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Kundenrezensionen

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HALL OF FAMEam 12. Oktober 2002
"Schatten über dem Kongo" (rororo 61312 - "King Leopold's Ghost. A Story of Greed, Terror and Heroism in Colonial Africa.", 1998) ist ein Sachbuch, vom Qualitätsstandard her ein wissenschaftliches Buch, das sich jedoch wie ein ungemein spannender Roman liest. Der Autor Adam Hochschild lehrt an der Graduate School of Journalism der University of California in Berkeley und ist durch eine Aneinanderreihung von Zufällen immer tiefer in die Materie eines Völkersmords im dunklen Herzen Afrikas eingedrungen. Dabei arbeitete er sich durch eine - erstaunlicherweise immer noch vorhandene - riesige Menge an Materialien wie Erinnerungen von Forschern, Kapitänen und Militärs, Unterlagen aus Missionsstationen und Schilderungen von - meist reichen - Reisenden. Heraus kam ein Buch, das die Geschichte des Kongo dokumentiert. Einleitend wird die Zeit von der Entdeckung durch die Europäer bis zur Übetragung des Kongo an den belgischen König Leopold II als dessen Privateigentum 1885 dargestellt. Danach folgt als ein Schwerpunkt die dann eingeleitete hemmungslose Ausbeutung des Kongo und die damit verbundenen Gräueltaten, die Millionen Eingeborenen das Leben kosteten. Das Geschilderte rechtfertigt den Buchuntertitel "Die Geschichte eines fast vergessenen Menschheitsverbrechens". Romanhaft ist übrigens dieses Bild der Auswirkungen der Herrschaft Leopolds II von Joseph Conrad in seinem Buch "Herz der Finsternis" geschildert worden. Der zweite Schwerpunkt ist Edmund Morel gewidmet, einem kaufmännischen Angestellten einer Liverpooler Schifffahrtslinie, der erkennt, daß der Kongo mit Terror beherrscht und wirtschaftlich ausgebeutet wird. Als Reaktion darauf wird er der Begründer der ersten großen internationalen Menschensrechtsbewegung. Adam Hochschild zeigt eindrucksvoll das Engagement, wie ein einzelner Mensch es geschafft hat, über viele Jahre ein Thema am köcheln zu halten, es auf die Titelseiten der Zeitungen und in Zeitschriften zu bringen, Protestaktionen zu organisieren sowie es den Mächtigen der Welt nahezubringen - und zwar erfolgreich. 1908 mußte Leopold II den Kongo als ein Privateigentum aufgeben - der Kongo wurde belgische Kolonie. Die Verbrechen an der einheimischen Bevölkerung gingen zurück, die Ausbeutung des Landes ging weiter. Bis heute. Diesem Thema - der Fortsetzung der tragischen Geschichte des Kongo bis in unsere Tage - widmet sich der letzte Abschnitt des Buches: Widerstand gegen die belgische Kolonialherrschaft, Unabhängigkeit, Ermordung des ersten Ministerpräsidenten Patrice Lumumba, Gewaltherrschaft Mobutus. Damit endet Hochschilds Buch. Was folgt ist auch nicht gerade eine Verbesserung der Situation: Sturz des Regimes durch Kabila mit Hilfe von Ruanda, Fortsetzung der Gewaltherrschaft durch Kabila, Ermordung Kabilas, Kabilas Sohn übernimmt die Macht. Ob sich dadurch etwas geändert hat und ob sich dadurch etwas ändern wird, wird sich erst zeigen. Adam Hochschilds Buch "Schatten über dem Kongo" ist es jedenfalls Wert gelesen zu werden.
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am 14. Februar 2006
Dieses Buch öffnet einem wirklich die Augen! Die umfassenden Schilderungen der Gräuel, die Leopolds Schergen im Kongo angerichtet haben, illustrieren eindrucksvoll, wie rassistisch geprägt und unvollständig unser Geschichtsbild ist.
Der Autor zieht immer wieder Parallelen zu den Verbrechen des Holocaust und wahlscheinlich ist das für uns auch die einzige Möglichkeit die menschliche Dimension dieser Verbrechen überhaupt begreifen zu können. Die Untaten der Belgier werden auch in Bezug zur Gegenwart gestellt. Wer heute durch Brüssel reist wird nicht selten mit dem Namen Leopold konfrontiert. Aber nirgends gibt es Hinweise auf die unfassbaren Grausamkeiten, die auf seinen Befehl und in seinem Namen im Kongo verübt wurden.
Wenn man dem Autor einen Vorwurf machen kann, dann ist es jener, dass er doch recht deutlich zwischen dem belgischen und französichen Kolonialregime ("die Bösen") auf der einen Seite und dem englischen ("die Guten") auf der anderen Seite unterscheidet und damit den gleiche Fehler, wie sein Protagonist, Morel, begeht. Daher nur 4 Sterne.
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am 21. September 2009
Schon allein der Kommentar der Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer zu diesem Buch zeigt, dass es sich um hochkarätige Literatur handelt. Mich haben die Schilderungen der Inbesitznahme in sein Privatvermögen bzw. die Kolonialisierung des Kongos durch König Leopold II. von Belgien dermaßen ergriffen, dass ich diese Beschreibungen nie mehr vergessen werde. Zwangsarbeit, Geiselnahme, Versklavung, Vergewaltigung, Misshandlung und Mord - Begriffe, mit denen wir zunächst nicht die Europäer in Verbindung bringen wollen. Ein Beispiel: In die Zeit der Kolonialisierung fiel die Erfindung des Gummireifens. Auch dies war ein Grund dafür, diese Menschen für die Kautschukgewinnung in die Hölle zu jagen. Nur durch einige Idealisten, die weltweit agierten, konnte durch jahrelangen, hartnäckigen Kampf die unglaubliche Brutalität des Königs Leopold und seiner Getreuen aufgedeckt und wenigstens so nach und nach eingeschränkt werden.

Wenn ich mir derzeit im Fernsehen (nach nunmehr 70 Jahren) den Überfall Nazideutschlands auf Polen anschaue, muss ich zu dem Schluss kommen, dass zu jeder Zeit und überall auf der Welt die Gier nach Geld und Macht eine menschenverachtende, nicht zu bremsende Triebfeder ist. Diese Erkenntnisse machen mich sehr traurig, trotzdem ist es wichtig, sie im Bewusstsein zu behalten: Diese Geschichte eines der großen, fast vergessenen Menscheitsverbrechen trägt dazu bei.
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am 1. Juni 2007
Der amerikanische Reporter A. Hochschild beschreibt ausführlich die Ausbeutung und die Greuel, die - geschätzt - etwa 10 Millionen Menschenleben kosteten.

Er berichtet auch von der Vorgeschichte, von der "Entdeckung" des Kongos durch M. Stanley, von Leopolds diplomatischen Manövern - und von einer weitgehend in Vergessen geratenen Menschenrechtsbewegung um Edmund Morel, die um die Jahrhundertwende den Kongo in die Weltpresse brachte und der so honorige Persönlichkeiten wie Mark Twain angehörten.

Indem immer neue Fotos und Dokumente an die Presse kamen, wurde Leopolds menschelnde Rhetorik als der dünne Schleier vor seiner rücksichtslosen Gier enttarnt, die Öffentlichkeit gewonnen und der Kongo letztlich der Herrschaft des belgischen Königs entrissen.

1908 wurde der Kongo belgische Kolonie, die Verwaltung der Parlamentsaufsicht unterstellt, die Zwangsrekrutierungen sukzessive beendet und, zwei Weltkriege später, wurde der Kongo selbständig. Leider kommt es zu keinem Happy Ending - eine langjährige Diktatur (oder genauer "Kleptokratie") und ein langer Krieg seit Mitte der 1990er machten den Kongo auch später zu keinem paradiesischen Staat.

Adam Hochschild erzählt die Geschichte des Kongostaates, indem er die Geschichte einiger Menschen erzählt, die mit ihm zu tun hatten. Hauptsächlich erfährt man von den Europäern und Amerikanern, die über das Land schrieben oder berichteten, nur selten kommen Kongolesen zu Wort. Das spiegelt eine sehr einseitige Quellenlage wider: Außer ein paar mündlichen Überlieferungen, Zitaten in den Schriften der Ausländer und Protokollen gibt es kaum Stimmen der Afrikaner.

Hochschild hat eine Riesenmenge an Literatur zum Kongo aufgelistet und vermutlich auch gelesen, und das macht sein Buch zur ersten Wahl für jeden, den die Geschichte dieser Region der Welt nicht völlig kaltläßt.

Er schreibt auch gut lesbar - nur verrennt er sich des öfteren im Kleinklein des Klatsches und macht effekthascherische Schnörkel. Dazu kommt, daß er dem Leser seine Wertungen und Vergleiche geradezu aufnötigt, anstatt ihm ein eigenes Urteil zu erlauben. Dieser Mangel an Sachlichkeit nimmt dem Buch einiges an Schärfe - macht es aber vermutlich für den Durchschnittsleser verdaulicher. Einige Fotos im Mittelteil machen Hochschilds Schilderungen noch anschaulicher.

"Schatten über dem Kongo" ist kein wirklich hervorragendes Sachbuch: Zu subjektiv ist es geschrieben, zu sehr verliert es sich in Nebensächlichkeiten. Trotzdem: Zum Thema "Afrikanische Geschichte" ist es eines der besten.

Man versteht nach Hochschilds Buch mehr von Afrika - und nicht nur von Afrika, sondern auch davon, wie Europa von "außen" aussieht. Schon deshalb lohnt sich die Lektüre.
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am 4. Januar 2002
Das Buch erzählt - eingebettet in die Biographien der Hauptpersonen - die Geschichte der Inbesitznahme und Ausbeutung des Kongo durch die vom belgischen König Leopold II. kontrollierten Handelsgesellschaften am Ende des 19. Jahrhunderts. Adam Hochschild berichtet ausführlich und anschaulich von den grausamen Verbrechen der Kolonialherren an der afrikanischen Bevölkerung und den politischen Seilschaften, mit deren Hilfe Leopold II. sich seine Herrschaft über den Kongo erwarb und sicherte. Er schildert die Entwicklung einer der bedeutendsten internationalen Menschenrechtsbewegungen vor dem 1. Weltkrieg und verweist dabei auch immer wieder auf deren Schattenseite, nämlich ihre weitestgehend imperialistische Mentalität, die die Überlegenheit der europäischen Zivilisation gegenüber den afrikanischen „Wilden" nicht in Frage stellen will. Nebenbei zeigt das Buch auch beispielhaft bestimmte Aspekte des Zusammenspielens zwischen kapitalistischer Expansion, technischem Fortschritt und dem Imperialismus auf. Es thematisiert die Verbrechen einer Epoche, die Europa, geblendet von den Zeitenwenden des 1. Weltkrieges und des Holocaust gerne vergisst.
Aber es hat auch seine unverkennbaren Schwächen: Oftmals ist es weitschweifig und orientiert sich zu sehr an biographischen Details. Hochschild neigt dazu, die Protagonisten der beiden Parteien zu idealisieren.
Der historische Kontext wird oft nur oberflächlich besprochen und die konkreten Machtstrukturen, die im Kongo wirkten werden nur schemenhaft dargestellt. Das Buch ist kein geschichtswissenschaftliches Werk, was nicht weiter schlimm wäre, wenn Hochschild die eine oder andere Schlussfolgerung für sich behalten hätte. Leider hat der Autor auch nicht auf einen - offenbar zu naheliegenden - Vergleich mit dem Stalinismus und dem Holocaust verzichten können. Hierdurch wird der besondere Charakter der strukturellen Gewalt, die im Kongo und in vielen anderen Kolonien ausgeübt wurde in einen falschen Zusammenhang gestellt. Dennoch ist das Buch lesenswert, es enthält einige intelligent geschriebene Anmerkungen und leitet den Leser zu einer Reihe von Fragen, die weiterführendes Interesse fördern.
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am 30. September 2000
Erschütternd, wie sich Macht und Reichtum "ermordet" wird. Erschreckend, wie spät Dokumente eingesehen werden können, die in belgischen Archiven lagern. Die unmenschliche Geschichte reicht bis in unsere Zeit, das Museum in Brüssel brüstet sich auch heute noch mit "seinen" Reichtümern. Gut sind die Seitenhiebe des Autors, Adam Hochschild, auf die Politik späterer und heutiger Herrscher, die es auch noch in unseren Kreisen gibt. Wir sind die Unzivilisierten, doch verdrängen wir es gern.
Ein tief beeindruckendes Buch, nach dessen Lektüre man Streitigkeiten im "wilden" Afrika besser versteht.
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am 3. Dezember 2007
Adam Hochschild ist hier die Quadratur des Kreises gelungen: ein Sachbuch zu schreiben, dass formal wissenschaftlichen Standards genügt (Quellen sind belegt, ausführlicher Literatur- und Fußnotenapparat, Erschließung neuer Archivmaterialien, erste (wenn auch) populärwissenschaftliche, systematische Aufarbeitung des Themas), und das sich dabei so spannend liest wie ein Krimi.

Das gelingt ihm durch einen seriösen Stil, die Offenlegung von Fakten, die man sonst gerne verschämt vergisst (ohne dabei sensationslüstern zu sein), vor allem aber durch die Personalisierung von Geschichte: Hochschild macht die belgische Kolonisierung des Kongos und schließlich die Abtretung der Kolonie an jeweils einer Person fest: König Leopold II und Edmund Morel.

Hier liegt vielleicht auch der Schwachpunkt des Buches: Der Sozialisation und psychischen Verfassung insbesondere Leopolds wird sehr viel Platz eingeräumt, ohne dass dies wirklich seine Kolonisierungsstrategie im Kongo erklären könnte, auch wird die Geschichte vielleicht an einigen Stellen zu sehr auf eine persönliche Fehde zwischen zwei großen Antagonisten reduziert. Vielleicht wird damit die Rolle von Einzelpersonen in dieser Geschichte überbewertet? Das ist jedoch nur ein Gefühl.

Dennoch habe ich viel gelernt aus diesem Buch, eine spannende Zeit damit gehabt und freue mich, bei Gelegenheit Hochschilds neues Buch "Sprengt die Ketten" zu lesen.
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am 13. August 2007
Jeder kennt Hitler, Stalin, Mao-Tse-tung, viele erinnern Ante Pavelic, Pol Pot und Charles Taylor - aber wer kennt Leopold II.? Wer spricht von einem Völkermord, dessen Urheber in Belgien noch heute vielerorts als einer der größten Könige der kurzen Geschichte dieses kleinen, sonst in vielfacher Hinsicht so liebenswürdigen Staates gilt? Adam Hochschild tut es.

Dieses Buch erzählt die traurige Geschichte der Unterwerfung und Plünderung des Kongo unter Leopold II., der, angezogen vom schier unerschöpflichen Reichtum des Landes an Kautschuk, Elfenbein und exotischen Hölzern, das vielleicht schlimmste System von Terror und Zwangsarbeit etablierte, unter dem eine afrikanische Kolonie je zu leiden hatte.

Manchen Quellen zufolge sollen 10 Millionen Menschen unter der Herrschaft Leopolds II. umgekommen sein - zweifellos eines der grausamsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Aber Adam Hochschilds Bericht macht hier nicht halt, sondern widmet sich auch den Vorkämpfern der ersten großen Menschenrechtsbewegung des 20. Jahrhunderts - wie Edmund Dene Morel und Roger Casement.

Ein Drama von bisher ungekannten Dimensionen mit den extremsten Protagonisten auf beiden Seiten des Geschehens, eine aufwühlende Reise durch die belgische und koloniale Geschichte, gut recherchiert und ausgezeichnet geschrieben von einem der prominentesten amerikanischen Menschenrechtler.
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am 10. August 2004
Fast unbekannt, fast totgeschwiegen - die Greueltaten Belgiens am kongolesischen Volk. Dieses Buch fasziniert und erschuettert, es bringt ein anderes Licht in die europaeische Kolonialgeschichte. Eines der groessten Menschheitsverbrechen wird hier aufgeklaert und eigentlich interessiert sich die Welt kein bisschen dafuer - schokierend!
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am 1. Januar 2003
Adam Hochschilds Buch „Schatten über dem Kongo" ist ein gutes Werk über eines der großen Menschheitsverbrechen, das über Jahrzehnte vergessen gemacht wurde. Hochschild schildert die in der ehemaligen belgischen Kolonie begangenen Verbrechen, die „Todesraten von der Größenordnung eines Holocaust" aufzuweisen hatten. So kostete die belgische Herrschaft etwa 10 Millionen Kongolesen das Leben. Hochschild berichtet über Zwangsrekrutierungen, die Zwangsarbeit, Vergewaltigungen, Sadismus der „Kolonialherren", Hunger, Folter und Repression, eine frühe Form der „Politik der verbrannten Erde", das Zu-Tode-Arbeiten als Träger, die ideologische Begründung der europäischen „Zivilisation" und vieles mehr. Dabei weist er auch darauf hin, daß nicht nur Belgien derart verfahren ist, sondern alle damaligen Kolonialmächte. Neben weißen Tätern, meist Kolonialbeamten und Angehörigen von Konzessionsgesellschaften, hat er auch eher seltene Stimmen der schwarzen Opfer zusammengetragen. Die Verbrechen des Kongo zeigen, daß die westliche „Zivilisation", deren Wohlstand zu einem gewissen Teil dem Blutzoll der schwarzen Sklaven zu verdanken ist, stets über Leichen gegangen ist und daß die Nazis auch getreue Schüler des belgischen Beispiels waren.
Wenn der Autor z.B. schreibt, daß in den Südstaaten der USA die „Arbeitskraft der Körper der Schwarzen mittels Baumwollplantagen in Tuch umgewandelt" wurde, so trifft dies nicht nur auf die Sklaverei zu, sondern auch auf die Lohnsklaverei und die Arbeitssklaven der KZs. Denn wie der italienische Linkskommunist Amadeo Bordiga einmal richtig schrieb: „Man zeigt die Lampenschirme aus Menschenhaut, damit vergessen wird, daß der Kapitalismus aus dem lebendigen Menschen, seiner Arbeitskraft, einen Lampenschirm macht. Vor den Bergen von Haaren, Goldzähnen, vor dem zur Ware gewordenen Körper des toten Menschen soll man vergessen, daß der Kapitalismus das Leben der Menschen selbst, die Arbeit, zur Ware gemacht hat. Hier ist die Quelle allen Unglücks." Alles in allem - trotz einiger Mängel - ein lesenswertes Buch, das einen weißen Fleck aus der Geschichte des Kapitalismus beseitigt.
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