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am 11. April 2008
Klaus Berger ist einer der ausgewiesensten Kenner des Neuen Testamentes. In der Vergangenheit hat er nicht nur mit zahlreichen, zum großen Teil auch für Laienchristen verständlichen Büchern und einer regen Vortragstätigkeit auch in den Gemeinden vor Ort von sich reden gemacht, sondern auch durch sein spektakuläres Bekenntnis , dass er schon vor langer Zeit zum katholischen Glauben übergetreten sei.

Findige Kritiker werden deshalb sein neues Buch als Apologie des Katholizismus bezeichnen. Ich finde, man sollte das nicht tun und darauf hören, was er zu sagen hat.

Während viele Theologen in der Vergangenheit davon ausgingen, dass es zwischen der Zeit der Urchristenheit und dem von ihnen so genannten "Frühkatholizismus" einen Bruch gegeben habe und erst der Apostel Paulus die Kirche sozusagen erfunden habe, versucht Klaus Berger in diesem Buch nachzuweisen, dass es diesen Bruch nicht gibt. Aus zahlreichen Textquellen belegt er, dass vieles von Anfang an da war. Die Eucharistie, das Abendmahl war von Beginn an die sinnstiftende Mitte des neuen Kultes.

Indem Klaus Berger die bewährten Instrumente der Textauslegung und die neuen Elemente der Methoden der Sozial- und Kunstgeschichte virtuos nutzt, erschließt er seinen Lesern eine vergessene Zeit und eine untergegangene Welt.

Aber sein Anliegen ist nicht nur ein historisch-apologetisches. Er zielt mit seinem Buch auf die Gegenwart, auf die Christenheit des 21. Jahrhunderts, indem er die Frage stellt, ob man nicht am Urchristentum die Grundlagen und die Essenz des Christentums neu lernen könne. Er bejaht diese Frage, hält die Orientierung an den Urchristen für eine conditio sine qua non für das Überleben der Kirche und für ihre Glaubwürdigkeit, die er in vielen Dingen verloren sieht.

Man kann diesem Buch in Theologenkreisen und bei theologisch interessierten Gemeindegliedern nur viele Leser wünschen.
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am 14. September 2008
Nach diversen kirchenpolitischen Querelen, in deren Verlauf der emeritierte Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger der verfassten evangelischen Kirche endgültig den Rücken gekehrt hat, ist "der knorrigste Theologe des Landes" ("DIE ZEIT" (1: Nordhofen, Eckard: Das Wort ist Fleisch geworden. Klaus Berger, sein "Jesus"-Buch und das Wunder von Weihnachten, DIE ZEIT, 22. Dezember 2004, Nr. 53, [...] (11. August 2008).)) nun zurück auf dem Buchmarkt. Gewiefte Kritiker werden die gut 350 Seiten starke Veröffentlichung "Die Urchristen" primär als zeitnah verfasste Apologie der katholischen Kirche werten. Doch dieses Urteil ist voreilig: Das vorliegende Buch thematisiert durchgehend Inhalte, die bereits Bergers Lehrtätigkeit entscheidend bestimmt haben.
Schon rein äußerlich, nicht zuletzt durch den verwendeten Schriftsatz, der - ein böses Omen? - durch seine markanten Fragezeichen auffällt, präsentiert sich die Veröffentlichung als nahtlose Fortsetzung des "Jesus"-Bestsellers von 2004 (2: Berger, Klaus: Jesus, München 2004.). Die inhaltliche Begründung liefert Berger auf den ersten Seiten nach: Mit den "Gründerjahren" des Christentums - d.h. dem Zeitraum von 50 Jahren bis zum Tod der ersten Generation nach Jesus - "ging das Abenteuer erst richtig los. Aus einer Lokalveranstaltung unter Fischern und Bauern im letzten Winkel der Antike wurde in Windeseile eine Weltreligion. Wenn das kein Stoff ist!" (12) Die auffällige Zurückhaltung seitens der üblichen neutestamentlichen Forschung erklärt Berger mit einem populären "Lukas-Bashing" (13): Der Verfasser der Apostelgeschichte werde üblicherweise als "frühkatholischer" Verräter der Offenbarung charakterisiert, der die Zeit Jesu zur "Mitte der Zeit" (Hans Conzelmann) zwischen Altem Testament und Kirchengeschichte degradiert habe. Diese Tendenz finde sich innerhalb "[v]erschiedene[r] Modelle der Gesamtentwicklung" (16-19) - z.B. unter Vertretern des Dekadenzschemas mit seiner generell negativen Sicht von "Kirche".
An die Stelle alter Überzeugungen - "Vom Kindergarten bis zur Beschäftigung mit der Heiligen Schrift durfte nichts unhinterfragt bleiben - bei Strafe der intellektuellen Exkommunikation" (19) - sei jedoch mittlerweile eine neue "Hermeneutik des Vertrauens" (ebd.) getreten, die den biblischen Berichten nicht mehr a priori betrügerische Absichten unterstelle. Diese Behauptung macht Sinn - ebenso wie Bergers Hinweis auf die im selben Kontext wachsende Bedeutung archäologischer Erkenntnisse. Dass dagegen die neue Forschungssituation allgemein dazu nötige, den Herrenbruder Jakobus als entscheidenden "Mann an der Weiche" zu begreifen (25-27), der zusammen mit Johannes dem Täufer und Jesus das Triumvirat der "drei Nasiräer" gebildet habe (27f), widerspricht den (bisherigen) Beobachtungen des Rezensenten. Schon zuvor stößt der Leser auf zahlreiche Spezifika Bergerscher Theologie: Das Jahr 70 bedeutete keinen wesentlichen Einschnitt für die frühe Christenheit (13). Die Apostelgeschichte ist bereits im Zeitraum 68 - 75 n.Chr. entstanden (14) - und urteilt relativ einseitig, weswegen der gesamte urchristliche Büchertisch zu berücksichtigen ist (15). Es sind gerade solche im Kontext universitär-neutestamentlicher Forschung ungewohnten Gedanken, die die Lektüre von Anfang an erfrischend machen.
Einer dieser markanten Gedanken bestimmt den Verlauf des zweiten Kapitels (29-57): Berger geht es um die Suche nach "Brücken zwischen der Jesuszeit und den Gründerjahren" (29), um vergessene Kontinuitäten. Ein "exegetische[][r] Darwinismus", der nur mit fein säuberlich getrennten Entwicklungsschritten zurechtkomme (30f), sei ebenso abzulehnen wie die Annahme einer durch und durch von "Naherwartung" geprägter Reich-Gottes-Predigt, die mit dem Tod Jesu jäh in Vergessenheit geraten sei und der theologisch modifizierten Parusieverzögerung Platz gemacht habe (36-47). Immer wieder werden dabei detaillierte exegetische Kenntnisse deutlich - z.B. bei der Abwehr des "Wissenschaftsmärchen[s] [...], von Kirche und Gemeinde sei zu Zeiten Jesu kein Reden und Drandenken gewesen" (51f).
Das dritte Kapitel räumt mit der populären Idee auf, Jesus habe eine Karriere "[v]om gescheiterten Rabbi zum Erlöser der Welt" (58-102) durchlaufen. Entscheidend sei vielmehr das Sein des Gottessohnes, der - als Teil des Kampfes zwischen guten und bösen Geistern (68-70) - auch seine titularen Ehrentitel von Anfang an besessen habe (67f). "Die These vom Ostergraben hat mit kritischer Forschung nichts zu tun; sie ist das Wechselgeld pseudobiblisch fundierter Kirchenkritik" (65). Wenn aber auch das trinitarische Bekenntnis schon zu Jesu Lebzeiten formuliert wurde (77f), dann müssen wir "mit einer Schockwelle der Befremdung rechnen. Vielleicht ließen die sich am wenigsten auf die Fremdheit dieser Welt ein, die am meisten von Hermeneutik und Horizontverschmelzung redeten [...] Eine von Dämonen und Exorzismen purgierte Bibel mag manchen noch als konsumables 'Produkt' erscheinen, aber es ist Wein, dem man die originären Geschmacksstoffe entzogen hat" (78). Für Kontinuität sorge insbesondere der Heilige Geist (79-102). Berger wird hier zum Vollblut-Ökumeniker, der zwar vom "Problem von Einheit und Vielfalt" (94) anspricht, aber andererseits anmerkt, zumindest der Epheserbrief habe "[d]ie beliebte ökumenische Formel von der gottgewollten, versöhnten Verschiedenheit [...] jedenfalls nicht erfunden" (89). Die integrative "Politik" des Heiligen Geistes (86-90) ermögliche nicht zuletzt einen heilsamen Monotheismus. (3: "Wenn einer nur der Herr und Gott ist, hat das zur Folge, dass das Gewaltmonopol bei diesem einen liegt und dass alle anderen Brüder und Schwestern sind" (88). Vgl. zur selben Thematik Hempelmann, Heinzpeter: "Monotheismus - "Vielleicht die grösste Gefahr der bisherigen Menschheit" (F. Nietzsche). Zur neueren Diskussion um das Konflikt- und Gewaltpotenzial monotheistischer Religionen, Ichthys 46 (2008), 3-29, bes. 24-28.)
Bereits an dieser Stelle kann auch diese knappe Darstellung nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bergers Gedankengänge mitunter sehr vielschichtig, wenn nicht gar assoziativ wirken. Eine klare Verteilung einzelner Themen auf die unterschiedlichen Kapitel, die zudem in Länge und Zahl der Nummerierungsebenen stark variieren, ist oft nicht erkennbar. Hinzu kommen mitunter komplizierte Zusammenstellungen - z.B. in Abschnitt 52f, der die grundsätzlich zusammengehörigen Größen Reich Gottes und Kirche/Gemeinde in Hinblick auf ihre Art der "Offenbarung", die Rolle der "Besitzverhältnisse", die Art der "Grenze", die "Bedeutung des gemeinsamen Mahles", den Charakter der "Beziehung zu Gott" sowie die "Aspekt[e] des Leidens und des Geldes" voneinander unterscheidet. Anders als das Neue Testament hätte Berger auf das "Gegenmodell einer relativ zeitunabhängigen Fülle" (31) wohl besser verzichten sollen. Auch die mitunter etwas holprigen Sätze (vgl. z.B. 24f) führen dazu, dass die Ausführungen Bergers zwar stets unterhaltsam und meist erbaulich, aber auch wenig einprägsam sind - eine Feststellung, die sich mit Erfahrungen des Rezensenten aus Vorlesungen des streitbaren Neutestamentlers deckt.
Nichtsdestotrotz vorhandene Brüche sieht Berger zunächst im schmerzhaften Übergang zum Heidenchristentum, den der vierte Hauptabschnitt in seinen unterschiedlichen Phasen beleuchtet (103-128). Interessant ist die Unterscheidung zwischen "zentripetaler", an der (Orts-)Gemeinde orientierter und "zentrifugaler" Mission (120f). Für "Entfaltungen in Kontinuität", so das fünfte Kapitel (129-183), hat nach Berger nicht zuletzt Jesus selbst gesorgt, der sowohl die (jüdische) Taufe (129-137) als auch das (jüdische) Mahl (137-153) aufgegriffen und durch seine eigene Person modifiziert habe. Nur so habe es zu einer einzigartigen "Religion des Namens Jesu" kommen können (153-167) - und aus demselben Grund sei "[d]er Gottesdienst der Urkirche" (168-183) mitnichten "ein freundschaftlicher Essenstreff, ein Clubabend mit Parlando und wohl auch Gebeten, eher alltäglich vom Ambiente her, eine Art höherer Snack unter verständigen Menschen" und schon gar nicht ein "Vorläufer von Rotary" (168) gewesen.
Die meisten Seiten entfallen auf das sechste Kapitel (184-256), welches, so zumindest die Mutmaßung Bergers, "[v]iele geneigte Leserinnen und Leser [...] zuerst aufschlagen, um sich über den Stand der inneren Konfessionalisierung des Autors zu informieren" (184). Nach Berger wird die innere Verbundenheit der Größen "Reich Gottes" und "Kirche" vor allem in eschatologischen Passagen aus Johannesoffenbarung und Didache deutlich. Nicht nur die Entstehung der Kirche (184-188), auch das unter liberalen Protestanten nicht minder unbeliebte Amt mit seinem Gegenüber von Boten und Hörern des Gotteswortes sei von Beginn an Jesu Wille gewesen (188-192), aber eben nur "im Sinne der Teilhabe am Werk Jesu Christi" (191). Nach einem kurzen Blick auf "[d]ie Apostel und das Apostolat" (192-201) - Berger schließt sich hier der Forschungsmehrheit an, indem er deutlich zwischen dem Kreis der "Zwölf" und "den Aposteln" unterscheidet (192f) - geht der vielschichtige "Versuch eines Portraits" des Paulus (202-217) gegen die beliebte These vor, mit dem "13. Apostel" aus Tarsus "habe die Verfälschung der Lehre Jesu und der sukzessive Aufbau einer kirchlichen Institution begonnen" (202). Ein Unterabschnitt mit dem Titel "Der eine und das Gremium" (217-244) begründet Bergers These eines "elliptischen Schemas" (233), um dieses dann erst kirchengeschichtlich - Wie und warum entstand das monarchische Episkopat? (234f) -, dann gar kirchenpolitisch - die Ergebnisse der beiden brisanten Exkurse "Ist das Weihepriestertum schriftgemäß?" (236f) und "Kirchliche Ämter für Frauen?" (238-244) werden hier bewusst verschwiegen... - auszuwerten. Ein entscheidendes Instrument der Kirchenleitung (244-250) - die Gastfreundschaft - wird näher ausgeführt (250-256), bevor Berger die "Bootsgeschichten" aus den Evangelien zum Anlass nimmt, die Kirche als "Schifflein" zu charakterisieren (256).
Das siebte Kapitel (257-295) weitet den Horizont: Um zu eruieren, wie das Christentum 380 n.Chr. zur Staatskirche werden konnte, schlüpft Berger in die Rolle eines kirchengeschichtlichen Sherlock Holmes, der verschiedene markante Thesen darstellt und bewertet. Eindeutige Ablehnung erfährt dabei - erwartungsgemäß - nur die Feststellung, "[d]as Urchristentum" sei "der Durchbruch eines in der Luft liegenden aufgeklärten Monotheismus" (260f). Die Charakterisierung der Urchristen als "wahre Kommunisten" präzisiert Berger durch besondere Betonung des gemeinsamen Mahles (286-294). Darüber hinaus wartet er durchaus auch mit "einige[n] neuere[n] Theorien über die Gründe des welthistorisch einzigartigen Siegeszuges des Christentums in der Antike" (257) auf - z.B. wenn das Urchristentum als "idealer 'Verein'" (265-268) oder als "Religion der Sklaven" (274-286) dargestellt wird.
Ob das achte Kapitel (296-328) mit seiner "in sich geschlossenen Darstellung des Werdegangs einzelner Gemeinden" wirklich ein Thema bearbeitet "das in der Forschung erstaunlicherweise überhaupt noch nicht bearbeitet wurde" (296), sei dahingestellt. Der präzise neutestamentlich-kirchengeschichtliche Blick auf die Zentren Antiochia (296-302), Korinth (303-325) und Rom (325-328) öffnet einem aber in der Tat die Augen für die vielen zeitgleich stattfindenden Entwicklungen - und bringt den Leser (endlich) in den Genuss einer Bergerschen Meditation: "Liebe Korinther!" (315-318). Paulus attestiert seiner "zweite[n] Liebe (nach Thessalonike)" (315): "Doch nun gibt es Liebeskummer um euch. Ich reagiere jedenfalls so emotional wie bei Liebeskummer. Denn plötzlich sind Leute von einer anderen christlichen Missionsgesellschaft bei euch in Korinth aufgetaucht, Leute, die ganz anders sind als ich - wirklich ganz anders" (315f). Auch an düsteren Prophezeiungen fehlt es nicht: "[E]s wird eine Zeit geben, da wird man versuchen, mit 'Pastoralteams' in 'Pastoralverbünden', 'Seelsorgebereichen' oder 'Großpfarreien' kirchliches Leben zu organisieren [...] Mich, Paulus, würde man als verpönten 'Einzelkämpfer' und 'Amtsmonopolisten' bezeichnen [...] An die Stelle der personalen Verbindung zu einem eigenen Hirten und Seelsorger wird nun das rotierende Pastoralteam treten, zu dem der Kontakt allein durch die Bürostunden der jeweiligen Sekretariate geregelt wird. An die Stelle berufener Hirten werden bezahlte und in moderner Bürokratie geschulte Mietlinge treten" (317).
Wirkt das neunte Kapitel mit gerade mal zwölf Seiten (329-340) äußerlich wie ein verunglückter Exkurs, so findet sich doch gerade hier protestantischer Sprengstoff: Zwar sei das Christentum "keine Buchreligion" (329f). Dennoch sei eine (zunächst) mündliche Tradierung der Evangelientexte undenkbar (330f). Die eindeutige Klassifizierung der Briefe (330-335) als "Fremdeinmischungen von außen her oder Rundbriefe (Enzykliken)" (334) schließlich nötige zu einem neuen Bild des Urchristentums. Wenn Berger den Zusammenhang zwischen dem neutestamentlichen Kanon, den "Apostelfürsten" Petrus und Paulus und der Stadt Rom beleuchtet (335-340), so kommt er zwar zu der provokanten Feststellung: "Das Neue Testament ist ein Reader über die Geschichte des frühen Christentums aus römischer Sicht" (337) - die kunstgeschichtliche Darstellung der "Übergabe des Gesetzes" (später spricht Berger ohne Rücksicht auf Nichtlateiner von der "traditio legis", 338) sei eine Art "'Erinnerungsfoto' an den Akt der Kanonbildung" (ebd.) -, sieht sich aber sogleich gezwungen, festzuhalten, "wie wenig dieser Kanon tatsächlich über Rom und die dortigen Gemeindezustände berichtet" (337).
Das abschließende Kapitel über "Verfolger und Verfolgte" (341-363) bietet einen eher fragmentarischen Überblick über frühe Christenverfolgungen durch Judentum und römischen Staat (341-347). Detaillierter wird beschrieben, wie die Christen selbst gegen Gegner vorgingen (348-363). Als Teil der Gegnerschaft sieht Berger allen voran "Hausgemachte Gegner" (349). Positiv, dass in einem eigenen Abschnitt auf "Die entscheidende Frage: Wer ist Jesus?" (355f) hingewiesen wird. Diese habe auch die "Abgrenzung vom Judentum" (357-360) entscheidend bestimmt. Wenn Berger "Nachwirkungen des Heidentums in frühchristlichen Gegnern" (360-363) anspricht und dabei darauf hinweist, der Seher Johannes stelle die paulinischen "Tiefen Gottes" "frech dar als 'Tiefen Satans'", er beurteile "Erkenntnisse christlicher Visionäre einfach als negativ im dualistischen Sinne" (361), dann macht der Verfasser - leider - nochmal ein heikles Fass auf, auf dessen Inhalt er an dieser Stelle nicht mehr adäquat eingehen kann.
Leser, die ihre Lektüre grundsätzlich auf der letzten Seite beginnen, finden hier in nuce die persönliche Grundüberzeugung Bergers, die das Buch insgesamt zusammenhält und insbesondere modernen Protestanten zweifelsohne gut tun dürfte: "Unruhig ist es in der Kirche geblieben seit den 'Gründerjahren' in der Urkirche. Halten wir es mit Gregor von Nyssa, der von der Kirche sagte:
'Sie geht
von Anfängen zu Anfängen
durch Anfänge,
die niemals ein Ende haben.'" (363)
Wer mit Bergers Stil - und insbesondere seiner allgegenwärtigen Polemik - bisher nicht zurechtgekommen ist, dürfte auch an den "Urchristen" wenig Freude finden. Wer den Autor überhaupt erst kennenlernen will, sollte lieber zum anfangs erwähnten "Jesus"-Buch greifen. Doch wer den einsamen Wanderer zwischen den theologisch-konfessionellen Welten liebgewonnen hat, der wird die Lektüre Seite für Seite zelebrieren - und ganz nebenbei den persönlichen Zitatenfundus entscheidend erweitern.

Daniel Renz

Ichthys 47 (2008), 207-211
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am 4. Januar 2013
Wer waren denn die, die sich Christen nennen?
Ich hab darauf keine Antwort … kann mir auch nicht vorstellen, ob Herr Berger dabei war.
Dass er ein akribischer Wissenschaftler und ein umfassend gebildeter Theologe ist hat er für misch schon sehr oft bewiesen.
Bin gespannt auf das Buch, das ich bis dato noch nicht kannte und auch noch nicht gelesen habe …

Das von Ihm und seiner Frau erarbeitete Buch:
Das neue Testament und andere frühchristliche Schriften aus dem Jahre 1999
ISBN 3-458-16970-9
h
bitte als gebundenes kaufen …
ist einfach der Gipfel der neutestamentalischen Auseinandersetzung …

Neben diesem Part stehen allerdings die Bücher von Karlheinz Deschner,
die ich Ihnen auch ans Herz legen möchte

sehr gute Recherche und klare Sicht auf die klerikale Macht der Weltordnung …

Efka
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Wer interessiert sich dafür, wie die ersten Christen lebten, was sie antrieb und - vor allem -, was sie taten und aus welchem Antrieb eben?
Klaus Berger, emeritierter Professor für neutestamentliche Theologie (Heidelberg), ist jemand, der sich dafür interessiert. Und da er eben nun auch Zeit dafür hat, tut er es - so der Anschein - mit Verve.

Nach seinem Buch "Jesus" legt er jetzt die Fortsetzung dieser Geschichte den interessierten Leserinnen und Lesern vor und man begibt sich sofort in ein akademisches Seminar, wie es scheint.

Es wird wirklich genau und minuziös vorgegangen, indem die Texte der Bibel, wie auch der Apokryphen hinzugezogen werden. Und alles hat irgendwie Sinn und es fehlt sozusagen nicht der Zugang zu diesem Thema.
Obwohl, - und das sei hier angemerkt -, man den Eindruck beim Lesen nicht ablegen kann, dass sich hier jemand gar sehr für christliche Religion als solche interessiert, also im Inneren irgendwie auch fromm ist, ein Eiferer.
Das ist absolut kein abwertendes Urteil, muß aber bei der Lektüre bedacht werden zumal meines Erachtens nicht auf die Möglichkeit der Fälschungen im N.T. eingegangen wird und gewisse Einseitigkeit bestehen kann.

Wir haben es also nicht etwa mit einem Autor zu tun, der distanziert ist, oder anders ausgedrückt, der sich auch mal freimachen kann von inneren Bildern (was ist Religion denn anderes als das und Halt?). Vielmehr sprechen seine Texte im allgemeinen davon, wie man es gewohnt war (und wieder ist!), davon zu reden, wenn man z.B. in der Schulbank saß/sitzt oder in der Kirche.

Also aufgepasst, liebe Leser, gelegentlich innere Widerworte geben oder einfach sich innerlich zu Wort melden. Das heißt, auch sich informieren bei Kritikern wie Drewermann oder Deschner oder Baudler.

Dieses Buch entspricht in etwa dem Jesus- Buch von unserem jetzigen Papst, ist also in der Selbstsicherheit einer institutionellen und glaubensstarken Umhüllung (!) geschrieben, wie es mir scheint und ist demnach dem Mythos hold sowie der Mystik, was wiederum nicht negativ sein mus. Grundsätzlich hätte hier z.B. eine Möglichkeit bestanden, das Phänomen der sog. Eucharistie einmal differenziert zu erörtern, der Versuch allerdings wurde immerhin gewagt und sollte weitergeführt werden.

Bestimmt ist die Geschichte des frühen Christentums sehr interessant, doch man fragt sich halt immer wieder, wie konnte sich eine kleine, aber doch aggressive Schar derart durchsetzen. Immerhin hat es dann ja ca 300 Jahre gedauert, bis eine Staatsreligion daraus wurde (!). Das aber war der Durchbruch mit Bedeutung hin bis heute.

Dass sich das Urchristentum durchsetzen konnte, ist gewiss dem Paulus und der Nichtbeschneidungspflicht zuzuschreiben, der "pax romana" (und den aktiven und empfindsamen Frauen, wie z. B. einer Helena oder Monica, Mütter bekannter Gestalten wie Konstantin und Augustin). Dass sich beide Seiten, die jüdische und die judenchristliche (später nur noch christliche!) nicht schonten, ist wohl einsichtlich (da beide absoluten Anspruch haben wollen), muss aber keine Dauer als Folge haben, sollte man meinen.
Vielmehr ist es doch erstaunlich und fordert Respekt, dass die Einsicht
deutlich werden mag: am Anfang war das Judentum.
Das aber erfordert wiederum nicht unbedingt einen Kniefall vor einer Religion, die wohl mehr Halt (für Gläubige) als allgemeinverbindendes Gut ist für alle auf dieser Erde. Da gab es - und gibt es auch gewiss noch -andere Quellen (vor allem im nahen Orient) und die Relikte islamischer Frömmigkeit und deren herrlicher Kultur sind zu besichtigen, z.B. in Andalusien. So schließt sich der Kreis dieses Themas bis heute und bleibt immerhin interessant für weitere Forschung.
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