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am 23. März 2000
Gormenghast - ein unermeßlich riesiges Schloß, dessen verfallene Stockwerke Landschaften gleichen, eine Burg wie der Körper eines versteinerten Titanen: durchzogen vom spinnwebverhangenen Kapillargeflecht drohend modernder Gänge und endloser, enger Treppenfluchten. Düstere Säulenwälder locken in die Irre, die Schritte verhallen in bedrückend klammen Kammerlabyrinthen, Hallen aus Stein werden zu einem Mikrokosmos - ein "gothic nightmare" par excellence, der ohne vordergründigen Horror oder peppige Magieeffekte auskommt. Ganze Burgflügel sind in Vergessenheit geraten, ganze Stockwerke und Dachstühle gleichen einer vergessenen, einsamen Wildnis, jeder Versuch, sie zu erkunden, gerät zur gefährlichen, subversiven Expedition. Das Geheimnisvolle lauert in den Schatten, das Mysterium des undurchschaubaren, sinnentleerten "Rituals" bestimmt das Leben jedes Schloßbewohners - und was für Gestalten sich da finden! Peake versteht es, seine ohnehin skurrillen Charaktere mit listiger, humrovoller Penetranz bis zum Gipfel der Absurdität zu überzeichnen und ihnen dennoch liebevoll ihre Menschlichkeit zu lassen - im Guten wie im unsagbar Bösen. Sein stilistisches Niveau verrät einen brillianten Wortkünstler, für den Sprache mehr ist als nur Werkzeug zum Zweck, die Handlung zu vermitteln. Sprache gebiert Stimmung, Sprache weckt Sehnsucht und fesselt an Örtlichkeiten, Sprache füllt die Seele der Protagonisten mit Leben. Ich kenne auch das englische Original, Kompliment an die Übersetzerin!
Das Böse rebelliert gegen sein nichtsnutziges Dasein als Küchenjunge, während der 77. Graf Titus von Gormenghast geboren wird. Jahr für Jahr nutzt der von seinen ehrgeizigen Ambitionen angestachelte Steerpike seine verschlagen-geniale Intelligenz skrupellos, um die Mitglieder der Grafenfamilie zu verführen und von sich abhängig zu machen, bevor er einen nach dem anderen umbringt, während er selbst zu immer mehr Macht und Einfluß gelangt und noch außerhalb seiner Reichweite der junge Erbfolger heranwächst. Teile der alten Burg gehen in Flammen auf, Teile der Traditionen gleich mit. Titus romantische Schwester Fuchsia verkennt Steerpikes Bösartigkeit und verfällt ihm, doch auch das rettet sie nicht vor seinen Ränkespielen. An der Schwelle zum Erwachsenwerden tritt der junge Titus schließlich seinem Todfeind entgegen, um den Tod seiner Schwester und seiner Familie zu rächen und dem sich in reine Bösartigkeit verkehrten Machthunger des Renegaten ein dramatisches Ende zu bereiten.
Im dritten Band dann - die nackte Blasphemie! Der junge Graf tut das Undenkbare, das vor ihm seit Generationen keiner gewagt hat: er verläßt die Welt seiner Vorväter, er reitet durch das Burgtor hinaus in die unbekannte Welt dahinter, die gerade an der Schwelle zu Industrialisierung steht. Im Zuge seiner Selbstfindungsodyssee erkundet er eine Welt, die an Gormenghast nicht glaubt, die an ihn selbst nicht glaubt, der er nicht das geringste bedeutet, die ihn in Selbstzweifeln erstickt, bis Titus nicht mehr weiß, woher er kommt, wohin er gehen soll und ob es überhaupt existiert, jenes zwischen Raum und Zeit schwebende Mysterium aus Zwielicht und kaltem Stein, nach dem er sich sehnt, das er verliert, wiederfindet - aber nur um zu entdecken, daß er der Stätte seiner Kindheit für immer entwachsen ist...
Auch nach fast zwanzig Jahren ist die Gormenghast-Trilogie noch immer einer der drei großartigsten Romane, die ich je gelesen habe. Ein Entwicklungsroman mit langem Lesevergnügen und von einer heutzutage nur selten anzutreffenden stilistischen Raffinesse und einem exquisitem Wortwitz. Die geradezu anheimelnde, hintergründige Dramatik wird getragen von der Fabulierkunst eines Erzähltalents, das um seine literarische Gabe wohl von einem Charles Dickens beneidet worden wäre, dessen Weitschweifigkeit es sich aber nie zu eigen gemacht hat. Eine präzise, verbale Sezierkunst charakterisiert das Werk, um die Psyche der Protagonisten bloßzulegen, ohne sie zu verletzen. Jede Seite ist geschwängert von der bedrückenden Allgegenwart des "Rituals" und der romantisch-unheimlichen Präsenz der gigantischen Burg, die die Welt nicht braucht, um zu existieren, denn sie ist sich selbst Welt genug - und droht, unter ihrem eigenen Gewicht zermalmt zu werden. Weder Phantastik noch Mainstream kommt der Roman ganz ohne vordergründigen Horror und Zauberfirlefanz aus, um eine schauerlich-schöne, bisweilen zum Schmunzeln und auch zum lauten Lachen anregende Atmosphäre zu erzeugen, die das Buch schwer und klamm und voller Entdeckerlust in den Händen liegen läßt - was für eine Geschichte! Mervyn Peake, der jung durch Krankheit verstarb, ist einer jener Seltenen, die in der Tat nicht mehr als eines einzigen Werkes bedürfen, um jenen, die damit in Berührung kommen, für immer im Gedächtnis zu bleiben. Und die Reise nach Gormenghast vergißt man ein Leben lang nicht.
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am 8. September 2000
Um es kurz zu machen: Diese Trilogie wehrt sich erfolgreich gegen alle Versuche, sie einfach unter Fantasy abzulegen. Zum Inhalt ist hier ja schon einiges gesagt worden. Das meiste davon trifft zu. Auch wenn die Geschichte manchmal unerträglich zäh wirkt, so muß man sie einfach immer weiterlesen. Man wird geradezu hineingezogen in die alten Gemäuer und man vermag nicht sich aus ihnen zu befreien. Kein anderes Buch hat das bisher bei mir in dieser Weise geschafft. Es stimmt, diese Reise vergesse ich mein Leben lang nicht.
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am 9. Oktober 2008
Normalerweise gehöre ich nicht zu den Leuten, die sich mit Büchern rumquälen, dazu bin ich zu faul.
Diese Trilogie habe ich vor 15 Jahren im Antiquariat gekauft und mehrmals versucht zu lesen, aber immer wieder abgebrochen.
Nun war es soweit - letzter Versuch, entweder sie wird durchgelesen oder verkauft oder auch beides nacheinander.
Es hat wohl alles seine Zeit und so war es hier auch und diese Bücher brauchen auch ihre Zeit - nix zum mal eben kurz verschlingen - zumindest nicht der erste Teil!
Er ist sperrig, düster, aber es lohnt sich, sich auf diese Bilder einzulassen, die der Autor zeichnet. Aber bitte wirklich bildlich vorstellen - ganz wichtig!!!
...und nun habe ich sie gelesen und werde sie wieder lesen und sie bleibt hier ;-)))
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am 1. September 2013
Düstere Poesie, verschrobene britische Satire, bissiger Humor, surreale Bildgewalt. Thanx a lot Mr. Peake & pity me, dass ich mich nicht schon viel früher auf dein geniales, wortwitziges, bildgewaltiges Absurditäten-Kabinett eingelassen habe.... Fantasy Literatur ist ein weites Feld und irgendwie muss eine Geschichte, um der Aufmerksam des möglicherweise geneigten Lesers nicht zu entgehen, ja auch zugeordnet werden.
Gormenghast, gilt zwar als Klassiker des Genres und Peak als ein weiterer Voreiter der modernen Fantasy. Dennoch. Peake ist mit seiner unangepassten, und leider nicht vollendeten Erzählung um den letzten Lord Groan, (irgendwas zwischen "Alice im Wunderland", "Melmoth,der Wanderer" und "Black Adder") einer jener Autoren, die auch Jahrzehnte nach ihrem Tod immer noch in keine Sparte passen mögen.
So stößt man in Peakes Erzählung weder auf episches mit Tolkienschen-Zutaten garniertes Schlachtengetümmel, noch
auf einzelgängerische Weltenkreuzer Anti-Helden a la Kane oder Conan. Auch der Kategorie: düsterer Gothic-Romance entzieht sich Peake, zu sparsam bedient er sich hier gelegentlich ihrer Elemente.

Die Geschichte kurz zusammengefasst:
Der zweifelhafte Frieden der lethargischen Schlossbewohner, deren Leben völlig abgeschottet von der Außenwelt von seltsamen Zeremonien und Bräuchen bestimmt wird , wird durch die Geburt des letzten Lord Groan empfindlich gestört und gerät schließlich in akute Gefahr. Denn Titus Geburt begünstigt durch eine Verkettung von glücklichen bzw. unglücklichen Umständen den unbemerkten und unaufhaltsamen Aufstieg eines sinistren Emporkömmlings, dessen Größenwahnsinn schließlich von einer Katastrophe in die nächste führt.

Das britische surreal-schwarzhumorige Satire-Phantasmagorama, das mangels eindeutiger Genrezuordnung nun in der Fantasy Abteilung gelandet ist, (wo es nicht wirklich verwunderlich)von Anhängern epischer Chroniken verschmäht wird, sei all jenen ans Herz gelegt
die einen Faible fürs satirisch Abstruse haben.
Man muss sich einlassen auf Gormenghast, Peakes außergewöhnlich visuelle Erzählkraft beansprucht Aufmerksamkeit.
Peakes Prosa schwelgt in Atmosphäre und Szenario, überspitzt, seziert und ergötzt sich am Detail.Und das am wunderbarsten - von saukomisch bis tief traurig- an den Eigenarten seiner liebenswerten Charaktere.
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am 6. November 2013
Bildhafte Sprache ist ja kein Nachteil, aber hier übertreibt der Autor damit. Bis über 100 Seiten dauert es, bis alle Personen vorgestellt sind. Und man schwebt in Unwissenheit über die widersprüchlichen Orts- und Zeitangaben, bis Seite 309 habe ich noch keine Aufklärung darüber erhalten, weiter bin ich noch nicht und überlege, daß Buch in die nächste Ecke zu werfen.
Kai Meyer fragt im Vorwort, wie wohl die Fantasy-Literatur heute aussehen würde, wenn nicht Tolkien sondern Peake als 1. durchschlagenden Erfolg mit seinem Werk gehabt hätte.
Ich würde sagen, Fantasy würde dann unter ferner liefen gehandelt werden.
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am 26. Januar 2012
Ein labyrinthisches Schloss, so unvorstellbar alt wie allbeherrschend; Legionen weißer Katzen und verschiedenartigster Vögel; der erste Kammerdiener, wie aus einem knarrenden Stück Holz geschnitzt; der monströse Küchenmeister, mit zuvor genanntem bis aufs fette Blut verfeindet; der Graf, voll tiefer Melancholie in die fern-nahen Welten seiner Bibliothek versunken; der feuer-äugige, fassaden-kletternde Jüngling Steerpike, ehrgeizig, tatkräftig, eigensinnig und nur sich selbst im Sinn; die träumerische Grafentochter, deren Launen von jeher zu ihr gehören, wie ihr Hang zur Rebellion. Das sind nur ein paar der Gestalten, die Schloss Gormenghast bevölkern in der Zeit, in die Lord Titus, zukünftiger siebenundsiebzigster Graf Groan, hineingeboren wird.
Mervyn Peake entwirft eine Geschichte voller skurriler Gestalten, eine jede eine Welt und ein kleines Wunder schöpferischer Phantasie für sich. Alle unterworfen den alten, ehrwürdigen und für den Leser so mysteriösen Riten und Gesetzen, die von jeher das Leben im Schloss bestimmten. Titus wird geboren, Steerpike flieht und die Geschichte nimmt ihren Lauf, über den Gormensee, die Hänge des Gormenberges hinauf, hinab und durch die Keller, Winkel, Hallen, Treppen, Zimmer, Gänge, Kammern, Türme Gormenghasts. Und bai aller Faszination kann man immer wieder nur von den Seiten aufblicken und staunen ob der Kraft und Liebe mit der der Autor seine Figuren und ihre Taten oder Untaten zeichnet. In einer Sprache, die in keine Zeit zu passen scheint, zu modern, zu alt-ehrwürdig, mächtig, visualisierend, bedrückend und mitreißend.
Dieser Auftakt zur Gormenghast-Reihe ist ein wahres Meisterwerk phantastischer Literatur, welches sich, ähnlich dem rohen Felsgrat im Wasser, weigert im Strom der Zeit mitzuschwimmen und als Einzelgänger verbleibt und trotz und wegen allem strahlt in seiner natürlichen und naturgewaltigen Kraft.
"Was zählte noch und welche Bedeutung hatten auch nur die kleinsten Handlungen und Gedanken, wenn das Fundament, auf dem ein Glaubenshaus errichtet war, versank und die von ihm getragene sakrosankte Struktur ins Wanken geriet?"
... ähnlich erschüttert wie das Gebilde Gormenghasts am Ende des esten Teils, finde ich mich nun schon voller Freude auf die Fortsetzung wieder.
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am 8. September 2013
Bücher und Autoren werden gerne in Schubladen gesteckt, damit der Leser sich nicht anstrengen muss sich seine eigene Meinung zu bilden und gleich sagen kann: „Nein, so was lese aber ich nicht!“. Da die Gormenghast-Reihe in einem fiktiven Land spielt und etwa zur gleichen Zeit wie Tolkiens „Herr der Ringe“ erfolgreich wurde, findet man die Bücher hierzulande meist in der Fantasy-Abteilung. Sie haben weder etwas mit der High-Fantasy Tokiens noch mit dem Sword and Sorcery-Genre à la Conan zu tun. Auch wird er gerne in die Gothic-Ecke gesteckt (dunkle Schlösser, entstellte Bösewichte), dies passt schon ganz gut, wenn man die klassischen Gothic-Novels von Ann Radcliffe oder Horace Warpole zum Vergleich hinzuzieht. Die Reihe hat aber nichts mit der modernen Version von Gothic mit glitzernden Vampirhengsten zu tun. Im angelsächsischen Sprachraum hat man daher ein neues Genre der „Fantasy of Manners“ erfunden.

Worum geht es in der Gormenghast-Reihe eigentlich? Wenn man die gesamte Reihe betrachtet ist der gemeinsame Handlungsstrang die Geschichte von Titus Groan, den 77. Graf von Groan. Dieser wird auf Schloss Gormenghast in eine, in hohlen Ritualen erstarrte, Gesellschaft geboren und versucht aus den Fesseln seiner Rolle als Graf zu entkommen. Aber in dem ersten Buch kommt Titus kaum und nur als Kleinkind vor und in zweiten ist er eine Figur unter vielen. Die Bücher handeln schon von dem Leben Titus, aber nicht mit Titus als Hauptperson, sondern anhand der Leben aller Personen um Titus herum. So gibt es kein Hauptcharakter in den Büchern, vielmehr ist das Schloss Gormenghast und seine Bewohner das Thema der ersten beiden Bände. Im dritten verlässt Titus Gormenghast.

Alle Charakter sind wie Titus in den Ritualen Gormenghast gefangen, die schon vor langen ihren Sinn verloren haben und völlig absurd wirken. Alles verfällt, aber es wird stur an den alten Abläufen festgehalten. Das riesige Schloss besitzt Gänge und Räume, die Jahrhunderte nicht betreten worden sind und von denen niemand weiß, wozu sie einmal gedient haben. Die Bewohner haben alle ihre Skurrilitäten und sind grotesk überzeichnet beschrieben. Dies alles nutzt ein sehr wichtiger Charakter für seine Zwecke aus: Steerpike. Er bringt es im Laufe der Geschichte von einfachen Küchenjungen zum mächtigen Meister der Rituale und ist der Gegenspieler von Titus. Dabei nutzt er die Dekadenz seiner Umwelt aus, um mit Intrigen und Mord seine Ziele zu erreichen. Steerpike ist aber nicht durch und durch böse. Auch haben Titus und Steerpike ein ähnliches Motiv, sich nicht mit ihrer vorbestimmten Rolle abzufinden.

Ich könnte jetzt sehr viel über einzelnen Handlungsstränge schreiben oder eine Interpretation liefern, aber ich will es hier so belassen und hoffe die Grundstimmung der Romane ist klar geworden. Die ersten beiden Gormentghast Roman lohnen sich zu lesen. Ich glaube, ihr werdet nichts vergleichbares jemals gelesen haben. Sicher man muss das Düstere, Groteske mögen, in sofern ist der Roman „gotisch“. Auch „Fantasy“ passt, da man in eine andere Welt entführt wird. Aber es ist doch etwas anderes, ein völlig eigenständiges Stück Literatur.
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am 14. April 2012
Besonders neugierig wurde ich auf diesen Roman, nachdem ich in vielen negativen Rezensionen immer wieder gelesen habe, dass die Atmosphäre einfach zu düster und die Charaktere zu verschroben wären. Ich kann nur sagen, dass ich das Buch besonders deshalb von der ersten Seite an geliebt habe. Mervyn Peake lässt den Leser mit den Bewohnern auf Schloss Gormenghast leben und schafft es, dass einfach alles unglaublich real erscheint und man förmlich die schrägen Figuren und außergewöhnlichen Räume vor sich sieht. Der Klappentext bringt es auf den Punkt: 'Jede Szene wird grell ausgeleuchtet, wird geradezu furchterregend nahegerückt.' Obwohl ich allzu genaue Beschreibungen schnell langweilig finde, habe ich hier jeden Satz genossen, und manchmal sogar zurück geblättert, um mir das Gelesene noch einmal zu Gemüte zu führen.

Die Geschichte lebt von den skurrilen Charakteren, und die eher spärliche Handlung entsteht aus ihren Schwächen und ihrer Bestimmung Teil des Schlosses zu sein. Alle sind am meisten mit sich selbst und mit den Ritualen beschäftigt, die wegen Titus, dem neugeborenen Nachwuchs der Groans, ausgeführt werden müssen. Jeder ist auf seine Art unglaublich schrullig und eigentlich würde man keinem von ihnen im wahren Leben begegnen wollen. Trotzdem, und vielleicht gerade deshalb, haben sie mich alle sehr fasziniert. Da wären zum Beispiel der depressive, bücherliebende Lord Groan; seine Frau, die schrullige Lady Gertrude, die sich lieber mit Vögeln und weißen Katzen umgibt, als mit ihren Mitmenschen; der unglaublich gewissenhafte Diener Flay; Mrs. Slagg, das alte, gebrechliche Kindermädchen, die sich aufopfernd um den Nachwuchs kümmert; Fuchsia, die verträumte Tochter oder der ehemalige Küchenjunge Steerpike. Und dieser ist es auch, der das Leben im Schloss mehr und mehr durcheinander wirbelt, seine Intrigen spinnt und die Bewohner gegeneinander ausspielt.

Gormenghast ist ein unglaublich dichter, wortgewaltiger Roman, den ich trotz der ziemlich depressiven und düsteren Stimmung und manchen langatmigen Stellen sehr genossen habe. Auch wer eher keine Fantasy liest, darf sich hier nicht von der Bezeichnung abschrecken lassen.
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Inhalt:
In Schloss Gormenghast herrschen Lord und Lady Groan. Sie bekommen einen Sohn, den jungen Titus. Seine Schwester hegt Befürchtungen, dass sie von nun an zu kurz kommen könnte und drangsaliert ihre Nanny.
So nehmen die Dinge in Schloss Gormenghast ihren Lauf und ihre Bewohner schlurfen auf ihren eigenen Pfaden durch das Schloss und durch ihr Leben.

Meine Meinung:
Ich habe noch nie so lange an einem Buch geknabbert, wie an diesem. Normalerweise gebe ich früher oder später auf, doch hier konnte ich es nicht über mich bringen, abzubrechen.
Denn 'Gormenghast' ist ein Klassiker, der erste Vorläufer der Fantasy, weswegen ich mir dachte, als Liebhaberin der Fantasy, diesen Roman unbedingt gelesen haben zu müssen. Ich konnte ja nicht ahnen, was mich erwarten würde. Mir tut es sehr leid, dass ich keinen Zugang zu diesem Klassiker fand. Denn es passierte einfach nichts. Weder auf Seite 100, noch auf Seite 500. Das einzige, was diesen Roman auszeichnet sind seine exzentrischen Figuren, die in irgendeiner Art und Weise durch das Schloss hudeln und die Geburt des Titus und seine Schwester, die von Launen geplagt ihre Nanny auf Trab hält. Skurrile und schrullige Figuren reichen in meinen Augen nicht aus, um eine Geschichte zum Leben zu erwecken. Mehr passierte irgendwie nicht. Eine schöne Sprache, die bildreich ausgeschmückt ist, mag ja schön und gut sein, doch wenn sie sich in Details verliert und keine erkennbare Handlung beschreibt, langweile ich mich.
Im November begann ich dieses Buch und war nach den ersten 100 Seiten sehr unglücklich, weil nichts passiert ist. Es heißt zwar, es gibt zu viele gute Bücher, als dass man sich mit schlechteren Quälen sollte, doch ich wollte diesem Klassiker eine Chance geben, zumal ich mich sehr auf diesen alten Roman, erste Veröffentlichung 1946, freute. So begann ich in mühseligen Schrittchen dieses Buch zu erkunden. Eigentlich wollte ich täglich 100 seiten lesen, um dieses Buch binnen einer Woche zu beenden, doch ich hielt es einfach nicht durch. So las ich auf die Monate verteilt das Buch, bis es endlich ein Ende hatte und ich mir nun denke, dass hätte ich mir auch sparen können.
Damit ihr euch etwas unter dem Schreibstil vorstellen könnt, vergleiche ich ihn mit dem von "Herr der Ringe". Den fand ich stellenweise auch schon leicht anstrengend, doch da passiert immerhin etwas, so dass ich es gerne las, im Gegensatz zu "Gormenghast". Die Figuren wirkten nicht nur schrullig, sondern waren für mich gänzlich unsymphatisch. Auch das ist kein großes Hindernis, wenn die Geschichte zu fesseln vermag, doch wenn weder das eine noch das andere der Fall ist, wird es kompliziert.

Mein Fazit:
Leider war Mervyn Peakes Roman für mich ein absoluter Reinfall. LeserInnen, die ihren Horizont erweitern und einmal in jenes Buch schnuppern möchten, dass als Vorläufer der Fantasy bezeichnet wird, empfehle ich einmal einen Versuch mit diesem Buch. Wenn es euch nach 100 Seiten nicht gefällt, dann begeht nicht den Fehler weiterzulesen in der Hoffnung, es kann ja noch etwas kommen, denn da kommt nichts mehr. Es handelt sich sogar um eine Reihe, die mit Band 2,3 und 4 fortgesetzt wird, doch dadurch werde ich mich nicht mehr quälen, denn von diesem Autor habe ich inzwischen wirklich genug.
Ein Klassiker ist ja schön und gut, aber das ist noch lange keine Garantie, dass es einem gefällt und wenn ein Klassiker keine Handlung besitzt, muss ich ihm leider nur einen Stern geben und zum ersten Mal in meinem Leben, würde ich am Liebsten sogar noch weniger verleihen.
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am 9. Dezember 2010
Ein groteskes Kammerspiel mitten in einem schier unendlich weiten Schloss. So lässt sich wohl der Roman in einem Satz zusammenfassen.

Das Alter dieser Erzählung (Erstveröffentlichung 1946) wird nach den ersten Seiten deutlich spürbar, es ist keine moderne Fantasy-Geschichte, auch der allwissende Erzähler ist heute weniger in Mode. Aber genau das macht für mich den Reiz aus.

Die Grundstimmung beim Lesen dieses dicken Schmökers (616 recht klein gedruckte Seiten) erinnerte mich an diverse andere Erzählungen. Die verqueren Charaktere hätten sich gut zur tea party in Carrolls "Alice im Wunderland" gesellen können, die düster-bedrückte Stimmung passt hervorragend in eine groteske Erzählung von Edgar Allan Poe und die Art des Erzählens erinnerte mich vor allem an Charles Dickens und sein viktorianische Zeitalter. Wer mit Literatur dieser Art seinen Spaß hat, dem sei auch Gormenghast wärmstens ans Herz gelegt. Wer allerdings schon "Herr der Ringe - die Gefährten" langatmig fand, wird hier erst recht keine Begeisterung finden.

Die Handlung ist recht schnell erzählt, ein neuer Erbe des Geschlechts der Groan ist geboren und auf bizarre Weise scheint sich mit ihm das altehrwürdige Schloss langsam zu verändern. "Schloss" bezeichnet hier nicht allein das Gebäude, sondern ist ein lebender, jedoch scheinbar im letzten Atemzug liegender, Organismus. Steinen, Pflanzen, Vögeln, Katzen, Grafen, Diener, Köche und Krüppelwäldern formen Gormenghast. Eine Einheit, deren Traditionen schon so alt sind, dass sich niemand erinnert, wieso eigentlich der Zeremonienmeister beim ersten Geburtstag des Erbens über den Frühstückstisch laufen muss. Aber es wird getan, weil es getan wird und eben so sein muss. Tradition.

Wäre da nicht die Jugend, die sich langsam auflehnt: Der junge Steerpike, der trotz oder gerade wegen seiner beharrlichen Listigkeit dem Leser ans Herz wächst. Fuchsia, die verrückte (nun - verrückt sind in dieser Erzählung alle) Tochter des Grafen Groan, die etwas in Steerpike entdeckt, ist es die Jugend? Sowie Titus, der junge Erbe, der schon als Säugling die Schlossriten bricht und so die Angst der älteren Schlossbewohner schürt. Veränderung tritt in Gormenghast ein.

Diese Neuauflage beinhaltet ebenso ein sehr schönes Vorwort von Kai Meyer, der Mervyn Peake kurz vorstellt und den zentralen Aspekt der Erzählung anspricht: die Visualisierung, die Beschreibung eines optischen Panoramas, welches gespickt ist mit bizarren Figuren.

Wer groteske Geschichten, eine düstere Stimmung und das unterschwellige Gefühl der Veränderung erleben will, der ist mit Gormenghast genau richtig bedient! Wunderbares, phantastisches Werk, welches trotz des Alters viel Erfrischendes bietet.

(Anmerkung: Peake verfasste nur 3 Bücher dieser Reihe und beendete sie nie. Aufgrund des Erzählstils lohnt es sich meiner Meinung nach trotz des fehlenden Endes die Reihe zu lesen - ich werde es mit Freude tun)
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