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Kundenrezensionen

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am 5. Januar 2013
Dieses Buch ist eine echte Entdeckung. Es ist in einem lockeren, doch immer
niveauvollen Plauderton gehalten. Der Autor muss in die erotische Liebe
verliebt gewesen sein, um so formulieren zu können. Eine Lektüre für
hoffnungslose Romantiker. Poetisch und berauschend wird hier die erotische
Liebe gepriesen.

Kurz zusammengefasst:
Die schöne Frau eines langweiligen Beamten wird von dessen Chef verführt.
Das Leben der Drei, samt Dilemma und Tragik, werden präzis beschrieben.

Ein Mann verführt auf eine berechnende Weise eine Frau, meint, nur so könne
es mit Frauen funktionieren. Die Frau, ahnungsloses Opfer, verliebt sich
schliesslich unsterblich. Die Liebe wird gelebt, doch das Luftschloss fällt
schliesslich in sich zusammen. Alle Phasen des Verliebtseins, bis zum
gnadenlosen Entlieben, werden detailliert beschrieben.

Das Frauenbild ist leider altmodisch und konventionell. Ariane, die Schöne,
ist nicht dumm, verschwendet aber viel zu viel Zeit mit Äußerlichkeiten. Sie
versucht bisweilen auch unberechenbar zu erscheinen, wirkt dabei aber
hilflos. Sie versucht die Liebe zu zelebrieren und künstlich am Leben zu
erhalten und scheitert dabei.
Der Verführer (Solal) ist gerissen, schlau, auf unangestrengte Art attraktiv
und hält die Fäden immer in der Hand. Trotz diesen anfänglich, unangenehmen
Eigenschaften ist diese Figur im Roman jene, die mir am meisten ans Herz
gewachsen ist. Sehr bewusst seziert er die Geschehnisse in dieser Liebe,
beobachtet das Spiel zwischen unbewussten und bewussten Wünschen. Das ist
wirklich faszinierend - nirgends bisher habe so etwas gelesen!

Achtung, liebe Leserin und lieber Leser: Arianes und Sols Gedankengänge
werden in 15-seitigen Sätzen, ohne Punkt und Komma (im Sinne des Wortes!)
beschrieben. Das ist teilweise etwas anstrengend und stellenweise poetische
Prosa über die Liebe vom Allerfeinsten.

Spannend und haarsträubend auch zu lesen wie die sich allmählich aufbauende
nazionalsozialistische Stimmung vor dem 2. Weltkrieg beschrieben wird.

Trotzt den paar Schwächen gebe ich 5 Sterne. Es war ein Genuss sich in
diesen 900 Seiten zu verlieren.
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am 22. Juni 2014
Und trotzdem muss man diesen Roman der großen, tragischen Liebesgeschichte zwischen Solal und Ariane im Europa der 30iger Jahre des letzten Jahrhunderts unbedingt lesen. Was für ein Roman, ich weiß eigentlich gar nicht, wieso ich dieses Buch gekauft habe, wahrscheinlich, weil Elke Heidenreich bekannte, dass „Die Schöne des Herren“ das schönste Buch wäre, das sie in ihrem Leben gelesen hätte. Und tatsächlich, wenn man anfängt zu lesen, schlägt dieses Buch einen derart in seinen Bann, dass man – sanft gezwungen – gar nicht mehr aufhören kann zu lesen. Man will erfahren, wie Ariane Deume und Solal, der gut aussehende, höhere Beamte des Völkerbunds in Genf eine Liaison beginnen und sich unsterblich in einander verlieben und wie Ariane die Schöne ihres Herren wird. Albert Cohen beschreibt das meisterhaft. Man erlebt das Verliebtsein, alle Gedanken, und immer die ganzen Vorbereitungen für das nächste Rendezvous der Liebenden. Mittendrin begegnet man ausführlich Adrien Deume - Arianes Ehemann - und der gesamten Familie, Mami und Papi Deume, da „Didi“ – nach seiner Heirat mit Ariane noch bei seinen Eltern wohnt.
Didi ist ein kleiner, subalterner Beamter auf C-Niveau beim Völkerbund. Ein „Blender“, selbstverliebt, nach Beachtung und Beförderung gierend malt er sich in Tagträumen ausführlich große Auftritte bei den höheren Vorgesetzten aus, die dann - ob seiner brillanten Erscheinung - auf ihn aufmerksam werden würden. Albert Cohen läuft schon hier zu wahrer Meisterschaft auf, wenn wir die von Didi Deume angestellte Analyse der Beamtenwelt des Völkerbundes und seine irrationalen Beförderungsphantasien lesen, und verfolgen, wie Deume immer neue Ausreden für sich selbst erfindet, warum er die ihm übertragenen Aufgaben gerade heute nicht zu Ende führen kann: zu wenig Zeit, zu viele Termine und Vorbereitungen für private Vergnügungen.

Allein deshalb muss man diesen Roman schon gelesen haben. Dann treten noch die Verwandten des göttlichen Solals auf, eine ganzen Abteilung von Sancho Panzas, die über Genf und die heile Welt des Genfer Völkerbunds hereinfallen. Die Welt ist natürlich nicht so heil, wie sie sich in Genf darstellt, da Mitte der 30iger Jahre Hitler schon aktiv ist und an allen Orten, an denen der Roman spielt, ein virulenter Antisemitismus zu spüren ist.

Natürlich nimmt ein Großteil des Romans die Liebesgeschichte von Solal und Ariane ein, die - wie Albert Cohen selbst sagte - zwei Gefangene der Liebe sind, die nicht voneinander loskommen können. Ich werde über den Inhalt des Romans nichts weiter schreiben, weil das Lesevergnügen noch besser wird, wenn man nicht so viel im Vorfeld über die Geschehnisse weiß. Wollte man versuchen, den Roman als solches mit anderen großen Werken der Weltliteratur zu vergleichen, findet man u.a. Elemente aus „Romeo und Julia“, „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, „Anna Karenina“ und „Don Quijote“ und im Ernst, wann hat man so etwas schon mal gelesen, Shakespeare, Proust, Tolstoy und de Cervantes in einem Buch. Und sogar Hollywood und Hitchcock kommen zu Ehren: an einer Stelle hat eine Person mit Namen Albert Cohen einen kurzen Auftritt. Dadurch wird glaube ich deutlich, was für ein Meisterwerk hier vorliegt.
Am Ende noch etwas zur Buchausgabe von Klett Cotta. Natürlich ist es wunderbar, dass der Verlag das Buch vorlegt, aber hätte dieses Wunderwerk nicht eine etwas liebevollere Ausstattung verdient, wie da wären: Schuber für 2 leinengebundene Bände (bei immerhin insgesamt 890 Seiten), Lesebändchen, Anmerkungen, Zeittafel, Nachwort, Biographie.

Das wäre eine für das Meisterwerk angemessene Ausgabe und nicht die broschierte Taschenbuchausgabe mit schlechter Papierqualität. Vielleich gelingt das ja besser bei den anderen Bänden der Solal-Reihe.
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am 31. Juli 2013
Die Liebe fällt uns an wie ein Fieber. Und so plötzlich verläßt sie uns auch wieder. Unausweichlich und unweigerlich. Vielleicht kann man sich in eine Freundschaft retten. Mit Vertrauen, Verständnis, füreinander da sein und so. Albern. Aber zumindest bisschen regelmäßigen Sex könnte man dann noch ohne großen Aufwand haben, wenn die Leidenschaft erst mal nachläßt. Nett. Letztendlich bleibt aber nur der gnadenlose Alltag, der alles zerrüttet und noch das letzte Interesse zermalmt. Liebe per se ist auf lange Zeit hinaus nicht überlebensfähig. Sie nutzt sich ab, reibt sich auf im stürmischen Vernichtungskrieg um die eine Sache. Und so muss sich das Zusammenleben zwangsläufig über die Zeit hinweg verändern, sofern man mit dem Partner zusammenbleibt. Viele mögen das nicht wahrnehmen, weil sie im Lauf der Zeit Kinder in die Welt setzen, um sich von dem eigenen Elend abzulenken. Oder andere Dinge werden vorgeschoben: So genannte (gemeinsame) Interessen, Karriereplanungen, 'Selbstverwirklichung'. Aber was bleibt denn nun übrig von der Leidenschaft, der Liebe, der kompletten Krisis, in der man sich befindet, wenn man sich frisch verliebt und Witterung der neuartigen Pheromone aufgenommen hat, die einen bedingungslos anzuziehen scheinen, die einem das Hirn durch den Fleischwolf drehen, und einen völlig auf diese eine und einzige Person einschießen lassen, die zur Angebeteten wird?

Diesen traurigen Abstieg zur Hölle beschreibt Albert Cohen meisterhaft. Tief und wahr und über weite Strecken hochgradig faszinierend. Schonungslos und bis zur Schmerzhaftigkeit und Selbstaufgabe werden alle Lächerlich- und Sinnlosigkeiten der Liebesblödigkeit und dem, was von ihr übrig bleibt, durchexerziert. Quasi Liebe in Isolationshaft. Dabei überrascht Cohen immer wieder durch die Tiefgründigkeit seiner Analysen, die nicht selten en bloc in dieses gewaltige Romanwerk eingebunden sind. In mitunter endlos scheinenden Monologen, die er seinen Haupfiguren in die Feder diktiert, werden emotional bedingte Erwartungen, Oberflächlichkeiten, anthropologisch geprägte Verhaltensmuster und sozialpsychologische Motive desavouiert. Ein faszinierendes und herausforderndes Meisterstück!

Natürlich bleibt zu bedenken, dass Albert Cohen vor dem Hintergrund einer anderen Zeit geschrieben hat. Das Werk erschien ursprünglich 1968. Die Handlung ist in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Damals war Ehebruch noch ein ganz anderes 'Vergehen'. Heutzutage ist Fremdgehen längst Understatement. Polygamie. Polyamorie. Ja, und? Es muss schließlich gelebt werden. Nichts darf ausgelassen werden. Wäre auch schlimm, wenn man etwas verpasst bei all den Optionen und nur einem Leben. Und fast alle sind bereit. Wäre ich im Neandertal geboren, würde ich schließlich auch meinen Instinkten folgen, also was soll falsch daran sein? Zigtausend Jahre Evolution lassen sich nun mal nicht leugnen. Da ist schon eine andere Lockerheit vorhanden als noch vor 50-100 Jahren. Vor diesem Hintergrund mag Cohens Botschaft und die Art und Weise, wie sie vermittelt wird, altbacken wirken. Auch die schwüle Erotik, die sich aus einigen anstößigen Äußerungen 'von früher' ableiten läßt, und die in gewisser Weise auch titelgebend ist, wird nicht allen Lesern so zugänglich sein. Altbacken, prähistorisch, langweilig. Vielleicht. Die Problematik ist aber eine stets aktuelle, die jeder kennt, der schon mal wie blöde in jemanden verliebt/verleibt gewesen ist, und plötzlich merkt, dass der Knalleffekt nachläßt und er einer ephemeren Sache verlustig gegangen ist.

Noch dazu ist Cohens Werk grandios durchkonstruiert. Zunächst war ich z.B. verwundert ob der primär theoretisch aufgearbeiteten Verführung der 'Schönen'. Doch diese seitenlange Rede von Solal, dem Herrn, ist Dreh- und Angelpunkt der späteren Exzesse des Untergangs und den sadomasochistischen Ansätzen einer Dekonstruktion aller erster Güte. Gibt er sich zu Beginn des Buches und im Rahmen seiner schwelgerischen Rede noch als, wenngleich auch leidender, so doch allwissender Macho, so wird er sich gegen Ende hin selbst zum Opfer, das der eigenen Haut und Anschauung nicht entfliehen kann. Trotz der theoretisch-abstrakten Größe in der manipulativen Verführungsrede. Die Abwärtsspirale kann nicht durchbrochen werden, auch wenn alles erkannt wird, denn etwas anderes fehlt, und dies ist leider nicht im Rahmen ein und derselben Beziehung repetitiv einholbar: Neue, frische Gefühle der Andersartigkeit. Da mag der nackte Affe zu Beginn noch so viele Salti geschlagen haben. Ist die Verzückung erst mal dahin, läßt sich von der restlichen heißen Luft, die noch kommt, nicht mal mehr ein Ei hart kochen.

Ein beeindruckendes Werk. Nicht immer leicht zugänglich, doch wenn man sich darauf einläßt, hält es einen leidenschaftlich gefangen wie eine frische Liebe. Aber auch die 900 Seiten hat man einmal durch, und so ein Ende kann sowohl tröstlich als auch befreiend sein, man muss es nur zulassen.
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am 13. Juni 2013
Vor kurzem wurde ich zufällig auf dieses Buch aufmerksam. Der Name Albert Cohen war mir neu, 900 Seite dicke Bücher machen mich neugierig, also wurde es spontan gekauft.

Die Geschichte beginnt als amour fou. Solal verliebt sich leidenschaftlich in Ariane, verheiratet mit dem Schwächling und Versager Adrien. Ariane erwidert diese Liebe bis zur Selbstaufgabe. Ihr Verhalten ist nach heutigen Maßstäben ziemlich ungewöhnlich. Etwa ab der Mitte des Buches verändert sich Beziehung der beiden Liebenden grundlegend. Ariane und Solal verlassen Genf fluchtartig. Im Exil müssen sie ferleben, dass sie von der feinen Gesellschaft gemieden werden.

Die beiden Liebenden sind immer stärker isoliert; alle verzweifelten Bemühungen, die Liebe lebendig zu erhalten, scheitern. Die Liebe verkommt zum Ritual, und es ist beklemmend zu lesen, wie zwei Menschen an der Liebe ersticken.

Cohens Sprache ist sehr mächtig, wenn auch nicht unbedingt eine leichte Lektüre. Hin und wieder liest man viele Seiten lang die Gedanken der Hauptpersonen ohne Punkt und Komma. Cohen legt die Menschen schonungslos bloß, sein Blick ist manchmal sogar richtig böse, gelegentlich blitzt aber auch Satire auf.

Surrealistisch ist der Einschub über den Besuch von Solals Verwandten, die so ins Nichts (oder auf ihre Insel) verschwinden, wie sie gekommen sind.

Vieles in diesem Buch macht nachdenklich, manches ist befremdlich, aber für mich ist es das beste Buch seit Langem!
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am 4. März 2013
Nach befremdlichem Beginn, den ersten Seiten, weiss man die Dinge noch nicht einzuordnen. Schnell wechselt die Betrachtung aber hin zum spießbürgerlichen Beamtentum der Familie Deume. Unerreicht amüsant schildert Cohen auf diesen ersten 300 Seiten deren Denkweise und Handeln, krasser Gegensatz zu dem, was dann kommt. Allein dieser erste Teil ist einfach nur genial geschrieben. Auch die sich anbahnende Beziehung und Liebe von Ariane zu Solal ist interessant geschrieben, mit viel Hintersinn und zum Nachdenken anregendem. Dann driftet die Geschichte teilweise ins Absurde ab, vermischen sich gesellschaftspolitische, religiöse und persönliche Dinge. Für meinen Geschmack ist der Mittelteil zu wirr und auch langatmig geschrieben. Man kommt nicht mehr mit. Im letzten Teil des Buches nimmt die Liebesgeschichte ihren dramatischen, fatalen Verlauf. Auch dies augenscheinlich vollkommen absurd, aber dann auch wieder tiefgründig. Denn Cohen entlarvt in verstörender Weise, dass die große Liebe, die unendliche Verliebtheit, die Romantik der ersten Zeit niemals unendlich lang aufrecht erhalten werden kann. Und wer verzweifelt versucht, dieses aufrecht zu erhalten, wird letztlich scheitern und im schlimmsten Fall wahnsinnig. Wegen des langatmigen Mittelteils hätte der Roman keine fünf Sterne verdient. Da Beginn und Ende aber so genial geschrieben sind und auch so wichtige Botschaften transportiert werden, gehört es letztlich doch zu den Büchern, die man unbedingt gelesen haben sollte.
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am 13. November 2012
... dargestellt an einem stark überwürzten literarischen Feinschmeckermenue

Eine eigentlich recht simple Story genügt Cohen, um alle Höhen und Tiefen auf der Achterbahn der 'Liebesblödigkeit' auszuschmücken. Auf fast 900 Seiten, grandios durchformuliert, geht es beim Lesen (nach etwas irritierendem Auftakt) richtig unter die Haut. Auch deshalb, weil man sich in maßlose Gefühle unerträglich ausufernd hineingezwungen fühlt.

Die "Schöne" stammt aus vornehmer Familie, hat sich aber infolge schicksalhafter Nackenschläge an einen Ehegatten gebunden, der ihr gefühlsmäßig schnurzpiepegal ist. Ein hoher Vorgesetzter ("Herr") des spießigen Gemahls ist von der jungen Frau derart hingerissen, dass er seinen Untergebenen in die weite Welt weglobt, damit er selbst bei der Angebetenen sturmfreie Bude hat. So nimmt das Verhängnis seinen Lauf à la Anna Karenina, denn der dienstliche Auslandsaufenthalt endet ungeplant etwas früher, so dass die überraschende Heimkehr des biederen Beamten die stürmisch Verliebten zum fluchtartigen Verschwinden an die Cote d'Azur treibt. Womit die bis dahin großbürgeliche Existenz der beiden sich unaufhaltsam seinem grausigen Ende entgegenbewegt.

Dort im Hotel läßt nun Cohen eine besondere Versuchsanordnung vom Stapel. Das Paar vergnügt sich - bar aller gesellschaftlichen Verpflichtungen und Beziehungen - wochen- und monatelang in höchsten erotischen Freuden. Und klar, ganz allmählich setzt Gewöhnung, Langeweile, Ödnis ein. Was der Autor mit ungemein feinsinniger Akribie seziert, wie eine Zeitaffer-Kamera das Aufblühen und Vergehen einer Rose sichtbar macht. Hinzu kommt eine gehörige Dosis zeithistorischer Hintergründe. Da geht es um Weltkriegsgefahr, Völkerbund, Hitler, Judenhetze.

Großes Vergnügen muss der Autor an seitenlanger Wiedergabe von hin u. her mäandrierenden Gedankenflüssen oder Gesprächsfetzen gehabt haben. Als Leser wird man dieser Methode ebenfalls einiges abgewinnen mögen - wo es hintergründig-amüsant gemacht ist, und die Inhalte aus dem Zusammenhang doch einigermaßen klar werden. Wodurch eben die charakterlichen bzw. intellektuellen Potenzen der sinnenden/quasselnden Figuren deutlich werden. Dennoch nervt auch hier eine gewisse Gewöhnung: zu oft, zu lang, zu schnell durchschaubar.

Trotz aller Akribie in der Charakterzeichnung seiner Akteure kennt Cohen nur eine Type: den blasiert-gefühllosen Radfahrer, der nach oben buckelt und nach unten Tritte austeilt. Alles Streben gilt dem Dazugehören in der nächsthöheren Gesellschaftskaste. ("Flussabwärts schwimmende Korken, die sich einbilden, die Strömung folge ihnen.") Moralische Beweggründe oder wenigstens ein Engagement für konstruktive Projekte fehlen als Motiv gänzlich. So gestrickte Skrupellosigkeit exerziert er an allen Nebenfiguren des Romans durch. Einerseits verständlich, wenn man die Zeithintergründe berücksichtigt, in die der Plot eingebettet ist. Doch bei Licht betrachtet und für heutige Leser: einseitig, schematisch und auch etwas fade.

Und noch was: der Roman ist nach einem merkwürdig problematischen Frauenbild gestrickt. Das Weib unterwirft sich als Dienerin (der Lüste etc.) dem perfekt gebauten, Dominanz und Macht ausstrahlenden "Herrentypus" - und ist damit Wegbereiterin der seinerzeitigen Diktatoren (sehr verkürzt!). Um dies zu beweisen, führt der spätere Liebhaber gleich zu Beginn des Romans ein surreales Experiment (mit Misserfolgsgarantie) durch - und verdreht bei passender Gelegenheit mit einer Suada, die in etwa diesen Generalvorwurf ("immer die gleiche alte Strategie, die gleichen erbärmlichen Beweggründe, das Fleisch und die gesellschaftliche Stellung") breit extemporiert, dem unbefriedigten Eheweibchen (seines Untergebenen) unwiderstehlich den Kopf.
Als Leitmotiv wird diese psychologisch undifferenzierte Sichtweise in der Phase abnehmender Ekstase erneut aufgetischt, diesmal allerdings nicht zur Verlockung der Geliebten, sondern im Gegenteil: als liebestötender Vorwurf. In diesem Stadium geht dem 'Herrn' alles und jedes an seiner Geliebten auf den Wecker; sein finaler Eifersuchtsexzess wegen einer früheren Affäre der 'Schönen' charakterisiert ihn als ziemlich widerlichen Macho, der sich selbst alle Freiheiten in Sachen Frauengeschichten unhinterfragt herausnimmt.

Und so könnte man noch etliche Schwachstellen in diesem doch etwas überehrgeizigen Elaborat hervorkehren - wenn es nicht über weite Strecken so faszinierend intensiv geschrieben wäre.
Wer also vor dem Ende aufgibt, ist selber schuld!
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am 8. November 2016
Mehr als drei Jahrzehnte liegen zwischen dem Beginn der Arbeit an diesem Roman und seiner Vollendung im Jahre 1968. Albert Cohen, frankophoner Schweizer, Zeitzeuge, Diplomat und Schriftsteller, hat mit "Belle du Seigneur" ein literarisches Monument geschaffen. Wer den Band öffnet, findet sich in einem 900 engbedruckte Seiten langen Sprachfest wieder, das passagenweise hymnisch-lyrisch sich steigert, dann mit ätzender Schärfe allzu menschliche Antriebe und Verhaltensweisen aufspießt, bisweilen eine ironisch-versöhnliche Tonlage anstimmt, auch komische Intermezzi kennt und nach der Feier der Leidenschaft und der erotischen Verfallenheit zweier Menschen den Niedergang und Verfall dieser Liebe in das Verdammtsein zum Glück einer Einsamkeit zu zweit in quälender Präzision schildert.
Mehrere Themen beherrschen den Roman:
- die Liebesgeschichte, beginnend mit einem aus Spiel und Kalkül gemischten Werben, sich steigernd zu erotischer Besessenheit, verdämmernd in der Isolation zweier Ausgestoßener, deren Vergnügungen nur noch betäubenden Charakter haben;
- der Völkerbund, boshaft gezeichet als ein hinter großen Worten inhaltsloses Karrierevehikel;
- der aufkommende Faschismus und Antisemitismus;
- Solals Verwandtschaft: wagemutig, kauzig, aber immer loyal.

Die Tonlagen wechseln, aber es gibt keine Situation, der Cohen nicht gewachsen wäre; er kann über etliche Seiten den in Untätigkeit und eitler Träumerei vertanen Tag eines Beamten schildern, ohne daß dies in Langeweile oder ein seicht-kritisches Nörgeln mündet. Und nach einer virtuosen Schilderung des liebedienerischen Scharens um die Ranghöheren zu Zwecken der Karriereförderung wird mit schneidender Beiläufigkeit verzeichnet, daß jemand das Zimmer verläßt in Begleitung des Krebses, von dem er noch nichts weiß.
Man mag dem Buch seine - sicherlich durch den Entstehungsprozeß mitbedingte - Unausgewogenheit vorhalten, die überbordende Opulenz seiner Sprache, die Redundanz mancher Schilderungen, die breite Ausmalung, in der ein Monolog sich über zwanzig Seiten ziehen darf, den bisweilen schroffen Wechsel in der Thematik, aber all dies verleiht dem Werk etwas Drängendes, geradezu Fiebriges und in jedem Falle Mitreißendes.
Dies ist ein Jahrhundertroman, eine Sprachorgie, ein Lebenswerk.
Ich hätte auch 6 Sterne gegeben.
Und es muß einmal gesagt werden: daß jemand wie Albert Cohen nie den Nobelpreis bekommen hat, ist bedauerlich und ein weiterer Hinweis, daß künstlerisches Verdienst weniger ins Gewicht fällt als eine gefällige altbackene Gesinnung. Und wer bekommt ihn in diesen Tagen? Ein in selbstgefälliger Rebellenpose erstarrter nölig-nörgeliger Klampfenquäker, der mit seinen genuschelten Knittelversen den Verstand und mit seiner Fiepharmonika das Ohr beleidigt. Es ist eine Schande.
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am 6. Februar 2017
Albert Cohen ist ein Magier der Wörter, einer der größten die je gelebt haben. Jede Kleinigkeit, jeder Buchstabe hat bei Cohen eine Bedeutung, jedes absichtliche Weglassen der entsprechenden Satzzeichen ist das Herzstück dieses Buches. Ich weiß nicht wie die ältere Version von Kossodo übersetzt wurde, wahrscheinlich deutlich besser, und welche Änderungen genau dieser Herr Killisch-Horn bei dieser Version hier gemacht hat, aber diese Übersetzung ist eine Interpretation getrieben auf das Äußerste. Wer auch nur ansatzweise Französisch kann, bitte, greift zum Original. Einen Stern kann ich nicht geben, zumal "Schöne des Herrn" eines der schönsten je geschriebenen Büchern überhaupt ist. Abschließend ist zu sagen, dass dieses Buch, dieses Französisch, schlicht unübersetzbar ist. Es ist unmöglich. Die Redewendungen, die Anspielungen, das Bild und Gefühl welches Cohens Sprache kreiert kann in diesem Fall einfach nicht in eine andere Sprache übertragen werden. Aber wie Herr Kleeberg schon einmal sagte, es gibt Bücher, für die es sich lohnen würde, die jeweilige Fremdsprache zu lernen.
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am 12. Juli 2013
Eine literarisch hochinteressante Romankomposition, mit den inneren Monologen der verschiedenen Personen, der Ariane, des Dienstmädchens und des Helden Solal. Höchst anschauliche Vergegenwärtigung der Atmosphäre in Genf während der Nazizeit.
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am 15. Juni 2000
Dieses Buch sollte man gelesen haben. Ein faszinierend vielfältiger Schreibstil. Das Buch ist die Faszination für jeden, der eine interessante Liebesgeschichte lesen möchte. Entlarvend ehrliche Beschreibung des hoch und tief der Emotionen und Hinführung zur nüchternen Realität. Es lohnt sich das Buch auch nur wegen des Schreibstils zu lesen. Einziger Haken: Man denkt phasenweise Dostojewski in den Händen zu halten, der nach der Menge der geschriebenen Seiten bezahlt wurde - phasenweise etwas langatmig.
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