find Hier klicken Sonderangebote PR CR0917 Cloud Drive Photos Alles für die Schule Learn More TDZ Mehr dazu Mehr dazu Storyteller AlexaundMusic AmazonMusicUnlimited Fußball longss17

Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
18
4,6 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:12,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 1. April 2009
Man merkt, dass der Autor dieses Buch nicht mehr Korrektur gelesen hat.
Das Buch ist sehr gut zu lesen, ist aber keine typische Autobiografie. In einzelne Episoden erzählt Neruda sein "politisches und küstlerisches" Leben, spart nicht mit Namen von anderen Künstlern, die heute kaum noch bekannt sind und stellt sich in einem ganz besonderen Licht da. Wer Privates aus seinem Leben erfahren möchte, wie er zum Beispiel sein Exil verarbeitete oder welche Ziele er in der Politik verfolgte und wie er diese umsetzte, der wird von dem Buch enttäuscht sein.
über sein eigenes literarisches Werk schreibt er zwar viel, gibt aber keine Kostproben. Sein außergewöhnliches schriftstellerisches Talent ist in einzelnen Episoden zu erkennen, besonders aber in den kursiv geschriebenen Anordnung von Satzstücken.
Deshalb trotz Mängel 4 Sterne.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. März 2015
Entspricht in vollem Umfang meiner Erwartung. werde diese Möglichkeit gute, interessante Bücher anzuschauen und zu kaufen allen meinen Freunden, Nachbarn und Verwandten empfehlen
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Oktober 2016
1899 wurde Yasunari Kawabata geboren. 1968 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Nur 4 Jahre später schied er 72jährig durch Suizid aus dem Leben. Diese ausgewählten Werke sind wunderbar zusammengestellt und bieten seine wohl bekanntesten und schönsten Werke. Der Beginn dieses Werkes allerdings ist eine kleine geschichtliche Zuerkennung des Nobelpreises von Dr. Kjell Strömberg, die dann in der Verleihungsrede von Anders Österling an Yasunari Kawabata endet. Ganz wichtig sind auch die Ansichten von Bunkichi Fusimori zum Leben und Werk des Nobelpreisträgers. Hier bekommt man als Leser einen wichtigen und sehr interessanten Einblick, die ganz wichtig für das Verständnis der weiteren Werke sind. Dieser Sammelband beinhaltet 4 Werke des Nobelpreisträgers. Beginnend mit der 30 seitigen Geschichte - Die Tänzerin von Izu. Trotz der Kürze dieses Werkes gelingt dem Autor eine interessante Dichte, und die Thematik besteht aus wunderbaren Landschaftsbeschreibungen, einer sehr ruhig und getragenen Inszenierung mit einem traurigen Beigeschmack, die sich auch in der 2.Story Tausend Kraniche fortsetzt. Mit 1oo Seiten ist dieses Werk doch um einiges länger. Interessant ist, wie feinfühlig ein Mann sich in die Rolle einer Frau hineindenken kann. In allen 4 Geschichten ist das übrigens eine interessante Parallele . Schneeland ist dann mit 120 Seiten noch ein klein wenig umfangreicher. Auch hier schreibt der Literaturnobelpreisträger unglaublich schön und poetisch über Landschaften, Frauen, Leben in der Abgeschiedenheit und Einsamkeit. Trotz zahlreicher Protagonisten und vieler hoch interessanter Dialoge schwebt ständig das Thema - Einsamkeit über allen Geschichten von Yasunari Kawabata. So auch in der mit 150 Seiten längsten Geschichte - Kyoto. Eine wundervolle höchst anspruchsvolle Hommage mit einer angenehm poetischen Sprache von - wie immer - unglaublich schönen Landschaftsbeschreibungen - endlosen Teezeremonien - interessanten Dialogen - gemischt mit traurigen Passagen . Abgeschlossen wird dieser tolle Sammelband dann mit einer Anmerkung des Übersetzers und einer Bibliographie der Werke von Yasunari Kawabata. Eines haben alle 4 Geschichten gemeinsam. Sie sind von einer unglaublich traurigen Einsamkeit durchsetzt, die aber durch die wunderschön poetische Sprache etwas abgeschwächt wird.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 27. Juni 2014
Als Memoiren bezeichnet der als lyrischer Politiker oder, ebenso stimmig, als kommunistischer Poet einzuordnende chilenische Dichter Pablo Neruda seinen Band mit dem selbstbewussten Titel «Ich bekenne, ich habe gelebt». Er hat daran bis unmittelbar vor seinem Tode 1973 gearbeitet. «Ich schreibe diese raschen Zeilen drei Tage nach den empörenden Ereignissen, die zum Tode meines großen Gefährten, des Präsidenten Allende, führten» heißt es auf der letzen Seite. Nur neun Tage später erlag er seinem Krebsleiden. Für ihn war der Militärputsch von Pinochet eine persönliche Katastrophe, die er in den allerletzten Zeilen seiner Erinnerungen desillusioniert, fast zynisch beschreibt und resignierend kommentiert. Hier am Ende wie auch im ganzen Buch zeigt sich, dass der Nobelpreisträger von 1971 ein ebenso leidenschaftlicher Dichter wie Politiker war. Für ihn gehörten Poesie und Politik zusammen, es waren zwei Seiten der gleichen Medaille, er setzte seine Lyrik ganz bewusst und wirkungsvoll immer wieder auch politisch ein.

Was für ein außergewöhnliches Leben, das der unter Pseudonym schreibende Sohn eines Lokomotivführers aus der Stadt Temuco im Süden Chiles da stolz vor dem Leser ausbreitet! Nicht in Form einer Autobiografie geschrieben allerdings, sondern als eine riesige Sammlung von Berichten über Erlebnisse und Begegnungen, von geistreichen Reflexionen, von feinfühligen Beobachtungen, dazu viele amüsante Anekdoten aus einem wahrhaft bunten Leben. Wo der Mann überall war und wen er alles kannte! Es ist eine riesige Schar an Menschen, denen er als Poet wie auch als Politiker begegnet ist, von ihm häufig als Freunde bezeichnet oder auch nur, als Mitstreiter, Kollegen, Gegenüber bei diversen Begegnungen, namentlich erwähnt. Während die genannten Politiker mir meistens bekannt waren, hatte ich mit den Poeten, insbesondere den vielen Lateinamerikanern, so meine Probleme, die meisten der illustren Namen hatte ich noch nie gehört. Das mag daran liegen, dass ich ausschließlich Epik lese, keine Lyrik, mein Brockhaus allerdings kannte manche der Namen ebenfalls nicht.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Autobiografisches geschönt und idealisiert wird, der Mensch ist nun mal gefallsüchtig, auch Pablo Neruda bekennt sich offen dazu. Und so fliegen ihm in seinen Jugendjahre die Frauen mühelos zu, kriechen nächtens in sein Strohlager, ohne dass er überhaupt weiß, wen er da in Armen hält. Ein Macho braucht wohl solche verbalen Trophäen. Bei seinen sicherlich hochverdienten Ehrungen drückt der schwedische König gerade ihm die Hand ein wenig länger als allen anderen, berichtet er von der Nobelpreis-Verleihung. Das und Ähnliches mehr mag ja alles wahr sein, es wirkt aber im selbstverfassten Bericht überaus eitel und damit peinlich, auf mich jedenfalls.

Sprachlich präzise und klar, zuweilen schwärmerisch und blumig werdend, wenn es um Heimat und Natur geht, sind diese Memoiren sehr angenehm und flüssig zu lesen. Dass hier ein Lyriker schreibt, merkt man schon an den gelegentlichen, vom übrigen Text kursiv abgesetzten, kontemplativen Einschüben, alleinstehende Einzelsätze zumeist mit poetischer Anmutung. Pablo Neruda entführt den Leser in seine ganz eigene, exotische Welt und lässt ihn teilhaben an einer wahrlich außergewöhnlichen Karriere. Man kann ihm vorwerfen, er habe viele Fragen offen gelassen, politisch einäugig den Kommunismus verherrlicht, Privates weitgehend ausgeklammert. Gleichwohl ist seine Vita faszinierend, und das, was er darüber preisgibt, ist allemal die Lektüre wert.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Juni 2016
Alles gut und klar und schnell und toller denn je
Und sowieso Megabyte ich Das ist ein sehr schönes Wetter 0
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. April 2010
Sie kennen seine hinreißenden Gedichte und möchten mehr über den großen chilenischen Dichter, über sein Leben erfahren?

Pablo Neruda wurde neunundsechzig Jahre alt. Das sind nicht so sehr viele Jahre, aber seine Jahre waren voller Leben. Er lässt uns teilnehmen an dem bewegten Auf und Ab seines aufregenden Lebens. Wobei es für ihn mehr auf als ab ging. Seine Erinnerungen "Ich bekenne, ich habe gelebt" zeichnen ein lebendiges Bild seines Lebensweges, eingebettet in das politische Geschehen der damaligen Zeit.

Es stimmt, manche Fragen bleiben unbeantwortet, manche Themen werden nur am Rande gestreift, und dennoch ist dieses Buch ein beeindruckendes Zeugnis des großen Dichters, der zu Recht sagt, "Ich habe gelebt". Schade, dass er selbst nicht mehr Korrektur lesen und die Kapitel ordnen konnte. Das letzte Drittel des Buches wirkt dadurch wie eine Aneinanderreihung von Episoden ohne eine richtige chronologische Abfolge. Dafür einen Punktabzug zu geben, wäre allerdings nicht richtig. Der Wert des Werkes und sein sprachlicher Charme sind so überragend, dass sie diese Schwäche mehr als wett machen. Die außergewöhnliche Brillanz seiner Worte lässt nur die Höchstpunktzahl zu.

Das ist es, was das Buch so lesenswert macht. Es ist nicht allein der Inhalt. Auch der, aber eben nicht nur. Nerudas Sprache ist es die fasziniert, die mitreißt. Seine bildhafte Ausdrucksweise fesselt, zieht an, lässt mitfühlen. Virtuos spielt er mit Worten und Formulierungen.

Nein, man erfährt nicht alles über Pablo Neruda. Aber man erfährt sehr viel über ihn, sein Leben, sein politisches Engagement, seine Reisen, seine Arbeit, seine Freunde. - Und kann sich an des Nobelpreisträgers außerordentlicher Formulierungsgabe erfreuen.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. September 2004
Ich bin eher zufällig auf dieses Buch gestoßen und mit einiger Skepsis daran gegangen. Ich kann mit Lyrik nicht viel anfangen, was soll ich da also mit den Erinnerungen eines Dichters? Aber bereits nach wenigen Seiten hat mich Neruda in seinen Bann gezogen und in eine Welt geführt, wie sie echter aber gleichzeitg wundersamer nicht sein könnte. Manche Erinnerungen sind wunderschön (der chilenische Regenwald), manche eher erschreckend (die behördlichen Hürden im spanischen Bürgerkrieg), manche erhellend (Nerudas Freundschaften mit anderen Dichter-Kollegen), manche auch etwas irritierend (so ist es nicht immer leicht, sich in den glühenden Kommunisten Neruda hineinzuversetzen, da man das Ende der Sowjetunion kennt, Neruda aber nicht), aber Pablo Neruda findet immer die sprachlichen Mittel, um seine Erinnerungen fast plastisch vor dem Leser aufzubauen. Man scheint förmlich heineingezogen zu werden in eine räumliche Welt und Manches wird derart wunderbar erzählt, dass man glaubt, es handle sich um selbst Erlebtes ...
Ich kann dieses Buch des großartigen Dichters wärmstens all denen empfehlen, die Sprache nicht nur als Mittel zum Zweck erachten sondern ihr Luft und Raum zugestehen um zu wachsen und sich zu entfalten, Und natürlich empfehle ich dieses Buch auch all denen, die gerne Menschen zuhören, die wirklich etwas zu erzählen haben.
0Kommentar| 57 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Oktober 2003
Ein Mensch, den ich nie gekannt habe, hat einmal über diese Biographie gesagt: "Man hört den Regen rauschen."
Pablo Neruda, der Lyriker und Poet, der den Literatur-Nobelpreis erhielt, der chilenischer Präsidentschaftskandidat war, berichtet aus seinem Leben und von der Entwicklung seines Landes, das er liebte. Er berichtet in Bildern, in historischen Fakten, in Anekdoten. Erzählt von seiner Zeit, vom Urwald in Chile, vom Meer - vom Regen. Er erzählt von den kleinen und großen Dingen, die sein Leben lebenswert machten: von seinen Jugendjahren, in denen er nur schreiben konnte im "Zittern der Einsamkeit" - von dem Stapel Bücher seiner ersten Veröffentlichung und wie er sie zu ersten Mal in Händen hielt.
Von den späteren Jahren, in denen er der Kommunistischen Partei beitrat und schrieb, um die Menschen zu erreichen - er erzählt von den seltsamen Begegnungen seines Lebens, von seiner ersten Frau, von seiner zweiten - Mathilde, die er liebte bis zu seinem Tode, von Garcia Lorca, dem buntesten der Dichter, die ihm begegnet sind.
Ein wunderschönes farbentanzendes Buch. Eines der Bücher, die vielleicht weniger Lebensfakten hinterlassen, als Düfte, Farben, Neruda in alledem - und eben das Rauschen des Regens.
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 28. August 2007
"Es regnete ganze Monate, ganze Jahre. Der Regen fiel in Fäden langer Glasnadeln, die auf den Dächern zerbrachen oder in durchsichtigen Wellen gegen die Fensterscheiben schlugen, und jedes Haus war ein Schiff, das in diesem Wintermeer mühsam in den Hafen gelangte." (S.11)
Mit dieser Beschreibung des chilenischen Regens, die zugleich als eine Metapher für das ganze Land verstanden werden kann, beginnt der chilenische Nobelpreisträger Pablo Neruda seine Autobiographie "Ich bekenne, ich habe gelebt" .
Seinen Jugendjahre im südchilenischen Tucuman, seine Lehrzeit bei der Natur im laurentinischen Regenwald folgen stimmungsvolle Bilder der frühen Vagantenzeit in den großen Städten seines Landes, in Santiago und vor allem in Valparaiso, dessen weltabgewandte Melancholie der reife Dichter noch aus einem Abstand von einem halben Jahrhundert beschwört. "Kleine Welten von Valparaiso, grundlos und zeitlos, verlassen wie Kisten, die einmal in den Tiefen eines großen Weinkellers zurückblieben und die niemand mehr abholt, von denen man nicht weiß, woher sie kommen und die nun nie mehr ihrer Enge entfliehen werden. Vielleicht ist in diesen geheimen Bereichen, in diesen Seelen von Valparaiso auf immer die entschwundene Hoheit einer Woge bewahrt, der Sturm, das Salz, das Meer, das rauscht und schimmert. Eines Jeden Meer, bedrohlich und verschlossen, ein nicht mitteilbarer Laut, eine einsame Bewegung, die zu Mehl wurde und zu Schaum der Träume."(S. 80)
Seine ersten Lyrikbände machen ihn bekannt und verhelfen ihm mit der üblichen Protektion der gehobenen Kreise zu einer diplomatischen Laufbahn als eine Art Konsularbeamter in der Fremde. Zwar wundert sich der Junge Pablo mit Recht, "warum ein so kleines Land wie Chile überall in der Welt Konsulate unterhält," (S. 135) aber das Angebot, im Dienste eines südpolaren Heimatlandes nach Shanghai, Singapor, nach Rangoon und Colombo zu fahren, schlägt er nicht aus. Zu seiner Überraschung beizt er einsam gewinnt keinerlei Zugang zu seinen Gastländern., "Die Einsamkeit (...) war vielmehr etwas Hartes wie die Wand eines Gefängnisses, an der du dir den Schädel einrennen kannst, ohne dass dir jemand zu Hilfe eilt, du magst noch so sehr schreien und weinen. Ich begriff, dass es über die blaue Luft und über den goldenen Sand hin jenseits des Urwaldes, jenseits von Schlangen und Elefanten Hunderte, Tausende Menschenwesen gab, die am Wasser sangen und arbeiteten, die Feuer machten und Krüge formten, dass auch glutheiße Frauen nackt auf den schmalen Matten schliefen, im Licht der riesigen Sterne. Doch wie mich dieser pulsierenden Welt nähern ohne als Feind angesehen zu werden." (S.124)
So lebt der junge Neruda, einer der literarischen Vorkämpfer eines antikolonialen Freiheitskampfes Lateinamerikas, bald das parasitäre Leben eines Kolonialbeamten und vermerkt: "In Wahrheit war die Einsamkeit in Colombo nicht nur belastend sondern auch einschläfernd. Ich besaß einige wenige Freunde in der Straße, in der ich wohnte, Freundinnen mehrere Farbschattierungen gingen durch mein Feldbett, ohne mehr Geschichte zu hinterlassen als den körperlichen Blitz. Mein Leib war ein einsamer Scheiterhaufen, der sich an dieser Tropenküste Tag und Nacht entzündete." (132f.).
Später verschlägt es Neruda in das Spanien der Dreißiger Jahre, wo er den später ermordeten Llorca kennenlernt und in der Endphase des Spanischen Bürgerkrieges im Auftrag der chilenischen Regierung verfolgten Republikanern zum Exil in Chile verhilft. Kurz darauf wird er Geschäftsträger in Mexiko, das "er jahrelang durchwandert, von Markt zu Markt. Denn Mexiko lebt von seinen Märkten. Es lebt nicht in den kehligen Liedern seiner Filme, nicht im bäurischen Kitsch von Schnauzbart und Pistole. Mexiko ist ein Land der karminroten und türkisschmimmernden Umhänge. Mexiko ist ein Land der Gefäße und Krüge und der von einem Insektenschwarm zerfressenen Früchte. Mexiko ist ein unendlich großes Land von stahlfarbenen, gelbstacheligen Agaven." (S. 205)
Man sieht, die Schilderungen lassen an Poesie, Anschaulichkeit und Sprachkraft keine Wünsche offen, und über große Teile des Buches ist es geradezu eine Lust, dem Autor durch sein Leben zu folgen. Sogar spannende Passagen werden geboten - etwa die Flucht des frisch gewählten kommunistischen Senators in den Süden des Landes und von dort, von den Häschern des Diktators Videla verfolgt, über die Anden nach Argentinien (S. 246ff.) und nach Paris. Längst ist er in die kommunistische Partei eingetreten, wird von den gleichgeschalteten Völkern des Ostens, die seine Gedichte nur in der Zensur lesen dürfen ( das steht nicht im Buch) gefeiert, logiert als Stalin-Preis-Juror in Moskau, tafelt mit Ilaja Ehrenburg bei erlesenen Weinen und schreibt ansonsten in seinem Dichterhorst auf der Isla Negra im Süden von Santiago an seinem lyrischen Hauptwerk, das ihm im Jahre 1971, damals schon als Botschafter des sozialistischen Präsidenten Allendes den Nobelpreis einbringt.
Eine atemberaubende Karriere fürwahr, die Neruda nur aus der Erinnerung in seiner unnachahmlichen Sprache bis wenige Tage vor seinem Tode seinen Sekretären diktierte. Dass er fast gleichzeitig mit seinem politischen Idol, dem chilenischen Präsidenten Allende, in zeitlicher Nachbarschaft zum Militärputsch General Pinochets starb, mag die Legende seines Lebens noch ein Stufe weiter entrückt haben.
So weit das Positive. Aber wahr ist auch, dass auf diesem staunenswerten Leben und diesem peotischen Genie ein Makel liegt, der sich dem Leser, je weiter er mit der Lektüre voranschreitet, in immer krasser erschließt. Dass er selbst einer seiner größten Bewunderer ist ("Ich las weiter und weiter, selbst ergriffen von den Lauten meiner Gedichte" - S. 344), mag ja noch angehen. Erschreckend aber ist die moralische Einäugigkeit, die das Buch von der ersten bis zur letzten Seite durchzieht. Kein Wort über die Massenmorde der kommunistischen Geheimpolizei im Rücken der demokratischen Front in Spanien, kein Wort über die perfide Ermordung Trotzkis im mexikanischen Exil, obgleich Neruda selbst vor Ort gewesen ist und mit den Familien der Attentäter bekannt war - stattdessen allenthalben nur Lobeshymnen auf die Leistungen des Sozialismus in Armenien, in Rumänien und natürlich in der Sowjetunion. Neruda, der Freund des Volkes, schriebt beim Tode Stalins eine Eloge auf den neben Hitler und Mao größten Menschenschlächter der Weltgeschichte, er preist "Lenin den Großen", den wahren Vater aller Blutorgien des kommunistischen Totalitarismus, rühmt den "brillanten Analytiker Shdanow"(S. 265), den Totengräber jedes freien Gedankens in der östlichen Welt und wundert sich über seinen grundanständigen brasilianischen Kollegen Jorge Amado, der nach Kenntnisnahme der stalinistischen Verbrechen sich wie so viele andere moralisch integre Künstler von seinem Irrglauben abwandte. So gehen in diesem Buch vollendete Poesie und eine erschütternde politisch-ethische Inferiorität auf eine Weise Hand in Hand, die den Leser ratlos zurückläßt. Auch wenn man zugeben muss, dass die wunderbaren literarischen Miniaturen, von denen das Buch nur so strotzt, durch die enervierende Parteilichkeit Neruadas in keiner Weise beeinträchtigt werden, so gilt doch auch, dass das zweite durch das erste keineswegs entschuldigt wird. So haben wir meiner Ansicht nach ein Buch vor uns, dass poetische zum Vollkommensten gehört, was ich kenne, moralisch aber zugleich völlig belanglos ist.
0Kommentar| 34 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. März 2010
Neruda`s Poesie hat mich fasziniert, nun lebe ich im Heimatland dieses Dichters, besuchte zwei seiner Häuser und wollte endlich mehr über sein Leben erfahren...
Seine Autobiographie allerdings brachte für mich nicht die erhoffte Annäherung an den Menschen, zu viele Fragen bleiben offen oder werden nur kurz gestreift. Das Buch, herausgegeben nach seinem Tod, besteht aus kaleidoskopartigen Erinnerungsbildern, hin und her springend im Zeitgefüge. Es setzt eine gute Kenntnis des politischen Weltgeschehens seiner Zeit voraus, behandelt überwiegend Begegnungen mit Dichter- und Künstlerkollegen aus der ganzen Welt und ist höchst politisch. Über seine Kindheit und die Jugendjahre in Temuco, als Sohn eines einfachen Eisenbahners, der Poesie für etwas Anrüchiges hält, erfährt man so gut wie nichts. Und gerade dies ist doch das größte Mysterium: Was machte aus dem Sohn einfacher Leute diesen hochsensiblen Beschreiber, diesen blumigen Dichter von Weltrang ?
Seine intensiven Frauenbeziehungen, seine Affinität zum anderen Geschlecht......wird angedeutet, selten ausgeführt. Ehefrauen erscheinen und verschwinden, wie Fußnoten. Selbst seine grosse Liebe Matilda bringt es, zusammen genommen, kaum mehr als auf zwei Seiten. An verschiedenen Stellen fehlt die Offenheit, die eine Biographie auszeichnen sollte. Zum Beispiel Federico Garcia Lorca,sein enger Freund, wird ausführlich beschrieben, doch an keiner Stelle wird seine Homosexualität thematisiert.
Fazit : Bietet einige, unbekannte Details aus seinem Leben, aber der Mensch wirkt merkwürdig blass dahinter.Ich bekenne, ich habe gelebt: Memoiren
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden