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Kundenrezensionen

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TOP 1000 REZENSENTam 12. Dezember 2016
Alles, was wir heute unter Infotainment verstehen, prophezeit und beschreibt Postman 1985 treffend. Größtenteils reicht es, den Begriff Fernsehen durch Internet zu ersetzen, um dem Werk ungeahnte Aktualität zu verleihen. Dabei geht es gar nicht um eine pessimistische Verurteilung der neuen Medien. Postman geht in seiner Analyse viel tiefer: Wie verändern die Medien, die Art der Aufbereitung unsere Fähigkeit zu urteilen? Angesichts für Rechtspopulisten erfolgreicher z.B. in der Türkei und Ungarn und des Ergebnisses der US-Wahlen für Donald Trump 2016 gewinnt die Frage, wie Menschen ihre Entscheidungen unter dem Einfluss der Medien treffen, völlig neue Aktualität. Ein tolles Buch - und durch den essayartigen Stil sehr gut lesbar.
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HALL OF FAMEam 8. Februar 2007
Als Neil Postman in den frühen 1980er Jahren "Wir amüsieren uns zu Tode" verfasste, war das Fernsehen in Amerika auf dem Höhepunkt seiner Wirkungskraft. Der Medienwissenschaftler untersuchte die tief greifenden Veränderungen, die das TV auf unser Verständnis der Welt und auf unsere Kommunikation hat. Er stellte dabei besonders die Gegensätze zwischen einer vom Buchdruck und einer vom Fernsehen geprägten Gesellschaft heraus. Sein Fazit lautet grob gesagt: Das Fernsehen macht aus uns ungebildete, schlecht informierte Konsumenten, die zu keinem ernsthaften öffentlichen Diskurs mehr fähig sind. Während Postman das Buch verfasste, waren schon die ersten Anzeichen des kommenden Computerzeitalters spürbar, das unsere Kommunikationswelt wohl noch tief greifender als das Fernsehen verändert hat und manche Erkenntnisse Postmans überholt erscheinen lässt. Dennoch ist "Wir amüsieren uns zu Tode" auch heute noch lesenswert. Denn es macht kompromisslos klar, dass jeder technologische Fortschritt, jedes neue Medium kritisch hinterfragt werden muss, dass die schnellere Information nicht unbedingt auch die bessere ist und dass unsere Bildung Priorität vor der Unterhaltung haben muss.
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Nun kommt man als durchschnittlich gebildeter Mensch, mit angewendetem gesunden Menschenverstand, auch durchaus ohne dieses Buch von Neil Postman zu der Erkenntnis, daß der überbordende Einfluss elektronischer Medien und das durch sie fortwährende Niederprasseln überflüssiger und meist inhaltsleerer Informationen, daß die totale Reizüberflutung alles andere als förderlich ist, für die Entwicklung nachhaltigen Wissens und der nur daraus erwachsenden Fähigkeit zu begründeten und begründbaren eigenen Schlüssen, zur eigenen gedanklichen Haltung und Meinungsfindung.

Dennoch ist es nur sehr zu empfehlen, sich die 200 Seiten "Wir amüsieren uns zu Tode" einmal zu Gemüte zu führen! Zum einen, weil es aus der Sicht eines Medien-Wissenschaftlers und Soziologen (Postman war Professor an der N.Y.University) Bereiche intensiv und erklärend beleuchtet, die man als Laie übersähe, dem Leser so fachliche und sachliche Diskussions-Argumente liefert, die über das eigene Empfinden und die Eigenwahrnehmung hinausgehen, und ihn gleichsam motiviert, den Fernseher o.ä. (noch) öfter im Stand-by-Modus zu belassen.

Zum anderen, gewährt es einen sehr guten Überblick über den historischen Ablauf der gesellschaftlichen Veränderungen, die das Aufkommen von zunächst Buchdruck und später elektronischen Medien auf das allgemeine Verständnis von Politik, Entwicklung, Bildung und Trivial-Information bewirkte. Postman erläutert sehr einleuchtend wie zunächst durch die aufkommende Dominanz des Buchdrucks, später dann der elektronischen Medien (Telegraphen, Radio, TV) die Gewichtung der Information und ihrer Relevanz sich massiv veränderten. Inzwischen kommt nun das Internet hinzu, was den Informations-Terror in immer neue Höhen treibt, so man sich ihm nicht gezielt entzieht. Letzteres konnte Postman damals noch nicht berücksichtigen, es sollte dem Leser aber ein Leichtes sein, den Faden gedanklich weiter zu spinnen.

Letztlich besticht Neil Postman vor allem durch seine hohe Sachlichkeit und Rationalität und behandelt das Thema nicht im Duktus einer Toten-Andacht oder Missionierungs-Rede. Er gönnt sich und dem Leser hie und da auch augenzwinkernde Polemik und er versteigt sich nicht im Ansatz zu irgendwelchen abstrusen Forderungen oder gar Schlachtrufen wie "Schafft alle TV-Geräte ab!" oder "Vergiftet alle Medienschaffenden!".
Das wäre auch vollkommener Unsinn. Eine Rückkehr in ein Zeitalter ohne Fernseher, Computer, Mobil-Telefone etc. ist ohnehin nicht realisierbar, ja nicht mal denkbar.

Neil Postman zeigt mit dem Buch Ursache und Wirkung auf und appelliert an den Gebrauch des Verstandes. Mehr können wir nicht tun.
Das Beklemmendste an der Lektüre dieses wichtigen Buches ist das Datum seiner Erst-Veröffentlichung. Postman schrieb "Wir amüsieren uns zu Tode" bereits Ende 1984. Sind wir der Gefahr und den Auswirkungen seit damals begegnet? Wider besseres Wissens, wir sind es nicht. Seither ist ein dramatisches Voranschreiten der Beliebigkeiten, der gefeierten Trivialitäten, der Krönung der Stumpfsinnigkeit zum Lebens-Sinn, eine ausufernde Veroberflächlichung der Kultur unverkennbar.

Umso wichtiger ist gerade heute die Lektüre dieses Buches, auch dann, wenn man sich im Groben über die fatalen Auswirkungen des Fernsehens und dessen massiven Beitrages zum Überschnappen einer völlig glücksbesoffenen Spaßgesellschaft im Klaren ist, und umso mehr, wenn man heute tatsächlich noch glaubt, die grassierende Bildungs-Erosion habe nichts mit dem intellektuellen Tiefflug und der grundsätzlichen Beschaffenheit (auch der des um Seriosität bemühten) Fernsehens zu tun.

"Problematisch am Fernsehen ist nicht, daß es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, daß es uns jedes Thema als Unterhaltung präsentiert!".
Mit diesem einen Satz, enthüllt Neil Postman treffend die große Gefahr. Das Buch ist eine genaue Analyse dessen.
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am 10. August 1999
"Wir amüsieren uns zu Tode" ist mittlerweile auch schon wieder 14 Jahre alt und hat nicht im geringsten an Aktualität verloren. Nur, dass zum Medium Fernsehen noch das Internet hinzugekommen ist. Allerdings ist Fernsehen nur eines der vielen Mittel, mit denen wir uns "zu Tode amüsieren", ein Teil unserer "Spaßkultur". Gerade Vielfernseher werden dieses Buch wohl entweder nicht aufschlagen oder bald wieder aus der Hand legen, wenn sie solche bleiben wollen. Den wen Postman einmal in seinen Bann gezogen hat, den läßt er nicht mehr los und danach ist man um einiges kritischer und skeptischer als zuvor. Das Buch ist nahezu unerläßlich lesenswert, eigentlich für jeden von uns. Als Schullektüre ist es erst ab etwa der 10. Klasse zu empfehlen, weil es teilweise recht anspruchsvoll ist. Ich las es auf einen eindringlichen Hinweis meines Lieblings- Deutschlehrers hin und sehe seither mit anderen Augen fern und noch seltener als früher. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 20. August 2000
Wer verstehen will, was der momentan in Deutschland viel diskutierte Begriff der „Spaßgesellschaft" bedeutet, sollte dieses Buch lesen. Wer sich fragt, warum ein Politiker in einem Wahlkampf erfolgreich sein kann, obwohl er auf politische Argumentation weitgehend verzichtet und satt dessen als Fallschirmspringer und durch Auftritte in fragwürdigen aber populären Fernsehshows in Erscheinung tritt, wird in Postmans Buch die Antwort finden.
Was in den USA schon vor zwanzig Jahren voll entwickelt war, zeigt sich in Deutschland aufgrund der späteren Einführung des Privatfernsehens erst jetzt in aller Deutlichkeit: Die Umwandlung des rationalen öffentlichen Diskurses in reines Entertainment. Postman zeigt eindrucksvoll und in gut lesbarem Stil, wie das Fernsehen jedes Thema - Politik, Kultur, Erziehung, Bildung, etc.- in Unterhaltung verwandelt, und wie dieser Prozess eine der wesentlichsten Errungenschaft der Aufklärung zerstört: die Fähigkeit zur rationalen Urteilsbildung. Der öffentliche Diskurs im Zeitalter des Fernsehens wird nicht mehr länger von der Vernunft in Gestalt der sprachlichen Argumentation bestimmt, sondern durch Stimmungen und Gefühle, beliebig hervorgerufen durch die suggestive und manipulative Macht der Bilder. Eine Entwicklung, die Postman zufolge die Grundlagen der Demokratie zersetzt und in eine neue Unmündigkeit führt.
Ein im besten Sinne aufklärerisches und immer noch hoch aktuelles Buch.
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Das Buch wurde ursprünglich im Jahre 1985 zum ersten mal verlegt. Trotzdem wirkt es immer noch frisch und regt zum kritischen Hinterfragen an. Der Grund dafür liegt darin, dass es nicht nur ein Text der Zeitkritik ist sondern auch - oder gerade - ein allgemein Medien-theoretisches Werk. Postmans zentraler Gedanke, den er auf weniger als 200 Seiten schlüssig belegt, ist, dass jedwedes Medium, also z.B. das gedruckte Buch, der Telegraph, und eben auch das Fernsehen, nicht nur, wie McLuhan dies behauptete, selbst eine oder "seine eigene" Botschaft *ist*, sondern dass es vielmehr durch seine spezifische Struktur und die spezifische Art seines Gebrauchs auch Einfluss nimmt auf die Inhalte, die in ihm produziert werden. So kann etwa das Fernsehen durch seine Struktur schneller Bild- und Tonfolgen nicht das selbe leisten, das der gedruckte Text vermag - nämlich das lange und kritische Verweilen, das Hinterfragen und Prüfen von Argumenten und deren stringente, lineare Ausbreitung und Abhandlung. Das Fernsehen, so Postman, sei *das* "Varieté"-Medium schlechthin. Es eigne sich durch seine spezifische Art der Kommunikation eigentlich nur für die seichte Unterhaltung; Darin sei es unübertroffen und man solle sich von ihm auch gar keine Bildungs-Wirkung erhoffen, die es strukturell zu Erbringen überhaupt nicht in der Lage sei.
Da aber - wir sind im Jahre 1985 - das Fernsehen, nach der Dauer der täglichen Nutzung, das bei weitem bedeutendste Medium der Zeit sei, müsse man auch Auswirkungen auf den öffentlichen Diskurs, die Fähigkeit der Menschen, Argumente abzuwägen, und die Motivation, sich mit eben solchen auseinanderzusetzen selbstverständlich erwarten. Postman erkennt sogar bereits Erosionserscheinungen des öffentlichen Diskurses durch das Phänomen der sog. "Medien-Demokratie" (unter der man hauptsächlich eine Fernseh-Demokratie zu verstehen hat).
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VINE-PRODUKTTESTERam 13. Dezember 2006
-Ein oft zitierter Titel - was steht drin in dieser weitbekannten Medienkritik der 80er Jahre und kann man das Buch aus heutiger Sicht neu bewerten? Neil Postman geht es um die Analyse unserer Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Er bezieht sich, was er auch oft betont, auf die Verhältnisse in den USA, was sich sicher nicht immer 1 zu 1 nach Europa übertragen lässt, weshalb für europäische Leser in der Übersetzung noch einige Anmerkungen nötig gewesen wären. Hier geht es nicht nur darum, wie das Fernsehn zu unser aller Verblödung beiträgt, sondern Postman betreibt eine Analyse der Veränderung der öffentlichen Diskussion (Diskurs) im Verlauf der letzten 200 Jahre.-Den Wandel der Schriftkultur zur Bildkultur. Grade den Verhältnissen des 19. Jahrhunderts räumt dieses Buch viel Platz ein. Postman widmet sich der Tatsache, dass heute unsere Realitätswahrnehmung vor allem durch das Medienformat Fernsehen bestimmt ist. So z.B. dass sich jegliche Probleme im Prinzip einfach aus der Welt schaffen lassen müssten, Unterhaltsamkeit höchste Priorität hat (auch in Schule und Politik), man immer damit rechnen kann, dass der nächste Inhalt den vorherigen irrelevant macht. Der Medienwissenschaftler verdeutlicht seine Thesen anhand verschiedener Beispiele aus Politik, Unterricht und (für europäische Leser vielleicht ein bißchen kurios) Religion (Beispiel populärer Fernsehprediger wie Billy Graham)- hier vertut er sich an einer Stelle, wo er behauptet das Fernsehen würde nicht zum Aufruf zu Hass und Gewalt missbraucht werden können, da ihm dieser Charakter fehlen würde.

Unterm Strich trägt also, laut Postman, das Fernsehen zur Verflachung des Diskurses auf geistiger Ebene bei, während Simplizität, Gefälligkeit und Medienwirksamkeit in den modernen Formen der Massenkommunikation und damit auch im Bewusstsein an ihre Stelle treten.

Betrachtungen, die auch heute noch aktuell und wichtig sind, nur, dass Postman natürlich damals vom Internet noch nichts geahnt hat, einem Medium, bei dem sich jeder (scheinbar) selbst mit Informationen versorgen kann, aus verschiedenen Quellen und so zu Objektivität gelangen sollte. Das Internet ist ja auch ein wieder vorwiegend schriftliches Medium (wenn man es in diesem Sinne benutzt)- die Informationen, die man hier bezieht, haben allerdings eher Wegwerfcharakter. Eine Entwicklung, die damals nicht unbedingt vorhersehbar war, weshalb da Buch heute eher als Teil der Mediengeschichte zu betrachten ist.

Das Buch ist gut zu lesen, es ist auch eher für ein breites Publikum gedacht, weshalb sich Postman auch oft Beispielen aus der amerikanischen Medienwelt bedient (Stars und Sternchen) und Füllinformationen einfließen lässt, wie "XY, der in dem berühmten Film Z mitgespielt hat" . Was das Buch an manchen Stellen etwas geschwätzig erscheinen lässt und für unnötige Längen sorgt, bei denen eigentlich nichts neues gesagt wird. Das Buch kann und sollte auch heute noch gelesen werden, allerdings unter den oben genannten Vorbehalten.
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am 12. Juni 2000
Neil Postman beschreibt in diesem Buch die medialen Verhältnisse in Amerika, wie sie Mitte der 80er Jahre waren. Aus heutiger Sicht sicherlich ein dunkles Kapitel der Mediengeschichte. Viele der Probleme, die Postman aufzeigt, sind heute nicht mehr aktuell, und waren in Deutschland aufgrund des dualen Fernsehens nie so gravierend. Das Buch hilft dabei, die "Kultur" der Amerikaner zu verstehen, liefert viele allgemeingültige erkenntnistheoretische Ansätze, die auch für das eigene Verständnis von Medien und Wahrnehmung wichtig sind. Das Buch ist auf alle Fälle lesenswert - nicht nur für Medienmenschen.
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am 3. Februar 2016
Mitte der 80er erschien diese Medienkritik, die mit einer ungewohnten These einsetzt: nicht der Überwachungsstaat aus Orwells 1984 ist die große Gefahr für die freiheitliche Gesellschaft, sondern Huxleys "Schöne neue Welt" ist auf dem Weg, unser Leben unumkehrbar zu verändern. Wir erinnern uns: bei Orwell raubt ein allmächtiger Großer Bruder den Menschen die Freiheit. Bei Huxley sind die Menschen an so etwas wie Freiheit gar nicht mehr interessiert, weil sie gut unterhalten werden.

Postman erzählt zunächst über die Geschichte des öffentlichen Diskurses im Amerika der vergangenen Jahrhunderte. Politische Kandidaten lieferten sich in den Abendstunden teilweise stundenlange öffenliche Rededuelle, denen die gut informierten Zuschauer intellektuell durchaus folgen konnten. Sie kannten sich in den öffentlichen Angelegenheiten aus, kannten Gesetzesvorlagen und hatten dazu eine ausgeprägte Meinung, die sie adäquat formulieren konnten. Postman entwirft hier so eine Art Idealbild des politischen Bürgers.
Diesem Bild stellt er die Gegenwart gegenüber und fragt sich, wie es so weit hat kommen können. Wie konnte es geschehen, dass der Kampf um die öffentliche Meinung auf dem Niveau einer Wachmittelreklame stattfindet ?

Für Postman ist das Fernsehen der Schuldige. Dabei ist das Problem nicht, dass es uns Unterhaltung präsentiert, sondern dass es uns alles als Unterhaltung präsentiert, also auch die Nachrichten, die politischen Themen, etc. pp.. Seiner Auffassung nach sind die Amerikaner das am besten unterhaltene aber am schlechtesten informierte Volk der Welt. Seine Meinung ist, dass ein Unterhaltungsmedium aufgrund seiner systemimmanenten Anforderungen für einige Bereiche schlicht und ergreifend nicht geeignet ist. Da uns die Politik im Fernsehen jedoch wie Unterhaltung präsentiert wird, verflacht das Niveau unaufhaltsam. Die Kosmetiker werden wichtiger, die Programmschreiber eher nicht. Ein Politiker muss im Fernsehen vor allem gut aussehen. Inhalte werden nebensächlich.
Wer wollte Postman da widersprechen ? Natürlich hat er recht, dass das Fernsehen zur Meinungsbildung (nicht nur in politischen Fragen) nur begrenzt tauglich ist. Selbstverständlich gilt auch als sicher, dass das Lesen von Büchern dem Unterricht mit dem Fernseher immer überlegen sein wird.

Aber ist dieses Buch heute noch wichtig ? Mehr denn je. Wer sich noch an die Zeit erinnert, in der es in Deutschland nur drei (noch dazu öffentlich-rechtliche) Sender gab, und dann den Siegeszug des Privatfernsehens beobachten konnte, wird konstatieren, dass wir Amerika dicht auf den Fersen sind. Tauschen wir doch in Postmans Thesen einfach mal den Bergiff des Fernsehens gegen das Internet aus.

Was ein wenig fehlt bei diesem Buch, ist m.E. der medientheoretische Unterbau. Ein paar Gedanken zu der Frage, was Medien eigentlich sind und wie sie uns verändern, hätten diesem Text sicher noch etwas mehr Gehalt verleihen können. Interessierte können sich dazu natürlich auch z.B. bei Weber (Theorien der Medien) oder auch bei McLuhan (Die Gutenberg-Galaxis) mal umschauen.
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am 7. Juni 2016
Ich habe das Buch im englischen Original gelesen, nachdem es mir ein Bekannter empfahl und wurde nicht enttäuscht.

Es beschreibt sehr treffend den Einfluss der Medienentwicklung auf das alltägliche Leben, die Politik und den Staat. Postman geht dabei zunächst auf die Situation der Vergangenheit ein - so wurden zunächst nur Zeitungen in Schrift gedruckt, dann kam die Einführung von Bildern und hiernach Telegraphe und Telefone für schnelle Nachrichtenübermittlung - bis hin zur Gegenwart (Radio, Fernseher, Internet) und beschreibt die verschiedenen Inhalte, die mit Hilfe dieser Medien übermittelt werden können. Hierbei geht er auch auf die Unterschiede der Medien ein und macht einen kleinen Abstecher in die Erkenntnistheorie / Epistemologie.

Die Nachricht des Buches ist im Prinzip, dass durch die Einführung neueren Medien (Fernsehen, Internet) die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen degeneriert. Immer wechselnde Bilder im Fernsehen, komplett zusammenhangslos eingeblendete Werbung, Fernsehnachrichten die auch nur eine Form des 'Entertainment' sind, da ein ausgiebiger Diskurs politischer Themen nicht in der Sendezeit möglich ist. Der Unterschied zu früher, z.B. zur Gründungszeit der USA: Einfache Leute gingen zu politischen Diskussionen, welche sich über mehrere Stunden hinzogen. Heutzutage wäre dies unmöglich, da 90% der Leute nach 10 Minuten Fachgesprächen abschalten. Durch die schnelle Nachrichtenübertragung / Globalisierung werden die Leute zudem mit Informationen / Nachrichten beschallt, welche für ihr Leben komplett irrelevant sind und verringert ihre Aufmerksamkeitsspanne zusätzlich - dies beeinflusst letztendlich den politischen Diskurs.
Kurz gefasst: Früher ging es mehr um Inhalte, während heutzutage die Unterhaltung / der Eindruck wichtiger sind. Dabei sind prägnante Schlagworte/Parolen um Längen effektiver als fachliche Argumente, da sie den Menschen, die daran gewöhnt sind, dass ihnen Informationen mundgerecht serviert werden, viel länger im Gedächtnis bleiben als die tatsächlichen Inhalte.
Dies ist beispielsweise im (aktuellen) US-Wahlkampf prächtig zu beobachten, der auf unterirdischem Niveau ausgetragen wird.

Alles in allem ein Buch, das insbesondere in der heutigen Zeit sehr relevant ist und zur Grundbildung gehören sollten - in der Hoffnung, dass sich dadurch der aktuelle Trend zur Abstumpfung durch die Medien wieder umkehrt.
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