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Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
34
4,2 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 19. März 2007
Ein wirklich verwirrendes Spielchen treibt der "Schelm" der italienischen Literatur Italo Calvino in diesem Buch mit dem Leser.

In der Geschichte gibt es einen Leser, der sich beschwingt nach Hause bewegt, um den gerade erstandenen Roman in möglichst gemütlicher Position zu genießen. Nach dreißig Seiten jedoch, just an der spannendsten Stelle fängt das Buch wieder von vorne an. Zurück in die Buchhandlung erfährt der Leser: nicht nur falsch gebunden war das Buch, sondern auch das falsche Buch. Mit dem vermeintlich Richtigen wieder zu Hause lässt sich der Leser wieder in eine neue Geschichte ein, doch wieder am ungünstigsten Punkt folgen nur noch leere Seiten.

Schiere Verzweiflung!

Gemeinsam mit einer anderen Leserin, die dasselbe Schicksal erleidet, macht sich nun die Hauptfigur, auf um den Rest der begonnenen Geschichten zu suchen. Ein Höhepunkt der Geschichte ist die Recherchearbeit der beiden enttäuschten Leser an der Universität. Noch weitere acht Mal wiederholt sich der hoffnungsvolle Beginn einer Lektüre. Dabei zieht Calvino ziemlich alle denkbaren Register, die in Romanform denkbar sind: romantisch, fantastisch, thrillermäßig, philosophisch und nie langweilig.

Das Spiel von Calvino ist doppelbödig, denn mit jeder neuen Geschichte zieht er auch den realen Leser von "Wenn ein Reisenden in einer Winternacht" in seinen Bann, um ihn durch die abrupten Abbrüche dann als Leidensgenossen des Lesers im Buch dastehen zu lassen. So kommt es zu einer Solidarisierung aller Leser, um zum Recht einer fortgesetzten Lektüre zu kommen.

Irrwitzig!
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am 11. März 2010
Ein Mann geht in eine Buchhandlung, kauft sich ein Buch, liest es, stellt es in sein Regal und wendet sich wieder seinem Alltag zu. Das Buch ist ein bloßes Konsumgut mittels dessen die Zeit vertrieben werden kann. 'So nicht!'-sagt Calvino und zeigt dem abgestumpften Leser was eigentlich alles hinter und in einem Buch stecken kann.
Der 'Roman' fängt bei der privaten Vorbereitung zur Lektüre an, thematisiert die Entstehung eines Erzählung und gewinnt mit jeder Seite immer mehr an Fahrt. Calvino belehrt uns über das Lesen nicht in dem er etwa sagt, dass Lesen was tolles sei. Vielmehr dekonstruiert er die Vorstellung, dass hinter einem Buch nur geringfügiger Zeitvertreib steht. In Verlaufe dieses Prozesses regt er den Leser zum Denken an, er verleitet ihn dazu Fragen zu stellen. Wie ist das Verhältnis Autor-Werk-Leser? Ist der Autor ein Schöpfer, ein Produzent oder etwas anderes? Gehört ihm das Werk? Was ist ein (literarisches) Werk? Ist es isoliert oder mit anderen Texten verwoben? Wie kann man lesen (einfach privat, hermeneutisch, semiotisch, strukturalistisch usw.)? Weiter geht es mit der industriellen Herstellung (Verlag), der wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Literatur (Universität), dem Einfluss der Literatur auf Politik und Kultur und schlussendlich auf den Leser selbst. Es wird mit Erzählperspektiven (ein fiktives (?) 'du' ist der Protagonist), mit den Gattungen (Tagebuchroman, symbolistischer Roman, erotischer Roman, Briefroman usw.) und mit den Konzepten des Lesens. Und dies sind nur wenige von den thematisierten Apekte.
Calvino lehrt den Leser, dass Literatur eben nicht nur ein Konsumgut ist sondern mit dem Leben verzahnt ist. Jede Lebensgeschichte ist Literatur und alle Literatur berichtet vom Leben.
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am 12. Oktober 2011
Du bist der Leser und gehst in einen Buchladen, und nachdem du es geschafft hast, dich an
den unterschiedlichen Verlockungen vorbeizukämpfen, findest du das perfekte Buch.
Gleich gekauft, richtest du dich in der besten Lesestellung ein und beginnst. Schon das erste
Kapitel ist unglaublich spannend, doch dann stellst du fest, dass ab Seite 30 alles wiederholt
wird. Das ganze Buch ist von Fehlern übersät. Beim Umtausch im Buchladen triffst du
eine Leserin, der es genau so erging und verliebst dich sofort in sie. Der Verkäufer tauscht
dein Buch um und zu Hause angekommen, beginnst du gleich zu lesen. Doch halt, das ist ja
das gleiche Buch, man hat dich betrogen! Aber auch diese Geschichte zieht dich in ihren
Bann, zumindest bis zu dem Punkt, ab dem nur noch leere Seiten folgen.
"Wenn ein Reisender in einer Winternacht" von Italo Calvino ist eine solche Suche nach dem Ende einer Geschichte, die immer nur neue Anfänge bringt. Ein Roman, der in sich zehn weitere Geschichten enthält und von einer Rahmenhandlung verbunden wird, kann ein kleines Experiment genannt werden. Selbst wenn der Leser frustriert über die zahllosen unvollendeten Handlungsstränge ist, treibt ihn die gleiche Neugier an wie den Protagonisten. Und hier setzt die Finesse von Calvino an. Er schreibt über den Leser in der zweiten Person, so dass man selbst angesprochen wird und die Geschichte lebt. Mit dieser sehr persönlichen Note gelingt es dem Autor, Gefühle und Empfindungen zu schildern, die man als Leser gerade erlebt. Ganz nebenbei philosophiert er über Literatur und lässt uns selbst über unsere Macken Büchern gegenüber schmunzeln. Ein wertvolles Geschenk an alle Verehrer des geschriebenen Wortes.
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am 11. Januar 2000
Er ist sicherlich einer der ganz Großen, der italienische Autor Italo Calvino, und "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" ist nicht nur eines seiner besten, sondern auch eines seiner schönsten Romane, wenn nicht sogar der schönste überhaupt. Calvinos Buch ist eine Parabel über das Lesen überhaupt. Schon auf der ersten Seite nimmt der Autor den überraschten Leser bei der Hand, wird ihm dann im Verlaufe der Lektüre eine Leserin zur Seite stellen (auf daß sie einander erkennen und lesen) und die beiden bis zum Ende nicht mehr loslassen. Dies ist der eine Teil des Buchs, die Haupthandlung, und wer glaubt, das sei ein bißchen dürftig, ahnt nicht, auf welche abenteuerlichen Reisen Calvino ihn schicken wird. Der andere Teil, sorgfältig verflochten mit dem ersten, besteht aus zehn Geschichten, genauer gesagt: aus den Anfängen von zehn Geschichten, denn immer, wenn der Leser sich in eine von ihnen stürzt, geschieht Seltsames: das imaginäre Buch im Buch zeigt nur noch leere Seiten oder wiederholt immer denselben Text oder ist in Wirklichkeit gar nicht das, was der Leser eigentlich kaufen wollte, sondern im richtigen Einband steckt der falsche Roman usw.
Das klingt jetzt alles schwer vorstellbar, gar verwirrend? Macht nichts. Umso schneller sollte man sich "Wenn ein Reisender ..." zulegen und lesen. Niemand, der gerne liest, wird die Lektüre dieses wunderbaren Buchs bereuen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Ein unglaublich packendes und verwirrendes Buch. Man wird davon als Leser aus der Bahn geworfen! Italo Calvino baute keine durchgehende Geschichte auf, sondern reiht zehn Roman Fragmente aneinander, die durch eine Rahmenhandlung untereinander verbunden sind. In diesem Rahmen geht ein Leser in einen Buchladen und kauft sich ein Buch. Er fängt an zu lesen, doch plötzlich geht es auf Grund eines Druckfehlers nicht weiter. Es beginnt eine abenteuerliche Odyssee auf der Suche nach einer korrekt gebundenen Ausgabe, während der er in verschiedene andere Bücher hineinliest um das richtige zu finden. In dieser Rahmenhandlung merkt man, wie der Autor mit den Erwartungen seiner Leser spielt, er spricht sie sogar direkt an, man ist total eingebunden. Man fühlt sich ertappt, aber auf angenehme Weise, denn der Ton ist stets amüsant und verständnisvoll zugleich.

Diese Fragmente sind ziemlich verschieden und leider immer viel zu früh zu Ende: man hat immer wieder Lust auf mehr, bleibt unbefriedigt. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch eine große Herausforderung, sich den Rest der Geschichte selber auszumalen bzw. sie einfach auf sich wirken zu lassen. Worauf man sich immer verlassen kann, ist, dass das nächste Fragment noch eins draufsetzt, noch wahnwitziger und noch spannender ist - das ist der Strohhalm, an dem man sich festhält! Es ist erstaunlich wie schnell es Calvino gelingt, den Leser mit den vielen neuen Situationen vertraut zu machen und ihn immer wieder in seinen Bann zu ziehen. Darin zeigt sich das großartige Erzähltalent und es macht riesigen Spaß, dieses Buch zu lesen. Es gibt eine gewisse spürbare Interaktivität, der Leser wird gefordert, kein Buch zum abchillen! Absolut empfehlenswerter Klassiker!
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am 25. März 2005
Ich äußere mich hier bei Amazon nur gelegentlich, aber diesmal muss es sein. Die bisher negativen Bewertungen dürfen nicht ohne Widerspruch bleiben. Für mich ist dies eins der besten Bücher aus der SZ-Bibliothek, wenn nicht das beste.
Ich kannte Calvino vorher nur dem Namen nach, aber inzwischen lese ich alles von ihm, was ich kriegen kann. Warum? Calvino ist - nicht nur für mich - ein Zauberer der Literatur, ein Philosoph, dem das Schwerste gelingt, nämlich scheinbar Sprödes, Bedeutungsschweres mit magischer Leichtigkeit darzustellen. Wenn ich sage, dass es in diesem Buch unter anderem um die Philosophie des Schreibens und Lesens geht, um das Verhältnis von sogenannter Realität und Kunstwerk, dann rufe ich damit wohl ein Aufstöhnen hervor: dazu lesen wir keine Romane. Aber Calvino macht daraus ein wunderbar lockeres Spiel, ohne banal zu werden. Erzählen kann man den Inhalt nicht, man muss sich auf die Wendungen und Sprünge des Buches einlassen. Aber wer Sinn hat für ernste Scherze, wer dazu die ironische Kunstfertigkeit Calvinos genießen kann, der mit großer Selbstverständlichkeit ganz verschiedene Schreibweisen beherrscht, der wird das Buch mit dem Gefühl aus der Hand legen, eine Entdeckung gemacht und einen Schriftsteller kennengelernt zu haben, wie es in Deutschland keinen gibt. Und fast nebenbei viel über sich als Leser erfahren zu haben. (Und wer will, kann noch vieles andere finden, auch Tiefsinniges)
Also: unbedingt probieren. Und wenn man wirklich eine andere Wellenlänge hat - das merkt man dann schon. Aber die Gefahr. etwas zu versäumen, ist größer.
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am 14. September 2003
Ich verstehe jeden, der dieses Buch entnervt zur Seite legt und doch liebe ich es. Ein witziges, selbstironisches Puzzle in dem sich die Geschichten und die Rahmenhandlung (Über einen Leser, der diese Geschichten liest) in einander verknoten, bis man selber verknotet ist.

Stellen Sie sich vor sie kaufen ein Buch und stellen nach 30 Seiten fest, dass es falsch gebunden ist und nur immer wieder die ersten 30 Seiten enthaelt, die Sie schon gelesen haben. Als Sie das Buch umtauschen wollen, stellen sie fest, dass es nicht nur falsch gebunden war, sondern gar nicht die Geschichte enthielt, die sie eigentlich lesen wollten. Und so geht es weiter, von einer angefangen Geschichte zur naechsten, nur das sich die Geschichten anfangen aufeinander zu beziehen. Das Buch selber scheint zu leben, Rauch zieht über die Seiten, der Leser wird direkt angesprochen, selbst der Akt des Buchkaufs taucht im Buch auf (Nachdem man sich an den Büchern, die man schon immer lesen wollte, an den Büchern, die man immer schon vorgegeben hat, gelesen zu haben und einigen weiteren Abwehrringen vorbeigemogelt hat). Je weiter man vordringt, desto stärker hat man den Eindruck in einer Art Verschwörung zu versinken.

Doch zum Schluss liegen der Leser und die inzwischen aufgetauchte Leserin zusammen im Bett und ...

lesen!
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am 10. März 2015
"Du schickst dich an, den neuen Roman 'Wenn ein Reisender in einer Winternacht' von Italo Calvino zu lesen. Entspanne dich. Sammle dich. Schieb jeden anderen Gedanken beiseite. Lass deine Umwelt im ungewissen verschwimmen. Mach lieber die Tür zu, drüben läuft immer das Fernsehen. Sag es den anderen gleich: "Nein, ich will nicht fernsehen!" Heb die Stimme, sonst hören sie's nicht. "Ich will lesen! Ich will nicht gestört werden!" Vielleicht haben sie's nicht gehört, bei all dem Krach; sag's noch lauter, schrei: "Ich fang gerade an, den neuen Roman von Italo Calvino zu lesen!" Oder sag's auch nicht, wenn du nicht willst; hoffentlich lassen sie dich in Ruhe." (und mal ehrlich: wenn man das nicht ankündigt: sie lassen einen nie in Ruhe ... )

Das ist der erste Absatz des Buches und wenn der euch nicht am Schlawittchen gepackt hat und die Untiefen des Romans zu ziehen versucht - dann wird es der zweite oder dritte für ihn tun. Es ist genial, weil schön und weil lustig und auch ein bisschen (ein unkitschiges bisschen) romantisch und toll, weil ... Sammeln wir uns.
In diesem Roman wird hauptsächlich ein Du angesprochen. Das heißt: Der Leser. Hier tatsächlich als männlicher Leser zu verstehen. Aber es gibt auch eine Leserin. Da man aber nicht Du-männlich und Du-weiblich unterscheiden kann, bekommt die Leserin einen Namen: Ludmilla. Wer wollte nicht schon immer mal Ludmilla sein? Denn das ist eine sympathische Ludmilla. Eine belesene, fünfzig Zitate pro Buch auswendig aufsagende Ludmilla. Und sie ist sympathisch. Wie der Leser.
Es beginnt damit, dass der Leser ein Buch lesen will. Und es ist fehlerhaft. Also geht er in die Buchhandlung um es umzutauschen. Es gab ein großes Verlagschaos und zwei Romane sind ineinander vermischt. Man hat als Leser (sowohl der im Buch als auch ich, der ich den Roman lese) sogar schon den Anfang des Buches mitgelesen, den das Du im Buch liest. Ein Wahnsinn. Und es war spannend und eigentlich will man weiterlesen und wartet darauf, dass das Du im Roman endlich mal den Roman findet, aber da trifft er in der Buchhandlung Ludmilla und sie ist dummerweise verdammt gut getroffen. Auf eine frustrierende Art und Weise zutreffend getroffen. (aber das werden die weiblichen Leser und die männlichen, die sich mal mit weiblichen länger über Bücher unterhalten haben, schonungslos mitbekommen...). Auf jeden Fall erfolgt eine Jagd nach Romanen und man kann immer die Anfänge lesen, aber wie es der Teufel will, kann weder das Du im Buch noch der Leser mit dem Roman in der Hand weiter lesen. Immer wird man unterbrochen (manchmal ist man froh, aber ich war es in den meisten Fällen nicht). Hinzu kommt noch die Geschichte, die der Leser und Leserin erleben - verdammt spannend! Aber ich will hier nicht in meiner Begeisterung allzu sehr spoilern, daher sage ich jetzt nichts mehr zum Inhalt.
Das ganze Buch ist schnell, mit einem Schmunzeln und hin und wieder vielleicht Rotwerden (aus diversen Gründen) zu lesen und endet ein gerührtes Lächeln auf dem Gesicht des Lesenden hinterlassend auf Seite 275. Dabei wird natürlich - das ist der Art der Schreibweise geschuldet - herausragend humorvoll mit der Erwartung des Lesers gespielt, mit den Handlungsabläufen und Kategorien, die man so im Kopf hat (ich sage nur Koffer im Bahnhof - was finden sich da alles für Assoziationen in den Köpfen von Menschen?). Also hinauf geschwungen auf das edle Ross hinaus in die Welt gestürmt auf zum Buchladen (morgen ist Montag, da dürfte vielleicht sogar einer auf haben) und dann mal sehen, ob man den zu Weihnachten geschenkten Rosamunde-Pilcher-Roman nicht umtauschen lassen kann ;)
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am 3. Januar 2007
Trotz anfänglicher Enttäuschungen über die vielen abgebrochenen Geschichten und das (vergebliche) Warten auf eine Verknüpfung der Geschichten miteinander gefiel mir der literaturphilosophische Ansatz Calvinos gut: Seine Reflektionen über die Subjektivität von Wahrnehmung und Rezeption, die Essenz von Romanen und über Literatur per se sind wohl schon postmodern zu nennen. Sehr pointiert und einprägsam waren auch die genretypischen Anfänge der "Romane", die von Witz und Einfallsreichtum zeugen - einige mehr, manche weniger.

Vermutlich hätte ich dem Buch trotz seiner fehlenden Kohärenz (bis auf die finale Verbindung von Leser und Leserin) 4 Sterne für die klugen Analysen und die vielfältigen originellen Ansätze gegeben. Was mich aber sehr gestört - um nicht zu sagen genervt - hat sind die fantastischen Elemente, die auch in die Rahmenhandlung einfließen: Wenn sich dort auf Kommando Boden, Himmel und Umgebung auflösen und Zensur Gegenzensur impliziert oder Revolutionskommando Konterrevolutionskommando "infiltriert", so erscheint mir dieser Versuch surrealistischer Literatur als der anfänglichen Idee des Buches nicht mehr angemessen. Der vorher konstruktive Dialog mit dem Leser wird hier zugunsten etwas willkürlicher Streifzüge durch totalitäre Systeme und fantastische Welten aufgegeben.

Italo Calvinos experimenteller Roman verlangt sicherlich einiges an Konzentration und Geduld vom Leser. Ich kann deshalb nur jedem Interessenten empfehlen, ihn möglichst in einem Guss zu lesen, so dass alle Handlungsstränge, Perspektivwechsel etc. präsent bleiben. Für mich ist das Spiel mit dem Leser hier deutlich gelungener als bei James Joyce, wenn auch wie gesagt die Ausflüge in die diversen fiktiven, offensichtlich totalitären Regime (Zensur, Manipulation der Wahrnehmung, Infiltration) den guten Willen des Lesers arg strapazieren - hier entfernt sich Cavino m.E. zu weit von der Intention des Dialogs mit dem,'Leser des Lesers'.
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am 20. September 2001
Sicher, dieses Buch ist grausam zu seinem Leser. Hinterhältig macht es einem den Mund wässrig, und plötzlich... Es haut einem die Geschichten - und nebenbei die verschiedensten Genres und Stile - derart kunstfertig um die Ohren, dass man hinterher keinem Buch mehr so traut wie vorher.
Dieser heilsame Vertrauensverlust in die Literatur - und in die Welt - stellt es in eine Reihe mit anderen meisterlichen "Büchern über Bücher" wie Borges' "Fiktionen" und Ecos "Foucaultschem Pendel" und mit letzterem teilt es auch das Problem, ein solches Labyrinth mit einem überzeugenden Schluß zu versehen. Dennoch: Für mich ein kleines - und unterschätztes ! - Meisterwerk der Literatur.
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