Hier klicken Sale Salew Salem Hier klicken Jetzt informieren 30 Tage lang gratis testen Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle PrimeMusic Autorip longss17

Kundenrezensionen

3,6 von 5 Sternen
65
3,6 von 5 Sternen
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:19,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 18. Februar 2016
Das Buch fängt sensationell an - Stanisic entwirft das Panoptikum eines Dorfs in Brandenburg in verschiedenen Zeiten. Seine Figuren sind spannend und authentisch, das Leben im Dorf tragikomisch. Sprachlich ist es hohe Kunde, doch leider passiert auch nach 150 Seiten nichts. Ich lese dann lieber einen Gedichtband. Wer an einer hochpoetischen Milieustudie Interesse hat, darf aber ruhig zugreifen.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 15. März 2014
Das prämierte Buch der Leipziger Messe wurde schon im Vorfeld mit einem Preis ausgezeichnet nämlich dem Alfred Döblin Preis. Wer es noch nicht weiss: Der Alfred Döblin Preis verleiht unveröffentlichten Texten oder Auszügen, die Garantie der Fertigstellung / Veröffentlichung. Somit war wohl dieser Preis in Leipziger Kreisen zumindest, ein Preis mit Ankündigung. Stanisic beschreibt in seinem Roman ein fiktives Dorf in der Uckermark, in Ostdeutschland der ehemaligen DDR, namens Fürstenfelde. (Komposition aus: Fürstenwerder/Fürstenwalde/Prenzlau/Kraatz) Er stellt dabei altdeutsche Text die bis in 16. Jhd. zurückreichen heutigen modernen Texten gegenüber, das alleine schon ist gewöhnungsbedürftig und kann sich anfangs der Lektüre als sperrig anlesen, das zumindest ich anfangs nicht immer verständlich fand. Ein poröser und hinderlich geschriebener Text der sowohl im altdeutschen, aber auch im modernen Text der sich ständig von Kapitel zu Kapitel abwechselt. Doch was sich anfangs anstrengend anlässt fällt mit der Zeit in einen fliessenden Text, mit dem man sich immer mehr anfreundet. Texte die wie aus einer Chronik erscheinen, können ihren ganz eigenen Zauber haben, gerade wenn sie schon vielleicht 400 Jahre alt sind! (Texte aus dem 16. bis 19. Jhd.) Manches ist poetisch manchmal lustig verfasst, vieles berichtend, vor allem aber erzählend. So richtig einen Plot kann dieses Buch eigentlich nicht vorweisen, denn es sind die vielen Einzelgeschichten, Mythen, Tragödien die von einer erlebten Heimat erzählen wollen. Vielleicht ein moderner Heimatroman, der von einem Dorf erzählen will, dem das Verschwinden droht - jedoch mit seinen Geschichten dagegen hält?

Es sind Geschichten von Menschen und Tieren, vor allem einer Füchsin (Fähe), der hier eine gewisse Schlüsselrolle zugestanden wird. Durch sie verleiht der Autor der Natur eine Stimme. Es sind Geschichten die für sich stehen und doch miteinander schichtweise kreuz und quer unsichtbar miteinander verbunden sind. Sasa Stanisic hat sicherlich ein mutiges und experimentelles Buch geschrieben, dass ihm - wenn auch gewöhnungsbedürftig - sehr gut gelungen ist. Sein Geschreibe kann beizeiten dann eben doch so manches Schmunzeln beim Leser hervorzaubern, was sicher eine der bestechenden Qualitäten des prämierten Buches ist. Ja es sind Porträts von den dortigen Menschen, sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit, die aus einer liebevollen Haltung heraus geschildert werden. Wir lesen von einem Glöckner, einem Fährmann, von einem Kesselflicker oder einem Oberstleutnant, Figuren, wie wir sie heute gar nicht mehr finden. Manchmal haben diese Geschichten den Geschmack von Legenden, Stanisic versteht es Begebenheiten oder Geschehnisse die vielleicht dort vor 3- oder 400 Jahren stattfanden, kunstvoll mit der heutigen Gegenwart zu verknüpfen. Selbst ein eingefügtes handschriftlich korrigiertes Textstück über einen Kesselflicker hat seinen ganz eigenen Reiz, weil selbst durchgestrichene Textstellen zum Lesen einladen und verführen. Alles dreht sich hier um das angekündigte Annenfest, es geht um eine Nacht, der Nacht vor dem grossen Fest...Der Name "Anna" steht für verschiedene Frauenfiguren hier, doch das jener, die als Hexe verbrannt wurde, wird anfangs und am Ende erwähnt, fast als eine Art Schutzpatronin für jenes Fest um das diese Geschichte kreist. Eine unscheinbare Figur, über die ganze Zeit wie anwesend zu sein scheint - und doch das Schlusslicht darstellt, zumindest stellt Stanisic genau diese Figur bewusst an das Ende seiner Geschichte. Und vielleicht spielt es so gar keine Rolle, wo das Erzählte genau spielt oder ob es einen schlüssigen Plot vorzuweisen hat, hier geht es wirklich ums seine Umsetzung, also das WIE.

Stanisic lässt durch seine Geschichten ein Dorf neu auferstehen, als ob sie aus Sprache bestehen würde, wie ja die Preisjury in ihrem Text verlautbart. Eine Würdigung an ein Stück Heimat, das zu versinken droht und durch seine Erzählungen wie neu aufersteht. Vieles ist hier einfach klasse gemacht und raffiniert konzipiert, auch wenn ich anfangs einen Bogen um dieses Buch gemacht habe, ist es doch äusserst bestechlich lesenswert! "Vor dem Fest" berührt dadurch nicht nur ein Stück Geschichte und Heimat das zu verschwinden droht, sondern berührt eben dadurch auch das verinnerlichte Gefühl von Heimat, das wir alle in uns tragen. Auch den Verlust von Heimat ist etwas das wir alle kennen, mit Sicherheit ist das einer der Kernthemen dieses Buches. Der Autor wurde ursprünglich in Bosnien geboren und ist 1992 durch den Krieg ausgewandert. Ein Fremder der sozusagen über ein Stück deutsche Heimat schreibt und für den mit Sicherheit "Heimat" auch ein Thema sein dürfte. Stanisic war ursprünglich schon in Klagenfurt beim Ingeborg-Bachmann-Preis- Lesen aufgefallen. 2006 hat der Autor bereits schon Wie der Soldat das Grammofon repariert: Roman veröffentlicht. Sein neuer Roman ist wie ein orchestriertes Werk, gebündelt aus vielen einzelnen Stimmen, das zu einem einzigen Refrain anstimmt: Einer Heimat eine Stimme zu geben- die davon begriffen ist, dem Vergessen anheim zu fallen. Das alleine schon hat eine beachtliche Anerkennung verdient und auch den Leipziger Buchpreis! Chapeau!

Empfehlung.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. November 2016
Das Buch ist speziell da es eine Gesellschaft ungeschönt darstellt. Man wundert sich vielleicht über die wechselnden Perspektiven, aber am Ende (wenn es denn eines gibt) sieht man ein Gesamtbild, das einem auch den eigenen Spiegel vorhält, wenn man ehrlich ist. Ich bin begeistert von dem Buch, weiß aber, dass es sicher nicht jedermanns Geschmack sein dürfte.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 5. Februar 2017
Nach Altes Land, in dem schon der Dorfbewohner an sich das Thema ist, und das ganz locker geschrieben ist, etwas klischeehaft, aber gewitzt aufbereitet, habe ich Unterleuten gelesen, fand es interessant aufgebaut, aber super langatmig und breitgetreten. Dieses Buch war vor Unterleuten da und ist mit Sicherheit von Juli Zeh gelesen worden, wobei ich Unterleuten als nachgemacht empfinde.
Dies hier ist besser, der Autor Meister der Sprache. Noch mehr Perspektiven, nämlich auch die des Mittelalters im Dorf und der Füchsin. Die Information zum Buch enthält die Bemerkung, dass von 600 auf ca. 300 gekürzt wurde, und hier muss ich den Lektor sehr loben, das gibt dem Buch den Qualitätsvorsprung gegenüber Unterleuten. Die Atmosphäre erschließt sich; latente Gewalt und gleichzeitig viel Toleranz und Respekt voreinander sind von nahmen spürbar. Gruselig die schizophrene Hobby-Historikerin.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Oktober 2014
Der zweite Roman des aus Bosnien-Herzegowina stammenden jungen Autors Saša Stanišic rückt ein fiktives Dorf in der Uckermark ins Rampenlicht. Dessen Bewohner feiern, der Titel «Vor dem Fest» deutet es schon an, alljährlich das traditionelle Annenfest, ohne dass jemand sagen könnte, aus welchem konkreten Anlass es eigentlich begangen wird. Es mag an der Herkunft des Autors liegen, dass in seiner sich um ein trostloses Kaff im strukturschwachen Brandenburg rankenden Geschichte, wenig mehr als zwanzig Jahre nach der Wende, die politische Vergangenheit nicht im Blickpunkt steht. Er erzählt, anders als deutsche Autoren das zu tun pflegen, weitgehend losgelöst davon, und wie er das macht, mit welchen literarischen Mitteln und in welcher Fülle an originellen Einfällen, das ist wahrlich nicht alltäglich. Sein Augenmerk gilt den individuellen Befindlichkeiten der Einwohner dieses sich langsam entvölkernden Dorfes, die er am Beispiel seiner durchaus skurrilen Protagonisten aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, ergänzt um historische Ereignisse aus dem sorgsam behüteten Heimatarchiv der kleinen Gemeinde.

Der in fünf Teile gegliederte Roman wird dreisträngig erzählt, er behandelt in seinem Hauptstrang die vierundzwanzig Stunden vor und während des Annenfestes 2013. Erzählt wird aus einer kollektiven Wir-Perspektive, die das ganze Dorf einschließt, in der jeder Protagonist Teil des dorfgeschichtlichen Chores ist und zum Canon der Hoffnungslosen seinen individuellen Beitrag leistet. Da ist zum Beispiel der ehemalige Soldat, der sich als Rentner etwas hinzuverdienen muss und als Protestwähler zur den Neoliberalen tendiert. Oder der Briefträger, der wie selbstverständlich die Post der gesamten Dorfgemeinschaft mitliest, auch nach der Wende, und sich hingebungsvoll der Hühnerzucht verschrieben hat. Es gibt die neunzigjährige Malerin, die Szenen aus dem Dorfleben in Ölbildern festhält, als Beispiel sei das Bild «Der Neonazi schläft» genannt, er sei übrigens der einzige politisch Verwirrte im Dorf, erfahren wir. Oder die depressive Frau Schwermuth (sic), die ebenso argwöhnisch wie erfolgreich über das beachtenswerte Dorfarchiv wacht. Und der uralte Fährmann, in dessen Logbuch über die Jahrzehnte hinweg nur sieben Einträge von Passagieren verzeichnet sind, einer davon ist von Angela Merkel. Schließlich tauchen unvermutet zwei fremde junge Männer auf, die in Reimen sprechen, ein durchaus verblüffendes Stilmittel des kreativen Autors. Der im Übrigen den Leser durch seinen subtilen Humor und seine überbordende Erzähllust für sich einzunehmen versteht mit seinem unkonventionellen Roman.

Aufgebaut ist diese vielschichtige Erzählung wie ein Reigen aus vielen kurzen, zunächst voneinander unabhängigen Abschnitten, die erst allmählich innere Bezüge erkennen lassen und sich dann teilweise ergänzen. Parallel zum eigentlichen Erzählstrang wird von einer Fähe, deren Bild übrigens auch den Buchumschlag ziert, und ihrem rastlosen Bemühen erzählt, beim Hühnerzüchter Eier zu stehlen, und diese Tiergeschichte ist ebenfalls häppchenweise in viele kleine Abschnitte über den gesamten Text verteilt und lose mit der Geschichte der Menschen verwoben. Gleiches gilt für den historischen Strang, der aus diversen anekdotenhaft zitierten Auszügen aus der Dorfchronik besteht, ohne erkennbare Beziehungen zueinander und mit zum Teil drastischen Berichten, zurückreichend bis ins 16ten Jahrhundert, die das Geschehen stilecht in nicht immer einfach zu lesender, dem Altdeutschen nachempfundener Sprache anreichern. Verbindungen zur eigentlichen Handlung sind nicht auszumachen, es wird vielmehr ein historischer Hintergrund beleuchtet, der das aktuelle Geschehen eindrucksvoll relativiert, schlechte Zeiten gab es schon immer, soll so dem Leser wohl bedeutet werden.

Ich muss gestehen, dass ich das Buch am Ende etwas irritiert aus der Hand gelegt habe. Aber manchmal stellen sich die Wirkungen eines Textes ja erst später ein, dem Abgang beim Wein vergleichbar, der den Genuss erst perfekt macht als letztes, wichtigstes Kriterium. Genau das fehlt hier aber, wie ich inzwischen weiß, allenfalls einige amüsante Wendungen sowie der flockige Schreibstil des Autors insgesamt bleiben haften, mehr nicht. Ist das Weltliteratur, wie der Klappentext uns suggeriert? Mitnichten, da bin ich mir sicher!
0Kommentar| 11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Ich weiß nicht, warum ich dieses Buch so mag. Es ist keine leichte Kost. Es ist nicht spannend, nicht dramatisch, besonders emotional oder witzig geschrieben. Die Geschichte wechselt ständig von Jetzt auf Gestern. Dann wieder zu Vorgestern und zurück. Die Charaktere werden nur kurz vorgestellt, einige begleiten einen durchs Buch, andere haben nur einen Auftritt. Verschiedene Handlungsstränge und Rückblicke im zeitgenössischen Sprachstil - alles was normalerweise gar nicht geht, wenn man mehr als nur eine Handvoll Leser erreichen will.

Doch bei diesem Roman funktioniert es. „Vor dem Fest“ ist kein anstrengender Avantgarderoman, sondern ganz hervorragende Unterhaltung, neue deutsche Literatur mal anders. Kein Literaturexperiment und wenn doch, dann ein geglücktes. Da hat ein Autor nicht sich selbst wiedergegeben, sondern sich hineinversetzt. In ein Dorf, eine für die meisten Leser unbekannte Region, unspannend, unspektakulär und doch liebens- und lebenswert. Der Protagonist ist die Uckermark, das Dorf Fürstenfelde. Das klingt langweilig, nach trockener Geschichtsschreibung und man fragt sich, wer will das lesen?

Scheinbar viele - dem Erfolg dieses Romans nach zu urteilen. Ich verstehe auch warum. Denn man schwebt beim Lesen nur so durch die Seiten. Alles ist perfekt konstruiert, fügt sich harmonisch zu einem Bild zusammen. Und auch Passagen, die einen vielleicht nichts sagen, nerven oder auch langweilen, sind nie sehr lang und werden schnell von amüsanten, kurzweiligen Episoden abgelöst. So ist man schnell durch mit diesem Buch, stellt es zufrieden ins Regal und sagt sich: „Das war mal was anderes“.
0Kommentar| 11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. April 2014
Um es vorweg zu sagen, den ersten Roman "Soldat-Grammofon" habe ich mit grossem Vergnügen an der Sprache und viel Erkenntnisgewinn gelesen und mich sehr auf "Vor dem Fest" gefreut. Im ersten vorfestlichen Kapitel habe ich laut gejuchzt. Bin auch weiterhin mit grossem Vergnügen dem poetischen Sprachwitz gefolgt, habe Sätze langsam auf der Zunge zergehen lassen. Und nach der guten Hälfte des Buches (war jetzt nicht beabsichtigt, aber ich könnte wirklich sagen nach der Guten Hälfte des Buches) verliess mich der Elan, fing ich an, das zerschüttelte Kaleidoskop - aus Dorfbewohnern, historischen Textschnipseln, handschriftlich umfabuliertem Märchen, der Perspektive einer Füchsin - mühsam zu finden und nicht interessant genug, um der plotlosen Geschichte weiter zu folgen. Und ich meine überhaupt nicht, Sasa Stanisic sollte seine Geschichten weiter in Bosnien ansiedeln. Nein, gar nicht. Sein Umgang mit der deutschen Sprache ist auf sehr befriedigende Weise poetisch und originell. Aber mir sind seine Figuren in diesem Roman zu exzentrisch gestaltet, zu überhöht. Das fing an, mich zu langweilen. Nach der Guten Hälfte eben.
0Kommentar| 11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. April 2014
Gelegentlich lass ich mich ja mal von Prämierungen leiten, und die Rezensionen von "Vor dem Fest" weckten ebenfalls mein Interesse. Kann mich hier allerdings nur den negativeren Rezensionen anschließen. Mir erschließt sich die Begeisterung in keiner Weise. "Sperrig" wäre eventuell noch ein wohlwollendes Attribut. Ich würde es eher als angestrengt und konstruiert bezeichnen. Kein Fluss, keine Spannung, keine Poesie, keine Erkenntnis, kein Verstören, keine Unterhaltung ... bei manchen Figuren meinte ich Wolf Haas oder Wolfgang Herrenberg zu hören.... also nee, hier hat jemand etwas unter äußerster Anstrengung zusammengestückelt und auf Originalität getrimmt.... Schade. Und ich hoffe mal nicht, dass das jetzt die wirkliche Spitze aktueller deutscher Literatur ist.
33 Kommentare| 18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Juli 2015
Nach und nach setzt der Komponist die einzelnen Stimmen ein, um einen Klangteppich aus Worten und Personen zu weben. Es wird ein ungewöhnlicher, ein prächtiger Teppich, abwechslungsreich, in gedämpften und in leuchtenden Farben, aus lauten und leisen Tönen, mit kurzen Zwischenstücken und längeren Passagen.
Wir sehen ein Dorf vor unserem inneren Auge entstehen, dem eine Handvoll Dorfbewohner ihre Stimme geliehen hat, eine Füchsin, die im nahen Wald mit ihren Jungen lebt, und die vereinte Stimme des WIR, des Ortes selbst, die zu Wort kommen. Es ist – mit Ausnahme eines Jungen, der über seine Mutter spricht - ein WIR, „das das Ihr ausschließt“, das aus einer ordnenden Distanz berichtet, allerdings ohne, wie der Autor sagt, „eine moralische Instanz sein zu wollen, nur Bewusstsein und Körper“. Es ist ein in der Jetztzeit aufgeführtes Klangwerk, und es ist Herbst, die Nacht vor dem Annenfest, das wie jedes Jahr groß gefeiert werden soll.
Doch genauso absonderlich wie dieses „Fest“ anmutet, über das eigentlich nur gesagt wird, dass es die Verbrennung einer (Stroh)Frau zum Höhepunkt hat, genauso absonderlich ist die Tatsache, dass das Dorf fast nur aus recht skurril anmutenden älteren Menschen besteht, nimmt man den Lehrling des Glöckners und die Jungen der Füchsin einmal aus.
Und als reiche es nicht, die Geschichten dieser ziemlich skurrilen Menschen zu erzählen, werden zwischen die Geschichten Mythen und Märchen – einige aus des Autors alter Heimat, dem alten Jugoslawien, einige aus der neuen – Auszüge aus scheinbar alten Dokumenten eingestreut und auch in die Geschichten selbst immer wiederkehrende kuriose Gestalten hineingesetzt, kurios ihrem Aussehen nach und in ihrer sich reimenden Sprache.
Und so hat sich zu der Erzählstimme und dem nachempfundenen alten Deutsch der historischen Dokumente eine weitere Sprachform gesellt, die das Kunstvolle des Textes noch betont.
Unbedingt empfehlenswert ist es übrigens, eine Lesung mit dem Autor zu erleben. Liest Stanisic vor, kommt eine zusätzliche Dimension zu den bereits erlesenen Genüssen hinzu – seine unüberhörbare Freude am Geschichtenerzählen.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. Januar 2017
Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich einen witzig-klugen Roman über den Charme eines dörflichen Lebens erwartet habe. Leider ist das Buch sehr konfus geschrieben, es gibt keinen roten Faden und der sprachliche Stil krankt am unbedingten Willen zur Einzigartigkeit. Es ist teilweise mühsam zu folgen und die historischen Kurzgeschichten sind überflüssig und teilweise wirklich schwer zu ertragen. Mit etwas mehr Authentizität wäre dies ein sehr gutes Buch geworden, so liest es sich wie das Gedankenspiel eines Fürstenfeldeners nach dem großen Fest am frühen Morgen mit Restalkohol.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

19,99 €
10,00 €

Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken