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am 28. Juni 2007
Einfach spannend, was man über Otto von Habsburg, den Sohn des letzten österreichischen Kaisers und langjährigen Abgeordneten im Europaparlament, alles erfährt. Er wird von der Habsburg Expertin, Eva Demmerle, als leidenschaftlicher Europäer und begeisterter Politiker, der selbst in hohem Alter von fast 95 Jahren noch über unseren Kontinent und zu den politischen Brennpunkten reist, dargestellt. In dem Buch beschreibt er seine frühesten Erinnerungen an die Beisetzung von Kaiser Franz Joseph und der Krönung seines Vaters zum König von Ungarn in Budapest 1916. Auch seine Zeit im Exil seit dem Untergang der Monarchie ist ein Buchthema und wie er sich gegen das Überschwappen der braunen Flut des Nationalsozialismus nach Österreich und gegen die drohende Katastrophe des Zweiten Weltkrieges einsetzte. Der Kampf von Otto von Habsburg für die Wiedervereinigung Europas, dessen Jalta-Linie des Kalten Krieges er nie akzeptierte, wird beschrieben und das die Geschichte ihm recht gegeben hat.

Es wird in dem Buch deutlich, das er alle großen Politiker unserer Zeit kennt. Und die Beschreibung der heutigen Zeit zeigt, das Otto von Habsburg immer noch aktiv in der Politik beobachtet und kommentiert - und trotz oder gerade wegen seines Alters sind seine Analysen von einer beeindruckenden Aktualität und Modernität. Das Buch gibt Antworten auf die Fragen: Was treibt ihn an, sich selbst noch in hohem Alter unablässig einzusetzen für die Zukunft des Alten Kontinents? Was sind seine Ziele, seine Werte? Woraus bezieht er die Kraft für seine Arbeit, worin liegt seine Motivation? Was sind die großen Herausforderungen Europas in unserer Zeit? Ein bemerkenswertes Buch von einem äußerst bemerkenswerten Mann. - unbedingt lesen!
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"Man kann nie genug Pässe haben....."
(Otto von Habsburg)

Die Feststellung des 95jährigen Kaisersohnes, dass eine Listenwahl bestenfalls mittelmäßige Politiker hervorbringt (S. 163) hat sich vielfach bewahrheitet. Neben dem Postulat von Persönlichkeitswahlen, ist auch seine Forderung, dass jeder Politiker mehrere Fremdsprachen beherrschen und über fundierte Geographie- und Geschichtskenntnisse verfügen müsse. (S. 160) durchaus lobenswert.....

Kenntnisse sind jedoch nicht immer gleich Kenntnisse, da sie unterschiedlichen Sichtweisen und Interpretationen oder gar Widersprüchen und Fehlern unterliegen können, was die folgenden Beispiele belegen:

Warum sich der Erzherzog Otto z. B. gerade Friedrich III., "des römischen Reiches Erzschlafmütze", zu einem seiner Vorbilder erkoren hat, mag dahin gestellt bleiben. Fakt ist jedoch, dass es jener Friedrich war, der als Habsburger den auf eine Fälschung ("Privilegium Maius" v. 1359) seines Altvorderen, Pfalzherzog Rudolf IV., beruhenden einzigartigen Titel "Erzherzog" 1453 schließlich legitimierte. Nicht Georgien ist das älteste christliche Land (S. 161), sondern Armenien, wo das Christentum 25 Jahre früher (301) zur Staatsreligion erklärt wurde. Der von Stalin im Jahre 1944 annektierte Staat Tunnu Tuwa gehörte und gehört auch heute nicht legitim zu China, denn die 80%tige Bevölkerungsmehrheit des 1928 errichteten unabhängigen Staates wird von den turkstämmigen Tuwiern gebildet. Die von Otto von Habsburg geforderte "Rückgabe" des kleinen Landes würde eine chinesische Exklave schaffen, die nördlich der Mongolischen Republik über 800 km (Luftlinie) von der "autonomen Provinz Xinjiang Uygur Zizhiqu" (Ostturkestan!) entfernt liegen würde. Mit zweierlei Maß wird gemessen, wenn einerseits (zu Recht) ein Imperialismus, der den Zarismus überdauerte konstatiert wird, andererseits jedoch kein kritisches Wort über die Hegemonialbestrebungen der habsburgerischen Vorväter (z. B. auf dem Balkan oder gegenüber Polen) verloren wird, weil diese demgegenüber offenbar für "legitim" gehalten werden. Der Grund für die österreichische Okkupation des Sandschak (1878) zur Verhinderung eines Zusammenschlusses von Serbien und Montenegro findet ebenso keine Erwähnung wie die Annexion Bosnien-Herzegowinas (1908). Daneben herrscht Schweigen über das Säbelrasseln nach dem Attentat von Sarajewo und dass die serbische Regierung bereit war, die Bedingungen des österreichisch-ungarischen Ultimatums nahezu vollständig zu erfüllen, ebenso wie über die Kriegsgier in anti-(pan)slawischer Nibelungentreue. Die Ukrainer gegenüber den Russen als Europäer zu bezeichnen (S. 130) mag durchaus für die westlichen, ehemaligen osterreich-ungarischen Gebiete (wie Galizien) zutreffen, mutet jedoch aus habsburgerischer Sicht für den weiten Osten des Landes geradezu absurd an, denn Kiew war, lange Zeit vor Moskau, die Keimzelle Altrusslands. Ebenso merkwürdig erscheint daher auch die "Freiheits-Eloge" auf den Montenegrinischen König Nikita, der von Alexander III. "als einziger Freund Russlands" und von Kaiser Wilhelm II. gar als alter Räuberhauptmann bezeichnet wurde. (S. 111). Einerseits mutet der Begriff eines "alten angestammten europäischen Islam" (S. 97) recht sonderbar an, wenn andererseits ein EU-Beitritt der Türkei abgelehnt, und statt dessen der Rat erteilt wird, dass sich das Land auf die Wege des alten Osmanischen Großreiches als Ordnungsfaktor im Mashrek zurückbesinnen sollte. Die Aussagen, dass es in China keinen Rassismus gäbe (S. 134) und dass die Russen den Antisemitismus erfunden hätten (S. 126) sind zudem fragwürdig, wenn man sich an die Erfahrungen schwarzafrikanischer Studenten in Maos Reich und an die in den Städten am Rhein wütenden "Kreuzfahrer" erinnert.

Neben Russland, allen voran Putin übt Herr Habsburg (wie er in Österreich genannt wird) reichlich Kritik an sozialdemokratischen Politikern. So sei der "Anschluss" von der österreichischen Sozialdemokratie nicht nur gefordert, sondern 1936 auch begrüßt worden (S. 73). Mit klammheimlicher Freude brachte der EU-Politiker am Büro des Abgeordneten Willy Brandt das Schild "Büro zu vermieten" an, wozu er sich jedoch erst Jahre später bekannte. (S. 41) Als Gerhard Schröder Putin als lupenreinen Demokraten bezeichnete, sei der SPD-Kanzler "entweder naiv, oder etwas anderes" gewesen (S. 123). Vielleicht gar ein Rapallo-Deutscher(S. 126)? Der Autor stellt fest, dass die "Russen nie berechenbar waren" (S. 120) und nennt China als "Nachbar seines Feindes seinen Freund", dem man besondere Aufmerksamkeit schenken müsse (S. 126). Daneben lässt er auch kein gutes Haar an den "Reformkatholiken", sieht jedoch in Kronen "etwas Mystisches mit Gottesbezug" (S. 182).

Der 95jährige "Legitimist", ehemalige CSU-Abgeordnete im Europaparlament und Präsident der "Paneuropa Union" gibt sich in der "Der Habsburg-Faktor" wie gewohnt erzkonservativ, ultramontan und antirussisch. Das ambivalente Buch einer multinationalen Jahrhundertpersönlichkeit und ihrer anerkennenswerten Verdienste um die europäische Einigung wird durch zahlreiche SW-Fotos und Anekdoten aus dem Leben des ehemaligen Thronfolgers bereichert und mit dessen beeindruckender Bibliographie und Ahnentafel abgeschlossen.

Eine spannende Lektüre, die nicht zuletzt aufgrund der Sichtweise durch eine polarisierende "Habsburg Brille" zahlreich Kontroversen in sich birgt und zu einer Analyse der angesprochenen Themen auffordert. 3 1/2 Kronen = 4 Amazonsterne.
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am 3. August 2007
Man sagte über General de Gaule er sei der "Mann von Vorgestern und Übermorgen"; wie Eva Demmerle am Anfang des Buches richtig feststellt trifft dies noch viel mehr auf Otto v. Habsburg-Lothringen zu.
Geboren als ältester Sohn des letzten Kaisers v. Österreichs/Königs von Ungarn und somit dazu bestimmt eines Tages den Thron des gewaltigen Habsburger-Reiches zu besteigen; in den 70ern zum führenden EU-Parlamentarier aufgestiegen wirkt dieser Ausspruch wie führ ihn gemacht.

Wie so viele andere seiner Bücher ist auch dieses sehr kontroversiell.
Ist Russland wirklich Europas Feind von Morgen? Sollte Europa die enge ZUusammenarbeit mit China suchen? Und wie sieht es aus mit der türkischen Sonderrolle im Mahgreb?

Für lebhafte Debatten ist gesorgt!
Darum soltle, wer über Europas Zukunft reden will, dieses Buch lesen!
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am 9. Juli 2010
Otto Habsburg erläutert seine politischen Ideale. Als Sohn des letzten österreichischen Kaisers sieht er das heute praktizierte Wahlrecht naturgemäß kritisch. Listenwahl, so Habsburg, hat oft durchschnittliche Politiker hervor gebracht. Nicht die Herrschaft der besten Köpfe. Dazu fällt einem sofort ein: Die Herzöge und Erzherzöge der Habsburger Monarchie waren in der Regel große Geistesleuchten. Oder? Kicher.
Ein Wort zu den Inhalten des Interviews: Gähn! Immer der gleiche Schmus. Habsburg war völkerverbindend. Europa muss Völker verbinden usw. usf.
Drei Sterne allerdings dafür, dass Herr Otto Habsburg seine Sache immer noch mit so viel Elan betreibt.
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