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Kundenrezensionen

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am 23. November 2013
Zunächst zu mir: Ich studiere derzeit im 3. Semester Islamische Studien am Institut für Kultur und Religion des Islam an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Im folgenden werde ich Dinge erwähnen, welche ich, zumeist negativ, aber konstruktiv, anzumerken habe. Da ich das meiste am Buch unkommentiert lasse, soll das so aufgefasst werden, das ich daran auch nichts auszusetzen habe. Im Gegenteil.
Ferner: Der große Teil der angemerkten Punkte sind im Grunde zu vernachlässigen, wenn man sich vornehmlich als Leser versteht, welcher das Buch primär ansprechen möchte (sehe Rückseite des Buchs), nämlich Sozialpädagogen und -arbeiter, Lehrer, Studenten (wohl eines islambezogenen Fachbereichs) sowie Akteuren in der Präventionsarbeit, wobei Studenten gern alles beachten & kommentieren können. Das gilt natürlich auch für jene, welche sich sonst fachlich auskennen.

Nun zum Eigentlichen:

Es fehlt die Transkription. Zwar ist diese hier inhaltlich nahezu irrelevant, sollte aber in jede islamwissenschaftliche Arbeit angewandt werden.

Auf S. 20 heißt es, dass ein Rasūl immer ein Mann gewesen sei, welcher mit einer Botschaft bzw. Schrift gekommen sei. Nimmt man Sure Al-ʾAnbiyāʾ als Beispiel, so ist auch ʾIsmāʿīl als Rasūl bezeichnet worden. Er erhielt bekanntlich keine neue Offenbarung, im Gegensatz zu seinem Vater.

Auf S. 26 heißt es sinngemäß, dass sog. djihadistische Strömungen ausblenden würden, dass der Prophet und seine Gemeinschaft auf Gegengewalt verzichtet hatten, als sie vor der Auswanderung in Makkah Repressalien erdulden mussten. Wahrscheinlich sollte dies als Argument herangeführt worden sein, um deutlich zu machen, dass trotz bestehendem Grund keine violente Auseinandersetzung seitens der Muslime provoziert worden war und dass dies als eine Lesart/Auslegung darzustellen, welche die besagte Strömung ablehne.

Diese Darstellung wird auf S. 33f. untermauert, welche, um es auf den Punkt zu bringen, den Islam als eine Religion & Lebensführung darstellt, welche im Kriegsrecht nur eine Rolle kenne. Nämlich die des Verteidigers. Zitat:

"Somit vertritt der Koran nicht das Recht zum Krieg (ius ad bellum), sondern das Recht im Krieg (ius in bello)."

Nun, entweder verstanden sich die Muslime bei ihrer Ausbreitung gen Westen bis nach Spanien, im Osten bis nach China und im Norden bis in das europäische Festland hinein, bei dem zahllose Schlachten ausgefochten worden waren, wohl als eine Gemeinschaft, welche dauerhaft eine militärische Provokation seitens der Nichtmuslime ausgesetzt war und daher diese Provokation mit dem Recht auf Verteidigung beantwortete und aus dem Weg gleich ganze Landstriche okkupierten oder die Autoren haben eine, ich sage einmal diskussionsbedürftige Ansicht, gesetzt dem Fall, dass ich eine Richtigstellung im Buch überlesen habe (habe ziemlich aufmerksam gelesen). Bei uns am Institut macht man jedenfalls kein Geheimnis daraus, dass die Annexionen von Länderreien, die zuvor (bis auf Kontakt mit muslimischen Händlern) keinerlei Kontakt mit dem Islam hatten, eindeutig als Anstrengung zur Erweiterung des Reichsgebiets angesehen werden muss. An dieser Stelle behauptet wohl niemand, den man ernst nehmen kann, dass in dieser Hinsicht all die Jahrhunderte islamische Führer ein 'falsches' Islamverständnis gehabt hätten. Nichtsdestotrotz haben die Autoren dahingehend Recht, als dass Djihadisten diesen geschichtlichen Aspekt überstrapazieren.

Auf S. 38 zählen die Autoren einige Eigenschaften der Ḫawāriǧ/Kharijiten auf, welche auf die heutigen Djihadisten zuträfen. Ich finde einige Zuschreibungen davon bedürften eine nähere Erläuterung. Denn eine Person, welche zum Beispiel den Punkt liest, dass Kharijiten sich das Recht zur Exkommunikation nahmen, könnte im Kontext, welches das Buch aufspannt denken, dass im restlichen Spektrum des Islam, wie in der traditionell-orthodoxen so etwas nicht existiere. Ja, im Buch wird das auch nicht behauptet. Aber dieser eine Satz wäre eine, wie ich finde, wichtige Klarstellung gewesen.

Nun eine Stelle, den ich nicht nachvollziehen konnte. Auf S. 78f. zitiert man eine, wie es heißt, hoch-frequentierte salafistische Webseite. In der, so fasse ich zusammen, geht es um die Stellung der Prophetengefährten und einige Vorzüge von ihnen und darum, dass sie an die reine, da unmittelbar erlebte Lehre glaubten, welche frei von Erneuerungen war. Im Kontext zu einem vorherigen Zitat von Q. Wiktorowicz, welcher u.a. sagte, dass sog. Salafisten keine pluralistische Meinungshaltungen dulden würden, kommentieren die Autoren das Ganze nun somit, dass Salafisten ein 'schwarz-weiss'-Denken hätten. Dann heißt es (jetzt der Grund für meine Verwirrung): „Zugleich wird die Abwertung der islamischen Theologie sowie Philosophie deutlich, weil diese Wissenschaften für die "Verunreinigung" des Islam stünden.“ Die Aussage mit der Ablehnung von Philosophie kann ich nachvollziehen, aber: Salafisten seien gegen islamische Theologie? Mich interessiert an dieser Stelle brennend, was die Autoren unter 'Theologie' verstehen. Ich verstehe darunter die Lehre von Gott. Haben Salafisten so etwas nicht?

Bei der Aufzählung dessen, was allen drei im Buch auf S. 91f. kategorisierten Gruppen der Salafisten, nämlich den puristischen (nicht gewalttätig), politischen (Puristen mit Wunsch einer Etablierung eines islamischen Staates) & djihadistischen (Genau. Das sind die gewaltbefürwortenden und -tätigen) gemein sei, ist das sie u.a.:
a) einen Totalitätsanspruch (wohl: in der Auslegung) hätten
b) den Koran wortwörtlich rezipieren und metaphorische Auslegungen negieren und
c) gegen den "Volksislam" seien

Zu a) Davon ausgehend, dass die sog. Salafisten eher zu den orthodoxen als den sog. liberalen Muslimen einzuordnen sind, heißt dies, dass sie jegliche Meinungsverschiedenheiten ablehnen und sei dies im Fiqh? Ist es nicht so, dass sie alle 4 sunnitischen Rechtschulen akzeptieren? Wenn ja: Wie wäre dies dann mit dem Totalitätsanspruch vereinbar?

Zu b) Auf S. 156 wird auf diesen Aspekt näher eingegangen. Dort heißt es, dies sei eine „dekontextualisierte und literalistische Lesart des Korans“. Ich nehme an, dies gilt für den Bereich Straf- & Erbrecht? Wird leider nicht deutlich, wo zunächst einmal das Problem bei dieser Methodik sein soll. Dass man zum Beispiel beten soll, ist ein wortwörtlich aus dem Koran entnommener Befehl.

Zu c) Gräberbesuche und Heiligenverehrung sind als Beispiele für volksislamische Handlungen bezeichnet worden. Da fragt man sich: Besuchen Salafisten keine Gräber? Wo begraben diese ihre Toten, wenn nicht in Gräbern? Machen diese große Bögen um Friedhöfe? Ferner: Was ist die Definition von 'Verehrung' in diesem Kontext? Gedenken? Anbetung? Würdigung? Das wird leider nicht aus dem Text ersichtlich.

U. A. auf S. 104 steht dankenswerterweise etwas, was man nicht genug betonen kann. Einige Probleme von Präventionsmaßnahmen erwähnend, heißt es:
„Im Bezug auf das Themenfeld Islamismus neigen professionelle Akteure aus Schule und Jugendhilfe gelegentlich zu einer dramatisierten Betrachtungsweise. Schüleräußerungen neo-salafitischer Couleur sind z.B. nichts zwangsläufig Ausdruck einer verfestigten Haltung.“ Ja, das kann man nicht oft genug erwähnen. Das gilt auch für das äußerliche Erscheinungsbild (@Experten, welche jeden Bartträger gleich als Salafisten abstempeln müssen).

Auf S. 159 heißt es sinngemäß, dass sog. Salafisten Menschen mit anderen Auffassungen respektive Bekenntnissen, (heiligen) Schriften, Dogmen und Glaubenspraxis als Kuffār (Ungläubige) „denunzieren“. Als Leser weiß ich nicht so Recht, ob dies bedeuten soll, dass man nur ein wenig Abseits ihrer Lehre stehen müsste, um bereits exkommuniziert zu werden oder ob das ein Tadel dafür sein soll, dass Salafisten generell Nichtmuslime als Kuffār bezeichnen. Falls das zweite der Fall ist: Im Koran selbst werden Christen und Juden als Kuffār bezeichnet. Ist dies nun denunzierend? Oder anders: Wenn im Koran diese Bezeichnung verwendet wird, kann man darauf schließen, dass kein Problem darin liegen sollte, diesen Begriff zu benutzen. Oder soll diese Passage den inflationären Gebrauch dieses Wortes kritisieren? Das wird leider nicht ersichtlich.

Zum Schluss möchte ich erneut eine Textpassage hervorheben. Auf S. 161 nämlich heißt es, dass die Felder „Islamismus“, „neo-Salafismus“ & „Dschihadismus“ und damit assoziierte Phänomene „erhebliche Unschärfe ausweisen.“ Auch die Aussage, dass der Eindruck entsteht, dass jedwede neo-salafistische Mobilisierung als Sicherheitsproblem eingestuft werde, ist eine richtige Erkenntnis. Diese Textstellen finde ich betonenswert.

Alles in allem also 4 Sterne. Natürlich lässt sich ein auf praktischen Nutzen ausgerichtetes Buch, welches Aufklärung und Anleitung sein möchte, nicht plump mit einer Sternenzahl einordnen. Da ich aber nun einmal einige Dinge als klärungsbedürftig einschätze, spricht wohl nur wenig dagegen.
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am 17. September 2013
Aufgrund des gegenwärtigen Medienhypes um das Thema Salafismus habe ich mir das Buch gekauft, um mir einen Einblick in diese Szene zu verschaffen. Die Lektüre hat meine Erwartungen jedoch übertroffen. Die beiden Autoren Rauf Ceylan und Michael Kiefer verstehen es, in einer sehr kompakten Weise die salafistische Bewegungen aus ihren historischen und theologischen Wurzeln heraus zu beschreiben. Glücklicherweise verfällt das Buch nie in einen journalistischen Stil. Es ist eindeutig von Wissenschaftlern geschrieben, trotzdem ist es sehr verständlich und vermittelt sehr plastisch die geistige Orientierung dieser Gruppe. Ohne das Langweile aufkommt, gewinnt man tiefer gehende Erkenntnisse, die einem den Hintergrund für die Zeitungslektüre bieten.

Überrascht hat mich allerdings im zweiten Teil des Buchs die Information, dass in der Bundesrepublik kaum Gelder in Präventionsarbeit gegen religiösen Extremismus investiert werden. Ich hoffe, dass dieses Buch zur Sensibilisierung beiträgt und entsprechende Schritte unternommen werden.
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am 9. Oktober 2013
Bislang gab es kein Handbuch zu dieser sehr wichtigen Thematik. Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über die komplexe Präventionsproblematik ohne in kulturalistische Zuschreibungen zu verfallen.
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am 13. März 2014
Das Buch bietet wirklich einen brauchbaren Überblick über den Stand der Präventionsarbeit in Deutschland. Offenkundig wird zu wenig getan. Die Forderung der Autoren nach mehr Ressourcen ist daher zu begrüßen.
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am 10. März 2014
Wenn das Thema des Bandes der Salafismus und nicht die Prävention ist, liefert das Buch leider nur zu wenig brauchbare Informationen.
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