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Kundenrezensionen

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TOP 500 REZENSENTam 22. Mai 2016
" Gleis 4 " ist das erste Buch, das ich von dem Autor Franz Hohler lese und mir hat es gefallen, da ich auch keine Vergleichsmöglichkeiten habe.Sicherlich ist der Schreibstil ein bisschen nüchtern, was auch wohl damit zu tun hat, dass in der dritten Person erzählt wird und so steht der Leser immer etwas außen vor. Doch ich finde, dass diese Sicht der Dinge eigentlich zu diesem Buch passen, da ja über eine dritte Person geschrieben wird, die zudem noch tot ist. Aber worum geht es ?

Isabelle, eine Altenpflegeleiterin aus Zürich, will nach einer Gallen -OP noch ein paar Tage im sonnigen Italien verbringen, bevor die Arbeit wieder beginnt. Ihre Freundin ist schon dort und wartet nur auf ihre Ankunft.Doch Isabelle soll nicht nach Italien kommen, denn auf dem Weg zum Flughafen hilft ihr ein netter älterer Herr am Bahnhof ihren Koffer die Treppe herauftragen und erleidet oben einen Herzinfarkt. Isabelle fühlt sich ein wenig mitschuldig und der Mann hatte kurz vor seinem Tod noch versucht ihr etwas mitzuteilen " Bitte......" Doch dieser Satz fand nie ein Ende. In einer Mappe , die der Tote auf dem Bahnhof verloren hatte und die Isabelle an sich nimmt, befindet sich auch ein Handy. Auf diesem Handy wird sie in ihrer Wohnung mehrfach angerufen und als man sie endlich erreicht, teilt man ihr mit, dass ein gewisser Marcel nicht zur Beerdigung kommen soll. Diese geheimnisvolle Nachricht macht Isabelle neugierig und sie versucht mehr über die Identität des Toten heraus zu finden. Doch ihre Neugierde lässt sie eine ungeheuerliche und geheimnisvolle Geschichte aufdecken, die ihr ganzes Leben verändert.

Ich weiß nicht so ganz, in welche Kategorie ich diesen Roman einordnen soll, denn er ist von allem etwas. Ein bisschen Krimi, Lebensgeschichte, Schicksalsroman und Gesellschaftskritik kommen in diesem Buch vor und man erfährt viel über die Verhältnisse in der Schweiz vor dem Krieg. Mich hat diese Geschichte berührt, auch wenn der Schreibstil etwas distanziert wirkt , lässt er die Tragik dieser Geschichte doch durchklingen. Ich konnte auch durchaus eine Beziehung zu Isabelle aufbauen, was ich immer wichtig in einem Roman finde, damit ich die Gefühle und Handlungen der Figuren verstehen kann. Die Geschichte mit der Voodoo -Puppe hat mich auch etwas gestört, passt aber wiederum, weil Sarah ja afrikanische Wurzel hat.Wenn man sie weggelassen hätte , wäre es kein Verlust gewesen. Ich fand sie jetzt aber auch nicht so störend, dass es Auswirkungen auf meine Bewertung hätte.

Alle in allem hat mir das Buch so gut gefallen, dass ich durchaus Interesse an weiteren Büchern dieses Autors habe.
Gute 4 Sterne für ein Buch, das durchaus einen Nachhall hinterlässt.
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am 17. April 2017
Ehrlich gestanden, weiß ich nicht so recht, was ich von dem Roman halten soll. Ist es ein Krimi? Satire? Ein moralisches Lehrstück mit kleinen Seitenhieben auf die "freie" Schweiz? Von allem wohl etwas und daher im Ganzen etwas unausgewogen zusammengebraut. Der Titel bezieht sich auf das gleichnamig Gleis auf dem Zürcher Bahnhof Oerlikon. Hier setzt die Geschichte sehr dramatisch ein und am Flughafen Kloten endet sie, mit einer etwas sehr gewollt Aufklärung bietenden Coda. Ankommen und Abreisen in den verschiedensten Formen und aus den unterschiedlichsten Gründen mit ebenso unterschiedlichen Zielen sind das Kernthema des sehr ambitioniert, dabei etwas blutarm sowie lehrstückhaft-parabelartig geschriebenen Romans. Warum Menschen damals wie heute aus den verschiedensten sehr guten Gründen ohne Rückfahrkarte aus der Schweiz auswandern und in sie einwandern, über alle Kontinente von Amerika bis Afrika, ist ebenfalls Thema. Es ist definitv ein Schweizbuch, eine Art Abrechnung wie Liebeserklärung gleichermaßen. Die Auflösung der Krimi-Handlung mündet in eines der dunkelsten Kapitel der bis in die jüngere Vergangenheit hineinreichenden Schweizer Geschichte. Und da wird es dann doch allzu harmlos und ein wenig weichgespült für meinen Geschmack. So richtig ans Eingemachte traut sich Franz Hohler nicht. Will er seiner Heimat nicht ans Bein pinkeln, sondern nur ein wenig "Spiegel vorhalten"? Ich weiß es nicht.

Der Anfang auf dem besagten Gleis 4 ist grandios gelungen, dafür chapeau! Wer selber viel mit der Bahn reist, wird da einiges wiedererkennen, wie es so zugeht auf hektischen Bahnhöfen. Auch die Geschichte mit dem toten Mann und dem unheimlichen Handy ist noch sehr gelungen, da wird schön Spannung aufgebaut und man hofft, das wird ein richtig guter Krimi, aus Zufall gesponnen. Die Sprache ist klar und einfach ohne banal zu sein, die weibliche Hauptfigur mittleren Alters ist sympathisch gezeichnet und man mag dem Erzähler sehr gerne sehr lange folgen. Doch dann kommt die Tochter ins Spiel und da wird es haarig und schrammt haarscharf an der Lächerlichkeit vorbei. Man merkt bei den Schilderungen und der Sprechweise der jungen Frau und ihrer StudienkollegInnen, da schreibt ein älterer Herr (Hohler war 70, als der Roman erschien) und dass er wohl schon sehr lange keinen echten Kontakt mehr mit jungen Erwachsenen um die 20 hat und auch die eigene Studentenzeit sehr lange her sein muss:-). Warum dann auch noch afrikanischer Voodoo-Zauber in die Geschichte eingebaut wird, verstehe ich jetzt gar nicht. Vielleicht wollte Hohler, der ja mal den Kasseler Preis für grotesken Humor erhalten hat, seinem Ruf als grotesker Komiker, der er ja auch ist, gerecht werden? Das ging, mit Verlaub, in die Hose und liest sich irgendwie albern. Die Krimihandlung bleibt leider irgendwann auf der Strecke und das ernste Thema sowieso. Das wirkt dann leider irgendwie wie drangeklatscht.

Wie gesagt, die unverschnörkelte, dabei nicht plumpe, sondern sehr präzise Sprache und der unaufdringliche trockene Humor, der an einige Romane von Agatha Christie erinnernde fulminante Anfang einschließlich der unheimlichen Handy-Klingelei haben mir sehr lange sehr gut gefallen. Die Hommage an starke Frauen sowieso;-). Als es dann bei der Jagd der drei Frauen - neben Mutter und Tochter kommt noch die francokanadische Witwe des Toten mit ins Spiel - auf die Phantome des Vorlebens des verstorbenen Martin-Marcel immer abgedrehter wird und schließlich banal verpufft, war ich doch enttäuscht. Schön für mich als Nichtschweizerin war der kleine Nachhilfeunterricht in Schweizer Bürokratie, die von der deutschen gar nicht so arg weit entfernt ist:-). Das künstliche und sehr unwahrscheinliche Zusammenfügen der einzelnen Stränge am Schluss war mir zu gewollt und dem ernsten Thema nicht angemessen. Da rutschte es dann leider in der Qualität ab und aus dem Krimi wurde Kolportage. Schade, hätte mehr draus werden können.
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Manchmal kommt alles anders, als man es sich vorgestellt hatte und aus den banalsten Situationen des Alltags entsteht ein fesselnder Roman voller Überraschungen. Kann es also ein Zufall sein, dass sich Isabelle von einem älteren Herrn helfen lässt,
ihren Koffer in den Zug zu tragen? Dieser verstirbt noch auf dem Bahnsteig, hat keine Papiere bei sich, aber Isabelle entdeckt zwei Handys bei ihm, mit zwei unterschiedlichen Namen: Marcel und Maurice.
Wer von beiden ist er nun und was sollte ihr sein letztes, gehauchtes Wort auf dem Bahnsteig sagen: " Bitte!" ?

Isabelle forscht weiter nach und entdeckt ein albtraumhaftes Leben. Gemeinsam mit ihrer Tochter und der Witwe des Verstorbenen zeichnet sie die deprimierende Lebensgeschichte des alten Herrn nach:
uneheliches Kind, abgeschoben als Knecht, Erziehungsheime und die spätere Flucht nach Kanada, wo sein zweites Leben anfängt. Weder seine Frau, noch seine Tochter Sarah wussten etwas von seinem ersten Leben.
Ein halbes Jahrhundert später decken die drei Frauen diese empörende Geschichte auf und stellen Verwandte und böse Brüder zur Rede. Familiengeheimnisse werden gelüftet, es kommt zu Drohungen
und Voodoo-Verwünschungen. Der Hauptprotagonist des Romans bleibt der Verstorbene bis zum überraschenden Ende des Romans.

Der bekannte Schweizer Autor Franz Hohler konstruiert auf raffinierte Weise und mit seiner gewohnt präzisen, fast pragmatischen Sprache, ein sozialkritisches Drama, das aus einer alltäglichen Situation heraus entsteht.
Familientragödien, Ausbeutung, kleinkariertes Bürgertum, Rassismus und ein interessanter Abschluss, das sind die prinzipiellen Elemente dieses Romans.

Man legt ihn mit einem amüsierten Lächeln wieder weg.
.
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am 31. Oktober 2013
Ein Mann bricht am Bahnsteig zusammen uns stirbt. Die Fremde, die bei ihm ist, da der Mann ihr zuletzt noch den Koffer getragen hatte, fühlt sich verpflichtet, die Ermittlungen zu verfolgen und die Witwe des Verstorbenen zu betreuen. Sie kann den Vorfall nicht beiseiteschieben und fühlt sich auf ungewöhnliche Weise mit dem Mann und seinem Schicksal verbunden. Wie sich herausstellt, weiß auch die langjährige Ehefrau nichts über Kindheit und Jugendjahre ihres Mannes und die Frauen beginnen hier nachzuforschen. Auch die Tochter der Fremden wird in dieses Geschehen eingebunden. So entwickeln die drei Frauen eine beinahe kriminalistische Vorgehensweise und legen Schmerzliches bloß, einen Lebensweg, der von Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit geprägt war und die Lebensverhältnisse der Ärmsten in der Schweiz während der vergangenen Jahrzehnte sehr kritisch beleuchtet.

Die Thematik hat mich neugierig gemacht. Was würde da ans Tageslicht kommen, wenn eine Frau dem Leben eines Unbekannten nachspürt? Die Entdeckungen waren auch durchwegs interessant. Doch hat mich die Schreibweise, obwohl ich das Buch gerne gelesen habe, nicht wirklich packen können. Sehr nüchtern ist die Sprache, sehr geradlinig, wenig emotional. Der Text wurde durch zahlreiche Dialoge angereichert, was ich prinzipiell gut finde. Doch sind oft französische oder englische Versatzstücke enthalten, um das Interkulturelle der Gespräche aufzuzeigen. Damit aber der Leser die Texte auch versteht, sofern der die Sprache nicht beherrscht, wird das Gesprochene im Anschluss auch gleich noch einmal übersetzt. Diese Aneinanderreihung von Aussagen bremst den Lesefluss und hat mich persönlich irritiert. Insgesamt wirkte der Roman auf mich sehr konstruiert. Es ist ja Kennzeichen eines spannenden Geschehens, dass Spuren gelegt und Handlungsstränge miteinander verflochten werden, doch darf die Konstruktion etwa in einem guten Krimi nicht sichtbar werden. Sie muss natürlich und beiläufig wirken. Im vorliegenden Roman ist sie sehr durchschaubar und verliert dadurch an Reiz. Es wird auch kein Spannungsbogen aufrechterhalten. Zwar wird immer wieder für einen Moment Spannung erzeugt und es kribbelt beim Lesen im Magen. Doch sofort wird das Problem wieder aufgelöst. So bleibt das Geschehen nett an der Oberfläche, freundlich, der heilen Welt zugehörig. Ich hätte mir gewünscht, dass die Spannung länger anhält, dass ich beim Lesen im Unklaren gelassen werde und stärker mit den Figuren bangen oder hoffen kann. Das Thema ist ja durchaus tiefgründig und gerne wäre ich in diese Abgründe auch emotional eingetaucht. So empfinde ich den Roman insgesamt als leichte, durchaus lesenswerte Lektüre. Doch hält sie wenig Tiefgang, Emotion oder sprachliche Finesse bereit.
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am 15. Juni 2015
Eigentlich hat die Geschichte ja ganz vielversprechend begonnen: die Schweizerin Isabelle
lässt sich am Bahnhof ihren Koffer von einem hilfsbereiten, älteren Herrn die Treppe hochtragen.
Oben angekommen dauert es nicht lange und derselbe Mann bricht zusammen, schlägt mit dem
Kopf am Bahnsteig auf, wird bewusstlos und stirbt gleich darauf. Der guten Isabelle ist das
natürlich alles nicht geheuer und anstatt dass sie sich von diesem Schock erst mal erholt,
beschließt sie lieber, im Leben des freundlichen Kofferträgers herumzuschnüffeln ...

So weit, so gut. Bis hierhin war ich noch halbwegs angetan von der Story. Leider sind mir die
Protagonisten dann aber nach und nach dermaßen auf den Senkel gegangen. Isabelle meinte
nämlich, sie muss jetzt herausfinden, wer dieser Mann war und was er genau in der Schweiz
zu suchen hatte, weil er ja eigentlich Kanadier ist und irgendwie kam mir die ganze Sache dann
schön langsam wie ein sanfter Krimi vor, denn Isabelle, ihre erwachsene, halbafrikanische
Tochter Sarah und Veronique, die Witwe des Verstorbenen, rennen von einem Amt zum nächsten,
von einer Person zur anderen und versuchen, irgendwas aus dem Leben des Toten herauszufinden.
Und das war erstens langweilig und zweitens sowas von unglaubwürdig. Also nicht das, was
sie herausgefunden haben, sondern eher das ganze Drumherum: wieso hat der Tote mit seiner
Frau nie über seine Vergangenheit gesprochen, wenn es doch angeblich nichts Böses war, was
er getan hat? Weshalb wird hier kaum getrauert? - Ich meine: Veronique hat gerade erst ihren
Mann verloren und dann stürzt sie sich einfach so (mit eigentlich unbekannten Leuten) in irgendwelche
Ermittlungen ...
Isabelle und Sarah, dieses Mutter-Tochter-Gespann habe ich auch überhaupt nicht verstehen
können: warum mischen die sich denn in die Angelegenheiten von wildfremden Menschen ein? -
Das ist mir so vorgekommen, als wenn die beiden einen sechsten Sinn hätten, der ihnen mitteilen
würde, dass der Aufenthalt des Toten mysteriöse Umstände hat!? Und dann fangen sie eben an,
wie Ermittler herumzuschnüffeln ... Also, ich weiß nicht. Meins ist dieses Unauthentische echt nicht.

Hinzu kommt dieser Schreibstil, der meinen Lesefluss ziemlich gestört hat, weil ich ihn erstens
recht holprig fand (Bsp.: "... er hat mir erzählt von Kanada, und wie es ihm gut ergangen war
dort, er ...") und zweitens irgendwie eigenartige Ausdrücke dabei hatte, die ich (als Österreicherin)
noch nie gehört habe und beim Lesen ebenfalls nicht besonders angenehm waren (Bsp.: "Ich hab
ihm telefoniert deswegen, die ...").

Immer wieder findet man zwischendurch auch englische und französische Sätze, die leider nicht
immer gleich danach übersetzt werden (Weil man vielleicht davon ausgeht, dass die paar Brocken
jeder versteht?). Mit dem Englischen hatte ich kein Problem, das Französische hingegen habe ich
nicht immer verstanden, was blöd war, weil ich kein Französischlexikon benutzen wollte. Folgen
konnte ich der Geschichte aber trotzdem ohne Weiteres, allerdings bin ich ein Mensch, den das
immer stört, wenn ich Sätze lese, die ich nicht verstehe.

Alles in allem fand ich die Geschichte einfach nur langweilig. Spannung war für mich überhaupt
nicht vorhanden. Alles nur sehr gemächlich und dahinplätschernd. Der Versuch, aus dem Roman
einen Krimi zu machen, ist in meinen Augen kläglich gescheitert.
Das Verhalten der Protagonisten im Angesicht eines kürzlichen (und so nahen) Todesfalls und
deren Motive, sich als Ermittler zu betätigen, konnte und wollte ich vielleicht auch gar nicht
nachvollziehen.
Es tut mir leid, aber mehr als 2 Sterne kann ich hierfür einfach nicht vergeben.
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am 20. April 2014
Ein Buch mit hochinteressantem Plot über Verding-Kinder; wer mal etwas mehr gehört oder gelesen hat über dieses linkische Kapitel der jüngeren schweizerischen Geschichte, der ahnt, wieviel Drama in diesem Kapitel steckt – einem Kapitel, bei dem unter Schweizern ebenso weitgehender Konsens herrscht wie bei allen anderen Völkern, was deren jeweilige dunkle Kapitel betrifft: nämlich fehlende Einsicht, keinerlei Schuldbewußtsein, Ignoranz.

Den Autor Hohler kannte ich nicht; zweimal hatte der in letzter Zeit einen Auftritt im Deutschlandfunk, einmal im Interview, u.a. zum Tod von Urs Widmer, das andere Mal wurde „Gleis 4“ besprochen – nicht direkt als Empfehlung, aber doch so, wie Fachredakteure Literatur besprechen, nämlich auf eine Art, die Buch und Autor ernst nimmt. Da auch der Deutschlandfunk für mich ein ernstzunehmender Sender ist, nahm ich meinen Eindruck als Kaufempfehlung. Nachdem ich nun „Gleis 4“ gelesen habe, bin ich schlauer: das Buch ist keineswegs Literatur, nichtmal schlicht ein gutes, sagen wir unterhaltsames Buch, denn auch was bloß unterhalten soll, muss deshalb nicht meine Intelligenz beleidigen. Und was den Deutschlandfunk betrifft…, man muss sich halt klar machen, dass sich heutzutage ein endloser Strom an Büchern zu dem aufstaut, was man so einfach mal einen Markt nennt, und der will bedient werden, eben auch von Radiosendern. Büchersendungen, egal wer sie macht, sind daher mit Vorsicht zu genießen und als Kriterium, Unbekanntes zu bewerten, z.B. in Hinblick auf einen Kauf, völlig ungeeignet. Diese Erfahrung habe ich nun schon zigmal machen müssen, und es ist nicht ganz einfach, hier aus seinen Erfahrungen zu lernen.

Was macht Hohler aus diesem hochinteressanten Verding-Plot? Eine Emil-und-die-Detektive-Geschichte. Inklusive Hokuspokus mit einer mit Nadeln bestückten Voodoo-Puppe. Drei Frauen machen sich auf, die Identität eines Toten zu entschlüsseln, von dem gegen Ende der Geschichte bekannt wird, dass er ein Verding-Kind war. Bis ganz kurz vor Ende des Buches geht es allein ums detektivische Aufdecken der Identität, die lediglich als „MacGuffin“ (gute Begriffserklärung auf Wikipedia) herhalten muss und damit thematisch von Hohler ebenso läppisch behandelt wird wie das Verding-Kapitel von der Ignoranz seiner Landsleute.

Im DLF war zu erfahren, Hohler sei oder verstehe sich oder habe begonnen (weiß ich nicht mehr so genau) als Kabarettist; keine Ahnung, als was er sich in der Hauptsache versteht, wohl kaum als Schriftsteller – denn dieses Buch liest sich nicht ohne Grund wie nebenbei, eben deshalb, weil es ganz offensichtlich von jemandem geschrieben worden ist, der ansonsten Wichtigeres zu tun hatte. Tatsächlich sprach Hohler im DLF-Interview darüber, dass es schon sehr früh sein Lebensziel gewesen sei, von seinen kreativen Hervorbringungen leben zu können, und dass es ihm darüberhinaus sehr wichtig sei, auch das Publikum dazu zu bringen, die eigene Phantasie zu kultivieren. Hört hört.

Was Hohlers Lebensziel betrifft, nämlich von geistigem Müll leben zu können, ist ein Blick auf seinen sprachlichen Ausdruck, die sprachliche Reflektiertheit, aufschlussreich. Die Dialoge etwa. Die Frauen reden miteinander, als würden sie unter der Trockenhaube beim Friseur sitzen und hätten ständig Zeit zu überbrücken, immer wieder auch mit Einschüben französischer Sätze, zwischendurch mit dem Hinweis, „mein Französisch ist leider nicht so gut“ – „O, we can talk english if you want“. Oder so ähnlich.
Telenovela. Eben genau so, wie Hohler sich Gespräche unter Frauen vorstellt oder wie er das in Vorabendserien beobachtet hat.

Oder einfach mal so eine Wendung wie „scheint unwahrscheinlich“. Generell nichts verkehrt damit, jeder benutzt diese Wendung, was soll man sich groß einen Kopf machen im Alltag. Aber wenn ich als Autor ein Buch schreibe und mir Zeit dafür nehme (ein Buch schreibt sich ja nicht von jetzt auf gleich), kurz, wenn ich eben dies reflektiere und damit schon einen gewissen Anspruch an mich selbst definiere, da könnte mir ja auffallen, dass die Wendung „scheint unwahrscheinlich“ nicht ganz glücklich, nämlich redundant ist, und dass jetzt Gelegenheit wäre, die Alltagssprache für den Moment zu verlassen und mir mal etwas Neues dafür zu überlegen, was ich mit dieser Wendung sagen will. Fehlanzeige bei Hohler. Wie gesagt, ist nur ein Beispiel für den Gesamteindruck einer hingeleierten Sprache Hohlers – allein tauglich, um, husch husch, fertig zu werden und wieder eine neue Einnahmequelle für die eigene Lebenshaltung geschaffen zu haben.

Weiter unten hier auf dieser Kommentar-Seite schreibt jemand Hohlers Geschichte das „Niveau eines Groschenromanes“ zu, ganz treffend, wie ich finde. Groschenmäßig auch die Verwendung eines Showdowns im Krankenzimmer, wo sich dann (Vorabendserie) alle handelnden Figuren einfinden, inklusive der böse Bube der Geschichte – der übrigens so platt gezeichnet ist, dass er immer wieder nur sporadisch auftaucht und nur böse und sonst nichts ist, gar so böse, dass er besagte Voodoo-Puppe benutzt. Und – groschenmäßig konsequent: nachdem dieser Voodoo-Puppe die Nadeln entfernt werden, ruft das mutmaßliche Voodoo-Opfer in derselben Sekunde aus, dass die Kopfschmerzen verschwunden sind! Keinerlei Verwunderung über Voodoo im allgemeinen (oder Schweizer-Voodoo im besonderen), nein: die Kopfschmerzen sind weg, und jeder im Krankenzimmer ist erleichtert! Wer soll denn da, bitteschön, noch Fragen stellen, funktioniert doch alles, kennt man doch von Voodoo: der Puppe werden die Nadeln gezogen und die Kopfschmerzen verschwinden! Absolut plausibel!

Den besagten bösen Buben der Geschichte kann man symbolisch als den ignoranten Eidgenossen schlechthin verstehen, der sich keines schlimmen Vergehens bewusst ist, des Vergehens, früher, in einer Zeit, die nun mal so war wie sie war, Kinder, bloß weil sie etwa unehelich geboren wurden, qua staatlicher Erlaubnis mißhandelt, ausgebeutet, verachtet zu haben. Wenn Hohler mutmaßlich ein guter Kabarettist, also zur Reflexion fähig wäre, dann wäre eben dieser „böse Bube“ nicht die Neben-, sondern die Hauptfigur in seiner Verding-Geschichte gewesen. Aber wie oben erwähnt, Hohler hat ein grundsätzliches Problem, das Wesentliche vom Nebenbei zu unterscheiden, wobei er natürlich auch nicht im Nebenbei, dem sprachlichen Ausdruck nämlich, das Läppische zu identifizieren weiß. Und so einer kommt hier mit einer Detektiv-Geschichte, ausgerechnet.

Was habe ich für dieses Buch bezahlt, 18 Euro nochwas? Mit 18 Euro nochwas also dazu beigetragen, dass sich so eine Autoren-Null wie Franz Hohler sein Leben finanziert? Na ja, herzlichen Glückwunsch, lieber Franz.
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am 1. Januar 2016
Dieses Buch ist einfach nur peinlich; die Personen sind allesamt eindimensional und stereotyp, den paar kritischen Bemerkungen zur Schweiz (Verdingwesen, Vorurteile gegen Schwarze usw.) fehlt jede Spitze; alles bleibt an der Oberfläche. Hohler versucht sich hier irgendwo zwischen Friedrich Glauser und Martin Suter ("Small World"), scheitert jedoch kläglich. Wirkliche Spannung kommt nicht auf, die Gestalten sind leblos und unglaubwürdig und es fehlt an Originalität und Wortgewalt. Auch die Dialoge sind verkünstelt, die Sätze unnatürlich kurz, ohne Prägnanz ("Wissen Sie, eine Negerin kann so etwas besser als ein Zombie aus Uster"). Nein, grosse Schweizer Literatur ist das nicht. Da hat uns Herr Hohler keinen Gefallen getan, auch nicht mit kleinen Dialekteinschüben ("sonen dumme Löli") und französischen ("Merci infiniment") und englischen Fragmenten ("I wanted to say good-bye to my aunt"). Soll das zur Authentizität beitragen? Oder das Ganze zu einem Sprachkrimi machen? Von der Qualität her würde "Gleis 4" allemal in das Genre reinpassen. Too bad, Herr Hohler.
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am 30. Dezember 2016
Ein stilles, leises Buch. Nüchtern, ja, unaufgeregt trifft es vielleicht besser. Mit einem unheimlichen Sog erzählt franz Hohler, ruhig, langsam aber unheimlich intensiv. In nur zwei Ragen habe ich diesen schmalen Band ausgelesen und der Nachhall wird noch lange bleiben: was bleibt von einem Leben...Action, Plattitüden und ähnliches findet sich hier nicht, aber Weisheit, Sensibilität und Wissen über die Menschen. Ein tolles Buch!
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am 13. Januar 2014
Eigentlich mag ich Hohlers nüchtern schlichte Erzählweise, die trotz vordergründiger Kargheit doch immer wichtige Inhalte aufgreift und in gewiss beabsichtigter Understatement-Form darlegt. Trotzdem hatte ich diesmal Mühe, mich für die Geschichte zu erwärmen, die nicht richtig in Fahrt kommen will und teilweise etwas sehr hölzern daherkommt, obgleich doch fast alle Ingredienzien für eine spannende Lektüre vorhanden sind. Erst gegen Ende wird klar, dass es dem Autor ein Anliegen ist, ein wenig erfreuliches Kapitel in der gar nicht weit zurück liegenden Schweizer Vergangenheit zu thematisieren.
Auch gibt es ein paar Elemente, die ein wenig zu konstruiert wirken. Ich möchte nicht detailliert sagen, was ich damit meine, da dies Informationen zur Handlung preisgeben würde, die zur Aufklärung der Geschichte rund um die Todes- und Lebensumstände von Marcel/Martin beitragen.
Trotz allem habe ich dieses neue Buch von Franz Hohler mit Interesse gelesen, was natürlich darin begründet ist, dass hier von den drei weiblichen Hauptpersonen der Geschichte in fast kriminalistischer Manier Puzzleteile zusammengesetzt werden, die wie zu erwarten zu des Rätsels Lösung führen, das man selbstredend gerne erfahren möchte. Kurzum: aus meiner Sicht nicht das Beste, was dieser Autor bisher geschrieben hat, aber durchaus lesenswert. Und last but not least, Hohler weiss, wie man unschöne menschliche Seiten lakonisch aufzeigt, ohne dabei zu moralisieren. Seine Landsleute werden auch in dieser Geschichte nicht nur mit Wohlwollen bedacht.
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am 12. November 2015
Dieses Buch wurde mir von einer Buchhändlerin begeistert empholen und stellte sich doch als große Enttäuschung heraus. Dabei ist das Thema durchaus spannend, wenn auch nicht weltbewegend oder neu. Da gerät eine Frau mehr zufällig in das Leben eines Fremden und will dann hinter ein Geheimnis kommen. So weit so gut. Klingt aber doch irgendwie nach Unterhaltung und Trivialität als nach großer Literatur. Man liest also tapfer weiter, stellt fest, dass das Buch eigentlich ziemlich langweilig ist und hofft auf eine ansprechende Pointe. Aber was dann kommt, ist wirklich schwach! Eine Geschichte stellt sich heraus, die sich wirklich jeder Hobbyschriftsteller nach einer guten Tasse Tee ohne Mühe ausdenken kann. Und dafür so viel Seiten? Schade um Zeit und Geld!
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