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am 11. Juli 2006
Im Juli 1956 starb Gottfried Benn, einer der wohl bedeutendsten und umstrittensten deutschen Dichter des 20. Jahrhunderts, qualvoll in seiner »Matratzengruft«. Gunnar Decker nimmt Benns 50. Todestag zum Anlaß, das Wissen um das Leben und Werk des Autors tiefgründig zu aktualisieren.

Es ist allerdings eine aufwendige Unternehmung, denn Benn hält sich mit biografischen Selbstauskünften auffällig zurück: >Nein, er lässt sich nicht gern in die Karten gucken. Nicht für sein Leben, sondern für seine Texte solle man sich interessieren. Das Leben ist für Benn nur ein vorläufiger Entwurf, ein Rohmaterial, das seinen Ausdruck noch sucht.<

Also begibt sich Gunnar Decker selbst auf die Suche nach Mosaiksteinen, mit denen sich ein Bild Gottfried Benns zumindest umreißen läßt. Decker stöbert in Archiven, findet bisher unveröffentlichte Fotografien, arbeitet den umfangreichen Briefwechsel mit Benns engem Vertrauten Friedrich Wilhelm Oelze auf und liest in den Privataufzeichnungen von Herta, Benns zweiter Ehefrau. Er registriert, was Bewunderer und Gegner wie Klaus Mann und Johannes R. Becher über Benn schrieben. Selbst Benns peinliche Bemühungen, sich 1934 gegen die Unterstellung zu wehren, er sein ein Jude, werden dokumentiert. Decker schildert auch die zahlreichen Liebesaffären mit all den »Schnuckchen« und »Beauties«, ohne jedoch damit das Leben und Werk des Dichters exhibitionistisch bloßzustellen. Frauen und erotische Abenteuer sind für Benn notwendige Aufputschmittel, mit denen er sich von Lethargie und Schwermut befreien kann.

Trotz aller Akribie und Ausführlichkeit entsteht so ganz allmählich ein erfreulich unakademisches, lebendiges Bild des Menschen und Dichters Gottfried Benn. Ein Bild, das einen sehr modernen Typus zeigt - den Großstadtneurotiker: Einer, der sich auflehnt gegen die preußisch-egalitäre Erziehung des patriarchalisch-pietistischen Vaters. Einer, der aus der märkischen Provinz nach Berlin flieht, weil er die »Großstadtkünstlichkeit« zum expressionistischen Schreiben braucht. Einer, der sich zunächst für die Exaktheit der Naturwissenschaften begeistert und dann verzweifelt, weil er in der Geschichte keinen Sinn mehr zu erblicken vermag und seinen Zukunftsglauben verliert. Einer, der das bürgerliche Stehaufmännchen des Behagens attackiert und provoziert und gleichzeitig der Pedanterie bedarf, um das beängstigende Chaos zu bändigen. So einer kann dann auch zumindest kurzzeitig dem ideologischen Wahnsinn der Nationalsozialisten verfallen. Es ist das Bild des »modernen Ich«: Vielschichtig, widersprüchlich, schizotym. Genie und Barbar.

>So wurde dieser Dichter zum Radardenker im Niemandsland zwischen Ich und Welt. Da steht der blinden Gewalt von Geschichte die nicht minder gewaltsame Zärtlichkeit des Künstlers entgegen, eine Gegenwelt zur Geschichte behauptend, in der Schönheit möglich ist, vielleicht auch Sinn.<

Eines macht Gunnar Decker aber auch deutlich: Eine Biografie Gottfried Benns kann niemals einen vollständigen Schlüssel liefern für das Werk des Dichters. Der Autor ist immer nur eine Teilschicht der gesamten Persönlichkeit. Das Werk bewahrt sich so jene hintergründige Vieldeutigkeit, die das Kennzeichen des wirklichen Genies ist.

Gunnar Decker, geboren 1965 in Kühlungsborn, studierte in Berlin Philosophie, promovierte, und arbeitete dann als Reporter sowie Theater- und Filmkritiker. Heute lebt er als freier Autor in Berlin. Weitere Werke: »Hesse-ABC« (2002), »Letzte Ausfahrt Ost. Die DDR im Rückspiegel« (zusammen mit Kerstin Decker, 2004) und »Rilkes Frauen oder die Erfindung der Liebe« (2004).
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am 12. Oktober 2008
Gottfried Benn - wie bei Nietzsche und Jünger läßt sich immer mit Leichtigkeit ein Argument gegen Mann und Werk finden.
Um so wohltuender wirkt es daher, wenn Decker differenziert Leben und Werk auf Basis einer offenbar sehr umfassenden Recherche genauestens analysiert. Benns Leistungen, seine politischen Irrtümer und moralischen Kurzsichtigkeiten (z.B. im Umgang mit den deutschen Emigranten) kommen hier allesamt zur Sprache.

Insofern ist die Biographie aus meiner Sicht gelungen. Vor dem Lesen sollte man jedoch zweierlei bedenken:
Will man Benn tatsächlich so nahe kommen? Falls Sie die Gedichte gern lesen und weiter lesen möchten, bleibt von der "resignativen Größe" unter Umständen nicht viel übrig, wenn man den Menschen Benn, der kauzig, oft unreif und egoman (Umgang mit seiner Tochter o.ä.) im Dunkel seines Arbeitszimmers lichtlos dahinlebt, im Hinterkopf hat.
Genauso wenig liest sich Nietzsche besser, wenn die Frage beantwortet ist, ob er Syphilis hatte oder nicht.
Zweitens muss der Leser Herrn Decker auch folgen wollen zur der Frage, wie der Künstler zur Welt steht. Kostprobe von S. 399:

"Es geht um Strahlung - unsichtbare Wirkungen des gesprochenen Wortes, das wie ein Radar funktioniert: ein feinorganisches Wahrnehmungssystem, das weit hinausreicht in den Äther, ohne dort fixierbar zu sein, ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. Die Transparenz des Radardenkers ist vollständig; sein Geheimnis auch."

Falls diese Frage für Sie nicht von besonderem Interesse sein sollte, wird das Buch unweigerlich Längen haben.
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am 4. April 2006
Dieses Buch ist eine ausführliche Biographie über Gottfried Benn, sachlich und dennoch sehr unterhaltsam geschrieben und mit vielen, vielen Informationen. Mir fällt es meist schwer, es wieder aus der Hand zu legen. :-)
Es wird in neun Kapiteln der Lebenslauf ausführlich geschildert, hier wird u. a. auch die Einflüsse auf sein Werk deutlich. Von der Kindheit über Studium, Expressionismus, die Rönne-Zeit, seine Tätigkeit als Arzt, Ortswechsel, politische Ansichten, die Zeit der statischen Gedichte bis letztlich zu den fünfziger Jahren wird Benns Leben und Werk auf 498 Seiten beschrieben. Illustriert wird das Ganze durch 21 gute Fotos.
Alles in allem ein sehr lesens- und empfehlenswertes Buch für Benn-Interessierte. :-)
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am 13. Mai 2016
Zuerst: ich habe Gunnar Deckers Benn-Biographie mit Gewinn gelesen. Der Leser wird umfassend mit dem großen Dichter bekanntgemacht. Trotzdem bleibt demjenigen, der sich mit Benns Werk schon etwas ausführlicher befasst hat, also etwa dem dem Essayisten und Briefschreiber Benn, ein etwas unbefriedigtes Gefühl zurück.

Bei der Lektüre der Oelze-Briefe oder der Essays und Vorträge fiel mir auf, wie wichtig für Benns Denken und Dichten Goethe, Nietzsche und auch Stefan George waren. Auf diese Einflüsse geht Decker nicht ein, was mich sehr verwunderte. Manche Passagen sind schlichtweg historisch unkorrekt und auch in unsachlicher Weise Klischee- und karikaturenhaft, so zum Beispiel die Darstellung von Vater und Sohn Blumhardt, die kurzerhand zu den Gründern der Evangelischen Akademie Bad Boll erklärt werden. Blumhardt Sohn starb 1917, die Evangelische Akademie wurde 1945 gegründet. Methodisch scheint Deckers Buch eine Sammlung von Essays zu sein, die nachträglich zu einer Biographie montiert wurden. Dadurch bekommt die Darstellung oft einen rhapsodischen Charakter. Die Hochzeit Benns mit Edith Osterloh etwa wird erwähnt, als ob sie keine Vorgeschichte gehabt hätte. Das ist unbefriedigend. Manchmal springt der Verfasser in seiner Darstellung auch zwischen Ereignissen hin und her, ohne dass der Leser begreift, warum.

Gespannt war ich auf die Darstellung von Benns fragwürdigem Verhältnis zum nationalsozialistischen Staat. Was Decker bei seiner nachvollziehbaren Kritik an Benn und dessen Äußerungen zum Exil vieler deutscher Künstler meiner Meinung nach nicht genügend bedenkt, ist die Frage, warum der von den Nazis ebenfalls verfehmte Benn nicht auch Deutschland verlassen hat. Decker sieht nicht, dass Benn im Ausland nicht lebensfähig gewesen wäre. Für Benn war Deutschland in einem tiefen Sinne Heimat, nämlich Sprach-Haus. Berlin, Arztpraxis, Hinterhofwohnung etc., das war seine Innenwelt, die er zum Leben brauchte. Wäre er gezwungen gewesen, Deutschland zu verlassen, er hätte wohl Selbstmord begehen müssen. So bekommt Deckers Kritik den etwas überheblichen Klang des Nachgeborenen.

Was ich an Deckers Darstellung vermisse: Es gibt bei Benn eine geradezu metaphysische Kraft, das "hen" der Griechen, die sich im immer wieder neuen Werden der Form, der Gestalt, zeigt. Benn staunt selber über dieses Geheimnis, das sich seiner skeptischen, entmythologisierten Weltsicht zu entziehen scheint. Davon liest man bei Decker leider nichts.

"Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden, / woher das Sanfte und das Gute kommt, / weiß es auch heute nicht und muß nun gehn." (Menschen getroffen)
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am 13. Mai 2011
Da war sie wieder, die unheilige Dreieinigkeit, die uns Lesern ja so viel Freude macht: Der Mann, das Werk und jene Sünden, deren sich der Mann schuldig machte.
Gottfried Benn hatte so einige Sünden auf dem berühmten Kerbholz. Die meisten davon aus heutiger Sicht dennoch recht lässliche. Eine jener Sünden ragt dennoch heraus, und erregt auch 50 Jahre nach Benns Tod Anstoss. Ich rede natürlich von nichts anderem als jenem Brief, in dem er dem Exilanten Klaus Mann begründete, weshalb er blieb, als alle anderen von Rang sich längst erschrocken von Deutschland abgewandt hatten.
Decker bricht in dieser Beziehung keine langstielige Lanze für Benn. Aber er bemüht sich immerhin verständlich zu machen, was und weswegen es, seinerzeit geschah. Und er zeigt Verständnis für den Dichter, der eben auch Mann war und als Mann womöglich ja tatsächlich nicht gar so angenehm, wie man es Naiverweise gemeinhin von einem Dichter erwarten will.
Aber wissen wir nicht auch - spätestens seit Hannah Arendts Essay über Bert Brecht in "Menschen in finsteren Zeiten" - das von allen die Dichter unter uns, das höchste Maß an Nachsicht verdienen?
Nicht etwa deswegen, weil sie bessere Frauen oder Männer wären als wir anderen. Aber, weil ihnen eine größere Bürde aufgegeben worden ist. Eine Bürde, von der wir - die wir sie eben nicht zu tragen haben - uns ganz offensichtlich nur eine sehr verschwommene Vorstellung zu machen vermögen.
Gottfried Benn, dieser Junge aus dem märkischen Pfarrhaus, hat aus jenem märkischen Sand und der weissen Fliesenkälte der Sektionssäle und dem allzu harten und zuweilen allzu Lichter bunten Asphalt der Berliner Strassen, Gold gesponnen.
Er tat es gegen alle Widrigkeiten, er tat es sogar noch, als nichts mehr zu gewinnen war, weder für ihn noch für die Ideen und Hoffnungen jener verflossenen und verfluchten Zeit, in die er gestellt war, und die ihn so tief prägte. Er spann sein Gold aus Asphalt, Astern und Sand, nicht aus Trotz, sondern weil er gar nicht anders konnte, als Zuflucht zu den Worten zu nehmen, immer dann wenn die Zeiten ihn im Stich zu lassen drohten.
Was man Herrn Decker zu danken hat, ist, dass er mit seinem Buch Gottfried Benn wieder ins Gespräch gebracht hat.
Was man Herrn Decker nicht vorwerfen darf, ist, dass es dennoch (zu)viele gibt, die den Mann und Menschen Benn einzig anhand seiner Sünden, nicht anhand seiner Gedichte bewerten wollen. Denn würden sie das - Gottfried Benn wäre, wie ein anderer seiner großen Zeitgenossen W.H. Auden nämlich - for ever excused and safe in hell.
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Gottfried Benn, Pastorensohn, Arzt gilt trotz seines ambivalenten Werkes als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker des 20. Jahrhunderts.

Das wirklich Erstaunliche an dieser Biographie ist, mit welcher Intensität sich der Autor mit dem Leben Benns beschäftigt hat. Nicht nur sein Schreiben und seine Gedanken nimmt er unter die Lupe, sondern er rundet all das mosaikartig hinter den Zeithintergründen zu einem Gesamtbild zusammen. Dabei nimmt er nicht den Imperfekt, sondern er wagt es im historischen Präsenz zu schreiben. Und so kommt diese Figur Benn, ein Mensch, der so altmodisch, kleingeistig und phantasielos war, dessen fragwürdige Nazi Vergangenheit und sein merkwürdiges Verhalten zu Frauen, besonders klar rüber. Immer wieder erstaunlich und unerklärlich an diesem Gottfried Benn ist es, dass er so wunderschöne Gedichte schreiben konnte.

Gunnar Decker versucht das alles zu verstehen in einem Umfang und einer Größe die hoch interessant ist. Die Widersprüche gegenüber Gottfried Benn kann er allerdings damit nicht unbedingt auflösen, aber man erfährt viel über Historie und Geistesgeschichte.
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am 13. September 2008
Im Juli 1956 starb Gottfried Benn, einer der wohl bedeutendsten und umstrittensten deutschen Dichter des 20. Jahrhunderts. Der Reporter sowie Theater- und Filmkritiker Gunnar Decker nimmt Benns 50. Todestag zum Anlaß, das Wissen um das Leben und Werk des Autors tiefgründig zu aktualisieren.

Gottfried Benn, Pastorensohn und Arzt, gilt trotz seines ambivalenten Werkes als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker des 20. Jahrhunderts.
Er gilt als bedeutender lyrischer Expressionist und Dichter der Moderne zwischen Nihilismus und Neuer Sachlichkeit. Mit dem Arzt und Pathologen Benn hielt das Pathologische Einzug in die Lyrik.

Gottfried Benn ist noch heute vielen ein Rätsel. Gunnar Decker unternimmt den Versuch, das Rätsel von Gottfried Benn in seiner Biografie zu entschlüseln. Der Autor hat in seinem Werk ausführlich das Leben Benns recherchiert und die viele Facetten des Dichters sowie die Zeithintergründe seines Werkes untersucht, ohne jedoch den vollständigen Schlüssel für das Werk des Dichters zu liefern.

In neun Kapiteln wird der Lebenslauf ausführlich geschildert, hier werden u. a. auch die Einflüsse auf sein Werk deutlich. Von der Kindheit über Studium, Expressionismus, die Rönne-Zeit, seine Tätigkeit als Arzt, Ortswechsel, politische Ansichten, die Zeit der statischen Gedichte bis hin zu den fünfziger Jahren wird Benns Leben und Werk auf 498 Seiten beschrieben.

Ein sehr lesens- und empfehlenswertes Buch für an Lyrik interessierte Leser.
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