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am 18. April 2010
Die Religion ist das größte Übel unserer Zeit. Alle totalitären Diktaturen und politischen Massenverbrechen sowie zahlreiche Kriege des 20. Jahrhunderts gehen auf ihr Konto. Wollen wir verhindern, dass die Zukunft so verläuft wie die jüngere Vergangenheit, müssen wir ihren Einfluss auf die Politik restlos beseitigen. Die Religion, die John Gray, der Vertreter dieser Thesen meint, ist weder das Christentum noch der Islam, sondern die Aufklärung.

Die religiöse Komponente des aufklärerischen Denkens glaubt Gray in der Verbindung von Fortschrittsgläubigkeit und utopischem Denken finden zu können. Ausgehend von der Überzeugung, sämtliche gesellschaftlichen Missstände seien die Folge von Vorurteilen oder Unwissenheit, habe sich im Europa des 18. Jahrhunderts die Hoffnung verbreitet, durch politische Reformen einen radikalen historischen Wandel herbeiführen zu können. Die Errichtung einer auf vernünftigen Prinzipien beruhenden Gemeinschaft werde, so meinte man, den Weg zu dauerhafter Harmonie im menschlichen Zusammenleben eröffnen.

Nach Grays Einschätzung muss diese Hoffnung als moderne Abwandlung einer jahrtausendealten religiösen Idee betrachtet werden. Der persische Prophet Zarathustra habe die Geschichte erstmals als zielgerichteten Prozess gedeutet, der nach einem langen Kampf des Guten gegen das Böse mit dem endgültigen Sieg des Guten seinen Abschluss finden werde. Über die Juden sei dieser Gedanke an das Christentum weitergegeben worden, das ihn seinerseits der Aufklärung vermittelte, deren zentrale Prinzipien nichts weiter als säkularisierte christliche Vorstellungen seien: Aus der göttlichen Vorsehung wurde der Fortschrittsglaube, aus dem Reich Gottes die ideale Gesellschaft der Zukunft.

Allerdings sei es dabei zu einer entscheidenden Modifikation gekommen. Habe aus christlicher Sicht die Endzeit allein von Gott eingeleitet werden können, sei diese Aufgabe im aufklärerischen Weltbild dem Menschen zugefallen. Angesichts der Tragweite der erhofften Veränderungen sei die Versuchung übermächtig geworden, dafür den Einsatz aller Mittel für gerechtfertigt zu halten.

Die Französische Revolution habe erstmals gezeigt, was dies in der Realität bedeute. Im Terror der Jahre 1792 - 94 sieht Gray das Urbild aller modernen Versuche durch Gewalt eine neue Gesellschaft hervorzubringen. Dem Beispiel der Jakobiner seien in der Folgezeit Kommunisten, Nationalsozialisten, islamische Fundamentalisten, Neoliberale und Neokonservative gefolgt.

Zwar stellten diese Bewegungen Konglomerate unterschiedlicher Einflüsse dar, doch lasse sich zeigen, dass die aufklärerische Komponente für die von ihnen verübte Gewalt in jedem Fall maßgeblich war.

So ginge man fehl, wollte man die totalitäre Entwicklung des Kommunismus auf die ungünstigen politischen Voraussetzungen Russlands zurückführen. Das Sowjetregime habe westlichen Einflüssen viel mehr zu verdanken gehabt als der eigenen Vergangenheit. "Russlands Unglück bestand ... nicht darin, von der Aufklärung ... 'übergangen' ..., sondern der Aufklärung in einer ihrer bösartigsten Erscheinungen preisgegeben worden zu sein" (S. 74).

Der Nationalsozialismus bestätige das Bild. Ohne die darwinistische Idee des "Kampfes ums Dasein" wäre Hitler kaum auf die Idee verfallen, dem deutschen Volk neuen "Lebensraum" erobern zu müssen, und ohne den modernen Rassenbegriff würde er nicht den Plan zu einem antisemitischen Völkermord gefasst haben. Vorurteile gegen Fremde habe es schon seit Urzeiten gegeben, doch der Rassismus sei eine Schöpfung der Aufklärung. "Immanuel Kant - nach Voltaire die bedeutendste Gestalt der Aufklärung ... - ebnete ... mehr als jeder andere Denker den Weg, den Rassenbegriff gedanklich zu legitimieren. Kant gehörte zur ersten Garde der neu entstehenden Wissenschaft der Anthropologie und postulierte angeborene Unterschiede zwischen den Rassen: Weiße verfügten über sämtliche Eigenschaften, die für das Fortschreiten zur Vollkommenheit notwendig seien, wohingegen Afrikaner für die Sklaverei prädisponiert seien. In seinen 'Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen' (1764) heißt es: 'Die Negers (sic!) haben von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege.' Asiaten seien zwar zivilisiert, verharrten aber auf der Stelle" (S. 98).

Sogar der islamische Fundamentalismus verdanke seinen revolutionären Elan westlichen Einflüssen. "Wenn islamistische Bewegungen Gewaltakte als ein Mittel sehen, eine neue Welt zu schaffen, knüpfen sie damit nicht an eine mittelalterliche Vergangenheit, sondern an die westliche Moderne an" (S. 111).

Aus Grays Sicht erfordern diese Zusammenhänge eine umfassende Neubewertung der Moderne. Es gehe nicht länger an, ihr Selbstbild unkritisch hinzunehmen und allein Menschenrechte, Liberalismus und Demokratie als "modern" zu betrachten, während sämtliche negativen Erscheinungen der letzten Jahrhunderte als "Rückfall in die Barbarei" verbucht würden. "Wenn es ein Bestimmungsmerkmal gibt, das den Westen definiert, dann ist dies das Streben nach Erlösung innerhalb der Geschichte. Die westliche Kultur unterscheidet sich von allen anderen durch ... den Glauben ... Gewalt könne die Welt retten" (S. 116). In den totalitären Verbrechen des 20. Jahrhunderts sei diese Haltung unverfälscht zum Ausdruck gekommen.

Wolle man verhindern, dass sich die Blutspur des utopischen Denkens im 21. Jahrhundert fortsetze, müsse man das Weltbild der Aufklärung grundlegend korrigieren. Gray zufolge kann nur ein neuer Realismus in Fragen der Politik, der Vernunft und der Natur des Menschen den Boden für eine friedlichere Zukunft bereiten.

Im Hinblick auf die internationalen Beziehungen müssten sämtliche Hoffnungen auf Fortschritt begraben werden. Industriegesellschaften seien ebenso konfliktreich wie agrarische, die Demokratie könne nur unter besonderen Umständen funktionieren und Krieg werde immer ein Mittel im Interessenkampf der Staaten bleiben.

Hinsichtlich der Vernunft bedeute Realismus die Einnahme einer pluralistischen Betrachtungsweise. Da die grundlegenden moralischen Werte verschieden deutbar und meist nicht völlig in Einklang zu bringen seien, würden selbst vernünftige Personen immer wieder in Konflikte miteinander geraten.

Was den Menschen anbelangt, so hätten Realisten schon immer gewusst, dass er nur begrenzt erziehbar sei und gefährliche Neigungen sowie widersprüchliche und teilweise unerfüllbare Bedürfnisse habe.

Eine von diesen Einsichten geleitete Politik könne nicht mehr sein als die Kunst, "in angemessener Weise auf den Fluss der Ereignisse zu reagieren. Dazu ist keine hochfliegende Fortschrittsvision nötig, sondern nur der Mut, unausrottbaren Übeln ins Auge zu sehen" (S. 326). Der realistische Staatsmann werde akzeptieren, dass es unlösbare Probleme gebe und er in manchen Situationen lediglich die Wahl zwischen zwei Übeln habe.

Wem das zu nüchtern sei, der solle, so empfiehlt Gray, seine Zuflucht im Glauben suchen. Das Christentum oder der Buddhismus stellten harmlosere Wege der Sinnstiftung dar, als die politische Religion der Aufklärung.

Obwohl nicht alle Ideen seines Buches originell sind, ist John Gray etwas Ähnliches gelungen wie dem Soziologen Zygmunt Bauman. Er hat eine neue und überraschende Perspektive auf die Moderne eröffnet. Vielleicht liegt darin eine Vorahnung des Urteils, das künftige Historiker über unsere Zeit fällen werden.
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am 27. Mai 2010
ist dieses Buch von John Gray. Es beleuchtet die Hintergründe schwer durchschaubarer politischer Entwicklungen, die Motive der politischen "Menschheitsbeglücker", bei denen es immer um Existentielles geht, weshalb sie für ihr Handeln angeblich keine Alternativen haben. Und weshalb sie auch auf die Kosten ihrer politischen Projekte keine Rücksicht nehmen wollten.

Das Buch bringt völlig neue Einsichten, kommt kein bisschen missionarisch daher und ragt aus dem Mainstream-Einheitsbrei meilenweit heraus.
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am 21. September 2009
"Politik der Apokalypse" ist ein interessantes Sachbuch über den teils fatalen Zusammenhang von Religion und Politik.
Der Autor John Gray ist Professor in London und machte sich vor allem durch BBC Reportagen einen Namen.
Das Buch ist aufgeteilt in 6 Kapitel und mehreren Unterkapiteln. Hierbei wird auf eine gut lesbare, verständliche Art und Weise dem Leser näher gebracht, inwiefern Religion bzw. die Suche nach Perfektion oder Erlösung den Menschen in den Krieg treibt. Der Autor beschränkt sich dabei nicht nur auf ein Land bzw ein Volk. Der Leser erfährt somit viel über die Ursprungsideen der Nazis bis hin zu aktuellen politischen Themen wie der Bush-Regierung.
Uneingeschränkt empfehlenswert für alle Menschen, die sich für Politik interessieren, gerne mal "hinter die Kulissen" schauen und Wissenswertes über die Entwicklung der Geschichte lesen möchten. Da auch die Geschichte Deutschlands nicht zu knapp erwähnt wird, lohnt sich dieses Sachbuch definitiv.
Da ich als Ethnologie-Studentin mit der Thematik schon etwas vertraut war, liess sich das Buch sehr gut lesen. Wer aber ein "Neuling" auf diesem Gebiet ist, könnte seine Schwierigkeiten vor allem bei den Fachbegriffen haben.
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am 19. August 2015
hab das buch als geschenk bestellt und genutzt.
kam richtig gut an und war schon bald darauf durchgelesen.
das thema ist ja zur zeit aktueller den je.
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am 25. Januar 2014
das buch bestätigt mir aufs schönste, was ich in jahrzehntelanger abarbeitung am
katholizismus (in den ich hineingetauft wurde) begriffen habe... der absolutheitsanspruch
eben nicht nur des islam, sondern auch des vatikans oder des angelsächsischen puritanismus
zieht eine blutspur durch die jahrhunderte... natürlich benutzen sich religion & politik gegen-seiitig,
zum jeweiligen machterhalt & wohl, schon seit byzanz; aber die innige verflechtung von
US-finanzen, den (auch militärisch-inustriellen,vor allem!) konzernen (vor denen Eisenhower
in seiner abschiedsrede so eindrucksvoll wie vergeblich gewarnt hatte) & der atomaren
vernichtungsfähigkeit, inzwischen so vieler staaten, kann einen ernsthaft zweifeln lassen,
ob die menschheit das 22.jahrhundert überhaupt noch erreichen wird - oder will...
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am 27. Februar 2012
gray beschreibt in überzeugender weise die interessengeleiteten zusammenhänge zwischen "religion" und machtpolitik.
dadurch wird deutlich, daß idiologische verängungen zu totalitären ansprüchen führen, die gewaltorientiert zu herrschaftsanspr4üchen mutieren.
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