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am 22. Oktober 2017
Es war der Traum des Freiheitskämpfers und Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela (1918-2013): Nach Abschaffung des Apartheidsystems und der Machtübernahme der Schwarzen-Organisation ANC 1994 sollten alle Rassen und Ethnien im neuen Südafrika gleichberechtigt zusammenfinden. Doch in nur wenigen Jahren explodierte die Gewalt, die sich vor allem zu einer ethnischen Säuberung der weißen Landbevölkerung durch schwarze Gewalttäter auswuchs. Die Utopie einer Regenbogennation zerfiel in einem „failed state“. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse entstand 1999 der Roman „Schande“ des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers J.M. Cotzee.

David Lurie ist Cotzees Anti-Held, in dem sich die Tragödie und das Drama der weißen Bevölkerung Südafrikas widerspiegeln. Seine sexuellen Eskapaden mit einer jungen Studentin bringen den alternden Casanova um seine Stellung als Literaturprofessor, nachdem er einem Tribunal das angebotene Bußritual verweigert. Lurie flüchtet zu seiner einzigen Tochter Lucy, die auf dem Land ein Aussteiger-Dasein führt. Mit knapper Not überlebt er den Überfall dreier Schwarzer, die seine Tochter vergewaltigen. So geschwängert, unterwirft sich Lucy unter den ehelichen Schutz ihres Pächters Petrus, einem zwielichtigen Schwarzen, der bei dem Überfall offenbar die Hände mit im Spiel hat.

Die Schande, die Lurie im Laufe der Geschichte sich so auflädt, ist eine mehrfache. Es ist seine Brandmarkung als alternder Lüstling, der eine abhängige Studentin verführt. Es ist vor allem die Schande seiner Ohnmacht gegenüber der Vergewaltigung seiner Tochter und seine Demütigung ihrer totalen Unterwerfung unter die neuen Machtverhältnisse, ein Topos, der in gewisser Weise den von Hollebeques Romanerfolg „Unterwerfung“ vorwegnimmt. Am Ende ist Lurie regelrecht auf den Hund gekommen: Als Sterbehelfer auf einer Euthanasiestation für herrenlose Hunde.

Cotzees Protagonist Lurie ist nur noch ein Abklatsch, ein Schatten jener europäischen Pioniere, die einst Südafrika kolonisierten. Gewiss, sie taten es auch auf den Knochen der schwarzen Urbevölkerung. Doch bauten sie ein Gemeinwesen auf, das in Wohlstand und Stabilität dem heutigen Südafrika weit voraus war, vom Rest des Kontinents ganz zu schweigen. Lurie hingegen ist bei aller noch vorhandenen Potenz ein alternder Mann, dessen einzige, von ihm entfremdete Tochter als Lesbierin eine sterile Frucht ist. Verdrängt von den neuen Machthabern, zu denen auch Petrus zählt, der als eingeborener Landmann mit mehreren Ehefrauen die wichtigste Lektion eines Farmers lebt, daß das eigene Überleben nichts besser sichert als die Zahl der eigenen Söhne. Eine archaische Regel, zeitlos gültig, gegen die auch Luries europäisch geschulter Intellekt nichts Vergleichbares aufzubieten vermag.

Cotzees „Schande“ ist eine düstere Parabel auf die von ausufernder Kriminalität, grassierender Korruption und ethnischer Gewalt bestimmte Gegenwart Südafrikas, in dem es noch offen ist, ob die einstigen weißen Herren darin überhaupt noch einen Platz finden werden. Keineswegs liest sich der Roman wie eine Abrechnung mit den neuen schwarzen Herren, eher wie die Bankrotterklärung des weißen Mannes. „Wie sind die Mächtigen gefallen!“ – in diesem nüchternen Satz des schwarzen Vaters seiner Liebschaft bündelt sich das ganze weiße Elend.

Seine Gültigkeit hat der Roman bis heute nicht verloren. Cotzee selbst lebt heute im sicheren Neuseeland, dessen Staatsbürgerschaft er angenommen hat. Damit ist er vielen Weißen Südafrikas voraus, die in banger Erwartung kommenden Ungemachs auf gepackten Koffern sitzen.

Südafrikas Gegenwart, das ist Europas Zukunft. Ein alternder Kontinent, der sich dem Ansturm der überzähligen schwarzen Söhne Afrikas kaum entgegen stellt. Wer einen Blick in diese alptraumhafte Zukunft wagen will, der lese J.M. Cotzees „Schande“.
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am 11. Mai 2016
Der 1940 geborene Schriftsteller J. M. Coetzee erhielt 2003 den Literaturnobelpreis. Zudem wurde er als erste Autor zweimal mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Sein im Jahre 2000 erschienener Roman "Schande" spielt in Kapstadt, Südafrika. Der alternde Literaturprofessor David Lurie wird nach einer verbotenen Liebesaffäre mit einer Studentin aus Amt und Würden gemoppt. Er flieht aufs Land. Dort findet er Zuflucht bei seiner einsam lebenden Tochter. Ein brutaler Überfall von drei schwarzen Männern zerstört die vermeintliche Harmonie. Zurück bleibt Trauer und Wut. Nicht immer heilt die Zeit alle Wunden. "Schande" ist ein tiefreligiöses Buch. Es stellt die Frage nach Schuld und Vergebung. J. M. Coetzee schreibt in einer sehr klaren und präzisen Sprache. Die Handlung, das rein formelle Ende der Apartheid wird intelligent angedeutet, ist ungemein fesselnd. Dieser Roman ist ein ganz großer Wurf, kurzum: Literatur von Weltrang.
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am 31. März 2018
Ein einzigartiger Roman, der beim Lesen absolute Beklemmungen hervorruft und sich von Seite zu Seite weiter aufbaut. Der Leser indes stürzt immer tiefer und blickt auf das elendige Dasein der Protagonisten in Südafrika nach der Apartheit (die in manchen Köpfen nach einem traumatischen Erlebnis langsam wieder Einzug erhält). Dieses Buch ist ein physisches Erlebnis, man muss es einfach gelesen haben!
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am 13. März 2015
Das große Werk von Nobelpreisträger J.M.Coetzee mit dem Originaltitel 'Disgrace', erschienen in der Nach-Apartheidära Südafrikas, erhielt zu recht herausragende Kritiken. Das Wesentliche hinsichtlich des Geschehens ist in vielen Rezensionen schon gesagt, so dass es nach einer aktuellen Lektüre noch einige mir zum Verständnis wichtige Aspekte anzusprechen gilt, die aus meiner heutigen Sicht entweder so noch nicht oder nur unzureichend beleuchtet wurden.

Zunächst zum Titel : Der Originaltitel 'Disgrace' ist vielschichtiger als der deutsche Terminus 'Schande' allein. Disgrace kann u.a. auch Schmach , Blamage oder auch Gemeinheit/Schweinerei bedeuten. Diese Begriffe treffen durchaus auch zur Kennzeichnung des Geschehens zu, vor allem Schmach im Sinne von Demütigung. Vermutlich erschien dem deutschen Verlag der Begriff Schande, mit dem eher eine skandalöse Zuspitzung oder auch Entehrung gemeint sein könnte, aber griffiger. Der Begriff Schmach erscheint mir aber zutreffender, denn mit ihm lassen sich die dramatischen Höhepunkte des Romans in ihrer Gesamtheit erklären.

So tut die Hauptfigur Prof Lurie, Literaturwissenschaftler , später 'nur noch' Kommunikationswissenschaftler (schon eine modernistische Herabsetzung für ihn) seiner mehr oder weniger von ihm abhängigen Studentin eine Schmach an, indem er sie unter Nutzung seines Status' gegen ihren eigentlichen Willen sexuell verführt. Daraufhin muss er die Uni Kapstadt verlassen, auch, weil er die Tat zwar eingesteht, aber keine echte Reue zeigt. Er sucht Zuflucht bei seiner Tochter Lucy, die auf dem Lande zunächst mit mehreren, dann allein eine Art alternativen Feldfruchtanbau versucht. Er möchte dort in der vermeintlichen Abgeschiedenheit eine Oper über das von ihm verehrte Idol Lord Byron in seiner Liebe zu einer wesentlich Jüngeren verfassen. In seiner Anwesenheit kommt es in dem Farmhaus zu einem Überfall marodierender Schwarzer, bei der die Tochter mehrfach vergewaltigt wird und er selbst , hilflos, nur knapp überlebend einem Brandanschlag entkommt. Wochen später stellt sich heraus, dass die Tochter durch den verhängnisvollen Überfall schwanger ist. Lurie drängt auf Abtreibung , doch Lucy will das Kind zu seinem Entsetzen austragen. Er muss es letztlich akzeptieren. Luries Welt bricht zusammen, er sieht sich existenziell und psychisch bedroht. Vor allem seine Tochter aber auch er haben eine tiefe Demütigung erfahren, die beide jedoch unterschiedlich auffassen.

Für ihn stellen die Tat und ihre Folgen in einer Reihe von schlimmen Heimsuchungen in Form von Ausgrenzungen, Verbrechen und Herabsetzungen den absoluten Tiefpunkt seines ganzen Lebens dar, das letztlich in Perspektivlosigkeit ohne Ausweg endet. Lucys Reaktion dagegen ist ganz erstaunlich. Zwar sieht auch sie sich tief gedemütigt, versucht aber mehr oder weniger glaubhaft, vor sich selbst die Schmach als kriminelles Geschehen darzustellen, mit dem man sich in Zeiten eines tief greifenden sozialen Umbruchs in der Gesellschaft, den sie mit trägt, arrangieren muss. Letztlich müsse man sich so seines Schicksals annehmen, wenn man bleiben wolle, wo man sich verwurzelt sieht . Für sie ist ihre Haltung nicht nur eine Bewältigung des kriminellen Geschehens und ein Arrangieren mit den gegebenen Machtverhältnissen, sondern auch ein Emanzipationsprozess von ihrem Vater, der nicht nur für sie in einer rückwärtsgewandten 'byronistischen' Welt lebt.

So geht es in 'Disgrace' einerseits neben anderen um zwei Einzelschicksale, andererseits aber auch um eine Parabel über unterschiedliche Positionen in einem tief greifenden gesellschaftlichen Wandlungsprozess. Lurie muss sich in der Schicksalsbetrachtung als Täter sehen, der der von ihm abhängigen Studentin Gewalt und somit auch Schmach angetan hat. Er will aber nicht wahr haben, dass mit der Vergewaltigung der Tochter und an ihm als Opfer ein vergleichbares Verbrechen, wenn letzteres auch weitaus brachialer ausfiel, begangen wurde. Ihm als 'byronic Hero' stünde es aus seiner Sicht zu festzulegen, was Eros sei und was banaler tierischer Sex. Letzteres unterstellt er den Vergewaltigern seiner Tochter , bei sich sieht er eine Schuld weniger. Dass Lucie ihre Vergewaltigung quasi als Preis für die Integration in eine sozial umgebrochene Gesellschaft erstaunlich gelassen hinnimmt , ist nur ganz schwer zu verstehen. Vielleicht hilft hier der Hinweis, dass Südafrika nach wie vor das Land mit der höchsten Vergewaltigungsrate weltweit ist - auch der unaufgeklärten Vergewaltigungen - , und Vergewaltigungen damit ein Stück Lebenswirklichkeit sind (in den 90ern war diese Rate noch höher). Akzeptabel ist eine solche irgendwie geartete Duldung aber dennoch nicht.

Das meint natürlich auch Coetzee , dem es neben der Darstellung der tragischen Einzelschicksale im Vordergrund ganz besonders auch um eine Einschätzung und Kritik am neuen Nach-Apartheidsystem, für das er sich ja zunächst eingesetzt hat, geht. Mit nicht geringem Erstaunen liest man bei ihm wenig von Schwarz-Weiß-Gegensätzen in der Nachära, die doch eigentlich prägendes Thema in dem Land waren. Der Begriff Schwarze wird kaum genannt, häufig sehr umständlich umschrieben, als gäbe es einen solchen Gegensatz gar nicht oder als ob man sich vorsehen müsse, die Existenz solcher Gegensätze überhaupt zu erwähnen. Auf diese merkwürdige Diktion wird in kaum einer Kritik eingegangen. Wollte Coetzee dem sakrosankten Nelson Mandela, damals Präsident der Aussöhnung, nicht zu nahe treten? Oder ist 'Disgrace' einfach die bittere Feststellung : ja, es ist ein Umbruch geschehen , den wir aufgeklärten Weißen auch wollten, und wir müssen das schlicht und ergreifend akzeptieren, auch wenn wir viele Demütungen dabei erfahren haben? Fast scheint es so. Ein Hinweis :Bald nach Abfassung von 'Disgrace' , nämlich im Jahre 2002, verlies Coetzee seine Heimat und zog nach Australien, wo er 2007 Staatsbürger wurde. Da ist dann auch die Tatsache, dass ausgerechnet dieses Buch lange Bestseller Nr. 1 in ganz Afrika war, keine Überraschung mehr . Die herrschende Schicht hat resigniert und ist gegangen, der König ist tot, es lebe der König!
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am 19. September 2016
Das Buch ist sehr bedrückend, dabei durchaus warmherzig geschrieben. Besonders wenn man Südafrika kennt, haben die geschilderten Ereignisse eine ganz besondere Qualität. Die Ablösung des Vaters zu seiner Tochter wird eindringlich und glaubhaft geschildert.
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am 28. Februar 2013
Das Buch spiegelt eine Teil der südafrikanischen Gesellschaft hervorragend wider.
Die Charakterstudien sind präzise ausformuliert. Der intrafamiliäre Spannungsbogen ist gut und glaubwürdig skizziert.
Sprachlich ist das Buch eine große Freude.
Ein Klassiker, den man ähnlich wie Homo Faber von Max Frsich in kürzester Zeit liest, und der den Leser mit Bildern zurückläßt, die einen noch
lange beschäftigen. was will man mehr erwarten von einem guten Buch.
3 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 10. April 2010
Ein unheimlich fesselndes Buch. Konnte es garnicht mehr aus der Hand legen! Dem Buch ist eine sehr bedrückende Traurigkeit beigemischt und des öftern kamen mir die Tränen. Die Geschichte des alten David Lurie und sein Schicksal eng verbunden mit dem seiner Tochter Lucy spielt in Afrika, dem Kontinent der roten Sonne in dem das Leben einfach anders ist -leider. Diese große Weltliteratur kann ich wirklich nur jedem empfehlen und ans Herz legen
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 25. August 2016
Für mich war das Neuland. Ich habe den Film gesehen und war schockiert. Spontan kam mir Winnie Mandela in den Sinn. Was geschehen ist, ist geschehen. Man muss den Weg nach vorn gehen. Ob das eine Lösung ist. Ich denke nicht.
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VINE-PRODUKTTESTERam 6. Oktober 2009
Einige Facetten dieser Geschichte, deren Inhalt hier bereits ausführlich beschrieben und zusammengefaßt ist, erschließen sich dem mitteleuropäisch sozialisierten Leser vielleicht nur mit Mühe: da wäre dieser alternde, arrogante, auf peinlich-intellektualisierende Art frauenverachtende Professor, der im wahrsten Sinne des Wortes vor die Hunde geht; da wäre diese junge Frau, die sich so befremdlich in ein Schicksal ergibt, welches erschauern läßt; da wäre eine trostlose Affaire zweier abgrundtief einsamer Menschen in noch trostloserer Umgebung. Und immer wieder diese unüberbrückbaren Gegensätze: zwischen Vater und Tochter, Mann und Frau, weiß und schwarz, arm und reich, dem Schönen an sich und dem Bösen an sich, zwischen Intellekt und Gewalt, zwangsweiser und freiwillig gewählter Ohnmacht - die Liste ließe sich fortsetzen. In schlichten, klaren Worten entführt der Roman in durch und durch widersprüchliche innere und äußere Welten, ohne (Er-)Lösung anzubieten - und bestünde diese auch nur in Sympathie für die Protagonisten. Ein Buch, das es verdient, mehrfach gelesen zu werden. Ein Buch, dem man nur mit Respekt begegnen kann. Ein Meisterwerk aus einer fremden Welt.
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 6. Mai 2010
J.M. Coetzee (geboren 1940) ist ein südafrikanischer Schriftsteller mit niederländischen Wurzeln. Er studierte in Kapstadt Englisch und Mathematik, war dann in England als Programmierer tätig, übersiedelte wieder nach Kapstadt und nahm einen Lehrauftrag für Englisch, Linguistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität von Kapstadt an. Er lehrte an unterschiedliche Universitäten: u.a. New York, Harvard, John Hopkins, arbeitete auch als Übersetzer von Romanen und Lyrik aus dem Niederländischen und Afrikaans. Seit 2002 lebt er in Adelaide in Australien. Bereits 1974 veröffentlichte er seine ersten Erzählungen. In all seinen Werken beschäftigt er sich mit sozialen- gesellschaftlichen- und politischen Missständen. 2003 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
In seiner Heimat stieß er gerade mit dem Roman "Schande" auf Ablehnung.

David Lurie, ein 52 jähriger Professor der Kommunikationswissenschaften in Kapstadt und Hauptfigur in diesem Roman, verliert seine Anstellung an der Uni wegen seines Verhältnisses zu einer seiner 20 jährigen Studentinnen. Nachdem er seinen Posten verliert, reist er in den Osten zu seiner Tochter, die eine Art "Farm" besitzt und im Gegensatz zu ihrem Vater ein ganz einfaches, jedoch hartes Leben führt. Dort werden er und seine Tochter von drei "Schwarze" überfallen, ihn versuchen sie zu verbrennen, sie wird vergewaltigt. David bleibt noch einige Zeit bei der Tochter, versucht sie zu motivieren in eine Stadt zu ziehen und ihr Leben zu ändern, kümmert sich indessen um die Beseitigung von toten Hunden, fährt dann zurück nach Kapstadt, wird sich bewusst, dass er dort kein neues Leben mehr anfangen möchte und zieht wieder in die Nähe seiner Tochter. Dies ist der grobe Rahmen des Buchinhalts.
Sehr stark betont wird die sexuelle Rolle bzw. sexuelle Neigung der Protagonisten. Es scheint als würde sich David und auch seine vergewaltigte Tochter Lucy nur durch die Sexualität am Leben erhalten. Beide setzen den Geschlechtsverkehr und seine Folgen im Mittelpunkt ihres fühlenden Lebens. David fühlt sich nur dann lebendig wenn er eine sexuelle Beziehung, auch wenn nur flüchtig, mit einer Frau eingeht. Zunächst begnügt er sich mit einer Prostituierten, dann schläft er mehrmals mit Melanie, eine blutjunge Studentin um sich schließlich mit einer verheirateten, älteren, nicht sehr hübschen Frau einzulassen. Er will sich für seine sexuellen Neigungen nicht vor andere Menschen rechtfertigen, im Gegenteil, als seine Kollegen ihn öffentlich seine Tat bereuen lassen wollen, damit er eine Chance hat, seinen Posten als Universitätsprofessor zu behalten, wird er wütend und reist ab. Er gesteht zwar, dass er schuldig ist, sieht jedoch gefühlvolle Entschuldigung in der Öffentlichkeit als nicht angebracht an und fühlt sich in seiner Privatsphäre gestört, in seiner Freiheit eingeschränkt. Beinahe die gleiche Reaktion zeigt seine Tochter ihm gegenüber als sie vergewaltigt wird. Sie empfindet das auch als private Angelegenheit. Die Tochter gibt vor lesbisch zu sein, ordnet ihre Sexualität jedoch ihrem Lebensplan unter. Von den Vergewaltigern geschwängert will sie trotzdem in ihrer "Farm" bleiben und im Notfall ihren Nachbarn Petrus heiraten, der sie beschützen soll. Petrus ist ein Schwarzer, sie ist weiß, er ist Oberhaupt in einem Familienclan, sie ist ganz alleine. Sie bezahlt ihn für verschiedene Arbeiten, er muss sich ihr gegenüber nicht rechtfertigen, er ist nicht (mehr) ihr Sklave. Dieser Roman ist in der Post- Apartheidszeit entstanden. Trotzdem bemerkt man gewisse Schwierigkeiten und Vorurteile, die sich bilden, wenn "Weiße" und "Schwarze" zusammenleben. Lucy will sich dem Land unterordnen und akzeptiert, dass die Schwarzen eine andere Mentalität haben. David tut sich sehr schwer und wird öfter wütend oder er resigniert, er kommt auch drauf, dass sein ganzes geistige Leben im Hinblick auf das reale "brutale" Leben, im Hinblick auf die reale Alltäglichkeit nichts ausrichten kann, umsonst ist, nichts wert ist. Er kann sich und andere in entscheidenden Situationen nicht helfen und verzweifelt eher als seine Tochter. Von sich selbst behauptet er ein schlechter Lehrer zu sein, der nur des Geldes wegen seinen Beruf ausübt, seine wirkliche Berufung ist es hingegen über tote Dichter zu schreiben. Neben seinem kompliziertem Leben beschäftigt er sich mit der Liebesgeschichte zischen Lord Byron und Teresa und versucht schließlich eine Oper daraus zu komponieren. Die Literatur wird sozusagen zu seinem Fluchtort, dort kann er sich von der Realität erholen.
Ein weiteres Hauptthema in diesem Roman ist das Verhältnis vom Menschen zu den Tieren. Der Protagonist David wundert sich als er sieht wie Bev Shaw, eine Frau die ein Tierheim besitzt, nett zu den Tieren sein kann. Für ihn besitzen Tiere keine Seele, kein Bewusstsein. Schlussendlich fängt er an sich für die Hunde, die in Überzahl am Land hausen, zu interessieren und wird sogar zum Sterbebegleiter in der Tierklinik, wo die bereits gebrechlichen Hunde mit einer Spritze getötet werden und deren Körper er wegschafft zu einer Verbrennungsanlage. Er wird sich bewusst, dass die Hunde genauso wie die Menschen Todesangst haben und dass auch sie aus einem Körper und einer Seele bestehen. Richtig lieben, meint David, kann der Mensch nur ein Tier und stellt den Vergleich der Liebe zu den Hunden her. Der Mensch hat gegenüber seinem Hund weder Erwartungen noch Befürchtungen, er erwartet sich auch keine Gegenliebe, und ist nicht auf andere Hunde eifersüchtig, will den Hund nicht ändern, akzeptiert den Hund so wie er ist.

Insgesamt finde ich, dass das sexuelle Thema bzw. die Beziehung zwischen David und Lucy, zwischen David und den Hunden das Hauptthema dieses Romans darstellt. Was die Apartheid betrifft kommt die Angst der "Weißen" vor den "Schwarzen" zur Geltung, die Angst vor "anarchische Verhältnisse" in Afrika, aber auch der Versuch vonseiten der "Weißen" sich an afrikanische Sitten und Gebräuchen anzupassen.
Besonders gut gefallen haben mir die ausgeschriebenen Gedankengänge von David, der sich ununterbrochen Fragen stellt und versucht auf geistige Art Erkenntnisse zu gewinnen. Außerdem wirkt der Erzählstil ziemlich plastisch, so dass ich mir den Überfall auf dem Land richtig vorstellen konnte sowie das "rohe" Afrika, in vielen seiner gesellschaftlichen und landschaftlichen Facetten.
Autobiographische Züge kommen zum Vorschein als der Protagonist David seiner Tochter empfiehlt zu ihrer Mutter in den Niederlanden zu fahren. Auch David kann als Literaturprofessor in Kapstadt, wenn er Namen wie Wordsworth, Byron und Victor Hugo nennt, mit dem Autor verglichen werden.
Die Sprache ist ziemlich einfach und die Sätze sind kurz und bündig. Vom Sprachstil ist "Schande" eher gewöhnlich.
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