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Kundenrezensionen

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am 10. Juni 2016
Kurz zum Inhalt:
"Weltschachmeister Mirko Czentovic" spielt auf einem Passagierdampfer, der von New York nach Buenos Aires ablegt, Schachpartien für einen angemessenen Obulus gegen eine Gemeinschaft schachinteressierter Passagiere. Dieser Passagier-Allianz hilft später ein Dr. B. Ein Mann, der von der Gestapo inhaftiert und verhört wurde, und der der Einsamkeit seiner Haft, dem "quälenden Nichts", durch Studieren eines gestohlenen Schachbuchs mit dem darin enthaltenen Meisterpartien zu entgehen versucht. Nachdem er die Meisterpartien bis zur Neige vollkommen auswendig kennt, spielt er im Geiste Schach gegen sich selbst, und verfällt dabei im Spiel "IchWeiß" gegen "Ich Schwarz" der von S. Zweig so genannten "Schachvergiftung". Erst durch Hilfe eines menschenfreundlichen Arztes wird Dr. B. sowohl aus diesem "Wahnsinn" als auch aus der Haft befreit.
Zu den Romanfiguren:
Die Entwicklung des Jungen Mirko Czentovic, dessen " ...dumpfes, breitstirniges, schwerfällig arbeitendes Gehirn ... der simpelste Unterrichtsgegenstände nicht erfasst ..." zum alle Schachmeister schlagenden Genie, der alle Feinheiten des Schachspiels plötzlich wie durch ein "göttliches Wunder" beherrscht, der aber dann geldgierig nur gegen Bezahlung spielt, scheint mir doch stark überzogen.
Auch ist mir eigentlich unvorstellbar, dass die in der Novelle als "drittklassige" Spieler bezeichnete und mit Schwarz spielende "Passagier-Allianz" es in einer Partie geschafft hat, ihren schwarzen Bauern nach 17 Zügen auf das Feld c2 zu bringen und somit Gleichstand oder sogar ihrer Meinung nach "Vorteil" gegen den "Weltschachmeister Czentovic" erzielen. Hier nun greift Dr. B ins Spiel ein - mit der Erklärung, dass es "beinahe dieselbe Konstellation ist, wie sie Aljechin gegen Bogoljubow 1922 im Pistyaner Großturnier initiiert hat."
In diesem Büchlein (Lesebändchen) wird die Erreichung dieser Konstellation zwar schon mit dem 17. Zug deklariert, was aber nur ein *Druckfehler* sein kann, denn in der genannten Großmeister-Partie (Spanische Eröffnung) ist diese Stellung erst nach 37 Zügen erreicht. So ist es noch unwahrscheinlicher, dass diese "drittklassige" Spielerallianz es 37 Züge lang schafft, einem Schachweltmeister ebenbürtig zu sein.
Fazit:
Ungeachtet aller hier angeführten negativ kritischen Ausführungen hat Stefan Zweig mit seinem typischen, virtuosen, doch manchmal seltsamen Schreibstil eine hervorragende, spannende, zum Nachdenken anregende Novelle geschaffen. Und besonders eindringlich und ungeheuer intensiv versteht er es, den seelischen und psychischen Zustand des Dr. B. während dessen Gestapohaft zu schildern, so dass man regelrecht Angst vor solch einem "quälenden Nichts" zu verspüren beginnt.
Zum Schluss noch Anmerkungen zum Bucheinband (Lesebändchen): Die Draufsicht auf eine mit schachbrettartigen Wänden begrenzten Zelle ist in Hinblick auf Dr. B's "Schachvergiftung" äußerst treffend. Allerdings scheint der auf der Einbandrückseite vorhandene Buchwerbetext: "Für den kultivierten Großmeister Dr.B ist das Schachspiel ..." von einem Nichtleser des Buches verfasst worden zu sein, denn von einem Großmeister Dr.B. ist im Buch nicht einmal andeutungsweise die Rede.

Nachtrag am 17.6.2016 zu: ... *Druckfehler*:
Nachdem ich in einer Buchhandlung die Novellensammlung von Stefan Zweig durchgeblättert habe und dabei die "Schachnovelle" etwas eingehender an der erwähnten Stelle las, bestätigte sich meine Annahme, dass es ein Druckfehler im "Lesebändchen" ist. Ganz eindeutig wird in dieser Novellensammlung der "siebenunddreißigste" Zug genannt, als man die entsprechende Spielstellung erreichte. Dazu meine Meinung wie vor: "So ist es noch unwahrscheinlicher, dass diese "drittklassige" Spielerallianz es 37 Züge lang schafft, einem Schachweltmeister ebenbürtig zu sein."
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am 21. Januar 1999
Das ist mein Lieblingsbuch. Ich habe es bestimmt schon zehnmal gelesen und bekomme trotzdem nie genug davon. Lassen Sie sich nicht abschrecken, wenn Sie den gleichnamigen Film kennen, der die großartige Geschichte nur streift und an keiner Stelle die Qualität des Buches erreicht (wie es ja meistens ist, wenn Bücher verfilmt werden). Die Protagonisten in dieser Geschichte sind Schachspieler, daher der Titel. Selbst wenn Sie nichts vom Schach verstehen, werden Sie dieses Buch mögen, wenn Sie sich auch nur marginal mit dem königlichen Spiel befasst haben, werden Sie es LIEBEN! Die Geschichte ist so dicht und geradlinig erzählt, daß an absolut keiner Stelle Langeweile aufkommt, die Personen so hervorragend gezeichnet, daß man nach der Lektüre versucht ist, im Lexikon nachzuschlagen, ob sie nicht tatsächlich existierten! Das Buch ist vom Umfang her ideal für ein Wochenende, nicht zu kurz und nicht zu lang. Die Geschichte hat keinen Durchhänger, der Autor hat an keiner Stelle versucht, Zeit und Seiten zu schinden oder den Leser mit irgendwelchen unnötigen Hintergrundinformationen zu langweilen. Selten hat man einen solchen geraden und verständlichen und trotzdem so dichten und vielschichtigen Schreibstil gesehen. Vermutlich werden Sie es in einem Zug auslesen, denn die Geschichte wird Sie fesseln, sobald Sie sich nach der ersten Seite eingelesen haben, wenn Sie dennoch eine Lesepause einlegen sollten, wird die Geschichte Sie verfolgen, bis Sie weiterlesen. Egal, auf was Sie verzichten müssten, verzichten Sie und kaufen Sie dieses Buch! Wenn ich auf eine einsame Insel müßte und ein Buch mitnehmen dürfte, dann wäre es die Schachnovelle. Das wird auch Ihre Meinung sein.
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am 23. Juni 2014
Im Jahre 1942 begegnen sich auf einem Dampfer auslaufend von New York nach Buenos Aires vier Männer, die allein das Schachspiel verbindet. Der Schachweltmeister Mirco Czentovic befindet sich mit an Bord. Ein von seinem Wesen sehr stark unterbelichteter Charakter, ungebildet und plump und lässt sich durch eine List es Ich-Erzählers zu einer Schachpartier verleiten. Ein amerikanischer Gönner Mc Connor, einst mit Öl reich geworden, erklärt sich bereit, diese Herausforderung finanziell abzugleichen. Doch beide - Mc Connor als auch der Ich-Erzähler - sind dem Weltmeister deutlich unterlegen bis sich der Unbekannten, der Österreicher Dr. B wie sich herausstellt zur Partie gesellt und ein Spiel beginnt, das dem Weltmeister ein klägliches Unentschieden abringt.

"...als ob er die Züge aus einem gedruckten Buch ablesen würde" Pos269-270

Dr. B stammte aus einer Wiener Anwaltsfamilie, die über Generationen das Vermögen der Kaiser verwaltet hatte. Grund genug ihn abzuführen und im Hotel Metropol, dem Hauptquartier der Gestapo zu inhaftieren und im Nichts gefangen zu halten:

"bekanntlich erzeugt kein Ding auf Erden einen solchen Druck auf die menschliche Seele wie das Nichts." Pos 413-414

Das Nichts hatte ein jähes Ende als Dr. B sich schließlich eines Schachbuchs bemächtigte, das er in seine Zelle geschmuggelt hatte und ihm von nun an die Zeit vertrieb, bis ...

"Aus der Spielfreude war eine Spiellust geworden, aus der Spiellust ein Spielzwang, eine Manie, eine frenetische Wut, die nicht nur meine wachen Stunden, sondern allmählich auch meinen Schlaf durchdrang." Pos. 640-641

Die Schachnovelle von Stefan Zweig war das Buch, das mir vor vielen Jahren die Freude am Lesen geschenkt hatte! Und ich lese es immer wieder mit großer Freude und Begeisterung! Danke für die kostenlose und originale Kindle-Ausgabe, die diesem Kleinod viele neue Leser verschaffen wird.

Die Novelle ist nicht nur zeitlos bewegend und spannend sie ist auch in eine herausragende Komposition deutscher Sprache, die heute noch keineswegs angestaubt wirkt. Der Erzählfluss ist exemplarisch und meisterlich reduziert auf einen Kern seiner Zeit, der siegreich die Seelenlosen zurücklässt.
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am 21. Mai 2003
"Die Schachnovelle" von Stefan Zweig hat mich gleich mehrfach begeistert.
Zum einen ist die Erzählweise von Zweig interessant, eine Geschichte in einer Geschichte, das ist hervorragend gemacht. Zum anderen ist es natürlich das Thema selbst, das einem unter die Haut geht. Man kann sich garnicht vorstellen, wie groß die Strafe für einen Menschen ist, dem "nichts weiter" angetan wird, als ihn vollkommen von der Außenwelt zu isolieren. Darum geht es und auch darum, was der menschliche Geist dann für "Kopfstände" macht und wie sehr solch ein Erlebnis das ganze Leben eines Menschen verändert, ja ruiniert! Ausgezeichnet beschrieben, wirklich sehr zu empfehlen!!! Und um Längen besser als der Film, in dem viele Szenen aus dem Buch, sogar Figuren, garnicht auftauchen!!! Also, lieber lesen als glotzen!
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am 27. Januar 1999
Sicher ist diese Novelle, die trotz ihrer Einzelbindung nicht zum Buch wird, ein erzählerisches Meisterwerk des Stefan Zweig. Sicher ist es derart fesselnd, daß es in einem Zug gelesen wird. Faszinierend sind in der Tat die Protagonisten gezeichnet. Psychologisch ins kleinste Detail der Seelenzustand verdeutlicht, ohne dabei trocken oder langweilig zu wirken.Im Gegenteil! Der Urtrieb der Menschen, die Neugierde, wird auf das stärkste gereizt, weiterzulesen, mehr zu erfahren über das Leben des labilen Protagonisten.
Wer dieses "Buch" allerdings nur als geniale Literatur für lange Tage auf der Insel sieht, der verdrängt die Tiefe Bedeutung, die Stefan Zweig hier gekonnt metaphorisch dem Leser vorlegt. Die grundlegende "Message", die Stefan Zweig dem Leser nahelegen will ist die der unglaublichen Brutalität der Nazis.
Er, ein überzeugter Pazifist, wurde durch die destruktive Art dieser deutschen Zeit besonders getroffen. Insbesondere sein Traum vom vereinten Europa - den wir nun zu vollenden suchen!- wurde duch die abfällige Politik dieses immer noch nachlebenden Deutschland vergiftet.
Die Schachnovelle, sein letztes Werk bevor er 1942 freiwillig aus dem Leben schied, daher eine "Quittung" an das Deutschland, das sein Leben so stark beeinflußt hat, so stark in die Melancholie getrieben hat. Die Metapher des stratgischen Schachspiels wird hier verwendet, um die brutal berechnende Art der Nazis zu abstrahieren. Jeder Zug im politischen Irrsinn jener Zeit dient nur dem Ziel, jenem "Endziel" der alleinigen Macht. Ebenso hat das Schachspiel ein Endziel, das Schach des Gegners. In ebenso zermürbender Gewalt wie ein überlegener Schachmeister einen begabten Amateur Zug um Zug um den Siegeswillen bringt, bringen die Nazis jenen vergewaltigten Protagonisten geschickt um Verstand und Wille.
Wie ein Schachspieler angestrengt Zug um Zug nach seiner Chance sucht, Zug um Zug seine Unterlegenheit verdeutlicht sieht, sucht der gemarterte Protagonist, den Opressor zu verstehen, zu hintergehen. Ebenso aber wie der begabte Amateur sieht er sich hilflos gegenüber, sieht sich Zug um Zug zerknetet in der Mühle der unbezwinglichen Übermacht. Der Gegner, die Nazis, verstehen das Spiel besser als er und treiben den unfruchtbar ehrgeizigen in den Wahnsinn.
Die Schachnovelle, jene biographische Begründung des Selbstmordes von Stefan Zweig, zählt auch meiner Meinung nach zu dem überragendsten literarischen Werk, das spannende Erzählkunst mit hinterlegter künstlerischer Botschaft vereint.
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am 27. Januar 2017
Die ‚Schachnovelle‘ musste ich vor vier Jahren in meiner Abiturzeit schon einmal lesen, aber wie es so mit der Pflichtschullektüre, die Lust hält sich eher in Grenzen, zumindest bei mir. Dem entsprechend unaufmerksam war ich dann auch beim ersten Lesen. Trotzdem wollte ich es gerne noch einmal lesen, da es sich um eine Novelle handelt hat sie genau die richtige Länge um sie noch vor den Feiertagen zu lesen, vor allem im Zug. Leider hatte ich es schon an einem Abend ausgelesen. Ich habe das Ebook von Amazon gelesen, mit ca 120 Seiten. Das Original erschien im Dezember 1942.

Inhalt:

Die Passagiere auf einem Passagierschiff, welches von New York nach Buenos Aires fährt, werden Zeugen einer ungewöhnlichen Schachpartie. Der unbekannte Dr. B. schlägt den Schachmeister Mirko Czentovic. Durch das Spiel werden bei Dr B. Erinnerungen an die Zeit wach, als er ein politischer Gefangener der Gestapo in Wien war und ihm Schach das Leben rettete.


Meine Meinung: 

Beim zweiten Lesen ohne Zwang, habe ich die Novelle gradezu verschlungen. 
Ich bin schon fast euphorisch was Stefan Zweigs Schreibstil angeht. In jedem Wort merkt man als Leser seine pazifistischen Einstellung und seinen Wunsch frei zu Leben, ohne Grenzen.
Eindrucksvoll erzählt er in der Schachnovelle von dem Krieg und seinen Folgen. Die Schilderungen von Dr B fühlten sich beim Lesen so real an als hätte ich sie selbst gemacht. In beeindruckenden Sprachbildern, erzählt Stefan Zweig von dem geistigen Tod durch fehlenden Anregungen und dann auch davon wie das rettende Seil zum Strick um den Hals werden kann.
Die Metapher des Schachspiels ist sehr Vielfältig auf den verschiedensten Ebenden in dieser Novelle anwendbar. Angefangen bei seinen Protagonisten Czentovic und Dr B. Im ersten Moment scheint die Aufteilung ganz, der etwas tumbe wirkende Schachmeister, ist Symbolfigur für das Naziregime seinen Stumpfsinn und seiner Bedrohung. Wohingegen Dr B im ersten Moment das Weiße - Gute verkörpert. Er schafft es mit seiner Schläue Czentovic erst in Patt zu setzen und später sogar schlägt. 
Wer jetzt denkt typisches ‚Schwarz-Weiß-Denken‘ den wird das Ende wohl total überraschen. Obwohl Schach schwarz-weiß ist, zeigt der Autor eine bunte Mischung von Leben auf und mit dem Ziel des Dampfers Brasilien, den Wunsch nach Freiheit.
Die ‚Schachnovelle‘ habe ich bestimmt nicht zum letzen mal gelesen. Das Büchlein ist ein guter Einstieg in das Thema Exilliteratur der Umgang mit Österreich im zweiten Weltkrieg, sowie dessen Folgen. Wer sich dafür interessiert muss die ‚Schachnovelle‘ lesen.
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am 31. August 1999
Wer sich schon einmal etwas länger mit dem Schachspielen beschäftigt hat, dem werden einige Curiositäten an diesem Spiel aufgefallen sein. Zum einen ist es egal, wie gut, oder wie schlecht man im Vergleich zu seinem Gegner spielt, man hat immer wieder aufs neue die Chance zu gewinnen, genauso, wie auch die Gefahr besteht, zu verlieren, obwohl der Gegner vielleicht strategisch unterlegen ist. Es kommt beim Schachspielen auf viele Qualitäten der Spieler an. Die wichtigste ist wohl, sich auf seinen Gegner einzustellen. Genau diese Qualität fehlt den beiden Hauptdarstellern in dieser Novelle. Auf faszinierende Art und Weise beschreibt Stefan Zweig, wie zwei sehr heterogene Menschen auf unterschiedlichem Weg zum Schachspielen kommen. Beide erlernen dieses Spiel aus einer eher zufälligen Situation und treiben es fast bis zur Perfektion. Als Leser wird man vom Fanatismus der Schachspieler und von den Möglichkeiten dieses "alten" Spieles mehr als nur gefesselt. Es kommt immer wieder zu Steigerungen, wo sie schon fast nicht mehr möglich sind. Die Leistungen die die beiden Spieler vollbringen sind geradzu unmenschlich, aber aus ihrer Geschichte heraus verständlich. Im Finale geht es wohl kaum noch ums Schachspielen, sondern um einen Kampf zwischen Genialität und Ehrgeiz.
Dieses Buch ist sehr nervenaufreibend und unheimlich spannend. Der schachspielende Leser beginnt automatisch mitzufieber. Der nichtspielende Leser entwickelt zwangsweise den Wunsch, dieses Spiel zu erlernen, um später festzustellen, wie treffend der Autor die Gefühle seiner Romanfiguren beschrieben hat.
Aber in dieser kurzen Novelle geht es nicht nur um Schach. Der Autor zeigt auch, wie grausam der Krieg sein kann, zu welchen "weichen" Foltermethoden die Menschen fähig sind und welche Leistungen das menschliche Gehirn vollbringt, wenn es, um sich zu retten, auf eine einzig Sache konzentriert. Dieses Buch ist keine Empfehlung, sondern ein "Muß". (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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TOP 500 REZENSENTam 14. Juni 2012
Jedes Buch kann eine neue Liebe sein, meist eine, die begeistert, aber bald an Intensität verliert und vergessen wird. Doch manche werden zu alten Lieben - es sind die ganz besonderen Bücher, die Schätze, die vielleicht nicht mal einen Ehrenplatz im Regal haben, aber die wir immer wiederfinden, die wir nicht weggeben, bei denen wir immer genau wissen, wo sie stehen. Für mich ist die Schachnovelle so eine seltene alte Liebe. Und obwohl mir das Schachspiel mehr Bewunderung und Faszination als Begreifen abgewinnt, oder vielleicht gerade deswegen, würde dieses Buch in der Liste meiner liebsten Werke jederzeit auftauchen. Es ist so schön und doch so fesselnd, so gekonnt und doch so malerisch einfach. Ein Buch, das man immer wieder lesen kann, wie sonst nur ein heißgeliebtes Gedicht.

Es können oft die letzten Erzählungen eines Schriftstellers sein, die die einfachste und doch wunderbarste Seite seiner Erzählkunst enthüllen. So bei Hemingway (Der alte Mann und das Meer), Kipling (Genau-so Geschichten) und auch in gewissem Sinne bei Kafka (Der Bau) und Camus (Das Exil und das Reich). So auch bei Stefan Zweig, der viele großartige Erzählungen geschrieben hat (und wunderbare Gedichte: Silberne Saiten) die dennoch alle nicht die Schachnovelle erreichen, in ihrer Schlichtheit, Eleganz, ihrer Konsequenz, ihrer Form, ihrer Geschichte.

Ungern möchte ich hier zu viel von der Handlung dieser Geschichte vorwegnehmen. Denn ihre Einzigartigkeit liegt auch in der Beschaffenheit des Erlebnisses, das man hat, wenn man die Geschichte zum ersten Mal lesen darf. Es sei aber gesagt, dass Zweig auf höchste eigene, fast schon innovative Weise die Nazidiktatur in sein Buch mit einbindet, doch nur sehr am Rande spielt sie eine Gastrolle, wenn auch keine unerhebliche. Doch eigentlich geht es um Schach und um die Faszination und die ambivalente Anschauung zu diesem Spiel - ist es System, ist es Schulung, Instinkt oder Mathematik? Doch werden darüber keine Reden geschwungen ' es ist bloß das meisterhafte Thema, an dem Zweig seine meisterhafte Studie zweier Charaktere und ihrer Lebensgeschichte anlehnen kann; es ermöglicht ihm, zwei völlig verschiedene Menschen einander gegenüberzustellen. Eine psychologische Herangehensweise, gewiss - aber eingebunden in eine Geschichte, die wahrlich unvergesslich und in sich selbst, in ihrer Idee schon klassisch ist.

Stefan Zweig hat einige Erzählungen verfasst, die in ihrer Psychologie und ihrer beinahe nachzuempfindenden Schilderung und Erzählweise, oft großen Eindruck beim Leser hinterlassen. So die Novelle mit dem bezeichnenden Titel Angst oder natürlich eine der besten Geschichten über die Schwelle zwischen Kindheit und Jugend, Brennendes Geheimnis. Doch obwohl diese Texte Erkenntnis- und Verständnisblitze durch die Adern des Lesers jagen, sind sie doch nichts im Vergleich zu den beiden unsterblichen Geschichten, die Zweig uns mit Brief einer Unbekannten und diesem Buch geschenkt hat. Klar, wir wollen erfahren werden, lernen und reflektieren, aber eins wollen wir noch mehr: Geschichten lesen. Und so eine ist dieses Buch. Einfach eine runde, vollendete Erzählung - eine Geschichte, wie sie nur im Buche steht..
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am 30. September 2014
Stefan Zweigs »Schachnovelle« ist eines dieser Bücher, die man auch demotivierten Lesern als Gegenbeweis vor die Nase halten kann, wenn laut »Klassische Literatur ist laaaaaangweilig!« gerufen wird.

Die Handlung spielt sich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ab - Handlungsort ist ein Passagierdampfer auf dem Weg nach Buenos Aires. Der Zufall will es, dass nicht nur der Erzähler, sondern auch der amtierende Schachweltmeister Czentovic an Bord ist. Dieser wird - zuerst aus Prestigegründen - zu einer Partie herausgefordert und gewinnt, wie zu erwarten war, schnell die Oberhand. Doch dann bekommen die Herausforderer Hilfe von einem anderen, bisher eher stillen Beobachter: Dr. B., der sich das Regelwerk des Spiels während seiner Gestapo-Gefangenschaft beigebracht hat, um sich vor anderem Übel zu schützen.

Die »Schachnovelle« ist straff erzählt. Keine unnötigen Schnörkel, eine Handlung, die zunehmend spannender wird; klassischer Aufbau: Rahmen- (Passagierschiff) und Binnenhandlung (Inhaftierung), beide geschickt verknüpft. Macht Spaß, dieser kleine, aber mächtige Text.

Schade ist lediglich, dass die kostenlose Kindle-Version sehr viele Fehler enthält, die den Genuss dann und wann etwas trüben.
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TOP 500 REZENSENTam 9. Januar 2014
Oftmals liest man von Isolationshaft, ein Zimmer, Bett, Stuhl und Tisch, nichts sonst. Abwechslung nur durch Verhöre. Tägliche Routine in vielen Staaten heute und natürlich im Hitler-Deutschland.

Menschen, die das erleiden, fallen zurück auf sich selbst, die innere Fülle oder eine bodenlose Leere.

Wie kreativ kann ich dann mit mir selbst umgehen, kann ein Buch das Leben retten, bin ich in der Lage, die Gefangenschaft zur inneren Befreiung umzudenken?

Stefan Zweig schreibt ohne das sandige Strecken-Netz vieler Romane, die mit Nebensächlichkeiten endlos aufblähen, man steht als Gefangener neben dem Mantel des Offiziers und spürt das begehrte Buch.

Dabei entwickelt sich die Erzählung mit absoluter Hochspannung bis zum Ende. Der eine (Schachweltmeister) kann nur das Eine besonders gut, ein Glücksfall, dass seine Fähigkeit entdeckt wurde. Der andere (Gefangene) ist umfassend gebildet und macht aus jeder Situation bzw. einem einzigen Buch alles: durch seine innere Kraft, seine Kreativität und umfassendem Interesse für andere, für Zusammenhänge und seelisches Mitgefühl.

Tief eintauchen in die Problematik und Seele eines Anderen, in Nöte und Verzweiflung, wenige haben das drastischer, klarer und echter geschildert als Stefan Zweig.

Jeder Satz ein Gewinn, jede Überlegung tief empfundene Hilfe-Stellung und Ermutigung.
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