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am 1. August 2005
Der Roman spielt in einem der schlimmsten Gefangenenlager des 20.Jahrhunderts, dem sowjetischen Gulag. Iwan Denissowitsch, der im Laufe des Buches nur Schukow genannt wird, sitzt dort seine Strafe ab. Angeklagt, dass er sich als Rotarmist von den Deutschen gefangen nehmen ließ. Für seine Regierung ist er damit ein Spion.
Für dieses Verbrechen hat Schukow zehn Jahre Arbeitslager bekommen, aber schon auf den ersten Seiten wird angedeutet, dass die meisten Gefangenen das Lager nie mehr verlassen. Zweimal im Jahr darf er einen Brief nach Hause schreiben.
Schukow ist von Tod und Grauen umgeben, er weiss weder, ob er seine Familie jemals wiedersehen wird, noch ob er nicht schon morgen tot sein wird. Aber lesen wir über sein Unglück? Nein. Lesen wir über seine Angst? Auch nicht.
Es ist ein einfach wahlloser Tag im Leben des Iwan Denissowitsch Schukow, dessen Leben sich in einem Straflager abspielt; der das System nicht verflucht, nicht nach dem „warum" fragt, sondern einfach lebt.
Sein Denken dreht sich um Brot, einen dicken Mantel und feste Schuhe. Man sollte gesund bleiben, denn über die Strafen fürs Krankwerden wird nicht gesprochen.
Befriedigung findet Schukow in der harten Arbeit, und in guten Beziehungen: Am Morgen benutzt er seine kostbare Freizeit, um die Stiefel eines Kameraden zu reparieren, der ihm nun einen Gefallen schuldet, am Ende seines Arbeitstages blickt er stolz auf das stabile Stück Mauer, das er heute errichtet hat und am Abend kann er sich sogar eine Extraportion Suppe organisieren. Er hat etwas geleistet, sein Bauch ist voll und er hat einen weiteren Tag überlebt.
Dieser Roman ist keine Anklage gegen den Stalinismus, er ist auch kein Plädoyer für menschlichen Durchhaltewillen. Ohne das Grauen und die Unmenschlichkeit auch nur mit einer Zeile zu beschreiben, zeigt er deutlich, dass die strengste Routine jeden Geist brechen kann und dass ein Mensch, der hunderte von Tage in lebensfeindlichen Umständen gelebt hat, diese Umstände irgendwann als natürlich hinnehmen wird.
33 Kommentare| 49 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Januar 2015
Schon 1962 veröffentlicht, hat dieser Roman von Alexander Solschenizyn, der 1970 den Literatur-Nobelpreis bekam, nichts von seiner Aktualität und Brisanz verloren.
Immer noch ist es beklemmend, über den Alltag eines Häftlings in einem sowjetischen GULAG der Nachkriegszeit zu lesen. Solschenizyn versteht es, den Leser/die Leserin von der ersten bis zur letzten Seite dieses kurzen Romans(oder Erzählung) zu fesseln, auch wenn er es diesem auf Grund seiner komplizierten Grammatik und seines verschachtelten Schreibstils nicht leicht macht.

Für mich ist dieses Buch ein großes Stück Weltliteratur, ein Buch, welches Jeder einmal gelesen haben sollte, hat es doch Solschenizyns literarischen Ruhm begründet. Ein Meisterwerk und "politisches Denkmal" für die im GULAG gequälten und verstorbenen Menschen, die leider die meisten von uns schon vergessen haben.
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am 18. Mai 2009
Ich will bei Bücherrezensionen selten den Inhalt in Form eines Überblicks wiedergeben. Bei Solschenyzins 'Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch' ist ein Inhaltsüberblick aber leicht. Das Buch handelt genau vom Titel. Ein Tag im Leben eines Mannes. Eines Mannes in einem Arbeitslager. Einem Arbeitslager in Russland, den berüchtigten 'Gulags'. Jenen Gulags, in dem rechtschaffene Männer ohne Anklage, Gerichtsverfahren o.ä. einfach mal 25 Jahre absitzen bzw. abarbeiten. Strafe für irgendein lumpiges Vergehen, ... Es ist (wieder einmal) nicht das erste Buch, dass Lagerleben beschreibt. Erziehungs-, Konzentrations-, Internierungs-, Besserungs- oder auch Arbeitslager, wie viele einfach NICHT wollen. Viktor Frankl, Ruth Klüger und auch Viktor Klemperer durfte ich anhand ihrer Erzählungen nacherleben, wurde betroffen Zeuge von der hauchdünnen Grenze zwischen Kultur und 'animalischem Gebärden' auf Kosten von Menschenleben. Willkür, Verachtung, aber auch Menschlichkeit und Wärme, wo man sie nie vermuten würde.

Sehr gerne würde ich mir wünschen, dass dieser Roman eine Utopie ist, eine Wunschvorstellung positiven Ausmaßes, leider schafft er es auch nicht zur Dystopie. Es ist einfach die Wahrheit. Berichte von Menschen, die es geschafft haben, zu überleben ' um davon zu berichten. Von den Misshandlungen der Aufseher, den Tricks der Mithäftlingen, der Schikane, den Anstrengungen, des Lebens und auch des Sterbens in einem Lager. Verfluchte Lager! Es ist etwas Besonderes, dass mich an diesen Berichten bewegt, dass ich mich damit auseinandersetze: Die Ungläubigkeit über das Geschehen in unserer Zeit, ja jetzt noch, heute zu Tausenden in irgendwelchen Lagern oder Gefängnissen. Nur vergleichbar mit ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen in Afrika o.ä. ' ungläubig offenbart sich mir durch diese Berichte eine Welt, die so fern nicht ist. Wo Menschen an ihr Äüßerstes gebracht werden und trotzdem überleben. Jeder ein Zeugnis wie viel oder wie wenig Kultur wir wirklich sind.

Wieder einmal ' Tipp: Lesen und dann sich des Lebens freuen ' in Freiheit!
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am 15. September 2001
Solschenizyn beschreibt im "Denissowitsch" das triste und menschenunwürdige Leben eines einfachen Zimmermanns in einem russischen Stafgefangenenlager unter Stalin. Das Werk ist eine Parallele zu seiner eigenen Lagerhaft im Gulag. Solschenizyn übernimmt hierbei jedoch nicht die Rolle eines Staatsanwaltes, der mit erhobenen Zeigefinger Anklage erhebt, sondern er schildert ohne intellektuelle Schnörkel den Überlebenskampf eines Menschen mit chronologischer Präzesion und einer streckenweise vulgären Ausdrucksweise. Diese Werk sollte schon aufgrund seines politischen Hintergrundes zu jedermanns Pflichtlektüre heranwachsen.
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am 27. September 2008
Mit dieser Erzählung tauchten die russischen Gulags in den westlichen Feuilletons auf. Solschenizyns nüchterne Beschreibung eines Tages im Leben eines politischen Gefangenen, dessen Leben von einem Bissen Brot abhängt, sich wehmütig an ein Paar warme Stiefel erinnert, umringt von Lagerinsassen, die dasselbe karge Leben fristen, bewacht von Wärtern, die an ihrem Schicksal nicht interessiert sind, hallte als Aufschrei lange nach. Das Überwachungssystem funktionierte, das Überleben hing von Kleinigkeiten ab. Ein falsches Wort, ein Besitz, den jemand anderes gerne hätte, und das Leben war nichts mehr Wert. Die Zeit stand still, bis das Licht abgeschaltet wurde. Wäre da nicht der Hunger, der einen daran erinnerte, noch am Leben zu sein. Das Werk des späteren Nobelpreisträgers wird immer an eine der dunkelsten Kapitel der Sowjetunion erinnern. Die Tradition, politische Gegner, Aufmüpfige zu verurteilen und wegzusperren, bleibt jedoch auch in der Neuzeit ungebrochen. Überall auf der Welt. Das Leben hinter den Zahlen, die Amnestie International veröffentlicht, begegnet einem in dieser erschütternden Erzählung ungeschminkt.
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am 9. Juni 2006
Iwan Denissowitsch Schuchow ist Gefangener der 105. Brigade des sowjetischen Arbeitslagers. Nach acht Jahren seines Lebens, die er bereits dort verbracht hat, ist er vertraut mit den Gegebenheiten und Regeln, die dieser ungemütliche Ort mit sich bringt. Er weiss wo man Essen und kleine Werkzeuge vor den täglichen Kontrollen der Aufseher verstecken kann. Er hat sich an die beißende Kälte Russlands gewöhnt, ist ein zuverlässiger und gewissenhafter Arbeiter auf der Baustelle eines naheliegenden Kraftwerks und schafft es ab und zu einem Brigadier einen Gefallen tun zu dürfen und dadurch eine Extraportion Suppe oder eine Zigarette ergattern zu können.

Aufrund der sehr guten und detaillierten Inhaltsangaben, die zu diesem Buch bereits von anderen Rezensenten verfasst wurden, werde ich an dieser Stelle mit meiner abbrechen und mich der Bewertung widmen.

Das Buch "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" war eine sowohl interessante, als auch aufrüttelnde Lektüre, wenn auch in für mich ungewohntem Genre.

An den Schreibstil Alexander Solschenizyns müssen sich "Neulinge" wahrscheinlich erst gewöhnen. Als ich das hatte, war das Buch auch schon zu Ende. Dennoch ist die geringe Seitenzahl für den Umfang dieser Erzählung vollkommen angemessen, wie ich finde. Alexander Solschenizyn hat sich weder zu kurz gefasst noch ist er in langen Sprachsalven versunken und so empfand ich das Buch keineswegs als zu langatmig.

Besonders bewegend fand ich die Gewissheit der Realität des Werkes. Diese Banalitäten, die wir täglich oft unterbewusst erledigen: unseren morgendlichen Kaffee zusammen mit unserer morgendlichen Zeitung genießen, Zeit mit unseren Freunden und unserer Familie verbringen, essen können wann und soviel wir wollen und zu Bett gehen, wenn wir es für richtig halten. All diese Dinge waren für einen Iwan Denissowitsch keine Selbstverständlichkeit.

Die Gewissheit gefangen zu sein, der Menschenrechte beraubt, muss eine bittere, frustrierende Gewissheit sein.

Ein gutes Buch von Alexander Solschenizyn, dass ich nicht bereue gelesen zu haben.
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am 10. September 1999
Nicht umsonst hat dieses wenig voluminöse Werk von Solschenizyn den Nobelpreis für Literatur erhalten. Auf wenigen Seiten gelingt es dem Autor, das harte Leben in einem russischen Strafgefangenen-Lager zu beschreiben.
Die Beschreibung der Geschehnisse eines einzigen Tages im Leben des Lagerinsassen Iwan reicht aus, um die ganze Facette menschlichen Charakters zu zeigen. Neben der Grausamkeit des Lagerlebens tauchen immer wieder überraschende Szenen der Menschlichkeit und Würde auf.
Wenn man daran denkt, dass Solschenizyn nicht einfach nur eine Geschichte, sondern in gewisser Weise auch einen Teil seines eigenen Lebens, erzählt, läuft einem bei den plastischen Schilderungen des Elends ein kalter Schauer über den Rücken.
Besonders positiv - und das ist ja beim heutigen Solschnizyn nicht mehr so selbstverständlich - an diesem Buch hat mir auch gefallen, dass es völlig frei von ideologischem Balast ist. Dies ist vielleicht eine Folge davon, dass der Autor die Zensur umgehen wollte; das Buch konnte davon nur ausserordentlich profitieren.
Dieses Buch ist eine Ergänzung zu dem voluminösen "Lagerbericht" Archipel Gulag - es ist jedoch in seiner Intensität beeindruckender und in seinen Schilderungen persönlicher. Man kann es immer wieder lesen (es ist ja nicht sehr dick) und wird immer wieder neue Aspekte darin entdecken - und das ist es, was wahre Weltliteratur ausmacht! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 1. Juli 2014
Ein Straflager in Sibirien, irgendwann im Winter 1950/51, irgendwo in der eisigen Taiga. Der Häftling Nr. S-854 liegt fröstelnd unter der viel zu dünnen Decke und wünscht sich, der Morgen möge nie anbrechen. Eigentlich heißt er Iwan Denissowitsch Schuchow, ist schon acht Jahre im Lager und weiß, dass man beizeiten aufstehen muss, um sich kleine Vergünstigungen und ein paar Happen extra zu verdienen. Aber heute tun ihm alle Knochen weh. Vielleicht ist er ernstlich krank geworden und könnte versuchen, für einen Tag im Krankenbau unterzukommen? Da schreckt ihn ein Aufseher hoch, verpasst ihm eine Strafarbeit für zu langes Liegenbleiben. Doch Schuchow ist noch dankbar, denn in den Bunker zu kommen wäre weitaus schlimmer.

Am Beispiel eines einzelnen Häftlings schildert Solschenizyn das alltägliche Lagerleben abertausender Inhaftierter, ein Leben, das diese Bezeichnung nicht verdient. Denn die Existenz dieser Gefangenen reduziert sich auf das pure Überleben. Alle ihre Instinkte sind darauf ausgerichtet, das tägliche Martyrium irgendwie zu überstehen, mit dem Leben davon zu kommen, um vielleicht irgendwann wieder in Freiheit zu gelangen. Dabei müssen sie Meister der Anpassung sein, müssen blitzschnell kalkulieren, sich informieren, Kontakte herstellen und pflegen, immer hellwach, aber unauffällig sein. Wenn es ihnen so gelingt, den Tag unversehrt über die Runden zu bringen, nennen sie das schon Glück.

Unter Stalin wurde Soldaten und Offizieren, die unverschuldet in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren, pauschal Landesverrat unterstellt. Das System von Misstrauen und Einschüchterung produzierte unzählige Unschuldige, die als politische Häftlinge die Arbeitslager jenseits des Urals füllten. Schuchow ist kein Einzelfall. Was Solschenizyn seine Figur durchleben lässt, geht auf selbst Erfahrenes zurück, wird damit zum Dokument der Geschichte, für die es meist keine anderen Quellen als die Literatur gibt. Für den Leser wird es zur bitteren Gewissheit: Die Gefangenen-, Umerziehungs-, Arbeits-, Straf- oder Konzentrationslager auf dieser Welt funktionieren alle nach den gleichen Prinzipien der Unmenschlichkeit.

Solschenizyns Meistererzählung erschien erstmalig 1962 in der UdSSR in der kurzen Periode der Aufarbeitung des Stalinismus unter Chrustschow. Es war das kurze Aufflackern einer unbequemen Wahrheit, die schon bald wieder systematisch unter den Teppich gekehrt wurde, weil sie der sozialistischen Sowjetunion nicht gut zu Gesicht stand. Dieses kurze Stück Prosa hat seither nichts von seiner Eindringlichkeit verloren und verdient es, auch heute gelesen zu werden.
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am 6. September 2008
Erst durch den Tod des Autors bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden und absolut begeistert. Man könnte die Brutalität in den Lagern (Gulag, KZ) der linken sozialistischen Systeme des 20. Jahrhunderts nicht besser beschreiben als auf die Art und Weise, in der Solschenizyn es hier tut. Der Mensch wird auf eine Nummer reduziert und ist in den Jahren des der Gefangenschaft, die hier anhand des Ablaufs eines Tages repräsentiert werden, nur danach bestrebt, die absoluten Grundbedürfnisse zu befriedigen, um überhaupt zu überleben. In dieser gefühlslosen Welt versteht es S. jedoch, durch die Hauptfigur und dessen Beziehungen so etwas wie Gefühl einzubringen.

In meinen Augen ein absoluten Muß für jeden Literaturbegeisterten.
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VINE-PRODUKTTESTERam 8. September 2014
"Schuchow schlief ein, restlos zufrieden. Der Tag war für ihn heute sehr erfolgreich verlaufen: Er war dem Arrest entgangen, seine Brigade hatte nicht zur Sozkolonie gemusst, mittags hatte er sich einen Extrabrei organisiert, das Mauern war ihm von der Hand gegangen, beim Filzen hatten sie ihn nicht mit dem Sägeblatt erwischt, er hatte sich bei Zesar etwas verdient und Tabak gekauft. Und er war nicht krank geworden, hatte sich wieder erholt. – Der Tag war vergangen, durch nichts getrübt, nahezu glücklich." So endet der Roman, der einen Tag des Gefangenen Schuchow im Stalinschen Gulag beschreibt.

Nahezu glücklich im Gulag? Der Leser ist perplex. Will der Erzähler die Situation verniedlichen? Unmöglich! Solschenizyn hat den Lesern als einer der ersten die Augen geöffnet für die Wirklichkeit in den Stalinschen Gulags. Also will er den Leser doch eher irritieren mit dieser Darstellung von "Glück" im Unglück. Schuchow und seine Mitgefangenen nehmen die unmenschlichen Härten des Lagerlebens fraglos und fatalistisch hin. Dabei spielt es für den Protagonisten schon keine Rolle mehr, dass er willkürlich und auf einen falschen Verdacht hin verurteilt wurde. Ob er nach abgesessenen 10 Jahren endlich zu seiner Familie zurückkehren kann? Eher unwahrscheinlich, sagt er sich, wahrscheinlicher ist eine nachfolgende Verbannung. Ist diese "positive" Sichtweise des Negativen vielleicht die wirksamste Methode, um zu überleben und dem Leser ein ungefähres Gefühl von der Lagerwirklichkeit zu geben?

Der Erzähler verfolgt den Tagesablauf Schuchows minutiös und protokollarisch, die Schilderung seiner Maurerarbeit geht beispielsweise über 14 Seiten hinweg. Ebenso werden häufig seine Gedanken protokolliert, aber es gibt kaum gedankliche Vertiefungen, Erzählungen über die Schicksale anderer Gefangener oder Studien über die Psychen der oft schikanösen Aufseher – wie in Dostojewskis "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus", sondern Schuchow ist fast immer nur mit dem Nächstliegenden beschäftigt. Als langjähriger Insasse kennt er die Lagerhierarchie genauestens und ebenso alle Tricks, um kleine Vergünstigungen zu erreichen.

Das alles zu lesen ist schon in mancher Hinsicht eine Zumutung. Am Ende erfüllt den heutigen Leser weniger die Empörung über die Stalinschen Straflager, – das ist inzwischen gut bekannt und vielfach belegt -, als Betroffenheit über die Beschaffenheit der menschlichen Natur. Der Mensch ist anscheinend tendenziell immer entweder Opfer oder Täter und oft auch irgendetwas dazwischen, ein Wesen mit unausrottbaren Verhaltensmustern und einem ebenso unausrottbarem Überlebenswillen. Der ist so stark, dass selbst die unmenschlichsten Lebensbedingungen noch als Normalität erscheinen können.
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