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Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
66
4,2 von 5 Sternen
Der Golem (Sonderreihe)
Format: Sondereinband|Ändern
Preis:8,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 4. Juni 2016
ob ich dieses Buch ein zweites Mal lese. Aber ich bin froh, dass es mir von einem Freund empfohlen wurde. Es ist beunruhigend, teilweise düster, teilweise magisch. Es ist nicht in einem einzigen Satz fröhlich, obwohl auch gelacht wird. Es zeigt menschliche Züge ganz und gar unmenschlich und hoffnungslos. Wie der Beginn einer Kathastrope, die man auf sich zukommen sieht und der man nicht ausweichen kann.Die einzige Hoffnung bleibt die Phantasie und die Magie.
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TOP 1000 REZENSENTam 16. Dezember 2015
Der Roman um eine Sage im Ghetto von Prag zählt zu den Meisterwerken der phantastischen Literatur in deutscher Sprache.

Bühne der Geschichte ist eine Traumwelt, sie ist der einzige Ort, an dem der Golem auftritt. Der Traumheld dringt in das innere Zimmer ein, das für eine zugemauerte Krankheit steht, und setzt sich mit seiner Vergangenheit auseinander. "Ich schlafe nicht und wache nicht, und im Halbtraum vermischt sich in meiner Seele Erlebtes mit Gelesenem und Gehörtem, wie Ströme von verschiedener Farbe und Klarheit zusammenfließen." So beginnt der Roman "Der Golem". Der namenlose Ich-Erzähler befindet sich in einem Hotelzimmer in Prag. Nach der Lektüre über das Leben des Buddha Gotame, verfällt er in einen quälenden unruhigen halluzinierenden Dämmerschlaf und kann nicht mehr unterscheiden, ob er wirklich wach ist oder träumt.

Der anonyme Ich-Erzähler schlüpft im Traum in die Identität des Gemmenschneiders und Antiquitätenausbesserers Athanasius Pernath Der lebte circa dreißig Jahre vor der Erzählung im alten jüdischen Ghetto von Prag. Auch seine Geschichte wird in der ICH-Form erzählt. So wirken seine Erfahrungen intensiver, existenzieller. Der Golem übergibt Athanasius Pernath ein geheimnisvolles hebräisches Buch. Er bekommt den Auftrag die beschädigten Initialen "I" des Kapitels "Ibbur" (Die Seelenschwängerung) auszubessern. Ab da gerät sein Leben aus den Fugen.

Der Golem steht in der jüdischen Kultur für etwas "Ungestaltetes". Der jüdischen Legende nach hat der Wunderrabbi Löw aus Prag eine Menschenfigur aus Lehm geschaffen, den Golem, und diesen zum Leben erweckt. Er kann durch die Magie des kabbalistischen Zaubers zum Leben aktiviert aber auch wieder deaktiviert werden.

Der Archivar Schemajah Hillel erklärt, was es mit dem Golem auf sich hat: "Der Golem ist einerseits Ausdruck der kollektiven Ghetto-Seele, andererseits ist es ein schattenhafter Doppelgänger Pernaths und repräsentiert einen Teil von dessen Selbst, das ihm bisher fremd war."

Die Begegnung des Gemmenschneiders Pernath mit dem Golem zwingt ihn zur Konfrontation mit dem eigenen Ich. Er wird mit seltsamen Erinnerungen konfrontiert, hat Visionen und leidet unter Halluzinationen. Um einen diesem verschlossenen Raum der Psyche zu erlangen, steigt er in das "Zimmer ohne Zugang" hinab und mit "dem Überstreifen der Kleider des Golem integriert Pernath Nicht-Bewusstes in sein bewusstes Ich und überwindet so diesen Doppelgänger."

Er fällt den perfiden Intrigen des Studenten Charousek und des Trödlers Aaron Wassertrum zum Opfer, gerät unter Mordverdacht und findet sich im Gefängnis wieder. An diesem trostlosen Ort verlässt ihn die letzte Zuversicht und der emotionale Abwärtsstrudel dreht sich unaufhaltsam nach unten. Überraschend wird er entlassen und erlebt wie das Ghetto abgerissen wird und seine alten Freunde verschwunden sind.

Die Identitätssuche und der Selbstfindungsprozess sind das zentrale Thema des Romans. Der Ich-Erzähler erwacht und fragt sich, ob das Erlebte wirklich oder nur ein Traum war, denn er stellt fest, dass keine Stunde verstrichen ist. Der anonyme Ich-Erzähler nimmt sich vor: "Ich muß diesen Athanasius Pernath auffinden, und wenn ich drei Tage und drei Nächte herumlaufen sollte, nehme ich mir vor."

Bei seinen Nachforschungen begegnet der Ich-Erzähler sich selbst, d.h. seinem geträumten Ich als Doppelgänger und setzt sich mit der Frage nach der Identität des Menschen, Mystik, okkulten Ansichten und der Gratwanderung zwischen Wahnsinn und klarem Verstand, Traum und Realität auseinander. Wem der Golem erscheint, dem blickt er in seine eigene Seele, er ist sozusagen sein Doppelgänger.

1915, als die Buchausgabe im Kurt Wolff Verlag Leipzig erschien, waren die "alten" Ordnungsmächte untergegangen und es gab es einen starken Wunsch nach Heilsbotschaften und Erlösungsversprechen. Heute, 100 Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen scheint die besondere Stärke dieses Romans die intensive Beschreibungen des jüdischen Ghettos in Prag zu sein, als auch die Konstruktion einer geschlossenen phantastischen Welt.

"Der Golem" wurde eines der Erfolgsbücher seiner Zeit und gehört noch heute zu den Steadysellern. Es ist einer der bekanntesten Prag-Romane. Im Nachwort erklärt die Herausgeberin Ulrike Ehmann den Erfolg der düsteren Geschichte so: "Die Faszination des Romans lag wohl vor allem darin begründet, dass er in dieser Zeit der politischen und sozialen Ungewissheit vermochte, die identitätsängste seiner Leser hervorzurufen, dass er den Lesern gleichzeitig zur Beruhigung aber einen bequemen Fluchtweg wies: den ekstatischen, Erlösung verheißenden Weg der Innerlichkeit, den Weg des Menschen zu sich selbst."
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am 2. April 2010
... den Golem!

Es ist die Zeit um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert. Meyrink führt uns mit "Der Golem" mitten ins alte Prag, ins jüdische Ghetto mit seinen verwinkelten, engen, schmutzigen Gassen, dunklen Räumen - hinein in ein Labyrinth der Schatten, Halluzinationen und Wahnvorstellungen, wo sich Traum, Fantasie und Wirklichkeit geheimnisvoll und fast undurchschaubar vermischen und den Leser in eine Welt von ganz eigenem düsteren Flair entführen.

Der anonyme Erzähler der Geschichte, zu Besuch in Prag, hat vor dem Zu-Bett-Gehen in einem Buch über das Leben Buddhas gelesen, fällt in einen unruhigen Schlaf, der ihn in eine Traumwelt gleiten lässt, in der er Ereignisse, die sich vor mehr als 30 Jahren im Prager Judenviertel zugetragen haben, erneut durchlebt.

"Der Golem" will "erlesen" und erfahren werden. Liebhaber von tiefgründiger phantastischer Literatur mit einer Prise Schauerroman, einem Hauch Okkultismus und einer gehörigen Prise Mystik (deren manchmal surreale und häufig auch bedrohliche Szenen an Kafka erinnern) kommen mit diesem Roman voll auf ihre Kosten.

"Der Golem" ist im wahren Sinne ein Klassiker der phantastisch-mystischen Literatur und neben Meyrinks Der Engel vom westlichen Fenster etwas vom Besten, was es in dieser Sparte gibt!
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am 19. März 2017
Der Erzähler schläft beim Lesen ein und träumt davon, der Gemmenschneider Athanasius Pernath zu sein. Dieser lebt im Prager Ghetto Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Fremder taucht bei ihm auf und lässt einen Folianten zurück mit dem Auftrag, das "I" des Kapitels Ibbur (Seelenschwängerung) zu restaurieren. Danach ist nichts mehr wie zuvor, denn Pernath wird in Intrigen verwickelt und kann nicht immer zwischen Halluzination und Wirklichkeit unterscheiden. Schließlich taucht der Golem wieder auf, der früher bereits das Viertel in Angst und Schrecken versetzt hatte. Pernath gerät unter Mordverdacht und verstrickt sich noch weiter in seine unsteuerbaren Traumwelt.

Der Golem ist ein Klassiker der phantastischen Literatur und schwer zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Nun kann man sich fragen, ob man bei solch alten und bekannten Werken überhaupt die Spannung nehmen kann, aber auch Rezensionen über diese Bücher sollen ja zur Lektüre ermutigen. Gustav Meyrink hat mit dem Golem ein Genre bedient, das man heutzutage als festen Bestandteil jeder Buchhandlung finden kann, was zu Zeiten der Entstehung, ca. 1913, nicht der Fall gewesen ist. Phantastische Literatur war aber bereits damals ein Begriff und keinesfalls ein Novum. Wer auf den Grusel der neueren Bücher hofft, wird allerdings enttäuscht. Meyrink setzt sich mit anderen Dingen auseinander und macht grandiose Ausflüge in die Philosophie und religiöse Anschauungen. Vielleicht macht das Buch dem ein oder anderen Leser auch Lust, sich ein bisschen mehr mit Ibbur, Kabbala und dem Judentum zu beschäftigen. Wenn man sich alleine auf die Spuren des Golem-Mythos begibt, findet man viel weiterführende Literatur und Hinweise.

Zurück zum Buch. Man muss sich natürlich etwas an die Sprache gewöhnen, die sich von der meisten Literatur des 21. Jahrhunderts unterscheidet. Gleichzeitig hilft sie aber auch, dass man wegkommt von der heutigen Zeit, von Internet und der Vernetzung, und sich viel einfacher in das Prag um 1890 rum einfinden kann. Hat man das aber getan, kann man sich wunderbar von der Geschichte um Pernath und seine Halluzinationen fesseln lassen, hat Phantastik und einen spannenden Krimi in einem.

Man sollte sich auch mal etwas auf ältere Literatur einlassen, die keineswegs überholt ist. Man denke nur an Edward Lees Golem oder auch an andere Literatur, die sich mit dem Wesen aus Lehm befasst. Wer das Buch nicht mag, es wurde auch verfilmt.
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am 15. Juni 2005
Ein Bestseller zu seiner Zeit, dann vom wetterwendischen Zeitgeist etwas in den Hintergrund gedrängt, aber immer wieder dem Sumpf des Vergessens entrissen durch ein neu aufflammendes Interesse an seiner tiefgreifenden Mystik sowie an seinem latenten Okkultismus, der in Meyrinks späteren Werken immer breiteren Raum einnehmen sollte. Wie die Titelfigur des Romans, der Golem, immer wieder durch die engen Gassen des alten Prager Judenviertels geistert, so erlebte und erlebt dieses Buch Auflage um Auflage. Und dies völlig zu recht, wie ich meine. Die atmosphärische Dichte des Romans fasziniert immer wieder; Magie, Mystik und Gnosis geben sich auf seinen Seiten ein befruchtendes Stelldichein. Meyrink beschwört den Geist einer zauberischen Romantik herauf, die den Leser seltsam anrührt.
Meyrinks Sprache vermag selbst toten Gegenständen auf wundersame Weise Leben einzuhauchen, angefangen vom Mond und den Steinen Anfang des ersten Kapitels bis hin zu den "mißfarbigen Häusern, die wie verdrossene alte Tiere im Regen nebeneinanderhockten."
Das vorherrschende Motiv im Golem ist das Bewußtsein der Einkerkerung des Menschen in eine Welt des Begrenzten, und sein Bestreben, diese Grenzen zu überschreiten; seiner eigenen Existenz sowie seiner Rolle in der wahrgenommenen wie auch in der unwahrgenommenen Welt neue Facetten abzugewinnen. So steht das alte Prager Judengetto auch für Meyrinks inneres Getto, dem er Zeit seines Lebens trachtete, zu entfliehen.
Mich hat dieses Buch immer wieder von Neuem fasziniert und ich möchte es denen empfehlen, die einen Hang zum Mystischen, Gespenstischen, zur dunklen Seite der Romantik haben und es dennoch nicht kennen sollten. Und es lohnt auch, sich unter ästhetischen und stilistischen Aspekten mit diesem Werk zu beschäftigen, und da kann ich Günter Kunert eben nicht beipflichten, wenn er den Roman mit "stilistisch Konventionellem, Klischeehaftem und Schablonierten" behaftet sieht. Auch seinen bei Meyrink vermuteten Antisemitismus sehe ich nicht unbedingt.
Kurz und gut, eine in jedem Fall lohnende Wiederentdeckung eines (ehemaligen) Klassikers der phantastischen Literatur.
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am 1. April 2016
Das erhaltene Buch entspricht nicht der Abbildung, es hat einen anderen Einband und eine andere, kleinere Größe, und eine andere Papierart als das mir bekannte Original. Darüber war ich sehr enttäuscht, denn das Flair des Originalbuches und das Atmosphärische fehlt. Ich hab es trotzdem behalten, da es nicht so teuer war, und es immerhin die angegebenen Illustrationen von Hugo Steiner-Prag hat. Die sind grandios. Trotzdem ist das Verkaufsangebot irreführend und damit nicht seriös.
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am 31. Mai 2008
Im Zentrum von Gustav Meyrinks Buch Der Golem steht die Prager Legende vom Rabbi Löw und seiner Erschaffung eines künstlichen Menschen, den er aus Lehm zu Leben erweckt. Der Erzähler schildert in einer düster-dämonischen Bilderwelt seine im Halbschlaf halluzinierte Begegnung mit dieser künstlichen Gestalt im jüdischen Viertel Prags, mit einer Geisterwelt, die sich aus Mystik, aus Okkultismus speist und all das in einer Art Gnosis ineinander und zusammen nimmt.

Man kann natürlich all das von einem realistischen, von einem rationalistischen Blickwinkel aus als reine Phantasterei, als blühende Phantasie des Autors abtun. Aber Meyrinks Golem reagiert auf Probleme und Fragen der Zeit, der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts, als durch technischen Fortschritt, Industrialisierung und Verstädterung die Veräußerlichung und Veroberflächlichung der Lebensformen, die Ausbeutung und Verelendung ganzer Bevölkerungskreise stark zunahm – das Projekt des menschlichen Fortschritts durch Fortschritt in Naturwissenschaften und Naturbeherrschung entgültig zerbrach – ein Prozess, der bis heute bis in die Globalisierung andauert.

Meyrinks Buch der collagenhaften Bilder und Episoden speist sich aus dieser Perspektive am Unbehagen in der Kultur, als Verzweiflung über den Zustand der Welt, der die Überzeugung vom technischen Fortschritt als einem Projekt der zunehmenden Humanisierung der Welt längst zerbrochen hat, aber ohne Gegenentwurf, ohne Gegen- oder Ersatzwelt bleiben muss.

Meyrinks Buch Der Golem ist die Sehnsucht nach einer besseren, anderen Welt, einer voller Harmonie, Humanität, voller vollkommenen Menschseins. Aber das Buch antwortet nicht, nicht seine Episoden, seine Halluzinationen, Visionen und Bilder, und nicht die ganze Geschichte. Aber all das, dieses ganze Buch tut eines bestimmt: Es indiziert Suche - beim Leser. Nicht umsonst wird Meyrink in die literarische Linie eines E.T.A Hoffmann und Edgar Allan Poe gestellt. Mir aber fiele durchaus auch Franz Kafka ein. Alles Autoren, die nicht die Welt beschönigten, Harmonien sehen wollten, wo keine sind, sondern die mit ihrer Phantasie, ihren Bildern eine andere bessere Welt herbei zu beschwören suchten, die sie selbst noch am wenigsten kannten, aber ahnten, dass es sie geben müsse. Oder die wenigstens warnten, nicht bei dem stehen zu bleiben, wie es nunmal ist.

Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.
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am 17. Januar 2006
Der Golem.
Ich hatte ein anderes Buch erwartet. Es ist keien Gruselstory, wie ich sie mir vorstellte. Doch das Buch das ich fand, hat mich begeistert. Es ist die Mischung aus Mystik, Liebesgeschichte und Kriminalfall, die mich so faszinierte. Und das alles im Judengetto im alten Prag.
Meyrink hat es verstanden mich mitzunehmen in die alten Gassen. Er macht mich neugierig auf die alten Geschichten und Bräuche der Juden. Er hat er Buch geschrieben mit einem sehr überraschenden Ende. Ein Buch das sich lohnt zu lesen.
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am 29. Mai 2014
Bei all den zahlreichen Hörbuch-Klassikern, die ich in letzter Zeit gehört habe, zählte Gustav Meyrinks “Der Golem” aus dem Jahr 1913 zu den wenigen, die bei mir zumindest eine gewisse Vorfreude hervorrufen konnten – schließlich klingt die Inhaltsbeschreibung mit dem geheimnisvollen Sagenwesen durchaus verheißungsvoll. Zudem wird das Hörbuch von David Nathan gelesen, der nicht erst seit seinen grandiosen Interpretationen der Stephen-King-Werke mein absoluter Lieblingssprecher ist. Leider hat mich Meyrinks Roman jedoch nach den fast neun Stunden Spieldauer ein wenig ratlos zurückgelassen – denn eigentlich kann ich auch nach der vollständigen Lektüre immer noch nicht wirklich sagen, worum es in dem Buch überhaupt geht.

Hauptfigur ist der Prager Edelsteinschneider Athanasius Pernath, der einige Jahre vor der Jahrhundertwende eine seltsame Begegnung macht, mit der sein Leben plötzlich immer mehr außer Kontrolle gerät. Aufhänger der Geschichte ist der mysteriöse Golem, eine menschenähnliche und aus Lehm geformte Gestalt, deren Legende in Tschechien offenbar recht populär ist. Geschaffen von einem Rabbi Ende des 16. Jahrhunderts, sollte der Golem die Juden der Stadt gegen die Übergriffe und Verunglimpfungen der restlichen Bevölkerung schützen, die durch Gerüchte um brutale Ritualmorde an Kindern hervorgerufen wurden. Die Geschichten um diese Sagengestalt sind meiner Meinung nach durchaus interessant und nicht ohne Reiz, daher ist es wirklich schade, dass der Golem in Meyrinks Erzählung so stark in den Hintergrund tritt – denn die Figur selbst taucht in dem Roman trotz des irreführenden Buchtitels gar nicht auf.

Stattdessen liefert der Autor eine wohl bewusst verwirrend erzählte Geschichte um einen Mann, der vor lauter Wahnvorstellungen immer mehr den Bezug zur Realität verliert und gleichzeitig aus unerfindlichen Gründen in mehrere Intrigen verwickelt wird, aus denen Pernath kaum entfliehen kann. Leider hat sich diese verworrene Story mir beim Hören aber fast gar nicht erschlossen und ich habe bis zum Schluss überwiegend ratlos überlegt, was überhaupt die Aussage dieses Werkes ist. Dabei fand ich viele Szenen eigentlich recht packend und die Atmosphäre des Buches ist nicht zuletzt auch durch die sehr stimmige Lesung von David Nathan sehr dicht, allerdings habe ich wirklich häufig einfach keinen Zusammenhang zwischen diesen einzelnen Passagen herstellen können und musste mir die Geschichte nach Beendigung des Hörbuches noch einmal mithilfe von mehreren Inhaltsangaben erschließen – und das, obwohl ich meines Erachtens durchaus aufmerksam zugehört habe. Das macht die Bewertung dieses Hörbuches natürlich schwierig, da ich die eher unheimliche Grundstimmung des Buches schon sehr mochte, mit der Handlung selbst aber eigentlich überhaupt nichts anfangen konnte – weil ich ganz einfach den roten Faden nicht gefunden habe. Das mag an Meyrinks Erzählstil, aber vielleicht auch an meiner eigenen Unfähigkeit liegen, das Ergebnis ist aber das gleiche: “Der Golem” war einfach nichts für mich.
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am 9. April 2001
Über die inhaltlichen, stilistischten und sprachlichen Qualitäten von Meyrinks Golem brauche ich mich hier nicht ausführlich zu äußern: Alles, was in den anderen Kritiken dazu geschrieben wurde, ist richtig. Dies ist eines der eindrucksvollsten Bücher, die ich je gelesen habe, und es hat mich nie mehr ganz losgelassen. Nicht weil mich Meyrinks Philosophien besonders beeindrucken würden (sie sind vielmehr zumindest da, wo er sie in die Breite tritt, die Schwachstellen seines Werkes), die Meyrink selbst zum Teil übrigens auch nur als Mittel zum Zweck betrachtete, um die Atmosphäre seiner Schriften zu schaffen. Diese intensive Atmosphäre ist es eben, die unvergeßlich bleibt und die er in keinem seiner späteren, teilweise auch eindrucksvollen Romane (die aber hier und da von seinen Weltanschauungen arg überfrachtet sind)nie mehr so dicht und fesselnd erreicht hat. Im Golem begegnet uns die Wirklichkeit des Traums.
Die Hörspielbearbeitung hält sich an den Wortlaut des Romans und auch an dessen Schwerpunktsetzung und Handlungsführung, wenngleich sie natürlich nicht so verschachtelt sein kann wie die Vorlage und auch manche Motive ganz weglassen muß. Der Roman ist kongenial ins fremde Medium übertragen worden, bis in die kleinsten Nebenrollen füllen die Sprecher ihre Charaktere hervorragend aus, gerade der Sprecher des Athanasius Pernath ist schlicht und ergreifend atemberaubend, und die stimmungsvolle Musik tut ihr übriges.
Ich bin mir nicht sicher, ob das Hörspiel für Leute, die den Roman nicht gelesen haben, in seiner Gänze nachvollziehbar ist, aber das fällt nicht weiter ins Gewicht, da der Hörerkreis wohl fast ausschließlich aus Lesern Meyrinks bestehen wird.
Diese Adaption ist ein Meisterwerk und wird der übermächtigen Vorlage mehr als gerecht.
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