliegende Geheimnis ging irgendwie stillschweigend an mit vorbei...

Die einzigen Kapitel, die ich mit echter Spannung verfolgte, waren jene über den geheimnisvollen Bethanier und seine Geisel Maria. Nur diese vergleichsweise wenigen Seiten konnten mich wirklich fesseln. Leider nur, um am Ende auch ohne einen wirklichen Effekt zu verpuffen. Schade.

Nach ca. zwei Dritteln des Buches bin ich auf das Hörbuch umgestiegen, in der Hoffnung, eine motivierte Stimme würde mich vielleicht wieder etwas mitfiebern lassen, aber leider Fehlanzeige. Das Hörbuch ist wirklich sehr gut gelesen, aber das ändert eben am Inhalt nichts.

Das Mittelalter, das Meyer hier entwirft, ist bunt und vielschichtig. Vom Gauklerleben auf dem Marktplatz bis hin zum Leben eines Adeligen auf seiner Burg bekommt der Leser alles geboten. Auch die Schauplätze des Geschehens sind abwechslungsreich und interessant, leider schafft es der Autor aber nur sehr selten, all diese bunten Bilder auch in meinem Kopf entstehen zu lassen.

Es soll hier kein falscher Eindruck entstehen, Kai Meyer ist ein wirklich sehr guter deutscher Autor, aber mit seiner Herrin der Lügen hat er bei mir leider gar nicht ins Schwarze getroffen. Ich bin mit diesem Buch, obwohl sich der Autor sehr um die Geschichte bemüht, einfach nicht warm geworden.
Für mich war dieser Lesegenuss leider einfach nur langweilig.

Für den Bethanier und die zauberhafte Aufmachung des Buches gibt es von mir 2 Sterne.
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am 29. Januar 2007
Kai Meyer schreibt über historische Ereignisse und zum Glück tut er das nicht staubtrocken.

Mit 'Herrin der Lüge' ist es dem Vielbuchschreiber abermals gelungen, einen guten historischen Roman zu schreiben.

Prologmeister Kai Meyer beginnt das Buch mit einer düsteren Stimmung in der Stadt Konstantinopel, die gerade überfallen wird. Die besagte Stimmung scheint voller Asche zu sein und man kann das Feuer regelrecht riechen, während man die ersten Zeilen liest.

Ein wunderbarer Auftakt für diesen Roman .

Durch die Entführung und das Festhalten ihres Bruders Faun, nimmt Saga, das Gauklermädchen, die Rolle einer Heiligen an. Saga hat die Fähigkeit Leuten glauben zu machen, was sie sagt. Egal was es ist: Sie ist die beste Lügnerin der Welt. Und genau diese Fähigkeit nutzt sie aus, um zu der 'Magdalena' zu werden. Am Anfang belügt sie ein paar Mädchen, erzählt, dass sie die Stimme Gottes höre und ruft sie auf einen Kreuzzug ins Heilige Land zu beginnen.

Es dauert nicht lang, bis die Mädchenmassen wachsen und wachsen. Sie wachsen zu einer Zahl heran, die man kaum noch kontrollieren kann.

Währendessen gelingt es Faun zu fliehen und er begegnet auf dem Weg dem Mädchen 'Tiessa'. Sie ist klug und schön, aber sie hat eine Menge Geheimnisse. Die Wahrheit über sie baut sich während des Buches erst auf. Faun erfährt genau wie der Leser Stück für Stück immer mehr über das Mädchen. Und mir wurde sie im Verlaufe des Buches immer sympathischer und wurde langsam zu einer Figur, die ich mir vorstellen kann.

Saga wird immer mehr überwältigt von ihrer Aufgabe, aber beginnt ihre Position zu genießen. Faun reist mit Tiessa seiner Schwester hinterher.

Was Kai Meyer kann, ist Fäden am Schluss zusammenzuführen und zu einem roten festen Fadennetz zusammenzubinden. Die Figuren sind exzellent ausgearbeitet und erstellen eine nahezu reale Person in meinem Kopf. Staubtrockene Historik findet man nicht.

Kai Meyer ist und bleibt für mich der Meister der historisch ' fantastischen Romane. Hier hat er für mich einen guten Roman geschrieben, der in meinem Regal steht und über den ich lächle, weil er mir gefallen hat. Aber er wird nicht ganz vorn in der Kai-Meyer-Reihe stehen, wo meine Lieblingsbücher von ihm stehen, denn die Handlung wirkt oft kaugummigedehnt (und verliert nach einer Weile auch den 'süßen Geschmack'). Der Lesefluss wird oft von schleppenden Szenen durchbrochen.
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am 20. Oktober 2006
1210 gerät die Gauklerin Saga, der Welt beste Lügnerin, in die Fänge der intriganten Gräfin Violante, die sie zum Zugpferd ihres Jungfrauenkreuzzugs machen will. Doch tatsächlich verfolgt sie andere Pläne als die Befreiung des Heiligen Landes. Sagas Zwillingsbruder Faun macht sich auf die Suche nach seiner Schwester und trifft dabei auf das geheimnisvolle Mädchen Tiessa. Über allem schwebt ein düsteres Geheimnis, dessen Bekanntwerden die Grundfesten der Westkirche erschüttern könnte.

Theoretisch ist dies ein historischer Roman über einen erfundenen Frauenkreuzzug, der aber dem Kinderkreuzzug nachempfunden ist, und dazu ein Schuß Fantasy, bezogen auf Sagas Lügenkunst. Daraus hätte man durchaus etwas machen können und die Geschichte beginnt auch vielversprechend.

Leider ist das Ergebnis aber enttäuschend. Die Figuren hatten fast ausnahmslos keinen für mich feststellbaren Charakter, dafür aber eine Menge an merkwürdigen Entscheidungen, die sie mir nicht sympathischer gemacht haben.

Das Hauptproblem aber sind die beiden wichtigsten Handlungsebenen, der Kreuzzug und das düstere Geheimnis, die sich eigentlich schön zusammenfügen sollten. Stattdessen ist der Kreuzzug sowohl im Buch als auch erzählerisch eher überflüssig. Er erfüllt keinen sichtbaren Zweck und wird auch vom Autor kaum genützt, um die Besonderheiten eines solchen Zuges unter diesen Bedingungen aufzuzeigen.

Das Geheimnis ist zwar grundsätzlich nett ausgedacht, gibt für mich aber noch weniger Sinn.

Das Buch liest sich trotz allem ganz nett und plätschert vor sich hin. Wohl ein idealer Schmöker, um sich die Stunden in einer fremden Welt zu vertreiben. Wer aber das Wörtchen "historisch" auf dem Deckblatt ernst nimmt und Sinn und Logik in seinen Büchern schätzt, sollte die Finger davon lassen.
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am 6. Januar 2007
An diesem Historienepos gefällt mir, dass es trotz der Länge nie langweilig wird. 8 CDs sind der Handlung angemessen.

Es handelt sich um eine autorisierte, gekürzte Romanfassung, aber ich kann aufgrund der Kürzung, im Gegensatz zu vielen anderen Hörfassungen historischer Romane, keine Lücken oder unverständliche Handlungssprünge erkennen.

Katrin Fröhlich (die deutsche Stimme z.B. von Gwyneth Paltrow und Cameron Diaz) liest angemessen gut. Sie schafft einen guten Ausgleich zum erzählerischen Text und den Dialogen, die Kai Meyer wirklich gut beherrscht. Sie liest die Dialoge nur leicht betont, so dass es den erzählenden Charakteren gerecht wird, ohne dass der Handlungsfluss gestört wird.

Mit den Zwillingen Saga und Faun gibt es sympathische Charaktere, die aber größtenteils getrennt auftreten. Fast werden sie dazu zu einer Konkurrenz für einander, da ich als Hörer beim hören des Handlunsgstranges um Faun auch kaum den Handlungsstrang um Saga abwarten kann und umgekehrt. Aber ich denke, dass spricht nur für den Roman.

Die historisch belegten Personen und Geschehnisse treten eher im Hintergrund auf, sind aber sehr wichtig für die agierenden Protagonisten und die Handlung. Der Kreuzzug der Jungfrauen ist vermutlich fiktiv.

Mit dem Lügengeist ist ein kleines, möglicherweise phantastisches Element enthalten, dass aber die Fans des historischen Romans bestimmt nicht stören wird.

Selten habe ich ein so langes Hörbuch in so kurzer Zeit gehört.
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