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Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
2
Ein Engel an Güte
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:24,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

VINE-PRODUKTTESTERam 21. Juli 2011
Engelsgüte und Unschuld, dafür war im Venedig des 18. Jahrhunderts kein Platz. Denn die Gesellschaft war äußerst dekadent. Es wurde intrigiert, gelogen, betrogen, gesoffen. Und die Sexualität war wesentlich freier, als man gedacht hätte.
Mit diesem Verfall der Sitten wird Morosina, die bisher in einem Kloster der Seraphininnen untergebracht war, wo sie nicht besonders viel Kontakt mit den anderen jungen Mädchen hatte, schlagartig konfrontiert, als sie das Kloster verlässt und bei ihrem Paten, den Inquisitor Formiani, in Venedig unterkommt. Jetzt bewegt sie sich in der höchsten Gesellschaftsschicht, wo ihre Unschuld für Koketterie gehalten wird, weil man unschuldiges und freundliches Benehmen schon gar nicht mehr erkennen kann. Die venezianische Gesellschaft spielt fortwährend Theater, die Menschen zeigen sich nicht als Persönlichkeiten, sondern in ihren Rollen, die an die Commedia della Arte erinnern.
Das gilt auch für Cavaliere Celio, der nicht merkt, dass Morosina tatsächlich in ihn verliebt ist. Ihre Freude ist groß, als ihr eröffnet wird, dass der Pate sie verheiraten will, geht sie doch davon aus, dass ihr Bräutigam wird. Weit gefehlt. Der über 70jährige Formiani selbst möchte sie ehelichen und sogar noch Vater werden. Morosina ist es gewöhnt zu gehorchen, sie geht also diese Ehe ein und wird zur Krankenpflegerin ihres Mannes, der eine maßgebliche Rolle in den politischen Intrigen Venedigs spielt.
Die Unschuld und die Güte Morosinas sind für ihre Umgebung so ungewohnt, dass Morosina als Engel gesehen wird, als Engel der Güte. Und damit schafft sie es auch, das verschüttete Gute in den Menschen ihrer Umgebung zum Vorschein zu bringen.
Ich habe diesen Roman, der mal Komödie, mal historischer Roman ist, sehr genossen. Besonders die komödiantischen Elemente, am besten verkörpert durch den Gerichtsschreiber Chirichillo, der sogar ein eigenes Romanende bekommt, haben es mir angetan. Ippolito Nievo hat eine so reiche Erzählkunst, dass er es spielend hinbekommt, das Komödiantenhafte mit dem Ernsten zu verbinden und daraus einen in sich stimmigen Roman zu gießen.
Die im Verfall begriffene venezianische Gesellschaft des 18. Jahrhunderts wurde mir hier auf wunderbare Art nahe gebracht. Dazu tragen auch die Anmerkungen und das Nachwort bei.
Im Nachwort wird dieses Buch als Vorspeise und 'Bekenntnisse eines Italieners' als Hauptgang bezeichnet. Das werde ich mir zu Herzen nehmen und meinen durch die Vorspeise angeregten Appetit möglichst bald durch den Hauptgang stillen lassen.
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am 13. November 2011
Höchstes Lob für ein Buch, das auf jeder Seite lebt und atmet. Eigenständige, echte und zum Teil höchst originelle Charaktere in einer abwechslungsreichen Szenerie. Temporeich stürzt die Handlung voran. Hinreißender Auftakt in einem Kloster am Besuchstag, der hauptsächlich dazu dient den Klatsch des Tages und die Verhältnisse auf dem Heiratsmarkt zu ventilieren; wir dürfen bei der obligaten abendlichen Gondelpromenade der Venezianer dabeisein und Nievo bei seinen sarkastischen Ausfällen gegen den 'Nationalcharakter' der Lagunenbewohner lauschen; Zofen, deren Liebhaber ständig in Schwierigkeiten sind; Aufriss der sozialen Welt vom Holzfäller bis zu den obersten Gremien; die Darstellung der politischen Verhältnisse des Lagunenstaates, der sich der Partikularinteressen nicht mehr erwehren kann; eine Liebesgeschichte, die nicht nur die Protagonisten hin- und herreißt und dergleichen mehr. Der Autor hatte die Schilderungen seines Großvaters noch im Ohr, der das 'ancien régime' in Venedig an prominenter Stelle erlebt hatte. Ein abslouter Lesegenuß!
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