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Kundenrezensionen

3,5 von 5 Sternen
70
3,5 von 5 Sternen
Vor dem Fest: Roman
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 28. August 2017
Das Buch behandelt eigentlich nur eine einzige Freitag-Nacht vor "dem Fest", von dem die Bewohner des kleinen uckermärkischen Dorfes eigentlich gar nicht mehr wissen, warum sie es feiern. Der Autor ergeht sich in Andeutungen von Geheimnissen und einem tieferen Sinn, welcher sich doch nie offenbart - zumindest mir nicht. Zwischendrin immer mal wieder Sätze wie ein Sonnenstrahl, eigenwillig schwankend zwischen Poesie und Komik. Interessante Figuren, wie der Fährmann, verlieren sich im Nichts. Zwei wundersame Jünglinge ziehen in dieser Nacht durchs Dorf, sprechen in Reimen, mischen sich ein, tauchen auf und verschwinden in einem Wimpernschlag, in meiner Vorstellung immer von so etwas wie Schwefeldunst umwabert. Irgendwann tauchen sie nicht mehr auf, was sie wollten bleibt ungeklärt. Eine geheimnisvolle eingeworfene Scheibe im Heimatmuseum, bei der die Scherben fast alle außen liegen. Die schwer depressive und obendrein schizophrene Museumsleiterin scheint aufgeregt über das, was dort wohl entkommen sein mag. Keine Auflösung. Einzig die Lebensgeschichte der 90jährigen, mittlerweile schrulligen Dorfmalerin hat mich erreicht, wenn auch nur mit einem Hauch der Tragik, die wirklich darin steckt. Man muss schon sehr genau hinlesen, um überhaupt so etwas wie eine Lebensgeschichte auszumachen. Alles wird angedeutet, nichts wird ausgesprochen, nichts zuende erzählt. Die letzten Seiten hab ich nurmehr überflogen. Ich hab mich leider gelangweilt. Vielleicht hab ich die so gelobte große Erzählkunst des Buchpreisträgers von 2014 auch nur nicht verstanden.
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am 8. November 2017
Ratlos. Das trifft es ziemlich genau, "Vor dem Fest" lässt mich ratlos zurück. Aber zunächst der Inhalt, soweit er sich mir erschließt: Es geht um Fürstenfelde oder -walde oder -werder, ein beliebiges Dorf in der Uckermark. Und es geht um seine Bewohner, die nicht ganz so beliebig sind. Es gibt einen Fährmann, nein falsch, es gab einen Fährmann, die Dorfmalerin, den Glöckner und seinen Lehrling, die Leiterin des Hauses der Heimat und diverse andere Personen. Und dann gibt es noch die Fähe, die auf der Suche nach Leckerbissen für ihre Welpen das Dorf durchstreift. Das Ganze spielt in der Nacht vor dem Annenfest, einem jährlich wiederkehrenden Dorffest. Soweit, so gut.

Auf dieser Grundlage nun entblättert Sasa Stanisic die Dorgeschichte, wechselt zwischen Vergangenheit , näherer und sehr weit entfernter, und Gegenwart. Chroniktexte, Gedankensplitter, Anekdoten, alles sorgfältig vermischt, bedächtig, lakonisch, kaleidoskopartig. Alles ist miteinander verbunden, die Vergangenheit reicht weit in die Gegenwart, Generationen von Dorfbewohnern haben eine gemeinsame Geschichte. Als Individuum hat aber jeder auch seine eigenen Erlebnisse, Träume, Wünsche. Das Buch ist aufgebaut wie ein großes Puzzle. Man hat viele Einzelteile, die hin und her geschoben, teilweise auch zusammen passen. Mir fehlten allerdings immer wieder Teile, ich hatte stetig das Gefühl, mein Puzzle habe blinde Stellen. Vielleicht habe ich nicht sorgfältig genug gelesen? Vielleicht ist auch schlicht meine Bildung nicht ausreichend, um die Andeutungen, Versatzstücke und Schichten zu verstehen, zuzuordnen, zu erkennen? Vielleicht ist das Buch eher für Fachleute geschrieben, den kleinen Kreis der Literaturkenner, die solche Texte spielend entschlüsseln? Die gesammelten Literaturpreise, die der Roman errungen hat, lassen mich das ja vermuten.

Und deshalb, um den kleinen Bogen zum Anfang zu schlagen, bin ich ratlos. Mir bleibt die Erinnerung an eine Nacht, in der allerhand entfesselt wurde, Geister der Vergangenheit, Wolfsrudel, Ängste, Wahnvorstellungen. Und das alles in einem kleinen Dorf in der Uckermark, ein beliebiges Dorf, das so auch in der Lüneburger Heide oder im Harz stehen könnte. Der kleine Wahnsinn des Jedermann.

Manchmal ist es wahrscheinlich einfach so, dass sich ein Roman dem Leser schlicht nicht öffnet und seine Geheimnisse für sich behält. "Vor dem Fest" hätte wohl lieber einen anderen Leser als mich gehabt. Daher bleibt es bei den blinden Flecken und dem Gefühl, hinter der nächsten Seite stecke die Erkenntnis. In ein paar Jahren sieht das vielleicht anders aus. Fürstenfelde- das war nicht mein letzter Besuch...
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am 5. Oktober 2017
In der Hörbuchausgabe liest der Autor selbst und hat Mühe, die Sätze mit seinem starken slawischen Akzent zu formulieren.
Man hat den Eindruck, es soll trockener Humor a la Jonas Jonasson aufblitzen, allein ein Schmunzeln stellt sich nicht ein - maximal ein lang gedehntes Gähnen. Vielleicht ist der Witz auch nur einigen wenigen Auserwählten zugänglich.
Vermute, Oliver Pocher saß in der Kommission zur Vergabe des Leipziger Literaturpreises.
Der Autor schreibt, der Sinn einiger Dinge offenbart sich manchmal erst später -
wir warten geduldig.
Eine Aufeinanderfolge von Belanglosigkeiten:
Der Fuchs, die Hühner ... man möchte fortfahren ... das Schaf ... HURRRZ!
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am 24. Mai 2014
Ein Preis gekrönter Roman - verdient, wie ich finde. Aber... Für mich ist das Buch ein typischer 'Ja-aber-Roman'. Man kann ihn gut finden, aber es bleibt ein Vorbehalt.
Bis ungefähr zur Hälfte habe ich ihn mit großem Vergnügen gelesen: besonders Stil und Sprache (an der andere Rezensenten viel auszusetzen haben) sind originell und gekonnt. Gerne ließ ich mich auf die skurrilen Gestalten und Geschichten rund um das Dorf in der Uckermark ein. Vieles erinnert (manches nur von sehr weitem) an große Vorbilder: Kleist, Fontane (wie andere feststellten), aber auch Grass klingt durch. Schön die historischen Einsprengsel - moderne Interpunktion im Dienste der Lesbarkeit stört mich da nicht. Schön auch das Verschwimmen der Grenzen zwischen Realem und Irrealem.
Doch nun das Aber. Als die Hälfte überschritten war, ließ die Spannung nach, und ich hatte den Eindruck, dass die Geschichten begannen, sich im Kreis zu drehen. Nichts kam so recht vorwärts. Was hat sich am Ende verändert? Zu Beginn tauchen interessante Figuren auf, über die man gerne mehr erfahren hätte - was wird aus ihnen? Entweder werden sie gar nicht mehr erwähnt oder nur knapp. Und überhaupt: mir fehlt die Geschichte. Zwar werden viele, viele kleine Geschichten erzählt -mosaikartig setzt sich das Bild vom Dorf zusammen -, aber wo bleibt die 'große Geschichte'?
Nun mag man der Auffassung sein, dass es auf die Geschichte bei einem Roman nicht ankomme - eine Auffassung, die ich nicht teile. Und ich bleibe dabei: ein schöner Roman, aber ... etwas fehlt.
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am 6. November 2017
Großartig, nach einem Jahr nochmal gelesen. Was für Figuren, welche Sprache, was für ein Ritt durch die jahrhunderte alte Geschichte Fürstenfeldes.
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am 4. Oktober 2015
KLAPPENTEXT
Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann - der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht festhalten will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, kann sich nicht entscheiden, ob er Zigaretten holen soll oder sich in den Kopf schießen. Alle haben sie eine Mission. Alle wollen sie etwas zu Ende bringen, bevor die Nacht vorüber ist. Keiner von ihnen will den Einbruch ins Haus der Heimat beobachtet haben. Das Dorfarchiv steht aber offen. Doch nicht das, was gestohlen wurde, sondern das, was entkommen ist, quält die Schlaflosen. Die Nacht gebiert Ungeheuer: Alte Geschichten und Erinnerungen, Mythen und Märchen, sind ausgebrochen und ziehen mit den Menschen um die Häuser.
ZUM BUCH:
Umwerfend tragikomische Heimatchronik mit absolut liebenswert-kaputten Charakteren. In kurzen Kapitelchen erspinnt Stanisic zahlreiche Rückblenden des Dorfes Fürstenfelde und schleicht sich gekonnt in den Mikrokosmos Dorf (incl. der Gedankenwelt einer Fähe!) ein. Mit einer entlarvend-poetischen Sprache wechselt Stanisic zwischen heimatlichen Bildern à la Siegfried Lenz und sehr eigenen (überzeichneten?) Figuren à la .... (in dieser Form einzigartig). Manche Passage will zwei Mal gelesen sein, herrlicher Sprachduktus auch in den Passagen aus früheren Jahrhunderten. Insgesamt ensteht bei der Lektüre jedoch ein leicht melancholischer Eindruck der Uckermarck und ihrer Landsleute, der allerdings im gelungenen Schluss wieder relativiert wird.
FAZIT:
Verlangt dem Leser dieses oder jenes ab. LOHNT SICH ABER DENNOCH - absolute Herbst-Empfehlung!
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am 6. November 2015
Für mich ist "Vor dem Fest" eins der wunderbarsten Bücher der letzten Jahre. Auch wenn es nicht die klassische Form eines Romans hat sondern eine lockere Reihe paraleller kleiner Geschichten ist, die sich berühren und überschneiden. Erzählt werden die Geschichten einer Nacht, in der ein Autounfall geschieht, Kirchenglocken gestohlen werden, eine Füchsin versucht, ein paar Eier für ihre Jungen zu stehlen (eine genial dramatische und dichte Passage) und vieles mehr - und doch ist es eigentlich eine Nacht, in der nichts passiert. Daraus entsteht aber das Bild eines Dorfes und seiner Menschen - sogar über Jahrhunderte. Denn der Autor schafft es, Alltag und märchenhafte Passagen zu verbinden. Er erschafft lebendige Charaktere, die er oft ironisch, aber immer warmherzig schildert (Herr Schramm, ein Mann mit Haltung und Haltungsschaden). Dabei schreibt er plastisch, ohne geschwätzig oder verquast zu sein. Und er wechselt souverän zwischen Stilen, vom mittelalterlicher Chronik bis zum Rap. Einfach wunderbar, aber das hatte ich ja anfangs schon geschrieben.
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am 13. August 2017
Die Idee, die Geschichte ist durchaus ansprechend. Was mich gestört und gelangweilt hat ist die Art des Schreibens, vor allem der Satzbau und der parataktische Stil und die Auflistung scheinbarer inhaltlicher Geistesblitze. Wäre er der erste, der so schreibt, dann wäre das ganz nett und auch frisch gewesen. Aber so wie er schreiben derzeit fast alle jungen Schriftsteller. Ich habe das Gefühl, dass eine ganze "anspruchsvolle" Schreibergeneration sich gegenseitig kopiert. Das war auch früher so und liegt in der Natur der Sache. Mich nervt es inzwischen aber. Die englischsprachigen Autoren schreiben einfach weniger konstruiert.
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am 1. Januar 2017
Keine geschlossene Handlung, kein Spannungsaufbau. Egal. Muss das immer sein? Die lakonische und zugleich poetische Sprache, die mich immer wieder innehalten lässt, der Humor, die verhalten und ans Uckermärkische angepasste und dezent versteckte deftige Fabulierfreude des Balkans machten dieses Buch für mich zu einem echten Vergnügen und hallt noch lange nach. Typen wie Schramm. Lada und der slammende Neo-Ritter-Rapper Q haben mir amüsante Lesestunden verschafft. Eine Dorfgeschichte der anderen Art. Ein paar Längen zwischendurch kann ich durchaus verzeihen. Daher doch 5 statt 4 Sterne.
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am 15. Oktober 2015
Im Feuilleton der „Zeit“ (Nr. 9 v. 20.02.2014) bricht Maxim Biller eine seltsame Diskussion vom Zaun. Mit Blick auf das Buch "Vor dem Fest" von S. Stanisic und die Literatur „deutscher Schriftsteller mit nicht deutschen Wurzeln“ (der politisch korrekte Bandwurm für schreibende Immigranten) beschwert er sich darüber, dass diese vaterlandslosen Gesellen, statt die deutsch-sprachige Literatur aufzumöbeln, sich lieber mit Kollaborateursliteratur um deutsche „Wohlfühlpreise“ rangeln als ihrer von Herrn Biller vorgegebenen Bestimmung zu folgen: über Ihresgleichen zu schreiben.

Im Visier hat der Mann einen Literaten, den er – nicht zu Unrecht – zu den „Stars der neuen Weltliteratur“ zählt: den Bosnier Saša Stanišić. Wessen hat dieser Literat sich schuldig gemacht? Sein neuer Roman „Vor dem Fest“ „spielt in einem Dorf in der Uckermark, unter ehemaligen Ossis, von denen Stanišić so viel versteht wie seine Kritiker vom jugoslawischen Bürgerkrieg, vor dem er vor 14 Jahren nach Deutsch-land fliehen mußte ... Ist es ihm wichtiger, als Neudeutscher über Urdeutsche zu schreiben als über Leute wie sich selbst?“

Schuster, bleib' bei Deinem Leisten! Entweder hat Biller den Roman nicht gelesen oder er kennt die Uckermark („Jenes Land, das ferne leuchtet“- Ehm Welk) nicht, wahrscheinlich beides. Die Uckermark nicht zu kennen, war bisher für sich genommen keine Schande, aber spätestens nach Erscheinen von Stanišić' Buch ist es eine Kulturlücke, für die ihn die Uckermärkerin Angela Merkel strafen möge. Die kommt in diesem Buch nicht vor, oder vielleicht nur indirekt, weil sie, wie alle Uckermärker, inkludiert ist in die Beschreibung Stanišić' so wie in dem Historienroman „Die große Flut“ des Schriftstellers Waldemar Augustiny, der die Uckermärker als „eine Mischung aus Friesen, Mecklenburgern, Hugenotten und Preußen“ charakterisiert. Eine wahrhaft brisante Mischung, die manches, wenn auch nicht alles erklärt!

Stanišić seinerseits beschreibt die „urdeutschen“ Uckermärker nicht nur, ihm ist eine literarische Liebeserklärung gelungen (wenn das auch mancher Uckermärker anders sehen dürfte). Nur vergleichbar mit Siegfried Lenz' Erzählungskunst über dessen ehemalige Heimat, die Masuren. Biller würde sagen, Lenz durfte das, weil er dort geboren wurde und gelebt hat. Darf der das, dieser zugereiste Serbe, dieser Kollaborateur, über die Uckermark schreiben, so treffend, so liebevoll, so historisch und menschlich kenntnisreich, als sei er hier geboren, als sei er ein Urdeutscher, wo er doch ein Neudeutscher ist? Nein, Herr Biller sagt nein und nochmals nein! Nicht nur, dass er sich anmaßt, urdeutsche Zustände zu beschreiben, er beschreibt auch noch ostdeutsche! Kein Wunder also, dass wir über ein antifaschistisches Radrennen (sic!) lesen müssen, dabei durch Straßen geführt werden, die Namen von Unpersonen der Geschichte tragen (und das nach der Wende!), kein Wunder, dass wir solche Sätze lesen müssen wie „Solange noch ein DDR-Fön irgendwo Haare trocken kriegt, ist die DDR nicht tot“, kein Wunder, dass wir über Lada und Ladas, kurz über „früher“ lesen müssen, die Vergangenheit, die in der Uckermark noch so heutig ist.

Womit nicht eine nostalgisch verklärte Vergangenheit gemeint ist, wenn Imboden, der Rentner, in der Garage „mit einem kühlen Sterni in der Hand, dem Narrenstab, etwas sagt, das so beginnt: Eine Schlägerei macht kein Fest besser, es sei denn, sie rettet es. Auch stimmt es nicht, dass früher besser gefeiert wurde. Die Zeiten waren bloß noch mieser … Mit „früher“ meint Imboden, meinen alle, immer gleich die gesamte Vorwendezeit. Theoretisch kannst Du mit „früher“ auch das dunkelste Mittelalter meinen, aber auf keinen Fall Gerhard Schröder.“

Auf keinen Fall, Herr Biller, jedenfalls nicht in Ostdeutschland! Vielleicht in Dortmund, ja, da redet man anders über früher, vielleicht auch über G. S., aber nicht in Fürstenfelde/Uckermark! Obwohl die doch tausend Mal mehr Gründe hätten, über G. S. und H. IV. zu reden, über die dunkelste Gegenwart. Tun sie aber nicht! Sie reden von früher, wenn sie das Heute meinen. Herr Biller versteht das nicht, Saša Stanišić sehr wohl.

Was ist Heimat? Was ist ein Heimatroman? Wer darf sich wo heimisch fühlen, wer nicht? Dürfen sich die Rumänen, die aus einem „Rumänen raus“ durch die einfache Verwandlung eines Buchstabens (eines römischen Buchstabens) ein „Rumänen-Haus“ machen, dürfen die sich in der Uckermark heimisch fühlen? Oder Frau Kranz, die zugereiste Heimatmalerin, die keine ist („Frau Kranz sieht ihr Dorf nicht, sie weiß ihr Dorf“)? Rico und Luise, die beiden Neonazis, die noch gar nicht wach waren, als Frau Schwermuth das Antifa-Rennen durch die Marx mit dem Schlachtruf startete: „Keine Bremsen, folg mir, Volk!“?

Wer darf den ultimativen Heimatroman über die Uckermark schreiben? Nur Ehm Welk oder auch Saša Stanišić, der in der Uckermark Menschen getroffen hat „wie sich selbst?“ Jeder, Herr Biller, jeder, der schreiben kann, darf über die Uckermark und über jeden anderen Ort der Welt Heimatromane schreiben! Auch Sie! Wenn Sie denn mal kommen würden ...
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