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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
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am 5. April 2005
Ethan, Sohn des Hoshaja, wird mit seinen Frauen und Kindern an den Hof des Königs Salomo gerufen, um den endgültigen, über jeden Zweifel erhabenen Bericht über das Leben und den Aufstieg des David ben Jesse, Vater des Salomo, zu verfassen. Entstehen soll nach dem Willen Salomos eine Art Heldenepos mit dem Zweck, ihn als legitimen Thronfolger zu etablieren, und dazu gehört auch, die Erwählung Davids durch Gott selbst festzuschreiben. Bereits der amtliche Arbeitstitel dieses Berichts strotzt nur so vor Ironie: der "einzig wahre, autoritative, historisch genaue und amtlich anerkannte" Bericht soll dies werden.
Ethan wird zum Mitglied einer Historikerkommission von Salomos Gnaden ernannt, ein glattes Parkett, wie er (und der Leser) schnell merkt. Eine heikle Aufgabe hat man ihm auferlegt -- schließlich blättert von jeder einschlägigen Lobreisung Davids der Putz, sobald man ein wenig dagegenklopft, und unter der Fassade kommt das Bild eines nicht allzu erfreulichen und recht intriganten Menschen zum Vorschein. Obendrein leben noch viele Zeitgenossen und Weggefährten Davids, deren Erinnerungen ein schlechtes Licht auf dessen Ruf werfen könnten. Andrerseits sind da Salomos Hofkamarilla und seine Geheimpolizei, die überall ihre Ohren hat.
Keine leichte Aufgabe also für Ethan, der sich nicht damit zufrieden gibt, den Mächtigen nach dem Mund zu reden, der aber auch nicht den Mut hat, offen zu rebellieren. Er will aber wenigstens selbst die Wahrheit wissen, und so macht er sich auf die Suche nach schriftlichen und mündlichen Quellen über Davids Werdegang. Was Ethan dabei findet, ergibt das Bild eines skrupellosen Intriganten, der über Leichen ging, und damit kann er bei Hof keinen Beifall finden, egal wie er es dreht und wendet. Er ist schlau genug zu wissen: Wenn er die Wahrheit schreibt, dann bekommt keiner seinen Bericht zu lesen. Also entschließt er sich, die Wahrheit zwischen den Zeilen zu verstecken -- und damit riskiert er schon fast zuviel.

Stefan Heyms "König David Bericht" ist nicht nur stilistisch ungemein treffsicher, es ist schlechthin ein satirisches Meisterwerk, das sich auf mehrere Arten lesen lässt. Zunächst einmal geht es um die biblischen Berichte über David und Salomo, die Heym nur wenig gegen den Strich bürsten muss, um eine ganz andere Geschichte zutage zu fördern als die, die man aus dem Religionsunterricht kennt. Heym phantasiert hier nichts zusammen, wie gesagt, er bürstet nur ein wenig gegen den Strich der kanonisierten Lesart. Es lohnt sich, die entsprechenden Berichte im Alten Testament (Die Bücher Samuel und das 1. Buch der Könige) während der Lektüre griffbereit zu haben. -- Ein Lehrstück in Sachen: Auf die Perspektive kommt es an.
Man kann diesen Roman aber gleichzeitig auf einer anderen Ebene lesen, nämlich als eine Auseinandersetzung über die Rolle des Intellektuellen in totalitären Systemen. Der "König David Bericht" ist nicht nur eine Abrechnung mit dem politischen System der real existiert habenden DDR. Freilich sind die Anspielungen deutlich; so wird z.B. Ethan mit fast denselben Worten des Hochverrates angeklagt, mit denen Abweichler in der DDR und anderswo diffamiert worden waren.
Vielmehr illustriert Heym anhand eines historischen Themas, wie korrumpierbar Wissenschaft und Wissenschaftler sein können, wenn sie in Diensten der politischen Macht stehen.
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am 27. Oktober 2004
Das Buch ist eine der feinsten politischen Satiren, die je geschrieben wurden. Der Roman hat gleich zwei Sujets: Vordergründig befasst er sich mit den biblischen Berichten über König David, fragt sich, wie wohl die zahlreichen Widersprüche, Ungereimtheiten und Anspielungen im Alten Testament zu deuten sind. Stefan Heym gibt dazu seine persönliche Interpretation - ohne Anspruch auf historische Wahrheit, aber mit viel Gespür für die politische Mechanik von Gesellschaften im Übergang vom Feudalsystem zum Absolutismus. Hintergründig ist das Buch eine Satire auf das Verhältnis von Macht und Wahrheit. Man kann eine unmittelbare Analogie zum DDR-Regime erkennen (auch beim gezielten Einstreuen von Bürokratensprache) oder auch zu Stalin (David) und Trotzki (Joab). Aber das Buch ist auch 15 Jahre nach dem Ende der DDR noch aktuell. Denn das, was Heym über die Entstehung der biblischen Bücher schreibt, kommt leider auch heute und auch bei uns noch vor: Die Verzerrung von Wahrheit und die Korruption von Wissenschaft im Dienste der Machterhaltung. Eine Randnotiz: Mich hat die Lektüre auch dazu angeregt, nach Jahren wieder einmal in der Bibel herumzuschmökern. Dabei bin ich auf einiges gestoßen, das eine Folgeband des "König-David-Berichts" rechtfertigen würde...
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Auf mehr als 270 Seiten entwarf Stefan Heym eine andere Lesart der alttestamentarischen Bibel: König Salomo, eine sehr unsympathische Gestalt, lässt sie schreiben, um seine Herrschaft zu legitimieren. Geschrieben ist der "König David Bericht" aus der Perspektive des zerrissenen Ethans, der zwischen Wahrheit und Legitimierung balancieren soll und eigentlich nicht will.
Heyms Buch erschien nicht umsonst zunächst im Westen. Er bediente sich nämlich zwar der Erkenntnisse moderner Bibelforschung, aber eigentlich lässt sich "Salomo" auch durch "Ulbricht" oder "Honecker" ersetzen.
Der Stil ist an Luther orientiert, doch auch nicht immer, das ist eins der vielen stilistischen Kniffe Heyms (der gleichwohl auch zwischenzeitliche "Längen" hat, das sei ihm nachgesehen).
Mehr oder gar die Handlung soll aber natürlich nicht verraten werden.

Das Buch lohnt sich (für West- wie Ostdeutsche) und ist eins der stärksten von Stefan Heym.
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am 30. November 2004
Worüber soll man sich eigentlich mehr freuen bei diesem Buch: Über die brillante, tiefsinnige und frische Sprache, ihren ironisch, beiläufigen Ton, oder über die kesse, historische Aufarbeitung mit faszinierenden Aktualitätsbezügen? Nein; das alles ist es nicht, was mich an diesem Buch am meisten ergötzt. Vielmehr fasziniert mich, dass es tatsächlich Leute gibt, die mit ihrem biederen Bibelgefasel auftreten und damit ernsthaft an diesem großen Buch herumzumäkeln wagen. Ein Lob der König David Jünger hätte sein Werk beleidigt.
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am 10. Juli 2005
Wie ist König David auf den Thron gestiegen? Hat er erst den Philister Goliat getötet und somit den Thron erklommen oder heilte er König Saul, seinen Vorgänger, von dem ihn beherrschenden bösen Geist? Wie ist es zur Zeugung Salomos, des weisen Königs, gekommen? Zu solchen und anderen Fragen soll der Geschichtsschreiber Ethan in Stefan Heyms „Der König David Bericht" Antworten finden und in einem Bericht zusammenfassen.
Beauftragt wird er von König Salomo und einer Kommission, wodurch das erste Grundproblem der Geschichte schon sichtbar ist: König Salomo hat natürlich kein Interesse daran, dass sein Vater als blutrünstiger, machthungriger und gewissenloser Tyrann dargestellt wird. Er soll als der Hirte, der den Norden und den Süden Israels vereinigte, als der von Gott selbst auserwählte König dargestellt werden. Da auch der Prophet Samuel David verkündete, er werde der Begründer einer neuen, von Gott auserwählten Dynastie sein, will sich Salomo selbstverständlich in diese Tradition einreihen.
Ethan macht sich nun auf die Suche nach Zeugen und zuverlässigen Quellen, um den Bericht zu schreiben. Auf seiner Suche werden immer wieder höchst interessante Theorien zur Geschichtsschreibung und Machtsicherung aufgeworfen. Bei der Frage, ob Legende gleich Wahrheit sei, wird von der Kommission geantwortet: „Eine Legende, an die das Volk glaubt, gilt ebenso viel, wie die Wahrheit. Eigentlich noch mehr, denn die Menschen glauben eine Legende lieber als die Tatsachen." Oder: „Diskretion ist Wahrheit, gezügelt mit Weisheit". Wie soll denn nun dieser Bericht aussehen? So wie ihn König Salomo gern hätte oder wie Ethan ihn mithilfe seiner Nachforschungen erstellt? Es ist nicht schwer zu erraten, welcher der Berichte der Gültige sein wird. Diese Tatsache und ihre Folgen sind gerade das Erschreckende an der Geschichte!
Gesprochen wird Ethan brillant von Christian Redl. Er erfasst die Gefühlslage Ethans mit höchster Präzision, kann sein Unbehagen und Zweifel, seine Wut und Enttäuschung über seine Aufgabe und Salomos Beschlüsse wunderbar ausdrücken. Auch die Tochter Sauls und erste Frau Davids, Michal, wird grandios von Tilly Lauenstein gesprochen: mit zittriger und zugleich kraftvoller, wütender und zerrissener Stimme spricht sie von Davids Thronbesteigung.
Hilmar Thate als „Polizeichef" Benaja, Marylu Poolman als Ethans kranke Frau Esther und seine Kebse Lilith, Katharina Palm, sprechen ihre Rollen sehr überzeugend. Die unterlegten Männergesänge, die Nachrichten kundgeben, sind wirklich beeindruckend. Der Torhauptmann (Jürgen Watzke), der sobald er „Ausweis!" ruft immer von einer sehr komischen Trompete im Hintergrund begleitet wird, spricht seine Rolle als gelangweilter, schnoddriger Grenzkontrolleur und wirkt somit fast schon als heiteres Element in dieser doch eher düsteren Geschichte. Er und die anderen, selbst kleinsten Rollen werden mit größter Genauigkeit gesprochen. Dieses Hörspiel ist wirklich fabelhaft gelungen und absolut hörenswert!
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am 1. Juni 2013
Der Historiker Ethan bekommt von König Salomo den Auftrag, einen historisch genauen Bericht, unter dem aber eine Lobpreisung verstanden wird, über dessen Vater, den biblischen König David , den Erwählten Gottes, zu verfassen.
Der Autor schenkt den Lesern mehr als einen spannenden, gut recherchierten und in hervorragender Sprache verfassten historischen Roman.
Es ist ein kritisches, satirisches Meisterstück, denn die Kritik an diktatorischen Herrschaftssystemen ist deutlich zwischen den Zeilen zu lesen. Der Autor hat hierfür einen historischen, mythischen Stoff gewählt, was außerordentlich spannend, originell , beherzt und vollkommen gelungen ist.
Ich halte diesen Roman für einen der Besten Romane, die ich bislang gelesen habe.
Stefan Heym hat mit dem Mittel der schriftstellerischen Kunst das, was an Kritik am politischen System möglich gewesen ist, überzeugend geleistet.
Mehr kann ich von einem Roman nicht erwarten; Ich würde mir wünschen, es gäbe gegenwärtig mehr Autoren, die die gleiche Beherztheit, den gleichen Mut und das gleiche Können besitzen würden, wie Stefan Heym.
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am 28. April 2014
Stefan Heym ist mit diesem Roman eine ungemein schlüssige Bloßstellung durchtriebener und im höchsten Maß intriganter Machthaber geglückt, die, um sich oder den Ihren eine blütenweiße Weste zu besorgen, kein Mittel scheuen, die niemanden schonen und im wahrsten Sinn über Leichen gehen. Obwohl im alttestamentarischen Jerusalem angesiedelt, ist diese entlarvende und bissige Geschichte so zeitlos wie nur irgendetwas. Inhaltlich und sprachlich atemberaubend!!!
Ich hätte Stefan Heym gern kennengelernt, schon allein, um mit ihm über dieses Buch zu sprechen!
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am 9. März 2012
Dieses Buch habe ich an einem Sommertag vor vielen, vielen Jahren bei einer guten Bekannten in die Hände bekommen, und ich konnte nicht aufhören, bevor ich es durchgelesen hatte. Stefan Heym ist sehr detailreich und mit großem Einfühlungsvermögen der Frage nachgegangen: "Welche historischen Fakten könnte sich hinter dem biblischen Text von David wirklich verbergen?". Dabei gelang ihm eine fast zeitlose Darstellung repressiver, egoistischer Herrschaft, die sich in vergleichbarer Form in vielen Epochen wiederfindet. Dazu gehört auch das Verhältnis zwischen den Intellektuellen und den Mächtigen, das für seine eigenen Biografie ja immer wieder bedeutsam wurde. Sowohl literarisch, als auch theologisch und historisch ein hochinteressanter Roman, dazu noch mitreißend geschrieben. Muss man eigentlich gelesen haben...
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am 11. Januar 2002
Das Buch ist keine leichte Kost. Man lernt aber über die Geschichte der Juden zur Zeit des Alten Testaments, die ja auch die Geschichte der Christen wurde, einiges, was ich so noch nirgens lesen konnte.
Auf der anderen Seite ist es auch ein Lehrbeispiel, wie Geschichte "geschrieben" wird - sicherlich eine Anspielung auf DDR-Realitäten - aber wohl auf das Verhältnis von Mächtigen zu "ihrer" Geschichte verallgemeinerbar.
Lesenswert!!!!
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am 2. September 1999
Der biblische König Salomo benötigt für die Legitimation seiner Herrschaft einen autoritativen Bericht über das Leben seines Vaters und Vorgängers David. Ethan, der Historiker, wird damit beauftragt. Dieser sucht den goldenen Mittelweg, der weder gegen die göttliche Autorität noch gegen den verhängten Personenkult verstößt. Er forscht nach Zeugen der Wahrheit, findet sie und enthüllt damit die dunklen Züge einer blutigen Dynastie. Doch sie wird totgeschwiegen. Stefan Heym legt in seinem Roman die despotischen Praktiken und ihre ideologischen Modelle bloß, zeigt die grausamen Widersprüche und ihre Menschenfeindlichkeit. Was der Bericht verschweigen soll, wird gerade durch das Scheitern sichtbar: Davids berechnende und skrupellose Machtpolitik, Mord, Diebstahl und Ehebruch. Schließlich wird Ethan der Prozeß wegen "literarischen Hochverrats" gemacht. Stefan Heym's Roman von 1972, eine politische Satire auf kommunistische Vergangenheitsbewältigung, zeigt deutlich den Konflikt zwischen Geist und Macht in allen Gesellschaftsepochen. Manfred Orlick, Halle (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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