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Kundenrezensionen

3,6 von 5 Sternen
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am 26. April 2017
"Vor dem Fest" von Sasa Stanisic lässt sich gut lesen. Alles in Ordnung. Gutes Buch und sehr unterhaltsam.Es wurde von uns schon weiterempfohlen.
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am 15. Oktober 2015
Im Feuilleton der „Zeit“ (Nr. 9 v. 20.02.2014) bricht Maxim Biller eine seltsame Diskussion vom Zaun. Mit Blick auf das Buch "Vor dem Fest" von S. Stanisic und die Literatur „deutscher Schriftsteller mit nicht deutschen Wurzeln“ (der politisch korrekte Bandwurm für schreibende Immigranten) beschwert er sich darüber, dass diese vaterlandslosen Gesellen, statt die deutsch-sprachige Literatur aufzumöbeln, sich lieber mit Kollaborateursliteratur um deutsche „Wohlfühlpreise“ rangeln als ihrer von Herrn Biller vorgegebenen Bestimmung zu folgen: über Ihresgleichen zu schreiben.

Im Visier hat der Mann einen Literaten, den er – nicht zu Unrecht – zu den „Stars der neuen Weltliteratur“ zählt: den Bosnier Saša Stanišić. Wessen hat dieser Literat sich schuldig gemacht? Sein neuer Roman „Vor dem Fest“ „spielt in einem Dorf in der Uckermark, unter ehemaligen Ossis, von denen Stanišić so viel versteht wie seine Kritiker vom jugoslawischen Bürgerkrieg, vor dem er vor 14 Jahren nach Deutsch-land fliehen mußte ... Ist es ihm wichtiger, als Neudeutscher über Urdeutsche zu schreiben als über Leute wie sich selbst?“

Schuster, bleib' bei Deinem Leisten! Entweder hat Biller den Roman nicht gelesen oder er kennt die Uckermark („Jenes Land, das ferne leuchtet“- Ehm Welk) nicht, wahrscheinlich beides. Die Uckermark nicht zu kennen, war bisher für sich genommen keine Schande, aber spätestens nach Erscheinen von Stanišić' Buch ist es eine Kulturlücke, für die ihn die Uckermärkerin Angela Merkel strafen möge. Die kommt in diesem Buch nicht vor, oder vielleicht nur indirekt, weil sie, wie alle Uckermärker, inkludiert ist in die Beschreibung Stanišić' so wie in dem Historienroman „Die große Flut“ des Schriftstellers Waldemar Augustiny, der die Uckermärker als „eine Mischung aus Friesen, Mecklenburgern, Hugenotten und Preußen“ charakterisiert. Eine wahrhaft brisante Mischung, die manches, wenn auch nicht alles erklärt!

Stanišić seinerseits beschreibt die „urdeutschen“ Uckermärker nicht nur, ihm ist eine literarische Liebeserklärung gelungen (wenn das auch mancher Uckermärker anders sehen dürfte). Nur vergleichbar mit Siegfried Lenz' Erzählungskunst über dessen ehemalige Heimat, die Masuren. Biller würde sagen, Lenz durfte das, weil er dort geboren wurde und gelebt hat. Darf der das, dieser zugereiste Serbe, dieser Kollaborateur, über die Uckermark schreiben, so treffend, so liebevoll, so historisch und menschlich kenntnisreich, als sei er hier geboren, als sei er ein Urdeutscher, wo er doch ein Neudeutscher ist? Nein, Herr Biller sagt nein und nochmals nein! Nicht nur, dass er sich anmaßt, urdeutsche Zustände zu beschreiben, er beschreibt auch noch ostdeutsche! Kein Wunder also, dass wir über ein antifaschistisches Radrennen (sic!) lesen müssen, dabei durch Straßen geführt werden, die Namen von Unpersonen der Geschichte tragen (und das nach der Wende!), kein Wunder, dass wir solche Sätze lesen müssen wie „Solange noch ein DDR-Fön irgendwo Haare trocken kriegt, ist die DDR nicht tot“, kein Wunder, dass wir über Lada und Ladas, kurz über „früher“ lesen müssen, die Vergangenheit, die in der Uckermark noch so heutig ist.

Womit nicht eine nostalgisch verklärte Vergangenheit gemeint ist, wenn Imboden, der Rentner, in der Garage „mit einem kühlen Sterni in der Hand, dem Narrenstab, etwas sagt, das so beginnt: Eine Schlägerei macht kein Fest besser, es sei denn, sie rettet es. Auch stimmt es nicht, dass früher besser gefeiert wurde. Die Zeiten waren bloß noch mieser … Mit „früher“ meint Imboden, meinen alle, immer gleich die gesamte Vorwendezeit. Theoretisch kannst Du mit „früher“ auch das dunkelste Mittelalter meinen, aber auf keinen Fall Gerhard Schröder.“

Auf keinen Fall, Herr Biller, jedenfalls nicht in Ostdeutschland! Vielleicht in Dortmund, ja, da redet man anders über früher, vielleicht auch über G. S., aber nicht in Fürstenfelde/Uckermark! Obwohl die doch tausend Mal mehr Gründe hätten, über G. S. und H. IV. zu reden, über die dunkelste Gegenwart. Tun sie aber nicht! Sie reden von früher, wenn sie das Heute meinen. Herr Biller versteht das nicht, Saša Stanišić sehr wohl.

Was ist Heimat? Was ist ein Heimatroman? Wer darf sich wo heimisch fühlen, wer nicht? Dürfen sich die Rumänen, die aus einem „Rumänen raus“ durch die einfache Verwandlung eines Buchstabens (eines römischen Buchstabens) ein „Rumänen-Haus“ machen, dürfen die sich in der Uckermark heimisch fühlen? Oder Frau Kranz, die zugereiste Heimatmalerin, die keine ist („Frau Kranz sieht ihr Dorf nicht, sie weiß ihr Dorf“)? Rico und Luise, die beiden Neonazis, die noch gar nicht wach waren, als Frau Schwermuth das Antifa-Rennen durch die Marx mit dem Schlachtruf startete: „Keine Bremsen, folg mir, Volk!“?

Wer darf den ultimativen Heimatroman über die Uckermark schreiben? Nur Ehm Welk oder auch Saša Stanišić, der in der Uckermark Menschen getroffen hat „wie sich selbst?“ Jeder, Herr Biller, jeder, der schreiben kann, darf über die Uckermark und über jeden anderen Ort der Welt Heimatromane schreiben! Auch Sie! Wenn Sie denn mal kommen würden ...
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am 24. Mai 2014
Ein Preis gekrönter Roman - verdient, wie ich finde. Aber... Für mich ist das Buch ein typischer 'Ja-aber-Roman'. Man kann ihn gut finden, aber es bleibt ein Vorbehalt.
Bis ungefähr zur Hälfte habe ich ihn mit großem Vergnügen gelesen: besonders Stil und Sprache (an der andere Rezensenten viel auszusetzen haben) sind originell und gekonnt. Gerne ließ ich mich auf die skurrilen Gestalten und Geschichten rund um das Dorf in der Uckermark ein. Vieles erinnert (manches nur von sehr weitem) an große Vorbilder: Kleist, Fontane (wie andere feststellten), aber auch Grass klingt durch. Schön die historischen Einsprengsel - moderne Interpunktion im Dienste der Lesbarkeit stört mich da nicht. Schön auch das Verschwimmen der Grenzen zwischen Realem und Irrealem.
Doch nun das Aber. Als die Hälfte überschritten war, ließ die Spannung nach, und ich hatte den Eindruck, dass die Geschichten begannen, sich im Kreis zu drehen. Nichts kam so recht vorwärts. Was hat sich am Ende verändert? Zu Beginn tauchen interessante Figuren auf, über die man gerne mehr erfahren hätte - was wird aus ihnen? Entweder werden sie gar nicht mehr erwähnt oder nur knapp. Und überhaupt: mir fehlt die Geschichte. Zwar werden viele, viele kleine Geschichten erzählt -mosaikartig setzt sich das Bild vom Dorf zusammen -, aber wo bleibt die 'große Geschichte'?
Nun mag man der Auffassung sein, dass es auf die Geschichte bei einem Roman nicht ankomme - eine Auffassung, die ich nicht teile. Und ich bleibe dabei: ein schöner Roman, aber ... etwas fehlt.
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am 14. Februar 2015
Wenn ich die Presse richtig verfolgt habe, wurde dieses Buch viel gelobt und mehrfach prämiert. Nach der Lektüre frage ich mich: Wofür? Ich habe mich durch das Buch gequält und es wollte kein Ende nehmen. Beim besten Willen konnte ich keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Strängen der Handlung herstellen. Immer wieder werden belanglose Geschichten aneinander gereiht, die nichts miteinander zu tun haben. Dabei handelt es sich nicht um einen Erzählband sondern um einen Roman, der jedoch als solcher der Definition nicht gerecht wird. Das wenige, was stimmt, sind die Verlassenheit der Uckermark sowie die in dieser Tristesse ausharrenden Typen: ehemaliger NVA- Offizier, gescheiterte Künstlerin, soziale Absteiger.
Insgesamt ist mein Resüme: schade um die vertane Zeit und ums Geld. Ich kann das Buch nicht empfehlen
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am 4. Oktober 2015
KLAPPENTEXT
Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann - der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht festhalten will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, kann sich nicht entscheiden, ob er Zigaretten holen soll oder sich in den Kopf schießen. Alle haben sie eine Mission. Alle wollen sie etwas zu Ende bringen, bevor die Nacht vorüber ist. Keiner von ihnen will den Einbruch ins Haus der Heimat beobachtet haben. Das Dorfarchiv steht aber offen. Doch nicht das, was gestohlen wurde, sondern das, was entkommen ist, quält die Schlaflosen. Die Nacht gebiert Ungeheuer: Alte Geschichten und Erinnerungen, Mythen und Märchen, sind ausgebrochen und ziehen mit den Menschen um die Häuser.
ZUM BUCH:
Umwerfend tragikomische Heimatchronik mit absolut liebenswert-kaputten Charakteren. In kurzen Kapitelchen erspinnt Stanisic zahlreiche Rückblenden des Dorfes Fürstenfelde und schleicht sich gekonnt in den Mikrokosmos Dorf (incl. der Gedankenwelt einer Fähe!) ein. Mit einer entlarvend-poetischen Sprache wechselt Stanisic zwischen heimatlichen Bildern à la Siegfried Lenz und sehr eigenen (überzeichneten?) Figuren à la .... (in dieser Form einzigartig). Manche Passage will zwei Mal gelesen sein, herrlicher Sprachduktus auch in den Passagen aus früheren Jahrhunderten. Insgesamt ensteht bei der Lektüre jedoch ein leicht melancholischer Eindruck der Uckermarck und ihrer Landsleute, der allerdings im gelungenen Schluss wieder relativiert wird.
FAZIT:
Verlangt dem Leser dieses oder jenes ab. LOHNT SICH ABER DENNOCH - absolute Herbst-Empfehlung!
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am 6. November 2015
Für mich ist "Vor dem Fest" eins der wunderbarsten Bücher der letzten Jahre. Auch wenn es nicht die klassische Form eines Romans hat sondern eine lockere Reihe paraleller kleiner Geschichten ist, die sich berühren und überschneiden. Erzählt werden die Geschichten einer Nacht, in der ein Autounfall geschieht, Kirchenglocken gestohlen werden, eine Füchsin versucht, ein paar Eier für ihre Jungen zu stehlen (eine genial dramatische und dichte Passage) und vieles mehr - und doch ist es eigentlich eine Nacht, in der nichts passiert. Daraus entsteht aber das Bild eines Dorfes und seiner Menschen - sogar über Jahrhunderte. Denn der Autor schafft es, Alltag und märchenhafte Passagen zu verbinden. Er erschafft lebendige Charaktere, die er oft ironisch, aber immer warmherzig schildert (Herr Schramm, ein Mann mit Haltung und Haltungsschaden). Dabei schreibt er plastisch, ohne geschwätzig oder verquast zu sein. Und er wechselt souverän zwischen Stilen, vom mittelalterlicher Chronik bis zum Rap. Einfach wunderbar, aber das hatte ich ja anfangs schon geschrieben.
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am 1. Januar 2017
Keine geschlossene Handlung, kein Spannungsaufbau. Egal. Muss das immer sein? Die lakonische und zugleich poetische Sprache, die mich immer wieder innehalten lässt, der Humor, die verhalten und ans Uckermärkische angepasste und dezent versteckte deftige Fabulierfreude des Balkans machten dieses Buch für mich zu einem echten Vergnügen und hallt noch lange nach. Typen wie Schramm. Lada und der slammende Neo-Ritter-Rapper Q haben mir amüsante Lesestunden verschafft. Eine Dorfgeschichte der anderen Art. Ein paar Längen zwischendurch kann ich durchaus verzeihen. Daher doch 5 statt 4 Sterne.
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am 26. Juni 2016
Ein sprachlich verspielter, sich modern gebender Heimatroman aus den Zeiten nach der Wende, durchsetzt mit Anspielungen auf Gegenwart und Vergangenheit, so mag es der Schnellleser auf den ersten Blick empfinden und dennoch die Fremdheit des Erzählens genießen. Das rückseitige Cover indes kündigt das Buch in der anspruchsvollen Wertung der FAZ als ernstzunehmende „Weltliteratur aus der Uckermark“ an.
Worum geht es? Das Buch führt eine Art Reste-Welt vor, gelegen in der ehemaligen DDR , indem es das tägliche Leben eines halben Dutzend verbliebener Dorfbewohner, alles menschliche Originale, vorführt, die ihren Alltag erleben, sich aber zugleich auf ein großes Dorffest, das ererbte Annenfest, vorbereiten. Es soll am Ende des Buches in alter, inzwischen obsolet gewordener Manier stattfinden und das weite Land mit der Attraktivität seiner zwei Seen, seiner einladenden Natur und den gebotenen Veranstaltungen für Stunden touristisch beleben und damit an die die Vergangenheit anknüpfen.
Fürstenfelde, der Name des erfundenen Schauplatzes in der Uckermark, war einst eine respektable Stadt, wovon allerdings nur mehr das Heimatmuseum kündet, das ebenso wie der örtliche Geschichtsverein Erinnerungen an die lange Stadtgeschichte bewahrt. So dass der Autor einige davon hier und da als Geschichten aus alter Zeit und in alter Sprache in das Gelebte der Gegenwart einbringen kann, Alles im Stil eines stilistisch überhöhten und anspruchsvollen Erzählens, das versucht, den Menschen und ihrem banalen Alltag auf dem Hintergrund der verrinnenden Zeit und Ewigkeit gerecht zu werden. Wie sich der ominöse Wir-Erzähler fühlt, eröffnet mit überraschenden kurzen Statements mancher der vielen Erzählsplitter.
Der Autor setzt auf diese Weise nicht nur die aus der untergegangenen DDR- Literatur vertraute Art des scheinbar jedermann zugänglichen Erzählens fort, er öffnet sich mit seiner besonderen Erzählmanier zugleich dem Thema vergangener Größe. Alles im Leben ist anders geworden. Darum heißt es: „Wir sind von Natur aus historisch interessiert“. So beginnt das zweite der fünf Kapitel und die Phrase greift damit die eingangs zitierte Strophe aus einem Song der Band auf, die des Buches eröffnet. Das Hauptinteresse des phantasievollen und sprachlich originellen Erzählens könnte damit dem in Zeit und Raum eingefangenen Leben der verbliebenen Dorfbewohner gelten. Jenseits aller früheren Größe. Die Füchsin, die in mehreren Szenen das Dorf geheimnisvoll umschleicht, wäre wie eine Ausgeburt dieses Erzählens.
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TOP 1000 REZENSENTam 22. März 2014
Ein Dorf in der Uckermark ist im Begriff, das jährliche Annenfest zu feiern. Warum weiß eigentlich keiner mehr so recht. Da ist es gut, dass in der Nacht vor dem Fest viele Geschichten über das Dorf wieder ans Licht kommen und jedenfalls dem Leser etwas Einsicht in das gelebte und lebendige Leben des Dorfes schenken. Aber Vorsicht! So mancher Mythos ist dabei, der eher der Vorstellungskraft der Menschen, allen voran der Stadtarchivarin Frau Schwermuth, entsprungen ist. Sicher sein kann man sich also nie. Irgendwie haben die Geschichten ein Eigenleben bekommen, so wie das Dorf selbst schon eine Art Persönlichkeit geworden ist, das sich zwischendurch immer mal wieder meldet und das Geschehen kommentiert. Auf diese Weise trifft man viele interessante, natürlich stets skurrile Figuren, die im Dorf leben und dem Leser ihre Geschichte offenbaren. Ich nenne nur den Glöcknerlehrling Johann, die verschrobene alte Malerin Frau Kranz, den lebensmüden Herrn Schramm, Poppo von Blankenburg, um dessen Tod sich so mancher Mythos rankt, u.s.w. Schnell gewinnt man die Figuren lieb und möchte mehr über sie erfahren. Das ist aber gar nicht so einfach. Denn diese Geschichte ist keinesfalls chronologisch erzählt, sondern springt von einem Fragment zum nächsten. Stilistisch ist das Buch also eine kleine Herausforderung. Sehr experimentell geht es zu, auch in der Sprache, manchmal etwas zu experimentell für meinen Geschmack. Man muss sich schon Zeit nehmen für dieses Buch. Dann lohnt sich die Lektüre aber sehr. Vor allem wird man mit sehr viel intelligentem Humor und fast genialen Ideen belohnt. Dass Autor Saša Stanišić dafür den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat, ist mehr als berechtigt und freut mich sehr.
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am 8. September 2014
Der Roman spielt in den 24 Stunden vor und während des Annenfestes in Fürstenfelde, einem fiktiven Ort in der Uckermark. Der Ort erscheint als typischer Schauplatz ostdeutscher Nachwendewirklichkeit: die jungen Menschen verlassen das Dorf, die Alten sterben. So auch der Fährmann, der keinen Nachfolger hat. Der Glöckner bekam einen, doch ihm kommen die Glocken abhanden. Der ehemalige NVA-Mann Wilfried Schramm kann sich nicht zwischen schnellem Selbstmord mittels einer Pistole und dem langsamen durch Nikotin entscheiden. Anna läuft. Frau Kranz malt. Andere trinken und reden. Und dazwischen versucht eine Fähe, für ihren Nachwuchs Hühnern die Eier unbeschädigt zu entwenden.

Ein kollektiver „Wir“-Erzähler, der das Dorf, die Gegend, alle Figuren einschließt, berichtet von den Ereignissen rund um das Fest. Dabei verquickt er Alltagsgeschichten mit alten Erzählungen und Mythen. Stanišić beobachtet seine meist sympathischen Protagonisten empathisch; lässt sie leuchten; »vielleicht für niemanden, vielleicht für jemanden.«

Doch das Leuchten verblasst bald. Leider ermüdet und langweilt seine Erzählweise mit der Zeit. Man freut sich fast, dass endlich der Morgen des Annenfestes graut, auch wenn Stanišić immer wieder humorvoll lokale Gegebenheiten, Befindlichkeiten und Eigenheiten entlarvt und in wunderbar schräge Bilder passt. Die Sprache, in der er Ereignisse aus früheren Jahrhunderten beschreibt, wirkt etwas unpassend. Die Vielschichtigkeit der Personen rotiert in den ausschweifenden Wiederholungen, die unterschiedlichen Perspektiven liefern Bilder, die nicht immer passen. Oder ist das nur die banale Realität?
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