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Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
18
Lotte in Weimar: Roman
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:9,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 3. September 2013
Thomas Mann hat diesen Roman 1939 veröffentlicht. Er wollte dem NS-Regime signalisieren, dass sie den Klassiker Goethe nicht für sich vereinnahmen dürfen, sondern dass er allen Deutschen, auch denen im Exil, "gehört". Die Geschichte vom Besuch der alternden Lotte, der aus dem "Werther", bei ihrem einstigen Verehrer wird mit einer anspruchsvollen, gehobenen, kunstvollen Sprache erzählt. Spaß und Ironie kommen nicht zu kurz. Gut recherchierte Details aus dem Leben der Protagonisten werden raffiniert mit erfundenen vermischt. Natürlich war das nicht so, damals in Weimar, aber es hätte sich so abgespielt haben können.
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am 10. Juni 2012
Ein Buch aus vergangenen Zeiten in denen man ungestraft noch viele Worte machen konnte. Diese Worte sind allerdings schoene Worte. Geistreich, ironisch, weise, von historischem Interesse. Das Vorlesen von Gert Westphal ist ein Genuss. Es macht das Hoerbuch zu einem Stueck Kunst, das zusaetzlich zum Roman von Thomas Mann unabhaengig besteht. Gert Westphal ist zu recht neben Thomas Mann in Kilchberg beerdigt.
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am 23. Januar 2017
Fazit:

Sprachlich enorm funkelnd, jedoch über lange Strecken praktisch ohne Handlung, eine Abfolge von Monologen, kaum als Roman zu bezeichnen.

Weimar zwitschert:

Sie plaudern und palavern, sie schalmeien und charmieren, sie jokulieren, ventilieren, philosphieren, quinquilieren, tirilieren, eruieren und disputieren - maniriert, affektiert und über alle Maßen elaboriert. Der Autor heißt schließlich Thomas Mann, und der inszeniert hier einen szenischen Operettenstadl für den fortgeschrittenen Bildungsbürger. Ein klein wenig Spannung aufgebaut zu Beginn des Romans, und dann endlose Dialoge, die manchmal wie serielle Monologe wirken, bis zu sechs Seiten ohne einen einzigen Absatz (fast wie ohne Punkt und Komma).

Mann schreibt mit äußerstem sprachlichem Glanz und stellt seine Akteue apart pointiert-ironisch dar; man könnte das auch für eitles Spreizen halten. Ja, gelegentlich glitt mein Auge am Schwafelmarathon derer zu Weimar ab, rutschte ein paar Zeilen nach unten oder eine Seite nach rechts. Ich bin dann manchmal brav zurückgekehrt an eine Buchstelle, die ich noch erinnerte – denn schließlich bringt flüchtiges Überlesen mich um mindestens um einige köstliche Aperçus, um ein Akkusativ-e ("über ihr Bette"), wenn nicht um weltphilosophische Spurenelemente. Nur dass ich entscheidende Handlungsmomente verpasse, fürchtete ich kaum. Die sind nämlich so rar wie flaches Deutsch in Thomas Manns hochtourigem Duktus. Manchmal bin ich nicht zurückgekehrt.

Eine hübsche Idee:

Für seinen Roman hatte Mann eine einzige hübsche Idee, der Rest ist serieller Monolog: Charlotte Buff, die angeschmachtete, unerreichbare blutjunge Holde aus Goethes "Werthers Leiden", seinem Euro-Bestseller, kommt als gealterte Witwe Kestner nach Weimar, auch um den einst so verzweifelt Schmachtenden (inzwischen selbst Verwitweten) noch einmal zu treffen. Promi-Alarm um Werthers/Goethes Lotte - die Stadt ist in Aufregung.

Doch Thomas Mann hält den Leser weit über Gebühr hin: Die Dame checkt im "Hôtel" ein und will nach kurzem Schlummer zu ihrer ortsansässigen Schwester eilen. Das ist auf Seite 34 von 400. Doch dann drängt sich ein unbekannter Besuch nach dem anderen auf, und bei Seite 250 (sic) ist Demoiselle Kestner immer noch nicht aus dem Haus und Goethe zwar immer wieder angesprochen, aber noch nicht selbst aufgetreten. Selbst in einem Theaterstück gibt es mehr Kulissenwechsel.

Das siebte Kapitel schwenkt dann leserverachtend abrupt in Goethes Haus am Frauenplan, teilweise monologisiert er schwer Nachvollziehbares. Erst 80 Seiten später nach der nächsten Kapitelüberschrift setzt so etwas wie eine Handlung ein (ein Mittagessen, ein Theaterbesuch und danach tatsächlich noch eine weitere hübsche Idee des Autors, vielleicht die einzige, die man gern einmal in der DEFA-Verfilmung von 1975 mit Lilo Pulver sehen würde).

Doch zumeist textet Mann Langstrecken-Sermone über viele Seiten hin – immer auf das Artigste, Allerliebste, fein individuelle Persönlichkeiten modellierend, einschließlich eines 60seitigen Berichts Adele Schopenhauers mit Klatsch aus Weimar. Doch wer neben germanistischem Glasperlenspiel in einem Roman auch Plot und spannungsreichen Dialog erwartet, ist im falschen Film ("sofern man bei diesen Dialogen und Monologen überhaupt noch von Handlung sprechen kann", Die Zeit 1946).

Schwach auch, dass Arthur-Schwester Adele Schopenhauer der Kestnerin ausführlich und negativ von Goethe-Sohn August berichtet – und dieser gleich darauf unerwartet selbst erscheint. So ein Zufall. Der Bruch mit Beginn des siebten Kapitels ist dramaturgisch bizarr, oder vielleicht habe ich etwas nicht verstanden.

Links und Hintergründe in meinem Blog.
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am 26. Januar 2018
Von den kleineren Romanen und größeren Erzählungen Manns ist mir dieser der liebsten. Die Charaktere sind herrlich skuril, vom Kellner Mager mit ostdeutschen Spracheinschlag bis zur anstrengend esoterischen Adele Schopenhauer und ihren Musenkreis. Lotte ist ein starkes Zentrum der ersten beiden Romanen Drittel, ihr gleichzeitiges Genießen des Kultes um sie und ihre vergangene Goethe-Liebschaft, sowie das gleichzeitige Leiden an diesem sollten nicht nur Goethe-Enthusiasten interessieren.

Mann macht dabei von Goethe lange so Gebrauch, wie Spielberg von seinem weißen Hai. Er lässt ihn durch Abwesenheit glänzen und spiegelt seine Bedeutung in der Umgebung. Wohl auch: weil er sich bewusst ist, dass er mit ihm als Charaktere wenig anfangen kann.
Hätte er Goethe mal lieber weiter unter der Meeresoberfläche schwimmen lassen. Der lange Monolog, mit dem sich Goethe schließlich in den Roman drängt ist interessant für das Mannsche Goethe-Bild und einer der besseren Texte, die zu Goethes Weltbild und seinem Verhältnis zu Nation und Dichtung geschrieben sind. Auch die harte Ablehnung der Romantik und ihrer Deutschtümelei ist Charaktergetreu und gut getroffen. Aber es bleibt eben doch mehr ein Essay, der als nicht enden wollende monologische Ausführung in einem sonst polyphonen Buch steckt, kein Vergleich zu den kraftvollen Dialogen, in denen etwa die Charaktere im Zauberberg philosophische und politische Haltungen lebendig werden lassen. Manns Goethe ist seiner Lotte nicht ebenbürtig.

Übrigens: Wie kann man ohne Scham behaupten, dieser Roman habe keine Handlung? Da werden Intrigen gesponnen, Menschen geraten aneinander, Beziehungen werden gestiftet und verhindert, ein politisches System umgekrempelt. Die zwei beherrschenden Weltbilder des 19. Jahrhunderts kollidieren, da ist ja ALLES Handlung! Wie wenig Handlung hat dagegen ein typischer Actionfilm! Ein paar Männer und Frauen wollen Gegenstand X in ihre Hand bringen und erschießen dafür ein paar Leute oder schleichen durch die Gegend. Mit ganz viel Glück verlieben sich noch zwei ineinander, wenn sie nicht vorher erschossen werden.

Anspruch *****
Ausführung ***
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am 27. Dezember 2013
Weimar im Jahre 1816: „Mit der ordinären Post von Gotha trafen an diesem Tage. morgens kurz nach acht Uhr, drei Frauenzimmer vor dem renommierten Hause am Markte ein, denen auf den ersten Blick – und auch auf den zweiten noch – nichts Sonderliches anzumerken gewesen war“. Bei den Damen, die sich im Gasthof ‚Zum Elephanten’ einquartierten, handelte es sich um die Hofrätin Witwe Charlotte Kestner, geb. Buff nebst Tochter und Kammerzofe.

Charlotte ist unter dem Vorwand, ihre Schwester zu besuchen, angereist. In Wahrheit sehnt sich die 63jährige Dame danach, ihren Jugendfreund – oder darf man sagen Jugendliebe – wiederzusehen. Ihre Gedanken schweifen zurück in jene Zeit, als der junge Johann Wolfgang Goethe, Praktikant beim Reichskammergericht in Wetzlar, ihr „Mädchenherz“ verwirrte. Doch sie spürte die Gefahr, die von dem „Unmensch ohne Zweck und Ruh’“ ausgeht, war zurückgeschreckt „vor etwas Unwirklichem und Unzuverlässigem in seiner Natur“. Er, der "der ziellos ins Blaue liebte“, hatte ihr einen „Kuss geraubt“, zog sich aber nach der Verlobung von Charlotte mit Johann Christian Kestner zurück. Sie hatte den Einfachen dem „Glänzenden“ vorgezogen.

All dies wäre kaum erwähnenswert, hätte der große Dichter seine Gefühle und Gedanken nicht zu Papier gebracht und im ‚Werther’ ein Werk von Weltruhm geschaffen. Aus Charlotte Buff wurde Werthers Lotte. Thomas Mann berührt damit die Frage, inwieweit ein Poet über fremdes Leben bestimmen und Individuen unfreiwillig zu öffentlichen Personen machen darf.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von Charlottes Aufenthalt. Ein dichtes Menschenspalier drängte sich vor dem ‚Elephanten’, in der Hoffnung, einen Blick zu erhaschen. Kellner Mager ordnet den Besucherandrang und lässt einzelne Gäste vor. In den ersten sechs Kapiteln kommen Vertraute des Dichterfürsten zu Wort. Im Vorwort zur Ausgabe des Deutschen Bücherbundes schreibt Reinhart Baumgart: „Dieser Durchmarsch der Goethe-Zeugen vor der Hofrätin Kestner verfolgt eine doppelte Strategie: er zeigt einmal Goethe beharrlich aus der Perspektive von Abhängigen, ja Opfern, und er ‚zersetzt’ seine Größe in immer genauere, alltägliche, kleinere und auch kleinliche Details“.

Den Reigen eröffnet eine englische Porträtzeichnerin, die eben rasch das „reizende Gesicht in ihr Skizzenbuch“ aufnehmen will. Als Bürger einer weltoffenen, handeltreibenden Hansestadt hatte der Lübecker Senatorensohn Thomas Mann eine Vorliebe für England.

Der zweite Besucher ist Goethes ehemaliger Sekretär, Dr. Riemer. Nach langen Jahren in Diensten der Meisters regte sich in ihm der Wunsch, „sich so oder so auf eigene Füße zu stellen“. Mit gemischten Gefühlen lauscht Charlotte dem Monolog Riemers, seinem „hülflosen Ringen nach Würde“ und unterbricht nur hie und da. Er nennt Goethe einen „großen Mann“, einen „Genius“ und „Geistesfürst“. Goethe, „ …zu dem die Natur Vertrauen hat wie zum Schöpfergeist selbst, weil er, auf irgendeine Weise mit diesem verbunden, ein dem Schöpfergeist vertrauter Geist ist, der Bruder der Natur, dem sie willig ihre Geheimnisse offenbart…“. Das „Phänomen der Größe“ führt laut Riemer zu jenem Widerspruch, dass Größe auch „Segensfluch“ bedeutet. Riemer skizziert Goethes Radius als „…begrenzte Welt ... darin sich die Motive wiederholen…“. Im Umgang mit seinen Angestellten und Vertrauten („Sozietät“) konnte der Meister zuweilen mürrisch und unduldsam werden. Riemer spricht über seine Arbeit für Goethe „…von süßer und bitterer Ehre…“.

Demoiselle Adele Schopenhauer ist der nächste Gast, welcher der Hofrätin die Aufwartung macht. Die Demoiselle verkehrt im Hause Goethe, ihre Freundin Ottilie ist August von Goethes Verlobte. In August sieht sie das unmündige Ebenbild des Vaters: „August was Sohn – das war die Haupteigenschaft seines Lebens.“ Deshalb und wegen seiner Wein und Weiber Exzesse versucht sie die Ehe zu verhindern und hofft dabei auf die Unterstützung Charlottes. Goethe beschreibt sie als Menschen, der es „…excellent verstand, die Menschen lachen zu machen…“. Im Salon dominierte er, „…weil sich alles nach ihm richtete…“. Als konservativen Napoleon-Verehrer war er „…im Grunde seines Herzens gegen den Befreiungskrieg…“. Goethe ein Musengott? Ja, aber „Er ist groß und alt und wenig geneigt, gelten zu lassen, was nach ihm kommt. Aber das Leben geht weiter, es bleibt auch beim Größten nicht stehen…“.

Als letzter Besucher spricht Kammerrat August von Goethe vor. Der junge Mann erinnert Charlotte an seinen Vater, findet jedoch seine Ausdrucksweise altklug und „unnatürlich gemessen“. Er plaudert über seines Vaters Kränklichkeit, seine Kuren und betont, dass er des Vaters „treuer Helfer“ und Prellbock … zwischen ihm und der Welt der Geschäfte“ sei. Dabei lässt er durchblicken, dass er nicht immer der gleichen Meinung wie der Vater sei. Charlotte gibt ihm den Rat, sich stärker zu emanzipieren.

Im siebenten Kapitel, einem großartigen Monolog, führt Thomas Mann 100 Seiten lang den Leser in Goethes Gedankenwelt ein. Privates und Öffentliches, Kunst und Philosophie, Politik und Wissenschaft vermischen sich und am Ende vermag der Leser nicht mehr zu unterscheiden, ob dies noch Goethes oder schon Manns Gedanken sind: „Lass die keine bunten Vögel in den Kopf setzten von deiner Popularität … bestimmt durch mich, bereichert das Empfangene die Welt. So sollen’s die Deutschen halten, darin bin ich ihr Bild und Vorbild. Welt-empfangend und welt-beschenkend, die Herzen weit offen … groß durch Verstand und Liebe, durch Mittlertum, durch Geist – denn Mittlertum ist Geist …“.

Goethe lädt zu einem Mittagessen in kleinem „Circle“ ein; zu den Gästen zählt auch Charlotte. Der Empfang ist sehr förmlich und steif. Kein vertrautes Wort kommt über die Lippen, stattdessen wird über Mineralien, Kupferstiche und Münzen geredet.

Endet so das Wiedersehen der beiden? Auf der Rückfahrt von einem Theaterbesuch, zu dem Goethe seine Kutsche bereitgestellt hat, findet Charlotte den Dichterfürst überraschenderweise im Fonds der Kutsche. Doch wer jetzt ein Happy End erwartet, wird bitter enttäuscht. Der Meister war vom Besuch Charlottes nicht sonderlich erfreut (“Konn’t sie sich’s nicht verkneifen, die Alte, und mir’s nicht ersparen?“) und erinnert Charlotte – uncharmant – an ihr Alter (Kopfwackeln). Die Gekränkte rächt sich, indem sie Goethe den Spiegel vorhält und seinen Hofstaat als „Schranzen“ und „Opfer“ tituliert: „…was sind sie denn als Opfer deiner Größe. Ach es ist wundervoll, ein Opfer bringen, jedoch ein bitteres Los, ein Opfer sein!“. Beim Abschied fällt kein persönliches, versöhnliches Wort. Charlotte flüstert: „Friede deinem Alter“ und ihre Wege trennen für immer.

Fazit: Ein großartiges, aber langatmiges Werk für dessen Lektüre die Kenntnis von Goethes Biographie von Vorteil ist.
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am 9. Juli 2013
Zu dieser Rezension s. meine Rezension zum gleichnamigen Film.
Thomas Mann muss man gerne lesen, sonst hat man an diesem Buch nicht viel Spaß. Seine Sprache ist wunderschön, doch oftmals nicht immer verständlich.
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TOP 1000 REZENSENTam 30. Mai 2010
Eitel sind sie beide (und damit wohl Thomas Mann ähnlich): Goethe und seine Ex-Angeschmachtete Lotte alias Charlotte Buff/Kestner.

Fast ein halbes Jahrhundert später sehen sich die beiden in Weimar. Handlung gibt es jedoch kaum im Buche. Es sind innere Monologe, Gedanken, Gespräche usw., in wechselnder Autorenperspektive erzählt.
Sehr sinnig und ein schmaler Grat: hielt sich Mann nun für Goethe II (wo er vormals sich noch eher auf die Schiller-Seite geschlagen hatte) oder gefiel ihm im Gegenteil die Dekonstruktion des Dichtergenius aus anderen Perspektiven?

Wer also einen handlungsgetriebenen Roman sucht, wie bei Mann am ehesten Felix Krull, würde nicht wirklich glücklich. Wer jedoch das Reflektierte wie Reflektierende des Zauberbergs oder des Doktor Faustus schätzt, wird in "Lotte in Weimar" auch Leselust aufspüren. Fazit: gleichwohl nicht mein Lieblings-Mann, aber lesenswert und der vier Sterne würdig.
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am 3. Dezember 1999
Manche Bücher ziehen uns Leser sofort in ihren Bann. Andere legen die Fesseln allmählich an. "Lotte in Weimar" gehört zur letzten Kategorie.
Es beginnt mit der Ankunft von Lotte im traditionsreichen Hotel "Zum Elephanten" in Weimar. Lotte - hieß so nicht Goethes Geliebte, verewigt in den "Leiden des jungen Werther"? Die ist es, Charlotte Kestner, geborene Buff, vierundvierzig Jahre nach dem sie Goethe zuletzt sah. Im "Elephant" steigt sie ab, wohlgemerkt, nicht in Goethes Haus am Frauenplan.
Nicht viel passiert in diesem Buch. Lotte sucht im Hotel Ruhe, doch ihre Berühmtheit lockt Gäste herbei. Friedrich Wilhelm Riemer, Goethes Sekretär, Adele Schopenhauer und schließlich August, Goethes Sohns, bitten um Einlaß. Drei sehr lange Dialoge entfalten sich, und langsam kommt man dem Geheimnis des Buches auf die Spur. Man spricht über Goethe, wie er vor vierundvierzig Jahren war und vor allem, wie er heute ist. Ein Bild von Goethe entsteht, und schon glaubt man, ihn zu kennen, ohne daß er bisher selbst auftrat. Erst im siebenten von neun Kapiteln kommt Goethe selbst zu Wort - keine noch so recherchierte Biographie vermag Goethe so lebendig und wirklich gestalten.
Am Ende wird Lotte von Goethe zu einer kleinen Feierlichkeit eingeladen, das Verhältnis ist recht kühl. Später sehen sie sich in einer Kutsche wieder. Erst hier taut Goethe auf, der alten Liebe wird erinnert.
Die Sprachschönheit von Thomas Mann ist unnachahmlich, und im Gegensatz zu einigen anderen seiner Werke wird man von allzu vielen selbstverliebten, seitenlangen Monologen verschont. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 17. Dezember 1999
Gerade jetzt zum Goethe Jahr herrscht nun an neuen wie alten Goethe-Biografien keinerlei Mangel. Umso mehr ist diese etwas andere Form des Umgangs mit Goethes Vita aus der Masse hervorzuheben. Zur Rahmenhandlung: Lotte, jene Lotte aus Goethes "Werther", seine "Jugendliebe", trifft nach langer Zeit in Weimar an und bereitet sich auf den Besuch bei ihrem alten Freund Johann Wolfgang vor. Ein paar Tage bleiben noch bis zu jenem Treffen (im Mann-typischen "siebenten Kapitel"), und Lotte empfängt zahlreich Besuch von unterschiedlichen Persönlichkeiten, mit denen sie im Gespräch das Leben Goethes Revue passieren läßt. Aber die eigentliche Begegnung zwischen den beiden kommt auch nicht zu kurz... Kurzum, eine mehr als nur unterhaltsame, sondern auch informative und sehr persönlich geprägte Biografie des deutschen Oberdichters. Man muß aber schon an Goethe interssiert sein, und man muß auch den typischen Stil Thomas Manns mögen, beides Voraussetzungen, um Gefallen an dem Buch zu finden. Den hat man dann aber auch. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 3. Dezember 2008
ansonsten verliert Man(n) leicht den Faden. Dieses Buch liest sich nicht einfach so. Es erfordert schon die eine oder andere Musestunde, um sich mit dieser brillanten Idee auseinander zu setzen:
Es geht um Charlotte Buff, die Charlotte, die einst von Goethe umschwärmt wurde, die ihm gleichsam als Vorlage für seinen "Werther" gedient hat. Sie besucht Weimar, die Stadt Goethes und wird auch gleich zum Star. Von einer neugierigen Menschenmenge belagert und von allerlei Menschen aus dem Goethe'schen Umfeld besucht, erfährt Lotte Wichtiges und Unwichtiges um den zum Literaturgott erhobenen Goethe.
Erst im siebenten von neun Kapiteln begegnet man dem Meister selbst bei einem inneren Monolog und schliesslich das Aufeinandertreffen der beiden Hauptfiguren Lotte und Gothe bei einem gemeinsamen Abendessen bei ihm.
Bemerkenswert sind die Wechsel der Erzählperspektiven. Zunächst wird über den Meister erzählt, dann lässt Mann den Meister zu sich selbst sprechen und zuletzt sieht der Leser direkt auf den Meister.
Anstrengend aber absolut gut gemacht. Sicherlich kein einfach zu lesender Stoff, lohnt sich aber und bleibt haften. "Buchenswert!"
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